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  #1  
Alt 22-02-2004, 10:34
Benutzerbild von MazeMan
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Kampfkunst: Karate(Shotokan), diverse Probetrainings
 
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Angry Verfällt das traditionelle Karate in seinen moralischen Werten???

Hi Leute,

ich habe leider erleben müssen, dass diverse Senseis innerhalb eines Dachverbands, ja sogar innerhalb eines Vereins sich untereinander wegen der Ausführung verschiedener Techniken streiten. Ich habe mal gelernt, dass das Karate Do immer noch den Weg beschreiben sollte. Nun musste ich feststellen, dass dieser leider immer mehr verloren geht!!! Weiterhin ist es einfach nur schade, dass einige Sensei nur noch aus Profitgier unterrichten, und - sobald die Einnahmen sinken - die Schüler mehr oder weniger durch immer häufigere Abwesenheit im Stich lassen.

Dies alles führt wahrscheinlich sogar in nächster Zeit zur Auflösung eines Vereins, und da frage ich mich doch, ob das denn nun wirklich noch Karate im Sinne Funakoshis ist!!! Denn meiner Meinung nach ist das kein traditionelles Karate mehr, sondern aufgrund solch aufgeblähter Egos der Sensei eher eine aufgeblähte Version von Sportkarate, die nichts mehr mit den traditionellen Kampfkünsten zu tun hat. Wie seht ihr diese Entwicklung???

Im Dojokun ist meiner Meinung nach dazu auch festgelegt, dass der Karateka den Weg des Friedens gehen sollte und nicht den Weg des Streits... Oder irre ich mich da und Streit und Gewalt sind die wahre Lösung des Budo???
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  #2  
Alt 22-02-2004, 11:13
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Kampfkunst: Karate-Do
 
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Es ist sicherlich wahr und auch schade, dass das traditionelle Karate mehr und mehr den Bach runter geht. Aber ich habe keine Ahnung, wie es früher war und deswegen kann ich das kaum beurteilen.


Aber ist es auch ziemlich Japanische Werte (um die es ja größteneils geht) in Deutschland aufrecht zuerhalten. Wir haben eben eine völlig andere Kultur und eine andere Lebenseinstellung als die Leute damals in Japan.
Wie soll man dann vernünftig den eigentlichen KarateDo aufrechterhalten?
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  #3  
Alt 22-02-2004, 11:44
Benutzerbild von DieKlette
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Aufregen bringt rein gar nichts. Das Problem ist, dass wir fast alle, da nehme ich mich auch nicht aus, viel zu oft über andere sprechen. Es geht nicht darum japanische Traditionen zu bewahren. Es geht darum die Werte und Hilfestellungen weiterzugeben die dazu dienen jedem einzelnen seinen persönlichen Weg aufzuzeigen. Dabei geht es nicht um Verband, Geld, Ansehen oder die Masse der Menschen. Es geht stehts nur um einzelne Individuen. Es geht um euch. Redet doch nicht immer über die anderen. Was wollt ihr ? Wo wollt ihr hin ? Wovor habt ihr Angst ?
Das sind die eigentlichen Fragen die ihr euch stellen solltet. Wenn man eines sagen kann über den Karate Weg, dann, dass es immer um Wahrheit geht. Um nichts anderes. Es geht nicht darum wer wie eine Technik ausführt. Es geht geht nicht um die allgemein gültige große Wahrheit sondern um die Wahrheit jedes einzelnen in sich selbst.

Einen freundlichen Gruss

Julian
__________________
- pain is temporary, pride is forever -
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  #4  
Alt 22-02-2004, 12:01
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Betrachtet man die Zeit um Funakoshi, so hat es derartige Tendenzen durchaus auch damals schon gegeben. Es hat immer schon (und das wird sich auch nicht ändern und ist auch gut so) Leute gegeben, die sich in den vorgegebenen Systemen technisch oder menschlich nicht entsprechend verwirklichen konnten und daher eigene Wege eingeschlagen haben (ich denke hier zB an Ohtsuka, Egami oder Oyama).

