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Taijiquan, Qigong-Neigong Tuishou, Baguazhang, Xingyiquan Alles zum Thema "Neijia" sowie gesundheitsorientierte Bewegungskünste



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  #16  
Alt 09-02-2017, 16:35
Benutzerbild von beniwitt
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Tja, das mit dem Verstehen ist immer so ein Problem. Wenn man alles verstehen würde könnte man die Übersetzungen ja einfach so mal schnell runterschreiben

Erfahrungsgemäss kann man das, was man verstanden hat auch gut mit eigenen Worten wiedergeben. Wang's Schriften sind aber deswegen so schwer zu übersetzen, da seine Ausdrucksweise teilweise ziemlich kryptisch ist und man einfach immer wieder ziemlich im Dunkeln tappt was er denn jetzt genau meint. Aber im Prozess des Übersetzens ist man dann fast gezwungen die Wörter, Sätze und Abschnitte so lange zu wälzen, bis sich eine gewisse Logik und Verständnis auftut. Dabei lernt man selbst enorm viel. Daher macht die Arbeit eigentlich auch echt Spass.
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  #17  
Alt 09-02-2017, 20:43
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Wow benniwitt,

tiefster Respekt und Anerkennung! Nicht nur für das Übersetzen an sich, sondern auch für die Offenheit, hier alle davon profitieren zu lassen.

Verbeugung.

Pilger
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  #18  
Alt 09-02-2017, 21:04
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Sehr schön, Benni.
Interessant zu lesen.
Ich bin mal gespannt ob ich für mein Verständnis des Yiquan noch etwas Neues aus dem Text ziehen kann.
Danke für das großzügige Teilen.
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  #19  
Alt 10-02-2017, 08:27
Benutzerbild von beniwitt
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Standard Die zentrale Achse des Weges der Kampfkünste: Quandao zhongshu (Wang Xiangzhai)Teil 8

3. MIT DER STIMME EXPERIMENTIEREN

Mit der Stimme zu experimentieren ist eine ergänzende Übung um in die feinen Bereiche zu kommen wo das experimentieren mit der Kraft nicht hinkommt. Die Wirkung besteht darin, das ausbreiten der Schallwellen zur Hilfe zu nehmen für die Arbeit alle Zellen im ganzen Körper auf Spannung zu bringen. Der ursprüngliche Sinn hatte nichts mit einschüchtern oder erschrecken zu tun, um demjenigen gegen den es gerichtet ist ein Gefühl von plötzlicher Furcht zu geben. Es ist also etwas ganz anderes Stimme und Kraft gemeinsam zum Ausdruck zu bringen als einfach nur einen Schrei auszustossen mit der Idee jemanden zu erschrecken.

Beim experimentieren mit der Stimme darf die Luft im Mundraum nicht nach aussen gestossen werden, sondern man benutzt die Stimme um eine Wirkung im Inneren zu erzeugen. Wenn man beginnt damit zu experimentieren kann man erst noch danach streben einen Laut von sich zu geben. Jedoch sollte man mit der Zeit dahin gelangen, dass dabei kein Ton mehr entsteht. Denn obwohl jeder Mensch seine ganze eigene Stimme hat, so ist der Klang beim experimentieren mit der Stimme bei allen Menschen derselbe. Der Klang ist wie wenn man gegen eine große Glocke in einem tiefen Tal schlägt. Die Alten sagen: „mit der Stimme zu experimentieren ist wie der Ursprung der feierlichen Töne huangzhong und dalü." Doch das lässt sich mit Tusche und Pinsel kaum beschreiben. Der Lernende muss dabei seinen Geist beobachten, über die Zusammenhänge nachsinnen, den Klang dabei wahrnehmen und die Idee dahinter verstehen um dann mit dem Gefühl und dem Ausdruck zu experimentieren. Nur so kann man dorthin kommen.
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  #20  
Alt 11-02-2017, 07:32
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Standard Die zentrale Achse des Weges der Kampfkünste: Quandao zhongshu (Wang Xiangzhai)Teil 9

