Kombi von Grappling mit Systema möglich? [Archiv] - Kampfkunst-Board

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Vollständige Version anzeigen : Kombi von Grappling mit Systema möglich?



JetLag
25-10-2003, 10:28
Hallo!

Ich wollte mal wissen, ob es möglich ist, Grappling-Stile wie Sambo, Judo, usw. mit Systema zu verbinden.
Das Problem liegt doch nach meiner Erfahrung darin, dass Grappler über enorme Körperspannung verfügen müssen und diese auch ständig einsetzen. Wie lässt sich das dann mit Systema vereinbaren.

Und inwiefern kann man Systema z.B. gegen einen Judoka erfolgreich einsetzen(kämpfen nach Judo-Regeln, keine Schläge/Tritte)?
Nach meiner Meinung eigentlich nicht möglich.


Gruß Jet

Andreas Weitzel
25-10-2003, 15:36
@ JetLag:

Nun, laut Aussage eines der Sambo-Gründer Anatolij Harlapijew stammen die meisten Würfe, die Wurfvorbereitung und die Griffe des Sambo-Ringkampfes aus der russischen traditionellen Kampfkunst. Diese Aussage wurde von seinem Sohn Arkadij auch bestätigt. Es ist auch beschrieben, welche Bereiche bzw. Techniken aus anderen Ringkampfarten stammen.

Daher finde ich die Frage, ob man Sambo mit Systema kombinieren könne, überflüßig.

Zu dem Einsatz gegen Judokas nach Judo-Regeln. Nun, um nach bestimmten Regel kämpfen zu können, sollte man das wenigstens geübt haben. Aber grundsätzlich sehe ich da kein Problem. Warum auch? Was ist an Judokas so besonders, daß man gegen sie nicht mehr kämpfen kann? Auch ein Judoka hat seine Schwächen, so wie jeder andere Kampfsportler/-künstler.

Gruß
Andreas

JetLag
25-10-2003, 19:52
Hmm, im Vordergrund steht für mich einfach nur die Frage, ob sich Systema mit der im Grappling nötigen Körperspannung vereinbaren lässt.
Im Systema sollte man doch grundsätzlich locker und damit flexibel sein. Wie kann ich dann einem Judoka wie ein "Schluck Wasser" gegenüberstehen, wenn der an mir reißt und zerrt. Da hab ich so meine Probleme, die Techniken locker aufzunehmen, denn nach Judo-Regeln zu kämpfen bedeutet schließlich, dass Körperspannung-brechende Schläge/Tritte nicht anwendbar sind.

Ich will hier die KK Systema auf keine Fall schlecht machen. Sie hat mich z.B. beim Boxen bisher enorm weitergebracht, gerade was Atmung und Erkennen/Ausweichen von Schlägen angeht. Aber was Bodenkampf und ähnliches betrifft, hab ich Systema (soweit ich es beherrsche) nicht anwenden können (abgesehen viell. von der Atmung).

Gruß Jet

Andreas Weitzel
26-10-2003, 18:26
@ JetLag:

Es gibt keinen Unterschied zwischen Bewegungen im Stand und auf dem Boden. Sie unterliegen den gleichen Prinzipien und Gesetzen.

Gruß
Andreas

JetLag
27-10-2003, 10:22
Nun, ich hab nicht das Gefühl, meine Frage beantwortet bekommen zu haben. Maße mir ja auch nicht an, ein Anrecht darauf zu haben.

Jedenfalls kenne ich Judokas mit mehrjähriger Erfahrung im Judo und Systema.
Und die bestätigten mir, dass es ihnen nicht möglich war, möglichst kraftlos und unverkrampft zu kämpfen - wie auch???
Vielleicht ist es auch gar nicht sinnvoll, einem Grappler die Möglichkeit zu geben, einen sicheren und für ihn günstigen Griff zu halten. Weil es dann einfach schon ziemlich spät ist und man den Gegner nur noch schwer kontrollieren kann.
Wenn ich nämlich in solch einer Position aufgrund von Regeln nicht mal schlagen darf (und es gibt ja eine ganze Menge von Körperteilen, mit denen das aus den verschiedensten Situationen möglich und überraschend ist), werd ich meine Probleme haben, locker-flockig aus dieser Bredouille zu kommen.

