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Karate, Kobudō Alles über die Kampfkünste von Okinawa



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  #1  
Alt 07-09-2015, 10:09
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Kampfkunst: -
 
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Beiträge: 693
Standard S. Matsumuras Überlieferungsschrift

Hallo,

Auf dem Foto ist der Anfang der berühmten, insgesamt etwa 3, 60 Meter langen Schriftrolle von S. Matsumura zu sehen. Gelesen wird sie von oben nach unten sowie von rechts nach links. Ihre ersten Worte lauten „Die Übung der Kampfkunst“.



(http://goryukan.web.fc2.com/2013kuba10danmatsumura.jpg)

Der okinawanische Kalligraf K. Jahana (1883–1975) soll erklärt haben, dass er nicht wisse, in welchem Stil der Kalligrafie S. Matsumura sein Werk anfertigte. D. h. er schien keiner damals etablierten Schönschreibschule zu folgen. Y. Higa (1910–1995), ein okinawanischer Karate-Lehrer, lobte 1956 den Schreibstil von S. Matsumura als wirklich prächtig.

Als ich selbst zum ersten Mal Fotos dieser Überlieferungsschrift sah, war ich ganz aus dem Häuschen! Gekennzeichnet ist sein Werk von manchmal starken, fetten Schriftzeichen, die sich immer wieder mit klaren, feinen Pinselzügen abwechseln. So wirkt das Schriftbild mit einer ganz eigenen Dynamik auf den Betrachter.

Bei zwei neuzeitlichen Karate-Lehrermeistern mit jeweils sehr eigener technischer Fertigkeit konnte ich feststellen, dass zugleich ihre Kalligrafie besonders ist. Der Charakter ihrer Karate-Technik schien sich in ihrem jeweiligen Schreibstil widerzuspiegeln. Darum halte ich es zumindest für denkbar, dass auch S. Matsumuras Schreibstil von seiner Kampfkunst beeinflusst worden sein könnte.

S. Matsumuras Überlieferungsschrift wurde vor etwa 120 Jahren angefertigt, und meiner Meinung nach ist sie ein unbedingtes „Muss“, wenn es um das Verständnis des herkömmlichen Karate der Linien geht, die ihn als Ausgangspunkt haben. Wer ihren Inhalt nicht kennt, kennt das Karate dieser Übertragungslinien nicht.

Meine vollständige, mit erläuternden Anmerkungen versehene Übersetzung seines Texts findet sich in „Shōtōkan - überlieferte Texte & historische Untersuchungen“ (Band I), S. 2 ff. (https://www.gibukai.de/buch-shop/shō...hungen-band-i/)

Weitere wichtige Hintergrundinformationen zu S. Matsumuras Text liefere ich in „Karate. Kampfkunst. Hoplologie“, S. 58 ff., S. 177 ff. und S. 180 ff. (https://www.gibukai.de/buch-shop/kar...st-hoplologie/)

Zusammen bilden diese Ausarbeitungen die bislang umfassendste Lektüre über diesen echten Karate-Schatz, die mir bekannt ist (japanische, englische und französische Werke eingeschlossen) …

Grüße,

Henning Wittwer
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www.gibukai.de

Geändert von Gibukai (28-11-2017 um 16:35 Uhr). Grund: Link Aktualisierung
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  #2  
Alt 07-09-2015, 10:36
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Kampfkunst: HEMA, Karate (inaktiv)
 
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Beiträge: 1.858
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Wie immer ein sehr interessanter Post. Besten Dank fürs Teilen Gibukai.
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  #3  
Alt 07-09-2015, 11:56
Benutzerbild von FireFlea
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Kampfkunst: Karate
 
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Beiträge: 9.513
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Hallo Henning,

wirklich eine sehr schöne Kalligraphie, danke fürs Teilen. Hast Du den Text direkt vom Original übersetzt oder hattest Du eine Reinschrift? Ich finde es immer eine Höllen-Arbeit, erstmal handgeschriebene Texte überhaupt zu entziffern.
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  #4  
Alt 08-09-2015, 11:36
KKB-Userstatus: Advanced
Kampfkunst: -
 
Registrierungsdatum: 19.08.2007
Beiträge: 693
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Hallo,

nein, ich hätte gerne sofort die Originalschrift bzw. Fotos von ihr als Übersetzungsvorlage genutzt, aber die Chronik der Ereignisse war anders. Anfangs war ich im Besitz der „üblichen“ japanischen Werke und habe daher die Transkriptionen von R. Sakagami (der sie aus der Okinawa Times hat) und S. Nagamine (der den Text ursprünglich fotografierte und zunächst via Zeitung veröffentlichte) verwendet. Fotos der Schriftrolle z. B. in S. Nagamines Buch waren zu klein, um sie ernsthaft nutzen zu können. Später konnte ich dann das Originalwerk (Fotos) zum Vergleichen nehmen.