4. SELBSTVERTEIDIGUNG

Selbstverteidigung bedeutet nichts anderes als Kampfkunst. Man muss verstehen, dass große Bewegung schlechter ist als kleine Bewegung und kleine Bewegung schlechter ist als gar keine Bewegung. Der springende Punkt ist zu verstehen, dass in der Bewegungslosigkeit erst die immer neu entspringende Bewegung entsteht. Es ist so wie ein Maschinenrad oder ein Kreisel mit dem Kinder spielen. Wenn er sich mit äusserster Geschwindigkeit dreht hat man fast das Gefühl er würde sich gar nicht drehen. Wenn man ihn weiter beobachtet und sehen kann wie er sich dreht, ist er schon wieder an dem Punkt wo er sich bald nicht mehr drehen wird. Das ist dann schon Ausdruck der Kraftlosigkeit. Das ist die Bedeutung davon, dass die Bewegung der Bewegungslosigkeit schneller ist als Bewegung und Bewegung in äusserster Geschwindigkeit so erscheint als ob sie Bewegungslos sei. Ruhe und Bewegung: beides bedingt sich.

Der springende Punkt in der Anwendung besteht vor allem in der Kontrolle durch die Nervenleitbahnen, der leitenden Rolle der Idee und der elastischen Kraft des Atems, der Stabilität der Zentrumsachse, der Umlenkung der Wegstrecke und der Veränderung des Schwerpunktes.
Wenn man die oben genannten Grundprinzipien in der richtigen Weise zur Anwendung bringt, dann hat man schon eine gute Grundlage für die Kampfkunst.

Man muss sich aber auch die Gewohnheit aneignen, im Alltag in jedem Moment und an jedem beliebigen Ort, bei jeglicher Bewegung die man vollzieht, immer gesammelt in sich bereit zu sein um einem auslösenden Reiz mit einer Reaktion zu begegnen. Der springende Punkt dabei ist, dass im Verweilen in der lebendigen Offenheit sich eine unendliche Weite von Wahrnehmung auftut. Das ist es was es so wertvoll macht.

Was nun für den Übenden das Lernen bestimmter Anwendungstechniken angeht, obwohl es eigentlich gar nicht wert ist dem tiefergehend nachzugehen, scheint es doch so zu sein, dass es (für die meisten) eine unumgänglicher Prozess ist den man durchlaufen muss.

Ist der Gegner steif und angespannt und hat einen klar erkennbaren Bewegungsschwerpunkt, dann erübrigt es sich eigentlich darüber zu schreiben.
Wenn aber die Bewegungen sehr schnell sind und der Körper ständig in Bewegung ist wie ein flinker Affe, dann muss man noch nicht einmal darüber reden ob dieser verschiedene Kraftqualitäten zum Einsatz bringen kann, denn schon allein durch die Schnelligkeit der Bewegungen wird es für die meisten schwer sein etwas entgegensetzen zu können.
Deswegen sollte man sich im Alltag auch immer wieder Gedanken über Anwendungstechniken machen.
Beim Training dieser ist erst einmal wichtig, dass der Unterleib ausgefüllt ist und der gesamte Gesäßbereich eine solide Kraft hat. Kopf, Hände, Schultern, Ellbogen, Hüften, Knie und Füße haben alle ihre Anwendung.
Was nun das hebende Schlagen, hakende Schlagen, drückende Schlagen, aufhängende Schlagen, sägende Schlagen, bohrende Schlagen, reibende Schlagen, wischende Schlagen, überlappende Schlagen, einwickelnde Schlagen, stampfende Schlagen, abschneidende Schlagen, blockierende Schlagen, pressende Schlagen, ableitende Schlagen, rollende Schlagen, abstützende Schlagen, gleitende Schlagen, haftende Schlagen, im Kreisschritt Schlagen, einsaugend im Vorwärtsschritt Schlagen, im Vorwärtsschritt Schlagen, im Rückschritt Schlagen, selbe Hand selbes Bein Schlagen, über Kreuz Schlagen, im ganzen Schritt Schlagen, mit halbem Schritt Schlagen, von der Seite gerade Schlagen, Frontal seitlich Schlagen, mit dem ganzen Körper teilweise Schlagen, mit Teilen des Körpers ganzheitlich Schlagen, hoch oder runter einwickelnd Schlagen, links oder rechts führend Schlagen, innen oder aussen führend Schlagen, vor oder zurück kreisend Schlagen, die Kraft bricht ab die Wahrnehmung bleibt verbunden und die Wahrnehmung bricht ab aber der Geist bleibt verbunden, an der Grenze zur Bewegung zu sein und sich noch nicht bewegen und alle Formen von Antäuschung: obwohl das alles nur nur partielle (Techniken) sind, ist es auch nicht einfach umzusetzen wenn man es nicht in der konkreten Anwendung trainiert.
Dennoch, all das ist eine mindere Form des Könnens. Jemand der mit echtem Verständnis begabt ist braucht das alles nicht zu lernen.
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  #21  
Alt 12-02-2017, 19:07
Quitte
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Viel Text, sehr wenig Gehalt.
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  #22  
Alt 12-02-2017, 20:23
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Standard Zentrale Achse des Weges der Kampfkünste: Quandao zhongshu (Wang Xiangzhai) Teil 10

