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Taijiquan, Qigong-Neigong Tuishou, Baguazhang, Xingyiquan Alles zum Thema "Neijia" sowie gesundheitsorientierte Bewegungskünste



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  #31  
Alt 01-07-2016, 19:11
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  #32  
Alt 01-07-2016, 19:58
WulongCha
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Kanken:
Hier ein Thema auf RSF was zeigt, wie unterschiedlich die Ansätze der diversen Yiquan Linien sind:
the rum soaked fist: internal martial arts forum ? View topic - is one hour zhan zhuang a good pedagogy?
Zwei Han Shi Yiquan Vertreter sind komplett unterschiedlicher Auffassung:
jjy5016 aka smalljohn sieht 1 Std. Zhanzhuang als notwendige Grundlage
, auch schon für Anfänger!
taste of death (ebenfalls Han Shi Yiquan, allerdings Schüler vom Sohnemann Han Jingchen) und strange (LHBF) sehen es ganz anders:
das Gefühl (Spannung/Entspannung/Wechsel/Winkel, etc.) möglichst weit und tief durch aktive Bewegung und geringere Zhanzhuang Zeiten entwickeln.
Was ist nun den authentische Lehren von Wang am nächsten bzw. war dies ein Thema, welches Wang in seinen Lehren wirklich "bewegt" hat? Ist Zhanzhuang evtl. gar nicht sooo "zeitintensiv", sprich können gleiche Attribute auch durch andere Übungen entwickelt werden, wie auch im Bamen Daxuan von Serge immer betohnt wurde?!
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  #33  
Alt 01-07-2016, 20:21
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Ich versteh ehrlich gesagt nicht wie man als Yiquan Praktizierender immer wieder diesem Stil und Formendenken verfallen kann.

Kampfkunst ist schon immer ein Handwerk gewesen welches vor allem in der reellen Anwendung schon immer dieselben Ansprüche an den Kampf gestellt hat.
Man muss eben einfach lernen Kraft, Schnelligkeit und verschiedene Qualitäten von Kraft zu trainieren wie kurze schlagende und lange kontrollierende ringende Kräfte usw.. Bzw wie man jemanden kontrolliert oder sich jemandem nähert und Eingänge findet usw.. Jeder, egal ob Taiji, Bagua Xingyi, Yiquan, Inneres oder Äusseres musste sich mit diesen Problemen auseinandersetzen und wenn er im Kampf bestehen wollte musste er das als minimum draufhaben. Damit war man dann schon mal als Grundausbildung beschäftigt.

So wie man hier ein Handwerk lernt streitet man sich doch auch nicht darüber welche Techniken aus welcher Schule kommen, sondern es ist ein Erfahrungsschatz der sich im Laufe der Geschichte angesammelt hat und Schulen unabhängig ist.
Hat man dann seine Grundausbildung abgeschlossen hat man sich idealerweise auf Wanderschaft begeben um sich mit andern grossen Meistern auszutauschen und zu lernen oder hat dann während der Arbeit angefangen immer mehr Praxis und Erfahrung zu sammeln.

Dieses Phänomen wie in den chinesischen Kampfkünsten zu sagen, dass z.B. Bagua das macht und Xingyi das nicht hat oder entspr. mit Taiji und anderen Kampfkünsten hält der Realität einer Kampfkunst für den Kampfeinsatz einfach nicht statt. Formen sind der Tod einer jeden Kampfkunst weil sie dadurch fixiert wird. Es gibt ein klares inneres Gerüst an Handwerk das es zu lernen gibt woran sich die Ausbildung orientiert. Je nach Mensch, Bedarf und Einsatzgebiet ändert sich auch der Ausdruck der Kampfkunst damit. Man sieht es doch heute an den meisten Schulen und Stilen, dass im Prinzip kaum noch einer fähig ist zwischen verschiedenen Qualitäten von Kraft zu unterscheiden, diese systematisch trainiert und geschweige denn wirklich kontrolliert damit gehen kann. Man redet von 5 Kräften im Xingyi, aber im Prinzip werden einfach nur 5 Richtungen geübt und nicht 5 Qualitäten.

