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Taijiquan, Qigong-Neigong Tuishou, Baguazhang, Xingyiquan Alles zum Thema "Neijia" sowie gesundheitsorientierte Bewegungskünste



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  #46  
Alt 10-01-2017, 00:14
Benutzerbild von scarabe
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Kampfkunst: Chen Taiji, Qi Gong
 
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Zitat:
Zitat von kloeffler Beitrag anzeigen
Ich finde die Abgrenzung von Tai Ji Quan zu anderen chinesischen Kampfkünsten sehr bezeichnend.

Dass Praktisches kaum gelehrt wird, liegt meiner Meinung nach daran, dass man seine Schülerschaft nicht vergraulen will und viele Lehrer, die sich in ihren modernen chinesischen Graduierungen sonnen, aus guten Gründen nicht vollständig ausgebildet worden sind und höchstens einen Schimmer von Anwendung haben. Man will sich ja keine Blöße geben...

money makes the world go round ;-)
Ich weiß jetzt nicht, wo Du das her nimmst, denn ich hatte Taiji ja nicht mit anderen chin. Kampfkünsten verglichen, sondern mit Kampfsport- also z.B. Boxen, Judo, Ringen.....
Da mein Vater Ringer war, habe ich mit drei Jahren angefangen, Ringen zu lernen und später Judo und noch so einiges andere- ich war zwar kein Weltmeister, aber so ein bisschen was gelernt und ein paar Kämpfe gemacht hab ich dabei schon. (ich gehe mal davon aus, Du spielst oben auf meinen 5. Duan im Chenstil an)- Erst viel später kam ich zum Taiji.

Auch mir ist es schwer gefallen, gewisse Gewohnheiten und ein gewisses Überlegenheitsgefühl ("ich komme ja aus dem Kampfsport, ich weiß ja schon alles und sowieso besser, als mein dt. Taiji-Lehrer..:") abzulegen und auch bei mir hat es eine Weile gedauert, bis ich kapiert habe, welches Konzept hinter Taiji steckt und wie die Prinzipien tatsächlich wirken und sich auswirken. Und ich habe noch ordentlich was dazugelernt, was mir gerade jetzt, wo ich älter werde und nicht mehr so auf Kraft und Belastung arbeiten kann, sehr nützlich ist- in jeglicher kampfkünstlerischer und auch in charakterlicher Hinsicht.

Ich biete in meinem Unterricht durchaus Anwendungen und Pushhands an, habe aber festgestellt, daß es nichts bringt, die Leute dazu zu zwingen, die partout nicht wollen, bzw. nur widerwillig ihre Pflichtroutinen drehen. Einige kommen nach und nach auf den geschmack, aber die PH Kurse sind grundsätzlich von viel weniger Leuten besucht, als die Formenkurse- und andererseits muß ich auch sagen, daß bei uns im Westen eben auch viele ältere Leute erst mit Taiji beginnen, die sowieso keine gewaltigen Kämpfer mehr werden- und das auch nicht wollen.

Ein paar Talentierte habe ich und auch einige, die zumindest Interesse haben, mal sehen, vielleicht läßt sich das ja ausbauen.


Ich stimme Dir zu, daß die Chinesen lieber die Glasperlen herausgeben und die Goldstücke für sich behalten, aber es ist auch so, daß man die Dinge letztendlich lernen darf, wenn man hartnäckig genug ist und wirklich will. Auf dem Silbertablett bekommt man sie aber nicht geboten. Aber wozu auch, Königsweg und Kampfkunst, das passt einfach nicht.

Geändert von scarabe (10-01-2017 um 00:26 Uhr).
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  #47  
Alt 10-01-2017, 06:43
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Kampfkunst: Bajiquan, Taijiquan
 
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Zitat:
Zitat von scarabe Beitrag anzeigen
Ich gehe mal davon aus, Du spielst oben auf meinen 5. Duan im Chenstil an
Nö, darauf wollte ich nicht anspielen, war mir gar nicht bewusst.