Es gibt/gab aber natürlich auch Leute, die dies aus Geltungssucht und Profitgier getan haben (ob dies auch auf die 3 oben erwähnten Herren zutrifft, wage ich nicht zu behaupten)...

Es handelt sich hier meiner Meinung nach also nicht unbedingt um ein neuzeitliches, westliches Phänomen...
__________________
Gruß
Weudl
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  #5  
Alt 22-02-2004, 13:32
Benutzerbild von MazeMan
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Kampfkunst: Karate(Shotokan), diverse Probetrainings
 
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@KingKarl: Der eigentliche Karate Do ist in meinen Augen schon fast verloren, da zu viele Karateka ihren Weg nicht gefunden haben, aber trotzdem ein Dojo leiten! Wenn diejenigen, die aus Überzeugung Karateka sind und wirklich traditionelles Karate betreiben wollen, die Schulen leiten würden und andere, die Schulen betreiben um letztendlich Profit zu machen oder einfach nur ohne einen festen Weg zu verfolgen, sich da etwas mehr zurückhalten würden, wäre schon sehr viel getan, um den Weg wieder zu vermitteln.

@DieKlette: Das stimmt auch, ich rege mich aber schon darüber auf, nicht weil mir Nachteile daraus erwachsen, sondern weil vielen dadurch der Weg, das Karate Do kennenzulernen, versperrt wird und es irgendwann verkommt. Was mir dabei Angst macht ist dabei hauptsächlich, dass im Laufe der Zeit durch das mangelnde Vermitteln der Werte des Budo das Gewaltpotential steigt unter den KK und somit einfach das, was gut ist, unter der Bevölkerung als schlecht abgetan wird, dann allerdings zu Recht. Aber damit, dass wir alle (mich eingeschlossen) viel zu viel über andere reden und viel zu wenig tun, damit gebe ich dir vollkommen Recht!!!

@weudl: Damit gebe ich dir auch total Recht, denn die Entwicklung darf nicht behindert werden durch irgendwelche Traditionen. Schließlich war das noch nie so und wird auch nie so sein!!! Denn wenn man bedenkt, dass zwar die Begründer des modernen Karate (ich rede vom modernen Karate von 1903) schon in mehrere Stilrichtungen unterteilt war und die Entwicklung schon immer etwas auseinanderging, sollte man aber auch bedenken, dass diese Stilrichtungen ohne Streit nebeneinander existieren konnten. Und die Werte des Budo wurden damit nicht in Frage gestellt, bei Streitigkeiten dieser Art schon...
Denn letztendlich ist Budo mehr als nur das Einpauken von Techniken, es sollte zumindest eine Lebenseinstellung sein...
Und diejenigen, die das Ganze aus Profitgier getan haben, sind ganz schnell wieder weg gewesen... Aber ich bin mir nicht sicher, ob das in Europa auch so sein wird...

freue mich auf Antwort

Maze
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  #6  
Alt 22-02-2004, 13:49
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Man hört es ja immer wieder..... Ich weiss garnicht wieviel ich über dieses Thema schon gehört hab...

Ich kann mich wieder einmal nur auf mein Dojo beziehen, und behaupte, dass das hier nicht der Fall ist.

Sicher gerät das traditionelle Karate immer mehr in den Hintergrund, das ist traurig. Es wird mehr und mehr versportlicht und finanziell gesehen als eine Kampfkunst mit ihren Werten. Dennoch gilt es das traditionelle Karate zu bewahren.

