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  #31  
Alt 07-07-2010, 10:50
Benutzerbild von AndyLee
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Zitat:
Zitat von Undayag Beitrag anzeigen
Naja, 2 Jährige Ausbildung heisst auch erst einmal nichts! Ich kann mich 2 Jahre damit beschäftigen, mir mein eigenes (Budopädagogen) Professionsverständnis zu erarbeiten.
Von Budopädagogik ist ja laut dem Ausbildungskonzept dann zu sprechen, wenn die besagten Kriterien erfüllt sind.

5 wohl an der Zahl
BuDo, Etikette, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Dojo UND (ACHTUNG!!) Spiritualität
Bei der Aufzählung vermisse ich die pädagogischen Inhalte. Budo ist kein pädagogischer Inhalt, genauso wenig Etikette oder das Lehrer-Schüler-Verhältnis... und Doho erst Recht nicht.

Was ein pädagogischer Inhalt dazu wäre, der zudem alle oben 5 genannte Punkt Beinhaltet, wäre das Thema "Rituale".

Passende Literatur zum "anlesen":
  • Mietzel, Gerd: Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend. München 1989
  • Nickel, Horst: Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters. Bern 1976
  • Pöhler, Ralf: Judo – die Möglichkeit im Widerstreit Fürsorge zu tragen. In: Neumann, Ulf/ von Saldern, Matthias/ Pöhler, Ralf/ Wendt, Peter-Ulrich (Hrsg.), Der friedliche Krieger. Budo als Methode der Gewaltprävention. Marburg 2004, S. 73-99
  • Rogge, Jan-Uwe: Pubertät. Loslassen und Haltgeben. 10. Auflage. Reinbek 2005
  • Schenk-Danzinger, Lotte: Entwicklungspsychologie. Wien 1988
  • Winkler, Ameli: Rituale in der Grundschule. Erfundene Wirklichkeiten gestalten. In: Annemarie von der Groeben (Hrsg.), Rituale in der Schule und Unterricht. Hamburg 2000, S. 67-74
  • Zirfas, Jörg: Vom Zauber der Rituale. Leipzig 2004
  • Melzer, Wolfgang: Gewalt an Schulen - Analyse und Prävention. Gießen 2006.
Die ersten Bücher geben einen Einblick in die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, damit man überhaupt mal wissenschaftlichen Input über unsere Zielgruppen bekommt - der scheint zu fehlen. Sicher gibt es schon neuere Auflagen der Bücher...hier habe ich "nur" ein Teil meines Repertoires aufgezählt. Es folgen zwei wirklich gute Bücher über Rituale und ihren sinnvollen pädagogischen Einsatz. Den Schluss macht ein Buch über die Entstehung der Gewalt in Schulen, um einen Eindruck zu bekommen, warum es an Schulen so "grummelt" und warum sich gerade an Schule präventive Projekte lohnen würden - sehr, sehr lesenswert!


Ich habe zum Thema "Kampfkunst und Rituale" auch mal etwas verfasst, wer möchte, kann sich HIER mal einlesen. Da dies Teil einer wissenschaftlichen Arbeit während meines Studiums war, bekommt man zumindest mal eine Idee von dem Anspruch der Pädagogik an nur einem einzigen Thema.
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Geändert von AndyLee (07-07-2010 um 10:59 Uhr).
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  #32  
Alt 07-07-2010, 11:00
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Hallo!

Zitat:
Zitat von Sven K. Beitrag anzeigen
Die "Pädagogen" sagen ja auch das Lehrer KEINE
Pädagogen sind, obwohl sie einen Abschluss haben.

Sind das Pädagogen, im Sinne der "Erziehung" ?

Bedeutet ein Hochschulabschluss automatisch etwas besseres ?
1. Frage:
Ja, wenn wir haben im SchulG und in der SchO klar definiert, dass wir einen Bildungs- und Erziehungsauftrag wahrzunehmen haben. D.h. neben der Fähigkeit zur didaktischen und methodischen Anpassung an die Lerngruppe, nebst individueller Förderung, nehmen wir auch einen Erziehungsauftrag (in freudiger Zusammenarbeit mit den Eltern) wahr und wurden darin ausgebildet.

