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#1
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| Hi Leute, ich hab da mal ne Frage... Habt ihr Karate schonmal in einer SV - Situation angewenden müssen, und - falls ja - wie seid ihr danach mit dem Training wieder zurechtgekommen und wie habt ihr das Ganze verarbeitet?
__________________ Karate ist eindeutig kein Budo, denn es ist nicht der Weg des Militärs, vielmehr ist es Bushido, der Weg des Kämpfers... |
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#2
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| Hallo. Zitat:
Red Bull |
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#3
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| In allen SV Situationen die ich bestreiten durfte konnte ich mich gut durchsetzen. Es war immer eine Motivationsspritze im manchmal monotonen Training. ![]() |
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#4
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| Nun, ich kann gern mal meine Situation schildern: Bei mir war es so, dass ich aufgrund einer Notwehrsituation (jemand hatte mir das Messer an die Kehle gehalten) ziemlich heftig reagiert habe, was ja auch verständlich ist, was allerdings im Tod des Angreifers endete. Dadurch ist mir das erste Mal so richtig bewußt geworden, wie gefährlich diese Kunst eigentlich ist und wie effektiv ein einzelner Schlag sein kann. Seitdem bin ich, was Kumite - Training angeht, total verkrampft, vermutlich weil ich Angst davor habe, ich könnte versehentlich einmal nicht rechtzeitig stoppen und meinen Trainingspartner entsprechend heftig verletzen. Dazu kommt bei mir, dass ich Streitigkeiten hatte im Verein und dann zu einem traditionellen Dojo gewechselt habe. Jetzt weiß ich aber immer noch nicht, wie ich diese Situation endgültig verarbeiten kann. Immerhin mache ich mir allmählich (nach mehreren Jahren) keine Vorwürfe mehr und kann halbwegs offen darüber sprechen... Ich habe inzwischen schon zuviel in dieser Hinsicht mitgemacht und komme momentan nicht wirklich zum Kumitetraining, weil ich es mir nicht mehr zutraue, obwohl ich vorher sogar in Wettkämpfen angetreten bin.
__________________ Karate ist eindeutig kein Budo, denn es ist nicht der Weg des Militärs, vielmehr ist es Bushido, der Weg des Kämpfers... |
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#5
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| @MazeMan: Hört sich heftig an... Mich würde die Geschichte näher interessieren. Würde es dir was ausmachen, die damalige Situation näher zu beschreiben. Was ist genau passiert, wie lange hast du bis dahin Karate betrieben (Shotokan?), etc.? Ich persönlich hatte noch nie eine ernsthafte Konfrontation. Allerdings gebe ich zu, dass ich in Mazes Situation wohl genauso (hart) reagiert hätte. Wenn Messer im Spiel ist, ist der Spaß vorbei. Da gehts um Leben und Tod. |
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#6
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| Uhh...Das ist heftig Weis dein jetziger Trainer davon ? Wenn nicht solltest du vieleicht mit ihm darüber reden, ich denke man sollte dich da ganz behutsam ans kumitetraining ranführen, darf man fragen welche graduierung du heute innehast bzw. damals hattest ?
