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  #1  
Alt 11-09-2009, 16:34
Benutzerbild von Butterbrot
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Kampfkunst: WirHauenKrassDrauf
 
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Standard Wahrheit und Nicht-Wahrheit

Folgende Frage hat sich mir heute gestellt und mich beschäftigt:

Was zeichnet die Wahrheit gegenüber der Nicht-Wahrheit aus, sodass wir innerlich wie gesellschaftlich dazu angehalten sind, die Wahrheit zu sagen?

"Weil sie eben stimmt" wäre die intuitive Antwort, die leider natürlich nichts weiter als ein Zirkelschluss ist ("Was zeichnet die Kartoffel gegenüber dem Reis aus? Na, dass sie ne Kartoffel ist!" um mal einen ganz blöden Vergleich zu bringen). Tatsächlich erscheint uns die Beurteilung selbstverständlich, dass es moralisch besser ist, die Wahrheit zu sagen.

Anders gefragt: Ist diese Beurteilung "die Wahrheit = gut, Lügen = böse" lediglich aus einer gesellschaftlichen Notwendigkeit heraus entstanden und uns dann anerzogen worden?
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  #2  
Alt 11-09-2009, 16:36
Benutzerbild von Trinculo
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Alter: 41
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Standard

Das würde ich so pauschal nicht sagen ... auf die Frage "Wie geht's?" ist uns z.B. das Lügen anerzogen worden
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But if they tell you that I've lost my mind
Baby it's not gone just a little hard to find
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  #3  
Alt 11-09-2009, 16:36
Benutzerbild von Phrachao-Suea
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Kampfkunst: Become the animal...
 
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Viele reden von der Wahrheit und meinen ihre eigene persönliche Meinung und verkaufen anderen diese als die eine Wahrheit.
Das gleiche gilt für die ach so böse lüge, die nichts weiter als die unwahrheit ist.
Ergo, das gegenteil von der persönliche Meinung / Wahrheit.


Wahrheit ist auch oft als Starkes Wort für "gehörtes" zubenutzen,so scheinen es manche Leute zu halten...

Was deine Wahrheit ist, muss nicht meine sein.
Denn wenn ich eine Situation anders einschätze als du,
sagst du ich lüge obwohl ich meine Wahrheit sage
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  #4  
Alt 11-09-2009, 19:59
Benutzerbild von Helmut Gensler
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Alter: 59
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was verstehen wir unter Wahrheit?
1. fakten, die jederzeit nachprüfbar sind
2. gesellschaftliche übereinstimmungen, .... die aber nicht überall gelten müssen
3. eigene sicherheit zu einem thema..... und die gilt nur für mich alleine

und schon sind wir mitten drin, uns gegenseitig mißzuverstehen.
whrheit ist kein digitaler Wert, der mit richtig/gut und falsch/schlecht zu kombinieren ist, obwohl das fast immer so geschieht. Es gibt Zwischentöne jeder Art.
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  #5  
Alt 12-09-2009, 11:14
Benutzerbild von Kyoshi
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Kampfkunst: Close Combat / Selfdefense
 
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Was ist aber Nicht-Wahrheit ?
- bewußtes Lügen ?
- Weglassen von Details / Informationen ?
- Notlügen ?
- Ausweichen von Fragen ?
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  #6  
Alt 12-09-2009, 11:24
Benutzerbild von Kyoshi
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Kampfkunst: Close Combat / Selfdefense
 
Registrierungsdatum: 30.01.2007
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Wahrheit (von westgermanisch wâra, das wie lateinisch verus zu indogermanisch uêro gehört; griechisch Aletheia; lateinisch veritas, wirklicher Sachverhalt) ist einer der wichtigsten philosophischen Grundbegriffe. Die Frage nach der Wahrheit gehört zu den zentralen Problemen der Philosophie und wurde von den verschiedensten Schulen und Denkern unterschiedlich beantwortet.

Es sind die Fragen nach dem Begriff von Wahrheit (Wahrheitsdefinition) und nach deren Kriterium zu unterscheiden: Bei der Frage nach dem Begriff der Wahrheit kann man in einem ersten alltagssprachlichen Zugang die „Wahrheit“ grundsätzlich von der Falschheit, der Lüge oder dem Irrtum abgrenzen. Es lässt sich ein substantivischer („Ich sage die Wahrheit.“), ein attributiver („Das ist wahre Kunst.“) und ein prädikativer Sinn („Es ist wahr, dass es heute regnet.“) der Wörter „wahr“ und „Wahrheit“ unterscheiden.

