Vollständige Version anzeigen : Philosphie in der Kampfkunst
Ir-khaim
06-08-2010, 15:57
Hallo zusammen :)
Was mich immer wieder erstaunt ist das Argument der Philosophie oder der Wertevermittlung in (besonders traditionellen) Kampfkünsten.
Dieser Punkt wird immer nur hoch abstrakt angesprochen.
Aber scheinbar gibt es auch genug Praktizierende, die so etwas suchen.
Kann mir irgendjemand ganz konkret erklären, wie das Kampfkünste, die sich so etwas auf die Fahne schreiben, umsetzen?
Setzt sich der Lehrer irgendwann hin und fängt an, eine philosophische Diskussion mit seinen Schülern zu führen?
Soll die Philosophie durch das Training vermittelt werden (z.B. Kata, wobei sich hier auch wieder die Frage stellt, wie sich das ganz konkret darstellen soll)?
Was für eine Philosophie ist das, die vermittelt wird / Wo kommt sie her?
Warum sucht jemand eine philosophische Schulung im Kampfkunsttraining?
Was für eine Qualifikation für so etwas besitzt der Trainer, der sowas tut?
Kann das sein, dass sehr viele Schulen/Stile mit Philosophie werben, was dann aber tatsächlich kaum beachtet wird (ähnlich wie das Werbewort "Selbstverteidigung").
Mir geht es darum, die Kampfkünste, die mit sowas werben, von den Sportarten abzugrenzen, in denen man Attribute wie Durchhaltevermögen, Nehmerqualitäten, Respekt vor dem Gegner usw. lernt / lernen sollte.
Ich freu mich auf die Diskussion.
hi irkhaim,
boah viele fragen,
alles kann sein – alles kann nicht sein(philosophie:D)
bei uns drückt sich die philosophie schon in der didaktik im training aus.
lernen – lehren – lernen – lehren – lernen..
das was man als gewonnes wissen für sich empfängt dann weitergibt und dadurch neue aha erlebnisse erlebt und es vertiefen lässt.
stell dir ein berg vor den es zu erklimmen gilt und wo man nach und nach an höhe gewinnt und wissen einsammelt..
bei uns auch viel durch ’machen’ für den selbsterkenntnisprozess
denn werd ich mal machen ab zum training:cool:
gibt es im escrima nicht auch tradition wo die philosophie mit einfliesst?
Hallo zusammen :)
Was mich immer wieder erstaunt ist das Argument der Philosophie oder der Wertevermittlung in (besonders traditionellen) Kampfkünsten.
Dieser Punkt wird immer nur hoch abstrakt angesprochen.
Aber scheinbar gibt es auch genug Praktizierende, die so etwas suchen.
Kann mir irgendjemand ganz konkret erklären, wie das Kampfkünste, die sich so etwas auf die Fahne schreiben, umsetzen?
Setzt sich der Lehrer irgendwann hin und fängt an, eine philosophische Diskussion mit seinen Schülern zu führen?
Soll die Philosophie durch das Training vermittelt werden (z.B. Kata, wobei sich hier auch wieder die Frage stellt, wie sich das ganz konkret darstellen soll)?
Was für eine Philosophie ist das, die vermittelt wird / Wo kommt sie her?
Warum sucht jemand eine philosophische Schulung im Kampfkunsttraining?
Was für eine Qualifikation für so etwas besitzt der Trainer, der sowas tut?
Kann das sein, dass sehr viele Schulen/Stile mit Philosophie werben, was dann aber tatsächlich kaum beachtet wird (ähnlich wie das Werbewort "Selbstverteidigung").
Mir geht es darum, die Kampfkünste, die mit sowas werben, von den Sportarten abzugrenzen, in denen man Attribute wie Durchhaltevermögen, Nehmerqualitäten, Respekt vor dem Gegner usw. lernt / lernen sollte.
Ich freu mich auf die Diskussion.
"Wertevermittlung"(Ethik) ist ja nur ein Teilaspekt der Philosophie. Ebenso wie
"Logik", "Metaphysik" oder auch die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie.
„Philosophie“ lässt sich ja leider gar nicht allgemeingültig definieren.
Jeder, der philosophiert, entwickelt eine eigene Sicht der Dinge.
Carl Friedrich von Weizsäcker sagte recht treffend „Philosophie ist die
Wissenschaft, über die man nicht reden kann, ohne sie selbst zu betreiben.“
Der Teilaspekt "Ethik" wird bei uns am stärksten "vermittelt"- Auf neudeutsch
heißen sie wohl "Soft skills" oder auch "Soziale Kompetenzen" (http://de.wikipedia.org/wiki/Soft_Skills#Soziale_Kompetenzen)
Wie das genau erfolgt kann nicht definiert werden. Daher ist ein
Abgrenzen, wie du es nennst, nicht möglich. Auch greifen die Dinge letzten
Endes ineinander.
Ein kleines Beispiel: Das Nebeneinandersetzen im Seiza und das gemeinsame
Angrüßen, im Karate, ist MEINE Philosophie zur Teambildung.
Meine Volleyball-Gruppe stellt sich im Kreis auf, fasst sich an den Händen und
ruft "Zick, Zacke, Hühnerkacke". Das ist MEINE Philosophie zur Teambildung.
Zwei Philosophien, Ein Ergebnis.
(Mal unabhängig davon ob es funktioniert ;) Ist halt nur ein Beispiel.)
Meine 2.Ct
shenmen2
06-08-2010, 19:08
Kann mir irgendjemand ganz konkret erklären, wie das Kampfkünste, die sich so etwas auf die Fahne schreiben, umsetzen? Durch das Training.
Setzt sich der Lehrer irgendwann hin und fängt an, eine philosophische Diskussion mit seinen Schülern zu führen?
Nein !
Soll die Philosophie durch das Training vermittelt werden (z.B. Kata, wobei sich hier auch wieder die Frage stellt, wie sich das ganz konkret darstellen soll)? Ja ! Die KK-Philosophie vermittelt sich durch das Tun.
Die Anreize sind für jeden die Gleichen. Ob er sie bewusst nutzen möchte, bleibt ihm selbst überlassen.
Was für eine Philosophie ist das, die vermittelt wird / Wo kommt sie her? Das sind ganz unterschiedliche Philosophien.