Lehrer = Pädagoge


2. Frage:
Mit solch einer Aussage habe ich mich einmal derart mit meiner Ex in den Haaren gehabt, dass ich eine Wochenende lang nicht mehr ins Schlafzimmer durfte...

Das Wort "besser" sollte hier in einem anderen Kontext genutzt werden. Ein "Diplom-Physiker" hat mehr Wissen, denn ein "Hobby-Physiker". Damit ist der DP BESSER als der HP. Die Diskussion von wegen "besserer Mensch, weil Abschluss an der Uni" ist einfach nur blöde und sollte nicht geführt werden.


Zitat:
Zitat von pmhausen Beitrag anzeigen
Natürlich würde ich nie auf die Idee kommen, mich "Diplomingenieur" zu nennen. Das ist ein akademischer Titel.
Hm, hier habe ich anderes gehört: Mein Abschluss als "Diplom-Physiker" ist kein Titel, sondern eine Berufsbezeichnung. Ich gehe der Sache aber mal nach...


Zurück zum Thema:
Die EWTO hat das ganz geschickt gemacht: Die haben sich an einer Universität (ich meine in Bulgarien?!) an die Sportfachschaft dran gehängt und das Wing Tsun in den normalen Ausbildungskader integriert. D.h. neben den klassischen sportwissenschaftlichen Disziplinen haben die Studenten/innen dort auch das Fach "Kampfkunst". Hier haben wir dann einen (zumindest sportwissenschaftlich) zertifzierten Pädagogen nach dem Abschluss und der nennt sich dann zu Recht derart.


Als Lehrer hat man einiges hinter sich, damit man sich "Pädagoge" nennen darf und auf die Klassen losgelassen wird: Zwei Staatsexamen, unzählige Unterrichtsbesuche und Lehrproben, dienstliche Beurteilungen et al. Dies alles wird mit einem Schlag wertlos, wenn sich jeder Hansel ebenfalls Pädagoge nennt.



Nebenbemerkung:
Warum eigentlich Budo (jap.) und nicht WuShu (chin.) ?


LG sendet

Günther
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  #33  
Alt 07-07-2010, 11:14
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Zitat:
Zitat von AndyLee Beitrag anzeigen
Bei der Aufzählung vermisse ich die pädagogischen Inhalte. Budo ist kein pädagogischer Inhalt, genauso wenig Etikette oder das Lehrer-Schüler-Verhältnis... und Doho erst Recht nicht.
Schön formuliert!
Was den wenigsten Menschen bewusst ist: Das, was die Schüler/innen in den 45 Minuten "erleben", dies ist nur die Spitze des Eisbergs! Wer den Beruf als Lehrer/in ernst nimmt, der ist VOLLZEITBESCHÄFTIGT

Kreislauf: Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung

Daneben die ganzen anderen nicht-schulischen Aktivitäten die nach dem Gesetzgeber erfüllt werden müssen. Der Lehrerberuf ist ein hartes Brot und sollte wirklich Berufung sein, denn sonst gehts schnell ins Burnout...

Als ich noch aktiver EWTOler war, da wurde auf den "Schulungsseminaren" immer von Pädagogik gesprochen. Die hat sich dann derart gestaltet, dass man mit einer fremden Lerngruppe von WTlern "eine Lehrprobenstunde" halten musste. Lachhaft! Genauso lachhaft, wie die "Technikerarbeiten" in der EWTO. Es ist interessant, wie hier die Nähe zum akademischen Hauch gesucht wird...

Die Mehrheit der Bürger im Ländle haben IMO nicht die geringste Ahnung, was alleine schon in EINER Lehrprobe für Energie, Zeit und Nerven drin steckt und welches Raster die Refs durchlaufen, damit sie auf die Klasse losgelassen werden! Alleine schon daher sollte sich die "echte" Pädagogen-Lehrerschaft gegen solch Pseudo-Titel wie Budopädagoge massivst wehren.