In der Aussagenlogik ist jeder Aussage ein Wahrheitswert zugeordnet. Bei zusammengesetzten Aussagen kann dieser nach formalen Regeln aus den Wahrheitswerten der Teilaussagen ermittelt werden. In der zweiwertigen Aussagenlogik gibt es die beiden Wahrheitswerte „wahr“ und „falsch“.

Wahrheit ? Wikipedia
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  #7  
Alt 12-09-2009, 15:27
Benutzerbild von Butterbrot
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Dass es kaum eine objektive Wahrheit gibt, sondern alles immer relativiert werden muss, ist natürlich klar. Meine Frage bezieht sich aber auf das "die Wahrheit Sagen" oder eben bewusste Lügen. In der deontologischen Ethik z.B. werden den Handlungen "an sich" Werturteile beigefügt, nach denen man dann handeln soll, die Folgen sind irrelevant (quasi das Gegenteil vom Utilitarismus). Hier wird auch dem Lügen ein negativer Wert beigemessen, auch wenn es in manchen Situationen besser ist (z.B. im 3. Reich "Haben Sie einen Juden bei sich versteckt?", da nützt es natürlich nicht viel, die Wahrheit zu sagen). Ich habe mich nun eben gefragt, woher das kommt.
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  #8  
Alt 13-09-2009, 11:18
Benutzerbild von Helmut Gensler
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Die Koppelung "Wahr = gut" ist meins Erachtens nach eine pragmatische Konvention in unserer Erziehung. Ich kann mich auf meine Umgebung verlassen - und bin dadurch sicherer- wenn möglichst viel in voraussagbaren Wegen verläuft. Wahrheit wird da mit einer allgemein nachvollziehbaren Aussage- und Handlungsform gekoppelt. Es würde meine Unsicherheit erheblich steigern, wenn ich nicht wüsste, dass mein soziales Umfeld "wahrheitsgemäß" - also nachvollziehbar handelt. Damit bin ich natürlich ein Stück weit weg von der rein dualen Logik mit wahr-falsch.

Geändert von Helmut Gensler (14-09-2009 um 16:24 Uhr).
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  #9  
Alt 13-09-2009, 22:40
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Zitat:
Zitat von Butterbrot Beitrag anzeigen
Dass es kaum eine objektive Wahrheit gibt, sondern alles immer relativiert werden muss, ist natürlich klar. Meine Frage bezieht sich aber auf das "die Wahrheit Sagen" oder eben bewusste Lügen. In der deontologischen Ethik z.B. werden den Handlungen "an sich" Werturteile beigefügt, nach denen man dann handeln soll, die Folgen sind irrelevant (quasi das Gegenteil vom Utilitarismus). Hier wird auch dem Lügen ein negativer Wert beigemessen, auch wenn es in manchen Situationen besser ist (z.B. im 3. Reich "Haben Sie einen Juden bei sich versteckt?", da nützt es natürlich nicht viel, die Wahrheit zu sagen). Ich habe mich nun eben gefragt, woher das kommt.
Wer lügt, betreibt einen Aufwand. Lügen erfordert Kreativität, Improvisationsvermögen, Selbstbeherrschung, schauspielerisches Talent, ein gutes Gedächtnis und die nötige Konsequenz. Die Wahrheit zu sagen fällt also viel leichter. Wer sich freiwillig dem eigentlich unnötigen Mehraufwand beugt, der tut dies also nur dann, wenn er durch den Ausspruch der Wahrheit etwas noch schlimmeres befürchten muss. Die Motivation nicht die Wahrheit zu sagen, entseht also immer aus Angst vor etwas. Verständlich dass Menschen Lügen nicht sehr schätzen, denn Angst ist ein heikles Thema und ganz eng verwandt mit Aggression.
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  #10  
Alt 13-09-2009, 22:47
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Zitat:
Zitat von nichmitmir Beitrag anzeigen
Wer lügt, betreibt einen Aufwand. Lügen erfordert Kreativität, Improvisationsvermögen, Selbstbeherrschung, schauspielerisches Talent, ein gutes Gedächtnis und die nötige Konsequenz. Die Wahrheit zu sagen fällt also viel leichter. Wer sich freiwillig dem eigentlich unnötigen Mehraufwand beugt, der tut dies also nur dann, wenn er durch den Ausspruch der Wahrheit etwas noch schlimmeres befürchten muss. Die Motivation nicht die Wahrheit zu sagen, entseht also immer aus Angst vor etwas. Verständlich dass Menschen Lügen nicht sehr schätzen, denn Angst ist ein heikles Thema und ganz eng verwandt mit Aggression.
schöner post, gibt aber auch leute die zum eigen vorteil lügen, nicht zum abwenden unschöner konsequenzen. oder leute die eine irrwitzige lüge verbreiten nur um vor der herausforderung zu stehen die illusion aufrecht zu halten...
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Für jeden Baum den ich pflanze fälle ich zwei neue.
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  #11  
Alt 13-09-2009, 22:55
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Interessante Thesen. Sicherlich ist Lügen, wie es vorab beschrieben wurde vielleicht aufwendiger oder kreativer,.....aber wirklich aufwendiger?
Wie aufwendig ist es denn die Wahrheit auszusprechen? Oder ist es gar nicht das Aussprechen an sich, sondern das darauffolgende Erklären? Oder vielleicht die darauffolgende Reaktion des Gegenübers?
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  #12  
Alt 14-09-2009, 08:43
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Aber immer die Wahrheit sagen ?