Gruß Jet

Andreas Weitzel
27-10-2003, 18:04
@ JetLag:

Da bin ich ber gespannt, wer hier in Deutschlad tatsächlich mehrjährige Erfahrungen in judo UND mehrjährige Erfahrungen in Systema gesammelt hat :)

Als Beispiel zwei bekannte Grappler und zugleich Studenten von Michail Ryabko: Beridze (Judo- und Sambo-Meister, ehem. Mitglied und später Trainer der russ. Judonationalmannschaft) und Karelin (Weltmeister im Ringen). Beide kommen auch ohne Schlagen und Treten bestens aus und zeigen gerne anderen Grapplern, wie das gehen kann.

Gruß
Andreas

JetLag
27-10-2003, 22:15
Ich werd hier natürlich keine Namen nennen. Vielleicht melden sich diejenigen auch von selbst im Forum.
Wieviel Jahre braucht denn eigentlich der Durchschnittsgrappler, um Prinzipien aus dem Systema für sich nutzen zu können(auf die Frage erwarte ich nun aber wirklich keine Antwort)?

Da du deine Position so vehement vertrittst und ohne Frage dir niemand in Deutschland, was russiche KK betrifft, das Wasser reichen kann, vertrau ich mal in deine Expertise. Vielleicht erschließt sich mir das Potential ja auch noch und ich nehme meine Behauptungen zurück.

Gruß Jet

Andreas Weitzel
27-10-2003, 23:13
@ JetLag:
Da du deine Position so vehement vertrittst und ohne Frage dir niemand in Deutschland, was russiche KK betrifft, das Wasser reichen kann, vertrau ich mal in deine Expertise. Vielleicht erschließt sich mir das Potential ja auch noch und ich nehme meine Behauptungen zurückWas soll denn das bedeuten? Wen interessiert, ob jemand mir irgendwo das Wasser reichen kann? Und von welcher Expertise redest Du? Entschuldige, aber das ist Blödsinn.

Ich dachte, daß wir über Systema reden. Ob es dort ein Wissen enthalten ist, mit dem man auch nach Ringerart kämpfen kann. Oder? So ein Wissen ist vorhanden (wie ich weiter oben bereits gesagt habe, wird dieses Wissen u.a. auch im Sambo zumindest zu einem Teil verwendet). Die Frage ist aber, ob man gezielt danach sucht. Im Systema gibt es viele Bereiche, es gibt viel zu lernen. Was brauchst Du denn davon?

Jeder lernt etwas anderes, macht andere Erfahrungen. Möglicherweise habe ich schon mal gesehen, wie Systema im Bodenkampf funktioniert, und vertrete deswegen meine jetzige Meinung. Vielleicht hast Du es aber nicht kennengelernt, und meinst deshalb, daß es nicht möglich sei. Unsere Meinungen entsprechen unseren Erfahrungen, und ich will Dich nicht vom Gegenteil überzeugen :)

Gruß
Andreas

JetLag
28-10-2003, 16:20
Ich lass mich gern vom Gegenteil überzeugen. Das, was ich gesagt habe, und du richtigerweise als Blödsinn bezeichnet hast, war Ausdruck meines Empfindens, keine vernünftigen Antworten erhalten zu haben.
Aber lassen wir das.

Ein Aspekt, der augenscheinlich nicht zusammenpasst, ist doch der, dass SamboMeister wie Taktarov großen Wert auf ihre Physis legen, weil sie sie auch im Kampf brauchen (wie jeder gute Grappler). Im Systema wird, was diesen Punkt betrifft, doch viel weniger darauf geachtet. Was nach meiner Meinung auch verständlich ist:
1. verhindert Krafteinsatz und damit verbundene Anspannung Lockerheit und Flexibiltät
2. sind (kraftvolle) Würfe einfach nicht notwendig, da der Gegner aus seiner Bewegung weitergeleitet werden kann und man ja auch nicht werfen muss (wie z.B. beim Judo)
3. sind (kraftvolle) Hebel nicht sinnvoll, da sie einen selbst an den Gegner fesseln und selten final sind
usw.

