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  #61  
Alt 03-02-2012, 01:02
taiwandeutscher
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Zitat von Jochen Wolfgramm Beitrag anzeigen
Alter Rassist.
Lol, gut auch, dass es Dich gibt, Jochen!

Und den Frieden aus der Schweiz!
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  #62  
Alt 03-02-2012, 16:44
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Quellen in unseren Breiten: I33, GNM 3227a, Hans Talhoffers gesamtes Werk, 44A8, Salator Fabris ist auch sehr interessant, wenn auch recht spät, wir haben gut 60 Handschriften und, wenn ich mit korrekt erinnere, 5 gedruckte Werke.

Cheng Zong You ist historische ganz gut fassbar, seine beiden Bücher sind im Inet käuflich und extrem lesenswert. Cheng Zi Yi und You Da-You sind ebenfalls lesenswert.

San Feng ist wahrscheinlich eine literarische Erfindung des Yang-Clans.

Die Chen-Werke sollte ja allen hier bekannt sein.

Qi Jiguang - gibt es in verschiedenen Werken.

Thomas, im der Übersetzung des Bubishi in der Ausgabe von Roland Habersetzer findet sich auch ein Kapitel von Qi Jiguang, in dem er sich zur KK allgemein äußert, da er den Faustkampf als Grundlage für das Waffenüben (also Militär-KK) sieht.

Wenn Taiwandeutscher ein Nutzer ist, und nicht eine Abstammung, dann nehme ich selbstverständlich meinen Vorwurf des Rassusmus zurück.

Fechtergruß
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  #63  
Alt 03-02-2012, 18:19
Benutzerbild von Nagare
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Zitat:
Zitat von Richard22 Beitrag anzeigen
Quellen in unseren Breiten: I33, GNM 3227a, Hans Talhoffers gesamtes Werk, 44A8, Salator Fabris ist auch sehr interessant, wenn auch recht spät, wir haben gut 60 Handschriften und, wenn ich mit korrekt erinnere, 5 gedruckte Werke.
Na, das ist doch mal was konkretes. wie gesagt, da ich mich in diesem bereich nicht auskenne, hatte ich nachgefragt. danke dir, damit lässt sich für mich bei gelegeneheit weiter arbeiten.
(Den Talhoffer (und die "Chronik alter kampfkuenste") hab ich zumindest schon mal gelesen - einer weniger )


Zitat:
Zitat von Richard22 Beitrag anzeigen
Thomas, im der Übersetzung des Bubishi in der Ausgabe von Roland Habersetzer findet sich auch ein Kapitel von Qi Jiguang, in dem er sich zur KK allgemein äußert, da er den Faustkampf als Grundlage für das Waffenüben (also Militär-KK) sieht.
das war jetzt zwar an thomas gerichtet, dennoch schalt ich mich einfach mal dazwischen.
das bubishi (auch von roland habersatzer) habe ich gelesen und steht auch in meiner bibliothek. habe es, da es ja nun mal zur sprache kam, gleich zur hand genommen. ich kann mich an kein solches kapitel erinnern und auch bei der durchschau ist mir nichts dergleichen unter gekommen - außer auf seite 21 unten (und seite 33, aber in diesem kontext unwichtig). aber auch da wird nichts in dieser richtung gesagt. erinnerst du dich vllt noch an die stelle die du meinst?
außerdem wird in dem buch vielfach darauf hingewisen, wie wertvoll die "damaligen kämpfer" das wissen um gesundheit und heilung fanden. demnach scheint die vereinbarkeit von gesundheitsaspekten und kampfkunst mir auch in dieser 'quelle' kein widerspruch zu sein.


