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#1
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| Ich habe diese Abspaltung vorgenommen, da die Thematik von Trainingsinhalt und Zertifizierung, Standardisierung und so weiter einen eigenen Thread verdient. Gruss, Thomas Zitat:
Dann die Frage, was im TJQ ist Meditation? Ich tue mich schwer mit der oft zu lesenden Formulierung "Meditation in Bewegung", wobei letztlich natürlich vieles Meditation sein kann wenn man es weit genug fasst und sich darauf einläßt, auch Staubsaugen etc. Ich tue mich auch schwer damit wenn Qi Gong und TJQ immer in einem Atemzug genannt und vermischt werden, auch wenn Qi Gong - wörtlich genommen als "Arbeiten an/mit dem Qi" - natürlich auch zum TJQ-Training passt, und es bspw. mit Zhan Zhuang eine "echte" Qi Gong Übung gibt die oft in Verbindung mit TJQ geübt wird, und die auch meditative Aspekte hat. (Bitte Worte wie "echte" nicht zu wörtlich nehmen, ich denke einfach man sollte nicht alles in einem Topf werfen auch wenn es Schnittmengen gibt, sonst wird es irgendwann sehr beliebig, daher auch die Anführungszeichen. Ich hoffe es ist halbwegs klar wie ich es meine). Was den gesundheitlichen Aspekt angeht, ich würde sogar soweit gehen zu sagen, daß selbiger größer sein wird gerade wenn man TJQ als komplettes System (und das braucht man damit man es "nur" als KK betreibt) trainiert und nicht nur als ein wenig - übertrieben gesagt - Gymnastikübung oder auf der anderen Seite als optisch ansprechende Formenlauf-Choreographien.
__________________ "Der Chen Stil geht auf das Jahr 1928 zurück und entstand in Peking." (Produktbeschreibung "Tai-Chi Chen Yi Lu - Formen und kriegerische Anwendungen") fei long guo jiang - enter the fat dragon Geändert von T. Stoeppler (06-05-2010 um 21:35 Uhr). Grund: Thema abgespalten |
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#2
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| Zitat:
Ich sage es mal so: Prinzipiell kann ich mich mit Zertifizierung/Lizenzierung usw. abfinden, und sehe auch durchaus positive Aspekten, wenn man auf bestimmte Sachen geprüft wird:Einerseits, z.B. Pädagogik, Biomechanik/gesunde Bewegung, Berücksichtigung der Grundprinzipien von Taijiquan... Andererseits, z.B. technische Beherrschung der eigenen Formen, kampfkünstlerisches Verständnis und Können (zumindest im Ansatz)... Was ich aber als wirklich gefährlich bzw. inakzeptable sehe, ist die Vorstellung, daß prüfende Gremium festlegen, welche Formen und welche Interpretationen von Formen/Stilen erforderlich sind. Vielleicht habe ich dich hier falsch verstanden, und das staatliche chinesische System will dies nicht festlegen (?). Dann muß ich mich für meinen Ausbruch entschuldigen... Sollte es aber doch so konzipiert sein, nämlich daß die Funktionäre bestimmen, welche Formen ein Lehrer zu 'beherrschen' hat und genau wie diese spezifischen Formen auszuführen sind, dann finde ich es nach wie vor ein Unding.Um mal den Beispiel von dem Führerschein aufzugreifen: Jeder muß in der Lage sein, ein Auto so zu steuern, daß er sich selbst und andere nicht gefährdet oder belastet. Führerschein machen bedeutet aber nicht, z.B., daß man ab jetzt nur noch Opel oder Fiat fahren darf, und zwar nur in den Farben blau und gelb. Schöne Grüsse, Giles
__________________ Do not give up the near in order to seek the far. |
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#3
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| Zitat:
...oder um bei dem Fußball-Beispiel von Heping zu bleiben, eine DFB-Trainerlizenz schreibt einem nicht vor, das man seine Mannschaft dann hinterher nur im 4-4-2, 4-3-3, mit oder ohne Libero etc. spielen lassen darf.
