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Taijiquan, Qigong-Neigong Tuishou, Baguazhang, Xingyiquan Alles zum Thema "Neijia" sowie gesundheitsorientierte Bewegungskünste



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  #16  
Alt 26-11-2016, 00:02
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Zitat:
Zitat von mst78 Beitrag anzeigen
Sehe ich das richtig, wenn ich sage daß das Hauptaugenmerk in der Anwendung auf eine Art Ringen liegt?
Zumindest sieht man kaum Videos auf denen frei mit Schlägen und Tritten gearbeitet wird.

Zudem liegt der Fokus, neben Gesundheit und Kultivierung des Geistes, im Training auf den Aufbau innerer Kraft und Struktur, um im Kampf in der "Clinchdistanz" aus einer starken Struktur heraus auf den Punkt genau mit innerer Kraft zu arbeiten?
Sind somit Tritte(Feger mal außen vor) und Schläge nur "Beiwerk" für den Notfall oder um die Distanz zu schließen?
Wenn sich beide dicke Handschuhe anziehen, dann kommt sowas raus wie in Vid 3 und 4.

Taijiquan enthält alles was man braucht. Die Frage ist: Wie komm ich möglichst unbeschadet aus einer Klemme? Da eignet sich dann einfach die mittlere und Nahdistanz besser.

"Gesundheit" beruht auf der sachgerechten Übung, "innere Kraft" ist eine Folge der richtigen Struktur, und zwar in jedem Augenblick. DAS ist die Kunst. Tritte und Schläge werden auch verwendet - wenn es angebracht ist.
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  #17  
Alt 26-11-2016, 00:23
Benutzerbild von Aruna
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Geändert von Aruna (11-01-2017 um 23:10 Uhr). Grund: -
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  #18  
Alt 26-11-2016, 11:20
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Kampfkunst: Karatedo
 
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Zitat:
Zitat von Aruna Beitrag anzeigen
Scheint mir auch so, das klingt dann aber eventuell nicht mehr so besonders wie "wir benutzen Yi statt Muskeln" oder dergleichen...

Auf den Punkt genau mit "innerer" Kraft zu arbeiten kann ja auch ein Ellenbogen in das Gesicht bedeuten....
So sieht´s aus!
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  #19  
Alt 26-11-2016, 11:52
Benutzerbild von Klaus
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Kraft in inneren Methodiken ist immer im Kontext, mit etwas das ich als Body-Trickserei bezeichnen würde (weites Feld), als auch mit Ressourcen die in grauer Vorzeit mal für den Überlebenskampf reserviert waren. Diese halten nicht ewig, müssen "ausbalanciert" werden um sich nicht krank zu machen, und über einen LANGEN Zeitraum recht vorsichtig aufgebaut werden. Das Ergebnis ist dann aber ein perverser Output, solange die Ressourcen halten. So viel Kraft hatte ich früher nie. Allerdings ist auch irgendwo Ende, ein trainierter Mann der 60 Kilo schwerer war, war dann nicht mehr so zu beeindrucken wie Leute die in etwa so schwer sind wie ich oder leichter. Benutzt man das nicht mehr, baut es sich langsam wieder ab. Da kann man dann viel "philosopieren" und faseln, aber wenn man das erlebt hat, weiss man ziemlich genau wie das so abläuft, und dass das nicht nur "die Winkel!" und irgendwas mit dem Zeh nach innen und dann ... ist. Das ist einfach eine besondere Form von Kraft die die Outputsteigerung irgendwo her nimmt, und die ist endlich weil die biochemischen Ressourcen der Energiebereitstellung endlich sind und eine Zeit brauchen um nachprodzuiert zu werden. Reizt man das komplett aus gibt man fast den Löffel ab, auch das hatte ich mal. Seitdem tue ich mich schwer damit das Leistungssportlern zu empfehlen die regelmässig an Grenzen gehen, da muss man extrem vorsichtig rantasten und immer aufpassen genug Ruhe zu haben und das nicht zu verschleissen. Die Trickserei kommt noch oben drauf, jedenfalls wenn man beides hat.

