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  #1  
Alt 30-12-2010, 14:14
Benutzerbild von Deno
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: FMA und UCC
 
Registrierungsdatum: 14.11.2002
Beiträge: 1.018
Standard Vor- u. Nachteile von Techniktraining u. Sparring?!?

Angeregt durch einige Aussagen von (hauptsächlich) der "Nummer_8" in nem anderen Thread mal die Frage, wie Ihr es so sieht..
Lasst euren Gedanken zum Thema freien Lauf (gibt kein Off-Topic, solange es sich um die Themen aus der Überschrift handelt)!

"In keiner Technik ist Leben, solange sie nicht im Sparring eingesetzt wird!" UCC-Motto zum Thema Techniken u. Sparring
-ohne Technik kein kontrolliertes u. effektives kämpfen, aber selbst wenn eine Technik zig tausend Mal trainiert und evtl. perfekt beherrscht wird, bleibt sie dennoch tot solange sie nicht im Sparring angewendet werden kann.....

Grüße..
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“That thounds like a brutal sport,but it`s just a technik,it`s just the heart.It`s all about the skill,speed,the agressive. You think that`s just the power,but it`s the agressive in the power”,M.Tyson

Geändert von Deno (30-12-2010 um 14:20 Uhr).
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  #2  
Alt 30-12-2010, 14:29
Benutzerbild von Joergus
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: MMA, Beeinflusst durch die Konzepte von Geoff Thompson und Matt Thornton
 
Registrierungsdatum: 07.05.2005
Ort: Wiener Neustadt
Alter: 27
Beiträge: 1.439
Standard

Passend dazu:

YouTube - MATT THORNTON ALIVENESS - martial arts most important thing Straight blast

Bei meiner TPS sehen wir das so:

Jede Technik muss wie im Video zu sehen sein Timing, ENergie (prog. widerstand) und bewegung haben.

Um jemanden eine Technik beizubringen sieht das folgendermaßen aus:

Es gibt 3 Phasen, die normalerweise progressiv ablaufen, zu denen aber immer wieder zurückgekehrt werden kann.

Matt Thornton nennts "I-method" (Intruduce -> Isolate -> Integrate), wir nennen es "ZIE Methode" (Zeigen -> Isolieren -> Einfügen)

Wichtig zu wissen: Die Phasen sind fließend

Zeigen:

Technik wird gezeigt bzw. einzeln geübt (z.b. Shadowboxing, Sandsacktraining zählt dazu) Man kann top am sandsack sein (zeigenphase) aber trotzdem im sparring (einfügen) versagen. daher ist sandsacktraining immer tot, es baut aber die technikabfolgen, kondition etc auf die man für die lebendige Umgebung dann braucht.

Isolieren:

Die Technik wird unter progressiven Stress gedrillt, dazu zählen partnerübungen und auch pratzearbeit, bei dem das ähnliche gilt wie beim sandsack..

Isolieren hat hier jetzt nichts speziell mit einer technik zu tun (z.b. ich isoliere die cross am sandsack = ZEIGEN phase) sondern eher das man z.b. einen guardpass mit widerstand macht

Einfügen:

Sparringdrills (z.b. nur boxen) bis zum vollkontakt allkampf.


Man könnte jetzt das erste halbe jahr nur in der zeigenphase bleiben und dann in die drillphase wechseln und das dritte halbe jahr in die einfügenphase.

Wird bei uns nicht so gemacht. Ich zeigen den anfängern in der ersten stunde 1 -2 schläge die dann mit pratze gedrillt werden und anschließend von leichtem sparring (PROGRESSIVER WIDERSTAND) gefolgt werden.

Wenn ich fußball spielen gehe spiele ich ja auch von anfang an matches mit und warte nicht ein jahr bis ich endlich spielen kann (wir reden jetzt nicht von wettkampf)

Um auf die Wiederholungsanzahlen in der zeigenphase zu kommen wird im laufe der zeit (bei anfängern natürlich öfters) immer wieder die cross einzeln (zeigenphase z.b. auf pratze oder sandsack) geübt.

Wichtig ist für uns das so früh wie möglcih gesparrt wird und zwar mit soviel widerstand das jeder dei technik in 8 von 10 fällen ausführen kann.

Schafft mans nur 5 mal ists zu schwer.. schafft mans 10 mal ists zu leicht.

Der widerstand ist immer so hoch, das der Partner am meisten davon lernt.

