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Vollständige Version anzeigen : eine Kampfkunst macht niemanden zum Kämpfer



Sagat
03-07-2003, 18:25
hier eine schöne Parabel die ich gefunden habe:





Als Michelangelo, der begnadete Künstler und Bildhauer, eines Tages spazieren ging, entdeckte im Hof eines Steinmetzes einen Marmor-Block. Er sagte zu dem Händler: „Den Block will ich kaufen.“ Der Händler erwiderte: “Nein, dieser Block ist nicht zu gebrauchen, keine gute Qualität. Nimm den nicht.“ Michelangelo kaufte ihn dennoch und sagte: „Ich zeige dir später, was daraus geworden ist.“ Nach Wochen ging er zurück zu dem Händler und zeigte ihm die Pietà, eine wunderschöne Marmorskulptur, die die Mutter Maria mit dem toten Jesus im Arm zeigt. Ein unglaubliches Kunstwerk, das zutiefst berührt. Der Händler sagte: „Solch eine Schönheit hast du aus diesem schlechten Block geschaffen?“ Michelangelo erwiderte: “Nein, ich habe die Pietà nicht gemacht. Sie war die ganze Zeit schon da drin. Als ich den Block sah, hörte ich ihren Ruf. Ich habe nur weggenommen, was nicht dazu gehörte.“ Von Anfang an sah er, dass in dem Block die Pietà bereits schlummerte und nur darauf wartete, befreit zu werden.


genauso verhält sich mit den Kampfkünsten unserer Zeit; die Dojos dieser Welt sind überfüllt mit Möchtegern-Fightern die doch so gerne "Kämpfer" wären,die es aber nie und nimmer sein werden weil ihnen eben der Kampfgeist und die Entschlossenheit eines wahren Fighters fehlen und sie denken sie könnten diese essentiellen Mängel durch ein Riesenumfang an Techniken und sonstigem Schnickschnack wettmachen

mein Fazit also: eine Kampfkunst "macht" niemanden zum Kämpfer,sie kann bestenfalls die rauhen Kanten abschleifen

Kazuko
03-07-2003, 19:32
Deiner Meinung nach gibt es also Talente und Möchtegern Kämpfer? Um eins vorweg zu nehmen ich gebe dir recht das viele nicht mit dem Verstand bei der Sache sind das bewerte ich nicht als Talent sondern als Willen außerdem kann man Kampfgeist auch lehren.

Was Talent angeht zitiere ich mal meinen Meister:
Ich bin nicht besser als du, ich habe nur früher angefangen.

Denk mal drüber nach

Kazuko

Chris bamboozle
03-07-2003, 19:46
Ausserdem würde das ja heißen, dass ca 90% aller Trainierenden eigentlich umsonst trainieren und aufhören sollten, weil sie es eh zu nichts bringen bzw. weil sie keine "wahren" Kämpfer sind.

Ich halte das für Schwachsinn, jeder kann durch hartes Training besser werden, Fortschritte machen und das Kämpfen erlernen.
Sicher gibt es einige, die begabter sind und denen einige Sache leichter fallen oder die etwas spontan gut können, aber das heißt auf keinen Fall, dass nicht jeder trainieren und besser werden kann.
Das gilt nicht nur fürs Kämpfen sondern auch für andere Sachen: Übung macht den Meister. Es kommt nicht immer nur auf das "Talent" an, jeder kann in etwas besser werden, wenn er sich nur wirklich anstrengt und hart an sich arbeitet.
Sicher kann nicht jeder so Weltmeister werden, dafür muss man schon das gewisse etwas haben, aber das will ja auch nicht jeder.

Gegenfrage:
Spagat, hälst du dich für einen der wenigen Auserwählten, die mit diesem besonderen Kämpfertalent gesegnet sind?

Christian

Gast
03-07-2003, 20:36
sagat also ich stimme dir teilweise zu es gibt leute die sind nicht zum kämpfen geignet...zumindest für boxkämpfe oder vollkontact wettkämpfe...manchen fehlt halt die härte die sie auch nie im jahrelangen training erreichen werden....
teilweise wird es denen auf der strasse dann genauso gehn...
mh...aber ist der kampf das entscheidene beim kampfsport und der grund warum man trainieren tut???