Es mag sein, dass der Mensch ein klasse didaktisch-methodisch-individuelles Training auf die Beine stellt. Aber ein Pädagoge ist er damit noch lange nicht...

Nebenbei: Pädagoge (gr.) bedeutet "Knabenführer"


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  #34  
Alt 07-07-2010, 11:28
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Zitat:
Zitat von WingChun77 Beitrag anzeigen
Nebenbei: Pädagoge (gr.) bedeutet "Knabenführer"
Historie eben. Dazu muss erwähnt werden, dass Pädagogen zu gr. Zeiten mit ihren Schülern gemeinsam in einem Haus gelebt haben. Ziel war Wissens- und Lebensvermittlung.

Ganz offensichtlich ist der Begriff "Pädagogik" altzeitlich, in der heutigen Zeit ist ein Lehrer wissensvermittler und hat in seinem Unterricht überhaupt keine Zeit, um auf die Belange der Schüler so einzugehen, wie es pädagogisch sinnvoll wäre, Stichwort: selektive Sichtweise.

Das Lehrer vielerorts als "Pädagogen" bezeichnet werden, hat historische Bedeutung. Als Pädagogen müssten sie wesentlich mehr pädagogisch auf ihre Schüler eingehen, so z. b. individueller Fördern, auf private Probleme eingehen u. Lösungen suchen, der Unterricht müsste sich wesentlich mehr an den Bedürfnissen der Schüler orientieren, Lehrer müssten sich Zeit für Streitigkeiten und Auseinandersetzungen der Schüler nehmen, müssten mehr Elterngespräche führen, müssten sich mehr eigene Aufzeichnungen der Entwicklung der Schüler (Dokumentation) machen, Lehrer müssten gerade im Bereich der Pubertät wesentlich mehr geschlechtsspezifische Unterstützungsmöglichkeiten geben, usw. usw.

Übringes weise ich hier gerne noch mal auf den STERN Nr. 24 vom 10.06.2010 hin, der ab Seite 50 von eben solchen Schulen berichtet.
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  #35  
Alt 07-07-2010, 11:59
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Zitat:
Zitat von AndyLee Beitrag anzeigen
Historie eben. Dazu muss erwähnt werden, dass Pädagogen zu gr. Zeiten mit ihren Schülern gemeinsam in einem Haus gelebt haben. Ziel war Wissens- und Lebensvermittlung.
Damit sind wir direkt beim klassischen Wu Shu und dem Lehrer-Schüler-Verhältnis


Zitat:
Zitat von AndyLee Beitrag anzeigen
Als Pädagogen müssten sie wesentlich mehr pädagogisch auf ihre Schüler eingehen, so z. b. individueller Fördern, auf private Probleme eingehen u. Lösungen suchen, der Unterricht müsste sich wesentlich mehr an den Bedürfnissen der Schüler orientieren, Lehrer müssten sich Zeit für Streitigkeiten und Auseinandersetzungen der Schüler nehmen, müssten mehr Elterngespräche führen, müssten sich mehr eigene Aufzeichnungen der Entwicklung der Schüler (Dokumentation) machen, Lehrer müssten gerade im Bereich der Pubertät wesentlich mehr geschlechtsspezifische Unterstützungsmöglichkeiten geben, usw. usw.
Eine provokante Frage - bewusst spitzfindig formuliert:
Warum muss ein "zertifizierter" Lehrer (mit dem staatlichen Auftrag der Wissensvermittlers und zum Teil auch des Erziehers) auf die privaten Probleme seiner Schüler/innen eingehen? DAS ist Sache der Eltern!

Was gerne übersehen wird:
Der größte Teil der Schüler/innen läuft einwandfrei, nur von denen erzählt keiner. Die Jungs und Mädels kommen in die Schule, erfreuen sich an der didaktisch-methodischen Inszenierung und gehen wieder nach Hause. Etwaige Probleme werden in der FAMILIE geklärt oder aber es wird das Gespräch mit dem Lehrer gesucht - ohne Aufhebens.