Außerdem unterscheiden wir zwischen 3 Eckpfeilern:

http://www.youtube.com/watch?v=C-g6JTQDWNc (Training & the i-Method - Matt Thornton )

Kondition: Liegestütz, Seilspringen etc.
Sportsspezifische Bewegung: Schwimmdrills (immer zeigenphase, daher tot), Pummeldrills, Technikdrills etc. (Zeigen, Isolieren)
Praxistechnik: (Einfügenphase)

Kleiner Seitenhieb: Chi sao bzw. Hubbard würde unter Kondition fallen und nicht unter sportsspezifisch, weil es im kampf nciht so umgesetzt wird, wie eine echte sportsspezifische bewegung wie das Greco-Pummeln, welches ja der tatsächlchen anwendung sehr ähnlich ist. (Im training & the i-method weißt auch matt darauf hin)

lg JÖrg

Artikel zum Thema: http://aliveness101.blogspot.com/
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http://www.tps.at.tf/ Selbstverteidigung in Niederösterreich (Raum Wr. Neustadt)

Geändert von Joergus (30-12-2010 um 14:42 Uhr).
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  #3  
Alt 30-12-2010, 14:31
Benutzerbild von Eskrima-Düsseldorf
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Kampfkunst: Eskrima Individual Combat System/Lightning Scientific Arnis
 
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Beiträge: 5.195
Blog-Einträge: 1
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Ich sehe da kein "Entweder - Oder"

Beides ist nötig.

Grüße und einen "guten Rutsch"

Christian
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  #4  
Alt 30-12-2010, 15:14
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Ich persönlich sehe es kritisch bereits Anfängern mit Stöcken sparren zu lassen. Das ist in etwa so, wenn ich ohne Sprachenkenntnisse nach Griechenland fahre. Man sollte wenigstens ein paar Wörter und Sätze können. Spricht man die Sprache perfekt, dann kommt man effektiv zurecht und kann sich gezielt ausdrücken oder auch auf verschiedene Arten umschreiben.

Das vorgehen von Joergus ist in meinen Augen sinnvoll und beschreibt die von mir vorgeschlagene Vorgehensweise.

Bzgl. "In keiner Technik ist Leben, solange sie nicht im Sparring eingesetzt wird!" gebe ich recht, umschreibt aber auch nur, dass eine Technik gut ist, die im Sparring funktioniert. Im Serrada kommen die Techniken aus Kämpfen und wurden dann didaktisch so aufbereitet, dass man diese isoliert trainieren kann. Wie das in anderen FMAs aussieht weiß ich nicht.
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  #5  
Alt 30-12-2010, 15:18
Benutzerbild von Deno
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Kampfkunst: FMA und UCC
 
Registrierungsdatum: 14.11.2002
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Zitat:
Eskrima-Düsseldorf:
Ich sehe da kein "Entweder - Oder"
-es geht nicht um entweder - oder, wie ich schon schrieb, kein vernünftiges Sparring ohne Technik..
Geht mir viel mehr um Eure Gedanken zum Thema, ganz allgemein!
-evtl. kann man sich dann für die Zukunft Threads wie den nebenan (mehr o. weniger) sparen und auf die verschiedenen Ansichten in diesem Thread verweisen..

Dir auch nen guten Rutsch!

@Joergus
Schöne Videos, schöner Beitrag
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  #6  
Alt 30-12-2010, 15:24
Benutzerbild von Joergus
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Zitat:
Zitat von Deno Beitrag anzeigen
@Joergus
Schöne Videos, schöner Beitrag
Danke sehr! :-) Ich freue mich natürlich über Kritiken und Anregungen bzw. wie ihr das macht!
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  #7  
Alt 30-12-2010, 15:25
Benutzerbild von amasbaal
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Zitat:
Zitat von Eskrima-Düsseldorf Beitrag anzeigen
Ich sehe da kein "Entweder - Oder"

Beides ist nötig.

Grüße und einen "guten Rutsch"

Christian
dem (auch dem "guten rutsch") schließe ich mich an.
denke, dass damit auch gemeint ist, dass es auch nicht um ne "rangfolge" geht, also technik nicht nur dazu da ist, das sparring zu "füttern" und ansonsten, wenn das nicht geht, unbrauchbar ist.