Wenn ich den Eindruck hätte, solche Dinge würden innerhalb meines Dojos geschehen, würde ich den bzw. die Sensei(s) darauf ansprechen und zur Rede stellen. Danach sieht man eben weiter. Ich würde niemals da sein, wenn ich mir nicht 100%ig sicher wäre, dass dieses das ist, was ich trainieren will.
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  #7  
Alt 22-02-2004, 14:41
Benutzerbild von Michael Kann
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@MazeMan
Wie definierst Du die moralischen Werte des "traditionellen Karate?
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  #8  
Alt 22-02-2004, 16:20
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Ich stelle mal die Frage ob man nicht zwischen japanischen Werten und Werten des Karates unterscheiden müßte/kann?
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  #9  
Alt 22-02-2004, 16:39
Benutzerbild von Michael Kann
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@Rick
Auch kein schlechter Antritt ...
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  #10  
Alt 22-02-2004, 17:41
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Zitat:
Zitat von MazeMan
Denn wenn man bedenkt, dass zwar die Begründer des modernen Karate (ich rede vom modernen Karate von 1903) schon in mehrere Stilrichtungen unterteilt war und die Entwicklung schon immer etwas auseinanderging, sollte man aber auch bedenken, dass diese Stilrichtungen ohne Streit nebeneinander existieren konnten. Und die Werte des Budo wurden damit nicht in Frage gestellt, bei Streitigkeiten dieser Art schon...
Denn letztendlich ist Budo mehr als nur das Einpauken von Techniken, es sollte zumindest eine Lebenseinstellung sein...

Hier stellt sich natürlich auch die nicht ganz unerhebliche Frage, ob denn das Karate um 1900 überhaupt als Budo bezeichnet werden kann (dieses Thema haben wir hier schon einmal diskutiert). Für mich beginnt jedenfalls die 'Budo-Ära' des Karate erst um 1930 mit der Anerkennung durch den Butokukai und den dafür erforderlichen Reformen. Davor war es lediglich eine okinawanische SV-Kunst mit chinesischem Einfluss bzw nach 1900 auch ein Körperertüchtigungssystem für Schulkinder (um diese für den Dienst in der Armee vorzubereiten).

Ob die 'Stile' damals ohne Streit nebeneinander existiert haben? Mir fällt hier zB der Konflikt zwischen Funakoshi und Motobu ein. Aber Stile im heutigen Sinne gab es damals wohl noch nicht so wirklich, sondern eher unterschiedliche Auffasssungen von Einzelpersonen...

Mit der Wettkampfentwicklung und weltweiten Verbreitung nach dem 2.WK hat sich hier auch in Japan einiges verändert (schließlich ging es dann natürlich auch um Macht, Einfluss und nicht zuletzt um Geld).

Naja, wie man bei uns so schön sagt: 'Wo Menschen sind, da menschelt es halt...' und ich bin nach wie vor skeptisch, dass man alleine durch das Ausüben einer 'Budo'-KK zu einem besseren Menschen wird (so fern man nicht von Anfang an das entsprechende Potenzial mitbringt).
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Gruß
Weudl
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  #11  
Alt 22-02-2004, 19:52
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@ Mike & Rick

Wie seht ihr persönlich denn die Dinge, nach denen ihr fragt?