Viele wollen diese doch garnicht hören, sondern leben weiterhin in ihrer ach so tollen Traumwelt.
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  #13  
Alt 14-09-2009, 09:36
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Zitat:
Zitat von knife Beitrag anzeigen
schöner post, gibt aber auch leute die zum eigen vorteil lügen, nicht zum abwenden unschöner konsequenzen. oder leute die eine irrwitzige lüge verbreiten nur um vor der herausforderung zu stehen die illusion aufrecht zu halten...
Wenn du einen Schritt weiter denkst, ist der Motivator immer Angst.
Jemand der zum eigenen Vorteil lügt, fürchtet sich dieser vor dem Verlust von Macht, Stellung, Beliebtheit, Einfluss. Leute die "gern" lügen gibt es natürlich auch. Ich würde eher sagen, dass sind die typischen Geschichtenerzähler oder etwas anders formuliert "Leute die sich gern reden hören" und ihre Geschichten immer etwas aufschmücken. Auch da drin steckt der Drang nach Aufmerksamkeit, bzw. im Kehrschluss die Angst davor, dass die Leute bei normalen Erzählungen das Interesse an einem verlieren, also die Angst davor unbeliebt oder unbeachtet zu sein.
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  #14  
Alt 14-09-2009, 09:41
pilgrim
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Hm,
"Wahrheit" ist doch zunächst einmal sehr konkret zu verstehen und dient der Weitergabe von Weltwissen.

Aussage: "Man kann die Brücke über diese Schlucht benutzen. Sie hält." Wahr = überleben = gut. Falsch = abstürzen = schlecht.
Das läßt sich weit ausfalten.
Durch Aussage von (konkreter) Wahrheit wird (zunächst) Über-Leben weitergegeben. Und zwar sowohl diachron, als auch synchron.
Spannend wird es dann, wenn Wahrheit auch auf philosphische, metaphysische, religiöse Fragen etc. bezogen wird.
Dort gilt der gleiche Anspruch, der der sich aber nicht mehr so direkt nachprüfen läßt.

Gleichzeitg ist Lügen-Können ein wesentliches Merkmal emotionaler Intelligenz und sozialer Kompetenz, das Kinder ab dem 4. Lebensjahr aus sich heraus lernen, obwohl ihnen das "die-Wahrheit-sagen" weiterhin als positives Model dargestellt wird:
Um Zusammenleben zu gewährleisten, ist es unabdingbar, z.B. nicht jedem Menschen beliebig ins Gesicht zu sagen, was genau man von ihm hält.
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  #15  
Alt 14-09-2009, 09:56
Benutzerbild von Phrachao-Suea
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Ich find es ist trotzdem immernoch eine komplette auslegungssache..
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