Kampfkunst-Board

Zurück   Kampfkunst-Board > Kampfkünste / Kampfsportarten > Karate, Kobudō

Karate, Kobudō Alles über die Kampfkünste von Okinawa



Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen Ansicht
  #31  
Alt 14-02-2017, 02:20
Benutzerbild von Simfried
KKB-Userstatus: Beginner
Kampfkunst: Ringen und Boxen
 
Registrierungsdatum: 16.10.2016
Beiträge: 17
Standard

Zitat:
Zitat von Huangshan Beitrag anzeigen

Natürlich nicht, denn Karate(Tang/China Hand) hat nur minimal was mit chin.Quanfa/Kuenfat gemeinsam wie es einige behaupten.


"Back to the roots" hilft oft Zusammenhänge zu verstehen.
"Nach Altem forschen heißt das Neue verstehen."
Gichi Funakoshi

Ich selbst betreibe in keinem Verein eines der Okinawa-Te's aber interessiere mich sehr dafür. Die Geschichte Okinawas ist für mich besonders spannend - Geschichte allgemein finde ich interessant, was wohl dazu führt, dass einige meiner posts ins politische abdriften, da sich viele Themenbereiche überschneiden und Geschichte auch immer Politik von damals wiederspiegelt. Im Fall des Okinawa-Te eine ganz besondere Geschichte. Back to the roots, wie von dir verstanden, würde aber die Eigenheit, den Charakter der Okinawa-Te's nehmen. Ich bin da bei eurer Meinung, dass gewisse Dinge in den heutigen Nachfahren der Okinawa-Te's im Grunde genommen anders zu verstehen sind aber diese Dinge sind nicht in der Mehrheit, was die Kampfkünste Okinawas ausmachten. Sie sind über Jahrhunderte durch Blut und Schweiß zu dem geworden, was sie so berühmt machte und worüber die Japaner so staunten. Das sollte man nicht einfach so wegwerfen nur weil einige wenige Dinge heute falsch verstanden werden bzw. eben gewisse Linien der alten Okinawa-Familien ihre geheimen Auffassungen und Anwendungen nicht an den Pöbel weitergaben. Was man meiner Meinung nach tun sollte, ist, gewisse Dinge wieder richtig stellen und die Okinawa-Te's noch stärker machen als sie eigentlich schon sind...

"Du magst lange, lange Zeit üben, aber wenn Du nur Deine Hände und Füße bewegst und auf und ab hüpfst wie eine Marionette, dann ist das Karate-Studium nicht viel anders als das Tanzen lernen. Du wirst nie zum Kern der Dinge vordringen. Du wirst die Quintessenz von Karate-Do nicht begriffen haben."
Gichi Funakoshi

Ich selbst bin wahrscheinlich noch nicht so lange mit diesem Thema in Kontakt, wie die meisten von euch, daher bin ich für jeden Post, der weiteres Wissen und Erkenntnis auf diesem Forum über die Kampfkünste Okinawas dankbar. Keep writing
__________________
Si vis pacem para bellum
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
Werbung
  #32  
Alt 14-02-2017, 02:28
Benutzerbild von Simfried
KKB-Userstatus: Beginner
Kampfkunst: Ringen und Boxen
 
Registrierungsdatum: 16.10.2016
Beiträge: 17
Standard

Zitat:
Zitat von Gibukai Beitrag anzeigen
Ich bitte darum, bei Interesse dort nachzuschlagen. Das ist sehr viel sinnvoller/umfassender, als wenn ich hier immer nur knappe Antworten gebe …
Gibt es denn ein pdf-file im Netz davon? Oder muss ich mir erst das Buchen kaufen um mit dir diskutieren/mich unterhalten zu können?
__________________
Si vis pacem para bellum
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #33  
Alt 14-02-2017, 04:22
Gast
Gast
Kampfkunst:
 
Beiträge: n/a
Standard

Zitat:
Zitat von kanken Beitrag anzeigen
Sei froh das mir Paul sehr wohl "Werte" vermittelt...
Ohne die "Werte"-Vermittlung von Paul würdest Du aufgrund des Posts von WulongCha nun was genau machen?
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #34  
Alt 14-02-2017, 09:05
KKB-Userstatus: Advanced
Kampfkunst: -
 