Natürlich gibt es persönliche Eigenarten und Vorlieben die sich im Laufe eines Lebens eines Kampfkünstlers herausgebildet haben und natürlich macht man sich Gedanken zu Techniken und Anwendungen, aber das ist alles Teil der Vollendung der Kampfkunst und nicht Teil der handwerklichen Grundausbildung.

Wang kam es auf die bewusste Entwicklung handwerklicher Grundfähigkeiten an, wieder eine natürliche körperliche Intelligenz zu entwickeln wo es wenn es drauf ankommt nicht mehr nachgedacht werden muss oder wo eine bestimmte Technik angewendet wird. Körper und Geist werden ganzheitlich auf ein anderes Niveau gebracht wo der Körper automatisch wahrnimmt und versteht wo er mit was durchkommt und denn Gegner Ko schlägt oder einfach nur kontrolliert etc.
Natürlich kann und wird man sich auch Gedanken zu Techniken und Anwendungen machen, das wird aber nur funktionieren wenn man das Grundhandwerk gelernt hat. Wenn mann keinen Schlag drauf hat womit man den anderen ernsthaft beeindrucken, Respekt einflößen und wenn nötig sogar ausschalten kann, macht es einfach keinen Sinn irgendeine Schlagtechnik oder Anwendung abertausendemal zu üben. Hat aber das Schlagen gelernt, dann kann man sich innerhalb von Momenten bestimmte Anwendungen klarmachen und diese anwenden.

Ich denke es ist einfach nicht richtig zu sagen, dass Wang und das Yiquan sich dieses oder jenes aus dem Bagua geholt hat und anderes woanders her. Sondern jede dieser Kampfkünste muss in sich mehr oder weniger auch komplett gewesen sein und bedarf nicht der Entlehnung bestimmter Techniken einer anderen Kampfkunst. Das ist nur wenn man in Formen denkt so.
Wang hat sein Grundhandwerkszeug gelernt und hat dann im Laufe seines Lebens einfach unglaublich viel Erfahrung gesammelt und immer mehr gelernt wie man mit Kraft umgeht, wie Kraft funktioniert. Er beschreibt es ja selber im Interview, als er in Hunan auf Xie Tiefu traf und dieser ihn auf der ganzen Linie unter Kontrolle halten konnte. Er beschrieb, dass Xie Tiefu ihm sagte, dass Wang ihm eigentlich an Stärke und Explosionskraft überlegen war, Xie Tiefu es aber deutlich besser verstand mit seiner Kraft und der Kraft des Gegenübers an sich umzugehen, mit dem Spiel von Fülle und Leere, Anspannung und Entspannung. Da hat man sich nicht auf dem Niveau von Techniken bewegt, sondern von Verständnis, Sinn, Ideen und Fertigkeiten, die automatisch die Techniken und Anwendungen produzieren die eine Situation erfordert.....

Naja, ihr merkt schon, jetzt hab ich schon wieder so viel geschrieben, will aber eigentlich was ganz einfaches sagen. Ist halt ziemlich schwer
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  #34  
Alt 01-07-2016, 20:28
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Ach ja, zum ZhanZhuang. Ich würde es als Methode beschreiben und nicht als Selbstzweck. Ein Laboratorium wo erstmal die ganzen Komplexitäten vereinfacht werden auf ein maximum um so wieder Bewusstsein und Wahrnehmung in die Bewegung zu bringen.
Ist man sich aber Sinn und Bedeutung des Zhan Zhuang aus übergeordneter Sicht klar geworden kann man aber auch ganz gut ohne dieses auskommen. Aber es ist eben schon ein extrem gutes didaktisches Mittel wenn man weiss was es bringen soll und was man darin trainiert.