Warum sucht jemand eine philosophische Schulung im Kampfkunsttraining? Uarks. Schulung. Jeder Mensch ist einzigartig in seiner Deutung der Welt und auch des KK-Trainings. ich denke mal, es geht eher um Orientierung und der Suche nach klaren Idealen und Werten, nach denen man streben kann.
Was für eine Qualifikation für so etwas besitzt der Trainer, der sowas tut? :) Lebenserfahrung. Seine eigenen Erfahrungen mit dem "Do". Jeder Mensch hat die Aufgabe, er selber zu werden. Kein Mensch hat die Aufgabe, sein KK-Trainer zu werden.
Kann das sein, dass sehr viele Schulen/Stile mit Philosophie werben, was dann aber tatsächlich kaum beachtet wird (ähnlich wie das Werbewort "Selbstverteidigung"). :( Natürlich. Genauso, wie es christliche Institutionen gibt, die weit von gelebtem Glauben entfernt sind.
Mir geht es darum, die Kampfkünste, die mit sowas werben, von den Sportarten abzugrenzen, in denen man Attribute wie Durchhaltevermögen, Nehmerqualitäten, Respekt vor dem Gegner usw. lernt / lernen sollte.
Durchhaltevermögen, Respekt vor dem Gegner und Nehmerqualitäten sind integraler Bestandteil jeder KK-Philosophie.
Bo ju hüan
07-08-2010, 04:31
Guten Morgen,
vor Jahren traf ich jemanden aus Asien, der mir auch bald erzählte das er zu hause Kampfkunst lernt. Im laufe des Gespräches erklärte er mir das er die ersten zwei Jahre am Rande des Trainingsplatzes saß und allerlei niedere Arbeiten zu verrichten hatte, Tag für Tag.Von Kämpfen lernen keine Spur.
Er durfte nur zusehen, wenn es nichts gab was er tun konnte.
Zu hause nach dem Training übte er heimlich alles was er gesehen und sich gemerkt hatte.
In etwa nach zwei Jahren, wies der Meister ihn an in den Kampfbereich zu treten und zu zeigen was er bisher gelernt hat.Der junge Mann war höchst erstaunt, tat aber was von ihm verlangt wurde. Nachdem er alles gezeigt hatte erlaubte ihm der Meister von nun an mit zu trainieren.
Später gestand er seinem Meister das er heimlich geübt hatte und nie etwas hätte zeigen können an dem Tag, wenn er das nicht getan hätte. Der Meister sagte ihm daraufhin das er seine Zeit ja sinnvoll genutzt habe und somit das Recht erworben hat bei ihm zu lernen.
Ich denke das beantwortet einen Teil deiner Fragen :)
dermatze
07-08-2010, 21:01
Ir-khaim:
...
Mir geht es darum, die Kampfkünste, die mit sowas werben, von den Sportarten abzugrenzen, in denen man Attribute wie Durchhaltevermögen, Nehmerqualitäten, Respekt vor dem Gegner usw. lernt / lernen sollte.
shenmen2:
...
Durchhaltevermögen, Respekt vor dem Gegner und Nehmerqualitäten sind integraler Bestandteil jeder KK-Philosophie.
Darin sehe ich sowas, wie eine (idealerweise) gemeinsame Basis. Für mich höchstens eine Vorstufe zu dem, was ich unter Philosophie verstehe.
Sven K.
...
Jeder, der philosophiert, entwickelt eine eigene Sicht der Dinge.
Dito. Der philosophische Inhalt, der sich durch die Auseinandersetzung mit einem Thema bildet muss oberflächlich nicht anders aussehen, als das was man vorher hatte.
Das Gedankenverständnis dahinter unterscheidet sich aber (eigene Sicht), denn in der Philosophie, wie ich es erlebe, ergründet man mehr das Warum und weniger das Wie. Das Wie ist lediglich eine Folge.
Z.B. das Wie des Verhaltens. Solange das Warum dazu nicht geklärt ist ist das Wie Diktatur. Man könnte von Gewalt sprechen.
Wenn das Warum geklärt ist kann man wollen, was man soll, oder eben nicht. In jedem Fall kann man dann aber wollen, was man will, statt was man evtl. meint zu wollen.
Man philosophiert letztendlich alleine.
Ich glaub so viel gepostete Dummheit hab ich noch in keinem Thread zuvor gelesen.
Diese Signatur setzt nun wirklich dem Frosch die Krone auf.
KlingonJake
07-08-2010, 21:38
nun, ich denke, dass die philosophie dahinter von allein kommt, ich kann es nur von mir selbst sagen...du übst, übst, übst...und irgendwann ergibt sich was. evtl. kannst du das gar nicht erklären, oder klar fassen, es ist einfach da....und du hast respekt vor der ganzen sache...daraus ergibt sich dann, dass du die ganze welt anders siehst.
ich sage nicht, dass sowas von heute auf morgen passiert, es ist eher das gegenteil....irgendwann im laufe von jahrelangem training ergibt sich eine neue weltsicht...
du darfst da nicht mit der erwartungshaltung eines (bitte entschuldigt) europäers rangehen, sicher gibt es viele fragen. keine ungestümheit...auch ich musste das lernen...der Daoismus sagt dazu: es kommt zu dir wenn du soweit bist...
;)
Ich glaub so viel gepostete Dummheit hab ich noch in keinem Thread zuvor gelesen.
denn lass uns die dummheit vergessen und poste die schlauheit
Waren bestimmte Filme Vorlage dieser Frage?
Mit Philosophien ist das m. E. in der Kampfkunst so ein Problem. Bis auf die Systeme, die direkt in Deutschland konzipiert wurden, haben wir alles aus fremden Ländern "importiert" - auch die Philosophien. Diese wiederum sind ja eigentlich ein Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft und eng mit ihr verknüpft.
Die Frage ist, wie sich Philosophien aus z. B. den Philippinen, China oder aus Indonesien in unserer Realität, in unsere Gesellschaft und in unser soziokulturelles Umfeld projizieren lassen. Ich glaube, dass es nur bedingt geht, sportlich schon gar nicht.
Hier müsste man sich wesentlich mehr mit dem Background befassen, also wesentlich mehr Zeit in die "geistige Lehre" investieren, damit es keine "geistige Leere" wird.
Hanspeter
08-08-2010, 21:55
Kann mir irgendjemand ganz konkret erklären, wie das Kampfkünste, die sich so etwas auf die Fahne schreiben, umsetzen?