Ich finde, die Standardisierung und Vermarktung wie sie z.B. im Chen Tai Ji stattfindet, ist eher kontraproduktiv.

Solche offiziellen Veröffentlichungen aus Chenjiagou bestätigen mich in meiner Meinung:

https://m.youtube.com/watch?v=d5L7uz8B8X4
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  #48  
Alt 10-01-2017, 07:51
Benutzerbild von kanken
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Zitat:
Zitat von Aruna Beitrag anzeigen
Gibt's im Bagua eine Form?
Nö. Es gibt die acht Handhaltungen und zwei/drei grundlegende Wechsel. Das ist die Basis. In unserem System gibt es zwar acht Wechsel, wobei die weiteren Wechsel nur wiederum eine andere Zusammenstellung von grundlegenden Handhaltungen/Wechsel sind. Quasi nur weitere Beispiele.
Es gibt Baguarichtungen die haben bis zu 64 Wechsel, was fast schon zu Formen führt, das ist aber nicht das was Bagua ausmacht.

Es geht im Bagua um das Erkennen von natürlichen Prinzipien mit Hilfe des Verstandes, was dann zu natürlicher Bewegung führt, was man dann zum effektiven Kämpfen nutzt, in dem man diese Prinzipien in den Anwendungen übt. Die Anwendungen wiederum sind in den Handhaltungen und den Prinzipien des Wechseln ebenfalls enthalten, da sie ja den natürlichen Prinzipien folgen (müssen).
Das Kreisgehen und Stehen dient dann der Übung dieser Prinzipien und Anwendungen um wieder völlig natürlich zu handeln.

Das Erkennen und üben der Prinzipien ist dabei nichts was nur das Bagua macht. Diese Idee ist die Grundlage aller CMA (so jedenfalls die Meinung in unserer Linie) und nichts was Dong sich ausgedacht hat. Er hat es nur mit dem Kreisgehen kombiniert anstatt es auf einer Linie oder im Stehen zu üben. Die Leute damals in Tianjin könnten sich ja eben deswegen gut verstehen, egal ob aus dem XingYi, Shuaijiao, diversen Shaolinderivaten, Bagua, Liu He Ba Fa, Tai Chi etc..
Die Prinzipien sind gleich, die Anwendungssets sind gleich, es gibt nur unterschiedliche Methoden und Didaktiken das zu trainieren.
Ohne Anwendungen kann man immer noch einige Prinzipien trainieren, dann ist es jedoch halt keine Kampfkunst, sondern Gesundheitsübung.

Grüße

Kanken
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  #49  
Alt 10-01-2017, 08:15
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Das ist doch jetzt alles nichts Neues oder Verschiedenes.

In jedem Stückchen der Yilu sind Prinzipien und Anwendungen. Die Frage ist halt, ob man diese kennt und mittels der Form übt (man übt ja nicht die Form als Selbstzweck, was soll man denn da üben?), oder halt nicht.
Ich kann auch leeres Bagua, Xingyi, Badi, Yiquan etc. machen.

Der zweite Aspekt sind halt Solo- und Partnerübungen. Und aus dem Stegreif fällt mir keine CMA ein, wo nicht beides dazu gehört.
(Das Verhältnis kann individuell und je nach Stil vielleicht anders sein, aber gibt doch zumindest immer beides, oder?)
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  #50  
Alt 10-01-2017, 08:28
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Hi Julian,

ich habe ja auch nicht gesagt das es was neues wäre Ich habe auch nicht gesagt das Formen etwas schlechtes wären
Es kommt halt darauf an was man wie und warum übt. Ich schrieb doch das all das die gemeinsame Basis aller CMA ist. Einige üben das mit Formen, andere ohne ist doch Wurscht, solange es geübt wird.
Man kann es für die Gesundheit üben, oder für den Kampf, ist auch Wurscht.
Wenn man es jedoch für den Kampf übt, dann sollte man auch die Tools haben damit es funktioniert, also die realistischen Anwendungen zu den Bewegungen. Bewaffnet wie unbewaffnet. Auch die gibt es in allen CMA. So etwas wird halt nur nicht so verbreitet geübt, leider.