Das Kreislaufen im Bagua ist genau dasselbe. Hat man nicht verstanden was man darin übt, wenn der Sinn und die Idee davon fehlt, kann man noch lange im Kreis laufen und es ist im Prinzip nichts anderes als einfach nur dazustehen.
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  #35  
Alt 01-07-2016, 20:42
WulongCha
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Servus beniwitt,
vielen Dank für deinen interessanten Beitrag. Ich denke aber, dass es enorm wichtig ist, die historischen Verbindungen zu den einzelnen Richtungen und Linien zu prüfen und zu untersuchen, denn sonst kann man immer nur vermuten, was Wang denn evtl. meinte und woraus er etwas in seiner Methode geschlossen hat! Und für mich sind die klassischen Methoden der klarste Weg dazu!!! Wenn ich keine Erfahrungen in anderen TCMA hätte, würde ich mich bis heute fragen, was an Yiquan denn nun so genial sein sollte!
Nur wenn man eine CMA intensiv verstanden hat, macht Yiquan einen Sinn. Ohne bleibt es nur...nun ja, dass überlasse ich jetzt jedem Freund des langen Stehens selbst.
Die klassischen Methoden spiegeln sich definitiv (und zum Glück) in Wang und man kann sein Zeug nur greifbar machen, wenn man es OBJEKTIV, ja Beni: OBJEKTIV und nicht grundlegend abwertend sieht!
Ich schrieb es schon Mal: man kann in den CMA sicher vieles in Frage stell (die geringen Qualitäten seit etwa einem Jahrhundert, evtl. schon länger), aber nicht alles (das auch in den trad. Linien mal wirkliche Fähigkeiten vorhanden waren)!!!
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  #36  
Alt 01-07-2016, 23:51
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Zitat:
Zitat von WulongCha Beitrag anzeigen
Nur wenn man eine CMA intensiv verstanden hat, macht Yiquan einen Sinn. Ohne bleibt es nur...nun ja, dass überlasse ich jetzt jedem Freund des langen Stehens selbst.
Die Aussage finde ich ist ein Widerspruch in sich selbst, denn Yiquan ist nichts anderes als eine CMA, nichts anderes als klassisches Xingyi, welches Wang im Laufe seines Lebens durch seine Erfahrung angereichert hat. Es ist die Kampfkunst eines Menschen in den CMA der in einer langen Tradition steht wie viele andere vor ihm auch.
"Eine Kampfkunst zu lernen ist einfach; eine Kampfkunst umzulernen sehr schwer!" Das Problem würde ich sagen liegt nicht darin, dass man Yiquan nur verstehen kann wenn man eine andere CMA intensiv gelernt hat, sondern das Problem liegt darin, dass die meisten schon zu viel gelernt haben und große Probleme damit haben, plötzlich vor etwas ganz anderem zu stehen als das was sie sich immer unter CMA vorgestellt haben (mich eingeschlossen).

Zitat:
Zitat von WulongCha Beitrag anzeigen
Die klassischen Methoden spiegeln sich definitiv (und zum Glück) in Wang und man kann sein Zeug nur greifbar machen, wenn man es OBJEKTIV, ja Beni: OBJEKTIV und nicht grundlegend abwertend sieht!
Ich schrieb es schon Mal: man kann in den CMA sicher vieles in Frage stell (die geringen Qualitäten seit etwa einem Jahrhundert, evtl. schon länger), aber nicht alles (das auch in den trad. Linien mal wirkliche Fähigkeiten vorhanden waren)!!!
Ich zitiere mich einfach mal kurz selber:
"Ich denke es ist einfach nicht richtig zu sagen, dass Wang und das Yiquan sich dieses oder jenes aus dem Bagua geholt hat und anderes woanders her. Sondern jede dieser Kampfkünste muss in sich mehr oder weniger auch komplett gewesen sein und bedarf nicht der Entlehnung bestimmter Techniken einer anderen Kampfkunst. Das ist nur wenn man in Formen denkt so." (Ich denke das ist alles andere als abwertend anderen KK gegenüber)