Die Frage lässt sich so nicht beantworten. Es gibt zig Kampfkünste mit nochmal zig Philosophien dahinter und tausende von Leute, die sie praktizieren. Jeder beschäftigt sich verschieden mit den verschiedenen Philosophien. Ein Automatismums im Sinne von diese Kampfkuknst - also diese Philosophie funktioniert nicht. Vor allem, weil ja die Kunst im Vordergrund steht. So gibt es Lehrer, die jahrelang gar nichts Philosophisches vermitteln...
Setzt sich der Lehrer irgendwann hin und fängt an, eine philosophische Diskussion mit seinen Schülern zu führen?
Meiner sagt zwischendurch mal etwas, was vom Taijji zum Daoismus führt: loslassen, formlos sein etc. Aber für ihn ist es etwas, das man durch den Körper und das Leben verwirkichen muss, nicht durch Nachdenken.
Was für eine Philosophie ist das, die vermittelt wird / Wo kommt sie her?
Was für eine Qualifikation für so etwas besitzt der Trainer, der sowas tut?
Daoismus. Aus China. Keine Qualifikation, außer sich selbst.
Warum sucht jemand eine philosophische Schulung im Kampfkunsttraining?
Ich suche die nicht, die kommt von selber, durch das Training, weil es bestimmte Aspekte des Seins vermittelt, die auch im Leben wichtig sind. Wahrscheinlich bin ich sowieso für die vorbereitet oder sensibilisiert, deswegen kann ich sie auch aufnehmen und aus dem Training ins tägliche Leben mitnehmen.
Ir-khaim
08-08-2010, 22:40
Darin sehe ich sowas, wie eine (idealerweise) gemeinsame Basis. Für mich höchstens eine Vorstufe zu dem, was ich unter Philosophie verstehe.
Da stimm ich mal zu :).
Danke an alle für eure Antworten; wie erwartet ist es wohl sehr schwierig, wirklich konkret was dazu zu schreiben.
Was ich aber nicht begreife:
Viele schreiben, dass das man selbst für das Philosophieren verantwortlich ist oder dass es einfach aus dem Training heraus kommt, ohne, dass absichtlich was dazu getan wird.
Ich glaube aber nicht, dass sich irgendeine KK in dieser Hinsicht von Sportarten unterscheidet. Warum sollte ich denn duch (Beispiel) eine Shotokan Form o.ä. höhere/sinnvollere Erkenntnisse gewinnen, als durch Training im Boxen?
Denn es ist doch so: Wenn jemand hier im KKB nach einer KK fragt, die auch philosophische Bedürfnisse abdeckt, dann empfiehlt keiner Boxen, BJJ oder sowas ;)
Also muss es da doch einen Unterschied geben?
Meiner Ansicht nach gibt es den nicht und Lehrer, die explizit mit Philosphie usw. werben, überhöhen sich damit selbst.
Ich würde einfach bei vielen Dingen nicht so ein großes Wort wie Philosophie setzen, sondern einfach davon ausgehen, dass jegliche Form der körperlichen Aktivität auch bestimmte geistige Fähigkeiten schult. Das kann ein sehr traditioneller Stil sein, oder halt westliches Boxen ;)
Je nachdem, wie man das aufzieht, kann natürlich noch ein gutes Maß an Pädagogik dabei sein.
Eine Ausnahme mag ein Lehrer darstellen, der in einem anderen Kulturkreis aufgewachsen ist und diese Kultur, Art zu leben und zu denken an seine Kampfkunstschüler weitervermitteln will.
Waren bestimmte Filme Vorlage dieser Frage?
Nein.
Mit Philosophien ist das m. E. in der Kampfkunst so ein Problem. Bis auf die Systeme, die direkt in Deutschland konzipiert wurden, haben wir alles aus fremden Ländern "importiert" - auch die Philosophien. Diese wiederum sind ja eigentlich ein Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft und eng mit ihr verknüpft.
Die Frage ist, wie sich Philosophien aus z. B. den Philippinen, China oder aus Indonesien in unserer Realität, in unsere Gesellschaft und in unser soziokulturelles Umfeld projizieren lassen. Ich glaube, dass es nur bedingt geht, sportlich schon gar nicht.
Hier müsste man sich wesentlich mehr mit dem Background befassen, also wesentlich mehr Zeit in die "geistige Lehre" investieren, damit es keine "geistige Leere" wird.
Das sehe ich auch so - gerade der letzte Absatz. Entweder man vertieft sich außerhalb des Sports, meinetwegen mithilfe des KK Lehrers, in die Kultur und geistige Lehre, oder man macht eben eine Kampfkunst - aber dann bitte ohne zu sagen, dass man ja ganz viel Philosphie mit drin hat.
shenmen2
09-08-2010, 21:03
Viele schreiben, dass das man selbst für das Philosophieren verantwortlich ist oder dass es einfach aus dem Training heraus kommt, ohne, dass absichtlich was dazu getan wird.
Es gibt in vielen KK auch explizite Anleitungen darüber, auf welche Weise "der Weg" jemanden formen soll. Z.B. den Hwarang Kodex im Taekwondo.
Aber das sind nur grobe Richtungsweiser, die jeder für sich selber mit Leben und Inhalt füllen muss (wenn er das denn überhaupt will). Gleiches gilt z.B.für die Zehn Gebote aus der Bibel.
Ich glaube aber nicht, dass sich irgendeine KK in dieser Hinsicht von Sportarten unterscheidet. Warum sollte ich denn duch (Beispiel) eine Shotokan Form o.ä. höhere/sinnvollere Erkenntnisse gewinnen, als durch Training im Boxen?
Denn es ist doch so: Wenn jemand hier im KKB nach einer KK fragt, die auch philosophische Bedürfnisse abdeckt, dann empfiehlt keiner Boxen, BJJ oder sowas ;)
Also muss es da doch einen Unterschied geben?
Aber ja, den gibt es. Boxen, BJJ, MMA usw. haben natürlich auch einen "heimlichen" Lehrplan. Aber im Gegensatz zu KK gibt es darin nichts, was über die kapitalistische Ellbogenmentalität und die Ideale sportlicher Fairness hinausreicht.
Meiner Ansicht nach gibt es den nicht und Lehrer, die explizit mit Philosphie usw. werben, überhöhen sich damit selbst.
Manche tun das. Aber manch andere sind wirklich ein Vorbild für das, wonach man in Ihrer KK streben soll.
