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Vollständige Version anzeigen : Kann Ju-Jutsu die neue KK für mich werden?



Raikiri
31-12-2015, 14:50
Hallo liebe Ju-Jutsu-Gemeinde hier im KKB,

mit Sicherheit bin ich nicht der erste und schon gar nicht der letzte, der hier im Forum einen Rat einholen möchte, ob Ju-Jutsu die neue Kampfkunst der Wahl sein könnte.
Für alle die nicht viel lesen möchten, kann mein Anliegen so formuliert werden:
Ist Ju-Jutsu eine gute Wahl, wenn man keinerlei Ambitionen hat an Wettkämpfen teilzunehmen und einfach nur ein Abendtraining sucht, welche geistig wie körperlich fordernd ist?

Für alle die bereit sind ein paar Zeilen mehr zu lesen, ein paar Worte zu meinem Hintergrund und warum ich ausgerechnet im Ju-Jutsu-Bereich meine Frage unterbringe:
Bis vor einiger Zeit habe ich mit großer Begeisterung Wing Chun gelernt und auch als (Hilfs-) Trainer gelehrt. Bedingt durch mehrere Gründe musste ich damit aufhören. Ein besonders schwerwiegender (aber eben auch nicht der einzige) Grund war ein unausweichlicher Umzug. Eine Fortsetzung meines Trainings in meinem alten Verband hat sich daher ungeachtet aller anderen Gründe erledigt.

In meinem neuen Wohnort ist die Auswahl an Alternativen an Kampfkünsten und Kampfsportstätten eher gering, vor allem wenn man kein Interesse an WT oder Thai-Boxen hat. Eine Rückkehr zum Wing Chun ist durch die Inkompatibilität des von mir gelernten Stils mit anderen Verbänden nicht möglich. Auch kann ich mit den Prinzipien anderer Schulen (Nachgiebigkeit, „am Gegner kleben“, Kraft des Gegners aufnehmen, Kettenfauststöße, etc.) nicht viel anfangen. Es wiederspricht dem, was ich gelernt habe und noch viel mehr dem, was mir meine persönliche Erfahrung und Denkweise vorgeben. Ich verlasse mich lieber auf meine eigene Kraft und Technik um mit meinem Gegenüber klar zu kommen.

Aus den wenigen Alternativen blieben am Ende nur zwei eingetragene Sportvereine. Zum einen eine Karate-Schule. Grundsätzlich finde ich die Philosophie hinter dem Karate sehr ansprechend (Respekt, der Umgang miteinander). Jedoch ist der besagte Verband nach eigener Aussage sehr auf Wettkampf-Karate ausgerichtet. Weiterhin sind die Trainingsstätten (drei verschiedene Turnhallen) für mich durchweg schwer zu erreichen.
Die verbliebene Alternative ist ein Ju-Jutsu-Verband. Ich hatte bisher wenig bis gar keinen Kontakt mit dieser Kunst und habe mich daher etwas eingelesen. Grundsätzlich gefällt mir auch diese Kunst sehr. Es ist etwas ganz anderes, wie das was ich zuletzt gelernt habe und ich sehe schon jetzt, dass ich in einigen Bereichen deutlichen Nachholbedarf habe (z. B. Beweglichkeit der Hüfte).

Bleibt noch die Frage zu klären, warum ich keinerlei Interesse an Wettkämpfen habe: Auch wenn ich gerne etwas anderes hätte, bin ich beruflich im Moment so eingespannt, dass ich häufiger auch mal auf Dienstreisen geschickt werde, teilweise mit wenig Vorlaufzeit. Eine langfristige Planung ist daher nicht möglich. Weiterhin ist davon auszugehen, dass ich bereits in zwei Jahren aus betrieblichen Gründen den Arbeitsort wechseln muss. Für mich geht es daher erst einmal nur und ausschließlich darum, so gut es geht wieder an einem regelmäßigen Training teilnehmen zu können. Außerdem, dass will ich auch gar nicht verheimlichen: Ich bin keine 17 mehr (nicht mal annähernd). Ich habe kein Verlangen mehr mich mit anderen zu messen. Das wird im Beruf zu genüge von mir verlangt (wenn auch nicht körperlicher Art).
Der Wegfall des regelmäßigen Wing Chun Abendtrainings hat da eine große Lücke gelassen, welche ich nun so gut es geht anderweitig füllen möchte. Ich finde es selbst schade, dass die neue Kunst somit eine Art Lückenfüller wird. Aber ich bin aufgeschlossen und neugierig mich auf etwas Neues einzulassen und zu lernen. Und vielleicht (hoffentlich!) kann ich der neuen Kunst noch länger die Treue halten als dem Wing Chun.

Es würde mich sehr freuen von einigen Erfahrenen Ju-Jutsu-Erfahrenen hier im Forum eine Meinung zu meinem Anliegen zu hören.

Viele Grüße,
Raikiri

Franz
31-12-2015, 15:00
Wettkampf ist beim JuJutsu keine Pflicht.
Die bundesweite Abdeckung wäre ebenfalls gegeben.