Ich bin zwar ein Anhänger des Kraftrainings mit dem eigenen Körpergewicht -also ohne Gewichte, aber Übungen wie Liegestütze, Kniebeuge, Entengang usw. haben doch eher den Hintergrund der Körperhaltung denn der Fitness.
Außerdem kann ich mich noch an eine Stelle im Buch "Menschen leben Systema" erinnern, in der Michail meinte, dass, würde er mehr für die Fitness tun, er vielleicht besser sein könnte. Sinngemäß hieß es glaube ich, er sei einfach zu faul und würde vielleicht im Alter damit anfangen. Sprich, es wäre nicht notwendig.

Wie passt das jetzt zusammen?

Außerdem: du bist doch nicht umsonst der Moderator ím Forum für russische KK.
Bei aller Bescheidenheit musst du doch zugeben, dass niemand in Deutschland darüber so Bescheid weiß wie du.

Gruß Jet

Andreas Weitzel
28-10-2003, 22:05
@ JetLag:

Lassen wir meine Qualitäten bei Seite. Reden wir doch lieber über das Wesentliche ;)

Im Systema wurde immer einen großen Wert auf die Physis gelegt. Allerdings achtet man im Systema darauf, daß a) man die Physis des gesamten Körpers (Knochen, Gelenke, Sehnen, Muskeln, Nerven, Kreislaufsystem usw.) harmonisch entwickelt, und b) das physische Training der Gesundheit nicht schadet, sondern sie sogar fördert und stärkt. Kraft zu haben und Kraft unnötig bzw. falsch einzusetzen, sind zwei verschiedene Dinge. Die Übungen, die im Systema enthalten sind, geben den Übenden Kraft, Ausdauer, Flexibilität, Stabilität, Schnelligkeit, Beweglichkeit... Michail redet davon, daß er nicht so trainiert, wie mancher von ihm erwarten könnte. Aber seien wir doch ehrlich, Michail erzählt in dem Interview auch nicht, was er tatsächlich macht, um in Form zu bleiben. Er sagt lediglich, was er nicht macht :) Die nächste Frage ist, wie er zu seiner jetzigen Verfassung gekommen ist. Wer schon mal in seinen Händen gewesen ist, weißt wovon ich spreche ;) Natürlich durch vieles und langes Üben.

Gruß
Andreas

JetLag
28-10-2003, 22:27
Die Übungen, die im Systema enthalten sind, geben den Übenden Kraft, Ausdauer, Flexibilität, Stabilität, Schnelligkeit, Beweglichkeit...

Wenn demzufolge so viel Wert auf Natürlichkeit der Bewegung gelegt wird, also Training ohne Hilfsmittel in der Form von Liegestütze, Kniebeuge, Krokodilgang usw., lassen sich ja schon einige Parallelen zu Björn Friedrichs (BJJ) Konzept der Funktionellen Kraft finden, welches rein mit dem eigenen Körpergewicht auskommt (auch wenn Aspekte wíe Form und Atmung bei ihm weniger Berücksichtigung finden).

Dann wird im Umkehrschluss ein Training mit Gewichten und Maschinen als unnötig oder sogar schädlich (Stichwort: Harmonie) erachtet?


Gruß Jet

Andreas Weitzel
28-10-2003, 22:54
@ JetLag:
Dann wird im Umkehrschluss ein Training mit Gewichten und Maschinen als unnötig oder sogar schädlich (Stichwort: Harmonie) erachtet?
So, wie man das heute in Fitnessclubs macht, ja.

Ansonsten haben wir ja auch Gewichtstraining (unser Trainingspartner ist das Gewicht) und Gerätetraining, wobei man unter Geräten andere Sachen vorstellt (z.B. Waffen).

Gruß
Andreas

knudolf
28-10-2003, 23:22
Hmm, im Vordergrund steht für mich einfach nur die Frage, ob sich Systema mit der im Grappling nötigen Körperspannung vereinbaren lässt.
Im Systema sollte man doch grundsätzlich locker und damit flexibel sein. Wie kann ich dann einem Judoka wie ein "Schluck Wasser" gegenüberstehen, wenn der an mir reißt und zerrt. Da hab ich so meine Probleme, die Techniken locker aufzunehmen, denn nach Judo-Regeln zu kämpfen bedeutet schließlich, dass Körperspannung-brechende Schläge/Tritte nicht anwendbar sind.