__________________ "Der Chen Stil geht auf das Jahr 1928 zurück und entstand in Peking." (Produktbeschreibung "Tai-Chi Chen Yi Lu - Formen und kriegerische Anwendungen") fei long guo jiang - enter the fat dragon |
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#4
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| Man kann natürlich jedes Beispiel ad absurdum führen. Ich wollte mit meinen Beispielen aufzeigen, dass in den meisten anderen Sportarten, in jedem Berufszweig Qualifikationen erarbeitet werden müssen, die dann durch irgendeine Instanz geprüft wird. Dazu werden oft Lehrmittel zur Verfügung gestellt, wie jetzt bei der CWA dieses Buch mit DVD (@Scarabe: Buch und DVD werden zusammen verkauft und im Moment kann die Prüfung noch nach bisherigem System oder nach neuem System abgelegt werden). Die CWA hat dazu namhafte Lehrer eingeladen, die diese Lehrmittel erstellt haben (im Chen-Stil z.B. Chen Xiaowang, Zhang Dongwu und Huang Kanghui). Ich, der nicht als Fan von CXW gelte, finde das trotzdem gut. Weil die Bewegung „Jin Gang Dao Dui hat die Anwendung so und so, und genau so die Bewegung Lan Zha Yi hat diese Bedeutung, egal ob mein Lehrer Chen Xiaowang, Chen Zhenglei oder Wang Xian ist. Ich stelle einfach fest, dass man sich in den chinesischen Kampfkünsten (nicht nur den internen) immer dann sträubt, wenn der Ruf nach minimalen Kriterien kommt. Da wird man dann ja auf irgendeine Art messbar, bzw. kann sich nicht mehr darauf berufen, mein Stil ist halt anders, weil dieses und jenes… Aber irgenwann muss auch bei den chinesischen Kampfkünsten irgend ein anerkanntes System kommen, dass für ein gewisses Mass an Seriosität bürgt. Andernfalls diskutieren wir noch in 30 Jahren hier über die gleichen Punkte wie das ist doch alles nur AOK-Taiji oder nur Hongmen unterrichtet Taiji als Kampfkunst usw. Just my 2 cents. Und jetzt bin auch ich wieder ruhig ![]()
__________________ http://www.wuguan.ch |
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#5
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| Es war nicht meine Absicht Dein Beispiel ad absurdum zu führen. Sorry wenn das Mißverständlich rüber gekommen ist. Ich wollte nur Giles zustimmen, daß eine "Überregulierung" auch nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann. Das waren ja seine Bedenken, und gerade die KK lebt ja schon davon daß auch jeder Trainer, Lehrer, Meister seine individuellen Qualitäten und Interpretationen einbringen kann. Sowas wie ein "Zentralabi" für TJQ-Lehrer, wo nur eine Antwort auf jede konkrete Frage oder halt eine ganz bestimmte Ausführung, Haltung, Anwendung richtig ist, wäre sicher nicht sinnvoll wenn es so ausgelegt ist daß jeder der nicht 100%ig auf der Linie eines Hauptzweiges liegt plötzlich angeblich was falsch macht. Wenn bspw. die Chen-Varianten aus dem kleinen Rahmen, oder die von Feng Zhiqiang, oder die von Hong Junsheng etc. schon nicht mehr "richtig" wären weil es bei ihnen halt ein wenig anders aussieht als von CXW festgelegt (ich will gar nicht unterstellen das es so ist, nur so habe ich Giles Bedenken verstanden). Oder was ist erst mit dem Yang-Stil? Was sollen da die Snake-Stylisten sagen die ja doch sehr anders arbeiten als andere Yang-Varianten? Oder eben andere eher kleinere Linien wie das von Giles betriebene Ma Tsun Kuen? Ich bin absolut nicht grundsätzlich gegen Qualitätsstandards und stimme Dir zu daß sowas gerade in der Breite die Qualität im Unterricht wahrscheinlich heben würde. Es müßte halt sicher gestellt sein das alle Lehrer nach ihren grundsätzlichen Qualitäten bewertet werden und nicht in einen Einheitsbrei gedrängt. Denn das würde den TJQ sicher nicht gut tun, und es würde vermute ich um so mehr dazu führen das es dann eine Spaltung gibt, zwischen den "Offiziellen" und denen die Stolz drauf sind eine "unabhängigen" Linie anzugehören wo es noch auf individuelle Qualität ankommt.