Das sehe ich auch so - gerade der letzte Absatz. Entweder man vertieft sich außerhalb des Sports, meinetwegen mithilfe des KK Lehrers, in die Kultur und geistige Lehre, oder man macht eben eine Kampfkunst - aber dann bitte ohne zu sagen, dass man ja ganz viel Philosphie mit drin hat. :) Wenn es stimmt, kann man es aber ruhig sagen. In vielen KK (besonders den chinesischen) geht es darum, die Körpergrenzen zu erweitern, um eine Ahnung von der Grenzenlosigkeit des menschlichen Geistes zu bekommen. Und nicht nur, wie im Sport, die Bereiche, die für den (Wett)kampf notwendig ist.
Ir-khaim
10-08-2010, 20:37
Es gibt in vielen KK auch explizite Anleitungen darüber, auf welche Weise "der Weg" jemanden formen soll. Z.B. den Hwarang Kodex im Taekwondo.
Aber das sind nur grobe Richtungsweiser, die jeder für sich selber mit Leben und Inhalt füllen muss (wenn er das denn überhaupt will). Gleiches gilt z.B.für die Zehn Gebote aus der Bibel.
Aber ja, den gibt es. Boxen, BJJ, MMA usw. haben natürlich auch einen "heimlichen" Lehrplan. Aber im Gegensatz zu KK gibt es darin nichts, was über die kapitalistische Ellbogenmentalität und die Ideale sportlicher Fairness hinausreicht.
Manche tun das. Aber manch andere sind wirklich ein Vorbild für das, wonach man in Ihrer KK streben soll.
:) Wenn es stimmt, kann man es aber ruhig sagen. In vielen KK (besonders den chinesischen) geht es darum, die Körpergrenzen zu erweitern, um eine Ahnung von der Grenzenlosigkeit des menschlichen Geistes zu bekommen. Und nicht nur, wie im Sport, die Bereiche, die für den (Wett)kampf notwendig ist.
Danke für den Beitrag :)
Zum fett-markieren Teil:
Wie wird das denn dann vermittelt? Körpergrenzen erweitern klingt ja erstmal nach etwas, das bei jedem leistungsorientiertem Sport passiert.
Nimm mir die Fragerei bitte nicht übel - ich bin eher technisch / naturwissenschaftlich veranlagt und es fällt mir schwer, in sowas einen tieferen Sinn zu entdecken.
Für mich klingt das alles erstmal trivial.
Ist es vielleicht so, dass das Ausüben einer bestimmten Kampfkunst zum Selbststudium von bestimmten Schriften motiviert bzw. der Trainer diese Motivation schafft und versucht, den Inhalt bestimmter Philosophierichtungen zu vermitteln?
Ich hab wirklich nichts gegen Philosophie :D
Aber bei so Erkenntnissen, die angeblich mit dem Erlernen von Bewegungen zusammen einfach so erscheinen...da bin ich sehr skeptisch.
netwolff
11-08-2010, 12:54
Danke für den Beitrag :)
Zum fett-markieren Teil:
Wie wird das denn dann vermittelt? Körpergrenzen erweitern klingt ja erstmal nach etwas, das bei jedem leistungsorientiertem Sport passiert.
Nimm mir die Fragerei bitte nicht übel - ich bin eher technisch / naturwissenschaftlich veranlagt und es fällt mir schwer, in sowas einen tieferen Sinn zu entdecken.
Für mich klingt das alles erstmal trivial.
Ist es vielleicht so, dass das Ausüben einer bestimmten Kampfkunst zum Selbststudium von bestimmten Schriften motiviert bzw. der Trainer diese Motivation schafft und versucht, den Inhalt bestimmter Philosophierichtungen zu vermitteln?
Ich hab wirklich nichts gegen Philosophie :D
Aber bei so Erkenntnissen, die angeblich mit dem Erlernen von Bewegungen zusammen einfach so erscheinen...da bin ich sehr skeptisch.
Ich denke, dass du gar nicht so weit weg liegst.
Auch in anderen Sportarten kann man ohne Weiteres seine Grenzen erkunden und erweitern und daraus seine Rückschlüsse für den Rest des Lebens ziehen. Ich glaube das ist es, was viele als Philosophie titulieren. In den USA im Locker Room unseres Highscholl Football Team hing das Poster "Find your limits - and then break through!". Niemand dort wäre auf die Idee gekommen, da Philosophie hinein zu interpretieren, aber das ist so ziemlich genau das, was hier mitunter beschrieben wurde.
Natürlich ist das naturwissenschaftlich schlecht zu belegen, das Hirn wächst ja nicht plötzlich zusammen mit dem Kopf, aber die gewonnenen Erkenntnisse erweitern auf jeden Fall deine Sicht auf viele Dinge.
Ein Spruch aus meiner Bundeswehrzeit ist mir diesbezüglich hängen geblieben:
"Wenn du "ich kann nicht mehr" sagst und wirklich meinst, dann hast du 50% deiner Fähigkeiten abgerufen."
Natürlich dachte ich zuerst "Wattn *********, dumme Laberei.", aber ich habe irgendwann festgestellt, dass es stimmt. Seit dem bewerte ich "ich kann nicht mehr" von vielen Menschen eindeutig anders als vorher.
Philosophie an sich verstehe ich ja eher als die Neugier, Dinge neu und selber zu erfahren und seine eigenen Rückschlüsse daraus zu ziehen - aber es passt schon.
In einigen Asiatischen KK wird auf solche "Selbsterkenntnisse" mehr Wert gelegt als bei vielen modernen KK.
Ich weiß, dass das Thema schon etwas älter ist, aber vielleicht wird es dennoch gelesen.
Die Philosophie, die in diesen Kampfrichtungen vermittelt wird, stellt sich sehr unterschiedlich dar. Zum Einen haben die unterschiedlichen Kampfrichtungen unterschiedliche Philosophien und Religionen eingebettet, beispielsweise das runde, ewig fließende des Daoismus in den nördlichen chinesischen Kampfkunstarten. Der Buddhismus lehrt vor allem gut zu sein, sich zu reinigen und nichts böses zu tun, dementsprechend sind die Lehren der Kampfkünste auch die Defensive ausgerichtet.
In den traditionellen Vereinen (ich würde meinen spontan dazu zählen) geht es weniger um das Herumgehopse und das drauflosschlagen, sondern um Achtung und Respekt. Um einen traditionellen Beginn des Trainings mit einem 5-minütigem Ritual, sowie bei JEDER Korrektur des Meisters/Trainers (Shihan in meinem Fall) eine Verbeugung mit einem Dankenswort (in meinem Fall japanisch) und der große Respekt vor allen Mittrainierenden im Dojo, also im Trainingsbereich/Verein.