Hallo!
Ich hab in meiner Jugend auch mal den einen oder anderen Judo-Wettkampf bestritten, weiß aber nicht so genau, was Du mit "Körperspannung" meinen könntest, die beim Grappling nötig sei.
Man muß schon auch beim Grappling entspannen können, und mehr mit dem Körpergewicht, als mit den Muskeln arbeiten lernen, wenn man ein Guter werden will.
Außerdem ist es auch beim Grappling ganz hilfreich wenn man sich schnell bewegen kann -da wäre Körperspannung eher hinderlich.
Irgendwo (ich glaube im Vale-Tudo-Board) hier wurde mal ein clip gepostet, mit einem Asiaten, der offenbar auf einem Workshop oder so die Anwesenden der Reihe nach durch submission besiegt. Der bewegt sich dort dermaßen entspannt und schnell, dass es wirklich eine Augenweide ist -sieht fast aus wie eine Spinne, die ihre Opfer einwebt... -ich poste das mal, wenn ichs wiedergefunden habe..

Es kann aber vielleicht sein, dass man beim Judo mal systema-untypisch die Muskeln längere Zeit anspannen muß, um sich einem Wurf-Versuch engegenzustemmen, anstatt locker zu Boden zu gehen und von dort weiterzukämpfen, weil der Gegner ansonsten schnell mal einen Waza-ari bekommen kann.
Aber bei vielen der Wurf-ansätze kann man eigentlich auch mit Opferwürfen etc. kontern..

JetLag
29-10-2003, 06:47
Hallo!
Es kann aber vielleicht sein, dass man beim Judo mal systema-untypisch die Muskeln längere Zeit anspannen muß, um sich einem Wurf-Versuch engegenzustemmen, anstatt locker zu Boden zu gehen und von dort weiterzukämpfen, weil der Gegner ansonsten schnell mal einen Waza-ari bekommen kann.


genau sowas meinte ich. Auch ein Wurfversuch aus einer nicht so günstigen Positition (um z.B. eine Wertung wg. Passivität zu vermeiden oder weil der Gegner einfach keine besseren Gelegenheiten zulässt) wird dazu führen, dass der Angreifer enorm angespannt ist, weil die Technik nicht sauber angewendet werden kann.

@ Andreas
Aber du musst doch zugeben, dass Oleg Taktarov nicht nur mit seinem Körpergewicht und dem anderer trainiert hat. Oder ist er ein schlechtes Beispiel für einen Sambo-Kämpfer?

Gruß Jet

Andreas Weitzel
29-10-2003, 11:14
@ JetLag:

Ob Oleg Taktarov ein schlechtes Beispiel ist? Keine Ahnung. Meine subjektive Meinung ist, daß er nicht das beste Beispiel ist. Da kenne ich Sambo-Kämpfer, die ihm technisch haushoch überlegen sind.

Gruß
Andreas

JetLag
29-10-2003, 11:35
Ist auch meine Meinung - wollte es nur nicht undiplomatisch ausdrücken.
Taktarov sah beim UFC auch nicht so überzeugend aus, wie man sich das vorgestellt hätte.

Andreas, trainierst du auch Übungen, die sich vielleicht nicht im Systema wiederfinden lassen? Ich denke da an diverse Arten von Liegstütze oder Klimmzüge, auch wenn sie zugegebermaßen recht wenig zum Thema Körperhaltung im Sinne von Systema beitragen.

Gruß Jet

Andreas Weitzel
29-10-2003, 21:49
@ JetLag:

Wieso meinst Du, daß man Liegestütze und Klimmzüge im Systema nicht wieder findet? Sowas machen wir (in Augsburg) doch in jeder Trainingseinheit. Jet, es geht nicht so sehr darum, welche Übungen man macht, sondern, wie man sie macht ;) Auch Liegestütze und Klimmzüge. mach sie einfach langsam, gleichmäßig, mit richtiger Atmung.

Gruß
Andreas

JetLag
30-10-2003, 03:00
Also Klimmzüge haben wir jedenfalls noch nicht gemacht. :rolleyes:
Was die richtige Atmung angeht, hab ich die Erfahrung gemacht, dass sie in vielen KK so ziemlich keine Rolle spielt.
Dass die richtige Ausführung entsprechend der Belastung aber wichtig ist, merke ich oft bei Übungen im Boxen. Gegen Ende des Trainings gibt es Leute die sich kaum noch auf den Beinen halten können, wogegen ich mich relativ entspannt fühle.

