Vollständige Version anzeigen : Ist die Nichtanwendung von Kampfsport unter Stress möglich?
Billy die Kampfkugel
25-06-2020, 14:57
Es heißt ja ab und zu in Forumsfäden oder bei YT-Videos benutze dies und das nicht in einem Kampf. So weit so gut, ich bin normalerweise nicht in einem echten Kampf und meine Sichtweise darauf ist folglich etwas beschränkt. Wenn ich allerdings an meine Fechtturnierzeit zurückdenke, sobald der Stresspegel entsprechend hoch war und der gegnerische Treffer ankam kam immer noch die Reflexabwehr und die Erwiderung automatisch. Tausende Male gemacht. Ich denke bei jedem Kampfsport sind gewisse Dinge einfach in Fleisch und Blut übergegangen.
Also kann ein Karateka anders als unter Stress Kumite X anzuwenden, hat der Judoka den Gegner nicht sofort geworfen, hat der BJJ- Anwender nicht längst den Gegner unter Stress verpackt bevor überhaupt ein strategisches Umdenken erfolgt ist?
Björn Friedrich
25-06-2020, 15:22
Du kannst alles in einem echten Kampf umsetzen, wird ja im MMA Bereich oft genug gemacht.....
Der Punkt ist halt, hast du es lebendig geübt, sprich Sparring gemacht? Als Fechter hast du das gemacht, es gibt aber immer noch genügend Kampfsportler die das nicht machen und dann bleibt auch nicht viel im echten Kampf.
Ich kann mich noch gut an ein Seminar erinnern, ich hab da eine Übung mit einem Kampfkünstler gemacht, bei der es darum ging die Faust die man auf die Brust LEGT zu fühlen, etc. nix dramatisches, aber man hat die Faust eben gelegt.
Er meinte dann ich soll die offene Hand nehmen, die Faust wäre zu unangenehm;.):-)
Bei so Leuten bleiben keine Reflexe, weil eh nie welche da waren:-)
Billy die Kampfkugel
25-06-2020, 15:37
Ich ging bei meiner Überlegung davon aus, dass der Sportler auf diesem Niveau ist dauert ja seine Zeit je nach Trainingsintensität und auch davon dass es nicht so verändert ist, dass die Distanzen noch stimmen u.s.w..
unter hohem stress erfolgen meist immer die gleichen handlungsmuster, zeit zum überlegen ist da keine. wer den überblick behält, und damit den auf sich einwirkenden stress klein hält, kann im sport der taktischen massgabe folgen und in einer sv situation bestimmte überlegte handlungsmuster abrufen.
Kusagras
25-06-2020, 15:48
...
Bei so Leuten bleiben keine Reflexe, weil eh nie welche da waren:-)
Da war doch ein "Reflex": die Verbale Reaktion auf die "unangenehm auf der Brust liegenden Faust"...;-)
Björn Friedrich
25-06-2020, 16:11
Was wirklich erschreckend war, war die Selbstverständlichkeit seiner Aussage;-) Und ich bin keiner der die Faust da böse reingedrückt hat, das war Streichelniveau am Brustkorb:-)
Little Green Dragon
25-06-2020, 16:17
Natürlich kann man (entsprechendes Training vorausgesetzt) hier auch bestimmte Sachen die man für WK trainiert bewusst ausblenden oder weglassen - klappt ja im normalen Sparringsstress auch wenn es heißt "nur boxen". Da tritt man dann ja auch den Partner nicht einfach weg, nur weil man das sonst auch übt.
Wird halt sehr stark davon abhängen wie sehr man sich ggf. auf die (SV-)Situation einstellen kann um das entsprechende Programm zu "aktivieren" also im Sinne von "Der will mir jetzt aufs Maul hauen, und ich darf/kann ihm da jetzt das Knie in den Unterleib rammen." Wenn das natürlich vollkommen überraschend kommt wird man wohl eher auf die antrainierten Reflexe zurück greifen, da man keine Zeit hat das entsprechende Programm zu wählen.
Davon ganz ab: Egal ob jetzt irgendwer sagt man solle dieses oder jenes im Bezug auf SV tun oder nicht tun - wenn mir da eine vermeintlich suboptimale Sache nun mal total liegt und ich damit die Kiste beenden kann - wen kümmert es ob das dann noch Bilderbuch lief?`
Also kann ein Karateka anders als unter Stress Kumite X anzuwenden, hat der Judoka den Gegner nicht sofort geworfen, hat der BJJ- Anwender nicht längst den Gegner unter Stress verpackt bevor überhaupt ein strategisches Umdenken erfolgt ist?
Ich bin wahrlich kein austrainierter Fighter und war zu dem Zeitpunkt 6. oder 5. Kyu. Also erst recht ungefährlich. Aber so als kleine Anekdote ...