Rocco
03-07-2003, 20:41
Ich kann diese Therorie nicht bestätigen.
Im Gegenteil ich weiss noch von Jemandem der vor ein par Jahren immer wieder auf dem Schulhof verhauen wurde, sich nicht wehrte sondern schlagen ließ. Dieser Jemand war etwas übergewichtig spielte den ganzen Tag über Computer und hasste jegliche Art von Betätigung, Sport war für ihn Mord.
Heute ist dieser Jemand Deutscher Meister im KK und trainiert 6 mal die Woche ca. 3-4 Stunden mehrere Sportarten...;)

Petit Scarabee
03-07-2003, 20:48
Aber wusste der Marmor-Block selber, dass die Pieta in sich war ?

Sind die Lehrer/Meister wie Michelangelo, oder eher wie der Haendler ?

the_ANSWER
03-07-2003, 22:17
Das schöne an einer Parabel, ist ja die Interpretationsfreiheit bzw. die Möglichkeit, sie auf verschiedenste Dinge zu übertragen.

Trotzdem kann ich deiner Schlussfolgerung nicht zu stimmen.
Nicht jeder ist ein Bruce Lee (eigentlich wohl kaum einer). Nchtsdestotrotz können auch solche Menschen lernen, sich zu verteidigen.

In der Schule verhält sich das mit Mathematik ja so ähnlich. Viele glauben, dass sie das nie im Leben lernen können.
Wenn man es ihnen jedoch verständlich erklärt, begreifen sie's.
Sie werden zwar nie Prof. für Mathematik, aber die nächste Klausur bestehen sie.

Sagat
03-07-2003, 23:02
Deiner Meinung nach gibt es also Talente und Möchtegern Kämpfer


das Wort "Talent" mag ich in dem Zusammenhang nicht, "Talent" beziehe ich NICHT auf den Kampfgeist sondern eher auf den technischen Aspekt einer KK

Ich würd sagen es gibt einfach Leute mit Kampfgeist und Leute die sehr gerne einen hätten (und die viel Geld zahlen wenn ihr Sifu/Sensei es ihnen doch nur geben oder einpflanzen könnte)



Ausserdem würde das ja heißen, dass ca 90% aller Trainierenden eigentlich umsonst trainieren und aufhören sollten, weil sie es eh zu nichts bringen bzw. weil sie keine "wahren" Kämpfer sind.


ja und nein, das Training muss NICHT NOTWENDIGERWEISE umsonst sein, man kann KK auch einfach als Fitnessmethode oder aus Spass an der Bewegung trainieren (dagegen ist nix einzuwenden), problematisch sind nur die Leute die von Natur eher " friedliebend" sind und die im Dojo mit Hilfe eines Meisters/Sifus/Sihings/Senseis quasi zum "echten,knallharten und umbarmherzigen Kämpfer" mutieren wollen


.aber ist der kampf das entscheidene beim kampfsport und der grund warum man trainieren tut???

nein,"KAMPF_SPORT" kann man wegen dem Kampf oder wegen dem Sport trainieren; ich persönlich trainiere aus rein sportlichen Gründen (habe früher recht intensiv Kraftsport betrieben,leider sind die Gelenke verschlissen).
Ich ertappe nur immer wieder Leute die es wegen dem "Kampf" traineren, sich jedoch was vormachen




hälst du dich für einen der wenigen Auserwählten, die mit diesem besonderen Kämpfertalent gesegnet sind?

NEIN,das tue ich nicht (habe ich auch nirgendwo geschrieben), aber zwei Augen in der Birne hab ich schon,einiges an Lebenserfahrung und im Kampfsport auch nicht erst seit gestern aktiv


übrigens ein schöner Thread zu dem Thema von Doc Heftig

http://www.wt4um.de/phpbb/viewtopic.php?t=804&highlight=]http://www.wt4um.de/phpbb/viewtopic.php?t=804&highlight=

Alfons Heck
04-07-2003, 06:48
Original geschrieben von Sagat
Ich würd sagen es gibt einfach Leute mit Kampfgeist und Leute die sehr gerne einen hätten (und die viel Geld zahlen wenn ihr Sifu/Sensei es ihnen doch nur geben oder einpflanzen könnte)[/URL]

Ich denke es gibt midestens zwei Gruppen von "guten" Leuten. Die kommen zum Training und lernen:
-die körperlich gut sind also schnell, kräftig, Gewandt... und gut kopieren können
-die viel trainieren und "verstehen" was sie machen

und dann gibt es eben Leute die trainieren um etwas bestätigt zu bekommen:
Die sind von sich als "Kämpfer" oder was auch immer schon überzeugt ohne trainiert zu haben. So jemand kann man nichts beibringen, egal wie lange und verbissen er trainiert.