So sieht das dann etwa aus. Es geht nicht (nur) darum irgendwie zu zappeln, da bewegt sich über einen ganz kleinen Weg die gesamte Torsomuskulatur und die der Wirbelsäule und gibt Strom, daher kommt die Grösse der Kraft. Prinzipiell kann das aber jeder Muskel, nur dass halt viele Muskelfasern die in die gleiche Richtung so ziehen mehr machen als wenige. Mit dem Kopf macht das niemand, das macht der Körper irgendwann von alleine oder eben auch nicht. Wie man dahin kommt dass er das macht ist eine andere Frage.
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  #20  
Alt 26-11-2016, 23:54
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Ähhhmmm .. ja. Also ich hab den letzten Satz verstanden. Hoffe ich. Und zwei in der Mitte.

Aber zum B. das hier:
Zitat:
Es geht nicht (nur) darum irgendwie zu zappeln, da bewegt sich über einen ganz kleinen Weg die gesamte Torsomuskulatur und die der Wirbelsäule und gibt Strom, daher kommt die Grösse der Kraft.
.. jaa, also da würd ich schon gern mal nachfragen. Wie das ist. Mit dem Strom und so.
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  #21  
Alt 27-11-2016, 12:33
Benutzerbild von panzerknacker
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Zitat:
Zitat von washi-te Beitrag anzeigen
Ähhhmmm .. ja. Also ich hab den letzten Satz verstanden. Hoffe ich. Und zwei in der Mitte.

Aber zum B. das hier:

.. jaa, also da würd ich schon gern mal nachfragen. Wie das ist. Mit dem Strom und so.
guck Dir halt das Video von Klaus nochmal an, der zeigt das doch sehr schön
der zuckt nicht unkontrolliert, sondern generiert "Kraft" Impulse
edit
könnte man in der gojushiho sho vor der letzten Wendung mit dem doppelten Handflächenstoß testen gelle

Geändert von panzerknacker (27-11-2016 um 12:39 Uhr).
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  #22  
Alt 27-11-2016, 13:27
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Zitat:
Zitat von panzerknacker Beitrag anzeigen
guck Dir halt das Video von Klaus nochmal an, der zeigt das doch sehr schön
der zuckt nicht unkontrolliert, sondern generiert "Kraft" Impulse
.. ahhh - ich glaub jetzt seh ich´s ...

Zitat:
könnte man in der gojushiho sho vor der letzten Wendung mit dem doppelten Handflächenstoß testen gelle
Das ist kein Taiji, oder?
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  #23  
Alt 05-01-2017, 19:56
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Vielleicht mal back to the roots/basement.... und ein paar Grundsätze:

Zunächst fängt man ja auch im Taiji mit einer soliden Basis an.
So, wie ein Haus zunächst ein solides Fundament braucht, damit die Mauern tragfähig werden und starke Mauern das Dach und die Balkone tragen- und erst dann Fassadenstuck sinnvoll angebracht werden kann....

so bauen wir natürlich auch im Taiji die Fähigkeiten und den Körper auf.
Gemäß dem Grundsatz "Haare wachsen auch nicht schneller, wenn man an ihnen zieht"... (sie werden höchstens dünner oder brachen ab...).

muß man sich auch im Taiji erst mal durch eine schwierige Anfangszeit durchbeissen, die einem mental und motorisch oft viel abverlangt.


Fast-Food-Mentalität bringt nicht weiter, Körper und Geist brauchen eine Weile, bis man Fangsong umsetzen kann und mental ruhig und leer wird und "Gedankenflöhe" und innere Antreiber genauso, wie das Ego einigermaßen unter Kontrolle sind und nicht mit dem Übenden "davongaloppieren"....

Zum Glück baut der Körper in dieser Zeit bereits Taiji-typische (Tiefen-)Muskulatur auf und man arbeitet an Struktur, Spiralen bzw. runden, weichen Bewegungen, versteht, daß innere Kraft nicht Muskelkraft und Fali nicht Fajin ist.

Man versteht nach und nach, den eigenen Körper in seinen Tiefen zu spüren und auch den des Partners, zu folgen, zu Kleben, Kraft aufzunehmen und umzuleiten oder neutralisieren usw.
So kann aus scheinbar schlappiger Lockerheit und Gelöstheit blitzschnell große Kraft entstehen- und viel schneller, als aus einem kraftvoll-angespanntem Körper- der verglichen werden kann mit einer angezogenen Handbremse, die erst gelöst werden muß, bevor man Vollgas geben kann....