Für mich ist klar, dass jede heute bekannte und historisch relevante Kampfkunst in China einmal mehr oder weniger komplett gewesen ist. D.h., der Grund, dass sie bekannt wurde liegt darin, dass es irgendwann mal einen Menschen gegeben hat der Stilprägend war, der sich im Laufe der späteren Generationen aber wieder verfestigt hat, weil nur noch nachgemacht wurde und die Latte einfach extrem hoch lag. Beim Yiquan passierte ja auch schon in der 2. Generation vieles und in der 3. ist schon nicht mehr so viel angekommen und die Meinungen gehen extrem auseinander.
Bagua und Dong Haichuan ist ein Beispiel: Er hatte jeden seiner Schüler anders und entsprechend seiner Vorraussetzungen trainiert. Aber er hatte sicher in sich ein Verständnis welches Stilübergreifend und unabhängig war. Sonst hätte er nicht so unterrichten können. Heute muss man nur im Kreis laufen und jeder denkt schon es ist Bagua...
Ein anderes Beispiel: Klischeeartig wird Bagua immer mit Kreislaufen und Xingyi mit Geradlinigkeit definiert. Das sind Formen die so sind, aber die Realität von Bagua und Xingyi ist nicht so. Die Realität sieht so aus, dass wenn man durch das Zentrum angreifen und verteidigen kann (Xingyi), dann kann man das auch von der Seite (bzw. hinter den Gegner gehen) (Bagua). Das hat nichts mit Kreislaufen oder Geradlinigkeit zu tun.
Der Mud-walking Step ist sowohl im Bagua als auch im Xingyi vorhanden. Nur wenn man nicht versteht was die Idee und der Sinn dahinter ist, dann sieht man nicht wie offensichtlich der Mud-walking Step im Xingyi und auch im Xinyi ist.
Das nächste ist deine geliebte Hühnchenform . Dieselbe Idee dahinter findest du sowohl im Bagua als auch im Yiquan. Es ist nur die Frage ob man den Sinn und die Idee hinter der Hühnchenform versteht?
Ein Peitschenschlag, ein Kranich-Flügelschlag und das Tongbeiquan sind im Prinzip dasselbe und nicht das Monopol von White Crane oder Tongbei. Der springede Punkt ist zu verstehen was für eine Qualität von Schlagkraft das ist und vor allem, wie diese trainiert wird. Der eine sieht dahinter die Art wie eine Affe zu schlagen und nennt es Tongbei; für einen anderen ist es wie der Flügelschlag eines Kranichs und nennt es White Crane usw. Um nun so schlagen zu lernen muss nun einer nicht erst alle Formen des White Crane und Tongbei lernen um das zu meistern sondern es reicht das Prinzip, die Idee und den Sinn dahinter zu verstehen und wie so etwas trainiert.

All das ist nicht weil der eine etwas vom anderen abgeschaut hat und in sich aufgenommen hat, sondern weil jeder wenn er forscht und im reellen Kampf bestehen will früher oder später auf diese Dinge stösst. Sie sind Teil eines über Generationen von vielen Meistern angesammelten Erfahrungsschatzes der sich immer wieder von Generation zu Generation seinen Weg sucht und bis heute immer noch irgendwie überlebt hat. Diese Übertragung ist nicht immer nur innerhalb eines Stiles hermetisch abgeriegelt, sondern hat immer irgendwie seine Wege gefunden, ist verlorengegangen und ist wieder neu entdeckt worden; ist durch besondere Begegnungen angereichert und wieder weiter verfeinert worden und hat über die Zeit verschiedene Namen bekommen. Dieses Grundhandwerkzeug ist auch hier im Westen zwangsläufig zu finden, da es etwas grundlegend menschliches ist und den Anforderungen von natürlicher Kraftentfaltung entspricht und somit auch nichts worauf die chinesischen Kampfkünste oder das Yiquan ein Monopol hat.

