Anmelden

Vollständige Version anzeigen : Buddhismus und Krav Maga?



Rummenigge
15-08-2013, 21:33
Hallo,
ich beschäftige mich gerade mit dem Buddhismus und trainiere Krav Maga.
Krav Maga bedeutet für mich ein aggressives Kampfsystem, mit dem ich einen Angriff effektiv neutralisiere kann, bis hin zu schwerwiegenden Verletzungen für meinen Gegner.
Da ich mich aktuell auch sehr mit dem Buddhismus geschäftige, komme ich in einen Konflikt.
Bei meinem Krav Maga Basiskurs hat uns der Trainer Videos von Überwachungskameras gezeigt, wo Menschen ohne Vorwarnung überfallen wurden und zum Teil nur wegen einem Handy oder etwas Geld verletzt oder gar getötet wurden.
Mit diesem Mindset gehe ich aktuell durch das Leben, den Fokus darauf für eine Situation bestmöglich vorbereitet zu sein.
Der Buddhismus (wie ich ihn verstehe) unterscheidet nicht zwischen Freund, Feind oder Fremden, sondern man soll jedes Lebewesen als gleich betrachten.
Thich Nhat Hanh ein bekannter Mönch erzählt eine Geschichte von einem 12 Jährigen Mädchen, dass von einem Verbrecher vergewaltigt wurde und anschließend Selbstmord begangen hat. Thich Nhat Hanh hat seine Wut zurückgehalten und hat in der Meditation Mitgefühl mit dem Verbrecher gehabt, welche schwere Kindheit er gehabt haben mag.

Ich bekomme das alles nicht auf einen Nenner. Ich fühle, dass der Buddhismus etwas Befreiendes bietet und vom Leiden erlösen kann, fühle dann aber auch, dass ich dann weltfremd bin und „naiv“ durchs Leben laufe. Mir fällt es auch sehr schwer liebende Güte mit Kinderschänder, Mörder, Tierquälern usw. zu haben.

Mich würden weitere Meinungen interessieren.
Die Shaolin sind doch auch Buddhisten, wann würde sie kämpfen? Und für was?
Wie kann man die reale Gewalt, ein Nahkampfsystem wie Krav Maga und den Buddhismus zusammenbringen?

Eskrima-Düsseldorf
15-08-2013, 21:47
Na Krav Maga wurde von Menschen entwickelt die aufgrund ihrer Religion verfolgt wurden...

Grüße
Christian

Rummenigge
15-08-2013, 21:50
Na Krav Maga wurde von Menschen entwickelt die aufgrund ihrer Religion verfolgt wurden...

Grüße
Christian

Ja das stimmt. Aber wie hilft mir diese Tatsache bei meiner Frage weiter?

Pyriander
15-08-2013, 22:05
Imi (Lichtenfeld) hat mal die Ausspruch getätigt: "You must be so good... that you don't need to kill", und der Grund um Krav Maga zu lernen ist: "So that one may walk in peace..."

Da wird jeder Mensch als gleich betrachtet, im Rahmen der momentanen Möglichkeiten ;)

Wo siehst Du denn den Widerspruch? Im Buddhismus gibt es doch nicht das Prinzip des "andere Wange auch noch hinhaltens", oder?

Wenn Dir der andere überlegen ist, musst Du Dich entschlossen und 'aggressiv' verteidigen, weil es nicht anders geht; aber das heißt ja keineswegs, dass Du Dich von Deiner Wut mitreißen lassen solltest.

Deeskalierend sein, dem anderen Möglichkeiten offenlassen, das eigene Ego zähmen, usw. ; ich sehe da durchaus auch Potentielle Paralleelen im Krav Maga. Ein bisschen.

Eskrima-Düsseldorf
15-08-2013, 22:11
Na das eigene Überleben zu sichern ist doch ein guter Grund zu kämpfen. Ich sehe Dein Problem nicht.. Wechsel halt den Gott oder die Kampfkunst...

Grüße
Christian

Rummenigge
15-08-2013, 22:15
"So that one may walk in peace..."


Interessant, wie kann man das ins Deutsche übersetzten?

Damit man irgendwann in Frieden (umher-)gehen kann??

Damit alle irgendwann in Frieden (umher-)gehen können??

Rummenigge
15-08-2013, 22:17
Wechsel halt den Gott oder die Kampfkunst...

Grüße
Christian

Brauche ich nicht. Im Buddhismus gibt es keinen Gott :D

Rummenigge
15-08-2013, 22:29
Wo siehst Du denn den Widerspruch? Im Buddhismus gibt es doch nicht das Prinzip des "andere Wange auch noch hinhaltens", oder?

Wenn Dir der andere überlegen ist, musst Du Dich entschlossen und 'aggressiv' verteidigen, weil es nicht anders geht; aber das heißt ja keineswegs, dass Du Dich von Deiner Wut mitreißen lassen solltest.



Im achtfache Pfad gibt es Pfad II: Rechte Gesinnung
Rechte Gesinnung ist der Entschluss zum Nichtschädigen.
Ich darf keinen Schaden zufügen, kein Lebenwesen verletzten oder töten.
Vielleicht verstehe ich den Punkt auch falsch.

Von Selbstverteidigung habe ich im Buddhismus noch nichts gehört.
Wäre mal interessant, wann Shaolin ihre Künste anwenden und wann nicht.

m.l.l.
15-08-2013, 22:31
Kämpfen und Achtung Anderer schließen sich nicht aus. Nichts spricht dagegen, sich zu verteidigen, wenn es notwendig ist. Damit es nicht oder nicht so oft notwendig wird, lehrt die Spiritualität Bewusstsein für die Zusammenhänge, die zu Kampf und Auseinandersetzung führen.

Je größer mein Urteil über jemanden, desto wahrscheinlicher ist, dass er mich angreift. Im Umkehrschluss: bin ich mit Allem in Einklang und Liebe, erfahre ich keine Konfrontation.

Naiv bzw. illusorisch ist nur, zu glauben, mit allem in Einklang und Liebe sein zu können. - Mit diesen Gedanken verknüpft ist die Vorstellung der Wiedergeburt. Die spirituellen Lehren gehen davon aus, dass Du eben so lange wiedergeboren wirst, bis Du alle Wiederstände, Konfrontationen und Resonanzen in Einklang gebracht hast und Deine Seele die Erfahrung der Konfrontation und des Dualismus auf der Erde nicht mehr benötigt.

Bis dahin darfst Du lernen Dich zu verteidigen und Gebrauch davon machen, wenn es sich nicht umgehen lässt.

Eskrima-Düsseldorf
15-08-2013, 22:33
Brauche ich nicht. Im Buddhismus gibt es keinen Gott :D

Scheiße beim Absenden wusste ich dass das kommt ^^

Grüße
Christian

algorismi
15-08-2013, 22:42
Brauche ich nicht. Im Buddhismus gibt es keinen Gott :D

dann bleibt dir nichts anderes übrig, als die Kampfkunst zu wechseln :p

dermatze
15-08-2013, 23:11
Ich bekomme das alles nicht auf einen Nenner. Ich fühle, dass der Buddhismus etwas Befreiendes bietet und vom Leiden erlösen kann, fühle dann aber auch, dass ich dann weltfremd bin und „naiv“ durchs Leben laufe. Mir fällt es auch sehr schwer liebende Güte mit Kinderschänder, Mörder, Tierquälern usw. zu haben.

Ersetze "liebende Güte" mit Nachsichtigkeit.

(Das bedeutet nicht Leid gutzuheißen, oder es zu tolerieren. Es ist aber ein Unterschied gegen eine Tat, oder gegen einen Menschen/Täter zu sein.)

Triarius
15-08-2013, 23:16
dann bleibt dir nichts anderes übrig, als die Kampfkunst zu wechseln :p

Oder die Religion/Philosophie. Keiner sagt, dass du Buddhist sein musst. Wechsel doch zu Kant! :D
Was ich nicht verstehe ist, du sagst du beschäftigst dich grad sehr mit Buddhismus. Was soll das denn heißen? Bis du nun Buddhist? Willst du einfach versuchen nach der Philosophie des Buddhismus zu leben? Ich kann mich auch zum Beispiel für Theologie interessieren und Atheist sein, ich weiß nicht genau was du mit deiner Aussage meinst. Willst du allgemein wissen, wie buddhistische Mönche Kampfkunst und Religion konfliktlos miteinander verbinden und dich betrifft das Problem im Eigentlichen gar nicht? Falls es das ist, vielleicht machen die es so wie die Christen mit "Du sollst nicht töten" und Kreuzzüge. :D

Was die extreme Form des Pazifismus betrifft, das ist natürlich nicht einfach. Töten/Kämpfen ist viel einfacher. Und die Frage nach dem "wann Kämpfen", da denke ich kann Gandhi helfen: und zwar NIE. Wenn du tatsächlich niemandem ein Haar krümmen willst, geht das nur ganz ohne Gewalt und mit Krav Maga bist du da Fehl am Platz. Aber nicht jeder ist in seiner Philosophie gleich orthodox (siehe Beispiel Kreuzzüge). Unter Buddhisten finden sich grundsätzlich Leute, die strenge Pazifisten sind und auch solche, die ab und zu sagen "scheiß drauf, ich schlag dir die Fressse ein!"
Da musst du selber sehen, was du willst. Beispiel Gandhi zeigt, auch ohne Gewalt geht es, aber die Inder mussten auf dem Weg zur Unabhängigkeit sehr viel hinnehmen.

Phrachao-Suea
15-08-2013, 23:16
Haha lustig...
Buddhismus und ein geistiger Konflikt wegen Gewalt..
was sollen denn Thaiboxer sagen?

Praktiziere Buddhismus wie du willst...und wenn du dennoch bock auf Kämpfen hast dann tu es.
Kämpfer / Krieger sind einer der Vier Kasten im Buddhismus...
also mach dir da mal bitte keinen Kopf und hau zu ;)

KeineRegeln
15-08-2013, 23:17
Ich kenne mich mit dem Buddhismus nicht so aus. Sehe aber in dem gelesenen keinen Widerspruch.

Beispiel: du siehst wie jemanden, nehmen wir einfach eine Frau, leid zugefügt wird. Es versucht jemand eine Frau zu vergewaltigen. Sagt der Buddhismus (den Buddhismus gibt es ja gar nicht, sondern verschiedene Richtungen), du sollst das Geschehen lassen? Oder sollst du einschreiten?

Auch ist es so, dass gerade die Gelbhüte haben öffentliche Bestrafungen durch geführt.

Der Punkt ist wohl, dass man vergeben soll, aber Vergebung geschieht in der Regel im nachhinein und bedeutet nicht, während der Tat durch Untätigkeit zu glänzen.

Gruß
KeineRegeln

Rummenigge
15-08-2013, 23:53
Mönche im Labor (1/6) Neurowissenschaften entdecken die fernöstliche Meditation - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=_mud-L6b0nM)

http://www.youtube.com/watch?v=_mud-L6b0nM

Anfang bei 08:16

Wie soll man das verstehen?

