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Karate, Kobudō Alles über die Kampfkünste von Okinawa



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  #16  
Alt 25-11-2016, 12:02
KKB-Userstatus: Advanced
Kampfkunst: -
 
Registrierungsdatum: 19.08.2007
Beiträge: 665
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Hallo,

welche Karate-Schulrichtung als „japanisch“ oder „okinawanisch“ eingeordnet wird, ist, wie ich oben schon schrieb, eine höchst persönliche, oft heuchlerische Angelegenheit. Heute dient so eine Einteilung vor allem monetären, politischen, seltener ideologischen Interessen.

G. Funakoshi (1868–1957) wurde beispielsweise im Königreich Ryūkyū geboren, lernte von ebenfalls dort geborenen Karate-Adepten und zog mit Mitte Fünfzig (d. h. als Okinawaner in der Mitte seines Lebens) nach Tōkyō, um dort sein Karate zu unterrichten. In Tōkyō war er in okinawanischen Kulturvereinen u. ä. aktiv. Seinen Karate-Schülern erklärte er geschichtliche und sprachliche Punkte Okinawas. Selbst der Name seiner Übungsstätte, Shōtōkan, erinnert an Okinawa. Trotzdem nahm er vor allem sprachliche und organisatorische Anpassungen (Dan-Kyū-System) vor, um sein „okinawanisches“ Karate in Tōkyō („japanische“ Hauptstadt) einbinden zu können. Er vertrat die Auffassung, dass Karate sich der Kultur des jeweiligen Orts bzw. Landes anpassen müsse, d. h. z. B. japanische Terminologie in Tōkyō, aber andere Sprachen in anderen Ländern. Dabei verändert sich der technische, taktische, inhaltliche Kern seines Karate nicht zwingend, nur die „Garnitur“ (Sprache, Etikette usw.). Wer anhand solcher Oberflächlichkeiten Unterscheidungslinien zieht, verfügt einfach über wenig Verständnis für Karate.

Tatsache ist, dass bereits Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre von okinawanischen Karate-Adepten von „weltweitem“ Karate geschrieben worden ist (vgl. dazu mein Higaonna-Buch, S. 16, 78, 114). Angesichts dessen wirkt das zwanghafte geografische Abgrenzen von heute mehr als kleingeistig.

Dennoch haben bestimmte Personengruppen starkes Interesse daran. Die Präfektur Okinawa unterstützt den Bau eines großen Karate-Zentrums in Okinawa („Okinawa Karate Kaikan“), zu dessen Eröffnung ein Buch mit geschichtlichen Hintergründen veröffentlicht werden soll. Vom Verleger wurde ich gebeten, einen Eintrag über G. Funakoshi zu verbessern bzw. umzuschreiben. Seine Vorgabe war allerdings, dass ich mich auf die Zeit in Okinawa konzentrire, nicht die Zeit ab 1922 in Tōkyō. Eine derartige Manipulation hat mich sehr „erstaunt“. So etwas ist leider Usus und auf diese Weise verfestigt sich in den Köpfen eine geografische Trennung zwischen Karate in Okinawa und Japan, die sich aber so überhaupt nicht rechtfertigen lässt …

Grüße,

Henning Wittwer
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  #17  
Alt 25-11-2016, 13:06
KKB-Userstatus: Senior
Kampfkunst: Wado Ryu
 
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Beiträge: 1.015
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Wenn man japanisches Karate derart definiert, dass es originales japanisches Budo beinhaltet, ist neben Wado Ryu-Karate noch Shindo Jinen Ryu-Karate von Yasuhiro Konishi zu nennen, der u.a. aus der Takenouchi Ryu kam.