Grüße

Kanken
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  #51  
Alt 10-01-2017, 10:56
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Ich habs euch doch gesagt. Ich bin der Nostradamus des Forums.
-Kannix-

Geändert von Aruna (11-01-2017 um 23:05 Uhr). Grund: -
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  #52  
Alt 10-01-2017, 11:23
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Anwendungen werden von kooperativ bis unkooperativ bis frei geübt, ganz nach Lust und Laune (und Kenntnisstand).

Wenn die Tai Chi Lehrer alle die Anwendungen können und nur nicht zeigen weil es keinen Bedarf gibt, dann ist ja gut. Dann wird Tai Chi halt größtenteils nur zur Gesunderhaltung geübt. Ich frage mich dann nur: Mit wem üben die Lehrer dann kämpfen, wenn nicht mit ihren (fortgeschrittenen) Schülern, oder sind sie so gut, dass sie gar nicht mehr kämpfen üben müssen?

Was die "Prinzipien" angeht: So etwas komplexes kann man wohl kaum schriftlich erklären. Die Prinzipien der Kräfte, der Qualitäten, der Wechsel all das kann man wohl kaum schriftlich adäquat zusammenstellen. Das muss erfahren und gefühlt werden.

Nur weil es im Bagua kein Dantien gibt heißt es nicht das es ein anderes Prinzip sein muss. Wie man etwas nennt und wie man es beschreibt muss nicht unbedingt gleich sein und kann dennoch das Gleiche meinen.

Zitat:
Zitat von Aruna Beitrag anzeigen
Auf jeden Fall scheint mir die praktische Umsetzung in Übungen schon in Substilen der gleichen Familie teilweise so unterschiedlich zu sein, dass ich es sehr gewagt finde, wenn sich jemand hinstellt und seine eigene Variante als
maßgeblich nicht nur für einen Stil sondern sogar gleich für alle chinesischen Kampfstile erklärt.
Nicht ich, sondern Leute wie Dong Hai Chuan und seine Schüler oder Zhang Zhao Dong, WXZ, Zhao Daoxin und noch andere, die damals in Tianjin gemeinsam trainiert haben. All das waren ja nicht "irgendwelche" Leute. Da war extrem viel Wissen und Kompetenz in den nordchinesischen Kampfkünsten an einem Ort, die sich ausgetauscht haben und nach Gemeinsamkeiten gesucht haben.

Wie gesagt, auch heute kann man sich wunderbar im persönlichen Kontakt austauschen und nach den Gemeinsamkeiten suchen...

Grüße

Kanken

Geändert von kanken (10-01-2017 um 11:29 Uhr).
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  #53  
Alt 10-01-2017, 11:39
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Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
Wenn die Tai Chi Lehrer alle die Anwendungen können und nur nicht zeigen weil es keinen Bedarf gibt, dann ist ja gut. Dann wird Tai Chi halt größtenteils nur zur Gesunderhaltung geübt. Ich frage mich dann nur: Mit wem üben die Lehrer dann kämpfen, wenn nicht mit ihren (fortgeschrittenen) Schülern, oder sind sie so gut, dass sie gar nicht mehr kämpfen üben müssen?
Kann man denn "die" Tai Chi Lehrer alle so pauschal über einen Kamm scheren?

Was ist für Dich ein Tai Chi Lehrer bzw. ab wann ist die Bezeichnung für Dich passend?

Im Wu Stil haben die von Ma ausgebildeten Lehrer (Tudis) das Tai Chi inkl. Anwendungen gelernt. Ich denke mal, das wird in dem Großteil der anderen Linien ähnlich gehandhabt. Diejenigen die hier so in der Breite Taiji unterrichten sind aber nun mal nicht alle auf diesem Lernstand.

Solange das offen kommuniziert wird sehe ich da auch kein Problem. Wer "mehr" bzw. "alles" lernen möchte muss sich dann eben einen entsprechend qualifizierten Lehrer suchen der das auch noch so weitergeben kann und will.
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  #54  
Alt 10-01-2017, 11:59
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Zitat:
Zitat von Glückskind Beitrag anzeigen
Kann man denn "die" Tai Chi Lehrer alle so pauschal über einen Kamm scheren?

