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#1
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| ich denke, das kennt jede/r, dass es manchmal leute gibt, die im job, im privaten bekanntenkreis oder im unterricht destruktives verhalten an den tag legen. ob nun jemand wild entschlossen ist, ständig beleidigt zu sein oder ob das mehr auf der offenen aggressions-/kritik-/herabsetzungsschiene läuft oder sonstwie von der intrige bis zu subtileren formen der verletzung und einschränkung anderer: manche leute sind einfach wirklich schwierig, entweder zu einem selbst oder zu anderen, die sich schlecht dagegen wehren können. ich muss gestehen, dass ich selbst in solchen fällen dazu tendiere, ganz untaijimäßig mit grober unfreundlichkeit, spott oder zynismus drüberzufahren, wenn mir keine deeskalation in für mich zumutbarer zeit gelingt und ich so jemandem nicht aus dem weg gehen kann. aber eigentlich sollten solche situationen nach den taiji-mechanismen auf kommunikationsebene doch auch "weich" aufgenommen-neutralisiert-abgegeben werden können, oder? sind taijiler, die weiter als ich sind, grundsätzlich in der lage, mit destruktiven persönlichkeiten, destruktiven beziehungen und destruktiven alltagssituationen so elegant umzugehen oder bleibt das einfach eine frage des individuellen charakters wie gehabt? da ich wenig vergleichsmöglichkeiten habe (ich tippe mal vorsichtig darauf, dass mein lehrer sowas in der richtung kann, aber wirkliche konflikte gabs in unserer schule nie und der könnte ja von natur aus einfach eine integrative persönlichkeit sein), würde mich interessieren, was euch - als vertreter verschiedener richtungen, schulen und ansichten in bezug auf imas - zu dem thema einfällt bzw. ob da eine gemeinsame linie auszumachen ist, die grundsätzlich mit der ausübung einer inneren kampfkunst zusammenhängt. wie geht ihr mit destruktiven leuten um? wie gehen eure lehrer damit um? |
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#2
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| Naja der Umgang definiert sich durch dein Verständnis was der Gegenüber damacht und das man sich folgende Tatsacher klar macht. Entweder man kann nicht Wissen warum er anscheinend so reagiert wie er reagiert.Dann man muss warten und herausfinden warum er so reagiert(Ist ein in einer Situation wo man sich mit Körperlichern Argumenten verteitigen muss natürlich unvorteilhaft zu warten )Am sonsten kann man ein etwaiges Denkkonstrukt erstellen, weil Menschen Dinge aus ähnlichen Beweggründen tun.Das heißt er tut dann zb seinen Stress abbauen weil er nicht damit umgehen kann, oder seine Frau sich wieder gezofft hat mit ihm, oder er seine Kinder nicht mehr unter Kontrolle hat. Vielleicht aber hat er Angst um seinen Job wer weiß. Beweggrund meint dabei das solche Stresssituationen aus einem Mangel in der Regel passieren. Welcher Mangel das ist läßt sich nicht immer durch ein Gespräch heraus finden wenn man die Person kennt. Nun aber dieses Grundmuster ermöglicht uns zu erkennen das der Mensch eine Situation erreicht hat mit der er so nicht klar kommt. Für sich sollte man dann durchspielen wohin es weiterführt wo es hingeht wenn man sich drauf einläßt mitmacht etc... Hat man alle Varianten durch, sollte man eigentlich dabei herauskommen das es einfach keinen Sinn macht sich darauf einzulassen, weil man selber dabei in Verführung gerät aus seinem Gleichgewicht zu treten und andere noch weiter in diesen Kreislauf führt die das nicht überblicken können. Es gibt sicherlich die Menschen dies einfach nur drauf anlegen, denen spielt man nur in die Hände wenn man sich provozieren läßt. Viele grüße, iron |
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#3
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| Zitat:
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#4