Oss

Dojokun
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  #12  
Alt 24-02-2004, 08:38
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@D_Invader: Du hast Recht, und Glückwunsch, dass du einen Verein gefunden hast, in dem diese Entwicklung noch nicht soweit vonstatten gegangen ist. Aber leider ist mein Problem dabei, dass es das immer seltener gibt und dementsprechend im Laufe der Zeit keine wirklichen großen Sensei mehr da sein werden, denn wenn diese Tendenzen sich weiter so entwickeln, kann es sein, dass irgendwann so viele Techniken und Varianten nebeneinander existieren, dass - sofern man den Standort wechselt, was ja berufsbedingt heute sehr leicht passieren kann, direkt umglernt werden muss, weil jeder Verein seine eigenen Techniken und Varianten z.B. der Kata praktiziert. Schau dich mal um auf den Wettkämpfen, inwieweit die Katas der Vereine unterschiedlich interpretiert und gelaufen werden. Dass jeder letztendlich das Karate auf seinen Körper anpassen muss, ist klar, aber trotzdem kann es nicht sein, dass z.B. bei einem Sensei in der Heian Sandan gestampft wird, beim nächsten nicht! Dies sind Unterschiede, wie sie vielleicht im Bunkai gemacht werden können, aber Kata sollte in seiner Form erhalten bleiben, egal, welche Veränderungen gemacht werden... Denn die Kata ist meines Wissens nach eine vollkommen definierte Kombination von Bewegungsabläufen, die letztendlich einen meditativen Kampf mit mehreren gedachten Gegnern ausmachen... Dass man Techniken weiterentwickelt, noch ergonomischer und effizienter für die eigene Gesundheit gestaltet, ist ja kein Problem für mich, dass der eine in der Grundschule den Arm besser halten kann als der andere auch nicht, aber es ist in meinen Augen problematisch, dass der Geist des Karate, die ursprünglichen Formen von Training und Schule, komplett verloren gehen und so das, was Karate eigentlich ausmacht, das Training außerhalb des Dojos (selbstverständlich nur in Verhalten und Theorie), langsam komplett verloren geht und dadurch möglicherweise sogar das Gewaltverhalten der Karateka sich verändert! Das könnte über kurz oder lang dazu führen, dass Karate in Europa als eine effiziente Methode gesehen wird, ohne Einsatz von Waffen anderen Menschen Schmerzen zuzufügen oder Schlimmeres! Und dazu ist Karate überhaupt nicht gedacht!!!


@Mike: Ich sehe die moralischen Werte hier besonders als den Punkt, dass der Weg das Ziel ist, aber denke, dass der Weg des Budoka immer noch der Weg des Friedens und der Harmonie sein sollte. Und Harmonie gibt es nicht mehr, wenn die Sensei untereinander die anderen nicht mehr akzeptieren wollen, nur weil diese letztendlich mehr Einfluß haben wollen. Das Do, ob nun bewußt oder unbewußt begangen, stellt immer noch etwas dar, was der Karateka verinnerlicht haben sollte und dessen Regeln er immer noch aus innerer Überzeugung heraus befolgen sollte. Stellen diese ein Regelwerk dar, dass nur um deren Existenz willen beachtet wird, dann ist das kein Do mehr. Denn in dieser Situation sind es einfach nur noch irgendwelche Gesetze... Und (persönlicher Erfahrungswert) wie schnell geht es, dass der Mensch im Allgemeinen sich auch über diese, viel leichteren Regeln als das Do, hinwegsetzen??? Bleibt dann nicht der Respekt und die Menschlichkeit irgendwann gänzlich weg, wenn wir diese Regeln ständig lockern???


@holyshit: Kann man denn wirklich japanische Werte und die Werte des Karate auseinanderhalten??? Ich meine, wie meinst du diese Frage? In meinen Augen ist das Karate Do ein Weg, der nichts mit irgendeiner Nationalität zu tun hat, sondern viel eher ein Weg, ein Leitbild, dem man folgen kann, wenn man die Einstellung dazu hat. Und letztendlich ist dieses Leitbild in meinen Augen das Leitbild des Budoka, der den Kampf vermeiden sollte. Im Dojokun steht doch bereits: "HITOSU, REIGI O OMONZURU KOTO.

Es ist wichtig, auf Respekt, Anstand und Höflichkeit größtes Gewicht zu legen." Ich denke, dass solche Werte und Normen nicht unbedingt auf Japan oder irgendeinen anderen Raum zu legen sind, sondern dass es Werte sind, die selbst in Europa bereits jetzt ihre Gültigkeit haben. Und da sich die Sensei teilweise ganz offensichtlich nicht an dieses Leitbild halten, geht der Umgang miteinander den Bach herunter und das Karate verkommt zum reinen Sport...