Was ist für Dich ein Tai Chi Lehrer bzw. ab wann ist die Bezeichnung für Dich passend?
Da machst Du ein großes Fass auf. Ich habe das geschrieben weil es sich bei Aruna so anhört dass die Leute, die hierzulande (aber teilweise auch in China) unterrichten (und sich als Lehrer bezeichnen) alle die Anwendungen kennen und im Kampf einsetzen können.

Ich würde jemanden dann Lehrer nennen, wenn er das System in seiner Gesamtheit kennt und kann und von seinem Lehrer die Erlaubnis zum unterrichten bekommen hat.

Ich zum Beispiel würde mich niemals als Lehrer bezeichnen, dazu ist mein Einblick in die CMA viel zu gering. Sicher, wir dürfen hier in MS Anfängern die Grundlagen im Bagua zeigen, aber ich käme niemals auf die Idee mich als Lehrer zu sehen. Leute wie Paul oder sein Lehrer, DAS sind Lehrer, wie ich sie verstehe. Diese Leute erforschen und leben die CMA ihr Leben lang, das ist Verständnis.

Ein Grundkriterium wären für mich aber IMMER kämpferische Fähigkeiten. Es sind schließlich KAMPFkünste.
Wer mit mir nicht körperlich fertig wird, den würde ich nicht als Lehrer bezeichnen, denn im Vergleich zu meinem Lehrer kann ich nichts und er spielt mit mir (er ist über 50...) und sein Lehrer mit ihm (der ist über 70).

Grüße

Kanken

Geändert von kanken (10-01-2017 um 12:02 Uhr).
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  #55  
Alt 10-01-2017, 12:52
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Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
Da machst Du ein großes Fass auf. Ich habe das geschrieben weil es sich bei Aruna so anhört dass die Leute, die hierzulande (aber teilweise auch in China) unterrichten (und sich als Lehrer bezeichnen) alle die Anwendungen kennen und im Kampf einsetzen können.
Ok. Bei dem "im Kampf einsetzen können" bin ich persönlich schon bereit Abstriche hinzunehmen wenn ich ansonsten qualitativ guten Unterricht erwarten kann. Sofern die Sachen sauber unterrichtet werden obliegt das lebendig machen ja sowieso den Schülern. Für mich sind sowieso gute Schüler eine der wichtigsten Visitenkarten für die Qualität des Lehrers.

Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
Ich würde jemanden dann Lehrer nennen, wenn er das System in seiner Gesamtheit kennt und kann und von seinem Lehrer die Erlaubnis zum unterrichten bekommen hat.
Dito.
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  #56  
Alt 10-01-2017, 13:07
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Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
Wenn die Tai Chi Lehrer alle die Anwendungen können und nur nicht zeigen weil es keinen Bedarf gibt, dann ist ja gut. Dann wird Tai Chi halt größtenteils nur zur Gesunderhaltung geübt. Ich frage mich dann nur: Mit wem üben die Lehrer dann kämpfen, wenn nicht mit ihren (fortgeschrittenen) Schülern, oder sind sie so gut, dass sie gar nicht mehr kämpfen üben müssen?
Ich bin nicht repräsentativ. Ich habe mir einen Sohn herangezüchtet, weil die wenigsten im Training so was üben wollen
Ansonsten bin ich halt ab und zu in China und lerne.
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  #57  
Alt 10-01-2017, 13:18
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Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
Anwendungen werden von kooperativ bis unkooperativ bis frei geübt, ganz nach Lust und Laune (und Kenntnisstand).

Wenn die Tai Chi Lehrer alle die Anwendungen können und nur nicht zeigen weil es keinen Bedarf gibt, dann ist ja gut. Dann wird Tai Chi halt größtenteils nur zur Gesunderhaltung geübt. Ich frage mich dann nur: Mit wem üben die Lehrer dann kämpfen, wenn nicht mit ihren (fortgeschrittenen) Schülern, oder sind sie so gut, dass sie gar nicht mehr kämpfen üben müssen?


