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  #46  
Alt 10-06-2009, 14:53
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Kampfkunst: Lithium soll helfen
 
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Zitat:
Zitat von scarabe Beitrag anzeigen
Warum ist das, was in Judo, Karate, Taekwon Do usw gang und gäbe ist, beim Taiji so unmöglich?
In den Trainingsgruppen wird intensiv gearbeitet, die Lehrer kennen ihre Schüler und umgekehrt und da gibt es auch Korrekturen etc.
Daß man im Taiji für Korrekturen extra Seminare besuchen muß oder einzelstunden nehmen ist meiner Meinung nach Abzocke.
Ich kenne Deinen Lehrer nicht und wo Du sonst so trainierst.

bei meinem direkten Lehrer wird intensiv gearbeitet und ich (wie jeder) bekomme in jeder Unterrichtseinheit erstklassige Korrekturen, für mich auch teilweise besser als die von GM, eben weil mein Lehrer mich kennt.
Er könnte mich ziemlich weit bringen, ohne, dass ich je ein anderes Seminar besuche.
Da ich aber die Möglichkeit habe, nehme ich die wahr. Das ist in anderen Kampfkünsten auch üblich, genauso wie Wartezeiten vor oder zwischen Prüfungen.

Zitat:
Zitat von scarabe Beitrag anzeigen
Ebenso finktioniert das mit der Prüfungsanmeldung bei anderen Verbänden, der Trainer sagt, wann.
Die Verbände bieten alle halbe Jahre verbandsübergreifend Prüfungen an und haben es tatsächlich geschafft, ihre Amßstäbe soweit anzugleichen, daß das auch möglich ist.
Es geht ja nicht um Gürtelprüfungen in 10 Farben, sondern um Lehrkraftprüfungen. Da gibt es nur vier Stufen.
Von irgendeinem chinesischen Dachverband wurden Kursleiter mit dem 2.Duan bedacht. Ist es zuviel erwartet, sich drei oder jetzt vier Jahre darauf vorzubereiten?


Zitat:
Zitat von scarabe Beitrag anzeigen
Und mal ehrlich: Welchen Wert hat ein Trainer noch für seine schüler, wenn er ein paar hundert betreuen muß? Was bleibt für den Einzelnen übrig, als Massenabfertigung?
Wovon redest Du eigentlich?
Soll CXW oder Jan sagen: "tut mir leid, 20 Schüler sind genug die anderen müssen woanders lernen?"
Dafür gibt es ja die weit über 100 Kursleiter Lehrer und Ausbilder, um das Wissen in kleine Gruppen weiter zu tragen.
Aber eben auch die Möglichkeit bei den Meistern zu lernen.
Dann allerdings eben (meist, aber nicht immer) in größeren Gruppen oder etwas exclusiver aber teurer auf Intensivcamps.


Zitat:
Zitat von scarabe Beitrag anzeigen
Und wenn es vielen unter solchen Umständen schon schwer fällt, die Motorik entsprechend zu schulen, dann ist es mit der Inneren Seite doch noch armseliger!
Die meisten wissen ja noch nicht mal, wie sie sich zwischendurch mit ein paar Sekunden Stehen neue Kraft holen, geschweige denn, daß sich sonstige wirkliche Reifungsprozesse einstellen...
Ich weiß wirklich nicht wovon Du sprichst. Ist das jetzt Deine Phantasie, oder geht es bei euch im Unterricht so zu?
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  #47  
Alt 10-06-2009, 14:55
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... muß ich also auswandern, um echtes, umfassendes Taiji als Kampfkunst intensiv lernen zu können?

(PS: ich mag die Laojia ja, aber eben nicht nur...)
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  #48  
Alt 10-06-2009, 15:09
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Zitat:
Zitat von bluemonkey Beitrag anzeigen

Es geht ja nicht um Gürtelprüfungen in 10 Farben, sondern um Lehrkraftprüfungen. Da gibt es nur vier Stufen.


Ich weiß wirklich nicht wovon Du sprichst. Ist das jetzt Deine Phantasie, oder geht es bei euch im Unterricht so zu?
Komisch, in China gibt es Meister und Großmeister, bei denen die Schüler für jede Form einzeln ihre Lehrberechtigung brauchen, und dann noch für Pushen, Kampf etc. Und da soll es nur vier Stufen geben?