__________________ "Der Chen Stil geht auf das Jahr 1928 zurück und entstand in Peking." (Produktbeschreibung "Tai-Chi Chen Yi Lu - Formen und kriegerische Anwendungen") fei long guo jiang - enter the fat dragon Geändert von Fei Long (05-05-2010 um 18:55 Uhr). |
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#6
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| Danke, Fei Long, das widerspiegelt meine Gedanken ganz genau. ![]() Manchmal bin ich selber recht genervt über die Qualität oder Abwegigkeit von vieles, was als "Tai Chi (Chuan)" angeboten wird, und würde mir recht deutliche Qualitätsicherung für Lehrer wünschen. Aber genauso sehe ich die Gefahren einer "Parteilinie", die sich schnell oder schleichend in einer einheitliche Reglementierung offenbaren kann. Der chinesische Staat hat ja auch neulich "offiziell genehmigte" Versionen von einigen verbreiteten Qigong-Formen herausgebracht - als ziemlich klare wenn auch nicht explizite Maßnahme gegen Falun Gong. Daher sage ich schliesslich "Vive la Differénce"...!! ![]() Schöne Grüsse, Giles
__________________ Do not give up the near in order to seek the far. |
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#7
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| Nun, irgendwann wird man Kompromisse machen müssen, will man eine Verbesserung erzielen. Ich werde jedenfalls die Entwicklung bei Euch im hohen Norden gespannt verfolgen ![]()
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#8
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| na, ich denke, in jedem Stil gibt es gewisse klassische Formen, die einfach Grundwissen sind und dazugehören. Ein Chen Stil (großer Rahmen) Lehrer/in ohne z.B. Laojia Yilu wäre mir suspekt. Eing gutes Beispiel finde ich CZLs Sommercamp, bei dem mit Qi Gong und Laojia Yilu die Beginners Level Instructor Lizenz erworben wird, mit der L. Paochui, Säbel und Schwert die Advanced Beginners Level Lizenz, Usw. Richtige advanced Lizenzen erhalten die, die sämtliche offizielle Faust- udn Waffenformen beherrschen, also Xinjias, 56er, Doppelwaffen..... DAs ganze wird in Prüfungen nachgewiesen, damit auch die Qualität der Übungen stimmt. So ist alles sinnvoll gegliedert in 4-6 verschiedene Instruktorengrade. Es mag Geldmacherei sein, aber es erzeugt Klarheit darüber, wer was gelernt hat! Ergänzend können dann die jeweiligen Kurzformen der diversen Meister (und sonstige individuell entwickelte Formen) ja auch gelernt oder unterrichtet werden. Deshalb finde ich eine solche Unterteilung sehr sinnvoll, auch für Duan-Prüfungen, denn gewisse alte, etablierte Formen, die das Gesicht eines Stils geprägt haben, sind nicht zu ersetzen und sollten zumindest bei höheren Duan-Graden beherrscht werden. Ich bin ja kein Fan der WCTAG, wie viele hier wissen, aber das Staffelungssystem der diversen Instruktorengrade macht ebenfalls Sinn und ist ein Qualitätsnachweis 1.) 19er plus erste Seidenfaden-Sets plus ZZ und einarmiges Tuishou, 2.) danach Laojia Yilu mit den restlichen Seidenfaden-Sets und beidhändigem Tuishou mit und ohne Schritte, erste Waffengrundlagen, usw... Die Frage ist nun, in wieweit sind die Pushhands- und Seidenfaden-Sets der CXW-Linie relevant für Chen Taijiquan allgemein- wobei man ja fast überall diese diversen Routinen findet, egal, ob Chanjiagou oder Peking... nur mit kleinen Unterschieden. Über Zhu Tiancai oder Wang Xians Methoden weiß ich nicht Bescheid, aber ich gehe davon