Zu meinen noch kämpferisch aktiven Zeiten war es so, dass ich einen festen Trainingspartner meines Stiles hatte (der zusätzlich lange Jahre weitere Kampfsportarten wie Judo und Jujutsu praktizierte) und sich immer gerne raufte und Anwendungen trainierte. Ein weiterer kam aus dem Yang Stil, mit ihm ging es nicht ganz so heftig zu aber dennoch über sanftes Pushhands hinaus. Und dann habe ich, um zu sehen was das Taichi denn Wert ist, immer mal wieder mit nem Kickboxer trainiert. Er seine Techniken, ich meine. Hochinteressant.
Und letztlich hatte ich auch den ein oder anderen Test unter realen Bedingungen.

Allerdings, und das ist das meiner Ansicht nach Entscheidende, zieht Taichi, durch seinen allgemeinen Ruf als entspannende Bewegungsgymnastik, idR keine Menschen an, die kämpfen lernen wollen, sondern mehr die Menschen, die im weitesten Sinne auf der Entspannungswelle surfen, völlig ohne Wertung gemeint.
Jedenfalls ist es deshalb schwer, über die Form hinaus, Taichi(chuan) an den Mann oder die Frau zu bringen.
Zumindest derzeit nicht großflächig sondern eher nur vereinzelt im Kämmerlein in privaten Sessions.

Aber in dem privaten Bereich gibt es dies schon hin und wieder. Man braucht halt viel viel Herzblut, um über eine "eins zwei Hauruck Anwendung" hinaus zu kommen und irgendwann die Bewegungen so verinnerlicht zu haben, dass sich die darin enthaltenen Bewegungsprinzipien dann, erst ähnlich der Form und schließlich formlos, am Mann anwenden lassen.

Diesen Weg bin ich bis zu einem gewissen Punkt gegangen. Aber mittlerweile, wie du weißt, verfolge ich ihn in dieser Hinsicht nicht mehr, sondern übe fast nur noch zur Selbstkultivierung und Gesunderhaltung. Was sehr gut funktioniert.
Das ist das Herrliche am Taichi...wenn man das Chuan abhängt, bleibt immer noch viel Wertvolles über

Grüße Pilger
__________________
Gleiches zieht Gleiches an

Geändert von pilger (10-01-2017 um 13:21 Uhr).
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  #58  
Alt 10-01-2017, 13:59
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Kampfkunst: Chen Taiji, Qi Gong
 
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Heping- Ich wusste gar nicht, daß Dein Sohn auch in PH Wettbewerben unterwegs ist? Oder muß er sich mit Dir kloppen? ;-) Seine Wettkampf-Formen sind allerdings durchaus überzeugend.

Kankens Frage ist trotzdem berechtigt.
Leider besteht wenig Bedarf, weil Taiji falsch vermarktet wird und überwiegend Menschen anzieht, bei denen nicht der Kampf im Vordergrund steht.
Die dann für PH und Anwendungen zu begeistern ist oft ein hartes Stück Arbeit und dementsprechend fällt zwangsläufig der anwendungs- und kampfbezogene Teil kürzer aus.

Dann- Link oben- sind die von manchen Systemen standardisierten Anwendungen und eigens kreierten Formen/Partnerformen auch von Sinn und Fluß her nicht das Gelbe vom Ei, zumal diese von der entsprechenden Orga mehrfach überarbeitet und umgeändert wurden, so daß das, was im Lehrbuch steht, so und in dieser Form gar nicht mehr gesehen werden will, weil es inzwischen (3-4 x!!!) verändert und verbessert wurde und dementsprechend auch erwartet wird (hatte dazu interessante Erfahrungen in USA; man muß sagen, es ist sicher auch nicht CXWs Meisterstück, was da zu sehen ist).