Wovon rede ich? Ich habe früher bei Qigong-Großmeistern gelernt, mit meinen Energien zu arbeiten (nur ein bißchen) und konnte so relativ schnell aus der Stehenden Säule profitieren. Verbrauchte Energie raus, Frische rein, nebenbei reinigen, auf einen anderen Schwingungslevel hoch, wo alles weniger anstrengt (in meinem Alter sehr nützlich) usw... Schwerpunkt runter in den Bauch, Energiekugel um sich herum bilden... Basics im Umgang mit Innerer Energie. Hat mich auch schon gewundert, warum das im Unterricht nicht mal vernünftig unterrichtet wird, denn im Verband gehts ja meist nur um Lösen und durchsinken.

Was nutzt Euch die Stehende Säule, wenn euch all das verborgen bleibt? Was soll dann das ganze Gerede über Inneres, wenn Ihr irritiert seid, sobald man mal ein paar Aspekte davon anspricht, die nicht hochtheoretisch in den Büchern beschrieben sind?

Nimm doch nur mal CXW, danach zehrst du doch auch noch wochenlang von "seiner" Energie, bzw. dem Energiezuwachs/der Entwicklung, die er bei dir in den wenigen Tagen bewirken kann, weil sich vieles löst und plötzlich Kanäle frei sind für diese neue Entwicklung.
Ganz abgesehen von allem, was sich da Dantian-mäßig auch auftut- und sowas gehört in vernünftigen Unterricht mit rein, wenn schon groß die Rede ist von Innerer Kampfkunst.

Finde ich zumindest aufgrund meiner Erfahrungen.

Die WCTAG ist ein feiner Verband, wo man sehr viel und sehr gut lernen kann, wenn man gelassen wird.
Nur dieser Ausschließlichkeitsanspruch, den sollte man mal ganz schnell fallen lassen, denn vollkommen ist auch dieses System nicht...

Geändert von scarabe (10-06-2009 um 15:13 Uhr).
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  #49  
Alt 10-06-2009, 15:17
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Zitat:
Zitat von qinghuajia Beitrag anzeigen
vor allem weil sich daraus das "song" entwickelt. Dieser Grad der Lockerheit stellt sich nämlich erst nach langem Wiederholen der Form ein und ist Kernpunkt der ganzen Geschichte. Ohne song kein fajin.
Das ist teilweise richtig. Richtig ist, man KANN das so entwickeln. Muss aber nicht. Es geht mit allen möglichen Basisübungen genauso, die nicht wie eine Form viele Bewegungen aneinanderreihen.

Zitat:
Dies ist aber nur unsere westliche Denkweise. Die Chinesen denekn da aben anders, und auch heute noch.
"Die Chinesen" gibt es nicht. Meine Lehrer die nunmal ziemlich alt und "verschroben" waren hatten eine andere Denke als die modernen Chinesen mit denen ich mich heute unterhalte. Es gibt mehrere Denkrichtungen die sich unterscheiden.

Formen zu bewerten ist eine "can of worms". Es gibt vieles was man vergisst, oder worauf man nicht achtet, das eventuell beeinflusst wie man etwas macht. Also bin ich vorsichtig zu sagen man kann alles was eine komplexe Übung X erzeugt auch mit der einfachen "Anwendungsübung" Y komplett abdecken. Allerdings kann man sämtliche "Techniken" die in irgendwelchen Formen "stecken" auch einfach üben, mit lebenden Partnern. Nur die Körperausbildung sollte vorher wichtige Attribute bilden, da es sonst leicht passiert dass Leute über Defizite hinweg schlampen oder "wuchten". Da muss man nur keine 6, 7 Jahre mit zubringen, ein, zwei oder drei Jahre sollten ausreichend sein dass man diese angefangen hat zu entwickeln. Ab da macht das der Körper selbst, weil er sie kennt und so entwickelt wie er meint dass sie sinnvoll sind. Besonders wenn man daoistische Methoden nutzt die die körpereigene Intuition stärken. Damit tun sich Deutsche natürlich äusserst schwer, da muss alles nach DIN-Norm vorher in ein Buch geschrieben werden, und man lernt nur was wörtlich in diesem Buch steht.
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  #50  
Alt 10-06-2009, 15:23
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Scarabe, ich empfehle Dir mal daoistische Meditation, in der Form für längere Zeit schweigend im Garten sitzen und abwechselnd Himmel, Horizont und Erde betrachten (nicht hin und her huschen, jeweils lange Zeit).
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  #51  
Alt 10-06-2009, 15:47
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Zitat:
Zitat von scarabe Beitrag anzeigen
Was nutzt Euch die Stehende Säule, wenn euch all das verborgen bleibt?
Wenn Du das nicht weißt, wird auch die Doppelschwertform Dein Taijiquan nicht verbessern

