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#166
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| Ich habe jetzt ein Problem mit deiner Sprache / deiner Semantik... Bitte hilf mir da mal. Einerseits verteidigst du Rosenberg und seine Kommunikation auf Augenhöhe und einer empathischen Grundeinstellung. Auf der anderen Seite unterstellt du mir und anderen Lehrern mit den Aussagen Zitat:
Zitat:
Ist das dann dein Zugehen auf Augenhöhe, den Anregungen von Rosenberg folgend???? Meine Grundeinstellung ist primär nicht so pessimistisch und negativ, sondern ich versuche mein Gegenüber erst einmal ernst zu nehmen und seine Handlungsstrategien zu verstehen. Das gelingt mir auch oft, beileibe nicht immer. |
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#167
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| Dann habe ich versucht, vermeintliche Mißverständisse ("verdient sein Geld mit unterhaltsamen Vorträgen", "Sendet unterschwellige Botschaften, seine Art von Kommuniaktion löst mit Leichtigkeit alle Probleme"..) zu hinterfragen und meine Sicht des Ganzen darzustellen. Ich habe aber kein Diplom in Giraffensprache, keinen Eid auf die Rosenbergbibel abgelegt und denke am liebsten selbst. ![]() Daher ist die Annahme, dass ich mich an die vermeintlichen Regeln der rosenbergschen Kommunikation zu halten verpflichtet fühle, ein Irrtum. Insbesondere würde eine derartige innere Verpflichtung ein neues "du sollst", ein "richtig" und "falsch" begründen, das ja, zumindest nach meinem geringen Verständnis, eben nicht Giraffensprache wäre. (Ich weiß natürlich welche Freude es den Menschen macht, anderen die Verfehlung von selbstauferlegten Regeln vorzuwerfen ("Wie kann ein Christ Kampfsport betreiben?"; "Wie kann ein Veganer Gummibärchen essen"...)) Zitat:
Nehmen wir mal Dein erstes Zitat: Aus einer Frage mit verschiedenen Möglichkeiten nimmst Du eine heraus und verkürzt sie als Aussage- In: Und Du meinst, er war zu doof, um einzusehen, dass diese Tips hilfreich sind oder will er einfach ineffektiven Unterricht halten? Hast Du in dieser Frage wirklich nur den Fett markieren Teil wahrgenommen? Tatsächlich hast Du Deinen Kollegen als "beratungsresistent" bezeichnet, da er Verbesserungsvorschläge von Dir und Kollegen nicht umgesetzt hat. D.h. Er hatte Zugang zu der Information, dass und wie er durch das Ändern seines Unterrichtsstils seine Schüler besser erreichen kann. Dennoch hat er seinen Unterricht nicht geändert. Da ich mit Rosenberg so weit übereinsstimme, dass die Menschen für Ihr Handeln meist einen guten Grund haben, gehe ich jetzt davon aus, dass der als "beratungsresistent" bezeichnete Lehrer einen guten Grund hatte sein Verhalten nicht zu ändern, obwohl im die Informationen vorlagen. Und da fallen mir als Gründe folgende ein: Variante 1.) die Informationen lagen ihm zwar vor, aber er hat sie nicht aufgenommen, bzw. so interpretiert, wie die Tipgeber, also ihren Nutzen nicht erkannt. Da Du davon ausgehst und auch mit Videoaufzeichnungen beweisen kannst, dass die Tips hilfreich sind, gehe ich nicht davon aus, dass Du die Nützlichkeit der Tips anzweifelst. Ergo läge ein Ablehnen der Ratschläge wegen des Grundes "Die sind nicht Zielführend" an einem kognitiven Mangel Deines Kollegen in bezug auf das Verstehen der Nützlichkeit der Ratschläge. Diese Möglichkeit habe ich in der weniger sperrigen Formulierung "zu doof, um einzusehen, dass die Tips hilfreich sind." ausgedrückt. Wenn nun die Variante 1 falsch ist, dann versteht er, dass er durch die vorgeschlagene Änderung des Unterrichtsstils die Kinder besser erreichen kann. Er tut es aber nicht. Also gibt es die Variante 2.) er hat gar nicht das Ziel, die Kinder besser zu erreichen, daher nimmt er die Ratschläge nicht an, da er eben das Ziel hat, die Kinder genau so zu erreichen, wie er es gerade tut und damit ein Annehmen der Tips für ihn nicht zielführend wäre. Variante 2.) war eine kleine Provokation von mir, da ja Rosenberg von der Annahme ausgeht, dass es ein Grundbedürfnis von Menschen ist, anderen Menschen zu helfen. Da Du aber geschrieben hast, dass der Lehrer die Ratschläge nicht annehmen will, wollte ich hinterfragen, ob Du, der die Grundannahmen Rosenbergs ja