Harrington
04-07-2003, 07:04
Kampfgeist hat nicht unbedingt mit Kampfkunst zu tun,Kampfgeist besiegt fast immer die Kampfkunst..

Noch so viel gute Technik wird nicht viel Nutzen bringen,wenn man kein Herz hat..Dann kann jahrelanges Training für`n Popo sein..;)

Kizami
04-07-2003, 11:15
Ist doch auch schön, ’n knackigen Popo zu haben.:D

Sagat
04-07-2003, 12:20
übrigens hat Cus D'Amato (der Entdecker von Mike Tyson und sein erster Trainer) etwas ähnliches gesagt:

" i am a coach and as a coach i cannot create anything, all i can do is to dicover and to uncover "

er sagte selber das er Tyson nicht zu einem Kämpfer "gemacht" hätte (Tyson war schon immer extrem gewalttätig,war bis zu seinem 13.Lebensjahr schon dutzendemale in Polizeigewahrsam (meistens wegen Körperverletzung)), D'Amato brachte Tyson lediglich bei seine gottgegebene Aggression und seinen Hass auf die Menschheit anstatt auf der Strasse besser im Ring auszuleben



Kampfgeist besiegt fast immer die Kampfkunst

Zeroboy,dieser Satz ist mehr als Gold wert :D :) :D

tkgroovy
09-07-2003, 08:55
Das merke ich auch bei mir ... im Training wenns mal ans Kämpfen geht, da bin ich immer schön dabei. Aber irgendwie würde ich im Ernstfall wohl eher ruhig und gelassen bleiben. Und ohne die nötige Aggression, wenns dann wirklich brenzlig wird, wird man einfach nur überrannt ...
Das zu trainieren, von einem Moment zum nächsten explosiv und ohne Rücksicht auf Verluste in den Gegner rein und der Rest geht automatisch, das macht Selbstverteidigung in meinen Augen aus.
Dabei lasse ich jetzt mal die "Vorgeschichte" aussen vor, ist ja klar das man am besten ohne zu kämpfen aus der Sache rauskommen sollte.

TK

Alex!
09-07-2003, 21:43
Hallo,
ich denke das es viel zu viele Leute gibt die halt zum Training gehen und dann denken "Ich trainiere das ja, also muss ich das auch können" und in einer SV-Sitatuation wirken dann ganz andere Dinge auf einen ein und man merkt das man das erlernte garnicht anbringen kann, wenn man es nicht zu 100% will ! Dadurch kommen dann halbherzige Schläge etc. ...

so long,
Alex

Verity
09-07-2003, 22:33
Ich bin auch der Meinung, daß KK keinen zum Kämpfer macht.

Aber ich würde gerne eure Meinung hören, kann es Personen geben, die im Sparren und bei Wettkämpfen total schlecht sind, jedoch sich auf der Straße durchsetzen können...?
Weil die Person keine Rücksicht auf den Gegner nehmen muß, so von wegen Verletzungen...?

Oder vielleicht auch umgekehrt, daß Personen im Sparren und bei Wettkämpfen super sind, aber auf der Straße ohne Regeln nicht klar kommen?

Bin gespannt...

AG

Alex!
09-07-2003, 22:39
Hallo,
ich denke schon das es Leute gibt die auf der Straße sehr gut sind, jedoch bei Wettkämpfen verlieren. Das sind dann meistens die Personen die nicht so gut technisch sind, jedoch relativ explosiv. Auf der Straße reicht ja meist ein Schlag oder zwei um zu gewinnen, bei einem Wettkampf nicht unbedingt. Ich denke, Kondition bzw. körperliches Befinden etc. machen da auch noch einiges aus um ein guter Kämpfer zu werden. Personen die bei Wettkämpfen gut abschneiden und auf der Straße immer verlieren sind halt diejenigen die nicht so großen Kampfgeist besitzen bzw. mit dem Stress nicht klar kommen, meiner Meinung nach ... denn solche Situation kann man nicht richtig trainieren !

so long,
Alex

Kazuko
10-07-2003, 23:01
Original geschrieben von Alex!
Ich denke, Kondition bzw. körperliches Befinden etc. machen da auch noch einiges aus um ein guter Kämpfer zu werden.


