Vollständige Version anzeigen : Philosophische Grundlagen
Guten Heute,
ich war schon lange nicht mehr im Forum (bin leider auch trainingstechnisch eher inaktiv), schreibe aber gerade an einem Buch über Psychotherapie und - ob ihr es glaubt oder nicht - Bruce Lee wird darin das primäre Schlüsselelement sein. Genauer seine Philosophie des JKD.
Ich habe bereits Dutzende Bücher über den Taoismus gewälzt, sowie den geschichtlichen Grundlagen selbigen. Ich habe auch Bücher über Bruce Lee gelesen (zuletzt die Gespräche, also Interviews mit seinen Freunden, Trainingspartnern, etc.), aber mir fehlt ein richtiges Grundlagenwerk über die theoretischen Fundamente, die philosophischen Grundlagen des JKD.
Konkreter geht es mir um das "Nicht-Denken" (empty your mind) und um das Anpassen an jedwede Situation und dann das Anwenden des effektivsten Mittels um das gewünschte Ziel zu erreichen. Gibt es dazu irgendeine brauchbare Literatur, die sich explizit mit der Philosophie befasst und nicht mit dem schnellsten Weg eine Faust in den Gegner zu bekommen?
Ich versuche aus dem Tao of Jeet Kune Do ein paar solcher Aussagen zu extrahieren, aber das ist auch dürftig, zumal ich auch in den Interviews zufällig gelesen habe, dass das nur einen winzigen Bruchteil Lees Philosophie beinhaltet (zumal nicht einmal von ihm zusammengestellt oder veröffentlicht) und er das meiste nicht aufgeschrieben hat, sondern eher filmisch zum Ausdruck brachte. (Die Pagodenszenen, sowie die Filme von ihm kenne ich natürlich...)
Ich würde mich über ein paar hilfreiche Antworten sehr freuen. Danke!
KK-Baghira
25-07-2016, 13:27
Ich bin mal so frei:
Zum Einen das Buch von Inosanto als ein möglicher Bezugspunkt, welches der Vollständigkeit halber erwähnt wird:
Inosanto, D. (1994): Jeet Kune Do: The Art & Philosophy of Bruce Lee. Atlantic Books. (https://www.amazon.de/Jeet-Kune-Do-Philosophy-Bruce/dp/0938676008/ref=sr_1_1?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1469449732&sr=1-1&keywords=inosanto+jeet+kune+do)
Ferner ist John Little sehr publikationsfreudig: [KLICK (https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3 %95%C3%91&url=search-alias%3Denglish-books&field-keywords=John+little+bruce+lee)]
Eine bescheidene Hinführung:
Ich hab mich aus trainingspraktischer und pädagogischer Situation heraus vergangenes Jahr mal an einen Positionsversuch gewagt (vgl. Ewald, 2015: 74-80 (http://www.fpi-publikation.de/polyloge/alle-ausgaben/09-2015-ewald-a-bruce-lee-ey-bester-mann-oder-martial-arts-in-der-jugendhilfe-an.html)).
Wie beim Durchsehen erahnbar wird, halte ich die Schriften Paul Bowmans für nach-denkens-, erachtenswert und (für ein Buch) unumgehbar - v.a.:
Bowman, P. (2010): Jeet Kune Do.
In: Green, T.A. & Svinth, J.R. (Editors): Martial Arts of the World. An Encyclopedia of History and Innovation. Santa Barbara u.a.: ABC-Clio, 2. Volumes, Volume 2: Themes, pp. 479-485.
[M.E. sehr gut als Einstieg und rumorend, da er einige präzise kritische Anfragen an JKD-Philosophie enthält]
Bowman, P. (2010): Theorizing Bruce Lee. Film – Fantasy – Fighting – Philosophy. Amsterdam & New York: Rodopi B.V.
[Tiefer gehend und kontextualisierend]
Bowman, P. (2014a): Instituting Reality in Martial Arts Practice.