Ich soll bei einem Stockschlag nicht auf die Person wütend sein. Denn nicht der Angreifer ist schuld, sondern seine Wut. Und dieser Wut, soll ich nicht mit meiner Wut nachkommen. Und jetzt? Ich bekomme einen Schlag ab und bin Nachsichtig, da ja nicht die Person mein Feind ist, sondern meine Wut?!?

Ich persönlich versuch die Distanz zu verkürzen und dem Angreifer meine Faust in die Brotluke zu zimmern.

Vielleicht kann man verstehen was ich meine. Die Vorschläge des Buddhismus sind im Leben doch nicht umsetztbar, oder verstehe ich es einfach nur nicht.....

Judoka70
16-08-2013, 00:04
Trimondi Online Magazin - Lamaismus (http://www.trimondi.de/Lamaismus/Krieg-4-Gewalt.htm)


Auch der Dalai Lama ist an dieser Debatte beteiligt: „Wenn jemand ein Gewehr hat, und versucht dich zu töten, ist es sinnvoll mit deinem Gewehr zurück zuschießen.“ – sagte er schon von dem 11. September 2001.

Phrachao-Suea
16-08-2013, 00:23
Sind wir echt so verblendet das man bei Buddhisten an Pazifisten denkt?
Das ist falsch.
Es ist ein Weg,der Weg des Mönches...gib deine Habseligkeiten auf und werde Wanderprediger wie der Gotamo Buddhos.
Sei Bauer,sei König,sei Kämpfer,sei Mönch.
Kasten für die damalige Einteilung.
Alles ist ein Weg,beschreiten tust du ihn..
willst du nen friedliebender Mönch sein? Lass die Finger von Gewalt.
Liegt dir das kämpfen im Blut? Steh dazu.
Ich bin durch die Meditation nicht ruhiger geworden..aber verdammt konzentrierter...

Talisker
16-08-2013, 08:12
Wo siehst Du denn den Widerspruch? Im Buddhismus gibt es doch nicht das Prinzip des "andere Wange auch noch hinhaltens", oder?
Diese Aussage stammt von Jesus, ist also ein "Prinzip" der Christen.

Wahrscheinlich schreibt gerade jemand, der aus einem Land mit buddhistisch geprägter Kultur stammt in das KKB des fernen Ostens, dass er sich gerade mit dem Christentum beschäftigt und jetzt Gewissensbisse hat, weil er Krav Maga macht, und die Christen doch eigentlich ihre andere Wange hinhalten sollen, wenn sie geschlagen werden. :D

Talisker
16-08-2013, 09:42
Wie soll man das verstehen?
Ich soll bei einem Stockschlag nicht auf die Person wütend sein. Denn nicht der Angreifer ist schuld, sondern seine Wut. Und dieser Wut, soll ich nicht mit meiner Wut nachkommen. Und jetzt? Ich bekomme einen Schlag ab und bin Nachsichtig, da ja nicht die Person mein Feind ist, sondern meine Wut?!?

Ich persönlich versuch die Distanz zu verkürzen und dem Angreifer meine Faust in die Brotluke zu zimmern.
Das darfst du auch als Buddhist - nur eben nicht wütend und hasserfüllt, sondern gelassen und voller Nachsicht mit dem Angreifer, der durch seinen Stockschlag gegen einen anderen Menschen schlechtes Karma auf sich geladen hat. So hast du mit deinem "Faustschlag in seine Brotluke" sogar ein gute Tat vollbracht, da du dadurch verhindert hast, dass er noch mehr schlechtes Karma auf sich lädt.

Als Christ bist du schon schlechter dran, da solltest du dem Angreifer auch die andere Wange hinhalten. :rolleyes:

In einem anderen Thread hier im KKB gibt es auch interessante Beiträge über das Verhältnis "Buddhismus - (Shaolin-)Mönche - Kampf- und Kriegskunst". Hier der Link: http://www.kampfkunst-board.info/forum/f52/chan-kampfkunst-tee-157937/

gasts
16-08-2013, 09:51
Bei meinem Krav Maga Basiskurs hat uns der Trainer Videos von Überwachungskameras gezeigt, wo Menschen ohne Vorwarnung überfallen wurden und zum Teil nur wegen einem Handy oder etwas Geld verletzt oder gar getötet wurden.
Mit diesem Mindset gehe ich aktuell durch das Leben, den Fokus darauf für eine Situation bestmöglich vorbereitet zu sein.


d.h. Du siehst in jedem Menschen eine potentielle Bedrohung für Dein Hab und Gut, Deine Gesundheit, oder Dein Leben?




Ich bekomme das alles nicht auf einen Nenner. Ich fühle, dass der Buddhismus etwas Befreiendes bietet und vom Leiden erlösen kann, fühle dann aber auch, dass ich dann weltfremd bin und „naiv“ durchs Leben laufe. Mir fällt es auch sehr schwer liebende Güte mit Kinderschänder, Mörder, Tierquälern usw. zu haben.


Der Buddhismus hat in seiner ursrpünglichen Form die Zielsetzung das Leiden, das durch Anhaftung an die Existenz begründet ist, zu beenden.
Wenn Du nicht an Dein Geld, Deine Gesundheit oder Dein Leben anhaftest, dann ist es auch vollkommen wurscht, ob Dir das ein anderer nehmen will, oder nicht.
Naiv wäre es, anzunehmen, dass, wenn man den anderen nix böses will, die einem auch nix böses wollen.
Darum geht es aber im Buddhismus nicht.
Weltfremd wäre es anzunehmen, man könnte durch irgendeine Maßnahme sein Hab und Gut, seine Gesundheit und sein Leben dauerhaft bewahren.
Vielmehr wirst Du alles, was Du besitzt, auch Dein Leben, verlieren.

In dieser Form ist der Buddhismus eine sehr radikale Lehre.
Allerdings kann man sein Leben mittels buddhistischer Ansichten/Übungen auch erleichtern, ohne gleich so extrem einzusteigen.

Zur liebenden Güte:

Zu deren Entwicklung gibt es spezielle Übungen (google mal “metta bhavana“), die sehr positive Auswirkungen auf den Praktizierenden haben.
Kinderschänder und dergleichen sind da eher für Fortgeschrittene.
Der Kern ist, dass Du erkennst, dass die anderen, auch der “Böse“ etwas mit Dir gemeinsam hat: er will glücklich sein.
Das ist dann ein etwas anderes Menschenbild, als oben.
Wenn Du der Lehre folgst, erkennst Du, dass der “Böse“ durch seine Taten nicht langfristig glücklich wird, sondern im Gegenteil leiden wird.
Du siehst also einen Menschen, der durch seine Unwissenheit Leid verursacht und auch sich selbst in’s Unglück stürzt.
Da liegt es nicht so fern zu wünschen, dass derjenige erkennt, wie dumm das ist, was er tut und dass er sein eigentliches Ziel, glücklich zu sein erreichen möge, indem er seine Strategie ändert, das zu erreichen.

Die Alternative ist, den “Bösen“ zu hassen und ihm Schlechtes zu wünschen.
Mit Hass und derartigen Wünschen legst Du allerdings gemäß der Lehre den Grundstein für Dein eigenes Leiden.
“Hass ist wie Gift zu trinken, um dem anderen zu schaden“
Allso lasse nicht zu, dass andere es schaffen, Dich dazu zu bringen, sie zu hassen.



Ich soll bei einem Stockschlag nicht auf die Person wütend sein. Denn nicht der Angreifer ist schuld, sondern seine Wut. Und dieser Wut, soll ich nicht mit meiner Wut nachkommen. Und jetzt? Ich bekomme einen Schlag ab und bin Nachsichtig, da ja nicht die Person mein Feind ist, sondern meine Wut?!?


Du musst ja nicht reagieren wie Tyler Durdon in Fight-Club, als Fucking Lou in den Keller kommt und fragt, was die da machen.

In einer praktikablen Form, da Du wohl nun doch an Deiner Gesundheit und Deiner Existenz hängst, würde ich sagen, Du handelst einfach nach dem Notwehrrecht:
Du verteidigst Dich gegen unmittelbare Angriffe mit den gebotenen Maßnahmen.
Dazu musst Du den Angreifer nicht hassen.
Wenn der Angriff wirkungsvoll beendet ist, hörst Du mit auf und trittst nicht noch ein paar mal nach.
Wut kann zwar motivieren, aber die ist dann vielleicht auch wieder schwer abzustellen.

Es gibt auch buddhistische Texte, bei denen ein Angreifer aus Mitgefühl mittels Gewalt von seiner Tat abgehalten wird, um ihn, also den Angreifer, vor den Folgen seiner Tat zu schützen.
Ich glaube allerdings, die gehen nicht direkt auf Buddha zurück, denn da ist ja offensichtlich, welches Missbrauchspotential da drin steckt.

nihonto
16-08-2013, 10:28
Diese Aussage stammt von Jesus, ist also ein "Prinzip" der Christen.

Wahrscheinlich schreibt gerade jemand, der aus einem Land mit buddhistisch geprägter Kultur stammt in das KKB des fernen Ostens, dass er sich gerade mit dem Christentum beschäftigt und jetzt Gewissensbisse hat, weil er Krav Maga macht, und die Christen doch eigentlich ihre andere Wange hinhalten sollen, wenn sie geschlagen werden. :D

Und wenn man dann noch bedenkt, dass Jesus kein Christ, sondern Jude war, dann schließt sich auch wieder der Kreis zum Krav Maga:D

nihonto
16-08-2013, 10:33
... ach, und wer noch einen Beleg dafür benötigt, dass Religion und Politik weitgehend dasselbe sind (und religiöse Grundsätze gerne mal "frei" interpretiert werden:rolleyes:):

Myanmar: Prügelnde Mönche - Myanmar: Buddhisten hetzen gegen Muslime - Weltspiegel - ARD | Das Erste (http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/ndr/2013/myanmar-142.html)

dermatze
16-08-2013, 11:03
... ach, und wer noch einen Beleg dafür benötigt, dass Religion und Politik weitgehend dasselbe sind (und religiöse Grundsätze gerne mal "frei" interpretiert werden:rolleyes:):

Myanmar: Prügelnde Mönche - Myanmar: Buddhisten hetzen gegen Muslime - Weltspiegel - ARD | Das Erste (http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/ndr/2013/myanmar-142.html)

Religion wie auch Politik sind menschengemacht. Um das zu belegen braucht es keine Nachrichten. Wer von sowas überrascht ist ist blauäugig. Wer unter diesem Vorwand aber die Lehre zurückweist ist ein Narr.

Im gelebten Buddhismus ist weitaus nicht alles Gold was glänzt. Man könnte aber auch sagen, dass es wenige Buddhisten gibt, die die entsprechenden Lehren wirklich durchdringen, statt sie nur oberflächlich zu assimilieren; tatsächlich aber etwas ganz anderes denken, meinen und auch hoffen. Dementsprechend werden Grundsätze immer frei bzw. entsprechend des eigenen Geisteszustandes interpretiert. Also streng genommen alles andere als frei, sondern personell determiniert und damit weitestgehend unfrei.