zum buch von roland habersatzer allgemein:
das ist, wie der user taiwandeutscher schon schrieb, eine sek.-lit. und an einigen stellen eine sek.-lit. der sek.-lit.
habersatzer betont auch an einigen stellen wie unsicher manche aussagen auch sind (Lob an Habersatzer!). Daher sollte sowas mit vorsicht genossen, und erst recht mit doppelter vorsicht und bedacht weitergetragen werden.
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Wir sind aus dem gleichen Stoff, wie unsere Träume sind. Und unser kleines Leben ist eingehüllt in Schlaf. (Shakespeare, Der Sturm)

Geändert von Nagare (04-02-2012 um 12:02 Uhr).
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  #64  
Alt 03-02-2012, 22:28
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Alte Schriften sollten kein Dogma für sein eigenes Wohl und Übel sein. Siehe die Bibel!

Man kann aus alten Schriften lernen, ohne Zweifel. Aber man muss sie mit dem "hier und jetzt" in Einklang bringen können.

Hongmen
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  #65  
Alt 04-02-2012, 12:14
Benutzerbild von Nagare
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Zitat:
Zitat von Hongmen Beitrag anzeigen
Alte Schriften sollten kein Dogma für sein eigenes Wohl und Übel sein. Siehe die Bibel!

Man kann aus alten Schriften lernen, ohne Zweifel. Aber man muss sie mit dem "hier und jetzt" in Einklang bringen können.

Hongmen
Du meinst damit, den historisch-kulturellen Kontext beachten und kritisch zu hinterfragen?
Wenn dem so ist: Das ist doch die normale Vorgehensweise?!

Ich bin zwar kein Bibelexperte, aber um bei deinem Beispiel der Bibel zu bleiben, wäre auch erwähnenswert, dass es diverse Exegesen gibt/gab.
- der Zeitgeist spielt(/e) eine Rolle (je nach Epoche wurde diese anders interpretiert), ebenso wäre der banale Unterschied zwischen philosophischem/historischen/institutionellen Christentum zu beachten. Weiterhin muss analysiert werden, wovon die Persönlichkeiten selbst beeinflusst waren, die zu ihrer Zeit "einflussreich" waren.

Diese Punkte zu beachten sind in meinen Augen Grundvorraussetzung, wenn man über solche Dinge spricht.
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Geändert von Nagare (04-02-2012 um 12:18 Uhr).
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  #66  
Alt 04-02-2012, 18:55
Benutzerbild von Richard22
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Roland Habersatzer halte ich für vollkommen unwichtig (seine Arbeitsweise ist nicht sehr stichhaltig, denke ich), in der letzten Auflage des Buches (Bubishi) ist ein Kapitel des Qi Jiguang enthalten, übersetzt von einem Okinawaner, der sich mit klassischen Chinesisch beschäftigt (wenn ich mich recht erinnere Habersatzers Lehrer).

Das ist sehr interessant, neben den Bilddarstellungen zur waffenlosen KK von Qi Jiguang.

Doppelt interessant deswegen, weil Cheng Wangting ja auf der Grundlage des Werkes von Qi Jiguang sein Taiji entwickelte, von dem alle andere Richtungen heute abstammen.

Schon das Bubishi ist heute kaum bis gar nicht verstanden - obschon es offenbar die Wurzel der heutigen Karatestile ist.

Qi Jiguang wird offenbar ebenfalls nicht interpretiert, was ich schade finde.

Nag, Talhoffer ist High Tech KK, ihn zu lesen, also eines seiner fünf unterschiedlichen Werke, erscheint mir etwas oberflächlich. Wir fechten zuweilen nach seinen Stücken (mein Schwerpunkt ist Liechtenauer und I33), ein Stück einzuüben dauert zumeist einen Monat oder länger.

Hong, alte Schriften sind Dogmen - wozu sind sie sonst da? Sie auszulegen, das wiederum ist eine ganz andere Baustelle.

Gerade mit den historischen Quellen zur KK in unseren Breiten kratzen wir gerade erst an der Oberfläche - da werden noch 10 Jahre oder mehr in das Land gehen müssen.