Das ist die praktische Umsetzung. Hier und da gibt es noch Standpredigen man solle nie als erster hinhauen usw. was ja auch nett ist, aber relativ wenig bringt, wenn der Respekt nicht vorhanden ist.
Darüber hinaus ist Philosophie die Liebe zur Weisheit. Jemand, der partout sein Köpfchen schont wird weder im Kampfsport noch in der Philosophie eine Leuchte werden. Die Offenheit und Eigeninitiative ist das Wichtigste. Einen sturen Esel kannst du nicht lenken. Es ist also auch die Aufgabe des Trainers diesen Bereich zu fördern, die Offenheit und das "selbst nachdenken" zu fördern. Wir haben übrigens auch Gedächtnistrainings beim Aufwärmen und einiges mehr.
Eine echte Philosophie, die an Universitäten gelehrt wird, Kant, Hegel, Nietzsche, Sokrates, Aristoteles, Platon, Kierkegaard, Thales von Milet, Heidegger, Sartre, Foucault, Husserl, Glasersfeld, Watzlawick, Popper, usw. wird es in der Kampfkunst nicht geben. Aber eine Philosophie wie beispielsweise von Bruce Lee oder die Grundzüge der fernöstlichen Grundgedanken und -theologien wird in einer traditionellen Kampfkunst vermittelt, sofern der Trainer dazu geeignet ist. In einem anderen Verein in der Gegend hat der Trainer mit Respekt, Achtung, Philosophie und Tradition ungefähr so viel zu tun wie eine Fliege mit dem Mars und dementsprechend wird dort auch nicht behauptet, dass es primär um die Philosophie geht; die sind mehr auf Wettkämpfe und Siege aus.
Wenn du noch Fragen hast, dann stelle sie bitte. Ich möchte keine offenen Fragen hinterlassen.
In einem anderen Verein in der Gegend hat der Trainer mit Respekt, Achtung, Philosophie und Tradition ungefähr so viel zu tun wie eine Fliege mit dem Mars und dementsprechend wird dort auch nicht behauptet, dass es primär um die Philosophie geht; die sind mehr auf Wettkämpfe und Siege aus.
Lustig
Denn MEINE Überzeugung ist, dass wahre Einsicht nur entstehen kann, wenn man nicht darüber spricht.
Dass wahrer Respekt sich natürlich ergeben muss, anstatt nach festgelegten und gekünstelten Ritualen
Dass die wahre Philosophie des Kampfsportes im Leiden zu suchen ist, und alleine durch dieses erlangt werden kann!
Im Weichspüldojo wird stundenlang über den Philosophiscen Aspekt der kk schwadroniert..... die geistige Weiterentwicklung propagiert.
Andernorts tut man es einfach, ohne gross darüber zu sprechen!
Ich hoffe, dass du meinen Beitrag nicht missverstanden hast. Tut mir leid, wenn ich mich ungeschickt ausgedrückt habe. Ich meinte nicht, dass wir darüber reden, dass wir dies und jenes tun damit der Respekt aufgebaut wird oder Ähnliches. Wir tun es einfach und dadurch geschieht es. Die Tradition soll eingehalten werden ist die Erklärung des Trainers bei uns (eigentlich verstoße ich dagegen schon, wenn ich ihn "Trainer" nenne) und der Effekt ist Respekt vor Traditionen und vor Menschen.
Naturwissenschaftlich ausgedrückt passiert eine ganz simple Konditionierung und das über Jahre hinweg. Diese Erklärung wird dir jeder naturwissenschaftliche Psychologe, Neurologe und Verhaltenstherapeut mit Urkunde und Siegel bestätigen können. Das hat weder mit irgendwelchen höheren Gedanken, Bewusstseinsebenen oder dergleichen zu tun. Pädagogen wenden diese Methode übrigens auch manchmal an. Achtung vor den Menschen ist auch im fernen Osten das höchste Gut und das ist das was meistens schwammig als "Philosophie" übertragen wird. Und der andere Verein, den ich erwähnte, der hat sich nicht für Achtung oder dergleichen interessiert. Dementsprechend haben sich auch die Schüler verhalten. Möchte aber niemanden diffamieren, deshalb werde ich hier auch innehalten.
Ich hoffe, dass ich mich jetzt etwas verständlicher ausgedrückt habe.
Nein, du missverstehst MICH ;)
Das Einhalten beliebig festgelegter Regeln... das imitieren japanischer Gebräuchlichkeiten etc.
Das halte ich nicht für wahren und ehrlichen Respekt!
Der Respekt den du vor dienem Lehrer hast drückst du ganz anders aus.... die Rituale etc. sind dabei nur Beigemüse. Diese können ebenso drchgeführt werden ohne einen Hauch von Respekt vor dem gegenüber.
Respekt ist nicht etwas, was ein Trainer einfordert durch die Einhaltung bestimmter Regeln.
Die Regeln sind da für einen reibungslosen Ablauf des Training.
Den Respekt kriegt er vor Schüler aus eigenem Willen.
Und auch ws der Schüler lernen soll.......
Manch einer findet, man geht ins Karate, weil man da Respekt lernt.... nicht wie im Boxen.
Ich glaube, im Boxen lernt man mehr über Respekt als in vielen Karateschulen.
Denn es passiert natürlich!
Eine philosophische WEiterentwicklung ergibt sich emergent durch hartes Training
aikibunny
22-08-2010, 19:37
Der Begriff Philosophie ist einfach inzwischen so ausgeleiert, dass er (außerhalb der akademischen Philosophie) eher zur Verschleierung und Verunklarung dient als zu irgendwas anderem. Damit werden dann Argumente und Diskussionen aufgeblasen und aufgewertet, die man genausogut oder besser ohne den Begriff führen könnte. Am besten einfach weglassen... :)
Erst durch Willensfreiheit kann ein Mensch Moral entwickeln. Diese Willensfreiheit wird aber erst dann ermöglicht, wenn ein Mensch die Möglichkeit hat, etwas Böses zu tun, dies aber unterlässt, weil er es schlecht findet.
:halbyeaha
Bruce Lee hat diese Idee aufgenommen. Er betrieb Sparring mit Menschen aus verschiedenen Kampfkünsten. Er sagte, nicht ein Meister habe Recht, vielmehr könne man von verschiedenen Meistern lernen.