Registrierungsdatum: 19.08.2007
Beiträge: 691
Standard Nachfrage

Hallo Simfried,

danke für Deine Nachfrage! Meine Bücher gibt es nicht als kostenlose PDFs. Bei Interesse findest Du aber PDFs mit Inhaltsverzeichnissen und Buchbesprechungen hier:

https://www.gibukai.de/buch-shop/kar...st-hoplologie/ (das Buch mit dem Kapitel über die verschiedenen Namen für Kampfkunst aus Ryūkyū)

https://www.gibukai.de/buch-shop/shō...hungen-band-i/
(das Buch mit den Hintergründen über Naihanchi/Tekki)

https://www.gibukai.de/buch-shop/shō...ungen-band-ii/

Eine Online-Rezension findest Du hier:

Karate Ky?han - Was die alten Meister wußten! | Buchrezension Sh?t?kan Band I und II von Henning Wittwer

Ganz allgemein bin ich immer gerne bereit, auf Fragen einzugehen. Allerdings kenne ich hier im Forum auch den ein oder anderen User, von dem ich mittlerweile weiß, dass jedweder Erklärungsversuch absolut sinnlos ist. Verstehe bitte, dass ich in so einem Fall keine Zeit mehr verschwende.

Grüße,

Henning Wittwer
__________________
www.gibukai.de
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #35  
Alt 14-02-2017, 09:15
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: HEMA, Karate (inaktiv)
 
Registrierungsdatum: 24.01.2014
Alter: 32
Beiträge: 1.858
Standard

Gibukai Danke für deine wie immer sehr interessanten Ausführungen.


@Kanken und WulongCha So sehr ich eure Beträge auch schätze, könnt ihr das mit den Werten bitte per PN klären, falls es überhaupt noch was zu klären gibt.

Wäre schade, wenn der interessante Thread hier zu sehr ins OT geraten würde.

@Panzerknacker

Zitat:
Zitat von panzerknacker Beitrag anzeigen
ist abgesehen davon ist es durchaus üblich, seinen Schülern nicht alles vorzukauen,
so daß sie gezwungen sind, selbst zu entdecken, bzw. die Schüler zu finden,
die qualifizierte Fragen stellen

Bücher und Videos als Informationsquelle per se als Humbug zu bezeichnen ist ja wohl albern
Dazu würde sagen Ja und Nein.

Es kommt auf die Kampfkunst an. Auf HEMA trifft das jeden Fall zu. Da wird man als Schüler zum forschen angeregt und es läuft vieles über Trial and Error.

Bei "tradionellen" asiatischen Kampfkünsten kann das nicht immer so laufen. Zumindest im Karate wie ich es kennenlernen dürfte, war das eher mehr ein Frontalunterricht wie in der Schule, wo man sich strikt an den Lehrplan gehalten hat.

Zumindest in den unteren Stufen. Ob Danträger zum Forschen angeregt werden kann ich nicht sagen. So weit bin ich nie gekommen. War nur ein Gelbgurt als sich unsere Karate Gruppe leider aufgelöst hat.

Und möchte mich auch nicht auf Karate im allgemeinen beziehen. Das kann je nach Gruppe wohl unterschiedlich laufen. Schrieb nur von meinen begrenzten Erfahrungen in einer Trainingsgruppe in der großen (Mainstream) Karate Welt.

Geändert von karate_Fan (14-02-2017 um 09:22 Uhr).
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #36  
Alt 14-02-2017, 09:37
Benutzerbild von Huangshan
Moderator
Kampfkunst: 長拳-
 
Registrierungsdatum: 15.09.2013
Beiträge: 2.134
Standard

Simfried:

Will die Leistung einiger Okinawa-Te/Karate Stilgründer,Lehrer nicht schmälern.

Wäre es nicht interessant, wie einige Stilgründer,Lehrer von den Ryukyu Inseln es Früher praktiziert haben, chinesische Stile die Karate beeinflusst haben zu studieren um ein tieferes Verständniss,Wissen... zu erlangen?

Zurück zu den Wurzeln um die eigene Karate Strömung vielleicht besser zu verstehen.

https://www.youtube.com/watch?v=mWh-uhw4C9s

https://www.youtube.com/watch?v=UXXMGfoGBgM

https://www.youtube.com/watch?v=wjepvptTZ9s


etc.

PS:
Will keinen belehren sondern nur mögliche Wege aufzeigen.