aus, daß auch hier die alten und neuen Formen, sowie Waffenformen der Reihe nach als Grundwissen der unter- bis Mittel/Oberstufe unterrichtet werden. Was nun Meditation und Stehende Säule betrifft, so ist es seit jeher Grundlage bei der Chen-Familie. Ab 8 Jahren müssen die Kinder täglich stehen, nicht nur wegen der meditation, sondern auch, weil sich so Spiralen, Dan Tien und auch Armkraft entwickeln. Es tun sich erstaunliche Dinge im Körper, die wenig mit Meditation zu tun haben, wenn man regelmäßig steht und diese entwicklung ist für hochwertiges Taiji und die berühmten Harmonien sehr wichtig. Das erfährt am eigenen Körper aber nur, wer auch lang und oft genug steht, für andere ist es oft nur überflüssige Esotherik. Chen Ziqiang hatte z.B. als Kind oft wenig Lust darauf und wurde von seinem Vater mit Comic-Videos zur Belohnung dazu motiviert. Wer zum Teufel also sind wir (Besserwisser), um herzugehen und zu behaupten, das wäre für gutes Taiji nicht relevant??? Geändert von scarabe (05-05-2010 um 23:55 Uhr). |
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#9
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| Dafür gibt es aber bspw. keine Vorschriften wie jetzt ein Stil genau auszusehen hat und was für Formen man können muß, jeder hat die Chance innerhalb seine Stil und seiner Linie zu bleiben. Mir persönlich gefallen nur drei Stufen Kurleiter/Lehrer/Ausbilder auch eher als direkt 8-9 Grade, was denke ich schnell dazu führt daß alle möglichen Leute jedes Jahr irgendwelche Gürtelprüfungen ablegen wollen/müssen, und ich mir nicht vorstellen kann wie man objektiv so genaue Fortschritte und Verbesserungen in einer KK wie TJQ beurteilen will. Dann landet man sehr schnell bei schulmäßigen Kriterien wo man 20 theoretische Fragen auswendig lernt, sich eine neue Form drauf schafft, und dann ist man "ein Level weiter". Ich denke sowas macht bei sportlastigen Sachen eher Sinn, aber im TJQ wird´s da schwierig. Und 3 Jahre/250 Unterrichtsstunden für die "niedrigste Stufe" Kursleiter - wo sicher noch niemand erwartet daß da hinterher ein Großmeister vor einem steht - sind zumindest schon mal eine gewisse Hausnummer, wo man dann sicherlich mehr Qualität und Basiswissen erwarten kann als von so manch anderem der nach einem Jahr VHS-Kurs denkt er könne schon selber unterrichten. Natürlich ist auch das immer nur ein Kompromiss, und ich weiß das es da auch etliche Kritikpunkte gibt die sicher nicht unbegründet sind. Aber es gibt diese Leitlinien, das grundsätzliche "Werkzeug" ist damit also letztlich hier genau so vorhanden wie jetzt das Duan-System in China. Die Frage ist dann immer noch, wie wird es angenommen und umgesetzt (bspw. was ist mit den Leuten die schon Jahre lang dabei sind, ggf. schon lange unterrichten und in der Zeit schon viel mehr Erfahrung gesammelt haben als für so einen Schein nötig ist, wie will man die "nachzertifizieren", und wer soll da die Prüfungen abnehmen).
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#10
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| Zitat:
Nochmal und zum letzten Mal: Ein System wie das Duanwei-System kann eine Möglichkeit sein, Taiji allumfassend zu erlernen oder zu unterrichten. Weil die Prüfungskriterien, sowohl Grundschule, Formen, Partnerformen und Anwendungen beinhalten. Dies ermöglicht, den oft in den Hintergrund gerückten Aspekt der Kampfkunst wieder mehr Gewicht zu verleihen, da dies Prüfungsbestandteil ist.