Deshalb war Bruce Lee seiner Zeit vorraus.
Nun.... diese Idee ist zwar im KampfSPORT schon einige hundert bis tausend Jährchen alt...... aber verlor nichts von ihrer Aktualität. BL hat das schlicht in die KampfKUNST implementiert.......
Hulky? :D
IM Wettkampf geht es übrigens nicht im geringsten um Moral.... sondern ums Gewinnen!
Wäre da kein SChiri..... die Moral wäre kein bisschen grösser ;)
Ja, soetwas kann passieren :(
Ist jedoch keineswegs des anderen Boxers schuld.. beide wussten um das Risiko, beide wussten, was auf dem Spiel steht, beide wollten so weit gehen.
Eben: Die Kampfsportlandschaft sähe ohne Schiedsrichter nicht moralischer aus..........
GERADE für den Unterlegenen braucht es den Schiri, um ihm die Entscheidung abnehmen zu können, wann es vorbei ist! Da es sehr schwer ist, sich dies einzugestehen!
Im Boxkampf geschieht dies leider selten bis nie!
Im MMA wird viel sensibler darauf reagiert, zum Glück :)
Scorp1on King
23-08-2010, 16:23
Ich finde Krakens Philosophie am besten:
Von wegen nur heißes Feuer schmiedet scharfes Eisen oder so *_*
Trinculo
23-08-2010, 16:33
Der Begriff Philosophie ist einfach inzwischen so ausgeleiert, dass er (außerhalb der akademischen Philosophie) eher zur Verschleierung und Verunklarung dient als zu irgendwas anderem.
Wieso? Was wird denn heute als Philosophie bezeichnet, was früher nicht dazugehörte?
Helmut Gensler
25-08-2010, 11:43
wenn ich mich an die Vorlesungen in klassischer Philosophie erinnere, so muß ich mich über die Inflation dieses Wortes nur schütteln.
Zur Philosophie gehört unbedingt eine sprachliche Klärung und eine Auseinandersetzung mit Idee und Konstrukten. Ich habe noch nie einen Trainer erlebt, der so was mit seinen Schülern unternommen hat. Im Karate war ansatzweise so ein Meister-Schüler-Gespräch da, aber das war nur "top-down", also weit weg von Philosophie im klassischen Sinn.
bluemonkey
25-08-2010, 11:52
Wieso? Was wird denn heute als Philosophie bezeichnet, was früher nicht dazugehörte?
Firmenpolitik
Trinculo
25-08-2010, 11:59
Firmenpolitik
Bääh, hast Recht.
aikibunny
25-08-2010, 13:09
Wieso? Was wird denn heute als Philosophie bezeichnet, was früher nicht dazugehörte?
Naja, man denke an so etwas wie Produktphilosophie, Markenphilosophie, Servicephilosophie ...
Oder stell Dir das Gesicht eines beliebigen Politikers beim "... unsere Philosophie ist hier ..." sagen vor.
Und viele, die einfach irgendwelche Begriffe zusammenkleben, zum Beispiel in den KK, nennen das dann Philosophie, obwohl es in keiner Weise um den präzisen Umgang mit sauber definierten Begriffen geht. Und oft auch weder gehen kann noch soll. Sondern nur um nicht weiter begründetes weltanschauliches Fantasieren.
Oft wird auch die Lebenseinstellung als Philosophie bezeichnet. Die fernöstliche Philosophie ist in diesem Sinne auch nur teilweise als Philosophie zu bezeichnen. Der Daoismus beispielsweise ist eine Religion, aber es gibt im chinesischen zwei Zeichen für Daoismus. Eines für die Religion, eines für die "Philosophie" wobei das Wort Philosophie griechisch ist und auf Sokrates und Platon angewandt werden kann, ebenso auf die klassische abendländische Philosophie, aber nur bedingt im chinesischen Kulturraum. Konfuzius hat sich Gedanken gemacht, ok. Der, der das TaoTeKing geschrieben hat auch. Aber Buddha? Jahrelang nichts tun, nichts reden und dann mit der Erleuchtung kommen und trotzdem nichts reden? Das kann man wohl nicht als Philosophie bezeichnen. Das ist eindeutig Religion.
Und so verwischt der Begriff auch im Sprachgebrauch. Wobei... Wittgenstein sagte, dass die Bedeutung eines Wortes sein Gebrauch in der Sprache sei. Wir müssen hier also differenzieren ob das ein Kampfkunsttrainer sagt oder ein Kantianer. Das sind zwei völlig unterschiedliche Sprachspiele/Welten.
Trinculo
25-08-2010, 14:11
Naja, man denke an so etwas wie Produktphilosophie, Markenphilosophie, Servicephilosophie ...
Oder stell Dir das Gesicht eines beliebigen Politikers beim "... unsere Philosophie ist hier ..." sagen vor.
Und viele, die einfach irgendwelche Begriffe zusammenkleben, zum Beispiel in den KK, nennen das dann Philosophie, obwohl es in keiner Weise um den präzisen Umgang mit sauber definierten Begriffen geht. Und oft auch weder gehen kann noch soll. Sondern nur um nicht weiter begründetes weltanschauliches Fantasieren.
Irgendwie habe ich die ganzen zusammengesetzten Philosophien übersehen ... ja, Du hast völlig Recht :)
Helmut Gensler
26-08-2010, 10:56
na ja, müssen wir diesen aufgeschwemmten und damit fast inhaltslosen neumodischen Begriff der Philospohie so auch verwenden? Wo sind dann die Eckpunkte?
gewinnorientierte Firmenphilosophie? weltanschaulich?? fantasieren???
dann ist doch Platz für jeden Schmarrn, der nicht mal in sich logisch sein muß.
da bin ich lieber erzkonsevativ.
da bin ich lieber erzkonsevativ.
OK...ähm....und was ist daran nun besser?
Helmut Gensler
26-08-2010, 17:55
alles!
ich muss dann nicht mehr Semiotik betreiben und neue Inhalte für alte Begriffe annehmen. Es macht mir das Leben leichter.... und die newspeek a la Huxley mag ich einfach nicht.
alles!
ich muss dann nicht mehr Semiotik betreiben und neue Inhalte für alte Begriffe annehmen. Es macht mir das Leben leichter.... und die newspeek a la Huxley mag ich einfach nicht.
Und was haben andere davon...?