Ich rate wirklich zu einem anderen Verband, in dem man Deine Talente und Fähigkeiten zu fördern und würdigen weiß.
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  #52  
Alt 10-06-2009, 16:02
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Zitat:
Zitat von Bessa-Wissa Beitrag anzeigen
Ich habe jahrelang aktiv gerungen, mache momentan Shuaijiao und Boxe nebenbei (keine Wettkämpfe...

..ich habe mein Zeugs schon im Sparring gegen Boxer und co getestet und es funktioniert...

Eventuell sieht man sich ja mal aufm Seminar /Push Hands/Sparrings Treffen? Ich bin für freundschaftliches Sparring immer zu haben Kannst ja mal per PN bescheid geben, wo man dich antrifft dieses Jahr


das werd ich mir aber nochmal überlegen

Zitat:
Zitat von Bessa-Wissa Beitrag anzeigen
du hast doch auf diverse Selbstverteidungs Systeme in deinem Post verwiesen und meintest Taijiquan wäre in der Hinsicht ungeeignet, wenn ich dich nicht falsch verstanden habe? Ich bin da schlicht anderer Meinung, kommt einfach auf den Trainer an, aber das System kann nichts dafür.
Nein, nicht ungeeignet, es ist meiner Meinung nach nur ein längerer Weg, weil man erstmal ungewohnte Bewegungsmodi lernt, zumindest in meinem Stil.
Wenn man es kann, ist es sicher äußerst wirkungsvoll.
Andere Stile trainieren von Anfang an wohl kampfbezogener, z.B. die Snakestylisten bei Sascha oder die Leute von Karl-Heinz.
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  #53  
Alt 10-06-2009, 16:33
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Stehende Säule kann auch wirkungslos sein, wenn bestimmte Abläufe im Körper des Einzelnen einfach nicht stattfinden weil "abgeschaltet" (gehemmt). Dafür gibt es Varianten der Säule die das aktivieren.
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  #54  
Alt 10-06-2009, 16:48
Bessa-Wissa
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Zitat:
Zitat von scarabe Beitrag anzeigen
@ Bessa Wissa
Griechisch-Römisch oder Freistil?
Die meisten Ringer haben einen verwurzelten Stand und hätten beim Pushhands ihre helle Freude, besonders, wer in griechisch-römisch gut ist. Ich hatte als Kleinkind das Vergnügen, mitüben zu dürfen, wenn mein Vater (Ringer) mit seinen Kollegen trainierte (mit den Kids der anderen Ringer). Hatte in meiner ganzen Kindheit ei Raufereien dadurch gewaltige Vorteile (grins)
Greco Das ganze ergänzt sich meines Erachtens nach herrvorragend mit dem Shuaijiao , welches ich momentan lerne, weil das ganze halt auch vollkommen Stand-Up lastig ist.

Der Stil den ich lerne, beinhaltet viele innere Elemente. Stehende Säule, Push Hands/Abwandlungen und gewisse Bewegungsübungen, ne Art Schattenboxen für Ringen würd ich sagen.