Schön wäre, wenn man die Asia KKs genauso aufrollen würde, wie wir das Historische Fechten des Westens bearbeiten.

Es ist ja schon interessant, welche Quellen wir zur Asia-KK haben und welche Querverbindungen es gibt. Unter diesen Geschichtspunkt schmilzt dann vieles dahin, was heute als Stil gilt, oder als Besonderheit desselben.

Alleine der Kommentar Qi Jiguangs und Cheng Zong You zu dem Mißverständnis zu hart und weich, nördlich südlich, innerer und äußerer Stil im Gong Fu ist schon aufschlußreich.

Fechtergruß
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  #67  
Alt 04-02-2012, 19:14
Benutzerbild von Nagare
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Zitat:
Zitat von Richard22 Beitrag anzeigen
Roland Habersatzer halte ich für vollkommen unwichtig (seine Arbeitsweise ist nicht sehr stichhaltig, denke ich), in der letzten Auflage des Buches (Bubishi) ist ein Kapitel des Qi Jiguang enthalten, übersetzt von einem Okinawaner, der sich mit klassischen Chinesisch beschäftigt (wenn ich mich recht erinnere Habersatzers Lehrer).

Das ist sehr interessant, neben den Bilddarstellungen zur waffenlosen KK von Qi Jiguang.
Na toll, Du hast warhscheinlich die 3. Auflage von 2009, richtig? Ich habe die von 2006, blöder Mist
Kein Wunder, dass ich mich nicht daran erinnern konnte dort sowas nicht gelesen zu haben... schade.

...wäre die Quelle von Anfang an transparent dargestellt gewesen, hätten wir uns einige Missverständnisse ersparen können... .


Zitat:
Zitat von Richard22 Beitrag anzeigen
Nag, Talhoffer ist High Tech KK, ihn zu lesen, also eines seiner fünf unterschiedlichen Werke, erscheint mir etwas oberflächlich. Wir fechten zuweilen nach seinen Stücken (mein Schwerpunkt ist Liechtenauer und I33), ein Stück einzuüben dauert zumeist einen Monat oder länger.
Wie gesagt, hab's nur gelesen und bekenne mich frei dazu KEIN Experte in dieser Materie zu sein und würde es mir da auch nicht anmaßen mit reden zu wollen.

Zitat:
Zitat von Richard22 Beitrag anzeigen
Schön wäre, wenn man die Asia KKs genauso aufrollen würde, wie wir das Historische Fechten des Westens bearbeiten.
(Du meinst wohl in Deutschland?!)
Stimmt - ist eine Frage der hiesigen Mentalität und Willenskraft... . Vermute aber, dass der Großteil, bis auf einen ausgewählten Personenkreis, gar nicht zu dieser "Arbeit" bereit ist.

Zitat:
Zitat von Richard22 Beitrag anzeigen
Es ist ja schon interessant, welche Quellen wir zur Asia-KK haben und welche Querverbindungen es gibt. Unter diesen Geschichtspunkt schmilzt dann vieles dahin, was heute als Stil gilt, oder als Besonderheit desselben.
wohl wahr...
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Geändert von Nagare (05-02-2012 um 13:17 Uhr).
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  #68  
Alt 04-02-2012, 19:33
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Genau. Und weil man verbissen historische Schriften "interpretiert", kann man 150% sicher sein dass man alles richtig macht, genau so wie Talhoffer es gewollt hätte. Fehlinterpretationen völlig ausgeschlossen.
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"Man kann Leuten nicht verbieten, ein ***** zu sein." (Descartes)
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  #69  
Alt 04-02-2012, 22:35
Benutzerbild von Drachin
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Zitat:
Zitat von Klaus Beitrag anzeigen
Genau. Und weil man verbissen historische Schriften "interpretiert", kann man 150% sicher sein dass man alles richtig macht.
Fehlinterpretationen völlig ausgeschlossen.
Die Klassiker zu lesen schadet nicht, nützt allerdings praktisch gesehen auch nichts. Man muss dazu (die Übersetzung, die notgedrungen bereits eine Interpretation beinhaltet) interpretieren. Verstehen und richtiges Dazulernen kommt dabei nicht heraus, weil man nur das einem Bekannte in die Texte hinein interpretieren kann. Außerdem, wer sagt denn, dass ein bestimmter Text einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, auf dessen Basis man also das Gesamtbild erkennen könnte und dann die Detailschlussfolgerungen daraus ziehen könnte?