Gast
31-12-2015, 15:01
jj wird in der regel als breitensport angeboten, ich behaupte mal, der anteil der erwachsenen-die wettkämpfe betreiben- ist weit geringer, als der anteil derer die es nicht tut.
wenn dir eine allround kampfsportart interessant erscheint mach es. es gibt gute jj vereine und weniger gute. je nach interessenschwerpunkt des trainers kann das für dich judolastig wirken (hauptsächlich würfe,hebel und festlegetechniken) oder sehr tritt und schlaglastig sein. manche vereine traninieren mit focus sv, andere wettkampf und prüfungsvorbereitungen.
geh einfach hin und probiere aus ob es dir gefällt und schau dir den karateverein einfach auch an, denn manchmal wirkt der virtuelle eindruck anders als sich die realität darstellt. am ende bleibst du dann da wo es die am besten gefällt und du am willkommensten bist. da du keine wettkampfambitionen hast spielt das alter eh keine rolle.

Gast
31-12-2015, 15:05
JJ kann alles sein, vom knallhartem SV-Training bis hin zu Ballet in weißen Schlafanzügen ist alles möglich.

Magst du verraten um welchen Verein es sich handelt?

rawbearsports
02-01-2016, 06:44
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dir sagen, dass Ju-Jutsu dich nicht geistig fordern wird. Zumindest wenn ich dich jetzt richtig verstehe. (Spiritualität)

In dem Verein wo ich meine Probetrainings absolviert habe gab es eine Verteilung von 30/70 Schläge / Würfe ect.

Ich fand es richtig klasse, weil es mega Spaß gemacht hat war mir dann aber doch noch zu lasch (weil es bei uns kein echtes Sparring gab) was aber bei dir jetzt nicht das Problem darstellen sollte.

Probiers aus ansonsten würd ich den Tipp mit dem Karate von crossoverman auch mal beherzigen.

DerLenny
02-01-2016, 11:25
Wenn Du viel unterwegs bist, nutze das.

Geh in unzerschiedliche Schulen. Mit JJ kannst du Glück haben, oder auch tief ins Klo greifen, da selbst innerhalb des gleichen Vereins zwei Trainer komplett unterschiedliche Ideen von der ganzen Sache haben können.

Wichtig ist in erster Linie eigentlich nur, dass es Dir Spaß macht.
Beim JJ lernst du gewisse Grundlagen, die dir in vielen anderen KKs helfen. Fallschule ist da eine Sache, die auf jeden Fall erwähnt werden sollte.

Auch gibt es viele KKs, in denen man einiges wiederfindet, wenn man mal JJ gemacht hat.

Raikiri
02-01-2016, 12:54
Zunächst einmal vielen Dank an alle, die etwas zum Thema beigetragen haben.

Natürlich werde ich mich erst einmal in einem Probetraining davon überzeugen müssen, ob mir neben der Kampfkunst auch das Umfeld gefällt und ich mich für die Zeit die ich dort habe wohl fühle. Da mein eigener Anspruch eigentlich nur ist, etwas neues zu lernen, wäre es für mich gar nicht so schlecht möglichst viele Aspekte der selben Kunst direkt am Anfang mitzunehmen.

Was ich übrigens im Startpost mit geistigen Forderung meinte hat nichts mit Spiritualität zu tun. Einerseits weiß ich aus meiner bisherigen Recherche, dass das Ju-Jutsu eine relativ neue Kampfkunst ist. Weiterhin hat Spiritualität auch in meinem vorherigen Werdegang keine Rolle gespielt. Mir sind zwar Werte wie Respekt und ein guter Umgang miteinander wichtig, aber mehr auch nicht.
Die geistige Forderung nach der ich mich Sehne ist das Erlernen und Meistern der Techniken im Training. Das ständige Wiederholen, sich selbst dabei analysieren und schließlich verbessern.

Grundsätzlich habe ich in meinem Wing Chun Training festgestellt, dass ich bevorzugt Schlag- und Armtechniken einsetze. Ich habe zwar auch ein paar Hebel und Würfe gelernt, aber diese hatten in der Regel in erster Linie das Ziel ein Gelenk oder Knochen sofort zu brechen und nicht den Gegner am Boden zu kontrollieren. Von daher hätte ich auch kein Problem damit, wenn die Ausrichtung nun auf einem Aspekt liegen würde, in dem ich noch Defizite habe. Wie gesagt: Ich bin offen und interessiert etwas Neues zu lernen. Natürlich möchte ich dabei das Gute aus meinem bisher Gelernten beibehalten.

Noch vor einigen Jahren war ich wahrscheinlich selbst noch ein bisschen vermessen und habe meiner damaligen Vereinführung selbst zu viel geglaubt ("nur unsere Kampfkunst ist das Wahre, man braucht nichts anderes, etc."). Heute bin ich selbst der festen Überzeugung dass es mehr als nur sinnvoll sich so viel wie möglich anzusehen und über den eigenen Tellerrand zu schauen. Nach allem was ich bisher gesehen habe, scheint eine Kampfkunst wie das Ju-Jutsu dafür sehr gut geeignet zu sein.

Ich freue mich schon sehr auf ein erstes Probetraining um zu sehen, wie es mir gefällt.

Viele Grüße,
Raikiri