Geändert von amasbaal (30-12-2010 um 15:29 Uhr).
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  #8  
Alt 30-12-2010, 15:26
Benutzerbild von Sebo
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Zitat:
Zitat von Number: 8 Beitrag anzeigen
Das ist in etwa so, wenn ich ohne Sprachenkenntnisse nach Griechenland fahre. Man sollte wenigstens ein paar Wörter und Sätze können.
mancher stellt dann halt auch im urlaub fest,das immer nur grammatik pauken nicht die ideale vorbereitung war...
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  #9  
Alt 30-12-2010, 15:33
Benutzerbild von Deno
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Kampfkunst: FMA und UCC
 
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@Number: 8
Zitat:
Spricht man die Sprache perfekt, dann kommt man effektiv zurecht und kann sich gezielt ausdrücken oder auch auf verschiedene Arten umschreiben.
-schrieb ich nebenan schon, aber wiederhole es auch gerne etwas deutlicher aus meiner Sicht
Ich war in dem was ich vor`m UCC trainiert habe (reines Escrima) nicht schlecht, sowohl technisch, wie auch als Turnierkämpfer (selten das ich sowas von mir behaupte, aber in diesem Fall sprechen die Zahlen/Ergebnisse einfach mal für sich Sprich, ich kannte die Sprache sehr gut..), bin später in meinen ersten "vernünftigen" Sparrings aber erstmal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden und meine breite Brust mit der ich zum ersten UCC-Training u. Sparring gegangen bin ist ganz schnell ganz schmal geworden (und das ging nicht nur mir so )
Für mich ein Zeichen dafür, dass man eine Sprache noch so perfekt grammatikalisch u. wörtlich beherrschen, es in der Anwendung evtl. aber dennoch gewaltig hapern kann..
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  #10  
Alt 30-12-2010, 17:27
Benutzerbild von Ir-khaim
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Was soll man nach den ersten beiden Posts noch groß diskutieren - da steht alles drin .
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  #11  
Alt 30-12-2010, 18:33
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Kampfkunst: JKD-Concepts/ FMA (T.S.D.), Grappling
 
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Zitat:
Zitat von Deno Beitrag anzeigen
Angeregt durch einige Aussagen von (hauptsächlich) der "Nummer_8" in nem anderen Thread mal die Frage, wie Ihr es so sieht..
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"In keiner Technik ist Leben, solange sie nicht im Sparring eingesetzt wird!" UCC-Motto zum Thema Techniken u. Sparring
-ohne Technik kein kontrolliertes u. effektives kämpfen, aber selbst wenn eine Technik zig tausend Mal trainiert und evtl. perfekt beherrscht wird, bleibt sie dennoch tot solange sie nicht im Sparring angewendet werden kann.....

Grüße..
Ja und nein bzw. jein! Im Grunde - also der grundsätzlichen Tendenz nach - gebe ich Dir recht. ich bin allerdings bei der strikten Aussage, dass eine Technik, die sich nicht im Sparring einsetzen lässt "tot" wäre, ein bißchen anderer Ansicht. Vielleicht liegts aber auch nur daran, dass ich Dich nicht 100prozentig richtig verstanden habe.

Ich beziehe mich jetzt auf einige kooperative Partner-Drills, die ich regelmäßig trainiere. Einige davon - oder auch bestimmte Techniken daraus - lassen sich so vielleicht nicht eins-zu-eins ins Sparring überführen. Aber diese Drills erfüllen m.M.n. nach andere nützliche und sinnvolle Ziele, ohne dass ich den Drill oder einzelne Techniken daraus jetzt eins-zu-eins genau so ins Sparring umsetze bzw. umsetzen kann; z.B. trainieren viele Drills ja auch Attribute wie Reaktion/ Reflexe, Auge-Hand-Koordination, Bodymechanics, Sensitivity, Timing usw. - und diese fließen dann - eben indirekt - wieder in mein Sparring ein. Insofern gibts schon Dinge, die ich überhaupt nicht als "tot" bezeichnen würde, obwohl sie sich vielleicht nicht direkt ins Sparring übersetzen lassen.

Und dann - last but not least - manche Dinge trainiere ich auch nur aus Gründen der "Arts" in den Martial Arts (auch wenn das nicht 100pro TSD-like ist) - ich hoffe man versteht mich...
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  #12  
Alt 30-12-2010, 23:42
Benutzerbild von Deno
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Kampfkunst: FMA und UCC
 
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Beiträge: 1.018
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Ich denke Du hast mich bzw. die Aussage (die ich einfach mal aus meiner u. auch anderer Sicht in den Raum geschmissen habe) falsch verstanden Quickkick und Dir die Antwort aber eigentlich auch selbst schon gegeben..

