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Kampfkunst Kurzgeschichten

Cobra Kai wirkt - Teil 3

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Schnellen Schrittes trat er genau vor den Achtjährigen und beugte sich zu ihm hinunter. Die Miene des Wing Chun-Lehrers wirkte versteinert. Seine Augen erschienen als feine Schlitze.
„Glaubst du allen Ernstes, dass du weißt, was abgeht?!“, föhnte er dem Burschen entgegen. „Du hast nicht einmal die leiseste Ahnung vom richtigen Weg! – Wir müssen dich ständig auf diesen zurücksetzen und trotzdem stolperst du immer wieder in die falsche Richtung! – Höre auf, zu denken, dass du schon ein Adler bist, Küken! – Lerne erst einmal zu gehen, dann kannst du anfangen, ans Fliegen zu denken! Entweder du hältst dich jetzt an die Übungen, ober ich verleihe dir Flügel. – Dann fliegst du aus der Gruppe!!“

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Allgemein übten die Kinder hiernach sehr konzentriert und eifrig. Ingmar sagte den Rest des Trainings kein Wort mehr. Susann bemerkte deutlich, dass seine Augen feucht waren. Nach dem Unterricht fing sie die Mutter des Jungen ab und erklärte die Situation ruhig und vermittelnd. Ihre Aussage lautete in etwa, dass er ein überaus lebhafter Schüler sei und viel Talent mitbringe, jedoch nun wirklich einmal eine klare Ansage gebraucht habe. Es würde sich schon alles finden. Das hoffte Susann zumindest. Die Mutter versprach, mit ihrem Sohn den Vorfall zu klären und verabschiedete sich.

Die Wing Chun-Trainerin wollte sich gerade ihrem Mann zuwenden, um mit diesem ein ernstes Wort zu sprechen, nachdem nun alle Kinder gegangen waren, da sah sie Ingmar mit seiner Mutter in der Tür stehen. Der Junge schaute direkt zu Juliano, der mit einem freundlichen Lächeln auf die beiden zulief. Susann schwante Übles und so eilte sie sich, hinzuzutreten. Sie erreichte die drei gerade in dem Moment, als sich Ingmar auffallend tief vor seinem Lehrer verbeugte.
„Es tut mir ganz dolle leid, dass ich heute wieder soviel Quatsch gemacht habe“, begann das Kind mit leicht zitternder Stimme zu erklären. „Ich entschuldige mich dafür bei dir, Sihing. Dass du und die Sije uns immer so super unterrichten, möchte ich auch sagen und dass ich von jetzt an auf das hören werde, was ihr sagt.“
Juianos Lächeln wurde zu einem deutlichen Strahlen.
„Es freut mich sehr, dass du das nun versprichst“, antwortete der Kampfkunstlehrer. „Die Sije und ich führen dich gerne weiter auf deinem Weg. Und ich denke, bald wird er dich auch in die Gruppe der Älteren bringen, wenn du fleißig und ordentlich mit trainierst. Habe bis dahin nur noch etwas Geduld. Wir müssen sichergehen, dass du schon dort hineinpasst.“
Ingmar strahlte nun ebenfalls und wirkte sichtlich erleichtert. Zum Abschied verbeugte er sich erneut tief und verließ mit seiner Mutter die Trainingshalle.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du mit diesem Donnerwetter derart erfolgreich bist“, gestand Susann ein, als nur noch Juliano sie hören konnte. „Ich habe bereits die Abmeldung kommen sehen. Das war so gar nicht Mister Miyagi.“
„Das war er zumindest nicht ganz“, erwiderte ihr Mann mit einem Grinsen und wiegte dabei leicht den Kopf. „Die Fliegenmetapher ist allerdings von ihm gewesen. Der Rest entsprach Cobra Kai. Und wie seit der 4. Staffel der Serie bekannt ist, musste selbst sein Meisterschüler Daniel LaRusso erkennen, dass es bei hartnäckigen Fällen wirkt.“
Da nahm Susann ihren Juliano lachend in die Arme.

Ende.

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Die Idee zu dieser Kurzgeschichte kam mir bei der aktuellen, finalen Überarbeitung meines nächsten Romans, der sich ums Wing Chun drehen wird. Da das Thema keinen Platz in der Handlung gefunden hat, teile ich es auf diesem Wege mit Euch.

Herzliche Grüße

Euer Konrad Gladius

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