5. Die Methode des Stehens für die Kampfkunst

Körper und Geist sind beim Stehen für die Kampfkunst leicht verschieden vom Basisstehen. Dennoch folgen sie denselben grundlegenden Prinzipien.

Die Stellung der Beine ist wie beim Zeichen ba 八 . Sie wird auch die ding-ba 丁八 Stellung genannt, oder halb-ding halb-ba Stellung des Bogenstands. Das Gewicht ist zu 3 Teilen auf dem vorderen und zu 7 Teilen auf dem hinteren Bein. Die Kraftverteilung beim Umarmen und Aufspannen ist nach Innen 7 Teile und nach Aussen 3 Teile.
Wenn man nun Kraft entlädt, dann ist die Kraft zuerst überall gleichmässig verteilt und weitet sich dann nach allen Seiten gleichmässig und kehrt dann wieder an ihren Ursprung zurück. Es ist von der Idee her wie die Schlagfeder bei einem Gewehr oder einer Kanone die ununterbrochen gespannt und entladen wird (sich zusammenzieht und weitet). Der Abstand mit dem die Hände und Füße darauf reagieren, sollten nicht mehr als 33 cm (ein chi) und nicht weniger als 3 cm (ein cun) sein. Nach Vorne, nach Hinten, nach Links und Rechts in einem ständigen Wechsel ohne Ende. Je mehr man sich durch das Üben damit vertraut macht, desto mehr wird man erfahren wie wunderbar es ist.
Was die Verwendung von Anspannung und Entspannung, von solider Kraft, das Nachsinnen über weiches und stilles und plötzlich federndes, über kurze und lange Wege, das Ausrichten der Stellung, Fülle und Leere beim entladen der Kraft, die Kraftwellen des Universums und wie man das Timing gut einsetzt: mit all diesen handwerklichen Fragen kann man sich dann im Laufe der Zeit langsam immer mehr auseinandersetzen.
Im Alltag kann man sich immer wieder vorstellen wie Tiger und Panther vor einem sind und man sich aufspannt um mit allen Kräften auf Leben und Tod zu kämpfen. Das ist ein direkter Weg, ohne Umwege, um sich mit den Grundlagen von konkreter Kampfkunst zu beschäftigen.

Nun möchte ich im folgenden noch ein bisschen weiter auf die Rolle von Geist - Idee - und Kraft (shen - yi - li) eingehen:
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  #23  
Alt 13-02-2017, 09:19
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für mich langt das völlig mit dem Gehalt, neue Ideen, Bestätigung anderer
danke schön
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  #24  
Alt 13-02-2017, 17:26
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Standard zentrale Achse des Weges der Kampfkünste: Quandao zhongshu (Wang Xiangzhai) Teil 11

6. Über den Gebrauch von Geist und Bewusstsein (Idee)

Das wichtigste beim Stehen unter dem Kampfkunst Aspekt ist, in einer ganzheitlichen aber äusserst lebendigen Wohlspannung zu sein, dass die Geisteskräfte den ganzen Körper ausfüllen.
Die geistige Absicht dabei ist wie ein im Nebel verborgener Panther, während das Bewusstsein sich (mit dem Gegenüber) zu einer Einheit verbindet (wie das mythische Rhinozeros); man besitzt die Wildheit entfesselter Pferde und die Wucht eines zischenden, beissenden Drachens.
Der Scheitel bewegt sich nach oben, so dass sich der Nacken aufrichtet. Gleichzeitig zieht sich das Zentrum der Aussenstellen des Körpers (Scheitel, Handflächen und Fusssohlen) innerlich zusammen. Der ganze Körper spannt sich auf, als ob er von allen Seiten mit der Aussenwelt (durch imaginäre Seile) verbunden wäre. Die Zehen krallen den Boden und die Knie haben sowohl eine nach aussen drückende als auch eine nach innen umarmende Kraft die nach oben geht, wobei sich die Fersen leicht heben. Das ganze (fühlt sich an) ist wie ein gewaltiger Tornado, der Bäume entwurzelt; man kommt sich vor als ob man sich in einer spiralförmig schwingenden Bewegung von der Erde losreissen wollte um fortzufliegen.