Man muß aber auch sagen, der Link bezieht sich nicht auf das traditionelle, gewachsene Taiji der Chenfamilie, sondern auf im Nachhinein entworfene und zusammengestellte Kurzformen, die eigens für einheitliche Prüfungskriterien entstanden. Zwar eine interessante Abwechslung, fühlen sich aber komplett anders an, als traditionelle Formen und sonstige Arbeit. Gut, um zu sehen, wie sich jemand jenseits der gewohnten Routinen zurechtfindet, aber eben diese neuen Übungen werden- sehr zu recht- in den Prüfungen ergänzt durch traditionelle Formen, von denen der Teilnehmer sich nach eigener Wahl eine aussuchen und in Ruhe vorbereiten kann (üblicherweise), um so auch zeigen zu können, wie sein Level im traditionellen Bereich in den gewachsenen Formen usw. ist, mit denen er/sie vertraut ist.
Kurzum, der Link ist nicht repräsentativ.


Ich bringe deshalb ein anderes Beispiel- Bewegung 3 Lan Zha Yi, erster Abschnitt der Bewegung- hier ein Auszug aus (einem) Buch von Großmeister Chen Zhenglei.
Auf diese Inhalte (und mehr) kann man also beim Formenlauf achten und - wenn man will- auch im dazugehörigen Anwendungstraining:

Es handelt sich nur um einen Bewegungsteil von wenigen Sekunden!!!! 0:51- 0:54
https://www.youtube.com/watch?v=ZTyIQm-_Bj4

Action 1- Bewegungsbeschreibung (Deutsch übersetzt, in Stichworten)
leicht nach links wenden, Schwerpunkt nach rechts; rechte Faust öffnet sich/offene Handfläche, bewegt sich (twining outward) nach aussen ni chan, während sie gleichzeitig nach oben abwehrt und sich ausdehnt (ward off, peng jin), linke Hand schiebt nach aussen und unten (twining, ni chan)

Requirements: während die rechte Hand... (wie oben, oh nee, ich mach Englisch weiter), first drop and rotate your waist, using your body to drive your right hand to ward off (peng) in an upward arc. Your left hand pushes downward (an) in conjunction with your right hand`s action. This energy manifests a type of energy known as opening energy (kai jin). Inhale during this action.

Internal energy (das Stichwort für alle Zweige und Schulen, die ohne Esoterik oder Qi auskommen wollen ;-) ): Your energy (jin) starts out from the dantian and, through the turning of your waist and relaxing of your shoulders, twines into your two arms. Your right hand (Wdh. der Bewegungsbeschreibung der Arme/Hände wie unter action1)... with all of your qi going through the middle fingers of both hands.

Self Defense application:
(man bedenke, es handelt sich nur um ein diagonales Öffnen der Arme mit leichter Drehung): Your two hands separate the attacker`s hands and open him up for a shoulder strike (der in der Form gar nicht ausgeführt wird!).Your two hands can also be used to protect yourself, the rightbhand protecting the head area, the left hand the body.


So. Und hier kann man nun mit ordentlich was an Yi (siehe anderer Thread ;-) ) seine Bewegung, bzw. diesen einen winzigen Abschnitt, entsprechend focussieren.
Die Vorstellung an innerem Kraftaufwand für ein Öffnen des Gegners gegen dessen möglichen Widerstand hin und das entsprechende Hineinschrauben des erst linken, nach Gewichtsverlagerung rechten Fußes in den Boden, um dazu auch den nötigen, festen Stand zu haben, fühlen sich etwas anders an, als wenn ich mir vorstelle, da kommt von oben (re) ein Schlag oder der linken Seite ein Tritt oder Schlag und ich muß diese mit meinen Armen abfangen.
Trotzdem sieht die Bewegung äußerlich gleich aus.

Und jetzt: aus Standpunkt des Lehrers: Ihr glaubt gar nicht, wie viele Schüler die Arme unsauber positionieren oder das Gewicht falsch verlagern, so daß weder die eine, noch die andere praktische Anwendungsvariante tatsächlich funktionieren würde! Von Anspannung und hochgezogenen Schultern, gebrochener Struktur oder sonstig fehlendem Fangsong noch gar nicht gesprochen! Und das war ja noch nicht mal eine ganze Bewegung, sondern nur ein Teil!

