lamiech
19-08-2011, 15:38
Hab das hier auf einer Kampfkunst-HP Baustelle gefunden, was meint Ihr:
"Was ist Areté
Vor der Beantwortung dieser Frage ist es vielleicht erst einmal wichtiger zu klären, wer sind wir?
Eines steht fest: Japanische Samurai sind wir nicht.
Auch wenn einige unserer Kampfkünste asiatischen, in einigen Fällen sogar ganz konkret japanischen Ursprungs sind, so wird wohl auch die Idee der für uns sehr exotischen Begriffe Bushido und Budo, also jetzt grob übersetzt der Wege des Kriegers dem aufgeklärten Europäer eher nicht als Grundlage seiner Lebensphilosophie sein.
Und bei genauerer Betrachtung des kulturellen Kontextes, dem diese Begriffe zuzuordnen sind, stellt sich die Frage, ob die Ideen überhaupt noch als zeitgemäß zu betrachten sind.
Sicherlich, Ehre, Treue, Gerechtigkeit, Disziplin, Selbstaufopferung und was nicht alles mit Budo und ganz besonders mit dem Bushido verbunden werden hören sich zunächst einmal vorbildlich an. So mancher Laienpädagoge mag für sich gerne entscheiden, dass so eine wunderbare Grundlage für ein Trainings- oder gar Erziehungskonzepte an unseren Kindern und Jugendlichen geboten wird.
Nur Vorsicht mit allzu unbekannten, hier und da eventuell schon verklärten Kulturbegriffen -diese Münze hat nämlich zwei Seiten, nicht nur die romantische, oben beschriebene.
Bushido und Budo gehören in die Welt des japanischen Mittelalters. Ähnlich wie unser europäisches Mittelalter darf dieses auch getrost als finster bezeichnet werden.
Bushido ist auch mit Grundbaustein für ein streng hirarchiches Feudalsystem. Den Wünschen und Bedürfnissen des einzelnen wurde es eher wenig, wenn nicht gar überhaupt nicht gerecht; sollte es gar nicht erst. Im Zweifel war ein Menschenleben reine Verfügungsmasse und ganz gemäß des Kodex Bushido sorgte die resultierende Treue, ja fast schon der Kadavergehorsam des Samurai schnell dafür, dass ein solches Leben ebenso schnell beendet wurde. Egal, ob das Gegenüber ein anderer Samurai im vielleicht sogar fairen Zweikampf oder nur ein unbewaffneter Bauer, der die Ernte nicht rechtzeitig einbringen konnte war.
Bushido lies ohne jeden Widerspruch ganze Dörfer niederbrennen und führte das Überleben einiger Kinder zur Unzufriedenheit des Lehensherren, so bedeutete es auch den Selbstmord, den Seppuko des gescheiterten Ritters.
Dieser vermeintlich positive aber letzten Endes wohl doch eher barbarisch anmutende Kodex ist also vielleicht nicht so geeignet zum philosophischen Fundament unserer Kampfkünste, ja oftmals unserer Leidenschaft.
Und was ist jetzt Areté
Areté ist unsere europäische Antwort auf Bushido. Dabei gehen wir ganz weit in die Vergangenheit, noch viel weiter als nur bis ins “finstere” Mittelalter.
Areté führt uns ins klassische Griechenland, in die Zeit, die philosophisches Grundgerüst unseres aufgeklärten europäischen Denkens und Grundlage unserer Demokratie, Ethik und Moral ist.
Areté bezeichnet genau die Eigenschaften, die uns zu etwas ganz besonderen, herausragenden machen. Sie meint unsere Tüchtigkeit, nicht nur im Training, unsere Tugenden, die uns als Mensch zu etwas ganz hervorragenden machen und zu Achtung und Ehre führen.
Bei den alten Spielen war Areté die Präzision, die Schnelligkeit, die Stärke und die Ausdauer der besten Athleten.
Eine Höchstleistung, ein wirkliches Kunstwerk oder eine absolut perfekte Handarbeit, all das ist Areté.
Kurz dargestellt ist Areté die Vortrefflichkeit eines Menschen, sei es jetzt sein Wesen als Mensch oder sein perfekt trainierter Körper und die jeweils dadurch erbrachte Spitzenleistung oder das reine Vermögen dazu sowie die Freude, Leidenschaft und Erfüllung beim Erarbeiten all dessen.
Schlagwörter der Areté sind also Perfektion, Bestform und Vollendung; der geneigte Japanfan mag das alles für sich, wenn es unbedingt sein muss, gerne mit Zen übersetzen.
In den alten griechischen Sagen kam Herakles an einen Scheideweg. Zwei Richtungen standen ihm an dieser Weggabelung offen. In die eine wies eine edel anmutende, nach höfischer Art geschminkte schöne Frau in prächtigen, leuchtenden Gewändern.
Sie versprach dem Helden ein Leben in Wohlstand, Genuss und Überfluss. Weder Not noch Leid sollten ihn jemals behelligen, nur Glückseligkeit.
Die zweite Frau war einfach und schlicht gekleidet und blickte bescheiden zu Boden. Sie weissagte, dass Liebe, Respekt und Anerkennung der Mitmenschen nicht ohne Mühe und Anstrengung zu erreichen sind. Sie nannte ihren Weg den Weg der Tugend. Wenn dieser Weg gegangen wird, dann wartet am Wegesrand Mühe, Anstrengung und Leid, wenn nicht gar Elend. Aber der Lohn am Ende des Weges sollte Liebe, Achtung und Verehrung der Menschen für den Wanderer sein.
Die zweite Frau war die Areté und wie unser Held sich entschied, gehört heute zum literarischen Allgemeinwissen.