Im Anschluss an ein Training (bei dem u.a. Befreiungen ausgiebig geübt wurden), als wir, Trainer hatte die Halle schon verlassen, noch entspannt quatschend beieinanderstanden, hat mich mein Lieblings-Trainings"schrank" (großer, recht unkaputtbarer Kerl, zudem höher graduiert) zum "Testen" unvermittelt von hinten umklammert.
Er hat mich damit völlig überrascht. Sicher hat er nicht mit voller Böser-Bube-Manier zugegriffen, das sei dazugesagt.
Aber bis ich realisiert habe, dass keine *echte* Gefahr droht, war ich draußen aus dem Griff und meine Faust unterwegs Richtung seiner kurzen Rippe. Ich habe das noch etwas gebremst gekriegt, aber da ging dennoch hörbar die Luft raus.
Ich war noch nicht mal im Adrenalinflash, glaube ich. Aber Automatismen stellen sich halt ein. Vor allem, wenn sie vorher dutzendfach eingeschliffen und abgerufen wurden.
Es heißt ja ab und zu in Forumsfäden oder bei YT-Videos benutze dies und das nicht in einem Kampf. So weit so gut, ich bin normalerweise nicht in einem echten Kampf und meine Sichtweise darauf ist folglich etwas beschränkt. Wenn ich allerdings an meine Fechtturnierzeit zurückdenke, sobald der Stresspegel entsprechend hoch war und der gegnerische Treffer ankam kam immer noch die Reflexabwehr und die Erwiderung automatisch. Tausende Male gemacht. Ich denke bei jedem Kampfsport sind gewisse Dinge einfach in Fleisch und Blut übergegangen.
Also kann ein Karateka anders als unter Stress Kumite X anzuwenden, hat der Judoka den Gegner nicht sofort geworfen, hat der BJJ- Anwender nicht längst den Gegner unter Stress verpackt bevor überhaupt ein strategisches Umdenken erfolgt ist?
Ja, aber eher durch den Überraschungseffekt!
Wenn der Angriff überraschend kommt!
Schnueffler
26-06-2020, 06:44
Natürlich kann man (entsprechendes Training vorausgesetzt) hier auch bestimmte Sachen die man für WK trainiert bewusst ausblenden oder weglassen - klappt ja im normalen Sparringsstress auch wenn es heißt "nur boxen". Da tritt man dann ja auch den Partner nicht einfach weg, nur weil man das sonst auch übt.
...
Jein.
Kommt drauf an, was man wie intensiv eingeschliffen hat und wie hoch dann der Stress/Gegendruck ist.
Aus eigener Erfahrung:
Beim boxen gewesen und dann so richtig aufs Fressbrett bekommen.
Rein in den Gegner und geworfen. Ohne nachzudenken oder zu überlegen.
PhilExpat
26-06-2020, 08:23
Ich gebe nur mal wieder, was unser damaliger Karatelehrer uns erklärt hat.
Im Training zielen wir mit dem Fauststoss aufs Kinn des Trainingspartners, da soll der gezielte Punch ja später immer landen.
Aber wenn ich in einer Gefahrensituation bin, dann ist es mir egal ob meine Faust statt das Kinn den Kehlkopf oder die Nase des Gegners bricht.
Haupsache DER geht zu Boden und greift mich nicht weiter an!
Wenn mich jemand angreift warne ich ihn, dass ich Karate (und Arnis) trainiere.
Wenn er es dann ausprobieren will ist es seine Schuld wenn er sich weh tut!
Beim boxen gewesen und dann so richtig aufs Fressbrett bekommen.
Rein in den Gegner und geworfen. Ohne nachzudenken oder zu überlegen.
*Chrchrchr*
Danke!
Das war das Zuckerl zum zweiten Kaffee.
Ich gebe nur mal wieder, was unser damaliger Karatelehrer uns erklärt hat.
Im Training zielen wir mit dem Fauststoss aufs Kinn des Trainingspartners, da soll der gezielte Punch ja später immer landen.
Aber wenn ich in einer Gefahrensituation bin, dann ist es mir egal ob meine Faust statt das Kinn den Kehlkopf oder die Nase des Gegners bricht.
Haupsache DER geht zu Boden und greift mich nicht weiter an!
Wenn mich jemand angreift warne ich ihn, dass ich Karate (und Arnis) trainiere.
Wenn er es dann ausprobieren will ist es seine Schuld wenn er sich weh tut!
Ich würde das mit den KK nicht sagen, weil vor Gericht kann das zu deinem Nachteil ausgelegt werden.
Ein Trainingskollege von mir aus dem Boxclub hat hat seinem späteren Opfer auch gesagt und ist zu einer Geldstrafe
vor Gericht verdonnert worden, obwohl es eine Notwehrsituation war 2 vs 1.
Nur ohne Zeugen kann das nach hinten losgehen.
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