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#1
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| Gruß an alle Tai Chi Spezialisten, Da ich jobbedingt in letzter Zeit immer mal wieder das Training ausfallen lassen musste, wollte ich mal in die Runde fragen, ob ihr mir Übungen nennen könnt, mit denen man zuhause allein das Peng Jin (beim I Liq Chuan auch einfach "Fullness" genannt) trainieren kann. "Säule stehen" gehört übrigends bereits zu meinem täglichen Workout. Ein Grundgefühl für Körperausrichtung ist also vorhanden ![]() |
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#2
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| Man kann z.B. son Gummiband nehmen (kein Deuser-Band, die sind zu kurz, aber es gibt ähnliche, die sind lang und viel dehnbarer, ich weiß gerade nicht, wie die heißen, gibts aber bei ebay zB), das macht man an der Wand oder Türklinke fest und legt es um den Bauch, Brust, Kopf oder Hüften und macht dann Übungen, z.B. Säule stehen oder bestimmte Formen des Hin- und Hergewichtens, wobei man das Gummiband dann dehnen muss ohne die Struktur zu verlieren. Das sind gute Übungen, ich finde es aber erstaunlich, dass man nicht das Gefühl bekommt, dass dadurch was wirklich Entscheidendes anders wird, als wenn man die Übungen ohne das Gummiband macht. Also man muss sich auf Werkzeuge nicht notwendigerweise verlassen. Ansonsten gibt es auch Partnerübungen, wo der Partner gegen die Struktur drückt, die man aufgebaut hat. -- Edit: Thera-Bänder heißen die Dinger
__________________ chin. "Jin"="physische Energie". Dass sich durch langsame Bewegungen mit der Zeit eine mystische "Jin-Flüssigkeit" ansammeln würde, ist Unsinn. Geändert von nagual (24-09-2010 um 19:13 Uhr). |
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#3
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| Also wenn die Ausrichtung OK ist und es "nur" an Kraft fehlt, kann man erstmal in allerlei möglichen Positionen seine Muskulatur testen, dazu tut es auch eine ganz normale Kurzhantel. Für die normalen Übungen sind Säule und sehr langsame Bewegungen ausreichend. Übungen mit einer langen flexiblen Holzstange (Pole-Shaking) schaffen den Rest. Gruss, Thomas
__________________ Der Gott, der Eisen wachsen ließ / der wollte keine Knechte Drum gab er Säbel Schwert und Spieß / dem Mann in seine Rechte |
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#4
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| Hi Rupert, der Rat von Nagual und Thomas is schon gut. Wobei wenn du mit den Gummibändern arbeiten willst, pass auf, daß du deinen Tonus nicht übermäßig erhöhst bzw. verhärtest, um die Struktur aufrechtzuerhalten. Zwar sollst du klar ausgerichtet und sicher stehen, aber zugleich "lösen, lösen, lösen...". Eine andere Möglichkeit, die mir sehr hilfreich ist, ist eine peng-Haltung in der normalen "stehenden Säule" oder in jeder anderen Position (z.B. mit Bogenschritt, mit beiden Armen oder einarmig) einzunehmen, und dann mit Schütteln anzufangen. Siehe dieses Vid:YouTube - Skeletal and Bone Marrow Shaking wobei es nicht um die genaue Armhaltung, Atmung oder Visualisierung geht, sondern um das Schütteln an sich, was hier in einer ganz ordentlichen Qualität gezeigt wird. In dieser Übung sollst du dafür sorgen, daß die Idee der 'ballonartigen', ganzkörperlichen peng-Organisation konstant, und damit die Ausrichtung und Öffnung der Gelenke, konstant bleiben -- jedoch durch das Schütteln ist es fast unmöglich, daß du in den Gelenken und Haltemuskulatur 'einfrierst'. Denn durch dieses 'Einfrieren' wird aus dem peng einfach eine Position oder ein 'Gerüst', und das ist dem peng-jin sein Tod... ![]() So happy shaking.... ![]() ![]() Viele Grüsse, Giles
__________________ Do not give up the near in order to seek the far. |
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#5
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| Böte sich sowas auch an, wenn man länger Stehübungen macht und irgendwann verhärtet? D.h. stehen solang man die Muskulatur gut lösen kann, und dann schütteln wenn man sich verhärtet, dann wieder stehen usw? Und, ich habe schon einige Resistenz dagegen entwickelt, bescheuert aussehende Übungen auch in der Öffentlichkeit zu machen. Sowas würde ich aber garantiert nur in den eigenen vier Wänden üben. Für jemand unbedarften sieht das ja wirklich komplett meschugge aus! ![]()
__________________ --- 如山不动 --- Geändert von christoph (26-09-2010 um 20:20 Uhr). |
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#6
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| Zitat:
![]() Schöne Grüsse nach Amiland, Giles
__________________ Do not give up the near in order to seek the far. |
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#7
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| Zitat:
Natürlich ist, was der Mensch von sich aus macht. Kein Mensch würde von seiner Natur aus einfach nur Stillstehen. Ihr versteht was ich meine? hongmen
__________________ Schule für Innere Kampfkunst Geändert von Hongmen (26-09-2010 um 23:25 Uhr). |
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#8
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| Ich würde es schlicht und ergreifend mal mit längeren Sequenzen anfangs extrem langsamer Bewegungen versuchen, später "nur" so langsam dass das gleiche Gefühl erhalten bleibt dass sich bei den extrem langsamen spätestens nach ein paar Wochen einstellt. Aber das wäre ja zu einfach.