Der Buddhismus ist entsprechend keine geistige und ethische Elite, aber diese Elite ist unter anderem da zu finden.

================================================== ====

Ich würde mich von dem Gedanken verabschieden, dass man so oder so handeln müsse, weil es buddhistisch ist und man selber ja Buddhist(isch) sein möchte. Wie man ist, also sich verhält, denkt usw. ist Folge einer inneren Einstellung, Bewegung, Gewohnheit. Dies durch andere Verhaltensweisen zu überdecken, um Geboten zu entsprechen ist häufig nur aufgesetzt.

Wer Buddhist werden will soll praktizieren, vor allem meditieren. Das ist weitaus sinnvoller als sich über Vorschriften Gedanken zu machen oder den eigenen Verstand am Nasenring der Philosophie im Kreis zu führen. Der Rest ergibt sich.

jkdberlin
16-08-2013, 11:11
Ich möchte daran erinnern, dass wir hier keine Diskussionen zum Thema Politik und/oder Religion wollen!

rolfk
16-08-2013, 13:26
Hallo,
ich beschäftige mich gerade mit dem Buddhismus und trainiere Krav Maga.

Die Thais sind Buddhisten und trainieren Thaiboxen. Im Buddhismus ist der Kopf die "höchste und heiligste" Stelle und dennoch wird im Kampf darauf keine Rücksicht genommen.

Buddhist sein bedeutet, das jemand einen bestimmten Weg geht um sein eigenes Ich zu erkennen, um den Sinn der Lebens zu verstehen und auch um die (eigene) Begierde zu bekämpfen. Der Buddhismus gibt nur die Richtung an, welchen Weg ein jeder geht, um das zu erreichen, ist jeden selbst überlassen.

Die erste Regel (Gebot) eines Buddhisten ist, kein Lebewesen zu töten. Darunter fällt auch niemand zu verletzen und/oder zu quälen.

@Rummenigge

Wenn du eine Kampfkunst/sport (in deinem Fall Krav Maga) trainierst, trainierst du ja und wendest dein Können ja nicht an um jemanden zu verletzte oder gar zu töten.

Wenn du in der Realität dich mal verteidigen mußt, ist das zum Selbstschutz und auch selbst dann würdest du ja auch niemand töten, oder.

Sich mit dem Buddhismus zu befassen, bedeutet ja auch nicht, das du Buddhist bist oder wirst. Zumal es auch im Buddhismus nirgendswo steht, das man eine Kampfkunst/sport oder eine Selbstverteidigungsart nicht machen soll.

Das Recht sich zu verteidigen hat jederman. Der Buddhismus verbietet das mit Sicherheit nicht.

rolfk
16-08-2013, 13:28
Ich möchte daran erinnern, dass wir hier keine Diskussionen zum Thema Politik und/oder Religion wollen!

Ich möchte nur richtig stellen, das der Buddhismus keine Religion ist, sondern ein/e Lebensweg/einstellung)
Dennoch respektiere ich das von dir geschriebene und schreibe nichts mehr dazu.

jkdberlin
16-08-2013, 13:40
Ich möchte nur richtig stellen, das der Buddhismus keine Religion ist, sondern ein/e Lebensweg/einstellung)
Dennoch respektiere ich das von dir geschriebene und schreibe nichts mehr dazu.

Wenn du diesen Thread genauer ansiehst, wirst du feststellen, dass hier auch über "Christen", Jesus usw. diskutiert wird ... und schon sind wir bei Religion.

Korkell
16-08-2013, 14:52
Es gibt keinen Widerspruch zwischen Buddhismus und Selbstverteidigung. Allerdings für die Art der Selbstverteidigung.

Buddhismus ist nicht zwangsläufig auch der Weg eines Gandhi welcher selbst ja nicht mal Buddhist war.
Natürlich ist es nicht im Sinne des Buddhismus deinen Angreifer zu Matsch zu kloppen wenn die Gefahr längst abgewendet wurde.
Dementsprechend bieten sich rein technisch evtl. andere Kampfsportarten eher an...
Einen Widerspruch sehe ich bei allen Kampfkünsten die wirklich zeigen wie man Menschen tötet oder schwer verletzt.
Zuerst mal wären da alle militärischen Stile darunter fällt auch militärisches KM. Ansonsten fällt mir Silat und FMA allgemein ein...zu lernen wir man möglichst schnell Menschen Knochen bricht und mit Macheten kämpft ist wenn man es anwendet auch nicht besonders achtsam. Allerdings hängt es immer davon ab wie man eine Kampfkunst interpretiert.
Bei Ringerischen Stilen wie Ringen, Judo, BJJ, LL oder auch Ju Jutsu sehe ich kein großes Problem und auch Kickboxstile oder Boxen gehen mit Sicherheit klar.

miskotty
16-08-2013, 14:59
Mönche im Labor (1/6) Neurowissenschaften entdecken die fernöstliche Meditation - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=_mud-L6b0nM)

Mönche im Labor (1/6) Neurowissenschaften entdecken die fernöstliche Meditation - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=_mud-L6b0nM)

Anfang bei 08:16

Wie soll man das verstehen?

Ich soll bei einem Stockschlag nicht auf die Person wütend sein. Denn nicht der Angreifer ist schuld, sondern seine Wut. Und dieser Wut, soll ich nicht mit meiner Wut nachkommen. Und jetzt? Ich bekomme einen Schlag ab und bin Nachsichtig, da ja nicht die Person mein Feind ist, sondern meine Wut?!?

Ich persönlich versuch die Distanz zu verkürzen und dem Angreifer meine Faust in die Brotluke zu zimmern.

Vielleicht kann man verstehen was ich meine. Die Vorschläge des Buddhismus sind im Leben doch nicht umsetztbar, oder verstehe ich es einfach nur nicht.....
ist kein widerspruch. den angriff abwehren und beenden um den angriff auf dich zu stoppen ist was anderes als den anderen zu verletzen weil du wütend bist und ihm weh tun willst. die motivation ist unterschiedlich

KAJIHEI
16-08-2013, 15:21
Haha lustig...
Buddhismus und ein geistiger Konflikt wegen Gewalt..
was sollen denn Thaiboxer sagen?

Praktiziere Buddhismus wie du willst...und wenn du dennoch bock auf Kämpfen hast dann tu es.
Kämpfer / Krieger sind einer der Vier Kasten im Buddhismus...
also mach dir da mal bitte keinen Kopf und hau zu ;)

Welche Form meinst du ?
Das Kastensystem im Budhismus ist eine ähnlich fröhliche Mixtur des Hinduismus mit dem Buddhismus wie die Bön-Anschauung mit dem Buddhismus in Tibet.
Im klassischem Sinne gibt es eben keine Kämpfer.

Phrachao-Suea
16-08-2013, 15:25
Welche Form meinst du ?
Das Kastensystem im Budhismus ist eine ähnlich fröhliche Mixtur des Hinduismus mit dem Buddhismus wie die Bön-Anschauung mit dem Buddhismus in Tibet.
Im klassischem Sinne gibt es eben keine Kämpfer.

Lies mal die Mittlere Sammlung Majjhimanikayo des Pali-Kanons.
Das obere Jahrhundert war es,es ist dick und end lang.
Da kommen Kasten vor,untere - obere.
Und die Kriegerkaste ist mitsicherheit dabei ;)

Gelugpa
16-08-2013, 16:25
Hallo,
ich beschäftige mich gerade mit dem Buddhismus und trainiere Krav Maga.
Krav Maga bedeutet für mich ein aggressives Kampfsystem, mit dem ich einen Angriff effektiv neutralisiere kann, bis hin zu schwerwiegenden Verletzungen für meinen Gegner.
Da ich mich aktuell auch sehr mit dem Buddhismus geschäftige, komme ich in einen Konflikt.
Bei meinem Krav Maga Basiskurs hat uns der Trainer Videos von Überwachungskameras gezeigt, wo Menschen ohne Vorwarnung überfallen wurden und zum Teil nur wegen einem Handy oder etwas Geld verletzt oder gar getötet wurden.
Mit diesem Mindset gehe ich aktuell durch das Leben, den Fokus darauf für eine Situation bestmöglich vorbereitet zu sein.
Der Buddhismus (wie ich ihn verstehe) unterscheidet nicht zwischen Freund, Feind oder Fremden, sondern man soll jedes Lebewesen als gleich betrachten.
Thich Nhat Hanh ein bekannter Mönch erzählt eine Geschichte von einem 12 Jährigen Mädchen, dass von einem Verbrecher vergewaltigt wurde und anschließend Selbstmord begangen hat. Thich Nhat Hanh hat seine Wut zurückgehalten und hat in der Meditation Mitgefühl mit dem Verbrecher gehabt, welche schwere Kindheit er gehabt haben mag.

Ich bekomme das alles nicht auf einen Nenner. Ich fühle, dass der Buddhismus etwas Befreiendes bietet und vom Leiden erlösen kann, fühle dann aber auch, dass ich dann weltfremd bin und „naiv“ durchs Leben laufe. Mir fällt es auch sehr schwer liebende Güte mit Kinderschänder, Mörder, Tierquälern usw. zu haben.

Mich würden weitere Meinungen interessieren.
Die Shaolin sind doch auch Buddhisten, wann würde sie kämpfen? Und für was?
Wie kann man die reale Gewalt, ein Nahkampfsystem wie Krav Maga und den Buddhismus zusammenbringen?

Ich denke mal wenn dich einer angreift dann sollte man sich verteidigen, weil aus Mitgefühl sollte man sich nicht verletzen bzw. töten lassen. Das heißt wenn du angegriffen wirst dann erschafft der Täter sein negatives Karma selbst, also er erwirkt eine Ursache (z.b. köprerliche auseinandersetzung mit dir) und erzielt eine Auswirkung du verteidigst dich und da muss er durch. Du kannst aber auch für andere kämpfen also aus Nothilfe.

Also ich komme mit dem Buddhismus und Kampfkunst sehr gut klar.

KAJIHEI
16-08-2013, 21:23
Lies mal die Mittlere Sammlung Majjhimanikayo des Pali-Kanons.
Das obere Jahrhundert war es,es ist dick und end lang.
Da kommen Kasten vor,untere - obere.
Und die Kriegerkaste ist mitsicherheit dabei ;)

Oki doki .:) Wir lesen uns.

Phrachao-Suea
16-08-2013, 21:27
Oki doki .:) Wir lesen uns.

:halbyeaha

gasts
17-08-2013, 10:20
Hier ein interessanter Text zum Thema Buddhismus und Gewalt von einem Professor (http://www.michael-von-brueck.de/) der Religionswissenschaften mit christlichen Wurzeln:

Gewalt und Gewaltüberwindung im Buddhismus (http://www.buddhismuskunde.uni-hamburg.de/fileadmin/pdf/digitale_texte/Bd10-K12Brueck.pdf)

Bis Seite 12 (PDF Seite 13) wird auf einige historische Aspekte eingegangen.