Gibt es eigentlich Situationen, in denen es auch vertretbar ist, durch den Mund aus und ein zu atmen? Ich denke da besonders an schnelles Joggen, da das Einatmen durch die Nase einfach zu langsam geht und gleichzeitig auch viel Kraft abverlangt.

Gruß Jet

Andreas Weitzel
30-10-2003, 09:09
@ JetLag:

Ich denke, daß es Ausnahmen überall gibt. Joggen? Hier sehe keinen Grund, um durch den Mund einzuatmen. Eher umgekehrt. Gerade beim Laufen sollte man durch die Nase einatmen. Aber wie wäre es mit Schwimmen? Dort könnte das Einatmen durch den Mund sinnvoll sein, wenn auch aus ganz anderen Gründen.

Ansonsten bleibt die Atmung fast überall gleich. Und natürlich beim Bodenkampf (um auf das Thema zurück zu kommen ;)).

Gruß
Andreas

Harrington
30-10-2003, 09:21
Mm,warum soll man beim Joggen nicht durch den Mund ein und ausatmen?Mach ich eigentlich immer so,fahre auch gut damit...Warum soll das falsch sein?

Andreas Weitzel
30-10-2003, 12:25
Das Thema "Atmen beim Laufen" besprechen wir lieber in einem anderen Thread.

Gruß
Andreas

JetLag
30-10-2003, 20:38
Denn mal weiter im Text!

Ich will hier mal mit einer hypothetischen Frage beginnen:
Wie würde denn ein Sambo-Trainer seine Schüler trainieren, der noch nie etwas von Systema gehört hat?

Ich denke da besonders an die Prinzipien der Atmung und Form, die sich im Sambo so sicherlich nicht wiederfinden lassen, oder?
Andreas, trainieren deine Schützlinge sozusagen ein Sambo, dass die Sambo-typischen Techniken mit Prinzipien aus dem Systema kombiniert oder machen sie "nur Grappling"?

Gruß Jet

Andreas Weitzel
31-10-2003, 09:35
@ JetLag:

Interessante Frage :) Wie jemand etwas unterrichten würde, weiß ich nicht. In einer "normalen" Sambo-Schule wird wahrscheinlich so vorgegangen: Körperübungen, Fallschule, Techink 1, Technik 2, Kombination aus Technik 1 und 2, Gegentechnik zur Technik 1 usw... Wobei man dort auf jeden Fall einen großen Wert auf Übergänge von einer nichtgelungenen Techniken zu der nächsten legt.

Wie ich den Ringkampf unterrichte? Genauso, wie ich alles andere unterrichte. Die Kinder lernen, zu atmen, die Körperform zu halten, ruhig und ausgegliechen zu bleiben. Ich bringe ihnen bei, wie man sich bewegt, wie man ausweicht, nachgibt. Sie lernen, wie man einen Gegner grundsätzlich aus dem Gleichgewicht bringt und selbst stabil bleibt. Wie ein Wurf grundsätzlich funktioniert. Ein Hebel. Sie lernen Prinzipien, mit denen man jeden beliebigen Wurf selbst entwickeln und ausführen kann.

Gruß
Andreas

JetLag
02-11-2003, 21:58
@ Andreas
Würdest du sagen, dass Sambo grundsätzlich gut zu Systema passt?
Und sollte man generell neben Systema eine weitere KK betreiben, um z.B. sein Repertoire an Techniken erweitern zu können oder besteht dann die Gefahr von Konflikten mit Systema?

Gruß Jet

Andreas Weitzel
03-11-2003, 12:01
@ JetLag:

Ich würde sagen, daß der größte Teil des Sambo-Arsenals im Systema bereits enthalten ist (außer vielleicht einigen wettkampfspezifischen Kniffen), da Sambo zum größten Teil aus der traditionellen Russischen Kampfkunst kommt.

Ob man Sambo neben Systema betreiben kann? Warum nicht, wenn es einem danach ist?

Ob man generell eine andere Kampfkunst neben Systema betreiben kann? Ob es sinnvoll ist? Ich würde sagen, daß jeder selbst entscheiden soll, was und wie er macht. Und anschließend die Verantwortung für seine Entscheidung tragen. Mir persönlich reicht Systema völlig aus. Es gibt aber Leute, die nach eine bis drei weitere Kampfkünste machen. Jedem das Seine.