Gruss
Huangshan

Geändert von Huangshan (14-02-2017 um 10:09 Uhr).
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #37  
Alt 14-02-2017, 09:41
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: Karatedo
 
Registrierungsdatum: 20.03.2008
Beiträge: 2.167
Standard

Missing Link Karate | Researching the roots of Karate-Dô
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #38  
Alt 14-02-2017, 09:45
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: HEMA, Karate (inaktiv)
 
Registrierungsdatum: 24.01.2014
Alter: 32
Beiträge: 1.858
Standard

Zitat:
Zitat von Huangshan Beitrag anzeigen
Simfried:

Will die Leistung einiger Okinawa-Te/Karate Stilgründer,Lehrer nicht schmälern.

Wäre es nicht interessant, wie einige Stilgründer,Lehrer von den Ryukyu Inseln es Früher praktiziert haben, chinesische Stile die Karate beeinflusst haben zu studieren um ein tieferes Wissen zu erlangen?

Zurück zu den Wurzeln um die eigene Karate Strömung vielleicht besser zu verstehen.

Gruss
Huangshan

Meiner bescheidenen Meinung nach wäre das sehr interessant um vielleicht Karate als vollständige Kampfkunst zu begreifen, da manche Elemente in manchen Karate Strömungen stiefmütterlich behandelt werden.

Frage mich aber auch wie weit sich Karate vom chinesischen Ursprung entfernt hat? Ist es wirklich nur eine okinawasierte Form von chinesischen Quanfa Methoden oder hat sich draus mittlerweile etwas eigenständiges entwickelt?

Falls es eine eigenständige Entwicklung gab muss man sich Fragen was man möchte? Wenn man Back to the roots möchte sollte man sich unbedingt nach den chinesischen Ursprungstilen umgucken, aber möchte man Karate heute besser verstehen, dann sollte man sich eher mit den heutigen Experten des modernen Karate beschäftigen???

Was meint ihr? Eine sinnvolle Denkweise oder eher nicht?
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #39  
Alt 14-02-2017, 12:39
Benutzerbild von Nagare
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: -
 
Registrierungsdatum: 13.06.2007
Beiträge: 1.419
Standard

Zitat:
Zitat von karate_Fan Beitrag anzeigen
[...]
Ist es wirklich nur eine okinawasierte Form von chinesischen Quanfa Methoden oder hat sich draus mittlerweile etwas eigenständiges entwickelt?

Falls es eine eigenständige Entwicklung gab muss man sich Fragen was man möchte? Wenn man Back to the roots möchte sollte man sich unbedingt nach den chinesischen Ursprungstilen umgucken, [...]?
Mal meine Perspektive auf Deine Fragen:
Okinawa ist eine Insel die vielen Einflüssen von Außerhalb ausgesetzt war. Ein guter Freund von mir (Sprachwissenschaftler mit Schwerpunkt philippinische Sprache(n)) hat mir anhand der Inselgruppen im Süd-Ostasiatischen Raum dank seiner Sprachkenntnisse (Chinesisch, Spanisch, Tagalog, Englisch, Französisch, Deutsch - beherrscht er in der Tat alles fließend ) und historischen Quellen aufzeigen können, wie umtriebig doch die Seefahrer/Seenomaden in diesem Raum waren. Solche Inseln wie Okinawa bilden aufgrund ihrer einmaligen Geschichte eine Synergie neuartiger/eigenartiger "kultureller Erzeugnisse". Möchte man diese verstehen, sollte man natürlich möglichst alle Einflüsse mit ihren Konsequenzen nachvollziehen. Da ist sicherlich Forschungsarbeit gefragt! Die kulturellen Erzeugnisse als "(minderwertige) Kopie" südchinesischer Lebensart und Praxis abzutun würde definitiv zu kurz greifen. Denn für Handel und Militär war der okinawanische Stützpunkt sehr umkämpft - auch Seefahrer aus Süd-Ostasien landeten an dieser Küste!
Analog dazu, wie sich Kulturgüter und kulturspezifisches Wissen in einem einzigartigen (historisch-soziokulturellen-)synergetischen Prozess entwickeln könnte man - um nur mal die Prinzipien solcher Vorgänge zu veranschaulichen - z. B. die Bedeutung der Karawansereien anschauen. Es gibt viele Beispiele in der Menscheitsgeschichte, an denen deutlich wird, dass sich die Dinge nicht so simpel untergliedern lassen wie gerne (aufgrund des menschlichen Strebens nach "einfachen Lösungen") gewünscht.