Die Anfänge (Hervorhebungen von mir):


Danach ist die Antwort eindeutig: Der Theravada-Buddhismus, wie er sich im Pali-Kanon normativ identifiziert, lehnt physische Gewalt und mentalen Zwang mit allem Nachdruck ab. Anders das Mahayana, wo im Ausnahmefall als upaya und unter dem normativen Kriterium des Schutzes des dharma durch die selbstlose Hingabe des Bodhisattva Gewalt einschließlich der Tötung von Menschen gerechtfertigt werden kann (z.B. im Mahaparinirvana-Sutra), ja geboten ist, um größeres Unheil für eine große Anzahl von Lebewesen zu vermeiden.2 Im Mahayäna löst bekanntlich eine relativistische Gesinnungs- bzw. Motivationsethik die strikte normative Regelethik des Vinaya ab[....]

der Theravada-Buddhismus ist wohl die älteste noch existierende Schule und gibt eine Anleitung zur Selbstbefreiung.
Im Mahayana wird dagegen die eigene Erlösung zurückgestellt, bis alle Wesen erlöst sind.
Wer die Welt erretten will, wird wohl auf das Verhalten anderer Einfluss nehmen wollen und die "Lehre" verteidigen.
Im Mahayana kommt es, wie beschrieben, auf die Gesinnung an, es macht also einen Unterschied, ob ich einen Angreifer aus Sorge um mein Leben zusammenschlage, oder um ihn, wie von Talisker und Gelugpa angedeutet, vor Taten zu bewahren, die ihm schlechtes Karma einbringen.
Tibetischer Buddhismus und auch Zen gehören dem Mahayana an.
Wenn man der Karma-Lehre folgt, wäre es ungünstig, im Zustand der Wut oder Angst getötet zu werden.


ab Seite 13 (14) wird die "psychologische bzw. bewusstseinstheoretische Perspektive" behandelt:

nach dem Hinweis auf den grundsätzlichen Nutzen von Aggression, wird auf Aggression eines Individiums in der Gesellschaft eingegangen:


Ungezügelte Aggressionen sind schlecht angepasste Verhaltensweisen in einem System gegenseitiger Abhängigkeit, und deshalb ist die Zügelung wiederum von Vorteil. Genau das ist die kulturelle Leistung des Menschen, dass er sich nicht nur als Individuum verhält, das sich spontan durchsetzen muß, sondern dass er auf Grund kognitiver Leistungen erkennt, dass er von anderen Lebewesen abhängig ist. Diese Abhängigkeit mag einen momentanen Triebverzicht fordern, langfristig aber zur Überwindung von Aggression und zur Kooperationsbereitschaft befreien. Denn wie wir die Welt wahrnehmen, beurteilen und dann reagieren, ist unsere Konstruktion, sprich Projektion.
Diese Projektionen laufen ab auf dem Hintergrund gespeicherter Erfahrungen der Spezies und auch des Individuums. Wir nehmen wahr, was uns die Erwartung wahrnehmen lässt.33 Gewalt ist Ausdruck dieser Prägung.
Sie kann verändert werden auf Grund von Einsicht.

Jemand, der seinen Chef umhaut, wenn der ihn schlecht behandelt, wird da mittelfristig Nachteile davon haben. Unterdrückt er seine Wut, kann ihm das auch Schaden, sei es, weil es seine Beziehungen zu anderen Menschen vergiftet oder er krank wird.
Dagegen ist die Fähigkeit, sich nicht von Fremden verprügeln zu lassen, eher vorteilhaft.
Interessant sind hier die angesprochenen Projektionen. Es ist einleuchtend, dass jemand, der in jedem Fremden einen potentiellen Gegner sieht, anders durch die Welt läuft, als jemand, der grundsätzlich mit der Kooperation von Menschen rechnet, auch wenn er die Gewaltbereitschaft einzelner nicht verleugnet.

Nun zu einem zentralen Punkt der buddhistischen Lehre:


Haß, so die buddhistische Analyse der drei kles'a, ist frustrierte Begierde. Begierde aber ist die Kompensation für die Unwissenheit, die ein Ich stabilisieren zu müssen glaubt.
Wenn ein autonomes Ich der Welt gegenübertreten und sich behaupten muß, ist Gewalt unausweichlich. Kommt das Ich aber zu der Einsicht, dass dieses Ich gar nicht existiert, sondern dass der Strom der Wirklichkeit durch ein unendliches Netzwerk von Verknüpfungen entsteht, ist Gewalt töricht. Das Gewaltproblem zu lösen, ist mithin eine kognitive Aufgabe. Diese Kognition kann sich aber nicht auf eine abstrahierende Kognition beschränken, sondern muß die Affekte und grundlegenden Wahrnehmungsmuster verändern, weil sonst der Projektionskreislauf nicht durchbrochen werden könnte. Der Buddhismus lehrt Methoden, die diesen Projektionskreislauf, der Gewaltbereitschaft erzeugt, beenden.

Die Methoden des Buddhismus (Achtsamkeit und Versenkung) können einerseits die Projektionen, die verantwortlich dafür sind, wie wir die Welt wahrnehmen, relativieren.
Andererseits ebenso die Vorstellung eines unabhängigen Ich, das seine Interessen durchsetzen muss, aufweichen.
Durch entsprechende Übungen kann das persönliche Konfliktpotential herabgesetzt werden und auch die Reaktion der Umwelt.
Achtsamkeit kann eventuell auch dabei helfen, gewisse Situationen im Vorfeld zu erkennen.
Damit kann man IMO schon ziemlich viel erreichen, ohne auf die Möglichkeit zur SV zu verzichten.

amasbaal
17-08-2013, 21:53
fällt mir Silat und FMA allgemein ein...zu lernen wir man möglichst schnell Menschen Knochen bricht und mit Macheten kämpft ist wenn man es anwendet auch nicht besonders achtsam.

silat existierte bereits vor der islamisierung der malaiischen inselwelt. und davor waren die malaien (worunter ethnisch auch die meisten heutigen indonesier und philippinos fallen) was? :p

leiden durch die überwindung der leidenschaft zu überwinden, bedeutet auch schmerzen ertragen zu lernen und "leidenschaftslos" zu kämpfen. leidenschaftsloses kämpfen, also mit kühlem, konzentriertem geist, hilft siegen-auch gegen gegner, die ich ja dann auch nicht hasse, sondern einfach nur als zu überwindende schaffer von leiden betrachte, gegen die ich vorgehe.

amasbaal
17-08-2013, 22:05
Lies mal die Mittlere Sammlung Majjhimanikayo des Pali-Kanons.
Das obere Jahrhundert war es,es ist dick und end lang.
Da kommen Kasten vor,untere - obere.
Und die Kriegerkaste ist mitsicherheit dabei ;)

weil das mit den kasten ja fast überall, außer bei den "spezialisten" so gesehen wird, nur ne kurze, korinthenkackerische anmerkung:
bei "brahmane", "kshatria", "vaishya", "shudra" handelt es sich nicht um kasten, sondern um statusgruppen/soziale klassen, die "varna" genannt werden. die unzähligen kasten (jatis) werden jeweils den varna-kategorien zugeordnet. es gibt also viele kasten, die der kshatria (adels- und krieger varna) zugeordnet werden und ebensoviele "kriegerische" kasten, die sich selbst dort gerne sehen würden, aber nicht dort zugeordnet werden und deren status de fakto extrem niedrig ist.
spielt zwar jetzt inhaltlich für den thread keine große rolle, sollte aber mal die grobe vereinfachung, varna und jati gleichzusetzen, richtigstellen, damit das mal aufhört. selbst viele sogenannte "yogis" aus dem westen und vereinfachende "spirituelle lehrer" kommen den "westlern" gegenüber ständig mit diesen fehlerhaften vereinfachungen an....
wikipedia ist da in manchen fällen genauso doof...

so, genug ot.

Phrachao-Suea
18-08-2013, 05:41
wikipedia ist da in manchen fällen genauso doof....

Ganz nett,aber ich habe mich nicht auf WIKI bezogen ;)

amasbaal
18-08-2013, 12:30
wollte ich damit gar nicht sagen. hab nur mal kurz geschaut, was da so steht....

Phrachao-Suea
18-08-2013, 13:36
wollte ich damit gar nicht sagen. hab nur mal kurz geschaut, was da so steht....

Okidoki :)

Wai-Ming-Lee
18-08-2013, 14:08
Na Krav Maga wurde von Menschen entwickelt die aufgrund ihrer Religion verfolgt wurden...

Grüße
Christian

Juden wurde nicht wegen ihrer Religion verfolgt. Im Mittelalter wie auch im dritten Reich wurden auch christliche Juden verfolgt und ermordet.

KAJIHEI
18-08-2013, 14:15
Juden wurde nicht wegen ihrer Religion verfolgt. Im Mittelalter wie auch im dritten Reich wurden auch christliche Juden verfolgt und ermordet.

:weirdface:narf:

cave
18-08-2013, 14:29
... christliche Juden ...

sind das die mit den Moscheen ? :D

gasts
18-08-2013, 15:16
sind das die mit den Moscheen ? :D

nein, das sind Menschen christlichen Glaubens, die wegen ihrer Abstammung verfolgt wurden.

http://www.spurensuche-online.net/ottowebsite/hintergrund.html

Schnitzelsekt
18-08-2013, 15:27
Haha lustig...
Buddhismus und ein geistiger Konflikt wegen Gewalt..
was sollen denn Thaiboxer sagen?

Praktiziere Buddhismus wie du willst...und wenn du dennoch bock auf Kämpfen hast dann tu es.
Kämpfer / Krieger sind einer der Vier Kasten im Buddhismus...
also mach dir da mal bitte keinen Kopf und hau zu ;)

Im Buddhismus gibt es keine Kasten, die sind im Hinduismus.

@TE:
Wie Buddhismus und Krav Maga Hand in Hand gehen können weiss ich nicht, aber es gibt ja einige KK mit buddhistischem Hintergrund.
Die Gesundheit und das Leben von sich selbst und anderen Lebewesen zu verteidigen verstösst ja nicht gegen buddhistische Grundsätze.

Phrachao-Suea
18-08-2013, 15:35
weil das mit den kasten ja fast überall, außer bei den "spezialisten" so gesehen wird...


Im Buddhismus gibt es keine Kasten, die sind im Hinduismus.