Zitat:
z.B. trainieren viele Drills ja auch Attribute wie Reaktion/ Reflexe, Auge-Hand-Koordination, Bodymechanics, Sensitivity, Timing usw. - und diese fließen dann - eben indirekt - wieder in mein Sparring ein. Insofern gibts schon Dinge, die ich überhaupt nicht als "tot" bezeichnen würde, obwohl sie sich vielleicht nicht direkt ins Sparring übersetzen lassen.
-Du schreibst sehr richtig von Attributen und nicht von Techniken

Darüber gab`s hier auch schon zig Diskussionen und ich erinnere mich daran, dass ich mich zum Thema best. Sinawils zur Schulung von koordinierten Bewegungsabläufen (bspw. bis die Figure 8 flüssig mit den Stöcken (in alle Richtungen, oben und unten, gebrochen, gekippt und was weiß ich...-auch ich trainiere diese und andere Dinge heute noch für mich, aber halt anders!), weil spätere Dinge darauf aufbauen) äußerte..

Das Eine geht nicht ohne das Andere, meine Meinung..-auch wenn sich mit der Zeit evtl. einiges im Denken und dadurch in der Herangehensweise ändern mag?!

Grüße,
Deno..
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Geändert von Deno (30-12-2010 um 23:46 Uhr).
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  #13  
Alt 31-12-2010, 03:36
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Kampfkunst: Aikido, FMA
 
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Zitat:
Zitat von Eskrima-Düsseldorf Beitrag anzeigen
Ich sehe da kein "Entweder - Oder"

Beides ist nötig.

Grüße und einen "guten Rutsch"

Christian
+1

Zu den anderen Sachen:

Ich finde Thornton's Aufbau und Progression von Training nachvollziehbar und gut, weiß allerdings nicht warum er dafür andere Methoden schlecht reden muss. Soll doch einfach seinen Weg vorstellen und machen.

Was das mit weniger Stress im Techniktraining angeht, usw. Richtig durchgeführt kann doch auch im ganz regulären Techniktraining jede Menge Stress und Druck aufgebaut werden. Einige Beispiele:

YouTube - Learning Balintawak Basics
YouTube - Tabimina Balintawak (USA)
YouTube - Taal Batangas
YouTube - Atillo Balintawak Germany

Und was das ganze Argument von wegen "Pitsche-Patsche" (patty cake) angeht: Die Leute, die das ständig kritisieren wissen wohl einfach nicht wieviel "Bumms" in diesem Pitsche und Patsche bei jemandem steckt, der es kann. Was natürlich nicht heißt, dass viele Drills sicher oftmals lasch trainiert werden und das mitunter zu recht kritisiert wird.
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  #14  
Alt 31-12-2010, 12:37
inaktiv
Kampfkunst: Ein paar Escrima und Judo Konzepte
 
Registrierungsdatum: 02.12.2009
Beiträge: 1.763
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Zitat:
Zitat von Deno Beitrag anzeigen
"In keiner Technik ist Leben, solange sie nicht im Sparring eingesetzt wird!"
Es gibt keine Alternative zu intelligentem Sparring, um die eigenen Stärken und Schwächen zu ermitteln und daher Optimierungsbedarf für den eigenen Stil herauszufinden. Wer auf Sparring verzichtet, der landet ziemlich schnell in einer logischen Sackgasse und wird nicht mehr besser im Escrima, das gilt für alle Stile.

Dabei muss man immer auch die Heisenbergsche Unschärferelation beachten, d.h. jede Messung führt automatisch auch zu einer Verfälschung des Messergebnisses. Die o.g. Aussage, dass in keiner Technik Leben ist, die nicht auch im Sparring eingesetzt wird, finde ich zwar zu 90% richtig, diese These berücksichtigt aber m.E. nicht ganz, dass die Regeln für das Sparring auch die dort eingesetzten und erfolgreichen Techniken maßgeblich beeinflussen. Neben den Regeln beeinflussen auch Kleinigkeiten wie Bekleidung, Waffenart, Bodenbeschaffenheit, Raumart etc. die Ergebnisse/Lehren des Sparrings.

Wie kann man die unbestreitbar positiven Auswirkungen des Sparrings (sinnvolle Auslese unter Stress funktionierender Techniken, Adrenalin-Kontrolle, der Blick für das Wesentliche wird geschärft) zur Optimierung der Techniken nutzen?