__________________ "Man kann Leuten nicht verbieten, ein ***** zu sein." (Descartes) |
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#9
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| Zitat:
Kein Tier macht Bewegungsübungen, Menschen machen Bewegungsübungen. Kein Tier macht Stehübungen, Menschen machen Stehübungen. Kein Tier macht systematisch Übungen, Menschen machen systematisch Übungen. Übungen sind von Wesen her unnatürlich (wenn man so will); "Natürlichkeit" ist ÜBERHAUPT kein Kriterium, abgesehen davon, dass Übungen evtl. dann "unnatürlich" sind, wenn sie zu Verletzungen oder massivem Verschleiß führen. Stehübungen sind extrem verschleißarm, also äußerst "natürlich" in dieser Hinsicht. Taijiquan, Qigong, Meditation, all das Zeug, was mit Daoismus usw. zu tun hat, ist eine Sache der Disziplin der Zusammengehörigkeit von Körper und Geist, eine Sache der Selbstkontrolle. Stehübungen und Sitzmeditationen sind die am stärksten fokussierte und dabei vom Prinzip simpelste Idee, Selbstdisziplin zu üben; ergänzt um Aspekte wie der Ansammlung und Speicherung von Energie, Wahrnehmung von Energie, Wahrnehmung und Aufbau von Struktur, usw.. Wer dieses Prinzip nicht kapiert, hat wirklich nicht die leisteste Ahnung, worum es bei dem ganzen chinesischen Kram überhaupt geht. Wer meint, Taijiquan wäre nur Yang, weil Yin ja praktisch unnötig sein, hat es nicht kapiert. Das ist der Fehler, wenn jemand meint, Taijiquan wäre nur Bewegung und hätte nichts mit der Disziplin des Stehens zu tun. Grundlegender kann ein Irrtum nicht sein. Ihr versteht was ich meine?
__________________ chin. "Jin"="physische Energie". Dass sich durch langsame Bewegungen mit der Zeit eine mystische "Jin-Flüssigkeit" ansammeln würde, ist Unsinn. |
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#10
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| Meines Erachtens, ja. Obwohl es manchmal schon ausreicht, sich vorzustellen, daß man sich sich schütteln würde/könnte. So nach dem Motto "ich könnte jederzeit losschütteln", ohne erstmal die 'innere Handbremse' lösen zu müssen. Auch wenn man, von außen gesehen, vollkommen still steht, sollen die ganzen Mikrojustierungen ständig laufen. Eher unbewußt - der Körper weiß da viel mehr als der Kopf, wenn man den gröberen Rahmen vorher absteckt. Sprich: Gelenke gelöst, Wirbelsäule 'hängend' und im Lot, Hals/Nacken locker aufgerichtet und frei. Werde es ausprobieren. Fange seit längerer Zeit mal wieder mit regelmäßigem Stehen an. Bewegungen in unterschiedlichen Tempi, von ganz schnell bis extrem langsam, finde ich sowieso sinnvoll. Ich weiss nicht ob und wie Stehen einem kampfkunstmässig weiterhilft. Meine Vermutung wäre, dass es mehrere Wege zum gleichen Ziel gibt und das Stehen einem dabei helfen kann bestimmte Fähigkeiten zu erlangen. Da mir das von Leuten empfohlen wurde, die ohne Zweifel solide kämpferische Fähigkeiten haben, mache ich das einfach mal und schaue dann weiter. Wenn es mir "nur" hilft, besser den Körper auszurichten, ist das auch gut. Kann ich verstehen! Obwohl ich selber eine relativ dicke Haut da habe. Und jetzt daß ich am Rande von Kreuzberg lebe, gibt es eh so viele Freaks und Psychos unterwegs, daß noch ein Verrückter in der hinteren Ecke vom Park kaum auffällt... ![]() Thanks, Gruß zurück nach Berlin. In der Ecke hatte ich bis 2006 auch gewohnt. Viel Spaß beim Schütteln im Park. ![]()
__________________ --- 如山不动 --- |
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#11
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| Hey, ist ja ein echt interessanter Thread geworden! Danke für die Tipps! |