__________________ "Free people will never remain free, if they are not willing, if need be, to fight for their vital interests." - John Foster Dulles |
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#7
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| Mit meinem damaligen Trainer habe ich keinen Kontakt mehr, das war kurz nach der Zeit, wo ich umgestiegen bin zum traditionellen Karate (was auch immer man dafür halten mag), weil mir einige Dinge wie zum Beispiel die Meditation gefehlt haben... Zur Zeit bin ich leider ziemlich vereinslos, weil ich berufsbedingt alle paar Monate umziehen muss... Aus eben diesem Grunde hat sich auch meine Graduierung seitdem nicht geändert, ich bin immer noch 5. Kyu... Aber nichtsdestotrotz habe ich unheimlich viel dazugelernt bis jetzt... @aw5k: Inzwischen kann ich halbwegs offen darüber reden... Damals hatte ich halt den 5. Kyu und war bereits knapp vier Jahre beim Training. Mein Sensei kam von der Polizei und hatte dementsprechend noch mehr Nahkampfausbildung (ATK), wovon er uns ab und zu auch etwas in Sachen Selbstverteidigung beibrachte. Zusätzlich habe ich mir selbst immer viele Gedanken gemacht, sehr regelmäßig trainiert (darunter litt manchmal sogar die Schule ) und mich schon frühzeitig mit einer möglichen Konfrontation beschäftigt. Ich habe immer wieder überlegt, wie man eben diese Situation vermeiden könnte und mir etliche Lösungsvorschläge durchdacht, aber eben solche Situation war jedesmal ausweglos, Kampf war unvermeidlich...Unser Ausbilder hat uns viel unter Stress gesetzt (z.B. Kata laufen, alle stören, schubsen und brabbeln laut), um uns zu schulen, trotz Ablenkungen auf das Wesentliche konzentriert zu bleiben. Ich habe immer wieder in andere Kampfkünste hereingerochen, den Blick über den Tellerrand gewagt. Damals war ich sogar im Vereinskader, habe die Berliner Meisterschaften mitgekämpft (Kumite!!!), war aber nicht allzu erfolgreich (hat wohl auch mit meiner persönlichen Einstellung zu Wettkämpfen zu tun). Dieser Kampf war dann innerhalb von einem Block und zwei weiteren Schlägen entschieden. Nachdem ich ihm das Messer von meiner Kehle weggerissen hatte, legte ich einen doppelten Empi auf seine Nieren (er stand sehr dicht an mir dran) und im Anschluss noch einen doppelten Age - Empi, wobei ich allerdings als Schlagwaffe die Fäuste und nicht die Ellenbogen benutzte. Hierbei habe ich allerdings statt seines Kinns seinen Hals getroffen und ihm hierbei die Schlagadern abgequetscht und den Kehlkopf eingedrückt. Im Nachhinein ärgere ich mich immer noch, nicht besser gezielt zu haben, für diese Tat wäre er normalerweise schon etwas länger hinter Schwedische Gardinen gekommen..
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#8
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| Wirklich interessant... da ist wohl der Spruch "mit einem Schlag töten" in der Tat zum Tragen gekommen...mich würde auch interessieren, wie dein "Stresspegel" da aussah? Ich glaube, in deiner Situation hätte ich es nicht gewagt, mich zu verteidigen. Messer am Hals wäre mir zu kritisch gewesen. Ich kann dir gratulieren, es gewagt zu haben - auch wenn ich es bedauere, dass der Angreifer sterben musste. Wie konntest du dich (mental ?) auf so einen Stress einstellen? Hattest du nicht irgendwie zu sehr Angst? |
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#9
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| In der Situation hatte ich sehr wohl Angst, allerdings habe ich mich von der Zeit, als ich mit dem Training begonnen habe, angefangen, mich seelisch und mental auf so etwas vorzubereiten, da es ja heutzutage sehr schnell möglich ist, dass man in eine SV - Situation gerät... Es kommt nicht darauf an, ob man Angst hat oder nicht, aber mit der Angst, die man hat, sollte man umgehen lernen. Übrigens war es mir durchaus bewußt, dass der Täter mir wahrscheinlich eh das Messer über den Hals gezogen hätte. Wäre diese Möglichkeit nicht so wahrscheinlich gewesen, hätte ich auch vollkommen anders reagiert, glaube ich... Übrigens nochmal zu deinem Statement, du hättest in der Situation genauso hart reagiert wie ich: Woher weißt du das, wenn du noch nie in einer SV - Situation warst? Adrenalin kann dich auch lähmen, wenn du dich nicht darauf einstellst, dass du damit umgehst... Übrigens ist das Problem der Selbstvorwürfe nach solcher Situation wesentlich schlimmer als die Angst in der Situation! Man macht sich unendlich viel Vorwürfe, dass man es hätte verhindern müssen, schließlich stehen gerade wir als Kampfkünstler mit einer besonderen Verantwortung da.
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#10
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| Würde auch sagen, du musst schon verdammt hartes und intensives training gehabt haben um in so'ner situation noch zu reagieren. Ich meine, dass Messer war ja schon an deiner Kehle... Wie sah dazu eigentlich der Richterspruch aus, reine Notwehr ? Wusste das Gericht das du Kampfsport betreibst ?
__________________ "Free people will never remain free, if they are not willing, if need be, to fight for their vital interests." - John Foster Dulles |
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#11
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| Zitat:
Jeden gegner optimal zu kontrollieren, bzw. in solchen situationen immer optimal zu handeln / die richtigen entscheidungen zu treffen, da mann ja KS betreibt...? Ich persönlich traue mir nicht zu mit einem knallharten Messerstecher (er wäre bereit gewesen dein Leben zu beenden wie du vorher schreibst) noch lange "rumzuspielen" bzw. gross über irgendeine Verhältnissmässigkeit der Mittel nachzudenken. In dieser Situation, so wie ich sie verstanden habe, hies es dein Leben oder Seins... Frei nach M. Musashi "Wer schnell handelt wählt den Weg des Lebens, wer zögert, wählt den des Todes", du hast dich entschieden...