1) Man muss zunächst einmal überlegen, wozu das Sparring genutzt werden soll. Für den Sport oder die SV? Im Folgenden gehe ich davon aus, dass das Sparring für die SV genutzt werden soll.
2) Wenn ich für die SV Sparring mache, brauche ich Regeln, die den SV-Aspekt berücksichtigen. Heißt:
- Wenn ich ein Faustsparring mache, muss ich eine SV-geeignete Faust-Strategie wählen. Im Boxen kann man als Konterboxer genauso gut Weltmeister werden wie als Angriffsboxer. Wer eine schlechtere Schlagkraft und schlechtere Nehmerqualitäten hat als der Gegner, der wird als intelligenter Boxer eher mit Kontern arbeiten. Für meinen Stil, das Latosa-Escrima, wäre die Strategie eines Konterboxers die zweitdümmste die man wählen kann. Ein Grundsatz im Latosa Escrima für die SV lautet „having a great offense is, the best defense“ (Wiley in: „Filipino Fighting Arts“). Angriff ist die beste Verteidigung. Natürlich gibt es im Latosa-Escrima auch das Sportescrima für Turniere, es wird aber in meinem Stil zu Recht sehr trennscharf differenziert in Bezug auf die Concepts/Techniken/Strategien die a) für die SV und b) für den Turniersport genutzt werden. Folglich muss in meinem Stil auch ein Turniersport-Sparring anders gestaltet werden als ein SV-Sparring. Im Escrima-Turniersport sind Schlagkraft und Balance nicht kampfentscheidend, es reicht ein guter Speed und eine sehr gute Timing/Distance-Beherrschung. In der SV sind gerade die Schlagkraft und Balance die wichtigsten Konzepte.
- Den Gegner zu Boden ziehen und dort erledigen ist eine intelligente Vorgehensweise für gute Grappler und im MMA-Sport. Für die SV muss der Boden hingegen vermieden werden. Den Bodenkampf bewusst anzustreben im SV-Sparring wäre für die SV die dümmste Vorgehensweise.
- Wenn man ein Sparring mit Tritten macht, dann wäre es wenig intelligent barfuß zu trainieren, denn in der SV hat man Schuhe an, Angriffe im Schwimmbad sind eher selten. Von halbnacktem Sparring halte ich sowieso nichts, außer man steht auf nackte Männer anstelle auf Frauen. Die Kleidung sollte dem entsprechen, die man auch auf der Straße trägt. Mir geht schon Kurzärmel-Sparring leicht auf die Nerven, in unseren Breitengraden läuft man selten im T-Shirt herum. Daher sollte man zumindest ab und zu auch in genau der Kleidung Sparring machen, die man auf der Straße trägt. Manche Schuhe sind rutschiger als andere und ein schwarzer Ledergürtel mit dem Aufdruck „Black Belt Streetfighter“ ist schon sehr beeindruckend im Kindergarten und in der Grundschule.
- Man sollte nicht den Fehler machen, aufgrund der Boxhandschuhe wie wild auf die Deckung des Gegners einzuschlagen. D.h. wenigstens ab und zu auch mal ein Sparring Bare Knuckle oder zumindest auch mit Boxhandschuhen so kämpfen, als wäre man bare knuckle. Eine Hammerschlag zur rechten Zeit schafft Deckung weg und Gemütlichkeit.
- Ein Latosa-Escrimador mit dem Schwerpunkt SV sollte auch im Sparring die meiste Arbeit mit der Rechten erledigen, die rechte Körperseite ist Vorne. Es macht überhaupt keinen Sinn für einen Latosa-Escrimador sich boxerähnliche Strategien wie die linke Seite vorne anzugewöhnen und mit der Linken schnelle Jabs ohne volle Power zu schlagen. Jeder Schlag muss aufgrund der richtigen Körpermechanik KO Potential haben, mit der rechten genauso wie mit der linken Faust/Hand, wenn nicht, Finger davon lassen und mehr Training am schweren Sandsack/Pratzen bis das Power-Level da ist wo es sein muss.
