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Kampfkunst Kurzgeschichten

Fighter Mum - Teil 2

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Ein kritischer Blick zu ihrem Gesicht sorgte auch für ein zufriedenes Nicken. Constanze hatte schon immer auf ihr Äußeres geachtet. Das fiel ihr auch relativ leicht, war sie doch mit einer exotisch anziehenden Erscheinung gesegnet. Dieses verdankte sie ihrer afro-amerikanischen ‚Mum‘. Das helle Braun ihrer Haut verriet nicht nur ein afrikanisches Erbe in ihrem Stammbaum, sondern half der Schönheit auch das chronische Schlafdefizit junger Mütter zu übertünchen.
Mit hektischer Eile in ihren Bewegungen prüfte Constanze, ob sie auch wirklich alle benötigten Utensilien für das heutige Turnier in die Trainingstasche gepackt hatte. Schutzausrüstung und Kampfanzug, Sachen zum Wechseln und den Vereinsausweis hatte sie akribisch mit den weiteren Punkten auf ihrer Liste bereits verstaut. Nun kamen noch frische Pausenbrote, zwei Trinkflaschen und Zahnpflegekaugummis hinzu. Fehlte noch etwas? Constanze schüttelte den Kopf und bereitete das Frühstück vor.

„Du musst jetzt aufstehen, Tiger“, sagte sie und rüttelte den Kämpfer an der Schulter.
Dieser hatte nicht nur das Äußere fast vollständig von seinem Vater übernommen, sondern auch dessen Schlafgewohnheiten.
„Ich mag noch nicht aufstehen“, maulte Joshua und versuchte sich unter der Decke zu verstecken.
„Nichts da!“, wurde die Mutter nun deutlicher. „Du wolltest unbedingt hin! Also raus aus den Federn!“
Es dauerte mehr als eine Viertelstunde, ehe Constanze ihren Filius soweit hatte, dass er am Tisch saß und sein Müsli in sich reinschaufelte. Ihre Blicke zur Uhr erfolgten nach weiteren zwanzig Minuten in immer kürzeren Abständen.
„Josh, du musst dich jetzt echt beeilen“, warnte sie. „Wir haben fast drei Stunden zu fahren und wollen zwischendurch ja noch eine Pause machen.“
„Ja“, antwortete der Sohn, ohne irgendwelche Anstalten zu zeigen, sein Tun zu beschleunigen.
„Du freust dich doch auf dein erstes Taekwondo-Turnier oder nicht?“, kam es nun deutlich ungeduldiger. „Du wolltest doch, dass ich dich unbedingt anmelde, auch wenn es so weit weg ist. Also jetzt leg mal einen Zahn zu!“
„Ja“, erhielt sie wieder als Antwort.

Nachdem sie ihren Sohn ins Bad getrieben und zumindest zu einer kurzen Mundhygiene genötigt hatte, war das Anziehen im Schneckentempo die darauffolgende Hürde. Irgendwie gelang es ihr schließlich, mit dem kleinen Mann in die Garage zu gehen, die Sporttasche im Kofferraum zu verstauen und ihn in seinem Kindersitz festzuschnallen.
„So, dann geht es jetzt endlich los“, sagte sie und lächelte dem jungen Taekwondo-Athleten durch den Kinderspiegel an.
„Mama?“
„Ja, mein Tiger?“
„Ich muss mal Kacka“, verkündete Joshua.
Vielleicht hätte der nun abrupt aufflammende Zorn sogar dazu ausgereicht einen Mord zu begehen. Constanze war auf alle Fälle kurz davor herzhaft ins Lenkrad ihres Wagens zu beißen.

Fortsetzung folgt ...

Kommentare

  1. Benutzerbild von kickfire86
    Also bei dem Satz "Ich muss mal Kacka" musste ich herzhaft lachen Schön geschrieben!