Aus welchem Anlass die sogenannten Klassiker geschrieben wurden, weiß das jemand? Einträge ins Poesiealbum, ins Gästebuch? wer weiß...

Ich kann nur sagen, ich habe 11 Jahre in einer traditionellen Schule über die Methode von Vertiefungsstufen gelernt.

Daraus ergibt sich aber nicht, dass ich durch Worte allein etwas nützliches an 'Vonanderemüberzeugte` davon weitergeben könnte. Die Lehr/Lernmethode ist gar nicht dafür geeignet.
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  #70  
Alt 05-02-2012, 04:47
Benutzerbild von Gaoli
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Zitat:
Zitat von Richard22 Beitrag anzeigen
Mit Mythen kann man aufräumen, wenn man Zeugnisse aus der Zeit hat, in der noch gekämpft wurde. Was uns aus dem 19. an Hörensagen betreff der Asia-KK zugetragen wurde ist einfach Hörensagen - fern der Realität. [...] Wir haben seit 2010 den unglaublichen Vorteil wirkliche Quellen aus dem Chinaraum zu haben - es ist schon kraß mit wie vielen Mythen da aufgeräumt wird.
Um auf den Wahrheitsbegriff nochmal kurz anzustoßen, würde ich gerne auf Léi Fēng (雷锋), einem Helden der Kulturrevolution eingehen. Wie ich Nagare bereits gesagt hatte stammte Lei aus ärmlichen Verhältnissen schaffte es allerdings trotzdem den Menschen mit verschiedenen Mitteln zur Hilfe zu stehen & es gleichzeitig auch schaffte das Land zu bereisen. Kindern in China dient Lei Feng bis heute als ein positives Beispiel zu sozialem Verhalten.

Gleichzeitig ist allen Erwachsenen auch bewusst, dass Lei Feng wegen seiner finanziellen Beschränkung nie im Leben diese Wohltaten & Reisen hätte vollbringen können. Aber das ist auch nicht die Botschaft der Geschichte. Meiner Ansicht nach ist Lei Fengs Geschichte wahr, weil die Botschaft schwerer wiegt als die Tatsachen. Denn Wahrheit verbirgt sich nicht immer nur in harten Fakten, sondern auch in den Anekdoten die wir erfahren.

Zitat:
Zitat von Hongmen Beitrag anzeigen
Und mit Worten kann man sowieso die Welt neu erschaffen. Was man Beweisen kann zählt!
↑↑↑↑Diese Aussage ist gemäß Unterschiede in der Logik aus einem anderen kulturellen Kontext heraus prinzipiell falsch. Gleichzeitig war die Aussage auf's ich bezogen. Ein Individuum kann vieles nicht, was ein anderes kann. Das ändert aber nichts an der Validität einer Körperkunst.↑↑↑↑


Wir müssen auch bedenken, dass das meiste Wissen aus Asien vom Hören-Sagen stammt. Vor allem wenn es aus China stammt. Die Großmutter meiner Freundin selbst hat nie Lesen und Schreiben gelernt; Und so wie ihr erging es vielen. Welche andere Möglichkeit haben diese Leute außer durch Hören-Sagen ihr Wissen anderen mitzuteilen? In der US Amerikansischen Geschichtsschreibung & -Dokumentierung haben persönliche Aussagen von Menschen einen immens hohen Stellenwert, Perzeption ist genauso wichtig wie Tatsachen. Gleichzeitig müssen wir bedenken, dass bei asiatischen Geschichten die Botschaft oft mit "blumigen" Worten bestückt ist. Jeder Ethnologe kann Dir das bestätigen. Das macht die Aussagen nicht weniger wahr.

