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| Der genuesische Stockkampf - eine Reise ins alte Genua - Am 18. März dieses Jahres fuhr ich in großer Erwartung nach Genua um die Kampfmethoden meiner Region Ligurien zu studieren. Nach mehreren langen Telefonaten überredete ich den Maestro ü Baccan mir die Ehre zu erweisen und mich in die Handhabung des genuesichen Spazierstockes (bastone corto da città) und Messers einzuführen. Des Weiteren versprach er mir einen Überblick der waffenlosen Methoden (Savate Genovese und Gambetto) und des antiken zweihändigen Stockes (bastone a due mani; Pera, circa 1450). Allgemein Genua wir im italienischen auch Zena (genuesischer Dialekt fü Genova) oder schlicht la superba (die Stolze) oder la dominante (die Dominierende) genannt. Der Name Genova leitet sich, wie auch der von Genf, von genu ab, dem Knie. Der Hafen der Stadt ist ein Naturhafen und zählt zu den größten Europas. Die historische Altstadt Genuas gilt sogar als die womöglich Größte in Europa. Als Kontrast zu den alten und schlichten Gebäuden der Altstadt stehen in der Via Garibaldi Paläste und Patrizierhäuser.Die Via Garibaldi hieß einst aufgrund ihres Reichtums Via Aurora, die goldene Straße. Wie viele andere Küstenstädte Europas hatte auch die Republik Genua eine lange kriegeriche Tradition (vor allem als Seemacht) und verfügte über Handelsabkommen mit anderen Ländern. Besonders gab es Zusammenarbeiten mit England und Spanien. Nicht umsonst nannte man die Genuesen (im Dialekt zeneixi) die Engländer Italiens. Dies aufgrund des für Italiener untypischen schnörkelfreien bzw. unaffektierten Wesens und ihrer offenen Agressivität. Der antike genuesische zweihänder Stock/ ü baccö de zena Die Geschichte des genuesischen Stockes basiert zum einen auf eben dieses agressive Wesen, zum anderen auf Pera, dem genuesischen Stadtteil von Konstantinopel. Auftrund ihrer Unterstützung bei der Rückeroberung von Konstantinopel, wurde 1273 der genuesischen Republik als Dank der Stadtteil Pera überlassen. In welchen Jahr der geneusiche Stock gegründet wurde kann nur geschätzt werden. Womöglich war es zwischen 1400 und 1450. Da es sich um eine bürgerliche Entwicklung handelt, gibt es außer einem Bericht von 1442, il ballo del bastone/ il ballo di malavita, keinerlei Hinweise bzw. Quellen. Die Genuesen sind, im Gegensatz zu ihren italienischen Nachbarn so pragmatisch, daß der alten Kampfkunst auch kein Namen vergeben wurde. Der zweihändige Stock wurde schlicht zweihändiger Stock (ital. bastone a due mani) genannt. Die Waffe bildete stets den „Namen der Kunst“. Auch fehlt dem Kampfsystem jeglicher spirituelle Aspekt, wie es z. B. bei süditalieniachen Methoden er Fall ist. Es gab und gibt auch keine Form des Grußes und keine rituelle Kleidung oder andere kleine Angewohnheiten des Menschen um ein Gruppengefühl aufkommen zu lassen. Man gibt sich schlichtwegs die Hand bzw. man zog den Hut voreinander. Der zweihändige Stock hat eine Länge von 125cm bis 150cm und einen Durchmesser von 3cm bis 3,5cm. Geführt wird er, je nach Länge und Gewicht ein- in der Regel aber zweihändig. Das verwendete Holz war und ist der cornus mas, die Kornelkische. Bei der Kornelkirsche handelt es sich um ein langfaseriges und sehr hartes und schweres Holz. Ab circa 1472 wurde in Genua der Karnevalsumzug gefeiert. Er began an der Piazza Aquaverde und fand seinen Abschluß an der Piazza San Giorgio in Banchi. Aufgrund der Agressivität der Stadtbevölkerung endete der Umzug alljählich mit Schlägereien und Duellen; wobei Tote der Regelfall waren. Die verwendeten Waffen waren Dolche, Messer und eben der genuesiche Stock. Auch schlugen die angetrunkenen Stockkämpfer mit ihren Waffen auf die Stadtwachen ein. Diese Vorkommnisse waren es auch, die um 1600 ein Verbot für das Tragen von Messer und Langstock im Stadtgebiet nachsichzogen. Der Spazierstock/ ü baccö cörtü Das Verbot veranlaßte die Bevölkerung zunächst auf den bastone a due mani zu verzichten und sich weiterhin mit dem - obwohl auch verbotenen -, Messer zu begnügen. Erzählungen nach soll um 1750 bis 1790 der soge-nannte bastone corto da città (der kurze Stadtstock) oder auch bastone da passeggio (der Spazierstock) Einzug in das bürgerliche Leben der Bevölkerung gehalten haben. Dieser Stock hat eine Länge von 90cm bis 100cm und einen Durchmesser von 1,8cm bis 2,2cm. Das für den Kampf verwendete Material war ebenfalss die Kornelkirsche. Dadurch, dass