Konkret bedeutet das, dass sich aufspannende und zusammenziehende, bündelnde und auseinander gehende Kräfte entfalten, so als ob sich die Haare am ganzen Körper wie Speerspitzen aufstellen. Die vertikale Achse im Körper verwindet sich nach allen Seiten (unter dieser Kraft) und die Zentrumslinie weitet sich im Quadrat (d.h. um ein vielfaches nach aussen). Das wichtige bei dieser herausreissenden Kraft ist, dass man mit Himmel und Erde darum ringt.
Der Schulterbereich und die Ellbogen spannen sich auf und weiten sich nach aussen und haben doch eine zurückkehrende bündelnde Kraft, die in einer herausreissenden unendlichen Spirale wirkt. Auf und ab, drücken und umarmen, alles bedingt sich gegenseitig und nie darf dabei die Ausgeglichenheit und Ganzheit der Kräfte verloren gehen. Egal ob man mit den Fingerspitzen in etwas hineinsticht oder links und rechts (mit seinen Fingerspitzen) etwas herausreisst; egal ob mit den Händen von innen nach aussen zu gehen oder etwas von aussen nach innen einzuwickeln, man hat immer das Gefühl die Berge mit der ganzen Erdkugel zusammen zu bewegen. Sehnen und Muskeln sind voller Kraft und die Knochen sind wie scharfe Kanten.

Konkret bedeutet das, dass wenn man sich sammelt (bündelt) schon an die Bewegung (nach aussen) denken muss; einsaugen und wieder ausspucken, egal in welcher Richtung sich die Kräfte bewegen. Die Schultern öffnen und schliessen sich ganz unabhängig davon ob es querverlaufend rollende, drückend reibende oder hebend spiralförmige Kräfte sind. Die Haare am ganzen Körper stellen sich wie ein Urwald auf; der obere Rücken richtet sich auf und der untere wird gerade; der Bauchbereich füllt sich und wird rund und der Brustbereich wird leicht zurück genommen (bzw. wölbt sich leicht).
Setzt man sich in Bewegung ist es wie ein Tiger in Rage der aus dem Wald kommt; der durch die Berge streift und kurz vor einem Sprung steht. Der ganze Körper ist wie eine äussert lebendige (wie eine mythische) Schlange die plötzlich zuckt; wie Feuer, dass plötzlich den ganzen Körper entflammt; oder auch eine Ausstrahlung wie ein schlummernder Drache der plötzlich wie vom Blitz getroffen hoch schiesst.
Dabei muss man das aufwallen der Muskeln und Sehnen spüren, so dass die Kraft wie Schiesspulver ist und die Hände wie Patronen sind. Nimmt der Geist auch nur die geringste Bewegung war kann der Vogel nicht mehr davon fliegen, fast so, als ob einem dabei eine größere Kraft zu Hilfe kommen würde. Daher, sobald einem etwas in die Quere kommt und Geist und Bewusstsein damit in Kontakt treten, ist es wie ein Netz, dass den ganzen Himmel umfasst und aus dem nichts mehr entkommen kann; wie ein Donner, der alles erschüttert oder wie wenn sich Frost wie ein Schuppenpanzer über Gras und Büsche legt und diese sich in Ehrfurcht beugen.

Die Geschwindigkeit mit der (eine Reaktion) ausgelöst wird kann dabei kaum noch mit einem Bild umschrieben werden. Deswegen habe ich diese Form von Geist- Bewustseinsbewegung als eine Bewegung bezeichnet, welche (die normale Form von) Geschwindigkeit übersteigt. Was diese Form und dieser Grad von Geschwindigkeit angeht, so übersteigt sie einfach alles was man sich an Geschwindigkeit vorstellen kann.

Alles was ich oben gesagt habe, hört sich ziemlich abstrakt an. Jedoch muss man mit seinen Geisteskräften danach streben es konkret zum Ausdruck zu bringen um zu vermeiden dass es nur reine Phantasterei ist.
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  #25  
Alt 21-02-2017, 22:34
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7. Über den Gebrauch von Kraft

Neben Geist und Idee ist vor allem der Gebrauch von Kraft von entscheidender Wichtigkeit. Doch es handelt sich um eine Kraft von ursprünglich angeborener Natürlichkeit, nicht um einseitige Kraft. Doch das muss man sich zum größten Teil durch Experimentieren mit Kraft wieder erarbeiten.