Da haben wir es..
:D

samuraigladiator
19-08-2013, 15:20
Also erstmal: Auch Buddhisten dürfen sich wehren:D Alles andere wäre absurd;) Ist eigentlich logisch,oder?;) Nur ein Arhat(Heiliger) hätte die Reife seinen Tod bedingt durch eine unheilsame Tat eines anderen friedlich hinzunehmen. Aber soweit sind die allerwenigsten Buddhisten.
Ganz einfach auf den Punkt gebracht:
Wenn dich einer ermorden will und du hast eine Pistole dabei,dann schießt du ihm ins Bein.
Du musst ihn nicht gleich töten.
Und wenn dich jemand waffenlos angreift,dann schiebst du ihm kein Messer zwischen die Rippen.
Wichtig ist also die "Verhältnismäßigkeit" für einen Buddhisten.
Aber das sollte auch für jeden Normalbürger so sein.
Du kannst das ganze aber auch so sehen. Wenn du dich verteidigst,dann versuchst du, das unheilsame Karma das der Angreifer mit seiner Tat ansammeln würde von ihm abzuwenden. Das ist doch wahrhaft altruistisch,oder?;)
Es wird für dich natürlich auf irgendeiner Ebene (aufgrund des abhängigen Entstehens) zu Leiden führen z.b. du bekommst Probleme mit der Polizei,Schuldgefühle,oder irgendwelche andere Annehmlichkeiten.
Gruß
Frank

Alex.s9
19-08-2013, 21:10
Wäre mal interessant, wann Shaolin ihre Künste anwenden und wann nicht.

Garnicht - Shaolin trainieren, weil es ein Teil der religiösen Praxis ist. Sie sind keine Kämpfer und sehen sich(theoretisch sollten sie das) nicht als solche.
Glatzköpfige und bescheidene Superfighter sind sie nur in 90er Jahre Filmen.

Die Erfahrungsberichte von Leuten die in China gastweise mittrainiert haben besagen auch, dass Shaos weder "Kämpfer" sind noch sich darum bemühen - sie erlernen auch nach meinem Wissen keine praktisch anwendbaren Kampfsysteme (korrigiert mich ruhig, wenn es wer besser weiß)... alle anderen sind Proleten und keine Zenbuddhistischen Mönche.

Gruß Alex

amasbaal
21-08-2013, 12:15
Da haben wir es..
:D

ja.
die frage ist aber, ob es nicht "de fakto" kasten gibt - nicht in DEM buddhismus, sondern in bestimmten buddhistischen gruppen bestimmter regionen, wobei die religion das zwar nicht vorschreibt, die tradition der kultur, aus der man kommt, aber diese kategorien im alltag erhält.
in indien haben die christen offiziell auch keine kasten. in der konkan-region, in der ich des öfteren war, gibt es aber ganz klare zuordnungen zu kasten. mein hauptinformant auf einer feldforschung sagte zb. es gäbe keine kasten bei den "catholics". als ich ihn fragte, dass, wenn sein vater doch noch in der salzgewinnung gearbeitet hätte und das auch für die weiteren vorfahren gelte, er eigentlich ein "gaude" sei (eine kaste, die v.a. mit salzverarbeitung zu tun hat/hatte), sagte er: "yes! gaude. we are gaude" und zwar mit ziemlicher euphorie und freude, dass ich darauf gekommen bin. er selbst hatte übrigens überhaupt nichts mit salz zu tun - außer als koch in seinem kleinen restaurant. trotzdem ist er "gaude" und seine kinder werden zsehr wahrscheinlich in der entsprechenden statusgruppe heiraten (bei den christen ist das mit den kastengrenzen nicht so streng, wohl aber mit den statusgruppen/varna. ein bamon - die christliche bezeichnung im konkan, die der "brahmanen" varna entspricht, wird seine tochter garantiert nicht heiraten).
allerdings: von jahrzehnt zu jahrzehnt weichen diese grenzen auf. das bewußtsein davon ist aber in jedem fall noch da.

KAJIHEI
21-08-2013, 12:54
So ich hab mir das jetzt Alles mal in Ruhe durchgelesen.
Kasten ala Krieger im Buddhismus wie Pracheo schreibt, niente.
Aber was sehr auffällig ist, selbst in den frühen Formen des Buddhismus ist schon eine sehr deutliche "Verpanschung" mit anderen Religionen sichtbar.
d.h. Es entstehen innerhalb des buddhistischen Glaubenskomplexes Strukturen die eigentlich dem fundamentalen Buddhismus widersprechen.
Siehe z.B. die Kombi Bön / Buddhismus in Tibet, die Kombinationen von Shinto und B. in Japan etc, etc.
Schon sehr komplex.
Allerdings erklärt es das Phänomen von solchen eigentlich absurden Dingen wie Kriegrmönche. Buddhistisch absurd, faktisch aber ewig und drei Tage Fakt gewesen. Egal ob die Shaolin Truppe in China, oder die lustigen Gesellen vom Hie-zan in Japan. ( Bevor Nobunaga die Mönchskrieger samt Klöstern abegfackelt hat )

Kevke
21-08-2013, 13:41
4749ggSXgms


vWIMNgp2WBQ

Tracer
21-08-2013, 15:45
Du kannst einem Aggressor in der SV auch mit Güte im Herzen und Mitleid in deinen Gedanken in die Schnauze hauen.

Dabei heilst du seine Psyche in dem du ihn dazu bringst von seinem falschen Tun abzulassen. Ausserdem hilfst du ihm dabei doch kein schlechtes Karma anzuhäufen.

Im Grunde müsste er dir hinterher dankbar sein. Aber die meisten Menschen sind leider nicht so reflektiert. :(

Seriously - du bist kein Möch. Also lebst du dem buddhistischen Gedanken nach im Samsara aller Wesen. Die Mönche die nicht erleuchtend sind leben zwar auch im Samsara - aber in einem anderen Teil.
Im Samsara durchlaufen wir alle immer wieder den Kreislauf aus Leiden und das ablegen von Leid und dem karmischen Wechsel.
Also musst dir keine Gedanken machen. Wenn du erleuchtet werden möchtest und "Emptyness" erfahren möchtest müsstest du ohnehin Mönch werden und dem dein Leben weihen.

samuraigladiator
21-08-2013, 17:28
Wenn du erleuchtet werden möchtest und "Emptyness" erfahren möchtest müsstest du ohnehin Mönch werden und dem dein Leben weihen.
Um die Leerheit/Selbstlosigkeit zu erfahren und erleuchtet zu werden,muss man nicht ordiniert sein. Man muss allerdings ethisch leben,meditieren und Weisheit ansammeln. Und natürlich Zuflucht nehmen zum Buddha,zur Lehre(Dharma) und zur geistigen Gemeinschaft(Sangha).

Arganth
21-08-2013, 17:40
Um die Leerheit/Selbstlosigkeit zu erfahren und erleuchtet zu werden,muss man nicht ordiniert sein. Man muss allerdings ethisch leben,meditieren und Weisheit ansammeln. Und natürlich Zuflucht nehmen zum Buddha,zur Lehre(Dharma) und zur geistigen Gemeinschaft(Sangha).

Nö. Kann genausogut jeden tag menschen abschlachten, waffen verkaufen/herstellen, kinder lollis wegnehmen oder im Wing Chun forum trollen :D ect.

Musst auch net mit dem Buddha kuscheln oder jeden Tag auf den Zen kissen 10 stunden sitzen bis dir die beine abfaulen :D


Man muss nicht nach "Enlightenment" suchen ums zu erhalten. Kann die Sache "leichter" machen, muss es aber nicht. Im Endeffekt kanns jeden zu jeder Zeit treffen. Obs dann jemand erkennt/die schlüsse die jemand daraus zieht bzw. das Ego/Leiden ect. das dann wieder verdrängt is ne andere Sache.

samuraigladiator
21-08-2013, 18:10
Viele denken man kann die Erleuchtung(bzw. Nirvana bzw. vollkommener Frieden;)) auf verschiedene Weisen erlangen.
Da aber alles dem Kausalitätsgesetz(Ursache und Wirkung) unterworfen ist, ist auch die Erleuchtung diesem Gesetz unterworfen. Und Siddharta Gautama hat eben diese Ursachen bzw. Abhängigkeiten herausgefunden und dementsprechend den edlen achtfachen Pfad gelehrt. Diesen Pfad muss man gehen um Erleuchtung zu erlangen. Dieser achtfältige Pfad ist Bestandteil jeder buddhistischen Richtung.

KAJIHEI
21-08-2013, 19:10
Viele denken man kann die Erleuchtung(bzw. Nirvana bzw. vollkommener Frieden;)) auf verschiedene Weisen erlangen.
Da aber alles dem Kausalitätsgesetz(Ursache und Wirkung) unterworfen ist, ist auch die Erleuchtung diesem Gesetz unterworfen. Und Siddharta Gautama hat eben diese Ursachen bzw. Abhängigkeiten herausgefunden und dementsprechend den edlen achtfachen Pfad gelehrt. Diesen Pfad muss man gehen um Erleuchtung zu erlangen. Dieser achtfältige Pfad ist Bestandteil jeder buddhistischen Richtung.

Das stimmt.
Aber !
Es gibt verschieden Möglichkeiten den Weg zu gehen. Man kann sitzen und meditieren, man arbeiten und das als Meditation nehmen.
Man kann probieren die Lehren einzuhalten und das Leben an sich als Meditation betrachten.
Den Weg den Weg zu gehen gibt es eben nicht.
Nicht umsonst gibt es zwei witzige japanische Figuren : Kanzan und Jitoku die die Lehrrollen zerreissen. Der eine wird übrigens meistens in der klassischen Ikonographie mit Besen dargestellt, damit soll man die Blindheit die die klare Sicht vernebelt wegfegen.....

gasts
21-08-2013, 20:59
So ich hab mir das jetzt Alles mal in Ruhe durchgelesen.
Kasten ala Krieger im Buddhismus wie Pracheo schreibt, niente.

Siddhārtha Gautama lebte in einer Gesellschaft, in der es solche Kategorien gab, daher hat er auch darauf Bezug genommen.
Allerdings eben in der Art, dass es für seine Lehre unbedeutend ist, in welchen Stand man geboren ist.



"Ich sage nicht, Priester, daß hohe Geburt besser mache;
ich sag' auch nicht, Priester, daß hohe Geburt schlechter mache.
Ich sage nicht, Priester, daß große Schönheit besser mache;
ich sag' auch nicht, Priester, daß große Schönheit schlechter mache.
Ich sage nicht, Priester, daß großer Reichtum besser mache;
ich sag' auch nicht, Priester, daß großer Reichtum schlechter mache.


Er sagt aber auch keineswegs, dass es egal ist was man tut, im Gegenteil, genau darauf kommt es an:


Auch von hoher Geburt ist ja da, Priester, mancher ein Mörder, ist ein Dieb, ist ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ist ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und Haß und Eitelkeit:
darum sag' ich nicht, daß hohe Geburt besser mache.
Auch von hoher Geburt ist ja da, Priester, mancher kein Mörder, ist kein Dieb, ist kein Wüstling, Lügner, Verleumder, ist kein Zänker und Schwätzer, ist nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt:
darum sag' ich nicht, daß hohe Geburt schlechter mache.
[...]
"Ebenso nun auch, Priester, kann wer da aus einem Kriegergeschlechte oder Priestergeschlechte oder Bürgergeschlechte oder Dienergeschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung gekommen ist, von Mord absteht, von Diebstahl absteht, von Unkeuschheit absteht, von Lüge, Verleumdung, Zank und Geschwätz absteht, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt ist, Echtes erwirken, heilsames Recht."