In: JOMEC Journal, Issue 5, June 2014. (http://www.cardiff.ac.uk/jomec/jomecjournal/5-june2014/Bowman_Reality.pdf)
&
Bowman, P. (2014b): The Intimate Schoolmaster and the Ignorant Sifu: Poststructuralism, Bruce Lee and the ignorance of everyday radical pedagogy. Paper zur Konferenz "The Pedagogics of Unlearning" am Trinity College in Dublin, 6.-7. September 2014. (https://www.academia.edu/8239501/The_Intimate_Schoolmaster_and_the_Ignorant_Sifu_Po ststructuralism_Bruce_Lee_and_the_Ignorance_of_Eve ryday_Radical_Pedagogy)
[beide m.E. zur Vertiefung, was Institutionen sensu Derrida bzw. 'Realität' angeht]
Im Kontext zu Bowman (auch von diesem thematisiert) aber auch vergnüglich-irritierend-spannend finde ich das Buch von Bolelli:
Bolelli, D. (2008): On the Warrior's Path. Philosophy, Fighting, and Martial Arts Mythology. Berkeley, California: Blue Snake Books, Second Edition. (https://www.amazon.de/Warriors-Path-Second-Philosophy-Mythology/dp/158394219X?ie=UTF8****_=asap_bc)
Schöne Grüße
Baghira
Hallo Hu Quan :)
Frag doch mal bei jemandem an, der Bruce Lee kannte, hab dazu gerade kürzlich auf einer Hapkido-Seite geschmökert und gelesen, dass der Hapkido-Gründer Ji Han-Jae mit Bruce Lee in Filmen auftrat. Da Hapkido auch auf dem Taoismus basiert, wäre das doch die ideale Quelle. Vielleicht kannst Du ihn höchstpersönlich erreichen oder vielleicht wird Dir jemand empfohlen, der sich auch auskennt. Ich geb Dir mal die Seite, schau selbst, ob es etwas für Dich ist. Die Filme sind auch aufgeführt: | KOREA SIN MOO HAPKIDO | (http://www.hapkido.ch/Dojunim.html)
Wow.
Gleich der erste Beitrag mit Texten, die ich nicht kannte und sogar wissenschaftliche Ansprüche erfüllt. Cool! Vielen Dank!
Nachtrag: Sehe gerade, dass du das selbst relativ professionell angegangen bist. Ich dachte selbst einmal daran einen Artikel darüber zu schreiben, aber dein Paper ist wesentlich umfangreicher. Einiges zu lesen jedenfalls, danke sehr.
Joyce: Auch ein guter Rat, habe ich mir bei den Interviews auch einmal gedacht und werde das vielleicht auch machen (muss noch das Englisch aufpolieren - mache ich gleich mit den Texten von oben). Danke auch für den Link.
salurian
25-07-2016, 15:35
Guten Heute,
ich war schon lange nicht mehr im Forum (bin leider auch trainingstechnisch eher inaktiv), schreibe aber gerade an einem Buch über Psychotherapie und - ob ihr es glaubt oder nicht - Bruce Lee wird darin das primäre Schlüsselelement sein. Genauer seine Philosophie des JKD.
Ich habe bereits Dutzende Bücher über den Taoismus gewälzt, sowie den geschichtlichen Grundlagen selbigen. Ich habe auch Bücher über Bruce Lee gelesen (zuletzt die Gespräche, also Interviews mit seinen Freunden, Trainingspartnern, etc.), aber mir fehlt ein richtiges Grundlagenwerk über die theoretischen Fundamente, die philosophischen Grundlagen des JKD.
Konkreter geht es mir um das "Nicht-Denken" (empty your mind) und um das Anpassen an jedwede Situation und dann das Anwenden des effektivsten Mittels um das gewünschte Ziel zu erreichen. Gibt es dazu irgendeine brauchbare Literatur, die sich explizit mit der Philosophie befasst und nicht mit dem schnellsten Weg eine Faust in den Gegner zu bekommen?
Ich versuche aus dem Tao of Jeet Kune Do ein paar solcher Aussagen zu extrahieren, aber das ist auch dürftig, zumal ich auch in den Interviews zufällig gelesen habe, dass das nur einen winzigen Bruchteil Lees Philosophie beinhaltet (zumal nicht einmal von ihm zusammengestellt oder veröffentlicht) und er das meiste nicht aufgeschrieben hat, sondern eher filmisch zum Ausdruck brachte. (Die Pagodenszenen, sowie die Filme von ihm kenne ich natürlich...)
Ich würde mich über ein paar hilfreiche Antworten sehr freuen. Danke!
Ein wichtiger Einfluss war Jiddu Krishnamurti. Von ihm gibt es auch einige Bücher.