Helmut Gensler
26-08-2010, 18:48
die mit mir reden wollen haben es leichter, denn ich bin verständlicher.
die mit mir reden wollen haben es leichter, denn ich bin verständlicher.
OK - verständlicher... aber auch konsensbereiter?
Trinculo
27-08-2010, 15:20
Gilt es als Konsensbereitschaft, wenn man schlampig mit Begriffen umgeht?
Gilt es als Konsensbereitschaft, wenn man schlampig mit Begriffen umgeht?
Ähm...wenn man ansonsten die gleiche Sprache spricht...ney :D
Helmut Gensler
27-08-2010, 17:20
Konsens: Übereinstimmung von Menschen.. o.k. so?
Ich habe überhaupt kein Problem, anderen Menschen ihre Meinung zu lassen und so zu akzeptieren. Ich muß sie aber nicht für mich übernehmen (müssen).
Jeder hat das Recht, sich Prämissen zu wählen, die auch ein Stück weit auseinander liegen können. Die Endergebnisse sind logischerweise verschieden, aber da sie logisch aufgebaut sind (sein müssten) ist das sehr gut so. Dem kann ich ohne Zögern zustimmen, oft sogar etwas daraus für mich lernen.
Konsens: Übereinstimmung von Menschen.. o.k. so?
Ich habe überhaupt kein Problem, anderen Menschen ihre Meinung zu lassen und so zu akzeptieren. Ich muß sie aber nicht für mich übernehmen (müssen).
Jeder hat das Recht, sich Prämissen zu wählen, die auch ein Stück weit auseinander liegen können. Die Endergebnisse sind logischerweise verschieden, aber da sie logisch aufgebaut sind (sein müssten) ist das sehr gut so. Dem kann ich ohne Zögern zustimmen, oft sogar etwas daraus für mich lernen.
Na, das hört sich ja schon - wie wir Pädagogen immer zu sagen pflegen - nach einem "guten Anfang" an ;)
Helmut Gensler
28-08-2010, 11:41
auch außerhalb der "Pädagogen" ist das ein guter Start.
Solange ein Meinungsaustausch nicht so formuliert/postuliert wird:
du kommst mit deiner Meinung zu mir und gehst mit meiner Meinung wieder weg.
auch außerhalb der "Pädagogen" ist das ein guter Start.
Solange ein Meinungsaustausch nicht so formuliert/postuliert wird:
du kommst mit deiner Meinung zu mir und gehst mit meiner Meinung wieder weg.
Konsensorientierung: Ich komme mit meiner Meinung, treffe auf deine Meinung und gehe mit mit unserer Meinung
Helmut Gensler
29-08-2010, 12:58
Ich komme mit meiner Meinung, treffe auf deine Meinung und gehe mit mit unserer Meinung
Das ist der optimale Fall. Ich erlebe es schon, dass sich Meinungen nicht nähern können, aber beide in sich logisch stringend sind..... Auch in Ordnung.
Da gilt für mich der alte Spruch (Rosa Luxenburg?) : Freiheit ist auch die Freiheit des anders Denkenden. Damit können wir gut leben, solange nicht die "friedliche Koexistenz" durchschlägt.. Für junge Mitleser: Kampf der Systeme um die Vorherrschaft auf allen Ebenen, aber ohne Einsatz von Kriegswaffen.
....
lol, ich habe erst "ALKIbunny" gelesen :D
Das ist der optimale Fall. Ich erlebe es schon, dass sich Meinungen nicht nähern können, aber beide in sich logisch stringend sind..... Auch in Ordnung.
Da gilt für mich der alte Spruch (Rosa Luxenburg?) : Freiheit ist auch die Freiheit des anders Denkenden. Damit können wir gut leben, solange nicht die "friedliche Koexistenz" durchschlägt.. Für junge Mitleser: Kampf der Systeme um die Vorherrschaft auf allen Ebenen, aber ohne Einsatz von Kriegswaffen.
In der Konsequenz geht es allerdings nicht um Meinungen, sondern um Handlungskompetenz - gerade in unserem Job mit Kids und Erwachsenen.
Das es verschiedene Meinungen gibt, die alle ihre Berechtigung haben, ist für mich sowas wie eine Binsenweisheit, also etwas, was jeder weiß - vom Kind bis zum Greiß. In der Konsequenz geht es aber häufig darum, Handlungsfähig zu bleiben. Dies bedeutet, sich auf Gemeinsamkeiten zu verständigen, einen Konsens und damit eine gemeinsame Handlungsebene zu finden. Sonst funktioniert ein Team nicht/ kann ein Team nicht funktionieren.
Bedeutet: Sich nur immer wieder auf seine Meinung zu berufen und darauf zu beharren schadet mehr, als es bringt. Letztlich ist Konsensfähigkeit eine der Schlüsselqualifikationen für Streitkultur.
Genau dies ist es, was Kids heutzutage auch falsch vorgelebt wird. Häufig wird gesagt: "Du darfst deine eigene Meinung haben..." Im Hintergrund klingt mit "...egal wie blödsinnig die auch ist...". Effekt: Es fehlt, sich anderen Meinungen zu öffnen, da die ja - der Gesamtlogik nach - ebenfalls ihre Berechtigung haben müssen.
Aus diesem Grund ist die Erkenntnis, dass jeder "seine Meinung" hat, nichts von Bedeutung, weil hier der Ausgangspunkt die Individualität ist. Da sich der Mensch aber ständig mit irgendeinem Gegenüber auseinander setzt, ist "das Leben" die ständige Suche nach Kompromissen und Konsens. Manchmal gelingt das, weil man die besseren Argumente hat, manchmal in einer Abstimmung, manchmal weil man überzeugender ist, manchmal, weil die Praxis die Theorie bereits überholt hat.
Was also fehlt? Ich finde die "soft-skills", also jene sozialen und psycho-sozialen Fähigkeiten, die Diskussionen nicht in Sackgassen enden lassen und somit Handlungen unmöglich machen. Naheliegende Frage ist: Wie können hierbei Kampfkünste unterstützend wirken und womit genau würden sie es tun...was passt in unsere Gesellschaft?
soto-deshi
29-08-2010, 14:58
[B]
Waren bestimmte Filme Vorlage dieser Frage?
Mit Philosophien ist das m. E. in der Kampfkunst so ein Problem. Bis auf die Systeme, die direkt in Deutschland konzipiert wurden, haben wir alles aus fremden Ländern "importiert" - auch die Philosophien. Diese wiederum sind ja eigentlich ein Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft und eng mit ihr verknüpft.