Wir denken deshalb, dass wir dem Bushido voller Selbstbewusstsein unsere Areté gegenüberstellen können."
"Was ist Areté
Vor der Beantwortung dieser Frage ist es vielleicht erst einmal wichtiger zu klären, wer sind wir?
Eines steht fest: Japanische Samurai sind wir nicht.
Auch wenn einige unserer Kampfkünste asiatischen, in einigen Fällen sogar ganz konkret japanischen Ursprungs sind, so wird wohl auch die Idee der für uns sehr exotischen Begriffe Bushido und Budo, also jetzt grob übersetzt der Wege des Kriegers dem aufgeklärten Europäer eher nicht als Grundlage seiner Lebensphilosophie sein.
Und bei genauerer Betrachtung des kulturellen Kontextes, dem diese Begriffe zuzuordnen sind, stellt sich die Frage, ob die Ideen überhaupt noch als zeitgemäß zu betrachten sind.
Sicherlich, Ehre, Treue, Gerechtigkeit, Disziplin, Selbstaufopferung und was nicht alles mit Budo und ganz besonders mit dem Bushido verbunden werden hören sich zunächst einmal vorbildlich an. So mancher Laienpädagoge mag für sich gerne entscheiden, dass so eine wunderbare Grundlage für ein Trainings- oder gar Erziehungskonzepte an unseren Kindern und Jugendlichen geboten wird.
Nur Vorsicht mit allzu unbekannten, hier und da eventuell schon verklärten Kulturbegriffen -diese Münze hat nämlich zwei Seiten, nicht nur die romantische, oben beschriebene.
Bushido und Budo gehören in die Welt des japanischen Mittelalters. Ähnlich wie unser europäisches Mittelalter darf dieses auch getrost als finster bezeichnet werden.
Bushido ist auch mit Grundbaustein für ein streng hirarchiches Feudalsystem. Den Wünschen und Bedürfnissen des einzelnen wurde es eher wenig, wenn nicht gar überhaupt nicht gerecht; sollte es gar nicht erst. Im Zweifel war ein Menschenleben reine Verfügungsmasse und ganz gemäß des Kodex Bushido sorgte die resultierende Treue, ja fast schon der Kadavergehorsam des Samurai schnell dafür, dass ein solches Leben ebenso schnell beendet wurde. Egal, ob das Gegenüber ein anderer Samurai im vielleicht sogar fairen Zweikampf oder nur ein unbewaffneter Bauer, der die Ernte nicht rechtzeitig einbringen konnte war.
Bushido lies ohne jeden Widerspruch ganze Dörfer niederbrennen und führte das Überleben einiger Kinder zur Unzufriedenheit des Lehensherren, so bedeutete es auch den Selbstmord, den Seppuko des gescheiterten Ritters.
Dieser vermeintlich positive aber letzten Endes wohl doch eher barbarisch anmutende Kodex ist also vielleicht nicht so geeignet zum philosophischen Fundament unserer Kampfkünste, ja oftmals unserer Leidenschaft.
Und was ist jetzt Areté
Areté ist unsere europäische Antwort auf Bushido. Dabei gehen wir ganz weit in die Vergangenheit, noch viel weiter als nur bis ins “finstere” Mittelalter.
Areté führt uns ins klassische Griechenland, in die Zeit, die philosophisches Grundgerüst unseres aufgeklärten europäischen Denkens und Grundlage unserer Demokratie, Ethik und Moral ist.
Areté bezeichnet genau die Eigenschaften, die uns zu etwas ganz besonderen, herausragenden machen. Sie meint unsere Tüchtigkeit, nicht nur im Training, unsere Tugenden, die uns als Mensch zu etwas ganz hervorragenden machen und zu Achtung und Ehre führen.
Bei den alten Spielen war Areté die Präzision, die Schnelligkeit, die Stärke und die Ausdauer der besten Athleten.
Eine Höchstleistung, ein wirkliches Kunstwerk oder eine absolut perfekte Handarbeit, all das ist Areté.
Kurz dargestellt ist Areté die Vortrefflichkeit eines Menschen, sei es jetzt sein Wesen als Mensch oder sein perfekt trainierter Körper und die jeweils dadurch erbrachte Spitzenleistung oder das reine Vermögen dazu sowie die Freude, Leidenschaft und Erfüllung beim Erarbeiten all dessen.
Schlagwörter der Areté sind also Perfektion, Bestform und Vollendung; der geneigte Japanfan mag das alles für sich, wenn es unbedingt sein muss, gerne mit Zen übersetzen.
In den alten griechischen Sagen kam Herakles an einen Scheideweg. Zwei Richtungen standen ihm an dieser Weggabelung offen. In die eine wies eine edel anmutende, nach höfischer Art geschminkte schöne Frau in prächtigen, leuchtenden Gewändern.
Sie versprach dem Helden ein Leben in Wohlstand, Genuss und Überfluss. Weder Not noch Leid sollten ihn jemals behelligen, nur Glückseligkeit.
Die zweite Frau war einfach und schlicht gekleidet und blickte bescheiden zu Boden. Sie weissagte, dass Liebe, Respekt und Anerkennung der Mitmenschen nicht ohne Mühe und Anstrengung zu erreichen sind. Sie nannte ihren Weg den Weg der Tugend. Wenn dieser Weg gegangen wird, dann wartet am Wegesrand Mühe, Anstrengung und Leid, wenn nicht gar Elend. Aber der Lohn am Ende des Weges sollte Liebe, Achtung und Verehrung der Menschen für den Wanderer sein.
Die zweite Frau war die Areté und wie unser Held sich entschied, gehört heute zum literarischen Allgemeinwissen.
Wir denken deshalb, dass wir dem Bushido voller Selbstbewusstsein unsere Areté gegenüberstellen können."