Interessant wurden die inneren Aspekte vorallem dadurch, dass ich (80 Kilo, meinen jetzigen Lehrer (wohl auch so zwischen 80-90 Kilo, aber doch ein par Jährchen älter) net bewegen konnte trotz meiner Ringer Erfahrung. Sowas in der Art hatte bisher noch net erlebt, folglich wollt ich das lernen
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  #55  
Alt 10-06-2009, 22:59
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Zitat:
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Scarabe, ich empfehle Dir mal daoistische Meditation, in der Form für längere Zeit schweigend im Garten sitzen und abwechselnd Himmel, Horizont und Erde betrachten (nicht hin und her huschen, jeweils lange Zeit).
ja, dann kommt sehr schnell der Moment, wo man mit der erde verwächst und irgendwie nur noch ein winzig kleines extra obendrauf ist, dann kommt die Verbindung auch mit dem Himmel, man ist irgendwie Bestandteil von all dem- und jede Menge energie... und dann wird es sehr still und sehr tief und man ist mit seiner seele oder was auch immer dieses "befreite" Ding ist, das dem eigenen Wesen ohne Alltagskram entspricht in Betrachtung... und manchmal hat man auch plötzlich Verbindung zu irgendeinem Meister und kann, wenn man Glück hat, ein bißchen daraus lernen...
So ähnlich würde ich meine Erfahungen damit mal bezeichnen. wobei ich eine ruhige Kammer oder einen schönen schattigen Fleck unter alten großen Bäumen bevorzuge. Das ist zusätzlich nett, weil dann gerne Kaninchen oder Enten dazukommen und "zuschauen". scheint was mir der energie oder schwingung zu tun zu haben.

Und als Ausgleich ist im Kampfsport eben auch der aktive Teil nötig und nicht nur die stille Innenschau.
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  #56  
Alt 10-06-2009, 23:10
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Zitat:
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Stehende Säule kann auch wirkungslos sein, wenn bestimmte Abläufe im Körper des Einzelnen einfach nicht stattfinden weil "abgeschaltet" (gehemmt). Dafür gibt es Varianten der Säule die das aktivieren.
Da bist Du dann aber im Yiquan, meines Wissens wird das in der WCTAG weniger beachtet- zumindest da, wo ich war.

Allerdings helfen ja auch die Seidenfaden- Übungen schon mal ein ganzes Stück weiter.

Da wollte ich sowieso mal fragen: Die Arme sind in diesem Verband ja tiefer und sehr gebogen, damit sollen Anfänger erst mal zentriert werden.
Hohe Arme, wie im Zhan Zhuang üblich (Brusthöhe) sind weniger erwünscht (auch wenn CXW natürlich mit hohen Armen steht.)
Wir hatten in meiner alten Schule nur das Stehen mit erhobenen Armen geübt, die dann anfangs natürlich gerne schwer werden, aber ich brachte es immerhin auf 25 Min. Beim Stehen mit tiefen Armen, die dann auch noch sehr abgewinkelt sind im ellbogen, kann man natürlich länger stehen, aber ich bekomme regelmäßig einen unangenehmen Druck/Energiestau vor den Ellbogen, weil die Energie anscheinend nicht mehr wie gewöhnt durch die Arme fließen kann. CXW hatte damals auch meine Arme hochgezogen und auseinandergebracht, aber es war im Unterricht erst mal schwierig, weil das System natürlich sagt "tiefe Arme"...
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  #57  
Alt 10-06-2009, 23:13
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Zitat:
Zitat von Bessa-Wissa Beitrag anzeigen
Interessant wurden die inneren Aspekte vorallem dadurch, dass ich (80 Kilo, meinen jetzigen Lehrer (wohl auch so zwischen 80-90 Kilo, aber doch ein par Jährchen älter) net bewegen konnte trotz meiner Ringer Erfahrung. Sowas in der Art hatte bisher noch net erlebt, folglich wollt ich das lernen
Jo, das ist toll, wenn man jemandem begegnet, der das echt kann (viele reden ja drüber, aber dann ist wenig dahinter)- ich bin generell auch sehr standfest, aber das ist nochmal was ganz anderes und ich höffe, daß ich im Taiji die Möglichkeiten bekommen werde, daran noch erfolgreich zu arbeiten!!!
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  #58  
Alt 11-06-2009, 15:20
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Mit hohen Armen stehen belastet die "Pumpe" die (wenn man soweit ist) da arbeitet stärker, darum ist das eigentlich ein besseres Training als die Arme runter nehmen "damit das Qi besser fliesst". Das SOLL ja aktiv werden, nicht passiv fliessen weil es absackt. Aber aktiv aus der Körpersteuerung, nicht mit Willen.
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Geändert von Klaus (11-06-2009 um 15:22 Uhr).
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  #59  
Alt 11-06-2009, 16:26
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Ein sehr interessantes Thema, leider auch extrem komplex. Dazu einfach mal meine Gedanken (da ich neu hier bin mal ganz kurz zu mir: Ich komme aus dem Chen-Stil, allerdings nicht aus einer WCTAG-Schule, und trainiere seit ca. 2,5 Jahren)