Ansonsten wäre event. noch John R. Little "The warrior within: the philosophies of Bruce Lee" interessant
KK-Baghira
25-07-2016, 15:37
Wow.
Gleich der erste Beitrag mit Texten, die ich nicht kannte und sogar wissenschaftliche Ansprüche erfüllt. Cool! Vielen Dank!
Nachtrag: Sehe gerade, dass du das selbst relativ professionell angegangen bist. Ich dachte selbst einmal daran einen Artikel darüber zu schreiben, aber dein Paper ist wesentlich umfangreicher. Einiges zu lesen jedenfalls, danke sehr.
Vielen Dank.
Ich habe es ja oben nur aus der JKD-Richtung ein klein wenig literaturmäßig beleuchtet; was Psychotherapie (welche Richtung? Schulen? Menschenbilder? Wissenschaftstheoretische und praxeologische Einbindung? Therapeutenerfahrungen) angeht, wird das Feld weitaus größer - gar unüberschaubar? Einmal relativ abgesehen von Therapieerfahrungen (als Patient? Therapuet? Supervisor?):
Ich finde Petzold immer wieder anregend, aber auch entsprechend weit verzweigt... (http://www.eag-fpi.com/wp-content/uploads/2014/10/Kernthemen-und-konzepte-der-Integrativen-Therapie-aus-den-Originalquellen-ihrer-Begr%C3%BCnder.pdf)
Vlt. als "Startbahn" ohne zu wissen, wohin die Reise geht:
Petzold, H.G. & “Sieper, J. (2012): „Leiblichkeit als „informierter Leib" embodied and embedded - Körper-Seele-Geist-Welt-Verhältnisse in der Integrativen Therapie.
In: Petzold, H.G. (2012): Die Menschenbilder in der Psychotherapie. Interdisziplinäre Perspektiven und die Modelle der Therapieschulen. Wien: Krammer, S. 243-321. (http://www.fpi-publikation.de/images/stories/downloads/polyloge/petzold-sieper-2012a-leiblichkeit-informierter-leib-embodied-embedded-konzepte-polyloge-21-2012.pdf)
Viele Grüße
Baghira
Danke für den Hinweis, aber Petzold kenne ich persönlich und habe auch einige Bücher von ihm.
Ich habe an der Sigmund-Freud-PrivatUniversität studiert und nebenbei auch an der Donau Universität Krems (da ist Petzold auch gelegentlich). Mir geht es eher um die Grundlagen... Ich bin zwar Individualpsychologe und arbeite auch praktisch so, aber in dem Buch geht es mir nicht darum wie man nach der oder der Methode Menschen helfen kann, sondern wie man die Psychotherapie selbst (inkl. der vier Paradigmen und unzähligen Schulen) auf einen möglichen einheitlichen theoretischen Boden stellen kann ohne die "Artenvielfalt" zu verlieren. Da erscheint mir Jeet Kune Do passend.
PS: Einer meiner Professoren von der Uni Wien (jetzt SFU) hat über die Paradigmen der Pädagogik habilitiert.
Salurian: Danke für den Hinweis. Krishnamurti habe ich in den Interviews entdeckt, mich aber in den letzten Jahren immer erfolgreich dagegen gewehrt ihn zu lesen. Ich weiß nicht einmal weshalb. Nun gut... Bücher von ihm habe ich auch, werde auch die einmal lesen.
KK-Baghira
25-07-2016, 16:53
Danke für den Hinweis, aber Petzold kenne ich persönlich und habe auch einige Bücher von ihm.
Ich habe an der Sigmund-Freud-PrivatUniversität studiert und nebenbei auch an der Donau Universität Krems (da ist Petzold auch gelegentlich). Mir geht es eher um die Grundlagen... Ich bin zwar Individualpsychologe und arbeite auch praktisch so, aber in dem Buch geht es mir nicht darum wie man nach der oder der Methode Menschen helfen kann, sondern wie man die Psychotherapie selbst (inkl. der vier Paradigmen und unzähligen Schulen) auf einen möglichen einheitlichen theoretischen Boden stellen kann ohne die "Artenvielfalt" zu verlieren. Da erscheint mir Jeet Kune Do passend.
PS: Einer meiner Professoren von der Uni Wien (jetzt SFU) hat über die Paradigmen der Pädagogik habilitiert.