Beim Üben muss man zunächst von der Einseitigkeit einer abschnittsweise getrennten Kraft ausgehen und so nach der Ganzheitlichkeit von Kraft streben. Dann davon ausgehend, in einer ganzheitlich auf einen Punkt gerichteten Kraft, versuchen, ein Gefühl für die Verteilung von Fülle und Leere zu bekommen. Dann muss man wiederum durch das Probieren mit einseitiger Anspannung und Entspannung das richtige Gefühl für die (ganzheitliche) Entladung von Kraft bekommen. Darüber hinaus muss man durch ein richtiges Gefühl für die Entladung von Kraft lernen, wie man durch Lösen und Verbinden einer Art Ganzkörperwahrnehmung mit dem Ziel und die schneidende Wucht von wellenartiger Spannkraft benutzt, um die Fähigkeit zu erlangen, bei der kleinsten Berührung Kraft entladen zu können.
Man sollte immer bereit sein für Angriff und Verteidigung und in jedem Moment das Gefühl haben sich mit einem schweren Gegner zu messen. Vor allem muss man sehr Acht geben auf den Punkt den man schlagen möchte. Man darf auf keinen Fall schlagen ohne ein klares Ziel im Visier zu haben. Wenn man eine leere Stelle sieht sollte man nicht schlagen, sondern auf die Volle zielen, denn man muss wissen, dass genau die volle Stelle leer ist. Fülle und Leere verlagern sich wie ein Achspunkt. Wenn man das nicht erfahren hat wird man es nie begreifen.
Planlos drauflos zu schlagen hat auch seinen Vorteil. Doch es kommt darauf an wer der Gegner ist. Eine leichte Drehung aus dem Frontalen und schon ist man auf der Flügelseite. Einem direkten Schlag über die Flügelseite zu begegnen, damit kann man jemanden direkt bedrängen und sich gute Vorraussetzungen schaffen. Man muss fleissig trainieren und streben ohne Nachlass. In Ruhe und Bedacht muss man der Bedeutung von Aufrichtigkeit, Besonnenheit, Sinn/Idee und Echtheit nachsinnen.

Unter dem Aspekt auf Leben und Tod zu kämpfen, ist ein Kampf ein Entscheidungskampf. In einem Entscheidungskampf gibt es keine moralischen Grundsätze mehr. Vor allem muss man sich an 6 wichtige Leitlinien halten: Entschlossenheit, Willigkeit, Kaltblütigkeit, Vorsichtigkeit, Standhaftigkeit und Präzision. Darüber hinaus muss man die Entschlossenheit haben mit dem Gegner zusammen zu sterben.
Ist man nicht in der Lage einen Volltreffer zu landen, dann darf man auch nicht zuschlagen. Sobald man sich bewegt (schlägt), muss es zum Tode führen. Erst dann darf man zuschlagen. Wenn man diese Entschlossenheit besitzt, dann führt eigentlich jeder Kampf zum Sieg. Das betrifft den Kampf mit einem gleichwertigen und starken Gegner.
Wenn die Fähigkeiten (des Gegners) jedoch schlechter sind, dann hat man keinen Schaden dabei nachzugeben.
Wenn es sich um einen Besuch unter Gleichgesinnten handelt und es geht darum sich in seinen Fähigkeiten zu vergleichen, dann fällt das in den Bereich freundschaftlicher Vergleich. Beim freundschaftlichen Vergleich geht es um das Erforschen und Diskutieren. Das ist etwas ganz anderes als ein Entscheidungskampf. Dabei ist es wichtig auf moralische Grundsätze zu achten. Dabei muss man vor allem darauf achten wie die Fähigkeiten seines Partners sind. Wenn sie sehr weit auseinander liegen, dann muss man ihn gewähren lassen, so dass er am Ende eine gewisse Ehrfurcht und Dankbarkeit empfindet. Vor dem Vergleich ist es wichtig jemanden mit Höflichkeit den Vortritt zu lassen. In seiner Wortwahl sollte man freundlich sein und in seinem Ausdruck auf eine gewisse Etikette achten. Man darf auf keinen Fall arrogant und ungeduldig sein. Das wäre eine Verletzung der Edelmütigkeit.

