Taijiquan

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Was ist Taijiquan


„Am frühen Morgen, noch bevor der Lärm des Alltags beginnt, bereiten sich in China und Taiwan Menschen jeden Alters in Parks, Anlagen und Plätzen mit Übungen „alter Traditionen“ auf ihren Alltag vor. Viele üben sich in den Künsten des Kampfes. Häufig sind es die außergewöhnlichen langsamen Bewegungen des Taijiquan , einer inneren Kampfkunst (Neijia). Taijiquan ist nicht die Erfindung und Entwicklung einer Person. Taijiquan geht auf alte Wurzeln der chinesischen Kampfkunst zurück. Bei der Entwicklung wurden verschiedene Traditionslinien verschmolzen und eine Kampfkunst auf Basis alten Wissens geschaffen. In „ihrer Jugend“ war Taijiquan, die Kampfkunst einiger weniger, die täglich von morgens bis abends intensiv die körperlich „anspruchsvollen“ Kampfkunsttechniken übten. In den im Allgemeinen schnell gelaufenen Formen gab es noch starke Tempowechsel, Schläge, Tritte, Sprünge und Fajin-Ausstöße. Die Tradition der Übungen wurde nur in einem strengen Vater-Kind oder Meister-Schüler Beziehung über eine lange Lehrzeit weitergegeben. Erst mit Chen Changxing und seinem Schüler Yang Luchan trat das Taijiquan aus einem begrenzten privaten Bereich heraus und richtete sich erstmals an eine breite Öffentlichkeit. Damit verschob sich vielerorts der Hauptschwerpunkt von der Kampfkunst weg, wodurch sich auch der Charakter der Ausübung veränderte. Das Herzstück jeden Taiji-Trainings ist bei allen bekannten großen Stilen die (Solo-) Form. Es handelt sich dabei um überlieferte Figuren und Bildern, die in einer Bewegungsabfolge im fließenden Ablauf geübt werden. Die Figurennamen haben dabei so poetische Bezeichnungen, wie „Weißer Kranich spreizt seine Flügel“, „Pipa/Laute spielen“, „Wolkenhände“ oder „Einarmige Peitsche“. Die ursprüngliche lange Form mit mehr als 80 Figuren nimmt im Regelfall etwa 15 bis 30 Minuten in Anspruch. Eine Bereicherung der Formarbeit sollte sein die Trainingsgeschwindigkeit zu variieren und immer wieder mal die Formen schnell, dynamisch und auch im Zeitlupentempo zu üben. Zu Beginn des Lernens muss der Schüler sich auf Arm- oder Fußstellung, Gewichts-verlagerung, Atem, Bewegung aus der Mitte, ... konzentrieren. Die einzelnen Bewegungen, Figuren und Formen stellen verschiedene Abwehr- und Angriffstechniken dar, die überwiegend langsam und fließend ineinander übergehend ausgeführt werden. Der kämpferische Aspekt mag durch die langsame Ausführung nicht sofort deutlich werden, die Figuren lassen jedoch eindeutige Stöße, Abwehrhaltungen oder Fußtritte erkennen. Diese Anwendungen im Sparring mit seinem Lehrer“ zu üben sollte Teil eines fortgeschrittenen Taijiquan-Trainings sein. Taijiquan ist keine Kunst, die im leeren Raum entstand. Vielmehr ist es ein Teil der chinesischen Kampfkunst und deren Geschichte.


Geschichte und Ursprung des Taijiquan


Legenden und Anekdoten

(nach wie vor gibt es Problem die Wahrheit von Aussagen nachzuweisen)