Die Frage ist, wie sich Philosophien aus z. B. den Philippinen, China oder aus Indonesien in unserer Realität, in unsere Gesellschaft und in unser soziokulturelles Umfeld projizieren lassen. Ich glaube, dass es nur bedingt geht, sportlich schon gar nicht.
Hier müsste man sich wesentlich mehr mit dem Background befassen, also wesentlich mehr Zeit in die "geistige Lehre" investieren, damit es keine "geistige Leere" wird.[/B
Hallo, hat nicht Andy Lee mit diesen kurzen Zeilen alle Fragen beantwortet?
Welche Philosophie - welcher Gedankengang eines Meister aus Japan oder China usw. möchte man in seiner Kampfkunst wiederfinden?
In einigen Kampfsportarten - haben Trainer - das Mentale Training eingebracht - da es auch in anderen sportlichen Disziplinen - für den Erfolg der Sportler verantwortlich ist.
Wer meint ZEN ist die Philosophie der Kampfkünste, so kann er sich auf das Buch von Taisen Deshimaru Roshi berufen - aber was ist denn eigentlich ZEN?
Können wir Europäer einfach eine Philosophie einer anderen Kultur - eine andere Lebenseinstellung - übernehmen? Erfahren wir es hier in Deutschland nicht jeden Tag, wie schwer es für den Einwanderer ist - mit seiner Kultur, seiner Lebenseinstellung in einem Land - das er für sich selbst als neue Heimat gewählt hat - dessen Kultur und Lebensweisen zu verstehen.
Die Kampfkunst ist für viele nur ein Hobby, daher sollte man die Philosophie dieser Kampfkunst nicht überbewerten. Bekannte Meister der Kampfkünste z.B: Chuck Norris, haben sogar ein Buch darüber geschrieben, (Zen-Kampfkunst im täglichen Leben) aber stellen auch fest, dass sie nicht radikal ihre Lebenseinstellung ändern können.
" Denn das ist das große Geheimnis, das allen gebildeten Menschen unserer Tage bekannt war: Wir schaffen die Welt um uns täglich neu.... "
M.Z. Bradley
Noch einen schönen Sonntag..... soto-deshi
Na, das hört sich ja schon - wie wir Pädagogen immer zu sagen pflegen - nach einem "guten Anfang" an ;)
"Wir Pädagogen...." klingt so nach "Ich hab' aber den dickeren" :rolleyes:
Du weisst aber schon, dass Helmut ebenfalls Pädagoge ist? ;)
Ich bin auch Pädaoge (in mehrfachem Sinne). Na und? Ich glaube, dass es sinnvoller wäre mehr über das Thema zu diskutieren (was auch immer gerade das Thema sein mag). ;)
Ich bin auch Pädaoge (in mehrfachem Sinne). Na und? Ich glaube, dass es sinnvoller wäre mehr über das Thema zu diskutieren (was auch immer gerade das Thema sein mag). ;)
Eben...... das zitierte Beispiel ist eine Lehrbuchmässige Applizierung unsauberer Diskussionskultur.
Ich weiss nicht den Fachbegriff dafür, doch bezeichnet er das Herabsetzen des Diskussionspartners und das eigene Heraufsetzen durch Berufung auf einen hoch erscheinenden Status, der aber nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hat.
wenn ich mich an die Vorlesungen in klassischer Philosophie erinnere, so muß ich mich über die Inflation dieses Wortes nur schütteln.
Zur Philosophie gehört unbedingt eine sprachliche Klärung und eine Auseinandersetzung mit Idee und Konstrukten. Ich habe noch nie einen Trainer erlebt, der so was mit seinen Schülern unternommen hat. Im Karate war ansatzweise so ein Meister-Schüler-Gespräch da, aber das war nur "top-down", also weit weg von Philosophie im klassischen Sinn.
:yeaha:
Für mich hats nunmal vor allem mit Erkentnis zu tun.
Und WAHRE Erkenntnis kann man nur selbst erlangen.... nicht durch Eintrichterung!
Ich bin auch Pädaoge (in mehrfachem Sinne). Na und? Ich glaube, dass es sinnvoller wäre mehr über das Thema zu diskutieren (was auch immer gerade das Thema sein mag). ;)
Cool... über wie viele Sinne sprechen wir hier jetzt in diesem Kontext?
aikibunny
29-08-2010, 18:39
lol, ich habe erst "ALKIbunny" gelesen :D
Mist, durchschaut... (Bunny hoppelt torkelnd weg.)
Helmut Gensler
30-08-2010, 10:23
Und WAHRE Erkenntnis kann man nur selbst erlangen.... nicht durch Eintrichterung!
stimmt, aber es ist mehr als nur hilfreich, wenn ich mit einem Partner / Lehrer / Mentor / ... über verschiedene Dinge reden kann. So was wie praktische Lebenserfahrung, intensives Training in entsprechenden Bereichen oder das Durchringen von Struktueren können andere Menschen mir voraus haben. Warum soll ich nicht davon lernen? ICH muß nur lernen wollen.
stimmt, aber es ist mehr als nur hilfreich, wenn ich mit einem Partner / Lehrer / Mentor / ... über verschiedene Dinge reden kann. So was wie praktische Lebenserfahrung, intensives Training in entsprechenden Bereichen oder das Durchringen von Struktueren können andere Menschen mir voraus haben. Warum soll ich nicht davon lernen? ICH muß nur lernen wollen.
Das ist wohl wahr...und...willst du?
Das ist wohl wahr...und...willst du?
:rolleyes:
Helmut Gensler
30-08-2010, 17:54
Wenn ich nicht weiter lernen will, dann bin ich irgendwie am Ende meiner Entwicklung. Dann wäre jede Äußerung -wie beispielsweise hier- nur der Ausdruck einer grenzenlosen Überheblichkeit.
ich hoffe, nicht diesen Eindruck zu hinterlassen.
Ir-khaim
31-08-2010, 10:01
Wenn ich nicht weiter lernen will, dann bin ich irgendwie am Ende meiner Entwicklung. Dann wäre jede Äußerung -wie beispielsweise hier- nur der Ausdruck einer grenzenlosen Überheblichkeit.
ich hoffe, nicht diesen Eindruck zu hinterlassen.
Tust Du nicht, keine Sorge :)
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