Ich denke ich habe mich eigentlich alles andere als abwertend gegen andere KK ausgedrückt um das Yiquan auf ein Podest zu stellen und versuche mich eigentlich sehr objektiv auszudrücken. Aber man kann es drehen und wenden wie man es will: in Formen, Techniken und Anwendungen ist Qualität nicht zwangsläufig zu finden und deren Training ist nicht automatisch Schlüssel zur Qualitätsentfaltung. Wenn man wirklich an Qualität arbeiten will braucht man ein klares Verständnis von dem was das Ziel ist und eine Idee, ein klares Gerüst an dem man sich entlang arbeiten kann. Da bleibt nicht mehr viel Zeit noch Formen einzuüben. Anders herum gesagt, hat man das Grundhandwerkszeug reicht ein Blick und kurzes Probieren und schon ist einem klar was der Ursprung, die Idee und der Sinn hinter einer Form ist und kann es wenn man will in sein Training integrieren.
Jeder kann heute Computer bedienen da sie entsprechend in Form gebracht worden sind, aber Programmiersprache zu beherrschen und einen Computer von innen heraus zu verstehen sind zwei Paar Stiefel.
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  #37  
Alt 02-07-2016, 09:22
WulongCha
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Moin Beni,
Ich sehe deine letzten beiden Abschnitte sehr ähnlich, aber die anderen Ausführungen doch deutlich kritischer, vor allem deine nicht Differenzierung der Stile wie Tongbei, Beihe & Co. So, bin dann erstmal im Park a bissl kloppen und mach mir noch ein paar Gedanken zu deinem Schriftstück.
P.S. Ich liebe die Xinyiba, nix die Breulerform!!!! Lass bloß die Gokkel im Stall.
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  #38  
Alt 02-07-2016, 16:18
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Kannst du das mit der nicht Differenzierung etwas näher erläutern? Ich glaub ich hab das nicht so ganz verstanden. Oder vielleicht reden wir da auch auf zwei verschiedenen Ebenen.
Jedenfalls was die Stilmarkanten Formen angeht habe ich natürlich nicht differenziert. Ich habe hauptsächlich über Kraftqualitäten gesprochen und hier werden die verschiedenen KK zwangsläufig ziemlich ähnlich.

Natürlich kann man mit den Formen, Techniken und Anwendungen viel Spass haben. Es ist eben einfach eine Frage, was man sich daraus erhofft und was die Zielsetzung ist. Jemanden damit auf Vollkontakt zu trainieren ist jedenfalls nicht sehr Sinnvoll. Da bleibt bei so vielen grundlegend handwerklichen Inhalten was die Kraft, Geschwindigkeit und deren konkrete Anwendung angeht kaum noch Zeit sich damit zu beschäftigen.
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  #39  
Alt 02-07-2016, 16:48
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Geändert von Nagare (25-07-2016 um 16:45 Uhr).
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  #40  
Alt 02-07-2016, 17:27
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Zitat:
Zitat von beniwitt Beitrag anzeigen
Natürlich kann man mit den Formen, Techniken und Anwendungen viel Spass haben. Es ist eben einfach eine Frage, was man sich daraus erhofft und was die Zielsetzung ist.
Ich möchte hier auf keinen Fall den Eindruck erwecken die traditionellen Formen und Stile alle über einen Kamm zu scheren und über Bord zu werfen. Es liegt mir lediglich am Herzen das ganze etwas objektiver in einen großen Gesamtzusammenhang einzuordnen. Ich finde man sollte hier schon unterschieden ob man etwas aus Hobby und Spass an der Freude macht, oder ob man mit der ernsthaften Zielsetzung für reellen VK trainiert (Egal ob Strassenkampf, Boxen oder MMA etc).