All dies geschieht nach und nach ganz von selbst, wenn man sein Programm aus Stehen, Seidenweber, viel Form und ruhigen, ein- und beidhändigen Tuishou Routinen gewissenhaft trainiert und keine wichtige Zeit und Energie verliert, indem man nach Abkürzungen sucht oder unliebsame Bestandteile einfach rauslässt.

Es ist ein bisschen, wie bei einem Kochrezept- auch wenn man einzelne Gewürze nicht mag, sind sie doch für ein erfolgreiches Gesamtergebnis wichtiger. Schmeisst man zuviel Butter oder Zucker rein, macht das Naschen im Augenblick zwar vielleicht Spaß, aber das Ergebnis zerfließt oder wird zu träge oder sonstwie ungenießbar....

Nun hat - zumindest im Chen ist das auch in Büchern, z.B. von GM CZL, gut nachlesbar- jede Bewegung der Form in jedem Bewegungsabschnitt mehrere Anwendungsmöglichkeiten.
Und wie die Formen ihre Schwierigkeit langsam steigern, lernt man durch die enthaltenen Anwendungsdetails- wenn man sie übt- nach und nach auch, die Bewegungen effektiv und richtig auszuführen und kämpferisch anzuwenden. Speziell auch die einfachen Tuishou-Routinen zeigen sehr gut, ob jemand in der Form gut gearbeitet hat, denn sonst funktioniert die Kraftübertragung und Verwurzelung nicht richtig.

Von Bewegung zu Bewegung der Form kann man sich also durch kämpferische Basis-Skills hindurcharbeiten bis hin zu sehr anspruchsvollen Anwendungen, bei denen tatsächlich durch entsprechende Dantian-Kontrolle neben der äußeren Bewegung und Kraftübertragung auch die innere Kraft die Muskelkraft ergänzt. Also Fajin und nicht nur Fali, sozusagen....

Schon in den ersten Bewegungen den Laojia lernt man so einiges über Balance, Distanz, Schrittarbeit, Abwehr, Peng Jin, Neutralisieren, empfindliche und angreifbare Punkte am Gegner usw....
(Zugleich beschreibt CZL auch bei jeder Bewegung Abschnitt für Abschnitt die inneren Energieverläufe, so daß man auch gut mit Yi sein Jin "entwickeln" ;-) kann....)

Leider habe ich aber festgestellt, daß Schüler oft nur sehr oberflächlich an diesen Anwendungen und dem entsprechenden Aufbau ihres Skills und Verständnisses interessiert sind, sondern viel lieber gleich mit vermeintlich "spannenderen" Dingen wie Qinna und Co anfangen wollen- obwohl sie dafür bis dato weder Struktur, noch Sensibilität noch Balance uva. entwickelt haben und auch nicht mitbringen.
Generell wollen einige auch weniger lernen, als vielmehr können... ;-)

Gekonnte Koordination der verschiedenen Anforderungen- das ist dann auch nochmal so ein Stolperstein. Ding und Chen; Dantian-Rotation und Kraftübertragung- der richtige Rahmen und die richtige Gewichtung der Bewegungen. Distanz und Reichweite....
Was nutzen kraftvoll vibrierende Unterarme und zitternde Fäuste nach einer Kraftbewegung aus dem Dantian, wenn die Fäuste aber nicht die richtige Reichweite und die Bewegung nicht genug Peng hat, um weit genug zu reichen und den Gegner auch an der richtigen Stelle zu treffen?
Umgekehrt nutzt es auch nichts, mit großen, leeren Armbewegungen herumzufuchteln, aber ohne innere Kraft dahinter...
Und wer wissenschaftlich nach unten schaut, wirkt zwar seriös, würde aber im Ernstfall gar nicht den Überblick haben, um Situation und Gegner umfassend wahrzunehmen.... Usw. usw... So viel zu üben!!!


Vielleicht wißt Ihr auch, was ich meine, wenn Ihr an diverse Tuishou-Wettkämpfe denkt, die statt weichem, spiraligem Ableiten sehr viel mit Drücken und Zerren und starrem Krafteinsatz zu tun haben...


Allerdings muß man auch sagen- wenn im Unterricht selbst auf Nachfrage keine Anwendungen gezeigt oder angeboten werden, wie sollen die Schüler dann dafür das entsprechende Verständnis entwickeln?
Oder wenn Bewegungen gar vereinfacht werden, die so essentiellen Bögen (der Gliedmassen) rausgenommen, die Gewichtung vereinfacht und der Rahmen/korrekte Umfang der Bewegungen genauso vernachlässigt werden, wie das stete Aufrechterhalten des Peng Jin???

