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Alt 03-09-2004, 17:48
Benutzerbild von Michael Kann
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Exclamation Die Burg - eher ein Statussymbol als eine waffenstarrende Festung?

Spätestens seit der Romantik hat sich das Bild festgesetzt: Burgen waren trutzige, ständig umkämpfte Wehranlagen mit Schießscharten und Zinnen, ersatzweise Kulisse für höfische Lebensart. Ein weit verbreitetes Missverständnis, hält Joachim Zeune, einer der renommiertesten Burgenforscher Deutschlands, dagegen. Viele Vorstellungen über mittelalterliche Ritterburgen gehörten ins Reich der Fantasie.

Natürlich dienten Burgen auch der Verteidigung eines Territoriums, sagt Zeune. Zunächst aber waren sie mehr oder weniger repräsentative Verwaltungs- und Wohnsitze adliger Familien. In dieser Funktion wurden sie zum Statussymbol, zur Versinnbildlichung von Macht und zum Imponiergehabe in Stein. Militärische Aspekte hätten in Wirklichkeit eine untergeordnete Rolle gespielt.


Burg Abenberg ist laut Zeune so ein Musterfall für den Mythos, der sich in den Köpfen über Ritter als Kämpferelite verfestigt hat. Wie zum Beweis taucht die alte Grafenburg in der Parzival-Dichtung auf — ausgerechnet an der Stelle, wo der Titelheld in die Gralsburg einreitet. Es wundert auch kaum noch, dass bürgerliche Burgherren in der Neuzeit eine Art Mittelalter-Fetischismus betrieben, indem sie die Anlage durch dekorative Türme erweiterten und in historischen Gewändern durch die Gemächer wandelten.


Zeune, der den früheren Amtssitz der Eichstätter Bischöfe in den 90er Jahren archäologisch untersuchte, faszinieren zwei Besonderheiten: Gut erhalten ist noch heute der Turnieranger, den einst Wolfram von Eschenbach in seinem Parzival-Epos erwähnte. Im 12. Jahrhundert fanden dort prächtige Schaukämpfe mit Volksfestcharakter statt. Nachgewiesen wurden im Burghof die Fundamente eines mächtigen Wohnturms — mit bis zu 2,5 Meter dicken Mauern einer der stattlichsten Bauten seiner Art in ganz Deutschland.


Die wechselhafte Geschichte der Grafenburg beleuchtet die Ausstellung „Bereit zu turneie unt zu strît“ auf Abenberg. Die Sonderschau begleitet die Forchheimer Landesausstellung mit dem Titel „Edel und frei. Franken im Mittelalter“.

Veranschaulicht wird die Lebenskultur der Epoche von 500 bis 1500 durch zwei weitere sehenswerte Ausstellungen in Burgen der Region: In Pappenheim geht es um „Die Reichserbmarschälle als fränkisches Adelsgeschlecht“ und Egloffstein zeichnet das Idealbild einer ritterschaftlichen Burg mit Marktort.


Die Ausstellungen im Rahmenprogramm der Forchheimer Landesschau fügen sich in den KulTour-Pfad ein, der insgesamt 45 Gemeinden in den drei fränkischen Regierungsbezirken verbindet.


Am Wegesrand liegt beispielsweise das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim, das sich dem mittelalterlichen Hausbau widmet.

Auch die Deutschordens- und Minnesängerstadt Wolframs-Eschenbach, die seit 1917 den Vornamen ihres berühmten Sohnes im Stadtnamen trägt, ist mit von der Partie.


Eine weitere Station auf der Historienreise ist der Karlsgraben bei Treuchtlingen, wo noch heute die Reste eines kanalartigen Schifffahrtswegs zwischen Altmühl und Rezat aus der Karolingerzeit zu bestaunen sind. Sehenswert im früheren Zisterzienserkloster Heilsbronn ist die Grablege der Hohenzollern.

„Franken im Mittelalter“ ist somit die größte und umfangreichste Landesausstellung, die das Haus der Bayerischen Geschichte in 20 Jahren je auf die Beine gestellt hat.

Zum KulTourpfad
Zu den Franken im Mittelalter
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  #2  
Alt 05-09-2004, 08:08
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Kampfkunst: -
 
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Standard

Die meisten Burgen des Frühmittelalters waren übrigens aus Holz. Steinburgen kamen erst später so richtig in "Mode". Nur wirklich strategisch sehr wichtige Punkte bekamen eine Steinburg. Der Bau war einfach zu aufwendig, um für jede Militärbasis oder Fürstenbleibe (Wanderkönigtum, Wanderfürstentum) eine Steinburg zu errichten. Das macht den Archäologen die Arbeit nicht gerade einfacher

Nur so nebenbei erwähnt.

PS: Eine Burg war auch eher als Fluchtort für die umliegende Bevölkerung und als Basis für militärische Aktionen gedacht. Anders sieht es bei Stadtbefestigungen aus. Später wurden sie wie zum Statussymbol, zum "Schloß." (bishin zu gewissen Geschmacksverirrungen der Neuzeit ).

Gruß
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