Wer macht denn die von dir aufgezählten Ziele notwendig? Schüler/innen, bei denn es im Elternhaus nicht stimmt - aber dieses massiven Defizit kann und soll der Lehrer nicht füllen und schon gar nicht lösen. Es ist IMO ein grober Fehler anzunehmen, dass die "Lehrer" die Rolle eines Sozialpädagogen zu übernehmen hätten. Was sollen denn die Lehrer noch alles leisten, um Defizite (die sie nicht zu verantworten haben) aufzufangen?


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  #36  
Alt 07-07-2010, 12:57
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Zitat:
Zitat von WingChun77 Beitrag anzeigen
Eine provokante Frage - bewusst spitzfindig formuliert:
Warum muss ein "zertifizierter" Lehrer (mit dem staatlichen Auftrag der Wissensvermittlers und zum Teil auch des Erziehers) auf die privaten Probleme seiner Schüler/innen eingehen? DAS ist Sache der Eltern!

Was gerne übersehen wird:
Der größte Teil der Schüler/innen läuft einwandfrei, nur von denen erzählt keiner. Die Jungs und Mädels kommen in die Schule, erfreuen sich an der didaktisch-methodischen Inszenierung und gehen wieder nach Hause. Etwaige Probleme werden in der FAMILIE geklärt oder aber es wird das Gespräch mit dem Lehrer gesucht - ohne Aufhebens.

Wer macht denn die von dir aufgezählten Ziele notwendig? Schüler/innen, bei denn es im Elternhaus nicht stimmt - aber dieses massiven Defizit kann und soll der Lehrer nicht füllen und schon gar nicht lösen. Es ist IMO ein grober Fehler anzunehmen, dass die "Lehrer" die Rolle eines Sozialpädagogen zu übernehmen hätten. Was sollen denn die Lehrer noch alles leisten, um Defizite (die sie nicht zu verantworten haben) aufzufangen?

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Ich finde, keine provokante Frage, sondern eine Frage der Realitätsempfindung.

Private Probleme sind Sache der Eltern - sehr richtig. Was aber, wenn diese privaten Probleme - und damit befinde ich mich in der Realität - in der Klasse ausgetragen werden? Immerhin befinden sich Schüler ca. die Hälfte ihres Tages in der Schule und da ist es nur logische Schlussfolgerung, dass eben diese Probleme auch in der Schule auftauchen (siehe obere Literaturliste, letztes Buch)?

Wer muss dann real handeln...die Eltern....die Schule? Ich denke, wohl eher die Schule, weil eben auch die meisten Probleme an der Schule passieren. Wie muss die Schule handeln? Ich denke, wohl eher über den betreffenden Lehrer - vorzugsweise in Kooperation mit den Eltern? Wie kann der Lehrer handeln? Ja - und hier befinden wir uns mitten in unserem Gespräch: Grundwissen der Pädagogik ist die Unterscheidung in Pädagogik und Dynamik...Pädagogik mit weiläufigen, erzieherischen Zielen (daher Pädagogik bzw. Sozialpädagogik), Dynamik mit dem Handeln im "hier und jetzt". Noch einmal die Frage: Wie wird ein Lehrer reagieren? Besser müsste ich fragen: Wie kann ein Lehrer nur reagieren?

Wir alle kennen die Antworten. Ein Lehrer ist zumeist nur 45 Min. in Doppelstunden 90 Min. mit Pause in der Klasse. Wo bleibt die Zeit, um diese Probleme der Kinder zu klären? Oder ist es eine gute Variante, den Eltern zu sagen: "Hört mal - erzieht eure Kinder besser, sonst kann das Kind nicht mehr in die Schule gehen..." Bedenken: Die Schulpflicht". Wo also bleibt der Lehrer mit seinem pädagogischen Handwerkszeug...bleibt er etwa stecken in der fehlenden Erziehungskompetenz der Eltern? uuuuuuhhhh - was für ein Problem. Ob dieses Problem wohl andere Pädagogen auch haben und genau dort stecken bleiben? Klare Antwort: NEIN.