Oder wenn statt langsamer, "langweiliger" Detailarbeit lieber die äußerlich sensationeller aussehenden, allgemeinen Würfe und Schubsereien und ein paar Hebel gemacht werden, weil das dem allgemeinen Geschmack und den Vorstellungen eher entspricht, als mühsames Aufbauen durch Detailarbeit...

Ich finde es jedenfalls schön, bei einem Bewegungsabschnitt- z.B.- von links nach rechts zu verlagern und dabei deutlich darauf zu achten, Druck aus dem entsprechenden Fuß zu geben, um dann die Unterarme/Handkanten kraftvoll auseinanderzubewegen mit den inneren Intention, einen Schattengegner zu "öffnen", um ihm dann einen Schulterstoß verpassen zu können... (der in der Form aber gar nicht enthalten ist, weil es gleich weitergeht zur nächsten Position- mit entsprechender Anwendungsmöglichkeit... :-)


Allerdings ist es auch nicht immer leicht, Anwendungen im Unterricht entsprechend unterzubringen- ein Teil der Leute mag Berührungen nicht und erwartet kassentypisches Wellness-Taiji- ein anderer Teil hat die Geduld nicht und will lieber gleich wild und "männlich" herumraufen....
(naja, was ist schon gut.... das Gros der Leute kann sich mit einem Schnitzel mit Pommes ja auch besser anfreunden, als mit dem Menu von einem Sternekoch...)
aber diejenigen, die sich drauf eingelassen haben, sind alle gut geworden....

Das bedeutet aber auch, zunächst einmal viel Zeit mit feinen, kleinen Pushhandsroutinen der einfachen Art zu verbringen (neben Form und Jibbengong), bevor man lernt, den Gegner durch einen gezielten Stoß im intuitiv erfassten richtigen Moment zu entwurzeln und in eine Flugbahn zu schicken.....

Das wollte ich nur mal erwähnen- für das Gleichgewicht von Yin und Yang beim Taiji-Lernen, sozusagen ;-)

Geändert von scarabe (05-01-2017 um 20:12 Uhr).
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  #24  
Alt 07-01-2017, 12:13
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Das sehe ich auch so, scarabe.

Mich stört daher immer an der Visualisierungs- und alles-muss-sofort-eine-Anwendung-haben-Fraktion, dass man mit dergestalt zielgerichtetem Üben diese Feinheiten garnicht erfahren kann. Wenn ich einem Anfänger bei der einhändigen Seidenübung sage, dass hier ein Ellbogenstoss stattfindet, zerreißt er mit dem Fokus darauf sofort seine Körperzusammenschlüsse und führt die Bewegung mit dem Ellenbogen. Außerdem vergibt er sich völlig das Üben des Hüft- und Schulterstosses, des Wurfes und des Handballenstosses und allem dazwischen, was noch enthalten ist. Lasse ich ihn ohne entsprechende Bilder einfach die Übung mit Fokus auf die Energiearbeit machen, lernt sein Körper ganz unbefangen alles, ohne von Absichten gestört zu werden.

Deswegen ist hier und da mal eine Anwendung zwar nett, ohne die jahrelange Körperarbeit ist sie aber nutzlos und man läuft Gefahr, sie völlig aus dem Kontext gerissen zu betrachten. Sich zuviel mit solchen Erklärungen zu beschäftigen stört nach oben gesagten mE. das Vorankommen und losgelöst von der täglichen Übung der Basics ist isoliertes Betrachten von Anwendungsbeispielen völlig sinnlos.
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  #25  
Alt 07-01-2017, 14:11
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Ja, gerade Dein Beispiel mit dem ellbogenstoß ist sehr treffend.
Sowohl bei einsteigern, die die Körperkorrdination/-synchronisation noch nicht so gut drauf haben, als auch bei sehr erfahrenen Leuten aus äußerem Kampfsport, die jahrelang gelernt haben, sich eben fur auf den ellbogen (Arm, Faust... Fuß...) zu fixieren und die Bewegung mehr aus der Schulter heraus zu machen, als sie wirklich "ganzheitlich", also mit Kraft aus dem Boden, bzw. der Körpermitte (yao/ Funktion vgl. Getriebe beim Auto) auszuführen....