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#11
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| ich finde das eine gute Idee, wobei Partnerformen hier in Europa bisher kaum unterrichtet werden. Bin mal gespannt, wie diese Lücke zu schließen ist. Ich denke, einige von uns, ich auch, sitzen jetzt da mit gemischten Gefühlen, weil das Wissen, eine Prüfung vielleicht nicht bestehen zu können, weil irgendeiner dieser Bestandteile nicht ausreichend geübt oder gelernt wurde, natürlich verunsichern kann. Ich denke auch, daß der Dachverband nicht unbedingt fit in diesen Disziplinen ist. Andereseits finde ich es schön, endlich einen allgemein gültigen, von kompetentesten Beratern entworfenen Wegweiser zu haben, der recht sinnvolle Richtlinien und auch Qualitätsmerkmale für Taijiquan festlegt. Ich traue aus eigener Erfahrung der Kompetenz von CXW und den anderen Beteiligten jedenfalls weit mehr, als der Meinung einiger Offizieller im Deutschen Dachverband! Materielle Interessen haben sowieso alle, Chinesen wie Deutsche! Ich jedenfalls finde es sinnvoll, nicht nur die Formen korrekt und unter Einhaltung von Struktur und Prinzipien zeigen zu müssen, sondern auch zu wissen, was da in diesen Formen überhaupt gezeigt wird und wie man es anwendet. Endlich wieder Kampfkunst! |
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#12
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| Eine Versportlichung bedeutet, zumindest im öffentlichen Bereich, das Ende der Kunst, weil Sport und Kunst eben unterschiedlich sind. Ein Besuch bei den Weltspielen 2009 mit den offiziellen Wettbewerben für Taijiquan war ein Graus, die angeblich Weltbesten haben nicht einmal eine Wurzel, aber strecken die Bein 170° nach oben, unter voller Spannung, springen in einen Tiefstand auf einem Fuß. Ne, wirklich keine Kunst, reiner Sport! Duanwei sollte doch eigentlich Meistergrade beschreiben, warum sind viele wirkliche Meister daran überhaupt nicht interessiert, die Duan-Inhaber oft gar nicht meisterlich und wo sind die Schülergrade? Warum gibt es mehrere unterschiedliche System, Verbände? Nie musste CMA in Strukturen gepresst werden, jetzt wegen eines Qualitätssiegels für den westlichen Konsumenten? Jeder hat die Freiheit, seinen Lehrer selbst zu wählen oder kann sich bei jedem Lehrer zumindest als möglicher Schüler vorstellen. Hier in Taiwan wurde schon vor langer Zeit (Anfang der 90er) so was eingeführt, 8 Schülergrade, 10 Meistergrade, außer den Kids an der Schule schert sich keiner drum. Wer was drauf hat, hat Schüler (die dann auch ein individuell gestaltetes Curriculum samt Test akzeptieren) oder will gar keine. Wer nichts drauf hat, geht sowieso bald unter. So einfach ist das hier. |
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#13
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| Zitat:
Du hast schon recht, ich habe mich bisher nicht großartig mit dem Duanwei-System beschäftigt (mit den DDQT-Regeln allerdings auch nicht, auch das hatte ich vor einiger Zeit nur aus Interesse mal kurz überflogen). Falls Du irgendwelche deutsch- oder englischsprachigen Links hast wo das näher erklärt wird, könntest Du die ja mal posten. Nur, was ich geschrieben habe bestätigst Du doch inhaltlich selber. Nur das wir da nun mal eine andere Meinung zu haben. Ich sehe bspw. ein Graduierungssystem für Schüler kritisch, halte es für unnötig, zumal ich die Gefahr sehe daß es sich dann sehr schnell zu einem Wettrennen, zu einer "Versportlichung" kommt wo es nur darum geht sich möglichst schnell viele Formen und Elemente drauf zu schaffen um einen höheren Grad zu erreichen, obwohl es vielleicht viel sinniger wäre sich intensiver mit wenigen Sachen auseinander zu setzen. Zudem sehe ich da die Gefahr eines unnötigen Konkurrenzkampfs zwischen Schülern, und die Gefahr einer Geldmacherei analog zu bspw. einigen *ing*ung Stilen, wenn es dann los geht daß man für jede Prüfung noch mal extra gebühren zahlen muß, ggf. zur Vorbereitung Seminare bei Großmeister XY belegen muß, oder wenn es gar so weit kommt daß Lehrer gar Wissen zurück halten bevor ein Schüler nicht Level X erreicht hat. Und wenn man schon bei den Schülern anfängt wird es auch da noch mehr zu einer Gleichschaltung kommen, es werden nur noch "Lehrbuchformen" unterrichtet weil die Schüler ja genau das für ihre Prüfungen brauchen, und die Eigenheiten der verschiedenen Stile und Untervarianten gehen mehr und mehr verloren. Und für Lehrkräfte kommt mir halt ein "Drei Stufen System" wie eben bei der DDQT oder auch wie Scarabe es von den WCTAG´lern angesprochen hat (wobei das so viel ich weiß auch auf den Leitlinien basiert, nur noch etwas "verschärft" ist) absolut ausreichend vor um bestimmte Qualitätsniveaus sicher zu stellen, analog zu Deinem Beispiel mit den Trainerlizenzen im Fußball wo es auch keine Feinunterteilung in verschiedene Meister und Großmeistergrade gibt. Die Frage was in welchem Level für Anforderungen gestellt werden, ob die ausreichend sind und gut ausgewählt, steht auf einem anderen Blatt. Das ist aber eine Frage des "Finetunings" und wird auch immer ein gewisser Kompromiss bleiben, weil es sicher auch bei denen die die Regeln festlegen unterschiedliche Präferenzen gibt, und das wird hier nicht anders sein als in China. Ich denke mit beiden Systemen, dem chinesischen wie dem deutschen, wäre es grundsätzlich möglich eine bessere durchschnitliche Qualität bei den Lehrkräften zu verbessern. Welches System das bessere ist, darüber kann man ja geteilter Meinung sein, vom Grundansatz liegt mir das deutsche System aus oben genannten Gründen eher. Letztlich ist mir persönlich das Thema aber eh nicht so wichtig, da ich mich bei unserer Schule auch ohne irgendwelche Scheine und Grade bestens aufgehoben fühle. Und ich denke derjenige der Wert darauf legt einen kompetenten Lehrer zu finden, hat auch so die Möglichkeit, wenn er sich ernsthaft mit der Materie auseinander setzt, recherchiert, vergleicht, Probetrainings macht - halt die ganzen Tipps die hier ja auch immer wieder genannt werden.