Der Forum-Tradition wegen: Just my 2 Cents
__________________
Man kann Energie investieren, darum zu kämpfen, dass alles so bleibt wie es ist oder um sich Neuem zuzuwenden. Ich jedenfalls werde keine Energie investieren, um dem Pferd von Buddha zu erzählen.
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #40  
Alt 14-02-2017, 12:44
Benutzerbild von Simfried
KKB-Userstatus: Beginner
Kampfkunst: Ringen und Boxen
 
Registrierungsdatum: 16.10.2016
Beiträge: 17
Standard

Ist das mit dem "chinesischen" "Ursprung" eigentlich nur eine Theorie aufgrund weniger und nur einzelner Katas, die "chinesischen" Formen ähnlich sind oder gibt es dort schriftlich dokumentierte Fakten und so gut wie jede der damaligen Katas aus den Okinawa-Te's ist in China schon vorher existent gewesen? Und wie sieht es mit den Waffen aus, womit die Unterschicht trainiert hat? Z.B. die Nun-chakus, welche in der BRD verboten sind. Gab es die vorher in "China"? (hieß überhaupt eines der damaligen Königreiche "China"? Weil Menschen sagten ja, dass Karate chinesische Hand bedeutete... Ich las aber auch etwas von Tang...
__________________
Si vis pacem para bellum
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #41  
Alt 14-02-2017, 13:56
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: HEMA, Karate (inaktiv)
 
Registrierungsdatum: 24.01.2014
Alter: 32
Beiträge: 1.858
Standard

Simfried Ryūkyū war lange ein Tributstaat von China, und es gab einen regulären Kulturrellen Austausch.

Es sind auch manche Karate Lehrer nach China gegangen um sicha ausbilden zu lassen.Higaonna Kanryō wäre dafür ein berühmtes Beispiel.

Andere Leute hier wissen noch 1000 mal mehr darüber ich, mal schauen was die schreiben.

Das war nur eine extrem vereinfachte Darstellung.


Nagare Danke für deinen Input.

Geändert von karate_Fan (14-02-2017 um 14:03 Uhr).
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #42  
Alt 14-02-2017, 17:06
KKB-Userstatus: Advanced
Kampfkunst: -
 
Registrierungsdatum: 19.08.2007
Beiträge: 691
Standard

Hallo,

auf gar keinen Fall stammen alle heute bekannten Kata ursprünglich aus China. Ebenso wenig stammen schlicht „alle“ Übungsmethoden bzw. Ideen aus China. Nur, und das ist das große Problem, um solche Dinge wirklich nachvollziehen zu können, bedarf es

(1) Quellenkenntnis und
(2) der Fähigkeit und/oder dem Willen zum differenzierten Betrachten.

Beides ist bei einigen Leuten nicht oder nur bedingt vorhanden. In diesem Sinn ein weiterer Versuch von mir. Was ich hier allgemein über die „Unterrichtssprache“ schreibe, kann auf den Unterricht und seine Inhalte übertragen werden:

Zitat:
Hallo,

oben gab es Nachfragen, auf die ich kurz eingehen möchte. „Karate-Prinzipien“ als solche unterscheiden sich bereits von Schulrichtung zu Schulrichtung, von Übertragungslinie zu Übertragungslinie und oft auch von Person zu Person. D. h. es gibt schon mal keine „einheitlichen“ „Karate-Prinzipien“. Manchmal werden von unterschiedlichen Leuten gleiche Begriffe für verschiedene „Karate-Prinzipien“ verwendet; manchmal werden ähnliche oder gleiche „Karate-Prinzipien“ von unterschiedlichen Leuten mit verschiedenen Begriffen erklärt. Mit diesem Wissen im Hinterkopf wird deutlich, dass eben nicht jeder Karate-Anhänger über dasselbe Wissen verfügt und dementsprechend auch keine „anerkannte“ Übersetzung zu „Karate-Prinzipien“ existiert.

Zur Problematik der Sprache müsste ich viel weiter ausholen, fasse mich aber kurz. Die ersten bekannten Texte über Karate wurden in japanischer Sprache verfasst (teilweise handschriftlich) und weisen u. a. auch einen starken Einfluss durch (vereinfacht) „japanische Budō-Ideologie“ auf. Tatsächlich sind z. B. die wesentlichen kämpferischen Erläuterungen von S. Matumura (19. Jhd.) eindeutig Spiegelbilder japanischer Traktate. Seine philosophischen/moralischen Lehren stammen dagegen aus chinesischen Quellen, wurden aber teilweise der damaligen japanischen Denkweise angepasst. Kultivierte Einwohner Ryūkyūs beschäftigten sich mit japanischer und chinesischer Sprache neben denen sie dazu noch Okinawanisch (ihre Heimatsprache bzw. ihren Heimatdialekt) sprachen. Diese drei großen kulturellen Einflüsse betreffen nicht nur die Sprache sondern auch die Kampfkunst jener Region.

