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  #16  
Alt 01-05-2008, 00:18
Benutzerbild von bluemonkey
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Kampfkunst: Taijiquan: weder Kampf, noch künstlich
 
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Zitat:
Zitat von Killer Joghurt Beitrag anzeigen
wenn, zwei gute gegeneinander spielen dann siehts doch eigentlich umso besser aus...sei es chisao, randori oder boxen.
Wird jetzt schon im Judo und Boxen gespielt??

wie wirken denn die ersten 240 Sekunden dieses Vids auf den Laien:
dreieinhalb Minuten Gewurschtel und eine gute Aktion!

YouTube - 1995 World -78kg Toshihiko Koga JPN Djamel Bouras FRA

und dagegen dieses Vid (das Gewurschtel weggeschnitten):

YouTube - Ippon's By Toshihiko Koga

Was glaubst Du, was der mit einem Kreisklasse-Judoka macht? Der fliegt schon beim ersten Kontakt schulmäßig aufs Kreuz (ohne dass er große Kraft spürt ). (Und man kann sich vorstellen, was mit einem Taijiler passiert, der sich nur ein bißchen auf ihn lehnt, entgegenstemmt oder hinterherläuft )

Zitat:
Zitat von Killer Joghurt Beitrag anzeigen
..versteh das gezeigte nicht ganz, worum gehts dabei?
Bei den IMHO besseren Leuten (>3 min) wird nur noch versucht sich aus dem Gleichgewicht zu bringen, zu entwurzeln (Zentrum suchen, Zentrum entziehen). Wenn man das merkt, dann muss man nicht noch abschließen.
Stell dir zwei sehr gute erfahrene Schachspieler vor:
Die können eventuell schon an einer Stellung, wo ein Laie gar nichts sieht, sehen, wie's ausgeht, und damit aufhören. Ein Anfänger muss die Partie zu Ende spielen (den anderen nicht nur entwurzeln, sondern eben dann auch wegschubsen).
Und die ganz blutigen Anfänger merken nicht mal, wenn sie verloren haben, und krallen sich krampfhaft am Gegner fest oder teilen Kopfstöße aus, obwohl die Regeln das nicht zulassen.
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Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? (Lk 6,40)

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  #17  
Alt 01-05-2008, 00:29
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Zitat:
Zitat von mykatharsis Beitrag anzeigen
Was meint Ihr jetzt, wie so ein "Gewurschtel" zwischen einem gleichaltrigen Judoka und einem der werten Herren da aussehen würde?
Judokas sind in dem Alter doch eher körperlich am Ende

Aber ich würde schon mal gerne sehen, was ein Taijiquan-GM gegen so ein Kaliber macht (kommt wohl auch auf die Klamotten an):

YouTube - Yasuhiro Yamashita
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Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? (Lk 6,40)

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  #18  
Alt 01-05-2008, 08:38
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isja irre, was der treibt. ich sollte mehr judo schauen, stell ich grad fest.
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  #19  
Alt 01-05-2008, 09:52
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Zitat:
Zitat von tsange Beitrag anzeigen
isja irre, was der treibt. ich sollte mehr judo schauen, stell ich grad fest.

bzgl. Selbstverteidigung und TaijiPrinzipien eher fragwürdig, aber ein abslouter Spitzenkönner mit extremer Effizienz innerhalb des vom Regelwerk vorgegeben
Rahmens.
Man kann allerdings auch erahnen, warum es schon schwere Unfälle mit Querschnittsgelähmten gab, und daher einige erfolgreiche Technik-Varianten zur Disqualifikation wg. Selbstgefährdung führen können.
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  #20  
Alt 01-05-2008, 11:23
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Zitat:
Zitat von bluemonkey Beitrag anzeigen
bzgl. Selbstverteidigung und TaijiPrinzipien eher fragwürdig
also ich möcht den nicht gerne wütend auf mich machen.

im ernst: es ist einfach faszinierend, dem zuzuschauen, was er tut und was alles geht.

und ganz nebenbei ist der junge eine augenweide, sowohl von der bewegung her als überhaupt.
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  #21  
Alt 01-05-2008, 17:03
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Um auf das erste Video zurückzukommen:

"Großmeister" hin oder her, persönlich finde ich den größten Teil hiervon schlecht. Und gerade wenn es von angeblichen Großmeistern sein sollte, die es besser wissen müssten, sehr schlecht.

