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  #1  
Alt 30-11-2004, 23:50
Benutzerbild von Dojokun
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Kampfkunst: Shotokan-Karate-Do
 
Registrierungsdatum: 12.03.2002
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Standard Warum sind natürliche Bewegungen so schwer?

Warum fällt es uns so schwer, uns einfach nur natürlich zu bewegen?
Wer einmal Meister wie Kanazawa, Kagawa, Kawasoe, Ochi oder wen auch immer gesehen hat wird feststellen, dass sie sich absolut natürlich und deshalb wirkungsvoll, schnell und stark bewegen. Wir hingegen wirken oft steif und unnatürlich, obwohl wir genau das natürlich nicht wollen.

Warum stehen wir uns selbst im Weg??
Welche Erfahrungen/Strategien habt ihr zum Thema?
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  #2  
Alt 01-12-2004, 02:07
Benutzerbild von HuLong
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Kampfkunst: Auf der Suche
 
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Das liegt wohl an unserer heutigen Lebensweise. Die Leute frueher hatten kein Auto, Geld wurde mit harter Arbeit verdient, alles war eben schwieriger als heute. Deshalb gibt es auch soviele Leute mit Haltungsfehlern. Sie wissen ihren Koerper nicht mehr richtig zu nutzen.
Ich kenne das Problem aus dem TaiJi Quan auch. DIe Bewegungen die du da ausfuehrst sind auch alle natuerlich, aber fuer den Normalo extrem schwer und unbequem.

HuLong
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  #3  
Alt 01-12-2004, 03:29
Benutzerbild von BotschafterKosh
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Kampfkunst: Ausbildung : allround. Spezialisierung : unbewaffneter Nahkampf.
 
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Ort: Deutschland/USA
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Findest du, dass Age-Uke, Jodan Uke und so weiter natürlich aussehen?
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  #4  
Alt 01-12-2004, 05:53
Moderator
Kampfkunst: Karate, Iaido
 
Registrierungsdatum: 01.05.2002
Ort: Wien
Beiträge: 1.997
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Meine derzeitige Meinung hierzu (morgen könnte ich auf Grund neuer Erkenntnisse bereits wieder anderer Meinung sein) ist die, dass wir uns bei unseren Bewegungen primär auf den Schulterbereich konzentrieren, während sich bei Asiaten die Bewegung im Hüftbereich un unterhalb abspielt. Mit anderen Worten, wir sind viel zu hoch oben und müssen daher erst lernen, unser Körpergefühl nach unten sinken zu lassen.

Wir verwenden auch zu viel Spannung für unsere Gliedmaßen (auch die korrekte Spannung in den Kniegelenken ist wichtig). Ich verweise hier auf die Ausführungen von Karl-Heinz (der hier hoffentlich auch seine Sicht der Dinge darlegen wird) über den death-shot hammer-Effekt.

Unser Problem ist meiner Meinung nach auch unsere schlechte Haltung (vor allem beim Sitzen). In Asien hat sich bis vor nicht allzu langer Zeit das Leben primär am Boden abgespielt und da muss man eine ganz andere Haltung einnehmen als wie wenn man wie bei uns auf einem Sessel oder einer Bank lümmelt.
__________________
Gruß
Weudl
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  #5  
Alt 01-12-2004, 10:38
Benutzerbild von Dojokun
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Kampfkunst: Shotokan-Karate-Do
 
Registrierungsdatum: 12.03.2002
Ort: NRW
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Erst einmal danke für die bisherigen Statements.

@ HuLong: Einleuchtende Theorie. Aber was ist mit Leuten, die sehr früh in ihrer Kindheit mit der Kk beginnen und lange und hart körperlich trainieren, nach der Schule auf dem Bau arbeiten und mit dem Fahhrad zur Arbeit fahren? Ohne Zweifel sidn diese Leute kräftiger etc, aber bewegen sie sich auch natürlicher?

@ BotschafterKosh: Bei mir noch nicht so ganz, aber bei den angesprochenen Japanern schon. Aber ich spreche auch von "banalen" Dingen wie einem korrekten Vorgehen in Zenkutsu-Dachi oder einem Oi-Zuki. Bei uns sieht das unnatürlich aus, bei den Japanern "wie aus einem Guss", absolut effektiv, schnell und natürlich.

@ weudl: Zustimmung zum Ansatz Schulter <=> Hüfte! Und auch ich würde gern die Meinung von Karl-Heinz zu diesem Thema hören...


Oss

Dojokun
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  #6  
Alt 01-12-2004, 10:47
Benutzerbild von Franz
Moderator
Kampfkunst: FMA JuJutsu TMA
 
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vielleicht auch weil es nicht wirkliche natürliche Bewegungen sind und deshalb erlernt werden müssen und von denen die es können und eingeschliffen haben dann als natürliche Bewegung gesehen oder vermarktet wird ?
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  #7  
Alt 01-12-2004, 11:31
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Kampfkunst: Shotokan-Karate-Do
 
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@ Franz:
Nun, sämtliche Bewegungen müssen erst gelernt und dann eingeschliffen werden.
Denken wir daran, dass wir alle als Kleinkinder erst laufen lernen mußten. Dass sieht am Anfang sehr unnatürlich aus. Aber mittlerweile würde jeder sagen, dass laufen eine natürliche Bewegung ist.
Allerdings kann man auch verkrampft laufen (durch Verletzung, Krankheit, Kälte, Nervosität...).