Wegen der Schwierigkeiten beim Entziffern der Handschrift kann ich Dich darauf hinweisen, dass es auch in den japanischen Werken teilweise unterschiedliche Entzifferungen und damit Abweichungen gibt. In meiner Übersetzung weise ich bei wichtigen Begriffen darauf hin. Was in den japanischen Werken wirklich kaum vorhanden ist bzw. völlig fehlt, sind umfangreichere Untersuchungen zu diesem Text, z. B. über die Quelle(n), die S. Matsumura teilweise nutzte. In meinem Karate-Hoplo-Buch gehe ich darauf ein und verdeutliche so, dass S. Matsumura entweder bewusst eigene Interpretationen schuf oder Schreibfehler beging.

Grüße,

Henning Wittwer
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Geändert von Gibukai (08-09-2015 um 16:10 Uhr). Grund: falscher Name
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  #5  
Alt 28-05-2016, 12:55
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Beiträge: 693
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Hallo,

der Link oben funktioniert nicht mehr. Hier der neue Link:



(http://goryukan.web.fc2.com/2013kuba...a.jpg?84650102)

Grüße,

Henning Wittwer
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  #6  
Alt 04-06-2016, 16:34
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Beiträge: 2.502
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Herrje, ich hoffe MEIN Karate spiegelt sich nicht in meiner Handschrift wieder...

Beunruhigt :

Das Krickeltier
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  #7  
Alt 04-06-2016, 19:03
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Hallo,

die Verbindung von kampfkünstlerischem Niveau (Charakter) und Schönschrift bzw. die Auswirkung des ersten auf das zweite wirkt sicher nicht direkt logisch, ich weiß. Aber ich meine das tatsächlich ernst …

Grüße,

Henning Wittwer
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  #8  
Alt 05-06-2016, 21:11
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Kampfkunst: Budo
 
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Das nennt man im Abendland wohl "Graphologie".

Interessant ist dann eine Abhandlung zu "Kalligraphie und Graphologie".

Ein exzentrisches und abgehobenes Thema!
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  #9  
Alt 26-11-2017, 18:21
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Hallo,

auf den halblegendären S. Matsumura soll auch die Kalligrafie, die dem Faksimile auf dem Foto zugrunde liegt, zurückgehen. Er schuf sie mit fünfundsiebzig Jahren, indem er ein Zitat des chinesischen Philosophen Chu Hsi (1130–1200) verwendete.



(http://okic.okinawa/wp-content/uploa...8115478240.jpg)

Meine Übersetzung lautet:

„Ist der Mensch beständig ehrfürchtig, dann ist das Herz beständig leuchtend.

(Pinselzug von Sōkon, dem Alten von sechsundsiebzig [Jahren])“

Die beiden ersten Zeichen wurden größer geschrieben und bilden die „Einleitung“. In einem Kommentar des „Okinawa Karate Kaikan“, in dem das Faksimile ausgestellt ist, wird angedeutet, dass insbesondere das zweite Zeichen an eine Waffe, nämlich ein „Sai“ erinnere. Theoretisch könnte es auch an ein gerades, zweischneidiges Schwert erinnern …

Grüße,

Henning Wittwer
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  #10  
Alt 26-11-2017, 22:40
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Beiträge: 536
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Immer interessant, Henning. Danke.

Allerdings hat es mir grade den Bildschirm zerlegt. Und der ist schon groß.
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  #11  
Alt 27-11-2017, 09:49
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Kampfkunst: -
 
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Beiträge: 693
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Hallo,

stimmt, das Foto ist groß. Solch ein Kunstwerk lässt sich viel besser würdigen, wenn man es möglichst deutlich vor Augen hat. Die Originalhöhe des Schriftstücks beträgt 106,5 Zentimeter bei einer Breite von 30,5 Zentimetern. Trotzdem das verlinkte Foto (zumindest für mich erfreulich) groß ist, kann ich noch immer nicht alle Details erkennen …

Grüße,

Henning Wittwer
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