Was die „Zeitangaben“ angeht, so denke ich daß man sowas selbstverständlich nicht vereinheitlichen kann. Jeder Schüler ist anders, sowohl was körperliche und geistige Voraussetzungen angeht, als auch was äußere Faktoren angeht wie bspw. Die Zeit die jemand für´s Training regelmäßig aufbringen kann und/oder will. Demnach wird es auch unterschiedlich schnell Fortschritte geben. Wenn jemand in Chenjiagou nach 3 Jahren intensivem mehrstündigen Training schon so weit ist wie jemand in Deutschland, der vielleicht zwei mal die Wochen Unterricht nimmt und sonst nur zu hause täglich ´ne Stunde was macht, ist wohl logisch.
Trotzdem ist ja schon auffällig, daß immer wieder diese ominösen 10 Jahre auftauchen (manchmal auch andere Angaben wenn´s um bestimme „Stufen“ geht), in allem möglichen Artikeln, Aufsätzen, Überlieferungen, und das nicht nur von einem Meister oder aus einem Stil, sondern von vielen Leuten aus verschiedenen Stilen.
Soll das alles nur Abzocke sein? Alles nur Kalkül? Die große Verschwörung (ist jetzt nicht ganz ernst gemeint) der Taiji-Meister um den Schülern viel Kohle aus den Taschen zu ziehen? Ich denke nicht.
Erst mal ist sicher die Frage, was solche Meister als Maßstab nehmen, bis sie wirklich von „Können“ sprechen. Vielleicht sind da die Ansprüche einfach höher. Und kann es nicht sein, daß die Erfahrung solcher Meister nun mal gelehrt hat daß man im Taiji eben um einiges länger braucht bis man es wirklich beherrscht (interessant wäre auch, was sagen eigentlich Meister aus anderen, auch äußeren KK, wie lange man so durchschnittlich braucht bis man ihre KK wirklich beherrscht, wären da die Angaben wirklich so viel niedriger)?
Sicher, es gibt die Sprüche von wegen „wenn das immer schon so gewesen wäre das es so lange Dauert bis man Kämpfen kann, dann hätten die Leute in früheren Zeiten ja erst als halber Greis richtig kämpfen können“. Nur, war es früher nicht auch so, daß bspw. in Chenjiagou die Kinder schon mit 5-6 Jahren angefangen haben zu trainieren? Hart, und viele Stunden am Tag? Wenn die dann 18-20 Jahre alt waren und wirklich in den Krieg gezogen sind, sich gegen Räuber oder was auch immer verteidigen mußten, hatten die schon mehr als 10 Jahre intensivstes Training hinter sich.
Und Aussagen wie „wer nach 2-3 Jahren nicht kämpfen kann hat was falsch gemacht, wird falsch unterrichtet oder abgezockt“ halte ich dann doch für arg übertrieben und vor allem verallgemeinert. Kann man nicht akzeptieren das Taiji nicht die schnelle Selbstverteidigungsschule ist, wie vielleicht andere Systeme, oder es gleich als „Gesundheitsgehüpfe“ abstempelt. Ist es nicht vielleicht einfach so das Taiji wirklich etwas komplexer ist als andere Systeme (hat ja nicht mal was mit besser oder schlechter zu tun, sondern nur mit „anders“)?
Sicher kann einem Taiji auch nach wenigen Jahren schon weiterhelfen wenn man mal kämpfen muß. Aber kämpft man dann wirklich nach dem Prinzipien, oder profitiert man nicht doch eher von der gesteigerten körperlichen Fitness, von bestimmten Bewegungen die man gelernt hat, aber dann doch eher „äußerlich“ anwendet?
Nebenbei frage ich mich auch wie viele Leute aus äußeren KK und selbst reinen SV-Systemen nach 2-3 Jahren wirklich „kämpfen“ können wenn es wirklich mal ernst wird, und ob da nicht oft der „gemeine Straßenschläger“ doch die Oberhand behält (aber das Thema würde jetzt wirklich zu weit führen).