@weudl: Du hast Recht, Budo wurde das Karate auch in meinen Augen in dieser Zeit. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Funakoshi selbst bereits ein Dojokun entworfen und in seinen Lehren umgesetzt hat, welches dem Karateka die Lehren des Budo zumindest teilweise vermittelt. Und genau dieses Wesen des Budo meinte ich, nicht unbedingt, dass Karate zu dieser Zeit bereits Budo wäre. Korrigiere mich, falls ich mich irre, aber meinen Informationen zu folge waren die 20 Regeln Funakoshis bereits mit den Anfängen der Verbreitung des Karate festgelegt worden.

Der Streit zwischen Funakoshi und Motobu, den du angesprochen hast, sagt mir nichts, doch denke ich, dass bei den beiden der Streit mit gegenseitigem Respekt und Verständnis ausgetragen wurde. Schließlich kann ich mir nicht vorstellen, dass Funakoshi Sensei sich nicht an seine von ihm erstellten Grundlagen halten würde und mit seiner eigenen Charakterschule brechen würde.

Du hast meiner Meinung nach auch vollkommen Recht, was die Entwicklung in Japan angeht, es ist überall das Gleiche. Ich weiß nicht genau, wie es in Japan aussieht, aber ich denke, dass dort die Regeln Funakoshis noch wesentlich mehr berücksichtigt werden als in Deutschland. Diese Entwicklung vollzieht sich dort etwas langsamer, denke ich. Meines Wissens nach ist die Lebenseinstellung in Japan eine vollkommen andere, was mir allerdings dabei zu denken gibt, ist, dass auch Japan sehr stark wirtschaftlich orientiert ist seit dieser Zeit wohl auch immer mehr Menschen sich westlicher orientieren und die eigenen Werte dabei immer mehr vernachlässigen. Bisher habe ich diesen Aspekt noch gar nicht betrachtet, danke für den Hinweis!

Du schriebst: "Naja, wie man bei uns so schön sagt: 'Wo Menschen sind, da menschelt es halt...' und ich bin nach wie vor skeptisch, dass man alleine durch das Ausüben einer 'Budo'-KK zu einem besseren Menschen wird (so fern man nicht von Anfang an das entsprechende Potenzial mitbringt)." Es stimmt, da gebe ich dir vollkommen Recht, eine gewisse Grundeinstellung muss vorhanden sein. Aber ändert diese sich nicht auch, wenn man sich an seinen Vorbildern orientiert? Wer traditionelles Karate betreibt und bewußt dieses Traditionelle gewählt hat, der hat meistens auch diese Gundeinstellung. Und wenn dann die Sensei sich untereinander streiten und man selbst als Schüler so etwas mitbekommt, dann kann es schon sein, dass -gerade in der Anfangszeit - so mancher seine Werte doch wieder ändert, obwohl sie erstrebenswert sind, da er einfach sieht, dass diese Werte alle von den Sensei nur benützt werden, um einige Lehren an die Schüler weiterzuvermitteln, aber nicht als Leitbild für sich selbst verwendet werden... Wer orientiert sich schon an Leitbildern, an die die Lehrer sich ganz offensichtlich nicht halten??? Gerade für den jungen Karateka sind diese Bilder sehr wichtig, denn das Verinnerlichen, das Aufnehmen solcher Regeln geschieht meiner Meinung nach erst im Laufe der Zeit...


Freu mich schon auf Antwort und hoffe, dass dies ne interessante Diskussion wird...


@dojokun: Das interessiert mich ehrlich gesagt auch, wie Mike und holyshit zu diesem Thema denken und ihre Fragen für sich selbst beantworten würden...

Geändert von MazeMan (24-02-2004 um 09:24 Uhr). Grund: Fehler im Text..., Ausgelassene Passage zum Thema könnte zu Missverständnissen führen...
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  #13  
Alt 24-02-2004, 11:32
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Zitat:
Zitat von Dojokun
@ Mike & Rick

Wie seht ihr persönlich denn die Dinge, nach denen ihr fragt?