Ähnlich ist es in den Kampfkünsten.
Mir geht es jetzt um Faktoren für verkrampfte Bewegungen und Strategien dagegen.
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  #8  
Alt 01-12-2004, 11:37
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Hi,

ich muss HuLong und Weudl Recht geben. Es liegt hauptsächlich an der Lebensweise von uns modernen Menschen. Wir laufen zum Beispiel den ganzen Tag auf ebenem Untergrund herum, wir tragen dickes Schuhwerk, was bewirkt, dass die Zehen sich nicht mehr aktiv am Gang beteiligen. Ein sehr grosser Teil der Muskulatur in den unteren Extremitäten, die mit den Zehen verbunden ist (und alle Muskelketten darüber), wird dadurch größtenteils deaktiviert. Das raubt Struktur und Balance. Mit Übungen wie dem Raupengang (den ganzen Artikel lesen) kann man die Funktion wieder herstellen und natürlich auch mit viel Bewegung auf unebenem Gelände mit Schuhen die ein aktives Arbeiten der Zehen erlauben. Macht man eine Kata zum Beispiel auf unebenem Gedände, werden mehr muskuläre Einheiten des selben Muskels aktiviert. Die Bewegungen werden stärker, sicherer und natürlicher.

Ein anderer sehr wichtiger Punkt ist, dass wir modernen Menschen in der Regel einen Tagesablauf haben, der ein fukusieren der Augen auf einen bestimmten Punkt erfordert. Schreibtischarbeit, Computerarbeit, Uhrmacher, Mechaniker usw.

Die Fokusierung der Augen auf einem Punkt, die wir den ganzen Tag vornehmen imobilisiert einen grossen Teil der Muskulatur. Das hat einen Grund, der in den Genen steckt. Man will bei bestimmten Arbeiten den Körper nicht bewegen. Das fokusieren sorgt auf völlig unbewuster Ebene für die Blockierung gewisser Muskelketten. Das ist bei jedem Menschen so. Das Problem ist nun, dass wir moderenen Menschen diese Blockaden noch aufrecht erhalten, wenn sie nicht mehr nötig sind.

Damit das erspürbar wird, was ich meine, beschreibe ich mal einen einfachen Test. Ich möchte die Leute, die das Lesen und den Test machen hier um Rückmeldung bitten. Es klingt unglaublich, aber durch eine einfache Manipulation mit den Augen, kann man die Beweglichkeit der Wirbelsäule um bis zu 20 cm bei einer Drehung erweitern. Wenn Ihr das gemacht habt, gebt einfach mal an, wie weit in cm Ihr damit gekommen seit.


Bitte ganz genau lesen!

Test 1 fokusieren

Aufrecht stehen, Beine leicht gebeugt, etwas mehr als Schulterbreit. Den rechten Arm mit der Handfläche nach oben auf Schulterhöhe direkt nach vorner ausstrecken. Als wenn man einen Fausstoss machen würde, nur mit offener Hand und Handfläche nach oben. Jetzt die Finger mit den Augen fixieren. Als Nächstes den ganzen Körper mit dem Arm auf vertikaler Achse nach rechts drehen, dabei die Fixierung der Finger mit den Augen aufrecht erhalten. Den Arm dabei so weit wie möglich um die Körperachse bewegen, so das es zu einer maximalen Verdrehung der Wirbelsäule kommt. Wenn es nicht mehr weitergeht, den Punkt den man erreicht hat merken. Der Arm soll dabei nicht "vor der Schulter" stehenbleiben, sondern kann sich in gleicher Höhe weiterbewegen, so weit er kommt.

Test 2 Fokusierung auflösen und aktive Nutzung der Augen

Beim zweiten Test, macht Ihr exakt das Gleiche mit einem Unterschied. Ihr blickt nicht mehr auf die Hand, sondern beginnt die Bewegung mit einer Bewegung der Augen. Das heisst, die Augen gehen in der Augenhöhle soweit nach rechts wie nur möglich (sieht doof aus), der Druck der Augen in diese Richtung wird während der ganzen Bewegung aufrecherhalten und Ihr versucht dabei mit den Augen und aktivem Blick einen Punkt zu erreichen, der jenseits der Reichweite ist.

Das bewirkt, dass der Körper die Blockade der Muskulatur die duch das fokusieren ensteht augenblicklich auflöst. In der Regel hat man sofort eine stark gesteigerte Beweglichkeit.

Wenn man die Übung verstanden hat, funktioniert das bei Jedem. Ein Teil unserer Steifheit und Unnatürlichkeit in den Bewegungen hat also nichts mit fehlender Gymnastik oder irgendwelchen körperlichen Übungen zu tun. Sondern mit unserer Lebensweise die ein starkes fukusieren der Augen erfordert.