Es wird manchmal argumentiert: Wenn es zwei Leute auf der gleichen hohen Ebene sind, dann sieht’s doch wieder wie Gerangel aus. Für mich geht dieses Argument nicht auf. Es kann zwar durchaus sein, daß man in solchen Fällen dann wenig Spektakuläres, oder gar überhaupt wenig, sieht – weil viele Ansätze wiederum im Ansatz schon neutralisiert werden. Aber das bedeutet nicht, daß man wie Kartoffelsäcke mit daherwatschelndem (danke, Klaus) Gang aufeinander hängen muß. Wie leider hier doch oft der Fall ist. Wie hat es Yang Cheng-Fu angeblich ausgedrückt? Ich bin kein Fleischhaken, warum hängst du dich auf mich?

Das Problem scheint hier zu sein, daß die meisten Herren hier auf dem Tuishou-Turnier-Trip sind, wo es nur darum geht, den anderen ein bißchen nach hinten oder gar aus dem Ring zu schieben. (Aber weiss Gott warum ). Und alles andere ist dann egal, weil es da keinen "Pünkte" gibt - ganz nach den versportlichten Turnierregeln. Wer ganz bestimmten Skills (die eine recht kleine Scheibe des ganzen Tai Chi-Kuchens darstellen) zeitweilig damit trainieren will, dann OK. Aber Tuishou ist eigentlich nicht dafür da, um auf Dauer so mißbraucht und verhunzt zu werden. Einerseits bleibt Tuishou immer ein Übungsfeld und ist nicht mit Selbstverteidigung/Kampf zu verwechseln, aber es sollte trotzdem kongruent mit SV/Kampf sein. Tuishou ist dafür da, Schlüsselelemente (yin + yang unterscheiden, die Energie des Gegners nicht stoppen, saubere und potentiell effektive Techniken entwickeln und entstehen lassen) in einem sicheren Rahmen zu üben. Und dabei kann man Techniken im Bewegungsfluß austauschen, kann man gewinnen und verlieren, und gar richtig Spaß haben , OHNE völlig unsinnige Dinge zu tun, die in einem Ernstfall so gut wie Selbstmord wären. Mit anderen Worten, innerhalb dem künstlichen Rahmen von Tuishou sollte man trotzdem jederzeit auf die nächste Realitätsebene schalten können. Was meistens für diese Herren hier nicht möglich wäre.
Die ersten paar Minuten sind sowieso ziemlich schlimm, aber auch bei Szenen, die nicht ganz so Schulhofgerangel sind, sieht es gar nicht gut aus. Bei 12.30 z.B. hieße es: Jetzt mir bitte ein Ohr abbeißen, oder bei 13.10: Und jetzt mir bitte den Arm brechen. Schon bei meinem ersten Mal in Malaysia, als ich noch richtiger Anfänger war, hat mir jemand in genau dieser Situation dem Gefallen fast getan (knirsch...). Und das war nicht mal böser Absicht, nur im Eifer des Gefechtes. Welcher "Großmeister" macht einen solchen prinzipuntreuen Fehler, und zwar wiederholt?

Der Austausch zwischen 4.30 und 6.30 ist eine nette Übung in Neutralisierung, so als kleines Kammerspiel. Die hängen nicht aufeinander. Für mich jedoch ist der einziger richtiger Lichtblick die Szene zwischen 7.00 und 8.10. Da haben die beiden ein Gefühl für Nähe und Abstand, sie lassen die (kinetische) Energie hin- und herfließen und suchen die Gelegenheit für eine saubere Technik. Und das vor allem der Wu-Stil-Mann rechts, der drei klare, fokussierte Techniken bringt (der letzte leider vom Schiedsrichter etwas verdeckt), die den anderen wegfeuern. Nicht wie die meisten Agierende grob gestemmt, als ob man das Auto vom Nachbar anschieben will, sondern die Energie des anderen aufgenommen und wieder ausgespuckt . Wenigstens das.

OK, da habe ich mich nicht sehr zurückgehalten, nicht wahr? Ich war einfach ein bißchen schockiert. Wenn wir in der MTK-Schule anfangen würden, Tuishou so zu üben, dann kriegten wir eine ganz dicke Rüge von unserem Lehrer: Was macht Ihr für einen Quatsch? Tuishou ist dafür da, die Kampfkunst zu trainieren, und nicht ein 'Geschubse und Gegrabsche' zu machen...
Na ja, vielleicht liege ich bezüglich diesem Video völlig falsch oder habe etwas einfach nicht kapiert...

Schöne Grüße,

Giles
__________________
Ma Tsun-Kuen Germany: http://www.matsunkuen-europe.com
Tai Chi-Lehrerausbildung in Berlin, mit Spezialisierung Kampfkunst: http://www.BITAK.de
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