Genau das ist ja die Arbeit von Pädagogen - wenn alles in der Erziehung der Kinder und Jugendlichen glatt laufen würde, wäre es ja toll...läuft es aber nicht. Als Mitarbeiter im Jugendamt habe ich zuhauf mit genau diesen Problemen zu tun. Vielerorts gibt es in den Schule auch Pädagogen (Schulsozialarbeiter), die aber - aufgrund ihrer absoluten Minderheit - nicht viel ausrichten können. Außderm ist ihr Stand in den Schulen zumeist ziemlich schlecht, weil Lehrer hier häufig Konkurrenz sehen. Ich verweise hier gerne noch einmal auf die erste bundesdeutsche Evaluation über Peer-Mediation von Behn&Co. - vor allem aber auf deren repräsentativen Umfragen. Ich sauge mir hier also nichts aus den Fingern, sondern man kann das tatsächlich alles nachlesen, sofern man will.

Stelle fest, das Pädagogen also erzieherische Arbeit leisten, neuzeitlich vor allem aus Gründen von Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen in der Entwicklung, was nicht nur etwas mit der Erziehungskompetenz von Eltern zu tun hat, sondern auch mit der von mir schon erwähnten Scheidungsproblematik, sowie mit der sich geänderten Drogenproblematik, dem sich geänderten Medienkonsum, dem sich geänderten Ernährungsproblem und der sich geänderten Konfliktkultur (Stichwort: Mobbing) - um mal die für mich wesentlichen Punkte zu nennen...sicherlich kennt ihr noch weitere.

Wer aber soll das alles bearbeiten, wer soll hier Hilfe leisten - vor allem: Wer kann Hilfe leisten? Wären Lehrer Pädagogen, müssten sie Hilfe leisten und zwar nicht in Form der bekannten "Schulsanktionen", sondern so, wie ich es bereits in dem anderen Posting beschrieb. Tun sie aber nicht, weil sie es nicht können.

Einerseits haben Lehrer kein Studium in Pädagogik und somit keinen pädagogischen Abschluss, zweitens haben sie - betreffend ihrer Arbeitsbeschreibung als Lehrer - überhaupt nicht die organisatorischen Mittel zur Bearbeitung der päd. Probleme ihrer Schüler.

Halten wir fest: Lehrer haben weder das pädagogische Wissen und die pädagogischen Mittel ("Handwerkszeug"), noch die pädagogische Atmosphäre (organisatorische Alltag), um überhaupt pädagogisch handeln zu können. Warum nennt man sie also Pädagogen, obwohl sie nicht pädagogisch Arbeiten und die pädagogische Arbeit sogar an andere Stellen weiter delegieren müssen... wie z. B. das Jugendamt?

Was also sind nun Lehrer? Meines Wissens sind Lehrer Lehrer, aber keine Pädagogen. Was also sind demnach Pädagogen? Meines Wissens sind Pädagogen Pädagogen und keine Lehrer.

Und ich? Ganz einfach: Ich bin nur Pädagoge, aber kein Lehrer - so anmaßend bin ich nicht.
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  #37  
Alt 07-07-2010, 13:30
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Hallo!

Schönes Posting und du legst Finger in Wunden! Dennoch kann ich und möchte ich da nicht gänzlich mitgehen.

Die Problematik liegt IMO in der Gesamtstruktur des Systems:

Wir sind eine Leistungsgesellschaft, also gibt es eine Hierarchie, es gibt Bewertungen, es gibt "gut" und "schlecht" usw. Soweit so gut. In der Schule treffen nun regelrechte Spannungswelten aufeinander!

(Man mache sich einmal bewusst, dass im Schnitt 25 Schüler/innen vor einem sitzen und jede/r hat sein eigenes Töpfchen dabei, welches irgendwo wahrgenommen werden möchte.)

Jetzt kommt aber der Gesetzgeber ins Spiel und der sagt:

- "mach´ guten Unterricht"
- "vermittle Kompetenzen"
- "erzeuge mündige Bürger"
- "fördere individuell"
- "leist mit den Eltern einen Erziehungsauftrag"
- "..."