:yeaha:
Na dann gutes Gelingen :-)
Wenn du Petzold persönlich kennst - vlt. sieht man sich ja mal auf der einen oder anderen Tagung ^_^
Das mit den Paradigmen der Pädagogik klingt nach Thomas Stephenson - der steht auf meiner Literaturliste; hab aber noch so viel aus der IT davor - erstmal für einen etwaigen Vortrag bzw. Publikation ein Text von Sieper zur "Transversalen Integration" (http://www.fpi-publikation.de/images/stories/downloads/polyloge/sieper_johanna-transversale_integration-polyloge_14_2010.pdf) (weil du den einheitlichen Boden ohne Verlust der Vielfalt erwähnst)
Bingo!
Stephenson ist einer der Individualpsychologen, bei dem ich die pth. Ausbildung gemacht habe und der auch einige Vorlesungen bei uns hielt.
Danke, ja vielleicht sieht man sich ja dort :-)
Bei Petzold fällt mir Leander Petzold ein, ein Volkskundler, was mich wiederum an C. G. Jungs Archetypenlehre erinnert. Vielleicht gibt es auch interessante volkskundlich-historische Geschichten zum taoistischen Hintergrund. So was ließe sich auch immer mit Gewinn einflechten. Ist nur so eine Idee, da schon Freud zu solchen Metaphern in der Volkskunde gegriffen hat. :)
@Hu Quan
Kennst Du dieses wissenschaftliche Werk zum Taoismus auch schon? Wenn ja, hat es Dir viel gebracht?
In der Mitte des Kreises. Daoistisches Denken von Hans-Georg Möller - Suhrkamp Insel Bücher Buchdetail (http://www.suhrkamp.de/buecher/in_der_mitte_des_kreises_daoistisches_denken-hans-georg_moeller_72015.html)
Hier eine Leseprobe:
http://www.suhrkamp.de/download/Blickinsbuch/9783458720157.pdf
Versuche doch mal was vom Buddhismus zu lesen bzw. in ein buddhistisches Zentrum zugehen und sich da mal mit den Leuten unterhalten. Weil Buddha hatte damals die Lehre der Leerheit in seinen Schriften verfasst und es wird auch als Meditation praktiziert. Ich muss dir auch sagen es ist harter Tobak ... :D bis ich das Begriff was die meinten.
Hier hab ich eine weitere Leseprobe zum Taoismus, wird sehr gut beschrieben, was die Essenz des Taoismus ausmacht, passt auch gut zur Kampfkunst, diese Haltung: https://www.amazon.de/gp/product/3499619806/ref=oh_aui_detailpage_o03_s00?ie=UTF8&psc=1
[QUOTE=Hu Quan;3516177]
Konkreter geht es mir um das "Nicht-Denken" (empty your mind) und um das Anpassen an jedwede Situation und dann das Anwenden des effektivsten Mittels um das gewünschte Ziel zu erreichen. Gibt es dazu irgendeine brauchbare Literatur, die sich explizit mit der Philosophie befasst und nicht mit dem schnellsten Weg eine Faust in den Gegner zu bekommen?
QUOTE]
Bruce hat mit seiner Philosophie mehr aufgebauscht als dahinter steckt. Lehrheit und Formlosigkeit ist ein Zustand den jeder erfahrene Kampfsportler erreicht und mit seiner Erfahrung gelernt hat sich dem Gegner anzupassen (je nach Eigenschaften, Bewegungsschule, Trainingsmehtoden und Erfahrung gelingt es dem einem besser dem anderen weniger).
Die Instinkte übernehmen, das Bewusste tritt in den Hintergrund und lenkt hie und da, der Rest macht das Neuralsystem, Gedanken machen dich langsamer.
Bruce hat nur das offensichtliche hervorgehoben. that's it.
Die Instinkte übernehmen, das Bewusste tritt in den Hintergrund und lenkt hie und da, der Rest macht das Neuralsystem, Gedanken machen dich langsamer.
Bruce hat nur das offensichtliche hervorgehoben. that's it.
Meinst Du die Achtsamkeitsmethode? - Aber so weit ich jetzt las, geht es im Taoismus um eine Lebensphilosophie, welche über die Konzentrationstechnik der Achtsamkeit hinausgeht.
[QUOTE=bäm!!;3516345]
Meinst Du die Achtsamkeitsmethode? - Aber so weit ich jetzt las, geht es im Taoismus um eine Lebensphilosophie, welche über die Konzentrationstechnik der Achtsamkeit hinausgeht.
nein, ich meine unbewusste Bewusstheit, falls das für dich Sinn macht.
