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Vollständige Version anzeigen : trainingsaufbau wann, was?



bobi
10-12-2013, 16:18
hallo

ich frag mich immer wie ein "perfekter" trainings-aufbau eines grapplers/bjjlers aussehen könnte?

mit was sollte man beginnen? wo hören die basics auf? und beginnt das "crazyere zeug"?
was lernt man am besten als erstes? zum Beispiel bei der open-guard, wen man close- und half und andere basic`s so schon ein wenig intus hat?
spider? butterfly?

an vielen orten die ich kenne trainieren ja alle alles. meistens fehlt der raum für ein basic-training. darum trainieren beginner manchmal (z.B) x-guard auch wen sie das basic`s noch nicht richtig intus haben. ich glaub das ist zum teil normal... so chaotischer trainingsaufbau.
vorallem bei kleineren schulen. und auch stark abhängig von den vorlieben der lehrer.

was meint ihr? wie handlet ihr das?

aber falls ihr einen aufbau habt könnt ihr den ganz ganz grob skizzieren?

gibt sicher schon 1000 threats drüber :)


ggrzzzzzzzzzz
b

Björn Friedrich
10-12-2013, 16:32
Ich zeige meinen Schülern:

5 Mount Escapes
1 Sweep und 2 Submissions aus der Guard
3 Guard Passes
Kontrolle und 3 Angriffe aus Side Mount
3 Escapes aus der Side Mount
Kontrolle und 3 Angriffe aus der Mount
3 Escapes aus dem Schwitzkasten

Das dauert, wenn jemand regelmäßig kommt 3-4 Monate. Danach wird das ganze kombiniert. D.h. er macht Escapes aus der Mount, passiert die Guard, usw.

Nach 1-2 Monaten, also. ca. nach einem halben Jahr, bekommt er dann neue Techniken für die jeweiligen Positionen, oder eben neue Positionen.

Ich habe gemerkt, dass zu viel auf Einmal nicht gut ist.

Von daher unterrichte ich auch immer 1-3 verschiedene Programme in jeder Unterrichtseinheit, so das jeder das übt was er braucht.

Zusätzlich zum technischen Training, arbeiten alle Schüler von Anfang an im Positionssparring an 4 Positionen: Mount, Side Mount, Close und Open Guard.

Auch wenn sie noch nicht wissen was in den Positionen zu tun ist, arbeiten sie daran.

Nach dem regulären Training, können die Leute frei rollen, wenn sie denn wollen. Manchmal auch noch im regulären Training.

So sieht das Bodenprogramm bei uns aus, wenn jemand als Anfänger bei uns trainiert.

Nach ca. 6-12 Monaten hat der Schüler zumindest in den wichtigsten Positionen, einige einfache und bewährte Techniken. Darüber hinaus trainiert er immer alle Positionen gleich viel, endet also nicht immer in der selben Position am Boden, weil er eben Positionssparring macht.

Tschüß
Björn Friedrich

bobi
10-12-2013, 16:44
kool , - danke.

und dann wirds ja interessant, was kommt nach den 6 monaten?

und bei open-guard, etwas spezielles zu anfang oder mehr einfach den pass verhindern und z.B close-guard wiederherstellen?


detail: just curious
und wieso 3 escapes aus dem schwitzkasten? weil das soviele anfänger und ex-judokas noch vom pausenhof und dojo kennen und machen? :)

Björn Friedrich
10-12-2013, 16:52
Danach, kommen immer weitere Zusätze zu den weiteren Positionen.

Am Anfang zeige ich z.B. den Hip Bump Sweep, die Guillotine und den Kimura aus der Guard. Alle drei beginnen auf die gleiche Art und Weise und alle lassen sich kombinieren. Das ist einfach für jemanden der keine Ahnung vom Grappling hat.

In der "zweiten Runde" also nach 6 Monaten lernt er dann z.B. wie er aus der Guard kontrolliert, oder wie er die Techniken mit anderen Bewegungen verbindet. Es wird also detaillierter, weil ja mehr Verständnis für die Materie da ist.

Bei den Positionen bekommt jeder Schüler der sich anmeldet ein Hand Out. Dort steht grob drinnen wie er sich in jeder Position verhalten soll, bzw. was grobe Fehler sind. Auch wenn er keine Techniken kennt, weiss er so, was er machen, bzw. nicht machen soll und verbessert zumindest schon einmal seinen "Instinkt" für diese Position.

So lernt er parallel Technik und macht aber schon Erfahrungen mit dem gesamten Grapplingsystem.

Schwitzkasten ist einfach der "Nr.1 Move" wenn Leute keine Ahnung vom Grappling haben und einfach zugreifen, von daher muss man einfach einige Escapes dafür haben.