Auch noch OK! Kann ich mit leben und mache es gerne. Problematisch wird es genau dann, wenn Schule mit Privatleben und Aufarbeitung der Probleme darin vermischt wird. Das hat IMO und entgegen deiner Meinung in der Schule nichts verloren, alleine schon deswegen, weil es nicht leistbar ist. Ich sehe mich in erster Linie als Wissensvermittler.

Dies wird nicht bedacht im Gesamtsystem und wir Lehrer bekommen mehr und mehr abstruse Aufgabenbereiche (von sinnloser Verwaltungsarbeit mal abgesehen) zugeteilt, die a) nicht in unsereren Bereich (Wissenvermittlung und Erziehung) fallen, b) die wir nicht als Beruf gewählt haben und c) die uns wenig bis keine Zeit mehr geben, um uns adäquat um "Problemfälle" zu kümmern, so diese auftreten. Es ist ja nicht so, dass wir uns weigern auf diese Problemfälle einzugehen.

Die Problematik liegt IMO in der Familie und hier muss angesetzt werden, was aber nicht konsequent geschieht.


Am Ende möchte ich korrigierend fragen:
Warum haben Lehrer kein Pädagogik-Studium? Wie kommst du denn zu solch einer Behauptung?



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  #38  
Alt 07-07-2010, 17:25
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die Schwarz-weiß-Karikatur, was "Schule" und was "Lehrer" sein soll/darf/kann/muß finde ich ganz amüsant. DIE Schule ist Blödsinn, es gibt deren ganz viele. DER Lehrer ist auch einer Fiktion.
Universitäres Studium und Lehrerdasein erkläre ich meinen Referendaren mit einem (leicht hinkenden) Vergleich: Es ist wie Mensch ärgere dich nicht spielen. An der Uni lernst du, eine 6 zu würfeln, dann darfst du mitspielen. Welche Strategien du im Spiel brauchst, musst du später lernen.
Zurück zum Thema.... es wäre sehr interessant, den Lehrplan zu sehen. Geheimnisse können wohl kaum drin stehen. Und wer sich beispielsweise von uns im Kae-In-Sog-In die 3 DVDs holt, der kann mit den Videos und Bildern nur dann was Sinnvolles anfangen, wenn er in der Ausbildung dabei war. Also gibt es da keinerlei Geheimniskrämerei, wozu auch?
Ein anerkannter Abschluß ist beispielsweise eine Fachübungsleiterausbildung in einem staatlich anerkannten Verband..... noch Fragen, Kienzle???.... JA , Hauser!!
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  #39  
Alt 07-07-2010, 17:32
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Zitat:
Als Pädagogen müssten sie wesentlich mehr pädagogisch auf ihre Schüler eingehen, so z. b. individueller Fördern, auf private Probleme eingehen u. Lösungen suchen, der Unterricht müsste sich wesentlich mehr an den Bedürfnissen der Schüler orientieren, Lehrer müssten sich Zeit für Streitigkeiten und Auseinandersetzungen der Schüler nehmen, müssten mehr Elterngespräche führen, müssten sich mehr eigene Aufzeichnungen der Entwicklung der Schüler (Dokumentation) machen, Lehrer müssten gerade im Bereich der Pubertät wesentlich mehr geschlechtsspezifische Unterstützungsmöglichkeiten geben, usw. usw
Dumm gelaufen für mich, denn an unserer Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung sind die rot gekennzeichneten Bereiche ganz klar in unserem Tätigkeitsfeld. Bin ich demnach ein "de facto Pädagoge" ?? Ach ja, der Bereich der Sexualpädagogik bleibt bei unseren Schülern mit Körperbehinderungen auch meistens bei uns kleben.
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  #40  
Alt 07-07-2010, 17:57
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@Helmut, du bist eh raus. Du bist anders als die Anderen.
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Bis denn. Euer Sven.
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  #41  
Alt 07-07-2010, 18:00
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Zitat:
Zitat von Helmut Gensler Beitrag anzeigen
Universitäres Studium und Lehrerdasein erkläre ich meinen Referendaren mit einem (leicht hinkenden) Vergleich: Es ist wie Mensch ärgere dich nicht spielen. An der Uni lernst du, eine 6 zu würfeln, dann darfst du mitspielen. Welche Strategien du im Spiel brauchst, musst du später lernen.
Hallo!