Gruß
Andreas

Harrington
03-11-2003, 12:24
Hallo zusammen,

wie sieht eigentlich die Systematypische Fallschule aus?Muss man sich die etwa wie beim Judo/Ju Jutsu vorstellen?

Andreas Weitzel
03-11-2003, 12:29
Hallo, Zeroboy,

ganz primitiv, aber treffend erklärt: Im Idealfall sollte man auf den Boden aufkommen, wie der Honig aus dem Glas. Und je nach Bedarf und situation gibt es Variationen und Abweichungen :) Es wird grundsätzlich viel gerollt.

Gruß
Andreas

Harrington
03-11-2003, 12:37
Hallo, Zeroboy,

ganz primitiv, aber treffend erklärt: Im Idealfall sollte man auf den Boden aufkommen, wie der Honig aus dem Glas. Und je nach Bedarf und situation gibt es Variationen und Abweichungen :) Es wird grundsätzlich viel gerollt.

Gruß
Andreas


Aha... :)

Gibt es auch sowas wie bspw.freier Fall,Fall seitwärts,Sturz vorwärts usw.?Und wird geübt auch danach direkt wieder in die Verteidigungsposition zu kommen?

JetLag
03-11-2003, 12:41
Hallo zusammen,

wie sieht eigentlich die Systematypische Fallschule aus?Muss man sich die etwa wie beim Judo/Ju Jutsu vorstellen?
Die Fallschule ist insgesamt viel weicher, würd ich sagen.
Es wird immer versucht, die Höhe zum Boden so gering wie möglich zu halten bevor man fällt. Man versucht immer, möglichst leise zu fallen, quasi zu fließen und daraus wieder die nächste Bewegung abzuleiten.
Die typische Judo-Fallschule, bei der durch ebenes Aufschlagen mit den Gliedmaßen die Energie absorbiert wird (gibts dafür auch 'nen Fachbegriff?) ist also ganz was anderes.

Ansonsten mal auf die RMA-Systema-Seite http://www.rma-systema.de/rma/fallschule.html gucken.

Gruß Jet

Andreas Weitzel
03-11-2003, 12:45
@ Zeroboy:

Wir haben keine "harte" Fallschule. Ansonsten wird in jede Richtung und von jeder Höhe "geflogen" und weich gefallen/gerollt. Da wir auch keine feste Positionen/Stellungen haben, gibt es auch keine bestimmte Verteidigungsposition. Man bewegt sich einfach entsprechend den Umständen.

Gruß
Andreas

Harrington
03-11-2003, 13:11
Dank an euch beide für die Auskünfte...

Andreas Weitzel
03-11-2003, 17:28
@ Zeroboy:

Gern geschehen :)

Gruß
Andreas

JetLag
03-11-2003, 19:08
@ JetLag:

Mir persönlich reicht Systema völlig aus. Es gibt aber Leute, die nach eine bis drei weitere Kampfkünste machen. Jedem das Seine.

Es gibt sogar Leute die mehr als 3 KK betreiben :D

Nun kann man ja Gelerntes aus dem Systema wunderbar auf andere KK adaptieren (z.B. richtiges Atmen) oder wird es automatisch anwenden können (z.B. Stressresistenz).
Besteht aber nicht die Gefahr, dass man gelernte Aktionsabläufe anderer KK (z.B. Hebel) starr anwendet und sich damit seiner eigenen Flexibilität beraubt? Ich meine damit Automatismen, die im Systema nicht sinnvoll sind.

Gruß Jet

Andreas Weitzel
03-11-2003, 21:34
@ JetLag:

Es kommt darauf an, was man machen will. Will man seine "starren" Techniken durch die richtige Atmung verbessern, dann spricht wohl nichts dagegen. Will man aber sich die Arbeit "erleichtern" und ein paar vorgegebene Bewegungen auswendig lernen, anstatt die freie Improvisation zu lernen, ist es wahrscheinlich nicht mehr so sinnvoll. Auf der anderen Seite gibt es so viele Menschen, die ihre Kampfkunst macht, weil sie ihnen einfach gefällt! Was will man dagegen sagen? Gar nichts! Da kann man mit Hunderten Argumenten kommen, das Ergebnis bleibt aber gleich: Man bleibt bei der Kampfkunst, die einem gefällt.

Gruß
Andreas