Vollständige Version anzeigen : Taktisches Vorgehen im Ju-Jutsu DJJV
Hallo,
das ich aktiv Ju-Jutsu im DJJV trainiert habe ist schon viele Jahre her.
Damals gab es, freundlich ausgedrückt, nur wenig taktische Vorgehensweisen.
Es lag der Schwerpunkt auf saubere Technik und auf technischen Prinzipien.
Wie ist das heute?
Gibt es im Ju-Jutsu überhaupt klare taktische Vorgehensweisen?
Sportliche Grüße aus dem Süden ;)
Schnueffler
02-02-2014, 10:39
Was verstehst du darunter?
Positionieren nach der Technik, scannen, etc?
Exodus73
02-02-2014, 11:47
Kommt drauf an...
Im Verein, kann das vereinzelt wohl unterrichtet werden... also Kampftaktik, Eigensicherung, Notfall, Pre- und Post-Konfliktphase, Recht, realistische Waffenabwehr (kein Fancy-Stuff) usw. ...
Hängt ganz stark vom jeweiligen Trainier ab, aber auch von den Leuten die im Verein sind... nicht alle wollen das, viele sind mit dem "normalen" Wurf-Hebel-Pratzenschlagen durchaus zufrieden!
Zumindest eine Erkenntnis bei uns aus dem Verein!
Auf Ebene des Prüfungsprogramms spielt das ganze noch keine großartige Rolle!
Auf Verbandsebene erhält diese Strömung im JJ inzwischen Unterstützung durch die AG-SV, die sich grade solche Sachen auf die Fahnen geschrieben hat und entsprechende Lehrgänge anbietet!
Was verstehst du darunter?
Positionieren nach der Technik, scannen, etc?
Das wäre schon mal ein kleiner Anfang, wäre aber einzeln gesehen noch keine taktische Vorgehensweise.
Was ich meine ist eine vollständige Timeline, wo durchgehend Verhaltensmuster trainiert werden.
Exodus73 hat einige Punkte genannt, wobei das wenn es nur einzeln gemacht wird kein System hat.
TeamGreen
04-02-2014, 06:27
Meinst du sowas wie ein systemtypisches Kampfverhalten mit klar definierten taktischen Zielen und Verfahrensweisen, das technikübergreifend und ganzheitlich mit Sparring trainiert wird?
Da JJ ja zumindest zum Teil auch Leistungssport ist, wird man das in den entsprechenden Vereinen, die diesen Aspekt beackern, sicherlich finden.
Diejenigen Vereine, bei denen ich reingeschnuppert habe, gehörten allerdings alle zur Kategorie "fröhliche Hausfrauen üben am Donnerstagmorgen Selbstverteidigung" und beschränkten sich auf das fleißige Abspulen von schönen Einzeltechniken. Ich gebe aber zu, daß meine Berührung mit JJ insgesamt eher oberflächlicher Natur war und mich dort nix gehalten hat.
beim Wettkampftraining ja , beim Breitensporttraining nein.
Beim Wettkampf sollte man ja auch mit einer strategier ran gehen
hug-a-tree
04-02-2014, 08:17
Der eine schreibt von Taktik, der andere nun von Strategie. Das sind zwei paar Stiefel! Mir kräuseln sich jedes mal die Nackenhaare, wenn Ungediente mit diesen Begriffen um sich werfen, ohne zu wissen, was sie bedeuten.
DerLenny
04-02-2014, 08:45
Wenn du Fighting machst, dann wirst du auch (hoffentlich) einen Gameplan haben.
Ansonsten ist es mal wieder die Frage, wo du trainierst, und was da gemacht wird. Wenn du das Glück hast, an einer der Schulen zu trainieren, die hier extrem stark vertreten sind, dann wird dir auch hier alles geboten werden. Spätestens sobald du sagst, was du meinst ("ach das, klar, das machen wir auch.")
Als ich noch im DJJV war, war dies kein Thema auf LGs, oder Weiterbildungen.
Als ich noch im DJJV war, war dies kein Thema auf LGs, oder Weiterbildungen.
Kommt sicher auch drauf an wo man sich bewegt (und wann:)). Ich habe alleine im letzten Jahr fünf JJ-Lehrgänge besucht, wo Strategie und Taktik ein wichtiger Part waren. Auch auf dem Lehrgang am vergangenen Wochenende bei Osnabrück, wurde stark auf diese Themen eingegangen.
Man kann also nicht sagen, dass es (inzwischen?) nicht angeboten wird.
DerLenny
04-02-2014, 11:15
Jo, bin schon länger nicht mehr im DJJV aktiv.
Strategie und Taktik in welchem Umfeld? Der DJJV ist so breit gestreut...