Das andere ist, so wie ich Yiquan kennengelernt habe ist es einfach kein bestimmter Stil mehr, sondern man lernt ein Handwerkzeug dass bei jedem individuell seinem Charakter und seiner Zielsetzung anders zum Ausdruck kommt (im idealfall. Tatsächlich ist das Yiquan im Prinzip auch schon auf weiten Strecken einfach zu einem Stil und einer festen Form verkommen. Das JKD von Bruce Lee denke ich ist hier auch ein ganz passendes Beispiel mit ähnlichem Schicksal)

Wie gesagt macht es natürlich Sinn sich über Techniken und Anwendungen Gedanken zu machen, aber zu meinen über Formen, und die darin enthaltenen Anwendungen reellen VK zu lernen ist ganz einfach entweder ein ziemlicher Umweg oder sogar ziemlich unrealistisch, je nachdem wie festgefahren und verformt die Formen schon sind.

Eine Form als tradiertes Sammelsurium von Anwendungen zu verstehen und zu erforschen da kann ich mich noch anschliessen. Aber die Form als Training und Weg zu verstehen echten VK zu trainieren halte ich für eine nicht realistische Versprechung, oder im besten Fall ganz einfach sehr uneffektiv.
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  #41  
Alt 02-07-2016, 17:54
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@Beni:
Es geht mir bei der "Nicht-Differenzierung" der Stile um deren unterschiedliche Herangehensweisen, um die Schlagqualität, sprich das Handwerk zu erlernen.
Die Art der Schlagführung ist z.B. im Tongbei & Baihequan grundverschieden.
Tongbei nutzt eine lange, schwingende Qualität.
Baihe nutzt eine stärker vibrierende Kraft, die oft nach einem kurzen & tiefen Auftreffen zurück gerissen bzw. gefedert wird. Beide Qualitäten können eine SEHR schwere und brutale Trefferwirkung erreichen!!!
Mein letzter Lehrer im TCM Bereich war Baihe Linienhalter, von schwerer Krankheit gezeichnet und konnte mir immer noch SEHR starke Schmerzen und sehr viel Angst durch seine "liebevollen" spielerischen Schläge "vermitteln". Und ich habe auch schon von einigen sehr soliden Tongbei Leuten Schläge nehmen dürfen. Beide sind sehr satt und tief und beängstigend, aber sie fühlen sich in meiner, dann doch leider schmerzverzerrten, Wahrnehmung grundverschieden an!
Und auch die Art, wie das Handwerk des Schlagens vermittelt wird, ist sehr verschieden in den diversen Methoden. Man muss sich halt früher oder später für eine entscheiden, den sonst verliert sich alles nur in Illusion und Unterhaltung, aber nicht in wirklichen Kampffähigkeiten.

Du hast ja in deinen letzten beiden längeren Texten auch die Formenverliebtheit im allgemeinen kritisiert (wo ich voll hinter dir stehe),
und auch die These aufgestellt, dass Formen der Tod der KKste sind. Wenn man sie sammelt und nicht versteht und auf lustige Anwendungen, sprich Techniken reduziert: definitiv ja! Wenn ich aber bestimmte Qualitäten suche, können sie ein wunderbares Labor dafür sein. Und dafür reichen ein oder zwei Formenmodelle, nicht dutzende!
Für mich haben sich durch das intensive Üben der Xinyiba enorme Veränderungen in meinem YQ aufgetan. Wirklich sehr breit gefächert. Und es macht sogar noch Spaß!
Ob diese Veränderungen auch anders hätten gewonnen werden können: ich denke ja, aber so habe ich sogar noch ne "Hühnchenform" dazu gewonnen.
Den nehme ich dir übrigens übel!!!! Bin doch Vegetarier!
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  #42  
Alt 02-07-2016, 19:25
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  #43  
Alt 02-07-2016, 20:19
WulongCha
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Servus Nagare,
die Art der Kraftgenerierung ist so verschieden, dass ich es als sehr schwierig ansehe beide Schlagmethoden ausreichend zu verbinden, um sie in einer Notwehrsituation ohne Zeitverzögerung zum Einsatz zu bringen.
Der menschliche Körper kann nur auf relativ wenige, einfache Muster und Methoden "getrimmt" werden. Ein Beispiel: Xin(g)yi & Yiquan harmoniesieren, evtl. noch mit Du Xinwu's alten Ziranmen (nicht Wan Laisheng), soll heisen, das man Methoden (Systeme) finden muss, die ähnliche Konzepte, Prinzipien und Lern/Lehrmethoden verwenden, um das Handwerk zu schulen.
Xingyi oder Bagua und südchin. Chowgar der Kejia (Hakka) Linien dürfte sich wohl auch sehr unterschiedlich diesem Thema annähern und ich denke, ich könnte das Chow Gar sicher nicht nutzbringend in mein Üben einbringen. Aber ich liebe diese geile "short power", die die Jungs in Kürze generieren können und deren geniale "Abhärtungsmethoden", aber back to topic.