- Beim Stocksparring/Schwertsparring muss man berücksichtigen, dass ein harter Schlag auf die Hand = KO bedeutet. Denn wenn die Waffenhand zertrümmert ist, ist der Kopf eine Zehntelsekunde später auch zertrümmert/abgeschlagen. Wer nicht in der Lage ist, mit dem Stock so hart zuzuschlagen, dass er damit eine Hand brechen kann, für den gilt: Schlagkrafttraining an Gummireifen + Sandsack + zu Strafe 1000 Liegestützen. Dass harte Kopftreffer ein KO sind ist jedem geradeaus denkenden Menschen sowieso klar. Wer auch dazu nicht in der Lage ist, für den gilt das vorgenannte Programm analog. Vor diesem Hintergrund gefällt mir z.B. das Lameco Hand Sparring gut. Ganz grauenhaft sind für mich Stock-/Schwert-Sparrings-Methoden, wo aufgrund Kopfschutz und Handschutz der Stock-/Schwertkampf im Bodenkampf entschieden wird. Man kann natürlich auch Pistolenduelle mit Paintball-Waffen simulieren und sich dann mit den Fäusten KO schlagen bzw. am Boden gegenseitig erledigen, so dass der beste Pistolenschütze mittels Judo-Hebel ermittelt wird. Ganz ganz grauenhaft sind auch die Cold Steel Stickfighting Finalkämpfe auf YouTube, aufgrund dämlicher Turnierregeln hat das mit Stockkampf/Schwertkampf rein gar nichts mehr zu tun, das ist m.E. Schulhofs-Niveau (Grundschule, nicht weiterführende Schule). Die ETF-Wettkampfregeln sind mir da deutlich sympathischer, weil Kopftreffer dort nicht als Lappalie abgetan werden. Durch ein Stockkampfsystem/Schwertkampsystem den Respekt vor der Waffen zu verlieren, wie das durch unrealistisches Sparring durchaus passieren kann, halte ich mit für das Schlimmste, denn damit wird die SV-Fähigkeit reduziert. Die mentale Einstellung: "Lieber ein Kopftreffer/Handtreffer, denn der Kopf/Hand ist ja geschützt dank Helm als ein Treffer auf die ungeschützen Rippen" ist schlichtweg Selbstmord.
3) Man sollte im Sparring berücksichtigen, dass es eine ideale Welt nicht gibt. Auch wenn es m.E. keinen Sinn hat, den Schwerpunkt für die SV auf Grappling zu legen bzw. das Sparring Grappling-lastig auszugestalten, kommt jeder denkende Mensch nicht umhin, auch Grappling zu trainieren und dafür separate Sparring-Sessions vorzusehen. Es ist eine Geschmacksfrage, ob man alles zusammenmischen sollte und mit welchem prozentualen Anteil der Trainingszeit man Grappling trainiert oder ob man wie beim Essen Vorspeise, Hauptspeise und Nachtisch zeitlich und von der Menge her trennen sollte. Meine Empfehlung (wie schon mehrfach geschrieben): Grappling separat im Grappling-Verein trainieren, wir haben hier in Deutschland ganz hervorragende Grappling Schulen, z.B. vom Judo/Ringen/BJJ mit Top-Trainern. Andererseits sollte man das Faustsparring/Stocksparring zum Spaß durchaus auch mal mit einem Fußfeger/sonstigen Wurf anreichern, um die mentale Awareness und das Balance-Concept zu steigern, aber eben prozentual in der richtigen Dosis und Spaß bitte auch als Spaß verstehen und nicht als Ernst des Leben. Neben dem Angriffs-Faustsparring/Handsparring im Stand (Priorität 1) sollte man auch Sparring mit Angriffs-Würfen (Priorität 2) und auch Sparring am Boden (mit Bodenschlägen, Hebeln, Würgern) (Priorität 3) trainieren. Sparring mit Tritten, Ellenbogen, Kopfstößen und ganz dreckigen Streetfighter-Dirty Tricks etc. (Priorität 3) ist natürlich auch eine schöne Ergänzung zur Abrundung der empty hands, man sollte im Sparring für die SV aber immer den Blick für das Wesentliche (harte Faust-/Handschläge) behalten und Spielereien auch wie Spielereien behandeln. Außerdem muss man wenn man für die SV trainiert natürlich auch Waffensparring trainieren und zwar nicht nur Waffe A gegen Waffe A, sondern auch gemischt, d.h. z.B. empty hands gegen Waffen, lange Waffe gegen kurze Waffe, stumpfe gegen scharfe Waffe etc. etc. Dass sich auf der Straße zwei Leute mit derselben Waffenart gegenüberstehen passiert eher selten. Auf einem seiner neueren Videos sagt GM Latosa sehr zutreffend ungefähr (den genauen Wortlaut habe ich leider nicht mehr im Kopf): "Wenn man auf der Straße in einer Situation ist, dass man mit dem Stock bewaffnet einem mit einem Stock bewaffneten Gegner gegenübersteht, dann ist im Vorfeld schon eine Menge schiefgegangen."