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#12
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| Zitat:
Ich würde behaupten, die hier vorgeschlage Methoden sind verschiedene Annäherungsmöglichkeiten an die gleiche Art von Körperorganisation und -entwicklung. Je nach Zeit und persönliche Veranlagung kann man die eine oder andere ausprobieren. Schöne Grüsse, Giles
__________________ Do not give up the near in order to seek the far. |
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#13
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| [QUOTE=Hongmen;2337721]In meiner seit 33 Jahren erfahrenen Tai Chi-Zeit, in der ich auch den ein oder anderen Tai Chi Großmeister seine Unzulänglichkeiten offen legte, habe ich nicht einen erlebt, der mit "Stehübungen" ein besseres Tai Chi hervorgebracht hat. Stehende Säule etc. macht kein besseres Tai Chi. Es wird nur ein Geheimnis daraus gemacht für Leute die nicht wissen was sie eigentlich wissen sollten! Natürlich ist, was der Mensch von sich aus macht. Kein Mensch würde von seiner Natur aus einfach nur Stillstehen. Ihr versteht was ich meine? Hi, im Prinzip teile ich Naguals Antwort zu dem Statement zu hundert Prozent. Na ja, sagen wir 90 Prozent. Aber mal als Frage formuliert: Ich habe bisher keinen Taichi-Stil kennengelernt, in dem nicht gestanden wird. Glaubst du, dass die sich alle täuschen? Und weiterhin: Ich finde, Stehende Säule ist die Übung schlechthin, um Innere Struktur, Sinken, Durchlässigkeit, etc zu verstehen und zu trainieren! Was machst du denn stattdessen? (und wenn du jetzt sagst: Formen, dann ist das selbstverständlich. Die Idee ist aber doch: wie will man in Bewegung etwas können, wenn man es nicht mal in Ruhe kann. Also übt man es erstmal im Stehen). |
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#14
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| Dieses Bone Marrow Shaking habe ich mir gerade mal angesehen. Ist das eigentlich was traditionelles? Erinnert mich sehr an die Kundalinimeditation von Osho. Könnte vielleicht als Vorbereitung zum eigentlichen 'Stehen' taugen, habe es aber so noch nicht ausprobiert.
__________________ Wenn gerade man nicht zum Wettstreit bereit ist, ist auf der Welt niemand, mit dem man in Streit ist. |
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#15
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| Zitat:
Zudem gibt es Phasen nach jeder Figur, in der man während einer Form steht, wenn auch meistens auch nur für ein paar Zehntelsekunden. Stehübungen wie die goldene Brücke gehören seit Jahrhunderten bzw. -tausenden zum Kernbestandteil chinesischer Kampfkunst. Auch wenn sich Taijiquan als innerer Stil in vielen Kriterien von den klassischen Shaolinkünsten abgrenzen und "anders" sein will, so schließt dies keineswegs mit ein, auf Stehübungen, bzw. Übungen ohne (erkennbare/"äußere") Bewegung grundsätzlich zu verzichten oder dies vom Konzept her bedingt abzulehnen. Zu jeder Form gehört die Möglichkeit einzelne Figuren oder Positionen als wiederholte Bewegungen oder eben als Stehübungen zu praktizieren. Für Chinesen ist das dermaßen trivial, dass da keiner drüber redet. Und wenn jemand eine Form als reine Bewegungsübung ohne die entsprechenden Möglichkeiten der innewohnenden Stehübungen betrachtet, ist das für einen Chinesen so dermaßen unwissend westlich (klischeehaft), dass das nicht mehr zu übertreffen ist.
__________________ chin. "Jin"="physische Energie". Dass sich durch langsame Bewegungen mit der Zeit eine mystische "Jin-Flüssigkeit" ansammeln würde, ist Unsinn. |
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