Kommt endlich alle von dem Irrglauben weg das man auf der Straße ein guter Kämpfer sein muss.
Auf der Strasse entscheidet Brutalität und das ablegen von Hemmungen oft über Leben oder Tod.
Ohne eine gewisse Art von Paranoia wird man ohnehin keinem Angriff entgehen können.

@Verity
Sparring kann man realistisch aufbauen das es einem Kampf nahe kommt bei einem Wettkampf geht das nicht.
Ich kann mir aussuchen mit wem ich sparre und man kann dann die Intensität immer weiter steigern wenn das Vertrauen da ist bei einem Wettkampf bekomme ich einen Gegner vorgesetzt und MUSS mich an die Regeln halten. Wenn ich beim Sparring etwas überraschendes mache kommt kein: Das war aber gegen die Regeln.
Deswegen würde ich beides schonmal pauschal nicht vergleichen.

Was deine Frage angeht meiner Erfahrung nach passiert es Leuten die ohne Kontakt oder nur mit Schützern trainieren sehr schnell dass, die Hand schmerzt vom Treffen im Gesicht oder sie mit dem einstecken von Treffern total überfordert sind deswegen halte ich viele Wettkämpfer nicht unbedingt für Strassentauglich.
Auch ist was ganz anderes in einem ebenen Ring oder auf einer glatten Matte zu kämpfen als auf einer rutschigen Straße.
Es gibt aber auch hier kein pauschal weil alleine die Wettkämpfe schon zu unterschiedlich sind ich kann ja keinen vollgepolsterten Karateka mit einem Thaiboxer vergleichen.

Kazuko

Alex!
10-07-2003, 23:21
Hi,
ich denke auch, wenn man ein richtig guter Straßenkämpfer sein will, dann muss man auch mal den ein oder anderen Kopf an der Wand zerschlagen können ... und das können die wenigstens ...

Bin oft damit auf die Fresse gefallen und bei mir ist es mittlerweile so das ich 2x versuche zu eskalieren und wenn ich kein entgegen kommen des Gegners bemerke wird es etwas härter ... ich würde nie jemanden anmachen, auch wenn ich beschimpft werde, aber wenn ich merke das da nichts mehr zu machen ist, weil für meinen Gegenüber eh schon eine Schlägerei feststeht dann geh ich mit 100% Brutalität an die Sache heran ...

so long,
Alex

Joachim
10-07-2003, 23:25
Bist Du nicht derselbe Alex! der der Meinung ist er bekommt immer Ärger mit bösen "Südländern", weil er sich schick anzieht?

Naja...

Shogun
11-07-2003, 13:14
Hi!!


es mittlerweile so das ich 2x versuche zu eskalieren

Selber schuld. Versuch doch mal es zu deeskalieren, das wirkt manchmal Wunder :p


dann geh ich mit 100% Brutalität an die Sache heran ...

Wow, ein echter Fighter...

Mach doch etwas mehr Sparring im Training, das macht entspannter fürs Leben.

Grüsse

Lemartes
11-07-2003, 13:25
Ich denke auch, dass man bei Wettkämpfen verlieren kann und trotzdem "auf der Straße" stark ist. Ein Freund von nem Freund macht Muay Thai und ist dort technisch total unsauber.
Trotzdem hat er in einer Unterzahlsituation (er und zwei Freunde gegen etwas mehr als doppelt so viele) die Typen verdroschen und teilweise zur Flucht getrieben. Dabei hat er ziemlich übel Schläge mit einem Teleskopstock abbgekommen und hat diesen Typen dann krankenhausreif geprügelt. Ergebnis war ein Gebrochener Arm, aber ein Gegner, der wochenlang im Krankenhaus bleiben musste.

Das nenne ich Kampfgeist und schliesse mich voll und ganz Zero an. :)