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Vollständige Version anzeigen : Alex Zalud - Die Bologneser Fechtkunst #2: Die Schutzwaffen



ErSunWukong
15-02-2016, 18:38
Lulu.com (Broschiert/2015)
ISBN 978-1-326-14879-9
202 Seiten

In seinem ersten Buch hatte der Wiener Erkunder und Lehrer des historischen Fechtens sich in erster Linie mit dem Fechten mit dem einfachen Schwert nach Bologneser Stil beschäftigt – und mit einfachen Komplementärübungen zur Verbesserung von Kraft, Beweglichkeit und Geschwindigkeit, um „Schreibtischtäter“ kampffähig zu machen.

Der vorliegende Band widmet sich den sogenannten Schutz- oder Beiwaffen, also den Waffen, die man beim (Schwert)fechten eigentlich schon immer mit geführt zu haben scheint. Hierbei beginnt er mit dem Buckler, einem kleinen Handschild, der sich aus dem Schildbuckel der erst gebräuchlicheren wesentlich größeren Schilde entwickelt haben dürfte und der mit dem Aufkommen des verstärkten Duellfechtens immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Anhand dieses für den Laien oft überraschenden Geräts erklärt er Grundprinzipien der Handhabung, Verwendung und Motorik bei der Arbeit mit dem Buckler – aber auch mit anderen Beiwaffen, die ähnliche Charakteristika aufweisen. Außerdem zeigt er auch auf, wie sich die Kampftaktik bei der Verwendung von Beiwaffen ändern muss. Die Betrachtungen dazu schließen, nach der Darstellung der Grundhuten bzw. Guardia mit Partnervorübungen, den sogenannten „Stücken“

Aufbauend auf diesen intensiveren Beobachtungen wird dann die Targa als Sondervariante des Bucklers betrachtet und auch hierzu gibt es einige „Stücke.“

Das nächste größere Kapitel beschäftigt sich dann mit den „armgebundenen Beiwaffen“, also sol-chen, die fest am Unterarm anliegen. Auch hier werden die Taktik, die Guardie, die Motorik und Vorübungen etwas intensiver betrachtet, bevor dann Rotella und Imbracciatrura jeweils mit Fechtweise und „Stücken“ vorgestellt werden.

Die letzte vorgestellte Beiwaffe ist die Cappa (der Mantel), die den ersten Teil des Namens der „Mantel-und-Degen“-Filme bedingt hat. Auch hierzu werden Fechtweise und „Stücke“ vorgestellt – sowie eine bebilderte Anleitung, wie man die Cappa richtig um den Arm bringt.

Nun wird noch ein kurzes Kapitel zum Kampf mit Schwert und Beiwaffe gegen eine Stangenwaffe eingeführt, was aber wohl mehr als eine Art Teaser zu einem später kommenden Band zum Thema Stangenwaffen darstellen soll.

Im Weiteren geht der Autor dann auf fortgeschrittene Übungsformen im Partnerübungsbereich ein, bevor er den Band mit erweiterten Betrachtungen zur Trainingslehre – hier speziell Solotraining -, Schutzausrüstung beim Partnertraining mit Beiwaffen und einem zum letzten Band erweiterten Komplementärtraining vorstellt. Es ist wohl sein Plan, diese Bereiche von Band zu Band zu erweitern, so dass der Lernende von Band 1 über die Folgebände seine körperlichen Voraussetzungen für den Kampf stufenweise erweitern kann.

Bei den Vorübungen wurde in diesem Band auf Photoserien verzichtet, was ich ein wenig schade gefunden habe, denn die wären sicherlich willkommen gewesen. In den letzten Jahren sind im klassischen Kungfu-Bereich Autoren dazu übergegangen, komplexe Bewegungsfolgen, die sich auf Buchseiten schlecht darstellen lassen – ein Problem, dass Zalud auch anspricht – auf Internetseiten zu präsentieren, deren Adressen in den jeweiligen Büchern zu finden sind. Dies wäre bei einer Neuauflage von Band 1 und 2 – sowie auch bei möglichen Folgebänden – eine Ergänzung, die sicherlich viele Leserinnen und Leser begrüßen würden. Davon abgesehen ist auch dieser zweite Band überaus informativ – setzt aber ganz klar die Kenntnis und auch die Arbeit mit Band 1 voraus.


K.-G. Beck-Ewerhardy