Grüße
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  #18  
Alt 26-11-2016, 08:14
Benutzerbild von Huangshan
Moderator
Kampfkunst: 長拳-
 
Registrierungsdatum: 15.09.2013
Beiträge: 2.012
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Zitat:
Dennoch haben bestimmte Personengruppen starkes Interesse daran. Die Präfektur Okinawa unterstützt den Bau eines großen Karate-Zentrums in Okinawa („Okinawa Karate Kaikan“), zu dessen Eröffnung ein Buch mit geschichtlichen Hintergründen veröffentlicht werden soll. Vom Verleger wurde ich gebeten, einen Eintrag über G. Funakoshi zu verbessern bzw. umzuschreiben. Seine Vorgabe war allerdings, dass ich mich auf die Zeit in Okinawa konzentrire, nicht die Zeit ab 1922 in Tōkyō. Eine derartige Manipulation hat mich sehr „erstaunt“. So etwas ist leider Usus und auf diese Weise verfestigt sich in den Köpfen eine geografische Trennung zwischen Karate in Okinawa und Japan, die sich aber so überhaupt nicht rechtfertigen lässt …
Interessante Geschichte.

Okinawaner die Schotten Japans?

Nun die Ryukyu Inseln,Okinawa haben ja eine eigene Kultur,Geschichte,Sprache..... .

Einige Kreise möchten wieder von Nippon unabhänging sein, ob dies für die Inseln wirtschaftlich,politisch..... vom Nutzen wäre?


Historische manipulation ist wie ich es z.B. in der VR. China erlebt habe im 21.Jh. noch immer gang und gäbe.
Objektivität ist in einigen Kreisen unbekannt.

Ich gehöre keinem Lager an, mich interessieren nur die waren historischen Zusammenhänge.



Gruss
Thomas

Geändert von Huangshan (26-11-2016 um 08:29 Uhr).
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  #19  
Alt 26-11-2016, 11:51
KKB-Userstatus: Professional
Kampfkunst:
 
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Beiträge: 784
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Ich glaube, dass viele dieser Punkte nicht nur beim Okinawa Karate zutreffen sondern bei old school Karate ueberhaupt. Ich habe selber Goju Ryu bei einem Sensei der urspruenglich bei einem alten lehrer in Sued-Japan gelernt hat. Sein Lehrer also ca. Jahrgang 1900-1910.

Charakteristisch: In Kumite vor allem, hohe Staende.
Viel Krafttraening.
Viel Kakie. Wurf- und Gelenktechniken.
Viel Wert auf die "Bedeutung" (Anwendung) der Techniken aus den Kata.
Viel Kata und Ippon- und Sanhon-Kumite.
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  #20  
Alt 03-05-2017, 09:17
KKB-Userstatus: Advanced
Kampfkunst: -
 
Registrierungsdatum: 19.08.2007
Beiträge: 665
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Hallo,

„okinawanisches Karate“ soll, wie oben geschrieben, seitens der Präfektur Okinawa und in Okinawa ansässiger Karate-Verbände gefördert werden. In diesem Sinn werden die japanischen Hauptinseln eher als Konkurrenz aufgefasst. Oben sprach ich meine Erfahrung mit dem offiziellen Buch, das mit der Eröffnung des sogenannten „Okinawa Karate-Kaikan“ veröffentlicht werden soll, an. Dabei ging es um die bewusste Auslassung von G. Funakoshis (1868–1957) Leben auf den japanischen Hauptinseln.

Nun las ich im verlinkten japanischen Blog von einer weiteren Manipulation, die entweder auf purer Unkenntnis oder auf bewusst durchgeführter Geschichtsfälschung beruht. Im „Okinawa Karate-Kaikan“ wurde offenbar vermieden, japanische Einflüsse auf die Kampfkunst Ryūkyūs aufzuzeigen.

Die Begründung:

Da japanische Säbel- und Schwertarten und deren Waffenkünste (d. h. japanische Waffenkünste) in keiner direkten Verbindung mit Karate stünden, wolle man sie auslassen.

(???????????????????????)

Aus historischer, technischer, taktischer, inhaltlicher und philosophischer Sicht ist diese verallgemeinernde Aussage nicht haltbar. Dennoch wird dieses „Auslassen“ japanischer Einflüsse Wirkung bei den Besuchern dieses „Karate-Zentrums“ zeigen.

Ein ausgeglichenes Geschichtsbild enthält sowohl die chinesischen als auch die japanischen Einflüsse auf die Kampfkunst Ryūkyūs.

Grüße,

Henning Wittwer
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