@Beni: Selbst das britische Militär nutzt Formen, ja festgelegte, fixe, unkreative, unnötige und untaugliche Formen (aus deiner Perspektive), die du als absolut "VK" untauglich ansiehst (ich vermute du meinst sicher auch Notwehrgeschichten?)



Die Rekruten hier haben oft sogar eine sehr präzise Gleichzeitigkeit von Hand und Fussverbindung, sprich schon etwas äußeres Hunyuanli!

Weiter: Die Miaodao Vier Linien Kurzfom von Mike Martello (nur übertragen) wurde um 1910 dem chin. Militär unterrichtet.
Dennis Rovere's grottenschlechtes Xingyi Buch beschreibt eine Bajonet Form, die dem Militär viele Jahre durch seinen Lehrer gelehrt wurde.
Und was macht nun so ein Militärbursche: Er kämpft!!!!unter Bedingungen, die wohl sehr, sehr hart und brutal, ja grausam sein werden bzw. gewesen sind!
Eine solide Form ist auch Handwerk und zwar, wenn verstanden, ein sehr umfangreiches und vielschichtiges.
Wang selbst hat von einigen Formenläufern in seiner außergewöhnlichen Lebens- und Kampfkunstgeschichte Backenfutter bekommen: Wu Yihui vom LHBF, der Beihequan Lehrer, der Xinyiliuhe Meister, die Geschichten um Shang Yunsheng und Wang spiegeln auch gewisse Dinge. Man kann das in Kalisz seiner PDF "Yiquan - Kungfu Revolution" nachlesen. Download for free auf seiner Seite.
Abschließend: Eine Form mit authentischen Inhalten, präzise gelehrt und intensiv untersucht kann nur eine Bereicherung sein, zumindest für mich.
Grüße, WulongCha
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  #44  
Alt 02-07-2016, 20:38
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  #45  
Alt 02-07-2016, 21:13
WulongCha
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Sicher könnte es für sehr ambitionierte Naturtalente möglich sein, zwischen den Generierungsmethoden zu wechseln, zumindest noch in einer freundlichen und friedlichen Umgebung, sprich Trainingspartner der einem natürlich nicht wirklich bedroht oder das Ärmchen hinhält damit man damit "Anwendungen" übt.
Sobald es gefährlich wird und es um etwas geht (Leben, Familie, evtl. Waffenbedrohung) schaltet sich da in unserer Birne etwas um (jetzt könnte Kanken helfen), dass dann nur noch wenige, unglaubliche Präzise Dinge zuläst, eben jene die so natürlich wie möglich und unter so viel Druck wie möglich im Trainingsprozess eingeschliffen wurden. Deswegen eben "nur" Tongbei oder Baihequan! Denn ich bin überzeugt, dass ich keine Wahl (der Methoden) in solch einer lebensbedrohlichen Situation mehr habe!
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