Ist das gleichbedeutend mit der Intuition?
Abstauber
26-07-2016, 13:26
Nein, Intuition ist was anderes, Einfall, Idee oder Geistesblitz.
Hier geht es um den Automatismus der Bewegung und nicht mehr darüber Nachdenkens was zu tun ist, wenn es zu tun ist. Eine sehr hohe Zahl an mechanischen Repetitionen und Repetitionen der Anwendung ist nötig um das zu erreichen. Ein Anfänger muss ständig darüber nachdenken, wie er sich bewegen muss um es richtig zu machen. Wie bei einem Instrument. Bewegungslehre ist hier der Schlüssel, denn nicht alles was man repetiert funktioniert auch in der Realität. Soll heißen, unsinnig, unrealistische Bewegungsmuster die automatisiert werden sind vom Nachteil.
salurian
26-07-2016, 13:41
Hier geht es um den Automatismus der Bewegung und nicht mehr darüber Nachdenkens was zu tun ist, wenn es zu tun ist. Eine sehr hohe Zahl an mechanischen Repetitionen und Repetitionen der Anwendung ist nötig um das zu erreichen. Ein Anfänger muss ständig darüber nachdenken, wie er sich bewegen muss um es richtig zu machen. Wie bei einem Instrument. Bewegungslehre ist hier der Schlüssel, denn nicht alles was man repetiert funktioniert auch in der Realität. Soll heißen, unsinnig, unrealistische Bewegungsmuster die automatisiert werden sind vom Nachteil.
Na das ist ja nun keine Erfindung von Bruce Lee. Am einschleifen der Technik arbeitet doch jeder. Und was in der Realität passiert können wir im Training gar nicht erfahren. Ist ja Training und keine Realität. Wir können nur versuchen der Realität nahe zu kommen. Das ist aber auch schon alles.
Abstauber
26-07-2016, 13:50
Hat Bäm schon erwähnt:
"Bruce hat nur das offensichtliche hervorgehoben. that's it."
Abstauber
26-07-2016, 14:19
Na das ist ja nun keine Erfindung von Bruce Lee. Am einschleifen der Technik arbeitet doch jeder. Und was in der Realität passiert können wir im Training gar nicht erfahren. Ist ja Training und keine Realität. Wir können nur versuchen der Realität nahe zu kommen. Das ist aber auch schon alles.
Was bei Bruce aber anders war als bei den anderen, wie damals, so auch heute, ist dass er Trainings fanatisch war. Wenn er was ausprobiert hat, dann nicht wie die meisten, einfach mal testen und urteilen, sondern er hat die Sachen wahnsinnig oft repetiert, und wenn diese dann immer noch unter Druck (und unter nicht Kenntnis des Angriffs des Angreifers) nicht funktionierte, verwarf er sie. Schließlich führte diese, wissenschaftliche Herangehensweise zu dem Ergebnis, dass Einfachheit und Direktheit die höchste Chane auf Erfolg haben, mit entsprechender Mechanik. Wobei das Ziel war in so kurzer Zeit wie möglich zu Siegen - hier sieht man die logische Konsequenz, die dazu geführt hat dass, Augen, Unterleib, und Knie zu den Primäreangriffzielen auf entsprechenden Distanzen wurden.
Ich meine, wer macht das denn so? Die meisten gehen entweder zu einem Stil oder von Stil zu Stil, oder machen verschiedene Stile gleichzeitig.
Das hier steht über den Stilen.
Schließlich führte diese, wissenschaftliche Herangehensweise zu dem Ergebnis, dass Einfachheit und Direktheit die höchste Chance auf Erfolg haben, mit entsprechender Mechanik. Wobei das Ziel war in so kurzer Zeit wie möglich zu Siegen - hier sieht man die logische Konsequenz, die dazu geführt hat dass, Augen, Unterleib, und Knie zu den Primärangriffszielen auf entsprechenden Distanzen wurden.