Ich zitiere in diesem Kontext meinen Refs bei den Ausbildungsstunden gerne den Hilbert Meyer, der da sinngemäß sagt:

Es gibt drei Arten von Didaktik:

(1) Anfängerdidaktik
Der Anfänger nutzt altbewährte Konzepte, um sich die ersten Schritte in die Materie einzuarbeiten und damit nicht direkt die komplett falsche Richtung eingenommen wird.

(2) Feiertagsdidaktik
Wir pauken für die Prüfung und schlagen uns die Theorien um die Ohren. Dinge, die der Realität spotten werden mit intellektueller Mimik diskutiert und als das non plus ultra angesehen/verkauft.

(3) Fortgeschrittenendidaktik
Der Alltag (die Arbeit an der Front - frei von Lehrproben et al) erlaubt die Verknüpfung von der Theorie mit der eigenen Praxis und damit die Entwicklung eines eigenen, individuellen Weges.


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  #42  
Alt 07-07-2010, 19:08
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O.K. kommt wieder zurück. Inzwischen haben wir das Thema Lehrer/Pädagogen ganz gut abgegrenzt. Auch in Punkto Kompetenzen und eben keine mittels Hochschulstudium oder eben nicht.

Für mich ist immernoch der Aspekt der sogenannten "Budopädagogen" es sind diese eben nicht chinesisch sondern Japanisch orientiert. Liegt sicher auch am Ausbildungsleiter, der sich nun wie bekannt, der japan. Fraktion hingewendet hat.

Los ihr Professionellen, sagt mir doch nocht etwas zum Thema SPIRITUALITÄT, die ja so als unverzichtbare Komponente dazugehören muss(zumindest bei der Budopädagogik).
Was haltet ihr davon? Stellt euch mal vor, dass gäbs im Schulunterricht?!?!

Und inzwischen ist der wissenschaftliche Aspekt ja auch schon angerissen. Jetzt mal zur Praxis..

Helmut Gensler (auch wenn du ja eigentlich schon nicht mehr von dieser Welt bist ) was gibt es denn konkretes an Handwerkszeug von "deiner" Ausbildung?
Will heissen, konkrete Übungen, Haltungen, Knowhow, etc..?

Ich sehe das immernoch so, das die besagte Budopädagogikecke eine Geldmacherei mit angepinseltem Titel ist. Weder Budo noch Pädagogik ist da wirklich Thema ausser eventuell noch theoretisch und auch da lässt sich Qualität nicht erkennen.
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  #43  
Alt 07-07-2010, 19:32
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Zitat:
Zitat von Undayag Beitrag anzeigen
O.K. kommt wieder zurück. Inzwischen haben wir das Thema Lehrer/Pädagogen ganz gut abgegrenzt. Auch in Punkto Kompetenzen und eben keine mittels Hochschulstudium oder eben nicht.

Für mich ist immernoch der Aspekt der sogenannten "Budopädagogen" es sind diese eben nicht chinesisch sondern Japanisch orientiert. Liegt sicher auch am Ausbildungsleiter, der sich nun wie bekannt, der japan. Fraktion hingewendet hat.

Los ihr Professionellen, sagt mir doch nocht etwas zum Thema SPIRITUALITÄT, die ja so als unverzichtbare Komponente dazugehören muss(zumindest bei der Budopädagogik).
Was haltet ihr davon? Stellt euch mal vor, dass gäbs im Schulunterricht?!?!

Und inzwischen ist der wissenschaftliche Aspekt ja auch schon angerissen. Jetzt mal zur Praxis..

Helmut Gensler (auch wenn du ja eigentlich schon nicht mehr von dieser Welt bist ) was gibt es denn konkretes an Handwerkszeug von "deiner" Ausbildung?
Will heissen, konkrete Übungen, Haltungen, Knowhow, etc..?

