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#16
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| Hallo Andreas, bevor ich verschwinde (bin ab morgen in LA zum Training) möchte ich Deine Fragen zu Ende beantworten bzw. kommentieren. “1. Jeet Kune Do, wie es von Bruce Lee und seinem stellvertretenden Lehrer Dan Inosanto in der Los Angeles- Schule und im "Backyard" unterrichtet wurde (lassen wir jetzt einmal außen vor, ob sich Bruce Lees persönlicher Kampfstil davon unterschied), ist ähnlich wie Boxen ein eigenständiger Kampfkunst-"Stil" mit einer technischen Basis (Stand, Fußarbeit, Hand- und Fußtechniken), Prinzipien und Trainingsmethoden. Die Entwicklung von Individualität ist hierbei besonders wichtig, nachdem die Basis ausreichend beherrscht wird. (Hierzu würde mich noch das Verhältnis des JKD zum Begriff "Stil" interessieren, sowohl auf die 60er Jahre, als auch auf heute bezogen - siehe mein letztes Posting ). Begriffe wie "Stil" und "Prozeß" stellen eine semantisch nicht unproblematische Angelegenheit im Jeet Kune Do da und sollten dem nach Verständnis Suchenden erklärt werden. „ JKD hat seine eigene „inside lingo“ ähnlich derer von zwei Formel 1 oder Fußball Profis wenn diese sich unterhalten. Mit Begriffen und Sätzen wie: no way as way, not a product but a process, system-style-method, crispy/uncrispy, oppenents aura etc. Das bedeutet es ist eine Sprache und Begriffswelt die den Trainingsfortschritt, die Hürden darin, wichtige Eckpunkte, potentielle Stolperfallen usw. im JKD Trainingsalltag beschreiben soll. Vieles von dieser Insider Terminologie ist durch schlechte Artikel und auf Seminaren in die breite Öffentlichkeit (auch ins internet) gelangt und stiftet Verwirrung und Rätselraterei unter „Suchenden“. Wie Du den Begriff „Stil“ in Deiner Zusammenfassung benutzt, dazu würden JKD Leute „System“ sagen, Dein Stil ist persönlicher Ausdruck des Systems. Dieses Analyse Hilfsmittel, ist übrigens eines der Werkzeuge der ominösen „JKD concepts“, da diese Betrachtung sich nicht „nur“ auf das JKD anwenden lässt, sondern auf alle martial arts Systeme. „3. Bruce Lees Notizen enthalten Aufzeichnungen über viele verschiedene Kampfkünste, sind sogar zum Teil aus anderen Büchern über Kampfsport abgezeichnet, z.B. stammen die Muay Thai-Skizzen in dem Buch "Tao of JKD" (deutscher Titel: "Bruce Lees Jeet Kune Do") - wie Du hier erwähnt hast - aus dem Buch „Comprehensive Asian Fighting Arts“, von Donn F. Draeger . Bruce Lees hinterlassene Notizen und Aufzeichnungen sind demnach in keinem 1:1-Verhältnis für seinen Kampfstil repräsentativ.“ Ja und Nein. Ja, da tatsächlich vieles in Bruces Unterlagen aus anderen Büchern und Quellen kommt. Nein, da Bruce zu fast allen diesen Sachen, seine eigenen Kommentare, Hypothesen, Erfahrungen, Fortschritte und Beobachtungen aufgeschrieben hat. Das Tao of JKD Buch ist nur eine komprimierter Auszug aus 6 Bänden die Bruce hatte, die er „Commentaries on the Martial Way“ nannte. ------------------------------------------------------------- Vier weitere Fragen zur Thematik: 1. Welche definitiven Gründe lassen sich für Bruce Lees Verlassen des traditionellen Wing Chu-Systems und das Entwickeln seines eigenen Kampfstils Jeet Kune Do nennen, die über den spekulativen Bereich hinausgehen? Gute Frage. Ich kann nur spekulieren und meine Meinung Dir dazu anbieten. Ich denke einer der Gründe ist schlichtweg das Wegziehen von Hong Kong und damit aus seinem gewohnten Trainingsumfeld. So dass er neue Eindrücke, neue Erfahrungen, neue Ideen in USA gesehen und erlebt hat, die im Laufe der Zeit bestimmte Formen annahmen. Ob dies ausdrücklich als „Verlassen“ des Wing Chun angesehen werden sollte, bezweifle ich. Bruce hatte keine Probleme damit heilige Kühe zu schlachten und glaubte das jedes festgeschriebene, starre System, egal ob es chinesischen, koreanischen, japanischen oder europäischen Ursprungs ist, eine Kristallisierung sei, sprich ein Einfrieren und Konservieren von etwas was ursprünglich intuitiv