Die historischen Quellen zur Geschichte des Taijiquan erstrecken sich über Legenden, Anekdoten und klassischen Texte hin bis zur ersten „echten“ Taijiquan-Literatur. Und es ist bis heute nicht möglich eine zusammenhängende, schlüssige Geschichte des Taijiquan zu konstruieren. Einheitliche und „authentisch“ bekannte Zahlen, Daten und Fakten liegen im Verborgenen und sind nur im Ansatz wirklich verifizierbar. Ähnlich wie in den Mythen um König Artus und die Gralslegende in unserem Kulturkreis, finden sich alte Textstellen und Aufzeichnungen, die von „Schreibgelehrten“ (meist Beamte, Schüler und Mönchen) angelegt wurden. Auch im „Taijiquan der ersten Stunde“, zeichneten sich alle großen Meister, ausnahmslos „Wissende und Eingeweihte der Künste“, durch ihr tun aus, jedoch in der Kunst des Schreibens waren sie nicht geschult, die meisten waren Analphabeten. So gab es über Jahrhunderte nur selten einen Gelehrten, der mit der Materie vertraut war und darüber eine Abhandlung schrieb, eher überlieferte sich die Geschichten von Mund zu Ohr, von Lehrer zu Schüler. Die wenigen Texte, die den Chinesen überliefert sind, stammen denn auch größtenteils von den seltenen schriftkundigen Schülern, die eine oder andere Lehre schriftlich festhielten. Ein weiterer Hemmschuh in der historischen Belegbarkeit im Taijiquan ist, dass diese Kunst bis vor ungefähr einhundert Jahren absolut geheim gehalten wurde und nur innerhalb einer Familie vom Vater an den Sohn weitergegeben wurde. Selbst, wenn man ab der Jahrhundertwende davon sprechen konnte, dass Taijiquan öffentlich unterrichtet wurde, so bedeutet das nicht – und dies gilt im Grunde bis heute – dass der Lehrer alle Techniken und Prinzipien vermittelte und einfach weitergab. Viel mehr noch war es für die meisten chinesischen Taiji- und Kung Fu-Meister vor 20 Jahren undenkbar, einem Nichtchinesen – und erst rechte keinem „westlichen Barbaren“ – ihre Künste zu vermitteln. „Die Vermittlung von Grundkenntnissen und die Führung auf dem Weg muss mündlich erfolgen. Ununterbrochenes hartes Üben (Gongfu) ist die Methode der Selbstkultivierung“. aus dem Lied der 13 Grundbewegungen


Theorie des Ursprungs


Theorien zum Ursprung und damit zum Begründer des Taijiquan

1. Zeit des Gelben Kaisers

2. Yü-Übungen auf Empfehlungen des Kaisers fürs Volk

3. weite Verbreitung der Kampfkünste in China

4. Verbindung von Selbstverteidigung mit Gesundheitsaspekten besonders in daoistischen Klöstern

5. Cheng Lingxi (Yuandi) -Meister des Taijigongs. Verfasste Schrift zur Notwendigkeit des Yijing-Studiums für Taijigong

6. Li Daozi (Meister Li). Verband meisterlich die Prinzipien Ruhe und Bewegung

7. Xu Xuanping, der in der Mitte des 8. Jahrhunderts (Tang-Dynastie) mystische Kräfte entdeckt haben soll

8. Zhang Sanfeng, ein Alchemist des Wudang-Berges im 12. Jahrhundert (die Namen Zhang erscheinen in unserer lateinischen Schrift gleich, im Chinesischen werden sie unterschiedlich geschrieben)

9. Zhang Sanfeng, ein daoistischer Priester des Wudang-Berges im 15. Jahrhundert

Die wohl bekannteste Legende und Anekdoten erzählt, dass Zhang Sanfeng im 12. Jahrhundert, erst die„äußeren Kampfkünste“ (Kung Fu) erlernt hat und auf seiner Suche nach dem „Eins“ auf dem Wudang-Berg einen daoistischen Einsiedler traf, der ihn in den „inneren Künsten“ unterwies. Während seiner Studien- und Meditationsreisen beobachtete er einen Kampf zwischen einer Schlange und einem Kranich/Falken.

Geschichte: Auf einem Zypressenbaum sitzend beobachtete ein Falke eine am Boden windende Schlange. Plötzlich stürzte der Falke den Baum hinunter und griff flügelschlagend das Reptil an. Die Schlange wich den Angriffen mit kreisförmigen Bewegungen des Kopfes immer wieder aus. Die Attacke des Vogels ging ins Leere, und er zog sich wieder auf seinen Ast zurück. Nach einer Weile griff der Raubvogel erneut an, aber wieder wich die Schlange listig aus, bis sich der erfolglose Vogel erschöpft zurückzog. So erkannte Zhang die Wirksamkeit eines kreisenden Ausweichens. Und plötzlich verstand er das umfassende Prinzip von sich gegenseitig bedingender Härte und Weichheit, den Wechsel zwischen Yin und Yang. Aus dem Erkennen der Wirksamkeit des Wechsels von Ruhe und Bewegung entstand die Selbstverteidigungskunst des Weisen Zhang.

Seine Wachsamkeit, sowie seine innere Künste, die er lernen durfte, sollen die Basis dessen sein, was später einmal Taijiquan genannt wurde. Diese sagenumwobene Gestalt ist Anlass mehrerer Spekulationen seit Jahrhunderten und Ende Mai feiern viele Taijiquan Vereinigungen seinen angeblichen Geburtstag. Noch heute gibt es im Pekinger Tempel Baiyun Guan, in den Baoji-Bergen in Shanxi und am Wudang im Kreis Jun Standbilder des „Faustkampfheiligen“ und andere Reliquien, die der Allgemeinheit zugänglich sind. Wer mit den chinesischen Kampfkünsten vertraut ist, kennt zahlreiche ähnliche Legenden.

