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  #76  
Alt 13-03-2011, 15:56
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Kampfkunst: Ip/snake-Style TaiChiChuan
 
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Zitat:
Zitat von Richard22 Beitrag anzeigen
Alle Taijibegriffe sind seit hunderten von Jahren definert, Ru.

Niemand bezweifelt, daß Taiji ein Konzept ist, niemand hält es für eine Ansammlung von Techniken.

Es gibt auch keine Taiji-Stile. Das Taiji ansich ist Stilfrei. Es gab Familien, die sich eine Überlieferung aufgebaut hatten (und haben). Das ist nicht daselbe. Ein Prinzip kann keinen Stil haben. Das können nur Systeme, also willkürliche Anordnungen.

Fühlen ist das versteckte Wort, 100%.

Gegensatz ist nicht immer eine Negation. Es gibt Gegensätze, die sich negieren und damit aufheben, also plus 1 und minus 1 gleich null. Andere Gegensätze ergeben aber zusammen ein Ganzes, also einhalb plus einhalb gleich Eins. In der Lehre der Fünf Elemente sind das die Kreisläufe von Erschaffung und Zerstörung.

Aber wie getippt, Taiji und Liechtenauer haben ähnliche Wirkungen, aber nicht dieselbe Metaphysik.

Indes ist die Gleichzeitigkeit von Band und Treffer. Das ist ein Bereich, in dem Haptik und Optik proaktiv zusammen arbeiten.

Fechtergruß
Hallo R

Ich denke auch, es gibt nur ein Taiji und ich denke die verschiedenen Interpretation und Tradierungen durch die einzelnen Familien beschreiben entweder nur verschiedene Aspekte oder sind abhängig vom "erlebten Verständnis". Wie dem auch sei.

Nein Gegensätze sind nicht immer Ausschlüsse.

Gleichzeitig von Treffer und Band. Ermöglicht durch Fühlen.
Also keine Abwehr und dann "langes Gerangel" - so stelle ich es mir laienhaft vor. Auf YT habe ich natürlich Anwendung gesehen, habe bei deinen Worten aber eine Vorstellung, wie es bei Meistern aussah.

In gewisser Weise dem Konzept aus dem Taijiquan ähnlich! das ein Kontakt zugleich Abwehr als Entwurzelung ist (und insofern der Eingang zu weiteren Anwendungen).

Liechtenauer bezog sich aber nicht nur auf das lange Schwert, oder?
Ich frage mich dann, wie diese Idee beim Ringen aussah ...

Und die 5 Haue sind dann so etwas Kardinalstechniken, welche den Prinzipien nahe kommen oder "Lehrstücke", die die 5,6 Wörter am besten erleben lassen?

Auf jedenfall werde ich nicht dümmer vom Austausch.

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"bewegte Prinzipien" http://meinehp.com/bewegen/

Geändert von rudongshe (13-03-2011 um 16:46 Uhr).
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  #77  
Alt 13-03-2011, 17:11
Moderator
Kampfkunst: Liechtenauer, Taijiquan & komisches Zeug
 
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Zitat:
Zitat von rudongshe Beitrag anzeigen
Liechtenauer bezog sich aber nicht nur auf das lange Schwert, oder?
Ich frage mich dann, wie diese Idee beim Ringen aussah ...
Die von Liechtenauer übermittelten Ringtechniken fussen auf den gleichen Prinzipien. Die Ringtechniken selbst lassen sich übrigens prima in einem minimal veränderten Push Hands üben.

Zitat:
Zitat von rudongshe Beitrag anzeigen
Und die 5 Haue sind dann so etwas Kardinalstechniken, welche den Prinzipien nahe kommen oder "Lehrstücke", die die 5,6 Wörter am besten erleben lassen?
Die 5 Haue sind tatsächlich DIE Kardinalstechniken welche ohne die 5 Worte nicht umzusetzen sind. Angeschlossen an die 5 Haue sind allerdings verschiedene Techniken, die in den späteren Quellen ab und zu durchaus Lehrcharakter haben. Im Grunde genommen sind es die wichtigsten Lösungen, die zuerst genannt werden, danach kommen dann die technisch anspruchsvolleren Lösungen, die eben besonders Fühlen/Indes schulen.

Gruss, Thomas
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Der Gott, der Eisen wachsen ließ / der wollte keine Knechte
Drum gab er Säbel Schwert und Spieß / dem Mann in seine Rechte
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  #78  
Alt 13-03-2011, 18:03
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Kampfkunst: Ip/snake-Style TaiChiChuan
 
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Zitat:
Zitat von T. Stoeppler Beitrag anzeigen
Die von Liechtenauer übermittelten Ringtechniken fussen auf den gleichen Prinzipien. Die Ringtechniken selbst lassen sich übrigens prima in einem minimal veränderten Push Hands üben.


Die 5 Haue sind tatsächlich DIE Kardinalstechniken welche ohne die 5 Worte nicht umzusetzen sind. Angeschlossen an die 5 Haue sind allerdings verschiedene Techniken, die in den späteren Quellen ab und zu durchaus Lehrcharakter haben. Im Grunde genommen sind es die wichtigsten Lösungen, die zuerst genannt werden, danach kommen dann die technisch anspruchsvolleren Lösungen, die eben besonders Fühlen/Indes schulen.