4) Das Sparring ist m.E. kein Selbstzweck. Entscheidend ist, nach jedem Sparring eine Analyse des eigenen Optimierungspotentials vorzunehmen. Wer im Sparring ständig verprügelt wird, weil ihm der Speed (Timing, Distance) fehlt, der wird andere Maßnahmen ergreifen müssen als jemand, der im Sparring ständig verprügelt wird, weil ihm die Power oder die Balance fehlt. Man muss im Sparring das eigene Ego im Griff haben. Idealerweise ist die geistige Haltung wie beim Judo-Randori, d.h. ohne Egoprobleme verschiedene Sachen ausprobieren und sich gegenseitig helfen, besser zu werden. Jeder hat irgendwo Stärken und Schwächen. Ein guter Escrima-Trainer, der bei der Schwachstellenanalyse hilft ist auch Gold wert.
5) Beim Sparring gilt wie auch sonst im Leben: Eine Handvoll harter und "einfacher" Stockschläge (die universell nutzbar sind), eine Handvoll harter "einfacher" Faustschläge, einen oder zwei Würfe, eine oder zwei Bodentechniken reichen für die SV und auch für das SV-basierte Sparring. Lieber weniger Techniken für das Sparring und die SV hervorragend beherrschen und intensiv trainieren, als hunderte Techniken nur laienhaft beherrschen. Wer für den Escrima-Sportwettkampf trainiert, der muss deutlich mehr Techniken beherrschen und im Sparring vielschichtiger trainieren, damit er je nach Gegnerart seine Strategie ändern und anpassen kann.
6) Man sollte im Sparring auch darauf achten, dass Nehmerqualitäten entwickelt werden. Es zu übertreiben bis zur Gehirnblutung macht aber keinen Sinn, denn das würde heißen im Training die Verletzungen zu bekommen, die auf der Straße durch das SV-Training gerade vermieden werden sollen. Insofern müssen Anfänger vom Trainer behutsam an das Sparring herangeführt werden. Fortgeschrittene können sich in einer weit höheren Intensität wohl dosierte Gesichtsmassagen und andere Ganzkörper-Massagearten verpassen. Ein weit Fortgeschrittener im Escrima muss m.E. in der Lage sein, auch mit dem Stock/Schwert ohne jede Schutzausrüstung ein Sparring mit sehr viel Power und Speed durchzuführen ohne dass es zu ernsten Verletzungen kommt. Das setzt einen guten Trainer voraus und eine sehr gute Ego-Kontrolle. Leuten mit Ego-Problemen sollte m.E. sowieso kein Escrima unterrichtet werden.
7) Zum UCC Sparring noch eine Anmerkung: Das UCC-Sparring ist vorbildlich und genial. Etwas Besseres habe ich auf YouTube noch nirgends gefunden. Schade, dass es so wenig vernünftige Sparrings-Videos aus dem Escrima gibt. Immerhin werden ja die D-Nice Sparringstreffs auf YouTube veröffentlicht, auch da gibt es sehr Schönes (und immer Schöneres) zu sehen.

Beispiele außerhalb meines Stils:

Sparring aus dem Lameco-Stil, das Sinn macht und mit Gehirnschmalz gewählt wurde:
http://www.youtube.com/watch?v=GJlIAetbqCg&translated=1

Das abschreckende Gegen-Beispiel (Kindergarten-Niveau):
http://www.youtube.com/watch?v=t2K3cd__fSU&translated=1

Sehr gut ist auch das Sparring im Jogo do Pau. (Fast schon so gut wie die UCC-Sparrings-Videos)
http://www.youtube.com/watch?v=gSDSs...eature=related

Herzliche Grüße an alle und einen guten Rutsch wünschend

Geändert von Security (31-12-2010 um 13:33 Uhr).
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  #15  
Alt 31-12-2010, 13:38
Benutzerbild von Joergus
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Techniktraining und Krafttraining sinnvoll mischen ? andreas222 Jeet Kune Do 6 12-12-2003 14:22



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