Tschüß
Björn Friedrich

Balthus
10-12-2013, 20:16
Also ich kenne das Gracies-Videosystem (Combatives) was etwa Blaugurt entsprechen sollte, vom Ansehen (mangels Trainingspartner nicht ausgeführt)
Der Inhalt an sich ist kein Geheimnis:

- 2 mountescapes mit variationen
- 3 Armlocks(Straight, americana, Kimura)
- RNC
- Triangle
- Position Control (Mount, Guard, sidemount)
- 2-3 takedowns
- Punch Block series
- taking the back

+XX
Aufgeteilt in 36 Einheiten, damit ist man schon mal nen Jahr beschäftigt wenn man die EInheiten gut durchgeht und wiederholt, hat meiner Meinung nach aber ne solide Basis und Struktur, was da wo ich bisher trainiert habe eher nicht der Fall war.

Denke wenn die Basis mal sitzt kann man die "Folgetechniken" gut variieren, seine Persönlichen Lieblinge finden, immer weiter verfeinern, aber wenn die Grundlage mal strukturiert gelegt ist, ist schon viel gewonnen!

Big_F
10-12-2013, 20:34
Denke wenn die Basis mal sitzt kann man die "Folgetechniken" gut variieren, seine Persönlichen Lieblinge finden, immer weiter verfeinern, aber wenn die Grundlage mal strukturiert gelegt ist, ist schon viel gewonnen!

Wobei wir beim Thema wären was Basics überhaupt sind...

Balthus
10-12-2013, 21:13
das sollen die für sich entscheiden die sich als Trainer bezeichnen ...

rabiat
10-12-2013, 21:45
Wobei wir beim Thema wären was Basics überhaupt sind...

Basics ist überleben

Gesendet von meinem XT890 mit Tapatalk

Big_F
10-12-2013, 21:49
Basics ist überleben

Gesendet von meinem XT890 mit Tapatalk

Erkläre mir das bitte noch einmal genauer.

Rocco S.
11-12-2013, 00:25
Nach einer Grundsatzinformation ueber die verschiedenen (Grund)Positionen laufe ich die elementaren Positionen in (unterschiedlich langen) Zyklen durch. Erst wird das Grundprinzip einer Position erklaert danach werden (elementare) spezifische Techniken gelehrt, wobei ich Wert darauf lege, dass die Techniken logisch zueinander passen (Angriff/Verteidigung/Konter oder Verkettung von Techniken). Dabei gilt folgende Hierarchie: Gripfighting und Positionskontrolle (offensiv wie defensiv) -> Sweeps und Reversals -> Submissions und Escapes.
Wuerfe und Takedowns gehoeren fest dazu wir fangen (mit einigen spezifischen Ausnahmen) immer im Stand an. Das o. g. Konzept gilt fuer unsere Grappling-Anfaenger (die den Grossteil unserer Gruppe ausmachen).

Zur Basics-Diskussion: Was Basics sind unterscheidet sich von Trainer zu Trainer. Fuer mich sind es Techniken, die logische Bewegungsfolgen/Mechanismen/Prinzipien der jeweiligen Positionen darstellen.

Droom
11-12-2013, 01:12
Imho sind das wichtigste und elementarste gar nicht mal gewisse Techniken zu Anfang sondern die Grappling-Grundbewegungen. Ohne Bewgegungen wie die Brücke, Shrimp, Sprawl, Fallschule, Sit-out, Arm-Drags und Co. wird man kein guter Grappler.

Hab schon oft genug Leute gesehen die sich Gedanken über Butterfly-Guard und Flying Armbars gemacht haben bevor sie ordentliche Sit-Outs oder gut Fallen konnten...




Ich zeige meinen Schülern:

5 Mount Escapes
1 Sweep und 2 Submissions aus der Guard
3 Guard Passes
Kontrolle und 3 Angriffe aus Side Mount
3 Escapes aus der Side Mount
Kontrolle und 3 Angriffe aus der Mount
3 Escapes aus dem Schwitzkasten



Warum keine einzige Befreiung aus der Backmount aber dafür ganze 5 verschiedene aus der Mount?

Rocco S.
11-12-2013, 01:17
Imho sind das wichtigste und elementarste gar nicht mal gewisse Techniken zu Anfang sondern die Grappling-Grundbewegungen. Ohne Bewgegungen wie die Brücke, Shrimp, Sprawl, Fallschule, Sit-out, Arm-Drags und Co. wird man kein guter Grappler.

Das stimmt - sollte aber selbstverstaendlich ein Teil einer jeden Trainingseinheit sein, Stichwort funktionales Warm-up.