Gruss, Thomas

Klingt alles sehr spannend
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  #79  
Alt 13-03-2011, 18:36
Benutzerbild von Richard22
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Kampfkunst: Historisches Fechten, Taiji, Ing Un, To Te
 
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Beiträge: 451
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Ist spannend, sonst würden nicht langjährige KK'ler wie Jörg, Jens, Thomas sowie meine Wenigkeit ständig weiter dran forschen.

Die Schiebenden Hände und klebenden Speere sind ein Konzept, das historisch auf Chen Wangting (1597-1664) zurückgeht. Es ist aber auch möglich, daß Wangting es nur war, der dies zuerst schriftlich fixierte.

Man darf nicht vergessen, in China ist der Krieger extrem niedrig angesehen ist und etwa, gesellschaftlich gesehen, auf der Stufe des Mörders rangiert. Bei uns war das genau anderes herum, Milites Christi usw, Herren waren Krieger. Die gehobenen Krieger waren nicht selten Adelige bei uns. Selbst Berufspreister haben bei uns gefochten.

Im Chen Jian Fechten ist viel Fechten der Ming-Zeit (1368-1644) überliefert, aus dem der Gebrauch des Jian als Gefechtsfeldwaffe fußt (nach der Ming-Zeit ist, vereinfacht getippt, der Dao eher populär) welche ein sehr einfaches Modell für das Fechten aus dem Band postuliert.

Wir Europäer können Fechten aus dem Band, systematisch, auf das I33 zurückführen, was auf 1270-1320 datiert wird.

Wir haben dafür Belege.

Ach ja, schiebende Hände:

Dieses Konzept wird leider, leider von vielen Taiji Übenden nicht so richtig aufgefaßt, fürchte ich.

Taiji ist ein Quan, ein Faustkampfsystem. Rumschubsen, oft "Entwurzeln" genannt, kommt da eigentlich nicht viel vor. Aber, wenn ich meinen Übungsparter bei jeder Übung totschlage, dann habe ich nicht viel Freude im Leben.

Wenn ich also dieselbe Energie, aus demselben Winkel und derselben Entfernung anstatt als Fauststoß in den Hals als "Entwurzeln" üben kann, dann ist das ein Zugewinn. Aber das "Entwurzeln" ist dann nur ein Substitut für das physische Zerstören des Gegners, nicht die Anwendung selber.

Die Schiebende Hände sind eignetlich ein extrem anspruchsvolles Konzept, um aus der Trittentfernung in die Faustkampfentfernung zu kommen, nicht eine Übung, um Schubsen zu lernen. Wie bei Liechtenauer versuchen die Schiebenden Hände ständig eine Übermachtsposition in der Flanke des Gegners zu gewinnen.

Wenn man sich das Historische Ringen ansieht, z. B. Liechtenauers Ringen, dann wird klar, das es bei hier eher um das physische Zerstören des Gegners geht, nicht um griechisch-römisches Ringen. Ganz gleich im Taiji, die Stücke sind auf das physische Zerstören des Gegners ausgelegt, nicht auf Fassen, Schubsen und Werfen.

Fechtergruß
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Jung Ritter lere / got lip haben frawen io ere / So wechst dein ere - stahlaufstahl.de

Geändert von Richard22 (13-03-2011 um 18:41 Uhr).
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  #80  
Alt 13-03-2011, 18:49
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Kampfkunst: Ip/snake-Style TaiChiChuan
 
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Beiträge: 1.007
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Zitat:
Zitat von Richard22 Beitrag anzeigen
Ach ja, schiebende Hände:

Dieses Konzept wird leider, leider von vielen Taiji Übenden nicht so richtig aufgefaßt, fürchte ich.

Taiji ist ein Quan, ein Faustkampfsystem. Rumschubsen, oft "Entwurzeln" genannt, kommt da eigentlich nicht viel vor. Aber, wenn ich meinen Übungsparter bei jeder Übung totschlage, dann habe ich nicht viel Freude im Leben.

Wenn ich also dieselbe Energie, aus demselben Winkel und derselben Entfernung anstatt als Fauststoß in den Hals als "Entwurzeln" üben kann, dann ist das ein Zugewinn. Aber das "Entwurzeln" ist dann nur ein Substitut für das physische Zerstören des Gegners, nicht die Anwendung selber.

Die Schiebende Hände sind eignetlich ein extrem anspruchsvolles Konzept, um aus der Trittentfernung in die Faustkampfentfernung zu kommen, nicht eine Übung, um Schubsen zu lernen. Wie bei Liechtenauer versuchen die Schiebenden Hände ständig eine Übermachtsposition in der Flanke des Gegners zu gewinnen.
Das Forschen war für mich auch im Taijiquan ein wichtiges Thema, Konzepte verstehen, die alten Texte (wenn auch oft schlöecht übersetzt) lesen und ggf. probieren.

Aus meiner Sicht hat Tui Shou mehrere Dimensionen.
Fühlen und Ableiten - aber aus meiner Sicht als Schulung für den Moment des Kontaktes den besten Weg für die eigene Kraft herauszufiltern.
Steter Aufbau "innerer" Kraft durch Einsatz der Grundbewegung mit angepasstem Gegendruck

Das Entwurzeln ist schon ein Ziel, und zwar gepaart mit der Abwehr oder Kontaktaufnahme. In der Form gehen vielen Boxtechniken erst Entwurzelungen voraus.

Das Entwurzeln war aber nur der Einstieg in den alten Tagen, um dann Schluss zu machen. Also kein Selbstzweck.
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Geändert von rudongshe (13-03-2011 um 18:52 Uhr).
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