Zitat:
Zitat von Hongmen Beitrag anzeigen
Wo ist Innovation, wo ist Individualität, wo ist Forschung, wo ist Verbesserung, wo ist Anpassung und vor allen Dingen, wo ist der Beweis von zeitgemäßer Funktion in der Wirklichkeit?
↑↑↑↑子曰:「生而知之者,上也;学而知之者,次也;困而学之,又其次也。困而不学,民斯为下 矣」
子曰:「三人行必有我师,取其善者从之,取其恶者戒之」↑↑↑↑

Zur Lehrmethodologie: Da wurde ein sehr interessantes Fass aufgeschlagen. Was in der Fremdsprachenerwerbsforschung als "the Chinese Learner" gebrandmarkt wurde. Es geht dabei um das Lehrprinzip das wir sowohl in Nordost- als auch Südostasien vorfinden werden und natürlich auch stark im Konfuzianismus verankert ist. Erst wird imitiert (& auswendig gelernt), dann reflektiert, dann interpretiert. Gleichzeitig hat die selbe Technik bei verschiedenen Leuten unterschiedliche Effekte. Allein dadurch erwächst die Individualität & daraus entwickelt sich auch die Verbesserung. Die oben angesprochene Innovation sucht nach einer global, auf jeden passenden Kampfmethodologie die nicht realisierbar ist, da jeder Mensch andere Talente hat. Aber die Grundlagen sollten gleich bleiben. Es ist vergleichbar mit der Schulbildung, den allergrößten Teil der erlernten Informationen wird man nie wieder verwenden können, müssen oder brauchen. Dennoch werden sie beigebracht. Warum? Zum einen helfen sie dem Lerner dabei zu erfahren wo erseine Vorlieben sieht, zum andern erweitert das gelernte die neuronalen Netze & hilft den eigenen Körper & Geist besser zu erfahren. Die Kampfkunst wächst wenn adäquat beigebracht, automatisch weiter, auch wenn es nicht auffällt.

Zitat:
Zitat von shin101 Beitrag anzeigen
Aus meiner Sicht befinden sich manche Traditionelle Künste im freien Fall und manche werden so langsam wieder belebt. Als Beispiel für eine wiederbelebte Kunst würde ich zb. Weng Chun sehen [...]
↑↑↑↑Weng Chun, Ving Tsun, Wing Chun ... und wenn man nach Hongkong geht ist es doch alles nur 咏春拳 Ohne die Schule jetzt wirklich zu kennen & wem nahetreten zu wollen, aber ohne Witz jetzt mal: Das ist doch ...↑↑↑↑

Die Kampfkunst erscheint absurd ohne den korrekten Kulturhintergrund. Wenn jemand die Bibel & darauf aufbauenede Werke liest & daraus heraus versucht die westliche Welt zu verstehen wird vieles fehlinterpretieren. Nur im Kontext macht sie Sinn. Die Kampfkünste sind Teil der Kultur, & zwar ein minimaler. Man kann Asien ohne Dao De Jing, Lun Yu & alle Kampfmeister verstehen, aber nicht diese ohne Asien.

Didaktische Methoden sollte man deswegen, genau wie diesen "Esotherikscheiß" im heutigen wie auch im damaligen Asien nicht unterschätzen. Die Philippinen und das Festland z.B. sind gefüllt mit traditionellen Apotheken und Krankenhäusern. Ganze Gebäude werden nach diesen Prinzipien gebaut. Sogar der Ernährungsplan meiner Freundin richtet sich nach der traditionellen chinesischen Medizin. Ich musste mich erst wegen ihr mich neutral mit dieser, für mich vorher recht unwichtigen Materie, beschäftigen. Überlege Dir zuerst warum diese Methoden so beigebracht werden wie sie es werden. Es hat schon seinen Grund. Befolge erst, erst wenn Du Dir das Recht erworben hast zu kritisieren solltest Du es tun.