Auch in den Formen passiert es oft, daß die langsamen Bewegungen schön einheitlich zusammengeschlossen sind, aber sobald es schnell wird und Fajins verlangt werden, löst sich die Einheitlichkeit auf und die Arme trommeln durch die Gegend, ohne von "weiter unten" geleitet/unterstützt zu werden.

Das zu verstehen ist ein erster Schritt, danach kommt das Üben.

(Habe gestern irgendwo ein Zitat gelesen, das sinngemäß sagt, wer denkt, Schnelligkeit ist sein Freund, aber seine Techniken noch nicht sauber drauf hat, der irrt.... und wer denkt, er braucht viele Techniken, aber das Konzept mißachtet, macht auch einen Fehler. Begreife das Konzept und Du hast automatisch viele Techniken... das gilt auch für die Anwendungen im Taiji)
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  #26  
Alt 07-01-2017, 19:25
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Geändert von Aruna (11-01-2017 um 23:06 Uhr). Grund: -
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  #27  
Alt 07-01-2017, 20:02
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Zitat:
Zitat von Luggage Beitrag anzeigen
...
Mich stört daher immer an der Visualisierungs- und alles-muss-sofort-eine-Anwendung-haben-Fraktion, dass man mit dergestalt zielgerichtetem Üben diese Feinheiten garnicht erfahren kann.
Bei aller grundsätzlicher Zustimmung: Möglicherweise hat es aber auch einfach was mit dem Lerntyp zu tun. Es gibt halt Menschen, die lernen am besten, wenn sie wissen WAS genau sie da eigentlich lernen; andere begreifen am besten, wenn sie das WOZU (Nutzen, i.S.v. Anwendung) kennen; und wieder andere brauchen direkt eine Erklärung zum WIE.
Wobei es sich "nur" um 3 unterschiedliche Zugänge (zu ein- und demselben Sachverhalt) handelt.
Daher sollte ein guter Lehrer (der ja nicht weiß, welche/n Schüler er gegenüber hat) IMHO möglichst schnell zumindest einen kurzen Abriss aller dieser 3 verschiedenen Aspekte anbieten (anstatt alle Schüler nur über einen Kamm zu scheren und auf seine eigene Lehrmethodik einzuschwören).

Zitat:
Wenn ich einem Anfänger bei der einhändigen Seidenübung sage, dass hier ein Ellbogenstoss stattfindet, zerreißt er mit dem Fokus darauf sofort seine Körperzusammenschlüsse und führt die Bewegung mit dem Ellenbogen. ...
* s.o..
* Plus: Eine Frage für weitere Lehr-/ Lerninputs: Eher Big Picture-Lernen oder eher Detail-Lernen.
__________________
HG Silverback * Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere. (Groucho Marx)

Geändert von * Silverback (07-01-2017 um 20:05 Uhr).
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  #28  
Alt 08-01-2017, 15:04
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Zitat:
Zitat von * Silverback Beitrag anzeigen
Bei aller grundsätzlicher Zustimmung: Möglicherweise hat es aber auch einfach was mit dem Lerntyp zu tun. Es gibt halt Menschen, die lernen am besten, wenn sie wissen WAS genau sie da eigentlich lernen; andere begreifen am besten, wenn sie das WOZU (Nutzen, i.S.v. Anwendung) kennen; und wieder andere brauchen direkt eine Erklärung zum WIE.

* Plus: Eine Frage für weitere Lehr-/ Lerninputs: Eher Big Picture-Lernen oder eher Detail-Lernen.
Naja, man erlebt es als Lehrer halt öfter, daß man durchaus die kleinen, feinen diversen Anwendungsdetails der Bewegungsabschnitte erwähnt, ausfürhlich erzählt, zeigt oder auch übt, aber das ist den Leuten dann wieder nicht spektakulär genug und ihnen steht der Sinn nach Höherem- obwohl sie das Einfache noch nicht sauber hinkriegen.

Wer nun beim Turmspringen gleich ne Schraube mit Salto machen will statt nem sauberen Köpper, der platscht vielleicht böse auf den Bauch und merkt selber, daß er erst noch Vorbereitung braucht, aber in einer KK wie Taiji ist das in Sachen Verletzungsrisiko und vieler anderer Faktoren ja immer so eine Sache....