Björn Friedrich
11-12-2013, 15:28
Beim Fokus auf den Blaugurt geht es mir im technischen Bereich erst einmal um die Angriffe von Leuten die keine Ahnung haben und da sind Schwitzkasten und Mount, vor Back Mount mit Hooks.:-)

Wie gesagt, alles auf einmal geht nicht:-)

Tschüß
Björn Friedrich

Horrido
11-12-2013, 15:40
Finde den Aufbau vom Friedrich sehr gut!
Gerade für den Anfang ist das fast perfekt.

Was ich noch berücksichtigen würde ist der Stand (Clinch, Takedown, Fallschule) mMn sehr wichtig....

Björn Friedrich
11-12-2013, 15:42
Ja das ist immer in den ersten 30 Minuten drinnen.:-)

Verteidigung gegen Schlagen und Treten und grundlegende Würfe aus dem Bodyblock, Schwitzkasten BEfreiungen im Stand, usw.

Tschüß
Björn Friedrich

bobi
13-12-2013, 17:18
herzlichen dank für die infos.


yeah
fallen musst man nicht lernen - wen man immer am boden anfängt :)


björn du hast ja openguard von anfang an drin als pos. spar.
nehm an das das bei einem anfänger vorallem defensiv gegen den pass arbeitet.

wie strukturiert ihr "open guard", wen sie nachher offensive werden soll? gibt es da einen aufbau? oder was wäre gut zum anfangen?
butter? spider? x? oder macht das jeder nach gefühl was ihm liegt?

achtung gefühl :)

Björn Friedrich
13-12-2013, 22:18
Wir haben Open Guard erst einmal als Drill drinnen. Mir geht es darum das meine Schüler lernen mit Leuten umzugehen, die nicht nur knien, sondern eben auch Stehen.....

Bei uns beginnt die Open Guard, wenn der Angreifer eine so gerade Posture hat, das er Schlagen kann und eine Kopfkontrolle nicht mehr möglich ist.

Dann geht es in die Wrist Control Open Guard Serie mit Kontrolle und Sweeps.

Von da aus in die De La Riva Guard oder Single Leg oder Reguläre x Guard.....

Aber das ist halt nicht das Programm der ersten Monate.....

Tschüß
Björn Friedrich

Watt
13-12-2013, 23:38
...
Bei den Positionen bekommt jeder Schüler der sich anmeldet ein Hand Out. Dort steht grob drinnen wie er sich in jeder Position verhalten soll, bzw. was grobe Fehler sind. Auch wenn er keine Techniken kennt, weiss er so, was er machen, bzw. nicht machen soll und verbessert zumindest schon einmal seinen "Instinkt" für diese Position.
...

Das interessiert mich. Darf ich fragen, was so in dem Hand-out drinne steht, bzw. was deine Tipps sind? Wenn Du das nicht preisgeben willst auch ok.

Björn Friedrich
14-12-2013, 00:09
Das sind ganz einfache Sachen. Es geht mir darum, das jeder Schüler von Anfang die wichtigsten Fehler vermeidet.....

In der Mount wäre das z.B. den Gegner zu klammern, sich auf den Bauch zu drehen oder die Arme auszustrecken....

Es geht nicht um die Techniken, die lernen die Schüler nach und nach im Training, sondern eben um Verhaltensweisen, die die eigene Position sofort verbessern und durch die man die Möglichkeit gleich getappt zu werden, etwas reduzieren kann.

Tschüß
Björn Friedrich

Watt
14-12-2013, 14:32
Danke für die Info. Ich denke grade solche Tipps helfen Anfängern immer enorm weiter.

Ich finde es übrigens immer faszinierend, dass solche allgemeinen Tipps oftmals universelle Prinzipien darstellen, die man auf viele Sportarten und Kampfsituationen übertragen kann. Zum Beispiel Nicht jemanden den Rücken / Hinterkopf zudrehen ist fast immer gültig, egal ob Grappling, Boxen, MT, MMA usw.
Und das stellt ja auch grade der Kern der Arbeiten von z. B. Kano oder Helio dar.

bobi
16-12-2013, 11:07
@björn

kool danke....

was ist den das? klingt super...
-----------------------------------
Dann geht es in die Wrist Control Open Guard Serie mit Kontrolle und Sweeps.
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bobi
16-12-2013, 11:08
oder besser
kannst du eine technik-serie empfehlen die das bearbeitet?
:)

Björn Friedrich
16-12-2013, 12:20
Die Wrist Control Open Guard Serie beginnt, wenn der Gegner zu weit weg ist, um ihn mit Overhooks, Underhooks und Kopfkontrolle zu kontrollieren.

Je nachdem was der Gegner macht, wird er aus dieser Position heraus gesweept, getreten oder in einen Submission genommen......

Die Sweeps aus der Position behandeln wir unter anderem auf dem Sweep Seminar in meiner Signatur.

Tschüß
Björn Friedrich

bobi
16-12-2013, 12:30
kool! :)