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  #1  
Alt 25-03-2011, 17:57
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Kampfkunst: Goju-Ryu Karate, Combat Sambo ก็็็็็
 
Registrierungsdatum: 17.08.2008
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Alter: 24
Beiträge: 1.135
Standard Grapplingtraining mit einem Autisten

Hallo,

wir trainieren seit geraumer Zeit auch im Karate regelmäßig Bodenkampf und Hebel.
In unserem Verein ist ein jugendlicher Autist, der die letzten Jahre schon ganz erhebliche kognitive, soziale und technische Fortschritte gemacht hat und mittlerweile gar nicht schlecht ist.

Ich habe nur beim Grappling-Techniktraining immer einen riesigen Schiss. Und zwar ist der Junge 1. sehr verbissen und 2. sehr gelenkig. Setzt man einen bestimmten Hebel im Stand oder am Boden an, oder einen Würgegriff, dann gibt er nicht auf. Meist kann man sich nicht sicher sein, ob er nun Schmerzen hat, weil er seines Autismus' wegen andauernd eine komische Fratze zieht, oder ob der Griff vielleicht nicht richtig sitzt. Bei einem Leg log, der sonst bei jedem schnell sitzt, meinte er zu mir, als er einen helle(re)n Moment hatte, dass er nichts spüren würde. Und das sagt er auch bei einem RNC, obwohl er rot anläuft, und bei einer Armbar. Eigentlich immer.
Leite ich selbst das Training, sag ich mittlerweile jedes Mal, dass seine Partner bei ihm nur andeuten sollen, weil er keinen Schmerz empfinde. Und trotzdem hab ich immer Bammmel, weil er kein Abklatschen kennt; und was das angeht, kann ich ihm so oft erklären, wie ich will, dass er abklatschen soll, wenn er merkt, dass der Griff sitzt, weil er wohl nie meint, dass der Griff sitzt und weil in seinem Empfinden auch Techniktraining schon harter Kampf ist (was ich mit verbissen meine).
Man kann ja schlecht mal was durchziehen, sodass er ohnmächtig wird oder seine Gelenke brechen.

Was kann man da tun? Oder ist meine Lösung, seinen Partnern generell zu sagen, dass sie bei ihm nur andeuten sollen, die richtige?

Wollte das erst im Grapplingforum posten, aber hierher passt die Frage wohl besser.
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Sojobo
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  #2  
Alt 25-03-2011, 18:33
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Kampfkunst: (Sport-)Judo, Allkampf, über den Tellerrand gucken
 
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Warum legst du den Wert darauf, dass diese Person genau dann abschlägt, wenn die erfolgreiche Technik es erforderlich macht?

Der Jugendliche hat ein Handicap und kann nicht einschätzen, wann er abschlagen sollte.
Seine körperliche Unversehrtheit sollte im Vordergrund stehen.

Die Effektivität der Techniken können du und deine Trainingspartner untereinander testen, aber nicht mit diesem Jugendlichen.
Seine kognitive, soziale und technische Entwicklung ist wichtiger als die Entwicklung zu einem Kämpfer.

Also ist das Andeuten in der Tat der richtige Weg.

Geändert von Jan_ (25-03-2011 um 18:36 Uhr).
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  #3  
Alt 25-03-2011, 19:28
Benutzerbild von defensiv
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Kampfkunst: Hybrid-SV
 
Registrierungsdatum: 13.03.2010
Beiträge: 1.492
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Mir wäre das persönlich zu riskant und ich würde ihm zu einer anderen Sportart raten. Birgt sonst mächtiges Gefahrenpotential. Und die eventuelle Haftung als Ausbilder, der es wusste ... !? Ich weiß echt nicht. Besser nicht, denke ich!
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  #4  
Alt 25-03-2011, 21:07
Benutzerbild von Sojobo
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Kampfkunst: Goju-Ryu Karate, Combat Sambo ก็็็็็
 
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Beiträge: 1.135
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Zitat:
Zitat von Jan_ Beitrag anzeigen
Warum legst du den Wert darauf, dass diese Person genau dann abschlägt, wenn die erfolgreiche Technik es erforderlich macht?