und flüssig sein sollte. Also mehr was grundsätzliches. Inosanto hat oftmals in der Schule erwähnt, das Bruce stets in den höchsten Tönen über sein altes Training geredet hat, auch nach 1967. Ich glaube auch das es hilft wenn man Wing Chun Erfahrung hat um JKD gewisser trainieren zu können und auch manche Taktiken und Strategien leichter zu verstehen. Deshalb würde ich die Frage nicht so stellen, sondern: Inwiefern versteht man JKD besser wenn man einen Wing Chun Background hat? Wieder mal schwierig für mich mit Worten zu erklären, im Training erklärt sich so was leichter. “2. Glaubst Du, und hier sei eine Hypothese durchaus erlaubt und auch nötig, Bruce Lee wäre heute glücklich mit der Vielzahl an Jeet Kune Do-Schulen weltweit, und einer fehlenden übergeordneten Kontrollinstanz, was einen allgemeinen, verbindlichen Qualitätsstandard (wie das Prüfungswesen in den Vereinssportarten) und das Vergeben von Instructor-Zertifikaten angeht? Oder gäbe es das im Falle von Bruce Lees Weiterleben alles nicht?“ Was er getan oder nicht getan hätte ist schwierig zu sagen. Von meinem Eindruck her und den Erzählungen und Berichten seiner Freunde und Schüler, denke ich dass er definitiv im Filmbusiness geblieben wäre, vielleicht später eher als Produzent oder Regisseur. Das JKD Training wäre wahrscheinlich stets ein „Backyard“ System geblieben und nicht für die Massen zugänglich. “3. Für was würdest Du dich als Beginner entscheiden, wenn Du dich in relativ kurzer Zeit - z.B. einem halben Jahr - relativ "kampffit" (der Gebrauch von Waffen ausgenommen) machen müßtest, ohne in dieser Zeit Deine Gesundheit bereits beim Training zu riskieren? --> Deine gesamte Energie und Trainingszeit in ein paar Bewegungen zu investieren (der Fauststoß hier natürlich allem voran), darin Schnelligkeit und Kraft zu maximieren, sowie eine schnelle Überbrückung (Closing), ansatzloses Zuschlagen und eine gute körperliche Kondition zu entwickeln, oder im gleichen Zeitraum verschiedene Kampfstile, und deren Drills und Prinzipien zu studieren?“ Kampffit? Fit für was? Selbstverteidigung? NHB? Sparringsrunden? Schwierig zu spezifizieren ohne den Hintergrund, das Potential und die Trainingsdetails (Gruppentraining 2 x die Woche, tägliche Privatstunden, 1 x Monat ein Seminar) des jeweiligen Schülers zu kennen. Ich meine ich kenne Lehrer die machen in 6 Monaten eine lean, mean fighting machine aus Dir und auch das Gegenteil, Jungs die 6 Jahre trainiert haben und nicht unbedingt sehr „combativ“ sind noch es sein wollen. Zu viele Faktoren spielen hier eine Rolle und verändern das Spiel, so dass ich Dir leider keine „allgemeine“ Antwort hierzu geben kann. “4. Ist Jeet Kune Do für Dich eine vollständige Kampfkunst (daß es eine eigenständige ist, geht aus Deinen Ausführungen hervor)? Wenn ja, warum muß man überhaupt noch andere Kampfkünste studieren? Wenn nein, was fehlt?“ :-) Heavy, heavy Frage. Werde vielleicht einen neuen Thread darüber wenn ich zurückkomme aufmachen, weil ich die jetzt nicht in 5 Minuten beantworten kann. Keep Blasting, Bob Dubljanin “when in doubt – straight blast” Bruce Lee |
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| Hi Bob Viel Spass in L.A. Grüsse
__________________ Frank Burczynski - J.A.B. JKD Akademie Berlin + IMAG e.V. http://www.jkdberlin.de |
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| ... Geändert von Andreas Mertsch (02-04-2002 um 00:06 Uhr). |
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| Zitat:
Und übrigens, Andreas: Es gibt eine gute chance, dass wir wieder Jesse nach Hamburg holen - so etwa Februar-März. Dann gibt es garantiert auch einen Flens zusammen mit ihm auf dem Hans Albers Platz. Hast du überhaupt das Bild von da vom letzten Mal bekommen? |
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#20
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| Zitat:
Nope, leider nicht... Grüße Geändert von Andreas Mertsch (06-12-2003 um 18:29 Uhr). |
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