der Stock als Teil der Garderobe betrachtet wurde, ließ er sich ohne gesetztliche Beschränkungen mitführen. Die engen Gassen der Altstadt und ihre versteckten Fallen waren an der Entwicklung der Techniken, Strategien und Prinzipien maßgeblich beteiligt. So wird z. B. nicht nur dem Verhalten im Duell Stock gegen Stock, sondern auch der Verteidigung gegen Überfälle durch mehrere Personen gedacht. In der Regel haben dann einer oder auch mehrere der Angreifer einen Knüppel oder ein Messer in der Hand. Die Konzepte hierfür sind die Cüerta, die Raxea, die Röoa oder der parpagiön. Es ist auch interessant, daß ebenfalls Konzepte gegen Angriffe durch Hunde, wie z. B. das rönsa can, existieren. Die steilen und engen Gassen Genuas erforderten auch eine einfach und natürlich gehaltene Schrittarbeit. Diese Stockkampfmethode läßt ich als wuchtig, schlicht und zugleich elegant bezeichnen. Grundsätzlich wird ohne jegliche Schutzausrüstung trainiert und gekämpft. Schläge und Paraden sind einfach gehalten. Schlaghärte und –frequenz haben einen hohen Stellenwert. In erster Linie findet der Kampf im göcü largü, der weiten Distanz, statt. Die Genuesen sind der Meinung, dass es paradox sei sich eine lange Waffe zuzulgen und dann freiwillig den Nahkampf zu suchen. Sollte dieser einem jedoch durch den Gegner aufgezwungen werden, greift man auf die Prinzipien des alten zweihändigen Stockes und der alten italischen Kampfkunst Gambetto zurück. Die waffenlose Künste der Genuesen Hier wären wir auch schon bei der Überleitung zu den waffenlosen Methoden Genuas. Es handelt sich vornehmlich um das Savate Genovese und dem Gambetto. Im Jahr 1898 gelangte das ursprünglich aus Paris stammende Savate nach Genua (vermutlich über Marseille). Die genuesische Methode unterlag jedoch nicht der zunehmenden Verspotlichung. So finden sich im Savate Genovese auch Elemente des alten militärischen Chausson wieder. Nebst Tritten und Kniestößen, verfügt die Methode über Ohrfeigen und Rückhandschlägen, Hammerfäuste und Ellbogenschläge. Ebenfalles hielt die italische Kunst des Gambetto Einzug in die Stadt. Woher diese Kunst genau stammt und wann sie nach Genua gelangte ist nicht mehr nachzuvollziehen. Beim Gambetto handelt es sich rein um ein Nah-kampfsystem. Es gibt bis auf Kopfstöße keine Schläge oder Tritte. Vorwiegend versucht man die Gelenke (in erster Linie Arm-, Hand- und Schultergelenke) zu brechen und/ oder den Gegner Kopf voran auf den Asphalt zu werfen. Wohlgemerkt handelt es sich um Brüche, rotture, und nicht um Hebel. Der Knochenbrecher/ ü stöcca osse Weiterhin wuchs im alten Genua die Kurzstockmethode desfa osse (Knochenzerleger)oder auch stocca osse (Knochenbrecher) heran. Auch diese Methoden hatte keinen Namen, sondern wurde nach der verwendeten Waffe - einem mit bleigefüllter Spitze versehener Knüppel-, benannt. Sinn und Zweck dieser Methode war nicht das Duell Kurzstock gegen Kurzstock (dies war aufgrund der Wahrscheinlichkeit einer solchen Konfrontation absurd), sondern das Auseinadernehmen Unbewaffneter bzw. der Kampf gegen Messer, sollte das vorgesehen Opfer eines versteckt getragen haben. Das Messer/ ü cöltellü Zum Messerkampf kann ich leider nicht viel schreiben. Nicht aus Unwissen heraus, vielmehr weil ich mein Wort gegeben habe dieses erstmal nicht zu unterrichten und auch nicht dessen Funktion schriftlich zu erklären. Soviel kann ich jedoch sagen: Wie vom Maestro ü Baccan versprochen, bedurfte es nicht mehr als 10 Minuten meiner Zeit um die Methode zu erlernen und sie ist schlicht und tödlich. In der Hoffnung einen kleinen Einblick in die Methoden meiner Heimat Ligurien, insbesondere denen Genuas gegeben zu haben, bedanke ich mich bei euch für das interessierte Lesen. Ciao Roberto Geändert von roberto (22-03-2006 um 17:29 Uhr). |
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| Und ab wann und wo unterrichtest Du das? |
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| Zitat:
![]() Ciao Roberto |
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| Hallo Roberto! Mille Grazie für diesen Bericht! Gruß, Jörg
__________________ Es wird zuviel erzählt von zu wenig Erlebtem |
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#5
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| Du musst den Stock noch ein wenig üben? Naja, bis Samstag hast Zeit Der Bericht macht Apetit auf mehr und ich bin schon gespannt wie ein Flitzebogen. da Chris