Der Jugendliche hat ein Handicap und kann nicht einschätzen, wann er abschlagen sollte.
Seine körperliche Unversehrtheit sollte im Vordergrund stehen.

Die Effektivität der Techniken können du und deine Trainingspartner untereinander testen, aber nicht mit diesem Jugendlichen.
Seine kognitive, soziale und technische Entwicklung ist wichtiger als die Entwicklung zu einem Kämpfer.

Also ist das Andeuten in der Tat der richtige Weg.
Ich lege keinen gesteigerten Wert darauf, dass die Techniken bei ihm richtig sitzen, darum sag ich ja, dass seine Partner die Techniken nur ansetzen sollen. Er selbst ist da nicht untalentiert, setzt die Techniken gut an und lässt auch sofort los, wenn seine Partner tapen. Nur sich selbst kann er nicht richtig einschätzen. Aber gut, dann geh ich wohl bisher den richtigen Weg. Sehe das Karatetraining in seinem Fall auch in erster Linie als Therapie. Danke!

Zitat:
Zitat von defensiv Beitrag anzeigen
Mir wäre das persönlich zu riskant und ich würde ihm zu einer anderen Sportart raten. Birgt sonst mächtiges Gefahrenpotential. Und die eventuelle Haftung als Ausbilder, der es wusste ... !? Ich weiß echt nicht. Besser nicht, denke ich!
Na ja, er ist schon ein paar Jahre bei uns und hat damals mit seinem Vater zusammen angafangen, der mittlerweile an Krebs gestorben ist. Glaube nicht, dass er sich so schnell wo anders einfinden könnte, zumal er um die Ecke wohnt und wo anders wohl alleine nicht hinkäme. Bei anderen Übungen sehe ich auch keine Probleme mit ihm.
Schätze, wenn es sonst keine Ideen gibt, lass ich gefährliche Hebel- und Würgetechniken nur mit erfahreneren Leuten trainieren, denen ich dann weiterhin gesondert sage, dass sie nur andeuten sollen... Dann kann ja eigentlich nichts passieren.
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Sojobo
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  #5  
Alt 25-03-2011, 21:49
Benutzerbild von Hoodzfighter
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Kampfkunst: Thai/MMA/BJJ
 
Registrierungsdatum: 01.02.2011
Ort: Düren/Amsterdam
Beiträge: 2
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Zitat:
Zitat von Jan_ Beitrag anzeigen
Also ist das Andeuten in der Tat der richtige Weg.
Sehe ich genau so. Ich arbeite beruflich mit unter anderem auch autistischen Menschen. Im Bezug auf das Verletzungsrisiko wäre ich da sehr vorsichtig, da deren Schmerzempfinden oft schwer einzuschätzen ist.
Grundsätzlich finde ich es jedoch gut einen solchen Jugendlichen zu trainieren, da ich auch von der positiven Entwicklung durch den Kampfsport überzeugt bin.
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  #6  
Alt 27-03-2011, 12:46
Benutzerbild von Helmut Gensler
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Rede einfach mit ihm und lasse dir Rückmeldungen geben, wann er was spürt. Er braucht diese Körpererfahrung auch. Also "tastet" euch an Grenzen ran. Dieses vertrauensvoll Aufeinander-Eingehen ist etwas sehr Wertvolles und Wichtiges.
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  #7  
Alt 27-03-2011, 13:08
Benutzerbild von RAMON DEKKERS
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Kampfkunst: MMA,Thaiboxen,BJJ,Boxen
 
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Beiträge: 2.790
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Zitat:
Zitat von defensiv Beitrag anzeigen
Mir wäre das persönlich zu riskant und ich würde ihm zu einer anderen Sportart raten.
Kommt drauf an wie stark der autismus ausgeprägt ist, kann ein Vereinswechsel schon große Schwierigkeiten mit sich bringen. Solche Menschen brauchen strikte Tagesplanung und einen festen ablauf, am besten immer und immer wieder. So kenne ich es von den Autisten aus meiner Schule .
__________________
Große Leistung besteht darin, nicht andere sondern sich selbst zu übertreffen.
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  #8  
Alt 29-03-2011, 17:57
Benutzerbild von Birdsegg
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Kampfkunst: Escrima nach GM Latosa
 
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Hallo Sobojo,


erstmal finde ich es sehr gut, das der Junge bei Euch mitmacht, das ist nicht überall so.