Zitat:
Zitat von zigzag Beitrag anzeigen
Tai Chi ist viel zu komplex um es in einem Leben zu komplett zu erlernen. Irgendwann kommt man an einen Punkt, da stagniert man einfach und kommt nicht weiter.
↑↑↑↑臨兵鬥者皆陣列在前。Perfektion ist ein unerreichbares Ziel, dennoch sollte man nach ihr streben.↑↑↑↑

Aber nun zum Hauptthema, Tradition: Ich habe Arnis gelernt, genauso wie andere in meiner Familie vor mir Arnis gelernt haben. Mein ersten Fotos neben Großmeister Ernesto Presas waren als ich drei Jahre alt war. Ich habe mit sechs Jahren mit dem Training angefangen. Ich habe sowohl mit meiner Familie, den Nachbarkindern als auch meinen Schulkameraden trainiert. Ich trainiere auch heute noch mit Filipinos & Deutschen Arnis. Ich denke, dass damit in das allgemeingültige Bedeutung von "Tradition" eintrifft. Weil ich Kampfkunst erlerne musste ich ebenhalt auch unter anderem Baybayin, die präkoloniale Schrift Luzons, erlernen und mich mit Mythologie, Geschichte und Gesellschaft auseinandersetzen.

Wer eine Kampfkunst erlernt, ist dazu bestrebt & verpflichtet das Erbe und den Werdegang seiner Vorgänger für die Nachwelt zu bewahren. Unabhängig davon welchen PR-Quark ein Li Xiaolong verzapft hat. Um Rizal zu zitieren: Wer nicht in der Lage ist, auf seine Ursprünge zurück zu blicken, ist auch nicht in der Lage, von der Stelle zu treten (Ang hindi marunong lumingon sa pinangalingan ay hindi makakarating sa paroroonan). Dies ist eine Wahrheit die unverrückbar & unmissverständlich ist. Dies macht einen Großteil der Kampfkunst aus, sei es bei der Wahl der Uniformen, den moralischen Prinzipien, den Übungen usw. Nicht nur ist man dazu verpflichtet die Techniken zu können, sondern muss sich auch für den Werdegang der Kultur interessieren & diesen erlernen. Für Asiaten dient diese Präservierung zum Einen als Andenken an die Zeit vor der Verwestlichung, aber gleichzeitig auch als Beweis für Stolz an die Kulturleistung und für viele auch als Ererbietung an die Vorfahren. Ein Prinzip das Xiào (孝) oder "kindliche Pietät" genannt wird. In diesem Sinne ehrt ein Kampfkünstler seine Ahnen, in dem er oder sie das Erbe der Vorgänger bewahrt & dient gleichzeitig den Kindern, die der Schatz der Gesellschaft darstellen. Kampfkunst ist insofern ein verbindlicher sozialer Vertrag.

Vor diesem Hintergrund machen auch traditionelle Trainingsmethoden Sinn, wobei allerdings geklärt werden sollte was traditionelle Methoden sind. Was im Westen & für den Westen auch oft gemacht wird sind Shows, gefüttert durch schlecht übersetzte Werke, schlecht recherchierende Journalisten, eine Copy-und-Paste Mentalität & geldgeile Schattenkrieger/-rentner aus Japan mit lila Haaren. Koppelt man dies mit diversen koreanischen Kungfu Meistern die einen zum Instantschwarzgurt hochgraduieren wenn man genug Geld zahlt zieht man einen sehr großen Pool an Leute an. Im Endeffekt hat keiner einen Plan was sie da machen sollen, die Lehrer sind nicht fertig, oder nicht vernünftig ausgebildete Personen & dadurch begibt sich das Ganze automatisch auf dem absteigenden Ast.