G. Funakoshi (1868–1957) z. B. erhielt auf verschiedene Weise Kampfkunst betreffenden Unterricht in allen drei dieser Sprachen. Und er veröffentlichte Kampfkunst betreffende Texte in denen er alle drei dieser Sprachen nutzt (hautsächlich natürlich Japanisch). Mein Karate-Lehrer bekam voriges Jahr in Okinawa von einem okinawanischen Lehrer aus der Linie von C. Chibana (1885–1969) u. a. gesagt, dass „früher“ Kata-Namen nicht benutzt worden wären. Diese Aussage stimmt bedingt, weil durchaus Texte von „früher“ existieren, in denen Kata-Namen genannt werden. Sie zeigt aber deutlich, dass Sprache bzw. das gesprochene Wort im Karate-Unterricht einiger Adepten nicht unbedingt als überragend wichtig erachtet wurde. Oder einfacher: einige nutzten Sprache mehr, andere weniger. Um 1900 herum wurde durch die japanische Regierung der Gebrauch lokaler Mundarten an öffentlichen Schulen des Landes verboten, was auch in der Präfektur Okinawa dazu führte, dass Okinawanisch unterdrückt wurde. Das wirkte sich auch auf den Unterricht bzw. die Unterrichtssprache einiger Karate-Lehrer aus, die dann eher Japanisch nutzten. Mehr dazu schreibe ich in meinem Hoplo-Buch (S. 75 ff.).

D. h. Okinawanisch war schon vor über 100 Jahren nur begrenzt Unterrichtssprache im Karate, auch wenn es nie völlig verdrängt wurde. In den letzten Jahren gibt es interessanter Weise Bemühungen von einigen Leuten, Okinawanisch als „authentische“ Unterrichtssprache des Karate zu etablieren. Interessant dabei ist, dass dies nicht natürlich geschieht (d. h. okinawanische Lehrer, die nur auf Japanisch unterrichteten, fangen von sich aus an, mehr Okinawanisch zu nutzen), sondern künstlich durch Druck/Anreize von außen. Eine dieser künstlichen Maßnahmen geht vom Tourismus aus. In Kürze wird in Okinawa ein größeres Karate-Zentrum eröffnet, das Okinawa verstärkt als Wiege des weltweiten Karate in den Blickpunkt rücken (und damit Karate-Touristen anlocken) soll. In diesem Zusammenhang erscheint ein Buch, an dem ich mitwirke. Als ich diese „Einladung“ bekam, war meine erste Frage, warum die okinawanischen Fachleute es nicht selbst herausbringen. Hauptsächlich bekam ich dann die Einschränkung, G. Funakoshis Werdegang in Okinawa zu skizzieren, aber sein Leben in Japan nur kurz zu erwähnen. Eigentlich hätte ich da ablehnen sollen, weil es die häufig im Karate anzutreffende Kleinkariertheit und Voreingenommenheit, die ich wirklich verachte, unterstützt. Eine zweite künstliche Maßnahme geht von einigen abendländischen „Fachleuten“ aus, die anfingen, alle möglichen okinawanischen Begriffe aus verschiedenen Quellen aufzulisten und als „Karate-Ursprache“ zu präsentieren. Diese Leute versuchen sich auf diese Weise „authentischer“ zu verkaufen, auch wenn ihr eigenes Karate kaum über Mittelmaß hinausgeht. Also nicht alles, was heute „traditionell“ erscheint, ist tatsächlich ununterbrochen und schon immer so. Manche „traditionellen“ Sachen, wie Okinawanisch als „einzige“ und „traditionelle“ Unterrichtssprache des Karate, müssen also differenziert betrachtet werden …

Das, was an Karate-Begriffen Ende der 1950er Jahre zuerst in Deutschland ankam, waren dann zunächst erstmal deutsche Übersetzungen von französischen und/oder englischen Übersetzungsversuchen japanischer Karate-Begriffe, da der erste Schwung an Unterricht von Frankreich aus nach Deutschland schwappte und die französischen Quellen anfangs aus Japan stammten. Dass dabei großes sprachliches Wirrwarr herrschte, kann ich mit Hilfe früher französischer Artikel belegen. In deutscher Fassung wurde das nicht besser …

„Chinesische Hand“ war nur eine von fast dreißig Begriffen, die für Kampfkunst in Okinawa genutzt worden sind ...