Autistische Menschen brauchen klare Ansagen und klare Regeln.
Mach Ihm klar, das die Regel heißt: Er muß abklatschen wenn er am Boden ist.
Das müssen alle mit Ihm üben, kann aber lange dauern und immer wiederholen.
Seine Schmerz- und Körperwahrnehmung ist anders als bei Nichtautisten, er kann das also nicht selber einschätzen, daher gebt Ihm eine klare Regel.
Das könnte Euch und auch Ihm sehr helfen.


BWT, mein Sohn hat Asperger Autismus, braucht auch viele Regeln, ist sehr anstrengend wird aber immer bessen :-)


LG Birdsegg.
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  #9  
Alt 06-01-2012, 19:46
Benutzerbild von Sojobo
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Kampfkunst: Goju-Ryu Karate, Combat Sambo ก็็็็็
 
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Alter: 24
Beiträge: 1.135
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So, krame den Thread nun doch noch mal raus.


Zitat:
Zitat von Helmut Gensler Beitrag anzeigen
Rede einfach mit ihm und lasse dir Rückmeldungen geben, wann er was spürt. Er braucht diese Körpererfahrung auch. Also "tastet" euch an Grenzen ran. Dieses vertrauensvoll Aufeinander-Eingehen ist etwas sehr Wertvolles und Wichtiges.
Zitat:
Zitat von Birdsegg Beitrag anzeigen
Mach Ihm klar, das die Regel heißt: Er muß abklatschen wenn er am Boden ist.
Das müssen alle mit Ihm üben, kann aber lange dauern und immer wiederholen.
Seine Schmerz- und Körperwahrnehmung ist anders als bei Nichtautisten, er kann das also nicht selber einschätzen, daher gebt Ihm eine klare Regel.
Das könnte Euch und auch Ihm sehr helfen.
Also ich habe mehrfach versucht, ihm zu erklären, dass er abklatschen soll, wenn er was spürt. Er sagt einfach immer, dass er nichts spürt, und noch weiter zu gehen, ist einfach zu gefährlich.

Es funktioniert aber weiterhin so, wie oben beschrieben. Beim Techniktraining wird bei ihm nur angedeutet. Getestet, ob eine Technik sitzt, wird dann halt bei den anderen Trainingspartnern. Ich lass ihn im Bodenkampf immer gewinnen. Das lässt zwar seine Brust nach meinem Empfinden etwas zu sehr vor Stolz anschwellen, aber naja, wenn er sich dadurch gut fühlt
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Sojobo
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  #10  
Alt 09-01-2012, 11:27
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ich versuche es da mit der Strategie, meinen Partner "platt zu machen", also ihn bewegungslos zu bekommen. Die Erfahrung, nicht mehr raus zu kommen und "ausgeliefert" zu sein ist wichtig, aber psychisch eventuell heikel.
Ich habe noch das "Cokon-Spiel", erkläre es aber nur am Telefon.
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  #11  
Alt 10-01-2012, 12:49
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Hm, haben ihn schon öfters bewegungsunfähig gemacht. Er gibt auch dann nicht auf. Werde es aber mal gezielt versuchen und bewusster schauen, wie er reagiert. Ich muss mich übrigens auch nach einem Blick auf die Mitgliederliste korrigieren: Er ist mittlerweile gar nicht mehr so jugendlich: Baujahr 1990, nur ein paar Jahre jünger als ich. Der Autismus trügt etwas die Alterseinschätzung.
Cokon-Spiel lässt mich was erahnen. Aber wenn du nicht zu stark im Dialekt sprichst, können wir auch gern mal telefonieren
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Sojobo
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  #12  
Alt 12-01-2012, 10:48
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mein Fränkisch ist auch für Südschweden noch verständlich....
Die psychologische Ebene bei diesem Spiel wird (leider) nicht genau genug erklärt und beachtet, gerade bei Menschen mt psychischen Einschränkungen etc.
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