Oss

Dojokun
Soweit ich weiß, hat z.B. Funakoshi "sein" Karate für Japan modifiziert/angepaßt und sich dabei an dem Schulsystem orientiert. Somit wäre eine weitere Modifizierung nicht unlogisch. Japan hat sich glaub ich fast ein Jahrhundert total isoliert und die Mentalität ist heute auch Europäern, die schon lange dort Leben ein Rätsel. Das dort andere Moralvorstellungen und andere Werte gelten ist doch nicht neu (Im 2. Weltkrieg wurde dies besonders deutlich). Viele deutsche Karatekas versuchen ein bisschen auf Japaner zu machen, tragen Zori-Slipper, kaufen sich ein paar jap. Kochbücher, zählen auf Japanisch, versuchen alle Wörter möglichst gutural auszusprechen (so das möglichst niemand mehr das geschriebene Wort erahnen kann). Jedem wird erzählt, daß das mehr als ein Hobby ist, sondern eine Lebenseinstellung. Vieles wird so gemacht wie es die Japaner machen, oder wie man denkt, daß es die Japaner machen würden( Die Japanflagge, den Schrein, die Räucherstäbchen, die Rituale) ohne daß dies irgendetwas mit Karate zu tun hätte. Dazu noch ab und zu mal ein paar Weisheiten von sich geben wie in einem Kungfufilm.
Da wird viel davon gesprochen, seinen Weg zu finden, aber wenn dieser Weg sich ausserhalb der teilweise unreflektiert übernommenen Vorstellungen bewegt, dann ist das natürlich falsch
Aus den vielen Kampfstilen der Shizoku, und der Vermischung mit chinesischen Shaolinstilen entstanden viele Tode- oder Te-Stile und ein paar brachen mit der Tradition vom Meister zum Schüler und verbreiteten Ihr Karate.Es wurde japanisiert und der breiten Masse zugänglich gemacht. Aus diesen basiert heute meistens die Traditiondes Karate(u. a. Shotokan)
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  #14  
Alt 24-02-2004, 11:49
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Hallo MazeMan,



Zitat:
...und dementsprechend im Laufe der Zeit keine wirklichen großen Sensei mehr da sein werden,...
Das glaube ich nicht. Ganz im Gegenteil bin ich davon überzeugt, dass es noch nie so viele große Meister (ich meine jetzt wirklich Meister - nicht Schwarzgurte) gegeben hat wie heute. Wieso?
Es war doch über lange Zeit so, dass Karate im Geheimen geübt wurde. Demzufolge war die Anzahl der Leute, die es praktiziert haben, gering, also konnten auch nur wenige Meister entstehen.
Heute ist die Anzahl der Karate-Praktizierenden um ein Vielfaches angestiegen - bei richtiger Ausbildung und Einstellung, können demzufolge viel mehr Meister entstehen als früher.

Und warum sollten die Leute heute nicht mehr die richtige Einstellung haben oder Ausbildung bekommen?

Ich denke, die Sache ist einfach die, dass mit der Entwicklung und Verbreitung des Sportkarate (über dass wir alle so wundervoll herziehen, und ohne dass niemand von uns heute Karate betreiben würde) die alten Meister etwas überdeckt wurden und werden. Wer aber sucht, kann sicherlich einen finden.

Zitat:
.. denn wenn diese Tendenzen sich weiter so entwickeln, kann es sein, dass irgendwann so viele Techniken und Varianten nebeneinander existieren, dass - sofern man den Standort wechselt, was ja berufsbedingt heute sehr leicht passieren kann, direkt umglernt werden muss, weil jeder Verein seine eigenen Techniken und Varianten z.B. der Kata praktiziert.
Bei uns muß niemand umlernen. In unserem Dojo sind unzählige Varianten der Kata vorhanden. Niemand von uns gibt sich die Blöße, sich hinzustellen und zu behaupten, dass seine und nur seine Variante geübt werden solle.

Ich würde auch nie in ein Dojo wechseln, dass eine derartige Auffassung vertritt. Ich bin der Meinung: Je mehr Varianten, desto besser.

