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Sven K.

Was ist ein Hybrid - Stil ?

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Was ist ein Hybrid - System?

Im eigentlichen Sinne ist die Bezeichnung "Hybrid" irreführend.

Allgemein versteht man z.B. in der Technik unter Hybrid ein System,
bei welchem zwei Technologien miteinander kombiniert werden.
Als Beispiel mag der Hybrid-Antrieb beim Auto dienen. Solch ein Auto
verfügt über zwei Antriebsarten, z.B. einen Verbrennungsmotoren und
einen Elektroantrieb.

Die vorangestellte Bezeichnung Hybrid, betont ein aus unterschiedlichen
Arten oder Prozessen zusammengesetztes Ganzes. Die Besonderheit liegt
darin, dass die zusammengebrachten Elemente für sich schon Lösungen
darstellen, durch das Zusammenbringen aber neue, erwünschte Eigenschaften
entstehen können.

Auch wenn das Zusammenbringen verschiedener Subsysteme geradezu ein
Prinzip von Systemen ist, meiden Systeme eher solche Hybrid-Lösungen.
Denn ein Hybrid bringt mit sich, dass Doppel- oder Mehrfachlösungen für
die gleiche Funktion eingesetzt werden, die einen jeweils
unterschiedlichen inneren Aufbau besitzen.

Systeme sichern ihre Existenz jedoch eher aus der Mehrfachverwendung
gleicher Teile für die gleiche Funktion (Redundanz) oder das
Zusammenbringen von unterschiedlichen Subsystemen für unterschiedliche
Ziele.

Für den Kampfsportbereich wird hier angesetzt, denn es werden
Techniken, Prinzipien, Methoden aus anderen Stilen herangezogen
und unter einem neuen Dach vereint. Wichtig ist hierbei, dass nicht
wahllos etwas zusammengewürfelt wird. Im neuen (Hybrid) - System
muss ein roter Faden erkennbar sein, unter dem die Dinge vereint werden.
Gerade im SV -Bereich werden Stile oft "verschlankt" und vereinfacht.
Dies dient dem schnelleren Erlernen, da nicht zig, nicht endenden Techniken,
gelernt werden müssen.

Hybriden sind nicht ganz so "traditionell" wie die "alten"
Stile. Sie sind auch häufig mit modernen Trainingsmethoden wie z.B. dem
"Szenariotraining" oder dem "Stresstraining" erweitert. Eine weitere (Ver-) Änderung
stellt auch der Einsatz von Vollschutzanzügen, dem sogen. "Model
Mugging" dar, welches das Nachstellen realistischer Nahkampfsituationen
ermöglicht, ohne dass Rücksicht auf Verletzungen genommen werden muss.

Es wird häufig behauptet, Hybrid - Stile seien auf das Wesentliche
reduziert. Sie wären ohne "Schnickschnack", Zeremonien oder ohne
esoterisch angehauchte Mentalübungen, aus längst vergangenen Zeiten.
Das ist nicht so ganz richtig.

Es gibt auch viele Hybridstile, die eine traditionelle Ausrichtung haben
und sich an die Vorgaben / Werte, der Stile aus denen sie sich bedienen,
halten.

Die Ursprünge:

Man kann eigentlich behaupten dass alle Kampfsportarten der letzten 100
Jahre mehr oder weniger, Hybride sind. Sie sind zusammengefügt oder
oft auch selbst Reduzierungen aus anderen (Hybrid-) Systemen. Es kommt
eben immer auf die jeweilige Ausrichtung und die Ideale an, die
der "Gründer" in seinem System verwirklichen möchte.

Einige "Gründungsjahre":
Judo= ca. 1882 (mit Gründung des Kodokan ?)
Shotokan - Karate = ca. 1905
Goju Ryu - Karate = ca. 1903
Tae Kwon Do = ca. 1955
Ju Jutsu (Das Deutsche) = 1967
Kickboxen = ca. 1975

Aus werbestragegischen Aspekten wird sich aber gerne auf jahrhundert
oder gar auf jahrtausend alte Traditionen berufen.

Der Mensch verfügt meistens über zwei Arme und zwei Beine. Damit sind die
Möglichkeiten schon mal sehr eingeschränkt. Nun ist wichtig wohin der Gründer
mit seinem System möchte und was er für "effektiv" hält. Nicht alles was man als
"effektiv" benennt ist es auch. Will ich KampfSPORT, KampfKUNST oder gar
Selbstverteidigung machen, muss ich die Schwerpunkte eben in eine
Richtung verstärken. Natürlich gibt es auch Hybriden, in denen mehr oder
weniger alle genannten Aspekte vorhanden sind.

Als Beispiel nenne ich hier mal das moderne Judo. Dieses wurde über die
Jahre nur auf Wurf-, Halte-, Hebel-, und Würgetechniken reduziert.
Es verfügte ursprünglich aber noch über
Tritt-, Schlag-, und Waffentechniken.

Wie erkenne ich denn gute Hybride?

Diese Frage ist schwieriger zu beantworten, als man glauben mag. Als Laie hat
man meisten nicht die Erfahrung, wichtige Aspekte und Unterschiede im Training zu
erkennen bzw. zu deuten. So gibt es natürlich auch System die - um es mal böse zu
formulieren - wild alles durcheinander gewürfelt haben. Da wurden ohne
Sinn und Verstand alles zusammen geschraubt, was man kennt. Wenn man
sich die Sache dann mal genauer ansieht, erkennt man, dass sich einige
verwendete Prinzipien widersprechen, Methodiken unsinnig sind und/oder
strukturelle Fehler vorliegen.

An dieser Stelle ist dann auch Zeit, darauf aufmerksam zu machen, dass
Kampfsport/Kampfkunst/SV ein riesiger Markt ist und
viele schwarze Schafe das schnelle Geld riechen.

So kommt es dann auch oft zu selbsternannten Meistern/Sifus/Trainern, die
eigentlich gar nicht über die geeignete Erfahrung verfügen. Sie möchte
aber das schnelle Geld verdienen und sprichwörtlich "etwas vom großen Kuchen
abhaben." Da wird dann kurzer Hand etwas "Eigenes" entwickelt. So etwas hat
meistens aber keinen Bestand und spricht sich schnell rum. Leidtragende sind dann aber
immer die "Neuen", die mit so einem Hybrid anfangen und es dann solange
trainieren, bis ihnen die Augen geöffnet werden.
Dies ist aber ein anderes Thema, über das ein anderes Mal referiert werden soll.

Fazit:
"Moderne" Systeme/Stile müssen nicht zwangläufig schlecht sein, nur weil
sie neu sind. Gleiches gilt für Hybrid - Stile.

Die Zeit wird zeigen inwiefern das System/der Stil in der Lage ist, sich
durchzusetzen.

Ein Mitglied im KKB schrieb recht treffend:

"Kampfsport, SV- Systeme sind so unterschiedlich wie die Sprachen der
Welt. Dazu gibt es noch ganz unterschiedliche Dialekte und nicht zu
vergessen den "Slang" der Jugend. Gesprochen wird hier mit dem
persönlichen Bewusstsein und Wissen, mit den Händen und Füßen. Wer das
begreift versteht auch, warum es immer wieder neue "Stilrichtungen,
Systeme gibt". "


Hier ist die Diskussion: http://www.kampfkunst-board.info/for...id-stil-90303/

Aktualisiert: 20-02-2009 um 14:12 von Sven K.

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