Wenn man sich an diese Grundsätze hält, dann werden die Tugenden der Kampfkünste wieder langsam etabliert werden und dieser alte Weg wird noch lange weiter existieren. Das wäre auch die höchste Ehre für den Weg meiner Kampfkunst. Darin hege ich große Hoffnungen.
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  #26  
Alt 21-02-2017, 23:41
WulongCha
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Hobbysportler & Quitte:
Möchtet ihr eure Kritik evtl. konkretisieren, denn ich finde die Arbeit und Mühe von beniwitt bemerkenswert und auch wenn mir der Text (noch) nicht allen Bereichen greifbar wird, bin ich über die Übersetzung dieses historischen Dokuments sehr dankbar, denn es lohnt immer, sich selbst und seine Praxis kritisch zu hinterfragen!
Grüße,
WLC

Geändert von WulongCha (21-02-2017 um 23:43 Uhr).
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  #27  
Alt 22-02-2017, 06:26
Quitte
Gast
Kampfkunst:
 
Beiträge: n/a
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Danke für die Übersetzung.
Ich kann mit dem text einfach nicht viel anfangen und erinnert mich an eine aussage eines wich chun lehrers dessen name mir gerade entfallen ist. Ging irgendwie so: ist man hungrig, will man reis. Dazu brauchst du aber noch eine schüssel. Nachdem man gegessen hat schmeisst man die schüssel weg und fragt sich wozu man die schüssel braucht. Diese nannte er dann betrüger.
(Schüssel = grundschule, anwendungstraining, formtraining, drills - so wie ich das versanden habe.)
Hier hat ein meister aus verschiedenen schüsseln sehr viel reis gegessen und schmeisst dann alle weg.
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  #28  
Alt 22-02-2017, 06:44
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Wertlose Beiträge wurden und werden entsorgt. Bitte erst nachdenken, dann schreiben.

Gruss, Thomas
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  #29  
Alt 22-02-2017, 08:02
Benutzerbild von beniwitt
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Habe bei meinem Eingangspost eine kleine historische Einordnung eingefügt. Vielleicht hilft es dem ein oder anderen zu verstehen warum er mit dem Text nicht viel anfangen kann.

Wer z.B. das Yijing kennt wird ziemlich schnell verstehen, dass man ohne ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk erstmal praktisch nichts verstehen kann. Bei genauerem hinsehen hat es jedoch schon recht viel Gehalt. Doch das lässt sich nur mit einem gewissen Interesse und Arbeitsaufwand langsam erschliessen.

Wundert mich ehrlich gesagt schon manchmal, wie scheinbar doch immer wieder die Erwartung an eine Eier-legende-Wollmilchsau im Unterbewusstsein vieler umhergeht. Wer hier einen Text erwartet, der kurz, knapp und bündig noch die letzten Geheimnisse des Yiquan oder der Kampfkunst ausleuchtet und am besten Abends vorm Einschlafen gelesen, die Inhalte dann in der Traumphase noch ins senso-motorische Bewusstsein übergehen und man am nächsten Tag beim Aufwachen schon alles gelesene komplett gemeistert hat, der sollte sich vielleicht doch besser mit anderer Lektüre beschäftigen.
Historische Texte haben ganz einfach das Problem an sich, dass sie aus einer anderen Zeit stammen und manchmal eine etwas andere Sprache sprechen. Noch viel mehr bei Kampfkunsttexten, wo es sich um eine äusserst praktische Angelegenheit handelt, über die in einer äusserst unpraktischen Form etwas überliefert ist.
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  #30  
Alt 22-02-2017, 16:13
Moderator
Kampfkunst: Liechtenauer, Taijiquan & komisches Zeug
 
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Das ist bei historischen Manuskripten eben so - man braucht eine gewisse Basis, um sie erst sprachlich und dann inhaltlich interpretieren zu können.

@beniwitt
Du hast Dir jetzt viel Mühe gegeben, um den kniffeligen (und sicher nicht aus primär didaktischen Gründen verfassten) Text zu übersetzen. Konntest Du denn seither einige Elemente Deines Trainings überdenken oder vielleicht gerade mal anders priorisieren?

Ich denke, sowas ist eine gute (und hier produktive) Fragestellung - in meinem Fall war es eben auch eine grösser angelegte Übersetzung einer mittelalterlichen Fechthandschrift, die meinem Training doch ganz massive Impulse gegeben hat.

Gruss, Thomas
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