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| Hi Tsange, (dein Nick klingt ja auch schon etwas 'pieksig' oder 'kneifend', obwohl dein Schreibstil sehr offen und angenehm ist) Erstmal kann ich mich nur über Tai Chi Chuan und seine Strategien äussern, da mein Wissen über die andere Stile viel zu oberflächlich ist, um mich über potentielle "Transfers" zu äussern. Dafür sind andere hier im Forum gefragt. Erstmals muss man den Grundsatz akzeptieren, daß die Art, wie der Körper bewegt bzw. agiert, die sonstigen Emotionen, Gedanken, Handlungen usw. beeinflussen kann. (Kann, nicht immer muss). Darauf aufbauend, meiner Meinung nach, bietet TCC die Möglichkeit, positiv oder sagen wir produktiv mit Aggression, negativer Energie usw. von anderen umzugehen. Also, die folgende Aussagen können sowohl auf der körperlichen, technischen Ebene innerhalb des Trainings, als auch im übertragenden Sinne für das Leben, verstanden werden: - Einem anderen einen gewissen Freiraum geben, ihn "sein Ding machen lassen", ohne die eigene Mitte oder Unversehrtheit zu kompromittieren. - Grenzen stellen können, ohne den anderen damit "in die Ecke zu stellen" oder ein direktes "Kraft gegen Kraft" einzusetzen - was oft zu Unterdruckung oder zur Eskalation führt. - Bestimmte Sachen, auch "Angriffe", bis zu einem bestimmten Grad näher an sich heranzulassen ("Offenheit", "Zulassen", "Für voll nehmen"), ohne das es einem wirklich verletzt oder aus dem Lot haut. - "Angreifende" Energie durch sich hindurch zu lassen und in die Erde zu schicken. (wie ein Blitzableiter, ohne selbst "verbrannt" zu werden). Das setzt aber ein paar Sachen voraus: 1. Man trainiert diese Sachen relativ intensiv in der Kampfkunst. Was nicht unbedingt der Fall sein muss; man kann auch ganz effektiv körperlich kämpfen, ohne diese Sachen besonders zu vertiefen. Ob es dann wirklich noch Tai Chi Chuan oder doch eine andere Methode ist, sei hier dahingestellt... 2. Man muss bereit sein, diese Sachen auf sich wirken zu lassen. (Erst) dann können sie einem wirklich helfen und verändern. Was mich an einen meinen Lieblingswitze erinnert (geht leider nur auf Englisch...) Q. "How many psychotherapists do you need to change a light bulb?" A. "Only one. But the light bulb must really want to change..." Nicht, daß persönliche Veränderung automatisch Psychotherapie bedeuten muss - sicherlich nicht. Aber der Pointe bleibt. Man könnte einen ganzen Aufsatz (oder Buch) über das Thema "Transfer von Tai Chi Chuan ins Leben" schreiben. Hier oben nur ein paar Ideen oberflächlich angerissen. Und jetzt muss ich endlich wieder trainieren und meine sonstige Arbeit machen, statt immer wieder im Forum mitzumischen... ![]() Schöne Grüsse, Giles
__________________ Do not give up the near in order to seek the far. |
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#5
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| Die Leute die sich einfach nur sagen ich muss mich nicht aufregen. Werden sich vielleicht in 9 von 10 Fällen nicht aufregen, aber im 10, da liegt der Knackpunkt. Weil sie sich nicht die Mühe machen an die Wurzel zu gehen. Der Stress,Ärger denn die Menschen machen ist nur ein Auswuchs. Für dich keine Wurzel kein Auswuchs. Viele grüße, iron |
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#6
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| Zitat:
Schon allein wenn man körperlich entspannter ist, und das bin ich durch IMA mit Sicherheit geworden, müsste man sich auch leichter im Alltag entspannen können. Wenn man sich zudem etwas mit solchen Prinzipien beschäftigt bleibt es nicht umhin, das sich sowas auch auf andere Lebensbereiche überträgt. Ist doch schön oder? ![]()
__________________ --- 如山不动 --- |
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#7
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| Hi, tsange! Meiner Meinung und Erfahrung nach bewirkt das Erlernen einer ima nicht per se eine Verhaltens-, geschweige denn eine Persönlichkeitsveränderung. Wer zum Beispiel in den ima nur sportliche Bewegungen oder Kampftechniken sieht und sich mit den soft skills nicht beschäftigt, der merkt wahrscheinlich gar nichts - im wahrsten und im übertragenen Sinne. Zwar wird gerade beim taiji der ganzheitliche Anspruch, also auch die Entwicklung der Persönlichkeit, immer mitgedacht und auf die Fahnen geschrieben, in der Realität sieht das jedoch anders aus. Vielleicht mag für einen Meister - im Sinne eines shifu - die Persönlichkeitsentwicklung seines Schülers von Interesse sein und er sie auch beurteilen können, aber in normalen, kommerziell ausgerichteten Schulen mit bis zu 30 Teilnehmern in einem Kurs? Und auch ein Meister ist nicht gleichbedeutend mit ausgereifter, neutralisierender, gelassener Persönlichkeit. Ich zum Beispiel bin auch diesem Klischee aufgesessen, das man - vielleicht gerade als Europäer - von einem Taiji-Meister so im Kopf hat. Ruhig, gelassen, ausgeglichen, tolerant, empathisch. Weit gefehlt. Mein Lehrer ist eine narzistische Persönlichkeit wie sie im Lehrbuch steht. Aufbrausend, kritikunfähig, manipulativ, immer im Mittelpunkt stehen und der Beste sein müssen. Der hat keinen taiji-geformten, ausgleichenden Umgang mit destruktiven Persönlichkeiten - er ist die destruktive Persönlichkeit! Grüsse, laoshu