Ein ganz entscheidender Punkt ist natürlich auch beim Lehrer der Faktor Mensch. Gute Leute müssen nicht gute Lehrer sein, unterschiedliche Leute haben unterschiedliche Ansätze, wie sie ihr Training aufbauen. Manche machen vieles gleichzeitig und vertiefen dann mehr im Laufe der Zeit, manche manchen anfangs halt nur Basics, und bauen darauf auf etc., und ich denke nicht daß eine Methode grundsätzlich besser als eine andere ist. Bei den Waffen wird es da nicht anders sein als bei anderen Dingen.
Bei uns bspw. kann man schon nach relativ kurzer Zeit mit Waffen (hier Schwert) anfangen, ich allerdings haben damit inzw. wieder aufgehört. Sicher könnte ich mir die Form draufschaffen, und nach außen vielleicht auch ganz passabel laufen, aber ich habe selber gemerkt das ich noch nicht so weit bin. Ziel ist es bei den Taiji-Waffe ja, daß diese Waffen quasi Teil bzw. Verlängerung des eigenen Körpers werden. Das Gefühl hatte ich noch gar nicht, ich habe da einen Gegenstand in der Hand, aber nix mit dem ich irgendwie schon „verbunden“ wäre. Nach den 2,5 Jahren die ich jetzt Taiji mache haben ich noch genug mit meinen Körper zu kämpfen, da in Bewegung auch nur ansatzweise die grundlegenden Prinzipien aufrecht zu erhalten und nicht in rein äußerliche Bewegungen zu fallen.
Ob es jetzt mehr Sinn macht wie ich erst mal nicht damit weiter zu machen, oder ob ich nicht die Waffenformen schon machen sollte und dann warte bis das richtige Gefühl dafür kommt, kann ich nicht sagen. Bei uns hatte ich selber die Entscheidung, in anderen Schulen mag es der Lehrer sein der das entscheidet(beurteilt). Grundsätzlich sollte man sich aber vielleicht auch ein wenig darauf einlassen was der Lehrer/Meister für richtig hält – oder aber sich eine andere Schule suchen, denn wenn latent immer im Hinterkopf ist „der unterrichtet nicht richtig“, dann ist das sicher auch nicht produktiv.

Ein weiterer Faktor ist natürlich auch die Art wie, ein Lehrer eine Schule leiten kann. Wenn es Gruppenunterricht gibt, dann ist individuelle Betreuung natürlich auch nur begrenzt möglich. Wenn bspw. Formenlaufen auf dem Trainingsplan steht wird es schwer sein da dann 1-2 Leuten nebenbei Waffen zu unterrichten. Und wenn Formen nun mal die Basis sind, ist auch logisch daß da dann besonders viel Zeit drauf fällt. Gerade wenn man wie in vielen Schulen halt nur 3, 4 oder 5 Unterrichtsstunden pro Wochen anbieten kann. Was anderes wäre es sicher wenn ´ne Schule täglich 8 Stunden geöffnet hätte, nur wer kann sich das leisten (sowohl von Schüler- als auch von Lehrerseite gesehen)? Da gibt’s als Alternative dann wohl nur Privatunterricht, zusätzliche Kurse und Workshops etc, sonst muß man wohl gewisse Kompromisse akzeptieren.

Interessant ist auch die Frage, in wie weit „Vorbildung“ aus anderen Kampfkünsten gut oder schlecht ist. Sicher ist körperliche Fitness wichtig, auch beim Taiji, aber ich denke Dinge wie tief stehen oder besonders gut auf dem Boden runter kommen oder „ordentlich Wums zu haben“ ist längst nicht alleine entscheiden, und andersrum kann etwas was ich mir in einer anderen, insb. äußeren KK an Fähigkeiten angelernt habe auch auch erst mal bremsen, wenn man Taiji eben nicht letztlich doch nur so praktizieren will wie eine äußere KK.
Da ich selber keine äußere KK praktizieren oder praktiziert habe kann ich das natürlich nicht aus eigener Erfahrung beurteilen, aber es wird nun wirklich immer wieder betont wie anders die Anforderungen bei Taiji im Vergleich zu äußeren KK sind, und das man sich da komplett Umstrukturieren muß.
Alles nur vorgeschoben? Ich denke nicht.