Wer also Lust auf Anwendungen hat, der kann schon im Alleinverfahren beim Formenüben ordentlich was anlegen und vorbereiten- um dann in Pushhands und Partneranwendungen herausfinden zu können, ob er (sie) seine Formenarbeit richtig gemacht hat und die Struktur (sowohl vom Skelett, als auch energetisch peng, lu, ji, an....) tatsächlich auch der Belastung durch eine andere Person standhält!
Und wer so vorbereitet ins PH geht und so seine Formen durcharbeitet, hat ja auch einen ganz anderen kämpferischen Bezug, als die reinen "Wolkenschieber"....

Das Problem liegt sehr oft aber auch in der Ungeduld, wenn Leute meinen, diese Details wären unwichtig und sie könnten diesen Schritt überspringen und wären gleich zu "höherem" berufen....

Na, und dann beim PH noch die Stichworte Fangsong, Ting Jin, wir kleben, folgen, fühlen.... und wenn unsere Bewegungen und Routinen sitzen und das Spiralprinzip und eine tragende Struktur automatisch und verinnerlicht vorhanden sind- die Hüfte offen lassen, Bögen in den Beinen behalten, nicht zu weit drehen usw....
dann gehts ans exakte Anwenden der Techniken und ums erfassen der richtigen Moments- also das Timing, im Bruchteil einer Sekunde zu spüren, wann der Gegner eine "Lücke", Disbalance o.ä. aufweist und diesen Moment intuitiv zu nutzen, um durch blitzschnelle eigene Action den kampf für uns zu entscheiden.

Klar, daß man dazu Zeit braucht und viel und oft üben müsste- wie in jedem Kampftraining.
Und- das brauche ich nicht eigens zu erwähnen- klar, daß man mit einer halben Stunde Tuishou pro Woche (wenn überhaupt) nicht in absehbarer Zeit zum (großen) Kämpfer wird.
Aber- aus SV-Perspektive- lernt man schon, balanciert und weich zu bleiben und ggf starre Kraft eines Angreifers abzuleiten, so daß man in einer Gefahrensituation vielleicht einen entscheidenden Vorteil gewinnt oder die nötige Zeit, um sich mit einem gezielten Tritt und/oder Weglaufen auf der Gefahrensituation zu befreien. Eventuell.


Hier zum Schluß (und zum Vergnüngen) noch ein paar traditionellere Anwendungen, das beliebte "Qinna", Hebel, wie sie ebenfalls in vielen Formbewegungen versteckt sind (u.a. im nächsten Teil von Lan Zha Yi, der Bewegung danach Liu Feng Si Bi) usw usw.
Ich glaube, daran sieht man schon, daß eine gewisse Erfahrung nötig ist, um Verletzungen durch falsche Ausführung (oder ungünstige Landung eines Laien) zu verhindern (GM CZL und sein Sohn)
https://www.youtube.com/watch?v=muCahu9WxWo

Geändert von scarabe (10-01-2017 um 14:53 Uhr).
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  #59  
Alt 10-01-2017, 14:20
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Und da kommen jetzt wieder die Bilder ins Spiel. Warum von Anfang an so kompliziert? Diese Bewegung baut, jedenfalls im Bagua, auf sehr vielen verschiedenen Visualisierungstufen auf. Man braucht doch nicht gleich die spiraligen Bilder dafür, schon gar nicht in der etwas "blumigen" Sprache des "Qi leitens".
Wenn man die einfachen Bilder für das Drücken und Ausdehnen nimmt, dann kann man damit schon sehr einfach anfangen und die Leute erst einmal in die einfache Anwendung für diese Bewegung führen (z.B. den Armdrag, der ja auch darin ist, oder meinetwegen die Schwert-/Säbelentwaffnung die darin enthalten ist, wenn es eine Anfängeranwendung für Waffen sein soll). Ein Schulterstoß ist ja schon etwas fortgeschrittener und erfordert gutes Hand- und Bodywork (und wir reden hier noch nicht von spiraligen Bewegungen).