10. Chen Bu 1.Chen-Generation (Meister der inneren Kampfkunst)

11. General Qi Jiguang Buch „32 Formen des Kanonen Boxen“

12. Chen Wangting 9.Chen-Generation (eigentlicher Formgeber)

13. Wang Zongyue entwickelte Taijiquan im 17.Jahrhundert. „Abhandlung über Taijiquan“, Yin/Yang Aspekt, Namensgebung Taijiquan

14. Chen Changxing 14.Chen-Generation, Lehrer von Yang Luchan und Chen Gengyun, alter Rahmen – Laojia (Form)

15. Chen Qingping Gründer des Zhaobao-Stils

16. Yang Luchan Urvater des Yang-Stils, lehrte am Kaiserlichen Hof

17. Yang Chenfu Begründer des heutigen Yang-Stils

18. Wu Quanyou Urbegründer des Wu-Stils

19. Wu Yuxiang Begründer des alten Wu-(Hao) Stils

20. Wu Jianquan Begründer des neuen Wu-Stils

21. Sun Lutang Begründer des Sun-Stils

22. Chen Fake 17.Chen-Generation und entwickelte den neuen Rahmen – Xinjia

23. Cheng Manching Gründer des Cheng Manching-Stils

24. Chen Xiaowang, Zhu Tiancai, Chen Zhenglei, Wang Xian 19.Chen Generation und Buddhawächter der Chen-Linie Dajia (großer Rahmen)

25. Yang Zhenduo Hauptvertreter des Yang-Stils

26. Ma Jiangbao Vertreter des Wu-Stils

27. Chen Boxiang 18te, Chen Liqing 19te, Chen Peishan und Chen Peiju 20te Generation der Chen Linie Xiaojia (kleiner Rahmen)


Mittlerweile gibt es eine Sammlung alter Taijiquan-Texte. Häufig bemüht und zitiert werden


die fünf Kernklassiker

  • Klassiker des Taijiquan
  • Kommentar zum Taijiquan (Wang Zongyue)
  • Mentale Erklärungen zum Ausführen der 13 Grundbewegungen
  • Geheimlied von der Form und Funktion der 13 Stellungen
  • Das Geheimlied vom Händeschieben


Die Autorenschaft der fünf Kernklassiker ist bis heute umstritten. In der Folge der Verbreitung des Taijiquan wurden später weitere klassische Texte und Kommentare veröffentlicht. Im Kommentar zum Taiji tauchte zum ersten Mal der Begriff „Taijiquan“ auf, in dem Wang Zongyue die wesentlichen Prinzipien des Taiji behandelte.

Seit dem 17.Jahrhundert finden sich erste schriftliche Hinweise auf eine Einteilung in "innere und äußere Kampfkünste". In dem Klassiker der Kampfkunst wird eine große Anzahl von Kampfkunstschulen der Song- und Ming- Zeit genannt. General Qi Jiguang erlernte diese Kampfkünste und verschmolz sie zu einem neuen System. In seinen Aufzeichnungen (Kanonen Boxen) verwendete Qi Jiguang zwar keine Bezeichnungen, wie innere oder äußere Schule, aber viele Namen seiner Positionen, wie zum Beispiel „Einfache Peitsche“ finden sich auch in den Taijiquan Formen der Familie Chen. Damit ist der Stil Qi Jiguangs sicherlich ein Urgestein des Taijiquan. Eine der herausragenden Unterschiede zwischen den inneren und äußeren Schulen ist die Favorisierung der „weichen Strategie“. Die Taijiquan-Theorie ist also nicht aus sich selbst entstanden, sondern hat ihre Vorläufer in den inneren Kampfkünsten. So zeigt sich letztendlich, dass über den Weg der äußeren Kampfkünste hin zu den inneren Kampfkünsten die Grundlage für die Entstehung des Taijiquan gebildet wurde. "Der andere ist hart, ich bin weich, das nennt man mitgehen" aus dem Klassiker des Taijiquan


Unterscheidungen der Stile (in Vorbereitung)

Entwicklung der verschiedenen Stile (in Vorbereitung)

Berühmte Taijiquan Meister (in Vorbereitung)

Voraussetzungen (in Vorbereitung)

Tuishou - Pushing Hands (in Vorbereitung)

Taijiquan und Waffen (in Vorbereitung)

Was Taijiquan nicht ist (in Vorbereitung)

Konzepte und Prinzipien (in Vorbereitung)

Wushu-Begriff und seine Verwechslungen (in Vorbereitung)


Quellenverzeichnis

„China im Wandel“ Martin Bödicker/Armin Sievers

„T´ai Chi Ch´üan – die Grundlagen“ Z.J. Song

„Geschichte des Taijiquan“ Paul S. Schwerdt (Homepage Wushan)

„Taijiquan“ Dao Sonderheft 2/2000

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