Ist nicht immer ganz einfach, die einen zu motivieren, daß sie überhaupt auf die Anwendungen achten (hach, ist mir zu brutal oder huch, ist mir zu viel Nähe), während anderen eben der Sinn nach Spektakulärerem steht, bevor die Basis sitzt...
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  #29  
Alt 08-01-2017, 19:09
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Zitat:
Zitat von scarabe Beitrag anzeigen
...
Ist nicht immer ganz einfach, die einen zu motivieren, daß sie überhaupt auf die Anwendungen achten (hach, ist mir zu brutal oder huch, ist mir zu viel Nähe), während anderen eben der Sinn nach Spektakulärerem steht, bevor die Basis sitzt...
Glaub ich sofort ... weswegen ein Lehrer (zumindest im westlichen Sinne (das fernöstliche 'Standardprogramm' "ich mache vor, ihr macht nach - und wer es nicht rafft, hat hier eh nix verloren" lasse ich jetzt mal außen vor)), der seine unterschiedlichsten Schüler oft bei der Stange halten will/ muss, ja genau dafür eigentlich auch so einiges bedenken muss ... eben um die unterschiedlichsten Lern-/ Wahrnehmung-"typen" abzuholen und anzusprechen. Am Bsp. oben: Nähe-/Distanztyp, Anwendung vs. "Grundschule", "Warum- vs Wie-Typ", proaktiv vs. reaktiv, kognitiv vs. motorisch vs. Sinnhaftigkeit, hin zu (z.B. mehr Wehrhaftigkeit) vs. weg von (z.B. Opfer sein) usw. usf.; nix davon ist "das einzig Richtige", sondern halt nur für eine bestimmte Person wichtig/ entscheidend). Da kann in Summe (und das neben dem fachlichen Inhalt) schon was zusammenkommen für den "gemeinen Trainer" , was alles so bedacht werden will.
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  #30  
Alt 09-01-2017, 10:11
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Wenn ich Anwendungen unterrichte (und auch für mich selbst trainiere) lasse ich die Technik zuerst schön langsam oder gar ‚sanft‘ üben. ABER dabei achte ich vor allem darauf, dass der Anwender seinen Trainingspartner mit der Technik tatsächlich bewegen kann und zwar ohne sich selbst nach vorne (sprich, aus dem eigentlich Zentrum heraus) zu werfen oder sich exzessiv anzuspannen. So trainiert man, dass eine Technik/Anwendung genug (kinetische) Energie durch den anderen oder in den anderen hinein überträgt und nicht nur ‚anklopft‘. Auf dieser Basis ist es wahrscheinlicher, dass die Technik, schnell und entschieden ausgeführt, tatsächlich etwas bewirken kann anstatt den anderen nur zu verärgern. Vor allem bei kleineren/leichteren Menschen ist das wichtig.

Außerdem hilft diese Herangehensweise, die Hemmungen etwas abzubauen. Ein langsamer, vorsichtiger aber durchdringender Push zum Kopf oder Gesicht, wobei man selber zentriert bleibt und den anderen deutlich von den Füßen bzw. durch den Raum bewegt, ist für manche Leute auch nicht ohne, aber immerhin etwas zugänglicher als „den anderen ins Gesicht schlagen“. Stück für Stück aufbauen. Und auch für Leute mit mehr Erfahrung ist es oft gut zu überprüfen, ob man bei ‚aggressiven‘ Anwendungen gut geerdet und durchlässig bleibt oder doch – buchstäblich oder sinnbildlich – dabei die Zähne zusammenbeißt. Jedenfalls ist es für mich ganz gut.

Was Lerntyp betriff: Beim Gruppenunterricht mache ich mir zuerst nicht so viel Gedanken darum, sondern versuche mein Ding einfach so klar und nett wie möglich zu vermitteln. Sonst verliere ich den roten Faden. Wenn jemand Probleme mit dem Aufnehmen hat, dann versuche ich spezifischer zu gucken, was jemanden spezifischer braucht. Das bleibt auch für mich ein Lernprozess, vor allem wie man das kurz und ökonimisch macht. Jeder ist anders. Aber widmet der Lehrer zu viel Zeit den spezifischen individuellen Bedürfnissen, geht die Gruppendynamik verloren. Aber das geht ja mehr um Pädadogik allgemein und wird vielleicht OT.
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