Warum lehrt ihr gleich so etwas kompliziertes? Warum nicht die einfachen Basisanwendungen und darauf aufbauend dann die komplexen Dinge??? Diese Bewegung ist doch auch Teil der Peitsche (jedenfalls Elemente davon). Ich weiß nicht wie Ihr die aufbaut, aber auch da geht man doch nicht gleich auf den Genickbruch?

Wenn man mit so komplizierten Dingen anfängt, dann wundert es nicht dass die Leute frustriert sind. Wenn man mir es so erklären würde, dann würde ich auch denken "Oh shit, wie soll ich das alles lernen?"

Grüße

Kanken

P.S.

Im Bagua ist diese Bewegung u.a. Teil des doppelten Handwechsels, des Trennens von Himmel und Erde und dem ballspielenden Löwen.

Geändert von kanken (10-01-2017 um 14:39 Uhr).
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  #60  
Alt 10-01-2017, 14:42
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Kampfkunst: Chen Taiji, Qi Gong
 
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Daß es so ausführlich im Buch steht, heißt ja nicht, daß man das den Anfängern schon so beibringt.

Früher, als es noch üblich war, vor dem Formenlernen erst ein Jahr lang täglich mindestens 45 Min Zhan Zhuang (Arme auf Brusthöhe) zu stehen, um Energie, Struktur und meditative Ruhe/Kraft zu entwickeln, hatten die Formenläufer natürlich schon ein ganz anderes Gefühl für die inneren Prozesse, als ein heutiger Anfänger. Auch fiel den motorisch oft geschickteren Leuten die Bewegungskoordination meist leichter, so daß es für sie nicht so schwer war, alles sozusagen "unter einen Hut zu bringen".

Aber bei uns heute ist das schon anders. Am Anfang steht deshalb der erste Formendurchgang, wo man die Bewegung erst mal einigermaßen sauber lernt und erfährt, welches die Anwendungsmöglichkeiten wären- das hilft nämlich vielen Leuten auch, sich die Bewegungen besser zu merken.
Allerdings- und das ist sehr wichtig, damit der spätere Weg nicht verbaut wird und damit die Bewegungen auch ihren Gesundheitseffekt nicht verlieren- dürfen die Schüler körperlich nicht in dieselbe Anspannung gehen, in die man für diese Bewegungen in einer rein äußeren KK gehen würde, denn sonst sind die Gelenke dicht und es wird nie mehr was (oder nur mit sehr mühsamem Umgewöhnen) mit innerem Fluß (der ist ja sowohl für KK als auch für Gesundheitstaiji wichtig) und später innerer Kraft/ Jin ergänzt Li/ Fajin usw.

Es bleibt also nichts anderes übrig, als durchaus auch von Anfang an das Qi/Jin und das Yi nicht so ganz ausser acht zu lassen- denn was das Taiji-Hänschen nicht lernt, lernt Hans nur sehr schwer. Aber dafür sorgen zum Glück ja auch die Seidenweberübungen und die sonstigen Basics.

Wir Lehrer haben hier also einen Spagat zwischen einerseits einem relativ leichten, oberflächlichem, äußeren Durchlauf, dem Aufbau des Rohbaus sozusagen- müssen andererseits aber schon die Kanäle schaufeln und die Knotenpunkte frei halten, damit später die internen Leitungen gezogen werden können.... sozusagen.

Und dann sei nicht vergessen: Taiji ist nunmal Taiji und keine rein äußere KK.
Dank unserer modernen Zeit besteht ja eine breite Auswahl an Kampfkünsten und Kampfsport, so daß jeder sicherlich etwas Passendes finden kann.
Wer Taiji nicht mag, weil ihm die inneren Aspekte mißfallen, der kann nun zwar unvollständiges Taiji lernen- er könnte aber stattdessen natürlich auch eine andere Kampfkunst machen, die ihm/ ihr besser passt....
jeder wie er mag....

Geändert von scarabe (10-01-2017 um 14:50 Uhr).
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