eventuell nicht teilt, auch der Meinung bist, dass der Kollege keinen besseren Unterricht machen will. Nehmen wir jedoch an, dass die Gundannahme, dass es ein Bedürfnis der Menschen ist, anderen Menschen zu helfen, stimmt, dann sollte man davon ausgehen, dass gerade ein Lehrer zum Wohlergehen seiner Schüler beitragen will. Ist diese Annahme richtig, dann fällt Variante 2.) weg, und daraus folgt, dass der Lehrer seine Schüler bestmöglich erreichen will, aber durch andere Bedürfnisse daran gehindert wird. Also muss er Gründe haben, sich nicht zu verändern, obwohl er das als zielführend für sein Bedürfnis den Kindern zu helfen erkannt hat: Variante 3.) Der Lehrer hat es gerne bequem und überschaubar und wird durch die Anstrengung bzw. Unsicherheit, sich neue Methoden anzueigenen abgeschreckt. Variante 4.) Der Lehrer hat die Unterstützung der Tipgeber als Kritik an seiner Kompetenz aufgefasst und damit käme ein Verfolgen der Tips einem Eingeständnis seiner Inkompetenz gleich. Variante 5.) Der Lehrer hat den Ratschlag als Anweisung, die er zu folgen hat, aufgefasst und daher sieht er eventuell nur die Möglichkeit, sich zu Unterwerfen oder zu Rebellieren. Ich weiß nicht, wie es in Deiner Schule zugeht, aber einige Schulen sind ja sehr hierarchisch organisiert. Wenn man gewohnt ist, Anweisungen von oben anzunehmenen, und nach unten welche zu geben, dann wird über das Annehmen oder Vergeben von Ratschlägen eventuell auch die Hackordnung geregelt ("Von Ihnen lasse ich mir doch nichts sagen"). Diese Möglichkeiten sehe ich hinter der Diagnose "beratungsresistent" und würde gerne wissen, ob Du eine davon als zutreffend bezeichnen würdest, oder Dir weitere Möglichkeiten einfallen. Bemerkenswert finde ich die Tatsache, dass Du einen Kollegen als "Beratungsresistent" bezeichnest und dich dann wunderst, dass jemand auf die Idee kommt, dass zuminest einige Lehrkräfte an Deiner Schule "nicht in der Lage sind, unsere Aktionen zu reflektieren, die Erfahrungen und psychologischen, wissenschaftlichen Anregungen nicht aufnehmen, überdenk en und partiell auch annehmen zu wollen". Ich hab jetzt keine Lust das zweite Zitat von Dir genauso auszuführen, aber auch dabei handelt es sich um eine Nachfrage, die einen für mich unklaren Begriff "jemenden Erreichen" für mich verständlicher machen sollte. Das ist IMO auch gelungen. Ich weiß jetzt, dass Du es teilweise mit Menschen zu tun hast, die aufgrund bestimmter Einschränkungen Schwierigkeiten haben, überhaupt einen Kommunikationskanal aufzubauen, bzw. aufrecht zu erhalten. Das ist etwas anderes, als ein Mensch mit durchschnittlichen kommunikativen Fähigkeiten, auf die sich Rosenberg IMO wohl hauptsächlich bezieht. Bei Kollegen und Eltern hätte ich solche Fähigkeiten zumindest erhofft. Zitat:
Nun gut, ich kann mich am Giraffisch versuchen: Ich habe einen Beitrag von Dir gelesen, explizit im "Lästermodus" geschrieben, als Reaktion auf ein Video, das einen meiner Meinung nach interessanten Beitrag zu der vorliegenden Diskussion, wie man Kinder möglichst ohne Zwang zum Lernen bringt. Ich war verärgert, da ich die Ansätze von Rosenberg, abhängig vom Kontext, sehr hilfreich und bermerkenswert finde und ich ein Bedürfnis nach Wertschätzung nicht erfüllt sah. Dabei fühlte ich mich auch etwas hilflos, weil Deine Antwort mit meinem Verständnis der Rosenbergmethode und Rosenberg selbst wenig zu tun haben und ich mein Ziel, eine hilfreiche, wirksame Anregung zu liefern, zumindest bei Dir, verfehlt sah. Warst Du beim Schreiben des Beitrages gereizt oder verärgert? Kannst Du Dir vorstellen, konkret Deine Kritikpunkte an der Rosenbergmethode, oder zumindest auf das in dem von mir geposteten Video angesprochenen Thema zu äußern? In dem Video ging es IMO darum, dass einige Menschen Bitten als Befehle hören und nur die Möglichkeit sehen, sich zu Unterwerfen oder zu Rebellieren. Daher ist das Verweigern der Kommunikation oder der Mitarbeit nicht zwingend dem Desinteresse am Stoff geschuldet, sondern eher ein Ausdruck des Autonomiebedürfnisses, selbst zu bestimmen, was man tut. In Bezug auf das vorliegende Thema würde das z.B. bedeuten, dass es schön wäre, wenn Schüler die Schule als Angebot und nicht als Zwang begreifen.