Jo, bin schon länger nicht mehr im DJJV aktiv.
Strategie und Taktik in welchem Umfeld? Der DJJV ist so breit gestreut...
Waren Lehrgänge in verschiedenen Bereichen von Bedrohungen mit der Waffe (Pistole, Messer) über erarbeiten der Flucht, Vermeidungsstrategien, Positionierungen, Scanning, Fluchtverhalten, Umgang mit Stresssituationen, "ungewohnte" Orte, agieren in unterlegender Position, Distanzverkürzung-Verlängerung und deren Nutzen/Risiken, bis hin zur verbalen/nonverbalen Kommunikation war alles dabei.
Angebote sind je nach Umgebung/Landesverband definitiv da, man muss sie nur nutzen.
Angebote sind je nach Umgebung/Landesverband definitiv da, man muss sie nur nutzen.
Das ist wirklich schon mal eine gute Entwicklung!
Wenn ich es so lese, gibt es aber noch nicht ein klares Programm? Eher noch Baukasten?
Exodus73
09-02-2014, 11:34
@schwabe: Das wurde doch hier schon mehrmals gesagt dass das ganze noch kein klares, einheitliches, bundesweites Programm ist!!!
Diese ganzen Thematiken finden langsam Einzug ins JJ - vor allem dank der AG-SV - die sich da wirklich bemüht um Aufklärung und Hilfestellung! Ob und wie weit es von den "anderen" Angenommen wird, ist aber noch überhaupt nicht abzuschätzen. Gebt der ganzen Entwicklung doch auch mal Zeit...
@Lenny: Klar haben Leute im Fighting einen Gameplan (sollten sie zumindest haben) aber so ein Gameplan hat leider (aus meiner bescheidenen Sicht) nicht viel mit einem Gameplan für die Real.-SV am Hut... auch wenn diese Diskussion immer wieder gerne mal aufgemacht wird, insbesondere von der Kampfsportseite/Wettkampfseite. Klar ist es nützlich und besser als nix, aber es kratzt/berührt auch nur am Rande des Problems!
DerLenny
09-02-2014, 12:25
Daher meine Frage. DJJV JuJu ist doch inzwischen so gesplittet, dass du ohne 3 erklärende Sätze nicht mehr weißt, worum es geht.
Dir geht es also um SV Situationen, ja?
Problem #1 hier ist ja, dass nicht jeder DJJV JuJu Verein überhaupt SV macht.
Es gibt kein einheitliches Ausbildungsprogramm. Nur ein Prüfungsprogramm. Und auch das wird sehr unterschiedlich aufgefasst.
Du wirst also jede erdenkliche Antwort bekommen.
Mata-Leon
09-02-2014, 15:32
Hier wird ja meist sehr kritisch bis nahezu abwertend über den Einfluss der Wettkämpfer im DJJV gesprochen, vA wenn es um das Thema Kampftauglichkeit SV etc geht.
Darf ich fragen woher das rührt?
Hatte bis jetzt erst mit 2 DJJV Ju-Jutsu Vereinen zu tun, sowie mit 2 Lehrgängen aber muss sagen dass die JJ-Fighting Leute mit rieeeeeßen Abstand die kampfstärksten und fittesten waren die am meisten auf den kasten hatten, richtig gute Judowürfe, sehr souveräne Bodenskills und halt das Karate Stand Up, alles aber anwendbar.
Das die meisten Figthing-Jungs recht Fit sind und ihre Sachen auch anwenden können, steht wohl außer Frage. Immerhin sind sie Wettkämpfer die sich sportlich messen und auch direkt Feedback bekommen.
Frei nach dem Motto: "Wenn ich schlechter bin, dann verlier ich."
Ich glaube auch nicht einmal, dass sich die Jungs und Mädels ihrer Haut nicht zu wehren wüssten aber darum geht es auch gar nicht.
Zunächst einmal muss man feststellen das die "Fighter" nach den Duo-Leuten, den wohl kleinsten Teil der Ju-Jutsu "Gemeinde" ausmachen.
Es gibt sicherlich viel mehr fitte und kämpferisch wirklich gute Nicht-Wettkämpfer, sie verteilen sich einfach nur auf eine größere Masse von Leuten, die dann eben auch viele unsportliche Gürteljäger und Techniksammler enthält.
Das Problem ist auch nicht das Fighting an sich (und schon gar nicht die Fighter selbst), als viel mehr die die Einflüsse die es indirekt aber auch direkt auf das Training der Vereine ausübt. Es ist vergleichbar mit der Entwicklung im Judo, wo Würfe, Techniken, usw. einfach nicht trainiert werden, weil sie im Wettkampf keine Rolle spielen. Ähnliches lässt sich in vielen Sportarten wie auch dem BJJ, Taekwondo, etc. beobachten, was für den Wettkampf nicht zielführend ist, das fliegt mehr oder weniger aus dem Programm, selbst wenn die Leute vielleicht nicht einmal selbst Wettkämpfer sind.