__________________ Es geht nicht darum, zu gewinnen oder zu verlieren. Sondern darum, den Gegner zu demütigen! Zitat: Hägar der Wikinger |
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#6
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| Puh, wie immer äusserst fesselnd, das macht echt Lust drauf, das Ganze in Aktion zu sehen! Super Bericht, Roberto! ![]() |
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#7
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| Das hört sich mal geil an ! Sofern das auch alles seinen Sinn hat und wirkungsvoll ist. Würd sehr gern mal in sowas reinschnuppern. |
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#8
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| Zitat:
Persönlich liegt Es mir sehr und deshalb kann ich es für mich als sehr effektiv bezeichnen. Das darf aber nie der primäre Hintergrund für den eigenen Weg sein. Frei nach dem Motto: "... das Auge ißt mit!", sollte eine Kampfkunst, das gilt jetzt für meine Auffassung, gediegen und elegant sein. Zudem steht für mich die Authentizität im Vordergrund. Es ist mir eine Ehre entlang der Spuren meiner Ahnen wandern zu dürfen. @all Ich habe gestern Abend noch mit ü Baccan telefoniert und erfahren, daß es kurze Berichte aus dem 19. Jahrhudert geben soll, die Beyle (besser bekannt als Stendhal) während einer Italienreise verfasst haben soll. Dieser beschreibt u. a. eine Verteidigung mit dem Stock durch den Marchese/ Marquis Durazzo Pallavicini, welcher er selbst in Begleitung von Alexandre Dumas (Vater) beiwohnen durfte. Der letzte Grande Maestro des genuesischen Stockes war Lazzaro Delfino. Mehr gibt es bis Dato leider nicht an Aufzeichnungen zu finden. Ciao Roberto |
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| Zitat:
Guckst du hier: http://web.tiscali.it/canneitaliana/ Gruß Stefan |
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| Zitat:
*** EDIT *** bitte nicht falsch verstehen, Manusardi hat sehr wohl mit Delfino trainiert. Seine Ausrichtung , also seine Entscheidung bzw. das was er gesehen hat und wie er es aufgefasst hat, sind eben fechterischer als das was ich sehen durfte*** EDIT *** Der genuesische kurze Straßenstock oder gar der zweihändige Stock sind stattdessen weniger fechterischer Natur. Bei beiden handelt es sich in erster Linie um Schlagsysteme mit Schlägen, Guards und Paraden, die, da der Stock eben in Funktion und Material nicht dem Schwert gleicht, vom klassischen Fechten abweichen. Ein alter genuesischer Satz in diesen bezug ist: " ... ü baccö ü nu là ne fii ne punta, ü nu bögia ne ü tagia." ("ein Stock hat weder Schneide noch Spitze, drum sticht (hier ist der durchdringende Stich gemeint) und schneidet er auch nicht.") Ciao Roberto Geändert von roberto (23-03-2006 um 16:18 Uhr). |
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#11
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| Wie gesagt, freu mich schon auf Samstag! Mhhh.. Bewegungsmotoriken.. hoffentlich kann ich Körpergustl mich noch halbwegs elegant bewegen Nur eine Anmerkung habe ich, wieso zum Teufel, ist bei den meisten ital. Seiten, die engl. Übersetzung immer "under construction" ![]()
__________________ Es geht nicht darum, zu gewinnen oder zu verlieren. Sondern darum, den Gegner zu demütigen! Zitat: Hägar der Wikinger |
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#12
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| Zitat:
Es ist aber eine Tatsache, daß die meißten Italiener sehr schlecht englisch können ... falls überhaupt. Französisch und spanisch ist bei uns gängiger. Zudem können sehr viele Leute noch die alten Dialekte. Roberto |
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| Zitat:
![]() Roberto |
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#14
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| Zitat:
Na ja... |
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#15
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| Hm... bistn lustiger Bursche was.. hast wohl gerade nen Clown gefrühstückt! Bevor du hier im Board so ein tamtam anschlägst, setz dich doch mit Roberto selbst in Verbindung und informiere dich. Könnte kotzen, bei solchen Menschen wie du es bist. In diesem Sinne ![]()
__________________ Es geht nicht darum, zu gewinnen oder zu verlieren. Sondern darum, den Gegner zu demütigen! Zitat: Hägar der Wikinger |
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