Zitat:
Zitat von Hongmen Beitrag anzeigen
Man kann aus alten Schriften lernen, ohne Zweifel. Aber man muss sie mit dem "hier und jetzt" in Einklang bringen können.
↑↑↑↑Muss man nicht. Aber zurück zum Thema: Eine Waffe ist stets eine Verlängerung des eigenen Armes. Was für das eine gilt, gilt auch für das andere. Jede einzelne Kampfkunst in Südostasien beruht darauf. Wenn man dieses Prinzip im Kopf behält sind auch Karatedo & Kobudo auf einmal im Einklang. Insofern sehe ich Dein Problem nicht, da das Prinzip noch intakt ist. Was das Bewegen in halben Zeiten angeht, was eine Lehre mancher Werke ist, sehe ich ebenfalls kein Problem. Ich sehe Boxer die ihre Bewegungen langsam einüben sowie ich Taiji Praktizierende schnelle Bewegungen machen sehe. Ich sehe keinen Widerspruch.↑↑↑↑

Zitat:
Zitat von va+an Beitrag anzeigen
Heute möchten die wenigsten schwitzen, nachdenken und vor allem mit sich selbst beschäftigen. Dabei bleiben die eigentliche Kunst in den KK und Qigong tatsächlich auf der Strecke.
↑↑↑↑Das Schwitzen ist nicht das Problem, andernfalls würden nicht so viele Wing Chun Schulen aus dem Boden sprießen. Das Nachdenken ist ebenfalls nicht das Problem, andernfalls gäbe es nicht so viele Hippies die sich mit Taijiquan oder ähnlichem beschäftigen.↑↑↑↑

Zitat:
Zitat von Richard22 Beitrag anzeigen
Schön wäre, wenn man die Asia KKs genauso aufrollen würde, wie wir das Historische Fechten des Westens bearbeiten.
↑↑↑↑Das wurde & wird bereits getan,Schreib Dich einfach in jeder x-beliebigen Geschichtsfakultät in Asien ein. Nicht nur, dass in China Taiji zum Universtitätskurrikulum gehört, Du kannst auch dessen Werdegang & Auswirkungen auf den Körper, et al. studieren.↑↑↑↑
__________________
http://img714.imageshack.us/img714/6264/1andresbonifaciokatipun.jpg 对我来说中华人民共和国是亚洲人的国家。我爱中国,我爱吕宋岛。我也爱卡提浦南政党与中国的中国共产党。ᜋ ᜇᜋᜒᜅ᜔ᜐᜎᜋᜆ᜔ᜉᜓ|| ~ᜄᜓᜇᜒ~

Geändert von Gaoli (05-02-2012 um 04:48 Uhr). Grund: Quotation-Fehler. Es fehlte eine "]".
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  #71  
Alt 05-02-2012, 10:17
Benutzerbild von Shenming
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Kampfkunst: Taijiquan (Huang - Stil), Fujian White Crane
 
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Zitat:
Zitat von Gaoli Beitrag anzeigen
Aber nun zum Hauptthema, Tradition: Ich habe Arnis gelernt, genauso wie andere in meiner Familie vor mir Arnis gelernt haben. Mein ersten Fotos neben Großmeister Ernesto Presas waren als ich drei Jahre alt war. Ich habe mit sechs Jahren mit dem Training angefangen. Ich habe sowohl mit meiner Familie, den Nachbarkindern als auch meinen Schulkameraden trainiert. Ich trainiere auch heute noch mit Filipinos & Deutschen Arnis. Ich denke, dass damit in das allgemeingültige Bedeutung von "Tradition" eintrifft. Weil ich Kampfkunst erlerne musste ich ebenhalt auch unter anderem Baybayin, die präkoloniale Schrift Luzons, erlernen und mich mit Mythologie, Geschichte und Gesellschaft auseinandersetzen.