__________________ There is no phoenix without ashes. Aus der Biografie von Jane Fonda |
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#8
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| Hi, im Taijiquan gehts immer um beide Seiten der Medaille. Ich merke langsam (nach ein paar wenigen Monaten), dass meine sicherlich eher Yin-lastige Veranlagung ein bisschen mehr Yang zulässt. Könnte natürlich unter dem Gesichtspunkt "Grenzen setzen" fallen. ![]() Das musste ich aber gottseidank noch nicht mit/an destruktiven Leuten testen. ![]() Der Gedanke, dass Taijiquan jemanden in Richtung Mitte stabilisiert (sanfte Menschen werden etwas resoluter, aggresivere Menschen etwas sanfter) passt für mich aber sehr gut ins Konzept. ![]() cu Netandi |
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#9
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| Ich halte es ja immer so ein bissl für´n Klischee, dass traditionelles Kung Fu zu Weisheit und Ausgeglichenheit führen soll. Hat nicht auch ein Kung Fu Heini ebenso wenig und ebenso viel Recht, ab und an mal ein patziger Assi zu sein, wie jeder andere? Im inx-bums Forum bekommt Phil Bayer oft zu hören, dass sein unhöfliches Benehmen eines Kung Fu Meister unwürdig sei. Ich denk mir dann immer, dass Kung Fu Meister doch auch nur Menschen sind. Unter Umständen ist mir jemand mit der Direktheit eines offenen Hosenstalls und dem Mundwerk eines Bierkutschers sogar lieber als ein Mr. Myagi Verschnitt. Fällt mir nur so spontan zu dem Thema ein. Wenn ich mir Gedanken um mein Verhalten gegenüber anderen Menschen mache, dann denke ich dabei eigentlich weniger über einen möglichen Einfluß meiner KK nach.
__________________ Rock´n Roll above all ! Chris bamboozle: Warum darf Lars hier eigentlich reinspammen und sich aufführen wie ein Grundschulkind? |
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#10
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| Zitat:
Macht wenn andere so etwas machen die Sache besser ? Wie steht es mit der Sache an sich ? Ist es besser jemand der einen Agressiv ins Visier nimmt genauso anzuschauen oder ihm neutral zu begegnen und dem gar nicht auszuweichen ? Man darf ja eins nicht vergessen, nur weil Leute die Frieden schätzen heißt das nicht das sie nicht kämpfen können ![]() Viele grüße, iron |
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#11
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| Ist halt ne Frage des Temperaments, Darius. Denke ich jedenfalls. Ich glaube dass ist ganz ähnlich wie die Frage, ob Schlägertypen durch´s KK-Training friedlicher werden oder ob man da keinen sicheren Zusammenhang konstruieren kann. Die Debatte is ja auch grade aktuell, hier im KKB.
__________________ Rock´n Roll above all ! Chris bamboozle: Warum darf Lars hier eigentlich reinspammen und sich aufführen wie ein Grundschulkind? |
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#12
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| Zitat:
Ich denke wer sich nicht drauf einläßt und verkrampft bleibt agressiv wie er war. Viele grüße, iron |
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#13
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| Letztlich sind die IMA´s meist auch Wege die einem überhaupt die Möglichkeit eröffnen sich selbst und sein Vorgehen zu reflektieren. Bzw. einem andere Wege zeigen um sein Spektrum zu vergrößern. Ahoi Lindo |
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#14
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| Viele grüße, iron |
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#15
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| Mir kommt es so vor, als wenn das Erlernen einer Kampfkunst nicht die Ursache sondern ein Symptom dafür ist, dass ich mich verändere. Und dann wiederum verändert sie mich. |
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