Zitat:
Schau dich mal um auf den Wettkämpfen, inwieweit die Katas der Vereine unterschiedlich interpretiert und gelaufen werden. Dass jeder letztendlich das Karate auf seinen Körper anpassen muss, ist klar, aber trotzdem kann es nicht sein, dass z.B. bei einem Sensei in der Heian Sandan gestampft wird, beim nächsten nicht!
Wieso nicht? Wenn es Leuten gefällt zu stampfen, und ihre Knie es auf die Dauer auch mitmachen, ist nichts dagegen einzuwenden.

Zitat:
aber Kata sollte in seiner Form erhalten bleiben, egal, welche Veränderungen gemacht werden
Warum?


Zitat:
Denn die Kata ist meines Wissens nach eine vollkommen definierte Kombination von Bewegungsabläufen
Nein. Kata ist eine Interpretation eines vollkommen definierten Bewegungsablaufes. Interpretationen ändern sich, das war schon immer so und ist auch gut so.

Zitat:
...aber es ist in meinen Augen problematisch, dass der Geist des Karate, die ursprünglichen Formen von Training und Schule, komplett verloren gehen und so das, was Karate eigentlich ausmacht, das Training außerhalb des Dojos (selbstverständlich nur in Verhalten und Theorie), langsam komplett verloren geht und dadurch möglicherweise sogar das Gewaltverhalten der Karateka sich verändert!
Die Kurve habe ich ehrlich nicht gekriegt. Was haben Kataänderungen mit Gewaltverhalten zu tun? Oder, anders herum gefragt, geht der inhaltliche Aspekt des traditionellen Karate verloren, wenn Kata in verschiedenen Varianten gelaufen wird?

Zitat:
Das könnte über kurz oder lang dazu führen, dass Karate in Europa als eine effiziente Methode gesehen wird, ohne Einsatz von Waffen anderen Menschen Schmerzen zuzufügen oder Schlimmeres! Und dazu ist Karate überhaupt nicht gedacht!!!
Echt nicht? Karate ist eine Kampfkunst und genau dazu gedacht.

Zitat:
Der Streit zwischen Funakoshi und Motobu, den du angesprochen hast, sagt mir nichts, doch denke ich, dass bei den beiden der Streit mit gegenseitigem Respekt und Verständnis ausgetragen wurde. Schließlich kann ich mir nicht vorstellen, dass Funakoshi Sensei sich nicht an seine von ihm erstellten Grundlagen halten würde und mit seiner eigenen Charakterschule brechen würde.
Ich kenne Funakoshi nicht, aber ich habe viel von und über ihn gelesen. Was davon Wahrheit und was Dichtung ist, lässt sich nur schwer trennen.
Wir sollten aber beachten, dass Funakoshi nur ein Mensch war und keine Idealbild. Ich halte es für durchaus denkbar, dass sich auch Funakoshi sich hin und wieder gepflegt gestritten hat.

Tschüssi
Ike
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  #15  
Alt 24-02-2004, 14:01
Benutzerbild von Dojokun
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@ holyshit

Aus Deinem Posting spricht viel Wissen.
Aber einige Dinge würde ich gern genauer Wissen:

Klar, Funakoshi hat vieles modifiziert.
Aber wie sollen weitere Modifikationen aussehen?
Und warum soll modifiziert werden?
Versteh mich nicht falsch, auch ich bin davon überzeugt, dass das Karate sich weiterentwickeln muss.
Aber ich weiß nicht, ob wir da in die selbe Richtung wollen. Deshalb frage ich nach.

Was spricht dagegen, japanisch zu zählen, rituell an- und abzugrüßen?
Warum sollte man sich nicht um geistige und traditionelle Hintergründe bemühen?


Ich halte auch nichts von Imitation.
Also das sture Kopieren der Japaner macht keinen Sinn.
Allerdings strebe ich nach tieferem Verständnis (was immer das sein mag...).
Und ich denke, dass es eine Tradition des Karate gibt, der ich folgen möchte.
Warum sollte das falsch sein?



Oss

Dojokun
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