Die Frage nach der Zeit bis man Ausbilder oder Lehrer wird ist noch mal ´ne ganz andere. Was hier in Deutschland gemacht wird ist doch primär erst mal der Versuch gewesen, überhaupt gewisse Mindestqualitätsstandards einzuführen. X-Stunden Unterricht, X Jahre Laufzeit, etc., das ist doch erst mal der Versuch etwas zu vereinheitlichen. Natürlich gibt’s da immer noch enorme Qualitätsunterschiede, aber ich denke es ist doch besser als gar nix – verglichen mit irgendwelchen Leuten die bspw. zur VHS rennen und einfach nur sagen „ich kann Taiji“ und direkt ´nen Kurs leiten, obwohl sie selber mal gerade mit biegen und brechen in 1-2 Jahren die Pekingform gelernt haben (natürlich gibt es auch gute Leute ohne Trainerzertifikat, nur wie gesagt, wenn´s gar keine Standarts gibt ist die Gefahr noch größer daß Leute unterrichten die zu wenig können).
Klar wäre auch ein System schön wo ein anerkannter Meistern oder Großmeister individuell prüft und „seinen Segen gibt“, nicht nach Zeitvorgaben, sondern nach Fähigkeit. Beides hat sicher seine Vor- und Nachteile.

Sorry, ist jetzt sehr lang geworden, und vieles ist hier ja auch schon angesprochen wurden. Sind halt nur ein paar meiner Gedanken zu dem Thema.
Wichtig ist – um noch mal ein kurzes Fazit zu ziehen - denke ich daß man immer im Kopf behält das die Menschen sehr unterschiedlich sind, jeder Schüler ist anders, jeder Lehrer ist anders, daher kann man nur sehr begrenzt verallgemeinern. Andererseits sollte man bestimmte Erfahrungswerte, Eckpunkte etc., die von vielen (guten) Leuten so gemacht wurden und sich über Jahre herauskristallisiert haben auch nicht grundsätzlich in Frage stellen, nur weil man selber vielleicht mal andere oder schlechte Erfahrungen gemacht hat, oder sie aus seiner eigenen (teilweise auch noch sehr begrenzten/unvollständigen) Sicht anders einschätzt, als grundsätzlich falsch, unzutreffend etc. abstempeln.
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  #60  
Alt 11-06-2009, 16:34
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Beiträge: 287
Standard Qi-Stau

Kurz zur Armhaltung bei der "Stehenden Säule". Was spricht dagegen, die Armhaltung zu wechseln, wenn der Körper signalisiert, dass sich ein Stau auf der Qi-Autobahn abzeichnet? Sklavisch an etwas festzuhalten, obwohl man spürt, dass es einem in diesem Augenblick (kann ja morgen wieder anders sein) nicht gut tut, ist sicherlich nicht im Sinne der Erfinder. So kenne ich zum Beispiel eine Übungsanleitung, bei der man bewusst zwischen einer hohen Armhaltung mit den Händen in etwa auf Brusthöhe und Handflächen zum Körper zeigend und einer tiefen Armhaltung mit den Händen in der Leistengegend (Handflächen zeigen zur Decke) wechselt. Dann wechslt man noch in den unterschiedlichen Höhen zwischen einer geöffneten Stellung des Handgelenks (yang - Handflächen siehe oben) und einer geschlossenen (yin - Handflächen zeigen vom Körper weg bzw. zum Boden). In jeder Stellung fühlt sich der Qi-Fluss anders an - und das ist auch gut so. Lieber kurze Zeit mit superschön kreisendem Qi flüssig dahingleiten, als superlange auf der gesperrten Autobahn im Stau stehen. Da doch besser die Stauwahrnung des inneren Navis beachten und der empfohlenen Umleitung folgen.
Alles Liebe,
laoshu
Ach, bevor die Diskussion los geht, was denn nun yang und yin bei der Handhaltung ist. Da scheiden sich die Geister der Ahnen. Hier die Version, die ich bevorzuge: Handgelenk geöffnet, Hand kann hin und her wackeln und aktiv Position wechseln, also yang. Handgelenk geschlossen, Hände in der Bewegung eingeschränkt, quasi arretiert, also yin. Lasse mich aber gern eines besseren belehren.
__________________
There is no phoenix without ashes.
Aus der Biografie von Jane Fonda
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