Um mal beim Beispiel des Fighting zu bleiben, die größten Kritikpunkte sind da:
- keine geraden Techniken zum Kopf
- keine Atemi nach Griffkontakt
- keine Atemi im Boden
Was jetzt die Schlaghärte oder weitere Verbote angeht, kann man sicherlich geteilter Meinung sein aber die genannten drei Attribute des Fighting, führen zu den größten Differenzen.
Durch sie wird der Kampfverlauf nämlich in eine theoretische Richtung gelenkt, der mit einer "realen" Auseinandersetzung nichts mehr zu tun hat.
Gerade Techniken zum Kopf sind quasi ein Muss und man selbst sollte und der Gegner wird nicht mit dem Schlagen aufhören, nur weil man sich irgendwo anpackt.
So merkt man ja z.B. schon, wie sich der Bodenkampf schlagartig verändert, wenn man Atemi zulässt.
Tja und so lange es wirklich nur um den Wettkampf geht wäre das auch nicht schlimm, problematisch wird es wenn das Fighting in des SV-Bereich des Ju-Jutsu eingreift und das geschieht auf zwei Arten.
Indirekt ähnlich des Judo Beispiels, es wird quasi nach Wettkampfregeln trainiert, obwohl man evtl. selbst gar keinen solchen betreibt.
Ich kenne leider viele Vereine in denen GnP, Clinch mit Atemi etc. nicht unterrichtet wird, weil es ja nicht zu Ju-Jutsu gehöre.
Die haben keinen einzigen Wettkämpfer, halten sich aber trotzdem an deren Regeln, weil sie ja "offiziell" sind.
Die direkte Einflussnahme geschieht über die PO und zwar dadurch, dass bestimmte Bereiche (Komplexaufgaben, freie Anwendung und ganz schlimm freie SV) nach den Fighting-Regeln abgeprüft werden sollen und teils (je nach TAT-Beschluss) sogar müssen.
Dies unterstützt dann wieder die indirekte Wahrnehmung, dass Ju-Jutsu nun mal wie Fighting auszusehen hat.
Ich persönlich bin ja der Ansicht, wäre der Allkampf/Allkampf-Pro die offizielle DJJV-Wettkampfform, gäbe es viele Probleme die wir haben gar nicht aber das ist nur meine Meinung.
Wenn ich es so lese, gibt es aber noch nicht ein klares Programm? Eher noch Baukasten?
In erster Linie werden die Themen über die Lehrgänge kommuniziert und hier fängt die Eigenverantwortung auch schon an, ich muss halt hingehen.
Lehrgänge in dem Bereich gab es natürlich schon immer aber nach meinem Gefühl werden es mehr und diese werden auch deutlich besser. (Eine subjektive Einschätzung)
Die Arbeit der Arge ist dabei wohl die "einheitlichste" Maßnahme, die allerdings noch am Anfang steht. Da wird die Zeit und vor allem die Nachfrage zeigen was draus wird.
Vor allem weil auf den Lehrgängen der Arge auch, naja sagen wir mal "Illusionen" zerstört werden und das ist nicht jedermanns Sache.
Gürteltier
09-02-2014, 18:46
Hier wird ja meist sehr kritisch bis nahezu abwertend über den Einfluss der Wettkämpfer im DJJV gesprochen, vA wenn es um das Thema Kampftauglichkeit SV etc geht.
Darf ich fragen woher das rührt?
Hatte bis jetzt erst mit 2 DJJV Ju-Jutsu Vereinen zu tun, sowie mit 2 Lehrgängen aber muss sagen dass die JJ-Fighting Leute mit rieeeeeßen Abstand die kampfstärksten und fittesten waren die am meisten auf den kasten hatten, richtig gute Judowürfe, sehr souveräne Bodenskills und halt das Karate Stand Up, alles aber anwendbar.
Jepp. Die reißen auch im Allkampf schnell was.
Und die, die das olle System gekämpft haben, waren eh die ersten MMAler.
Aber der Threadsteller meint wohl eher, ob es eine SV-Strategie gibt. Rollenspiele, Eskalationsstufen, eine spezifische Techniksukzession etc. .
Ich würde sagen, eher nicht.
DJJV ist halt der Gemischtwarenladen für alles SV-technische und auch kämpferisch kann man da gut ausgebildet werden.
Aber so ne Verhaltenstaktik wie bei vielen Hybriden ( oder beim " Wo steht das Auto deiner Mutter "- Stil ) für SV-Situationen wird nicht gelehrt.
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