Ich sehe das immernoch so, das die besagte Budopädagogikecke eine Geldmacherei mit angepinseltem Titel ist. Weder Budo noch Pädagogik ist da wirklich Thema ausser eventuell noch theoretisch und auch da lässt sich Qualität nicht erkennen.
Pädagogisches Wissen kann man sich auch anderes aneignen als NUR über
ein Studium. Nur tun das die wenigsten.

Zu SPIRITUALITÄT müsste man wissen was DIE darunter verstehen.



Schau mal auf Helmuts Seite. Da findest Du so einiges.
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  #44  
Alt 07-07-2010, 19:52
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Zitat von WingChun77 Beitrag anzeigen
Am Ende möchte ich korrigierend fragen:
Warum haben Lehrer kein Pädagogik-Studium? Wie kommst du denn zu solch einer Behauptung?
Behauptung? Weil sie dann mind. 6 Semester Pädagogik studieren müssten, was sie nicht tun.

Das private Probleme der Kids nichts mit der Schule zu tun haben, bezweifle ich! Wie ich schon einmal erzählte, entstehen die meisten Probleme erst in der Schule, bzw. haben dort durch die organisatorische Form die Möglichkeit, nach außen getragen zu werden, siehe Mobbing - eines der wohl größten Probleme. Auch hier bringt ein Blick in die schon erwähnte Literatur vor allem bei Behn & Co. Einblick. In Niedersachsen z. B. werden daher weitere Schulsozialarbeiter in die Schulen geschickt. Zumeist geht es um präventive Projekte, die auf die Veränderung der Konfliktkultur abzielen.

Aus meiner Sicht geht es auch nicht um die Frage, was man nicht kann, sondern was notwendig ist.

@Helmut
Leider kann ich hier nicht alle betreffenden Schulen bzw. Lehrer mit Namen nennen, daher der Ausdruck "DIE" Schule, weil es eben repräsentativ ist. Ausnahmen bestätigen - wie immer - die Regeln...Der STERN-Artikel benennt die wenigen zertifizierten Schulen, weil es sich eben nur um sehr wenige in Deutschland handelt.

Insgesamt wissen wir alle, dass DIE Lehrer heutzutage wirklich arg gebeutelt sind, WingChun77 hatte hierzu ja schon die vielen Anforderungen genannt. Hinzu kommen ja noch die Anforderungen, die aus der Pisa-Studie entstehen. Eigentlich kaum zu bewältigen.

Zum Thema:
Ich stoße mich schon an dem Begriff "Budo-Pädagogik", weil der wohl eine Eigenkreation ist - aber das hatten wir schon. Das im Bereich der Fachübungsleiter-Ausbildung immer auch andere, alternative Inhalte (Je nach Ausbilder) vermittelt werden, versteht sich von selbst. Daher finde ich die Ausbildung zum Fachübungsleiter nicht schlecht...es könnte nur ein bisschen mehr Input über das heutige Klientel geben.

Spiritualität würde ich übrigens nicht unbedingt zum Wissensspektrum pädagogischer Konzepte machen, dafür ist das Thema viel zu abgehoben und individuell. Ich hatte bereits den Punkt "Rituale" mit Beispielen erwähnt, weil ich den für päd. sehr wertvoll halte.
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  #45  
Alt 07-07-2010, 21:29
Benutzerbild von Undayag
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Naja, die Budopädagogik ist auf Zen als "spirituelles Gefährt" aufgebaut.
Hier sollen Lerninhalte drin gebettet sein. Einschliesslich "Meditationen" und sog. Mondos also Lehrgespräche.
Hier liegt für mich unteranderem auch eine grosse Gefahr dieses vermeintliche Konzept in der Jugend- und Heimerziehung oder JVA oder sonst wo im sozialpädagogischen Kontext.
Spätestens an diesem Punkt sollte meines Erachtens auch ein Riegel vor einer (zugegeben pseudo) Professionalisierung geschoben werden.
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