Majjhima Nikaya 96 (http://www.palikanon.com/majjhima/m096n.htm)




schon eine sehr deutliche "Verpanschung" mit anderen Religionen sichtbar.
d.h. Es entstehen innerhalb des buddhistischen Glaubenskomplexes Strukturen die eigentlich dem fundamentalen Buddhismus widersprechen.
Siehe z.B. die Kombi Bön / Buddhismus in Tibet, die Kombinationen von Shinto und B. in Japan etc, etc.

Das liegt wohl daran, dass der Buddhismus keine strenge Metaphysik lehrt, sondern eine praktische Heilslehre ist, für die irgendwelche Götter, Dämonen etc keine übergeordnete Rolle spielen.
Damit lässt der sich prima mit Naturreligionen verbinden.
Mit monotheistischen Allmachtsphantasien natürlich eher weniger.

Phrachao-Suea
21-08-2013, 21:06
Danke Simplicus!
Gut,"Geschlecht" statt "Kaste".
Ein kleiner Fehler und alle sind Experten. :rolleyes:

Terao
21-08-2013, 21:35
Ebenso nun auch, Priester, kann wer da aus einem Kriegergeschlechte oder Priestergeschlechte oder Bürgergeschlechte oder Dienergeschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung gekommen ist, von Mord absteht, von Diebstahl absteht, von Unkeuschheit absteht, von Lüge, Verleumdung, Zank und Geschwätz absteht, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt ist, Echtes erwirken, heilsames Recht.Seh da keinerlei Konflikte mit z.B. Krav Maga. Dort wird ja nicht Mord, Diebstahl, Unkeuschheit, Lüge, Zank, Geschwätz, Begehrlichkeit, Gehässigkeit, unrechte Gesinnung, nichts Echtes erwirken oder Unrecht propagiert oder gelehrt. Jedenfalls meines Wissens nach.

Im Gegenteil, heilsames Recht zu erwirken bedeutet halt für Nichtmönche, die nicht grad in der Wüste leben, auch ab und an mal der Knüppel auf den Kopf. Man solls halt nicht grade suchen. Der Buddhismus ist doch da nicht weniger pragmatisch als alle anderen Religionen auch. Sonst hätt er niemals bis heute überlebt.

In der Zen-Ausprägung etwa hat man, soweit ich weiß, überhaupt keine Probleme mit dem Einsatz des Schwertes. Solange man dieses zunächst und zugleich gegen sich selbst richtet (symbolisiert im ken oder tsurugi, dem zweischneidigen Schwert, dessen eine Schneide stets auf einen selbst weist), also stets gewissenhaft prüft, ob man Rechtes erwirkt oder bloß aus Gier, Hass und Verblendung heraus handelt (und diese drei im Bedarfsfall zuerst "tötet"). Ist doch eigentlich eine sehr brauchbare SV-KK-Ethik.

Schnitzelsekt
21-08-2013, 22:01
Danke Simplicus!
Gut,"Geschlecht" statt "Kaste".
Ein kleiner Fehler und alle sind Experten. :rolleyes:

Ich war eine Weile mal in Indien, und kann nur sagen, dass zwischen "Geschlecht" und "Kasten" mindestens Welten liegen.

gasts
22-08-2013, 12:09
Solange man dieses zunächst und zugleich gegen sich selbst richtet (symbolisiert im ken oder tsurugi, dem zweischneidigen Schwert, dessen eine Schneide stets auf einen selbst weist), also stets gewissenhaft prüft, ob man Rechtes erwirkt oder bloß aus Gier, Hass und Verblendung heraus handelt (und diese drei im Bedarfsfall zuerst "tötet"). Ist doch eigentlich eine sehr brauchbare SV-KK-Ethik.

Ja, das ist auch eine allgemein praktische Ethik, mit der sich jede beliebige Schweinerei rechtfertigen lässt.
Der Zweck heiligt die Mittel.
Wissen wir schon aus Dr. Schiwago: Die gefährlichsten Typen sind die Idealisten.

Terao
22-08-2013, 12:46
Ja, das ist auch eine allgemein praktische Ethik, mit der sich jede beliebige Schweinerei rechtfertigen lässt.
Der Zweck heiligt die Mittel.
Wissen wir schon aus Dr. Schiwago: Die gefährlichsten Typen sind die Idealisten.Du wirst nicht einen einzigen ethischen Satz finden, der sich nicht missbrauchen, missverstehen, verdrehen oder mit Extrembeispielen torpedieren lässt.

Die größten Idioten sind Leute, die diese Art modischen Nihilismusimitats für wahnsinnig clever halten.

gasts
22-08-2013, 13:40
Die größten Idioten sind Leute, die diese Art modischen Nihilismusimitats für wahnsinnig clever halten.

Zenbuddhismus?

Terao
22-08-2013, 13:45
Zenbuddhismus?:p:halbyeaha




Der Zusammenhang von dem, was ich geschrieben habe, und Deinem "Der Zweck heiligt die Mittel" ist mir aber immer noch gar nicht klar.

Dr.Jab
22-08-2013, 15:27
Wahrscheinlich schreibt gerade jemand, der aus einem Land mit buddhistisch geprägter Kultur stammt in das KKB des fernen Ostens, dass er sich gerade mit dem Christentum beschäftigt und jetzt Gewissensbisse hat, weil er Krav Maga macht, und die Christen doch eigentlich ihre andere Wange hinhalten sollen, wenn sie geschlagen werden. :D

+1

ich finde den buddhismus auch sehr faszinierend aber genau wie beim christentum gilt: man sollte nicht versuchen ein ideal zu verwirklichen welches de facto nicht zu erreichen ist. wer mit letzter konsequenz buddhas weg gehen möchte müsste ein heimatloser bettelmönch werden der bei jedem schritt aufpassen muss dass er kein insekt zerquetscht.

natürlich sollte man sich bemühen mitgefühl und nächstenliebe zu praktizieren und hass und aggressionen zu vermeiden. aber für mich hörts da auf wo einem menschen (einschließlich mir selbst) gewalt angetan wird. selbstverteidigung ist ein menschenrecht.

gasts
22-08-2013, 17:06
Der Zusammenhang von dem, was ich geschrieben habe, und Deinem "Der Zweck heiligt die Mittel" ist mir aber immer noch gar nicht klar.

Zweck: "Rechtes erwirken"
Mittel: Schwert

Phrachao-Suea
22-08-2013, 17:11
Ich war eine Weile mal in Indien, und kann nur sagen, dass zwischen "Geschlecht" und "Kasten" mindestens Welten liegen.

Hehe,Amasbaal! :)

Das einzige was ich am Zen-Buddhismus mag ist:
Shunryu.

Alles andere halte ich für Bullshit.

amasbaal
22-08-2013, 18:48
Ich war eine Weile mal in Indien, und kann nur sagen, dass zwischen "Geschlecht" und "Kasten" mindestens Welten liegen.

wenn man das so betrachtet, wie der begriff hinter dem wort "geschlecht" hier verwendet wird, ist das richtig.
kaste ist ein nicht-indischer begriff. er stammt von den portugiesen. jati, das eigentliche wort, das "kaste" bedeutet, heißt wörtlich übersetzt: "art". man ist von der einen oder anderen "art". da jatis endogame heiratsgruppen sind, ist dieser "art"-begriff durchaus "biologisch" gedacht und betrifft die "abstammung". ergo: "geschlecht" ist gar nicht mal so falsch,wenn man esaus indigener perspektive betrachtet.

aber... das hat inzwischen ja gar nichts mehr mit dem problem buddhismus und "gewalt" zu tun!

Schnitzelsekt
22-08-2013, 19:50
wenn man das so betrachtet, wie der begriff hinter dem wort "geschlecht" hier verwendet wird, ist das richtig.
kaste ist ein nicht-indischer begriff. er stammt von den portugiesen. jati, das eigentliche wort, das "kaste" bedeutet, heißt wörtlich übersetzt: "art". man ist von der einen oder anderen "art". da jatis endogame heiratsgruppen sind, ist dieser "art"-begriff durchaus "biologisch" gedacht und betrifft die "abstammung". ergo: "geschlecht" ist gar nicht mal so falsch,wenn man esaus indigener perspektive betrachtet.


Nun gut, du analysierst das sprachwissenschaftlich etc., und das mag alles richtig sein.
Ich kann nur von dem ausgehen, was ich erlebt habe.
Menschen, die in die Kshatrya hineingeboren sind, sind so grundsätzlich andere Menschen als zB.schon Leute der Brahmanenkaste, das ist schon fast so wie der kulturelle Unterschied zwischen einem Chinesen und einem Bolivianer. Ganz zu schweigen vom Unterschied eines Unberührbaren im Vergleich zu Leuten einer höheren Kaste.
Das Kastensystem hat so absolute, unausweichbare, tief verwurzelte Konsequenzen, dass man es mit einem Geschlecht, wie wir es in vielen Ländern kennen, meiner Meinung nach einfach nicht vergleichen kann.
Für mich ist Kaste extrem kultur-und landspezifisch, und zwar steht das für Indien. Geschlecht kann in irgend einem Land sein.