Grüße,

Henning Wittwer
(Kuden, G. Higaki (alte Karate-News-Artikel))

Zudem muss ganz klar festgehalten werden, dass tatsächlich aus China stammende Kampfkunst quasi immer in Okinawa verändert bzw. angepasst worden ist. Z. B. gilt Uechi-Ryū als „sehr chinesisch“. Dennoch hat sein Gründer die von ihm gelernte „chinesische“ Kampfkunst verändert:

https://www.gibukai.de/2017/02/09/ue...boxen-um-1900/

Eines der beiden Hauptprobleme ist mangelnde Quellenkenntnis. Aus dieser seltenen (!) frühen Quelle geht eindeutig hervor, dass K. Uechi seine „chinesische“ Kampfkunst veränderte. Das ist also eine Tatsache. Doch aus dieser Quelle geht nicht hervor, was genau (Inhalte) und wie (Unterrichtsmethode) er lehrte. Es wäre falsch, irgendwelche Vorstellungen von heute auf die vermeintliche (!) Kampfkunst von K. Uechi aus jener Zeit zu übertragen. Denn er selbst geht nicht näher auf sie ein.

Tatsache ist auch, dass in Okinawa zusammengestellte Kampfkunst existierte und teilweise weiter existiert. Diese hatte also vor allem okinawanische Ideen als Grundlage.

Tatsache ist weiterhin, dass japanische Kampfkünste einen nicht zu unterschätzenden Einfluss hatten, der aus ideologischen Gründen („China über alles!“) gerne ausgeblendet wird.

Für jede einzelne Übertragungslinie muss so eine inhaltliche Untersuchung vorgenommen werden, wenn genaue Aussagen über deren Ahnen und ihre Kampfkunst getroffen werden sollen. Pauschale Aussagen dazu verbieten sich daher. Ich befasse mich mit einer bestimmten Übertragungslinie und nutze dafür zeitgenössische japanische Quellen. Wenn mir jemand weißmachen will, dass ein frühes Mitglied dieser Übertragungslinie dies und das lehrte, ohne auf wiederholte Nachfrage Quellen zu nennen, dann ist mir klar, dass es sich um seine Wunschvorstellungen handelt, nicht um gesicherte historische Tatsachen.

Grüße,

Henning Wittwer
__________________
www.gibukai.de
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #43  
Alt 14-02-2017, 17:54
KKB-Userstatus: Advanced
Kampfkunst: Budo
 
Registrierungsdatum: 13.04.2013
Beiträge: 634
Standard

Klare, nachvollziehbare Ansage. Danke!
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #44  
Alt 14-02-2017, 18:12
Benutzerbild von kanken
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: Nature
 
Registrierungsdatum: 10.11.2004
Ort: Münster
Alter: 40
Beiträge: 4.375
Standard

Henning, die Quellen sind die Übertragungslehre. Die Prinzipien haben Namen, Anwendungen, Didaktiken etc.
Eine intakte Linie braucht keine "Quellen" außer dem Lehrer. Er ist die Quelle.
Ob sie etwas taugt sieht man dann auf der Matte und in der Realität.

Grüße

Kanken
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
  #45  
Alt 14-02-2017, 19:28
KKB-Userstatus: Advanced
Kampfkunst: Budo
 
Registrierungsdatum: 13.04.2013
Beiträge: 634
Standard

in einem früheren kkf wurden solche "matten-sprüche" mal ersatzlos gestrichen.
Google Bookmark this Post!
Mit Zitat antworten
Antwort


Dieses Thema betrachten zurzeit 1 Personen. (0 registrierte Benutzer und 1 Gäste)
 
Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist An.
Smileys sind An
[IMG] Code ist An
HTML-Code ist Aus
Trackbacks are Aus
Pingbacks are Aus
Refbacks are Aus

Ähnliche Themen
Thema Erstellt von Forum Antworten Letzter Beitrag
Motobu-Ryū: bewegte Bilder vom Kumite Gibukai Karate, Kobudō 10 10-07-2016 10:36
Naihanchi bikergirl Karate, Kobudō 9 22-06-2006 16:58
Choki Motobu vs. russischen Boxer - historisches Essay rooster23 Karate, Kobudō 6 24-03-2005 12:22
Motobu Ryu FireFlea Karate, Kobudō 2 31-03-2004 16:51
Choki Motobu tritondavis Karate, Kobudō 8 14-08-2002 15:15



Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 07:21 Uhr.

Powered by vBulletin Version 3.8.8 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
SEO by vBSEO 3.3.0 ©2009, Crawlability, Inc.