__________________ "Der Chen Stil geht auf das Jahr 1928 zurück und entstand in Peking." (Produktbeschreibung "Tai-Chi Chen Yi Lu - Formen und kriegerische Anwendungen") fei long guo jiang - enter the fat dragon Geändert von Fei Long (06-05-2010 um 09:18 Uhr). |
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#14
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| Was lernt man in Partnerformen, was man durch Form, Pushhands und Anwendungen nicht lernt? |
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#15
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| Hallo Taiwandeutscher, ich habe wirklich grossen Respekt vor Deinem Wissen und Deiner Arbeit. Das von Song Laoshi und Dir herausgegebene Buch über die Taiji-Grundlagen gilt für mich als das beste im deutschsprachigen Raum. Aber hier bist Du auf dem Holzweg, weil das kulturelle Verständnis im chinesisch sprachigen Raum ein anderes ist, als im westeuropäischen. Zu Beginn noch dies: Ich habe in keinem meiner vorangegangenen Posts etwas von Versportlichung erwähnt. Die von Dir angesprochenen Wettkampfausprägungen, die Du an den World Games in Kaohsiung gesehen hast, sind auch nicht Bestandteil dieser Buchreihe, die ich erwähnt habe. Deshalb empfinde ich dieses Argument als nicht angebracht und lenkt die Diskussion meiner Meinung nach in eine falsche Richtung. Was in Taiwan über Jahrhunderte gewachsen ist, mag dort als gut etabliert gelten und funktionieren, hier leben wir aber in anderen Kulturen und anderen Zeiten. Ich selbst gehöre einer traditionellen Wushu-Familie an, wurde mit der entsprechenden Zeremonie aufgenommen. Für mich persönlich ist das viel mehr wert, als jedes offizielle Dokument, jedes Prüfungszertifikat. Und trotzdem stelle ich mich Prüfungen, werde messbar und kontrollierbar. Weil ich keine Angst davor habe, vergleichbar zu werden und Vertrauen in das von meinen Meistern und Lehrern Gelernte habe. Aber leider denken nicht alle so. Was für Auswüchse das haben kann, habe ich mal in einem meiner Blogs thematisiert: Wuguan Blog Blog Archive Der zweitbeste Kaempfer? Der hat Schüler und zwar viele. Ich finde absolut notwendig, dass es, unserer Kultur und Zeit angepasst messbare und vergleichbare Kriterien braucht. Sonst treiben wir uns noch in 100 Jahren mit solchen Auswüchsen rum, bei denen Leute irgendetwas behaupten können und dies sogar in Medien publizieren können, ohne dass irgendjemand das kritisch hinterfragt. Irgendwann braucht es in Breitengraden wie unseren verbindliche Standards, damit dem Kunden (so nennt man das in unserer Leistungsgesellschaft eben) ein gewisses Mass an Seriosität garantiert werden kann. So, ich glaube jetzt habe ich mich wirklich abschliessend erklärt. Man darf durchaus anderer Meinung sein als ich, aber andererseits sollte man bedenken, dass mit den herkömmlichen Methoden, diesen Auswüchsen nicht Einhalt geboten werden konnte. PS: Du hast erwähnt, dass viele Meister, bei so einem System nicht mitmachen. Es gibt aber auch viele, die es tun.
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