Das Kastensystem ist ein Paradebeispiel für institutionelle Strukturierung einer Gesellschaft.
Ich verstehe den Buddhismus als Paradebeispiel einer nicht institutionellen Religion, die daher einfach kein Kastensystem mit sich führt.

amasbaal
22-08-2013, 22:27
Nun gut, du analysierst das sprachwissenschaftlich etc., und das mag alles richtig sein.
Ich kann nur von dem ausgehen, was ich erlebt habe.
Menschen, die in die Kshatrya hineingeboren sind, sind so grundsätzlich andere Menschen als zB.schon Leute der Brahmanenkaste, das ist schon fast so wie der kulturelle Unterschied zwischen einem Chinesen und einem Bolivianer. Ganz zu schweigen vom Unterschied eines Unberührbaren im Vergleich zu Leuten einer höheren Kaste.

ist kein widerspruch. kann ich tendentiell bestätigen, solange es "aus der brahmanen varna" oder "aus DEN brahmanenkasten" heißt :D :p:).

mit sprachwissenschaft hat das weniger zu tun. mehr mit ethnologie mit schwerpunkt südasien und entsprechende feldforschungen/aufenthalte.
nee, der alltag ist schon heftig von der "arten"abgrenzung bestimmt. das geht bis hin zu einer anekdote über den bau des neuen flughafens in delhi: als eines der gebäude fertig war, stellte "man" fest, dass die rolltreppen fehlten, die die etagen miteinander verbinden sollten. das war in den plänen schlicht nicht eingezeichnet gewesen (warum auch immer). die dort beschäftigten tagelöhner, die zum großen teil lamani waren (werden eher als "tribe" denn als "caste" in der offiziellen liste, die es gibt, geführt und sind schon allein deshalb ohne "kaste", also "kastenlos" und damit in der varna hierarchie ganz unten, da es für sie gar keine varna gibt) und die meist den shudras zugeordneten facharbeiter aus diversen kasten dieser varna, hatten das von anfang an bemerkt. als sie vom leitenden ingeneur (aus einer hoch angesehen kaste, die der kshatria varna zugeordnet wird) gefragt wurden, warum sie denn nichts sagten, kam die antwort: "wir mischen uns doch nicht in eure angelegenheiten ein. das ist nicht unsere sache".
"nicht einmischen", wenn man nicht "dazugehört", ist in indien eine ganz spezielle sache, die auf allen ebenen erhebliche folgen haben kann.

im übrigen ist es seit einigen jahren "mode", sich in offiziellen papieren "nach unten" zu verorten. häufig werden falsche angaben in sache kaste gemacht, da es staatliche quotenregelungen gibt, die niedrigkastigen gewisse vorteile bei der vergabe von studienplätzen, behördenjobs und fördergeldern garantieren. in den jahrzehnten zuvor war es noch sehr "in", sich durch annahme von verhaltensweisen (zb. speisevorschriften, "brahmanisierung" religiöser rituale und mythen u.ä.) bestimmter varna, nach außen als würdig für eine zuordnung in eine höhere varna zu erweisen. über sehr lange zeiträume hinweg lassen sich durchaus verschiebungen einzelner kasten nach oben oder unten nachweisen. kasten als ganzes können also im verlauf historischer prozesse durchaus in eine andere varna "rutschen" - aber immer nur die kaste als ganzes, keine individuen/familien. die sind und bleiben in der kaste xy.

und tatsächlich: historisch nachweisbar ist, dass der anfängliche erfolg des buddhismus in inden (wurde durch diverse hindu-reformbewegungen wieder zurückgedrängt), ebenso, wie die viel spätere islamisierung großer bevölkerungsteile, viel mit dem verlockenden angebot zu tun hatte, dass es keine kastenhierarchien mehr geben würde.

ich höre jatzt aber damit auf, da es MASSIV ot ist!

gasts
23-08-2013, 09:31
ist kein widerspruch. kann ich tendentiell bestätigen, solange es "aus der brahmanen varna" oder "aus DEN brahmanenkasten" heißt :D :p:).
[...]
kasten als ganzes können also im verlauf historischer prozesse durchaus in eine andere varna "rutschen" - aber immer nur die kaste als ganzes, keine individuen/familien. die sind und bleiben in der kaste xy.


Ich kann jetzt nicht sehen, in welcher Weise Deine Ausführungen dem entsprechenden Wikipedia-Artikel widerspricht, in dem Varna als Hauptkaste und Jati als Unterkaste bezeichnet wird.
Außer Du bestehst darauf, dass "Kaste" ein Fachbegriff ist, der ausschließlich Jati beschreibt.
Es wird aber klar, wie Du schon erwähntest, dass nicht alle Angehörigen der "Krieger"-Varna Soldaten sind, so wie nicht alle Brahmanen Priester sind.
Wenn Buddha also in einer Lehrrede sagt, dass auch ein Angehöriger der Krieger-Varna die Verwirklichung erlangen kann, wenn er unter anderem das "Morden" (da wäre interessant, ob da im Original Morden oder Töten steht) sein lässt, dann heißt das zunächst nicht, dass Buddha den Soldatenberuf als rechten Lebenserwerb im Sinne des achtfachen Pfades angesehen hat.
Ich meine, er hat auch keine Soldaten in seinen Orden aufgenommen, das aber eventuell eher politischen Gründen.
Schließlich war es ohnehin schon nicht überall gerne gesehen, dass er mit seiner Sekte junge arbeitsfähige Männer zu einem Vagabundenleben als Bettelmönch animierte.


ist
das geht bis hin zu einer anekdote über den bau des neuen flughafens in delhi: als eines der gebäude fertig war, stellte "man" fest, dass die rolltreppen fehlten, die die etagen miteinander verbinden sollten. das war in den plänen schlicht nicht eingezeichnet gewesen (warum auch immer). die dort beschäftigten tagelöhner, die zum großen teil lamani waren (werden eher als "tribe" denn als "caste" in der offiziellen liste, die es gibt, geführt und sind schon allein deshalb ohne "kaste", also "kastenlos" und damit in der varna hierarchie ganz unten, da es für sie gar keine varna gibt) und die meist den shudras zugeordneten facharbeiter aus diversen kasten dieser varna, hatten das von anfang an bemerkt. als sie vom leitenden ingeneur (aus einer hoch angesehen kaste, die der kshatria varna zugeordnet wird) gefragt wurden, warum sie denn nichts sagten, kam die antwort: "wir mischen uns doch nicht in eure angelegenheiten ein. das ist nicht unsere sache".


Ich würde mich nicht wundern, wenn derartiges auch in Deutschland vorkäme bzw. dass einem Hilfsarbeiter bei Äußerung von Kritik beschieden würde, dass er nicht für's Denken bezahlt wird und nicht zur Ingenieurskaste angehört.

amasbaal
23-08-2013, 11:37
Ich würde mich nicht wundern, wenn derartiges auch in Deutschland vorkäme bzw. dass einem Hilfsarbeiter bei Äußerung von Kritik beschieden würde, dass er nicht für's Denken bezahlt wird und nicht zur Ingenieurskaste angehört.

:biglaugh:
ich werde hier ja auch nicht fürs denken bezahlt, also troll ich mich mal ganz schnell ins ingung forum und mach dumme sprüche :)

Obiwan Kenobi
25-08-2013, 12:01
Haha lustig...
Buddhismus und ein geistiger Konflikt wegen Gewalt..
was sollen denn Thaiboxer sagen?

Praktiziere Buddhismus wie du willst...und wenn du dennoch bock auf Kämpfen hast dann tu es.
Kämpfer / Krieger sind einer der Vier Kasten im Buddhismus...
also mach dir da mal bitte keinen Kopf und hau zu ;)

*unterschreib*

douwa
31-08-2013, 14:26
Sagt der Buddhismus (den Buddhismus gibt es ja gar nicht, sondern verschiedene Richtungen)Ja und es wäre deshalb interessant zu wissen, falls Rummenigge überhaupt noch mitliest, mit welchen Ausprägungen des Buddhismus er sich überhaupt befasst. Vielleicht hat er auch einfach nur irgendwo irgentetwas aufgeschnappt, was er gar keiner bestimmten Ausprägung zuordnen könnte, wie ich vermute?


nein, das sind Menschen christlichen Glaubens, die wegen ihrer Abstammung verfolgt wurden.

http://www.spurensuche-online.net/ot...ntergrund.htmlIch denke ich verstehe was Du meinst, nur sind Christen unabhängig von ihrer Abstammung keine Juden,. man ist Christ oder Jude aber niemals beides gleichzeitig. Bei diesem Beispiel hätten wir es selbst bei weniger strenger Auslegung immer noch ehert mit einem jüdischen Christen oder meinetwegen sogar einem Christen jüdischer Abstammung aber ganz bestimmt keinem christlichen Juden zu tun.;)

Schade ist, dass aber selbst Leute wie Friedmann, die es ja besser wissen sollten, in Gesprächen gerne Juden und Deutsche in einem Atemzug erwähnen und vergleichen, obwohl das ein schon vom Ansatz her fruchtloser Vergleich ist, da ein Vergleich von Äpfeln mit Dachantennen.




Also erstmal: Auch Buddhisten dürfen sich wehren:D Alles andere wäre absurd;) Ist eigentlich logisch,oder?;)Wäre es denn nicht noch logischer, falls das überhaupt so logisch ist, wie du sagst, jede Religion oder Philosophie als nur von Menschenhirn in bestimmten Kontexten erdacht und verbreitet, von vornherein weit von sich zu weisen, statt seine eigenen Bedürfnisse ganz extrem nach denen anderer zu richten?


Glatzköpfige und bescheidene Superfighter sind sie nur in 90er Jahre Filmen.Bitte die drei Jahrzehnte davor nicht unterschlagen.:D


die lustigen Gesellen vom Hie-zan in JapanHiei heißt der Berg (hieizan比叡山, ひえいざん).;)


Nicht umsonst gibt es zwei witzige japanische Figuren : Kanzan und Jitoku die die Lehrrollen zerreissen. Der eine wird übrigens meistens in der klassischen Ikonographie mit Besen dargestellt, damit soll man die Blindheit die die klare Sicht vernebelt wegfegen.....Nur damit es andere jetzt nicht versehentlich falsch verstehen, Kanzan und Jitoku sind lediglich die japanischen Namen für zwei chinesische Figuren, nämlich Hanshan und Shide.



In der Zen-Ausprägung etwa hat man, soweit ich weiß, überhaupt keine Probleme mit dem Einsatz des Schwertes. Solange man dieses zunächst und zugleich gegen sich selbst richtet (symbolisiert im ken oder tsurugi, dem zweischneidigen Schwert, dessen eine Schneide stets auf einen selbst weist)Hast Du dafür eine historische Quelle bemüht oder war das ein eigener Gedankengang dazu, was ein Tsurugi symbolisieren könnte?

gasts
31-08-2013, 15:58
Ich denke ich verstehe was Du meinst, nur sind Christen unabhängig von ihrer Abstammung keine Juden,


Das sahen Anitsemiten eben anders. Und um sich gegen die zu verteidigen, wurde Krav Maga entwickelt.
Wenn man drei jüdische Großeltern hatte, war man z.B. laut §5 derNürnberger Gesetze Volljude.
D.h. man wurde nicht wegen Religion oder Selbstverständnis verfolgt und diskriminiert, sondern aufgrund der Definition der Verfolger und die war eben eine imaginäre jüdische Rasse.



Bei diesem Beispiel hätten wir es selbst bei weniger strenger Auslegung immer noch ehert mit einem jüdischen Christen oder meinetwegen sogar einem Christen jüdischer Abstammung aber ganz bestimmt keinem christlichen Juden zu tun.;)


Sprache kann auch der Kommunikation dienen.:)
Wenn nun jemand sagt:


Juden wurde nicht wegen ihrer Religion verfolgt. Im Mittelalter wie auch im dritten Reich wurden auch christliche Juden verfolgt und ermordet.

ist mir (und wohl auch Dir) eigentlich klar, was gemeint ist. Er hätte natürlich auch christliche "Juden" schreiben können oder Christen, die aufgrund ihrer Verwandtschaftsverhältnisse von anderen als "Juden" bezeichnet wurden.
Dieses kleine Versäumnis ist aus meiner Sicht allerdings kein Grund, seinen Restverstand durch falsche Technik an einer Klagemauer zu gefährden.

Kundalini
31-08-2013, 16:28
Der Buddhismus (wie ich ihn verstehe) unterscheidet nicht zwischen Freund, Feind oder Fremden, sondern man soll jedes Lebewesen als gleich betrachten.
Das Bild vom friedlichen Buddhisten verkauft sich im Westen gut, hat aber mit der Realität nichts zu tun.