__________________ "Free people will never remain free, if they are not willing, if need be, to fight for their vital interests." - John Foster Dulles |
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#12
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| Der Richterspruch sagte nichts von reiner, aber von übertriebener Notwehr, wodurch ich allerdings auch von jeder Schuld freizusprechen war. Er hat mich lediglich gewarnt, in Zukunft mehr darauf zu achten, wie ich entsprechend hätte handeln können und dass ich - auch in Notwehr - nicht einfach das Leben eines anderen auslöschen dürfe... Zu deinem zweiten Statement wegen der Art der Verantwortung: Sicher, gegen HIlfsmittel körperlicher Gewalt darf man auch mit Hilfsmitteln vorgehen, allerdings muss man vermehrt darauf achten, wie man diese Mittel einsetzt, schließlich sind auch schlechte Menschen mit Grundrechten ausgestattet, und eines der höchsten Güter, die wir haben, ist immer noch das Leben... Die spezielle Verantwortung, die ich hier sehe, ist die, nicht auf die tödlichen Nervenpunkte beim Angreifer zu gehen, sondern ihn vielmehr durch gezielte Schläge auf Schmerzpunkte zur Aufgabe zu zwingen (z.B. Kinn)... Und zum harten und intensiven Training: ich habe immer so viel wie nur irgend möglich trainiert, und die Härte kommt durch die Einstellung. Außerdem habe ich einen Trainer gehabt, der uns durch seine Berufserfahrung (Polizist) sehr gut auf Extremsituationen vorbereiten konnte. Er hat durchaus ab und zu etwas ATK mit uns geübt und auch Übungen durchgeführt, um das eigene Blickfeld zu weiten, was gerade bei der Verteidigung gegen mehrere Gegner sehr wichtig sein kann.
__________________ Karate ist eindeutig kein Budo, denn es ist nicht der Weg des Militärs, vielmehr ist es Bushido, der Weg des Kämpfers... |
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#13
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| Zitat: "Die spezielle Verantwortung, die ich hier sehe, ist die, nicht auf die tödlichen Nervenpunkte beim Angreifer zu gehen, sondern ihn vielmehr durch gezielte Schläge auf Schmerzpunkte zur Aufgabe zu zwingen (z.B. Kinn)..." Nun, in so einer situation hat man keine Zeit nachzudenken. Das was du schilderst würde aber bedeuten bewusst bestimmte Körperregionen zu meiden, was wiederrum bruchteile des Denkens und damit des zögerns zur folge hat. Dies würde dann höchstwahrscheinlich dazu führen, dass dir der Messerstecher die Entscheidung abnimmt. Edit: Trotzdem nochmal die Frage, wusste der Richter das du Kampfsport betreibst und glaubst du, dass ist in seine Urteilsfindung mit eingeflossen ?
__________________ "Free people will never remain free, if they are not willing, if need be, to fight for their vital interests." - John Foster Dulles Geändert von Kensai (14-11-2004 um 10:35 Uhr). |
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#14
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| Zitat:
Eins steht aber fest: Wenn ich mich gewehrt hatte, dann _sehr_ konsequent. Ich hätte nicht das Ziel gehabt, ihn zu töten, aber ihn gänzlich unschädlich zu machen. Nur weiß ich nicht, ob ich mich überhaupt gewehrt hätte... |
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#15
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| Zitat:
Allerdings falls es mal unausweichlich ist, Gewalt anzuwenden, musst du zusehen wie du dein Leben oder das von deinen Lieben schützen kannst und das beinhaltet halt den Gegner Kampfunfähig zu machen. Wie genau das unter der Vorraussetzung des hohen Adrenalinaussschuses funktionieren soll, ist unvorhersehbar und vom jeweiligen Individuum abhängig. btw. Das Gericht sieht das meistens nicht so eindeutig wie bei maze, denn wie gesagt hast du als KKstler bei sogenannten SV-Situationen sowieso immer/meistens den Kürzeren gezogen. Geändert von Pr!mus (14-11-2004 um 15:02 Uhr). |
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