Interessant, gerade hatte ich anderweitig eine ähnliche Diskussion, wo sich jemand, der die Kampfkunststile allein geübt hat mit Freunden, ähnlich selektiv vorging.
salurian
26-07-2016, 21:24
Was bei Bruce aber anders war als bei den anderen, wie damals, so auch heute, ist dass er Trainings fanatisch war. Wenn er was ausprobiert hat, dann nicht wie die meisten, einfach mal testen und urteilen, sondern er hat die Sachen wahnsinnig oft repetiert, und wenn diese dann immer noch unter Druck (und unter nicht Kenntnis des Angriffs des Angreifers) nicht funktionierte, verwarf er sie. Schließlich führte diese, wissenschaftliche Herangehensweise zu dem Ergebnis, dass Einfachheit und Direktheit die höchste Chane auf Erfolg haben, mit entsprechender Mechanik. Wobei das Ziel war in so kurzer Zeit wie möglich zu Siegen - hier sieht man die logische Konsequenz, die dazu geführt hat dass, Augen, Unterleib, und Knie zu den Primäreangriffzielen auf entsprechenden Distanzen wurden.
Ich meine, wer macht das denn so? Die meisten gehen entweder zu einem Stil oder von Stil zu Stil, oder machen verschiedene Stile gleichzeitig.
Das hier steht über den Stilen.
Da haste wohl recht. Ist einzigartig. Ich versuche das beim eskrima genauso zu machen, aber ich bin halt nur einen Bruchteil so fanatisch am trainieren von bl. So 1% vielleicht
amasbaal
26-07-2016, 22:16
Vielleicht gibt es auch interessante volkskundlich-historische Geschichten zum taoistischen Hintergrund.
wohl kaum, denn volkskunde (rein innereuropäische angelegenheit) hat mit dem taoismus und seiner geschichte null zu tun. eher religionswissenschaft oder ethnologie. :)
bei allem respekt: meine alten profs würden sich im grabe umdrehen, wenn sie wüssten, was man heute so alles mit "philosophie" betitelt (eigentlich geht es ja um eine art "weltsicht" und "lebenseinstellung", die zwar thema der philosophie sein kann, aber was anderes ist, als philosophie - eben "nur" ein möglicher gegenstand der philosophie...) :p
amasbaal
26-07-2016, 22:20
unbewusste Bewusstheit, falls das für dich Sinn macht.
brrrr, solche (sprach)philosophischen verbrechen gegen die logik meine ich... ich empfehle wittgenstein: wenn es zu erfahrungen kommt, die mit der logik der sprache nicht (er)fassbar sind, dann gilt konsequenterweise: "worüber man nicht sprechen kann, darüber sollte man schweigen". ;)
aber, da ich weiß, dass das jetzt kleinscheisserei ist... : nicht irritieren lassen.
ist ja durchaus interessant, diese seite von b.l., die mich bisher nicht interessiert hat und von der ich deshalb auch keine ahnung habe.
meine alten profs würden sich im grabe umdrehen, wenn sie wüssten, was man heute so alles mit "philosophie" betitelt
Ich erwähnte Leander Petzoldt (wegen der Nachnamensgleichheit) und der ist nun mal Volkskundler. Seine wissenschaftlichen Werke tragen diesen Übertitel. Von dorther formulierte ich meinen Vorschlag in Anregung der Volkskunde. Warum sollte ich da auf einmal den Begriff ändern? Dann wäre ja meine Assoziation nicht mehr klar verdeutlicht.
Der Begriff Philosophie wurde schon immer auf unterschiedliche Weise verwendet, es geht nicht um die Wissenschaft der Philosophie. Dein Prof. wird das "da oben" ganz gewiss wissen, da die dortige Perspektive viel taoistischen Freiraum lässt. Da sieht man alles nicht mehr so eng. Keep cool! ;)
amasbaal
26-07-2016, 23:34
hehe
der petzoldt... relikt der "alten" volkskunde. und "archetypen"... du magst deinerseits verzeihen, dass es da durchaus konflikte mit der weltsicht der "modernen" ethnologie gibt, die sich in mir sträubt.
das mit der "philosophie" ist auch so ne sache.
aber: richtig! nicht alles ernst nehmen. tu ich ja auch nie.
wollte kein ot-gespräch provozieren. war nur ein reflex.