So begehen Buddhisten, angeführt von Buddhistischen Mönchen, ein Pogrom:

Myanmar: Der Zorn der Mönche | ZEIT ONLINE (http://www.zeit.de/2013/21/myanmar-buddhisten-muslime)

Ein anderes Beispiel:

Ein Gericht in Burma hat 7 Buddhisten im Zusammenhang mit einem Massaker an einem muslimischen Internat zu 3 bis 15 Jahren Haft verurteilt. Wie die Tageszeitung «Kyemon» berichtete, erging im Prozess vom Mittwoch auch ein Schuldspruch gegen einen Muslim. Weitere Details wurden nicht genannt.

Am 21. März griffen aufgebrachte Buddhisten eine islamische Internatsschule in Stadt Meikhtila an. Mit Metallrohren, Ketten und Steinen ging die Menschenmenge auf Kinder und Lehrer los, während Sicherheitskräfte tatenlos zusahen. Die Attacke gilt als einer der brutalsten Vorfälle in der Welle religiöser Gewalt, die Burma seit dem vergangenen Jahr erfasst hat. Mehr als 250 Personen kamen dabei bisher ums Leben, die meisten von ihnen Muslime. Mehr als 140 000 Menschen wurden vertrieben.

douwa
31-08-2013, 16:32
Also die imaginären Juden gefallen mir da eigentlich am besten.:)

Das Dritte Reich mit seinen recht seltsamen Ideen über die Völker dieser Welt hatte ich jetzt bewusst außen vor gelassen, soetwas driftet ja oft schnell ab in seltsame Diskussionen und Threadschließungen.

Ich halte es einfach nur für ungünstig, Klischees durch permanentes Wiederholen fortbestehen zu lassen oder deren Fortbestehen zumindest zu fördern bzw. andere dadurch zu befähigen, diese Klischees zu instrumentalisieren. es ist eben kein Zufall, wenn eine Person sich das Verallgemeinern ("die Juden") einerseits strikt verbittet, selbst aber zwei Sätze später "die Deutschen" zu irgendeinem bestimmten Tun Juden gegenüber auffordern möchte. Die Unterscheidung zwischen deutsch und jüdisch (m.E. auch wieder unsinnig) gibt es in vielen Abstufungen, ganz dem aktuellen eigenen Ansinnen entsprechend verwendbar.

Ich würde gerne noch etwas weiter ausführen, was ich denke, möchte es aber dabei belassen, dass wir wohl in etwa wissen, worüber wir im Thread redeten, ich es sozusagen nur einfach berufsmäßig bedingt manchmal etwas sehr genau mit Begrifflichkeiten nehme. Beim Begriff des Juden oder des jüdischen Volks ist es tatsächlich so, dass es schon soweit geht, dass manche jüngere Leute das wie selbstverständlich mit einer Nationalität gleichsetzen und dementsprechend Juden als Nichtdeutsche betrachten, nicht aus Bosheit oder so sondern aus blankem Unwissen heraus.

Phrachao-Suea
31-08-2013, 16:47
Das Bild vom friedlichen Buddhisten verkauft sich im Westen gut, hat aber mit der Realität nichts zu tun.


Richtig! Friede,Freude,Eierkuchen - durch Buddhimus findest du den inneren Lotus,den Frieden und den ganzen Rotz..das lieben die Europäer.. oder der Westen...

WT-Sympathisant
31-08-2013, 18:37
Der Buddhismus sagt nicht, dass man nicht handeln darf, sondern lediglich das man jedem Lebewesen den gleichen Respekt entgegenbringen sollte.

Habe ich einen Mörder, Vergewaltiger oder Kinderschänder vor mir und müsste ihn in Notwehr töten, um zu verhindern, dass er eine schwere Straftat begeht, dann würde ich das tun. Das ist mit dem Buddhismus durchaus vereinbar.

Die Tatsache, ob ich nun weiß, dass dieser Straftäter selbst ein schweres Leben hatte, beeinflusst mein Handeln nicht, denn ich lebe in der Gegenwart. Ich blicke nicht in die Vergangenheit, ich orakle nicht in die Zukunft. Ich lebe im Hier und Jetzt, handle, tue was getan werden muss. Das ist ganz und gar Zen!

Der Unterschied besteht nur darin, den Täter im Nachhinein nicht als das Böse an sich darzustellen, sondern ihn als ganzheitlichen Menschen zu sehen. Okay, er wurde vielleicht selbst vergewaltigt, mißbraucht, ein Leben lang erniedrigt etc.. Das erklärt seine Taten, rechtfertigt sie aber nicht.

D. h. ich bringe ihm keinen Hass entgegen, aber ich lasse mich auch nicht durch falsches Mitleid von meiner gerechtfertigten Handlung abbringen.

Das ist genauso wie Fleisch zu essen. Wenn Du ein Schweineschnitzel auf dem Teller hast, dann musste hierfür ein Schwein sterben. Auch ein Lebewesen. Ich werde aber deshalb nicht zum Vegetarier. Ich ehre vielmehr das Schwein und bin dankbar, dass es mich ernährt. Darüber hinaus achte ich auf eine artgerechte Haltung und eine saubere Schlachtung, so dass das Tier nicht leiden muss (Anmerkung: ich habe weder was mit Schlachthöfen noch mit Metzgereien zu tun, es ist nur ein Beispiel).

Wenn Du in der Wildnis in einer Survivalsituation bist und musst jagen, um nicht selbst den Hungertod zu erleiden, dann ist das ähnlich. Du tötest nicht aus Spass oder aus niederen Beweggründen (Hass, Habgier, Eifersucht etc.), sondern weil Du es tun musst. Mach es kurz und schmerzlos und sei dankbar für das, was Du bekommst.

Wer kämpft, um sich selbst, seine Lieben oder andere Menschen zu schützen handelt, weil es erforderlich ist.

Der Buddhismus sagt nicht, dass man "auch die andere Wange hinhalten muss". Dies würde den Kampfmönchen widersprechen. Die Mönche wissen nur vielmehr, wann man in den Kampf ziehen muss und wann man besser meditieren sollte.

cave
31-08-2013, 18:48
2013...
ihr diskutiert immer noch über die "Nürnberger Gesetze"...
über christliche Juden etc...
kommt mal langsam darüber hinweg :p

gruss cave

PS:ich bin keiner Glaubensgemeinschaft angehörig :D

douwa
31-08-2013, 23:29
Der Buddhismus sagt nicht, dass man "auch die andere Wange hinhalten muss". Dies würde den Kampfmönchen widersprechen. Die Mönche wissen nur vielmehr, wann man in den Kampf ziehen muss und wann man besser meditieren sollte.Man könnte auch sagen, dass nicht nur einzelne Kampfmönche, wenigstens japanische, sondern gleich ganze Gruppierungen nichts dagegen hatten, die eigene Macht im Lande notfalls auch mittels Gewalt zu mehren. ich frage mich nur, inwieweit solche Dinge den Kern der ursprünglichen Idee noch treffen.

Terao
01-09-2013, 20:44
Man könnte auch sagen, dass nicht nur einzelne Kampfmönche, wenigstens japanische, sondern gleich ganze Gruppierungen nichts dagegen hatten, die eigene Macht im Lande notfalls auch mittels Gewalt zu mehren. ich frage mich nur, inwieweit solche Dinge den Kern der ursprünglichen Idee noch treffen.Am gefährlichsten sind denk ich die Religiösen, die sich ganz, ganz sicher sind, den wahren Kern der ursprünglichen Idee getroffen zu haben. Dann haben sich nämlich alle anderen geirrt...



Der Meister erzählte:
Unmittelbar nach seiner Geburt wies der Buddha mit der einen Hand gen Himmel und mit der anderen zur Erde, ging sieben Schritte in einem Kreis, blickte in alle vier Himmelsrichtungen und sagte: „Im Himmel und auf Erden bin ich der einzig Verehrte.“
Meister Yunmen sagte: „Hätte ich das damals miterlebt, so hätte ich ihn mit einem Stockhieb niedergestreckt und ihn den Hunden zum Fraß vorgeworfen – ein hehres Unterfangen für den Frieden auf Erden.“

gasts
01-09-2013, 21:45
Am gefährlichsten sind denk ich die Religiösen, die sich ganz, ganz sicher sind, den wahren Kern der ursprünglichen Idee getroffen zu haben. Dann haben sich nämlich alle anderen geirrt...

solange die meinen, der Kern besteht aus Gewaltlosigkeit, und andere in Ruhe lassen, sind die sicherlich nicht so gefährlich wie jene, die meinen, sie müssten im Sinne des Weltfriedens Babies erschlagen.

Phrachao-Suea
01-09-2013, 22:15
Geht das hier eigentlich noch um KM + Buddhismus? ;)

Arganth
02-09-2013, 05:20
Geht das hier eigentlich noch um KM + Buddhismus? ;)

glaub net aber ich hab noch einen:


was sagt der dalai lama wenn ihr zu nen döner-stand kommt?




make me one with everything please.


:hammer:

Talisker
02-09-2013, 10:12
Der Buddhismus sagt nicht, dass man "auch die andere Wange hinhalten muss".
Das hat auch nie jemand behauptet. Das hat Jesus gesagt. Wie sehr sich die Christen daran gehalten haben, steht auf einem anderen Blatt.

carstenm
02-09-2013, 12:22
Das hat auch nie jemand behauptet. Das hat Jesus gesagt. Wie sehr sich die Christen daran gehalten haben, steht auf einem anderen Blatt.
Und daß diese Aussage in ihrem ursprünglichen, antiken Kontext etwas grundlegend anderes bedeutet hat, als heute normalerweise damit gemeint wird,
weiß kaum jemand.

Talisker
02-09-2013, 12:44
@ carstenm:
Echt?! Ich hab das immer wörtlich genommen. Aber da du ja einer der wenigen Wissenden bist, kläre uns doch bitte auf. Ich meine das jetzt nicht ironisch. Das interessiert mich wirklich.

wmute
02-09-2013, 14:55
Ich habe nichts mit der Theologie zu tun und mit dem Christentum nur so viel, dass ich eben im christliche geprägten Mitteleuropa aufgewachsen bin und sozialisiert wurde.

"Die andere Wange hinhalten..." war für mich immer eher ein Gegenpol zum alten "Auge um Auge".

„Ihr habt gehört, daß da gesagt ist ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn`. Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern, wenn dir jemand einen Streich gibt auf deine rechte Backe, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel“.
(Matthäus, Kapitel 5, Verse 38 bis 40)

So wie ich es interpretiere hat es nicht unbedingt die Bedeutung von "sich nicht zur Wehr setzen", sondern eher von "übe keine Vergeltung/ übe keine Rache".



carstenm, deine Meinung würde mich auch interessieren. Wenn ich mich recht entsinne hast du doch Theologie studiert, oder?