__________________ Ich wurde durch's Feuer, wie Phoenix geborn. Ich flog durch die Lüfte! ward doch nit verlorn. Geändert von Simplicius (29-10-2011 um 12:40 Uhr). |
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#168
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| in Kürze: Die Variante 4 kommt recht oft vor, leider. An "meiner Schule" sind keine beratungsresistente Lehrer, das ist keinesfalls mein Verdienst. Die Aussage von dir beinhaltet per se eine Wertung: Zitat:
Den Ausdruck "Giraffensprache"finde ich ganz amüsant. Wann ist das die passende linguistische Form bei wem? onegai shimasu. Geändert von Helmut Gensler (29-10-2011 um 14:07 Uhr). |
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#169
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| Ich finde es verdammt schwer, nicht zu etikettieren. Ich wollte damit in dem Kontext allerdings nicht ausdrücken, dass man von vorneherein davon ausgehen sollte, dass ein bestimmter Mensch aufgrund einer Etikettierung oder Diagnose in bestimmter Hinsicht ein "hoffnungsloser Fall" ist. Lediglich, dass ich die Methode der gewaltfreien Kommunikation auch kritisch und nicht unbedingt auf alle Situationen übertragbar ansehe und Deine entsprechenden Erfahrungen respektiere. Das kann man aber eventuell erst wissen, wenn man es versucht hat. Ich bin immer etwas kritisch bei Universallösungen, die die komplexen Probleme der Welt auf eine einfache Ursache zurückführen. In Schulen und Betrieben sind da IMO Grenzen gesetzt, da es zeitaufwändiger ist, als klare "Befehlsketten". Allerdings gibt es wohl "Giraffenschulen", die nach dieser Methode arbeiten. Und für das alltägliche Miteinander, auch im Job sicher hilfreich. Giraffensprache, weil das die Landtiere mit dem größten Herzen und dem besten Überlick sind. Es ist eine nicht wertende, nicht fordernde (aber bittend/wünschende) Sprache, die sich an eigenen und fremden Gefühle und dahinterstehenden Bedürfnissen orientiert. Demgegenüber steht die Wolfssprache (im Original Schakal). Sie ist fordernd, urteilend, verletzend, orientiert sich an "Richtig" und "Falsch". Arbeitet mit Schuld, Scham, Angst, Strafe und Belohnung. Daher auch die Handpuppen, um in Vorträgen oder Rollenspielen den jeweiligen Sprachmodus deutlich zu machen. Dazu gibt es noch lustige Ohren zum Aufsetzen um den Hörmodus deutlich zu machen. Mit Wolfsohren hört man Befehle, Verletzungen, Urteile, Diagnosen... Mit Giraffenohren hört im Idealfall man keine Verletzungen oder Forderungen, sondern die hinter den Worten/Handlungen stehende Befürnisse des Sprechers. Dann ärgert man sich auch weniger. ![]() Das ganze finde ich aber ziemlich schwer. ![]() hier eine Übersicht über die Methode: http://www.gewaltfrei.de/gk802/modell.php
__________________ Ich wurde durch's Feuer, wie Phoenix geborn. Ich flog durch die Lüfte! ward doch nit verlorn. |
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#170
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| Mit dieser Sprachidee gehe ich gerne konform. Auch der Erkenntnis stimme ich sofort zu: Zitat:
Auch bei Kampfsportlern erlebe ich da des öfteren den Willen "immer gewinnen zu wollen". Da ist die Giraffensprache leider weniger oft zu finden. Macht nichts, jeder entscheidet sein Leben und seine Umgangsformen selbst und muss die entsprechenden Konsequenzen erleben. |
![]() |
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