Wer eine Kampfkunst erlernt, ist dazu bestrebt & verpflichtet das Erbe und den Werdegang seiner Vorgänger für die Nachwelt zu bewahren. Unabhängig davon welchen PR-Quark ein Li Xiaolong verzapft hat. Um Rizal zu zitieren: Wer nicht in der Lage ist, auf seine Ursprünge zurück zu blicken, ist auch nicht in der Lage, von der Stelle zu treten (Ang hindi marunong lumingon sa pinangalingan ay hindi makakarating sa paroroonan). Dies ist eine Wahrheit die unverrückbar & unmissverständlich ist. Dies macht einen Großteil der Kampfkunst aus, sei es bei der Wahl der Uniformen, den moralischen Prinzipien, den Übungen usw. Nicht nur ist man dazu verpflichtet die Techniken zu können, sondern muss sich auch für den Werdegang der Kultur interessieren & diesen erlernen. Für Asiaten dient diese Präservierung zum Einen als Andenken an die Zeit vor der Verwestlichung, aber gleichzeitig auch als Beweis für Stolz an die Kulturleistung und für viele auch als Ererbietung an die Vorfahren. Ein Prinzip das Xiào (孝) oder "kindliche Pietät" genannt wird. In diesem Sinne ehrt ein Kampfkünstler seine Ahnen, in dem er oder sie das Erbe der Vorgänger bewahrt & dient gleichzeitig den Kindern, die der Schatz der Gesellschaft darstellen. Kampfkunst ist insofern ein verbindlicher sozialer Vertrag.

Vor diesem Hintergrund machen auch traditionelle Trainingsmethoden Sinn, wobei allerdings geklärt werden sollte was traditionelle Methoden sind. Was im Westen & für den Westen auch oft gemacht wird sind Shows, gefüttert durch schlecht übersetzte Werke, schlecht recherchierende Journalisten, eine Copy-und-Paste Mentalität & geldgeile Schattenkrieger/-rentner aus Japan mit lila Haaren. Koppelt man dies mit diversen koreanischen Kungfu Meistern die einen zum Instantschwarzgurt hochgraduieren wenn man genug Geld zahlt zieht man einen sehr großen Pool an Leute an. Im Endeffekt hat keiner einen Plan was sie da machen sollen, die Lehrer sind nicht fertig, oder nicht vernünftig ausgebildete Personen & dadurch begibt sich das Ganze automatisch auf dem absteigenden Ast.
Wow, sehr schön geschrieben. Dein Text hat mich sehr beeindruckt und ich kann dir da nur mit bestem Gewissen zustimmen. Indem man die Tradition und den Werdegang, die Kultur und die gesellschaftlichen Hintergründe einer Kampfkunst vernachlässigt so vernachlässigt man auch die Kunst selbst. Ich bin der selben Meinung wie du, dass man ab dem Zeitpunkt eine Verpflichtung eingeht diese Aspekte der Kampfkunst hochzuhalten und auch irgendwann weiterzugeben sobald man sie erlernt.

Viele Grüße
Shenming
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  #72  
Alt 05-02-2012, 11:13
Jochen Wolfgramm
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Ja, es ist schon eine Erleichterung so einen Post, wie den von Gaoli lesen zu dürfen. Danke dafür ...
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  #73  
Alt 05-02-2012, 11:59
Benutzerbild von Klaus
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  #74  
Alt 05-02-2012, 16:31
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Politik ist hier fehl am Platze. Ich werde die Beiträge noch ein wenig stehen lassen, damit alle Betreffenden sie lesen können, sie dann aber löschen. Weitere politische Beiträge werden sofort kommentarlos gelöscht.

Back on topic - und danke auch für den themenbezogenen Beitrag von Gaoli.

Gruss, Thomas
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  #75  
Alt 06-02-2012, 01:13
taiwandeutscher
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Geändert von taiwandeutscher (06-02-2012 um 02:09 Uhr).
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