:)
Na ja, so jung sind wir auch nicht mehr. Wirst sehen, bald werden sich die Jüngeren über uns echauffieren, noch ein paar Jährchen und wir sind weg. :D
Lassen wir es geschehen nach taoistischer Lehre und um beim Thema zu bleiben. ;)
Mal Hand aufs Herz...Bruce Lee hat schäbigste Hollywood Filme gedreht...wie deep wird sein phylosophischer Ansatz wohl gewesen sein...? :rolleyes:
amasbaal
27-07-2016, 11:10
Mal Hand aufs Herz...Bruce Lee hat schäbigste Hollywood Filme gedreht...wie deep wird sein phylosophischer Ansatz wohl gewesen sein...? :rolleyes:
na ja, bud spencer war schließlich auch "philosoph".
sein bekanntestes buch im philosophie-kontext ist, zu seinem sonstigen lebenswandel passend, eher mit einem augenzwinkern geschrieben: "ich esse, also bin ich".
Literatur: Bud Spencers Philosophie des Essens - FOCUS Online (http://www.focus.de/kultur/buecher/literatur-bud-spencers-philosophie-des-essens_id_4368124.html)
... und schon alleine viele interviews mit ihm zeigen deutlich: der war ein "echter" intellektueller (hatte allerdings "nur" chemie und jura studiert und nicht philosophie).
job und sein sind nicht immer das selbe, nicht einmal das gleiche.
BLADE !!!
27-07-2016, 20:59
Bruce hat nur 1 Hollywood Film gedreht, Enter the Dragon. Die anderen 3 waren Hong Kong Produktionen.
Tja,ich kann mir sowas nicht geben,sorry...Wenn die Jungs Dir oder anderen Erleuchtung bringen = wunderbar...:hammer:
@Blade,mindestens genauso großer Müll...wäre Bruce Lee heute noch am Leben,wer weiß...vielleicht würde man ihn in Body Building Foren antreffen und bald würde er zur Kandidatur als Gouverneur in CA antretenen...rest in peace
geht darin nicht (schwerpunktmässig) um taoismus, könnte aber das zugrundeliegende thema des "nichts" bzw bruce lee berühren:
1) soweit ich weiss, hat meister jhoon rhee (lee joon gu) ein buch über seinen briefwechsel mit bruce lee herausgeben.
hab´s gefunden:
https://www.amazon.com/Bruce-Grand-Master-Jhoon-Rhee/dp/1931135002
2) zum thailändischen saiyasart:
- https://www.amazon.de/Pahuyuth-Die-Geschichte-thail%C3%A4ndischen-Kampfkunst/dp/3981206401
- Saiyasart e.V. (http://www.saiyasart.net/)
- Pahuyuth Start (http://www.pahuyuth.com/old/indexe.htm)
3) buch von meister kwon jae hwa "zen in der kunst der selbstverteidigung", die ersten zwei kapitel; sind zwar etwas verschraubt formuliert, enthalten aber bei entsprechender vorbildung m.e. brauchbare erklärungen:
https://www.amazon.de/Zen-Kunst-Selbstverteidigung-Jae-Hwa-Kwon/dp/350264375X
4) miyamoto musahi, buch der 5 ringe, v.a. das letzte kapitel
5) sifu kernspecht hat in "vom zweikampf" auch was zum thema geschrieben.
6) von Meister Ko Myong Pal: "Shinson Hapkido"
gruss
amasbaal
30-07-2016, 15:11
5) sifu kernspecht hat in "vom zweikampf" auch was zum thema geschrieben.
sehr philosophisch.
immerhin von einem uni-dozenten mit eigener fachrichtung! :-§
sehr philosophisch.
immerhin von einem uni-dozenten mit eigener fachrichtung! :-§
dem weltweit ersten professor der kampfkunst!
allerdings noch von vor seiner diesbezüglichen ernennung,
gruss
Eigentlich interessiert mich mehr der Taoismus, da ich mich dort wiederfinde, und weniger Bruce Lee als Schwerpunkt. Ich hab deshalb einen eigenen Thread zum Taoismus eröffnet: http://www.kampfkunst-board.info/forum/f13/taoistischen-wurzeln-vieler-kampfk-nste-sin-moo-hapkido-u-a-179545/
amasbaal
30-07-2016, 23:44
jede wette, da wird anders über das thema diskutiert.
kluge entscheidung. :)
(jetzt gleich mal rein schauen. nicht, dass ich falsch liege...)
jede wette, da wird anders über das thema diskutiert.