Auf Kampfkunst bezogen bedeutet das, Übungen machen (mit ein bischen Fantasie kommt man auf ensprechende Übungen), welche die Augen defokusieren und bei Katas zum Beispiel nicht einfach nur den Kopf drehen und den Blick "mitnehmern", sondern die Augen aktiv einsetzen.

Wer den Test richtig gemacht hat, weiss was das bedeutet und was es bewirkt. Weil die Muskulatur quasi "befreit" wird, wird man auch wendiger und schneller. Es gibt noch ganz andere Methoden, aber das würde jetzt zu weit führen.

Die Sache mit der aktiven Nutzung der Augen beruht auf der Forschungsarbeit der Shayuquan Leute um Ömer Humbaraci.

Ich wiederhole die Bitte nochmal. Bitte probiert es aus und postet die Ergebnisse in cm hier.

ps. Das funktioniert nicht nur bei dieser Bewegung.....
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Blogging Inside - Sun Taijiquan

Geändert von Karl-Heinz (02-12-2004 um 11:58 Uhr).
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  #9  
Alt 01-12-2004, 11:38
Benutzerbild von Franz
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ich finde dazu das man über visualisieren arbeiten kann.
zusätzlich übt spezielle Körperregionen gezielt anzuspannen oder zu entspannen und mehr Kontrolle über diese Muskelgruppen zu bekommen.
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  #10  
Alt 01-12-2004, 12:10
Benutzerbild von Ryushin
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Prinzipiell halte ich keine Bewegung im Karate (oder einem anderen Sport, for that matter) fuer natuerlich ... was genau ist also gemeint ?

Rgds,
Ryushin
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  #11  
Alt 01-12-2004, 12:43
Benutzerbild von Dojokun
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@ Karl-Heinz: Faszinierend!!! Für mehr Infos, wenn nötig auch per Mail oder PN, wäre ich Dir sehr dankbar!!

@ Franz: Genau diesen Anstz verfolge ich. Seit einigen Jahren arbeite ich mit An- und Entspannung, und seit einiger Zeit ist nun auch Visualisierung dabei. Die Fortschritte sind auch enorm!

@ Ryushin: Was ist für Die eine natürliche Bewegung? Ganz allgemein betrachtet.
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  #12  
Alt 01-12-2004, 12:55
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Zitat:
Zitat von Dojokun
[...]
Ähnlich ist es in den Kampfkünsten.
Mir geht es jetzt um Faktoren für verkrampfte Bewegungen und Strategien dagegen.
Das klingt jetzt vielleicht banal, aber ich sag's trotzdem. Meiner Meinung nach ist der Hauptgrund für solche verkrampften Bewegungen das Denken. Wie Du ja schon sagtest, als Kind musste man auch erst laufen lernen und das sah auch nicht sonderlich natürlich aus. Mittlerweile haben wir uns an die Bewegungen so sehr gewöhnt, dass wir nicht darüber nachdenken müssen. Aus dem Grund halte ich z.B. auch "Trockenübungen" für sinnvoll, weil man sich dadurch Bewegungsmuster einschleift. Sobald man diese ohne Nachdenken ausführen kann, werden sie natürlich.
__________________
"Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben."
~ André Gide
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  #13  
Alt 01-12-2004, 12:56
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Zitat:
Zitat von Dojokun
@ Karl-Heinz: Faszinierend!!! Für mehr Infos, wenn nötig auch per Mail oder PN, wäre ich Dir sehr dankbar!!
Habe Dir eine Email geschrieben.
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  #14  
Alt 01-12-2004, 13:07
Benutzerbild von Franz
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Zitat:
Zitat von Karl-Heinz
Hi,

ich muss HuLong und Weudl Recht geben. Es liegt hauptsächlich an der Lebensweise von uns modernen Menschen. Wir laufen zum Beispiel den ganzen Tag auf ebenem Untergrund herum, wir tragen dickes Schuhwerk, was bewirkt, dass die Zehen sich nicht mehr aktiv am Gang beteiligen. Ein sehr grosser Teil der Muskulatur in den unteren Extremintäten, die mit den Zehen verbunden ist (und alle Muskelketten darüber), wird dadurch größtenteils deaktiviert. Das raubt Struktur und Balance. Mit Übungen wie dem Raupengang (den ganzen Artikel lesen) kann man die Funktion wieder herstellen und natürlich auch mit viel Bewegung auf unebenem Gelände mit Schuhen die ein aktives Arbeiten der Zehen erlauben. Macht man eine Kata zum Beispiel auf unebenem Gedände, werden mehr muskuläre Einheiten des selben Muskels aktiviert. Die Bewegungen werden stärker, sicherer und natürlicher.
das Stichwort hierzu lautet : propiozeptives Training
desweiteren natürlich funktionales Training d.h. das Zusammenspiel trainieren,
Isolation vermeiden durch Einsatz komplexer Bewegungsmuster
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  #15  
Alt 01-12-2004, 13:10
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Danke erstmal für die Mail! Eine Antwort kommt auch gleich!


Ich habe auch über 20 cm erreicht.
@ all: Probiert es aus, es ist wirklich erstaunlich!!
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