Ich hoffe es, wobei die ersten Beiträge in diesem Thread ja sehr hoffnungsvoll waren, auch mit guten Literaturtipps. :)
So, bin vom Urlaub zurück und habe in der Zwischenzeit viel gelesen und einige neue Bücher gekauft. Erich Fromm und Herr Suzuki haben ein Buch über die Psychoanalyse und Zen, außerdem habe ich mir ein Buch über den Kampfsport und Zen zu Gemüte geführt. Dort habe ich unter Anderem erfahren, dass viele statt Zen noch das alte Wort Do benutzen, das ja vom Dao stammt. Und die Inhalte sind sich auch sehr ähnlich. Ein paar Unterschiede, aber die fallen nicht sooo sehr ins Gewicht. Und ja... Bruce Lee hat die Essenzen herauskristallisiert. Für die damalige Zeit und der westlichen Welt ein ziemlicher Brocken, heute und für wahre Kampfkünstler wohl eher ein gutes "System", das "eh klar" ist, wie hier schon ein paar Mal angedeutet wurde. Zumindest wurde in den Zen-Büchern zwischen zwei Arten des Unbewussten unterschieden (damit meinen die aber nicht das Unbewusste, das wir von der Psychoanalyse her kennen): Das ursprüngliche Unbewusste (so etwas wie genetische Grundprogramme und tierische Instinkte und Verhaltensweisen) und das trainierte Unbewusste (also das Trainieren von Kampfkünsten beispielsweise, sodass das Kämpfen irgendwann ohne "Nachdenken" funktioniert, sondern man quasi mit "leerem Geist" dem Gegner gegenüber tritt).
Die Bücher waren übrigens super Empfehlungen. Habe schon ein paar bestellt und eines auch gelesen. C. G. Jung habe ich sowieso, ist aber für mich nur bedingt brauchbar (für das Buch brauche ich ihn dann eh nochmal).
Und eine Neuigkeit gibt es: Ich gehe heute zu einem Schnuppertraining des WuDang Vereins im 3. Bezirk in Wien. Soll sehr daoistisch sein. Vielleicht nutze ich das um wieder ins Training zu kommen und mein Repertoire zu erweitern.
So, bin vom Urlaub zurück und habe in der Zwischenzeit viel gelesen und einige neue Bücher gekauft. Erich Fromm und Herr Suzuki haben ein Buch über die Psychoanalyse und Zen, außerdem habe ich mir ein Buch über den Kampfsport und Zen zu Gemüte geführt. Dort habe ich unter Anderem erfahren, dass viele statt Zen noch das alte Wort Do benutzen, das ja vom Dao stammt. Und die Inhalte sind sich auch sehr ähnlich. Ein paar Unterschiede, aber die fallen nicht sooo sehr ins Gewicht. Und ja... Bruce Lee hat die Essenzen herauskristallisiert. Für die damalige Zeit und der westlichen Welt ein ziemlicher Brocken, heute und für wahre Kampfkünstler wohl eher ein gutes "System", das "eh klar" ist, wie hier schon ein paar Mal angedeutet wurde. Zumindest wurde in den Zen-Büchern zwischen zwei Arten des Unbewussten unterschieden (damit meinen die aber nicht das Unbewusste, das wir von der Psychoanalyse her kennen): Das ursprüngliche Unbewusste (so etwas wie genetische Grundprogramme und tierische Instinkte und Verhaltensweisen) und das trainierte Unbewusste (also das Trainieren von Kampfkünsten beispielsweise, sodass das Kämpfen irgendwann ohne "Nachdenken" funktioniert, sondern man quasi mit "leerem Geist" dem Gegner gegenüber tritt).
Die Bücher waren übrigens super Empfehlungen. Habe schon ein paar bestellt und eines auch gelesen. C. G. Jung habe ich sowieso, ist aber für mich nur bedingt brauchbar (für das Buch brauche ich ihn dann eh nochmal).
Und eine Neuigkeit gibt es: Ich gehe heute zu einem Schnuppertraining des WuDang Vereins im 3. Bezirk in Wien. Soll sehr daoistisch sein. Vielleicht nutze ich das um wieder ins Training zu kommen und mein Repertoire zu erweitern.
wie lauten die Titel der beiden Zen Bücher?
Das eine Buch ist "Zen in den Kampfkünsten Japans" von Taisen Deshimaru-Roshi. Das zweite Buch ist "Zen-Buddhismus und Psychoanalyse" von Erich Fromm und Daisetz Teitaro Suzuki.
vBulletin v4.2.5, Copyright ©2000-2025, Jelsoft Enterprises Ltd.