"Der Schwergeselle" Leseprobe - Teil III
von am 10-12-2025 um 09:56 (2346 Hits)
In einem feierlichen Gottesdienst ernannte mich der Priester am Altar zum Schildknappen. Als Zeichen hierfür erhielt ich ein geweihtes Kurzschwert und folgte Ritter Wilhelm von jetzt an auf Schritt und Tritt. Meine Aufgaben änderten sich schlagartig. Nun versorgte ich die Pferde des Rittervaters und pflegte seine Ausrüstung. Ich lernte zudem die Jagd kennen. Es ging auf die Pirsch, die Hetz- und die Treibjagd. Dabei zeigte er mir den dafür notwendigen Umgang mit Hunden und Falken.
An erster Stelle stand jedoch die Übung mit scharfen Waffen. Ich lernte vom Pferde aus zu kämpfen und mit der Lanze umzugehen. Für das Lanzenstechen erwies sich der Schildknappe als nicht besonders begabt. Ritter Wilhelm bezeugte mir, hier fortwährend nur Mittelmaß zu sein. Beim Tjosten auf einem Turnier würde ich, falls ich mich nicht anstrengte besser zu werden, sicher alsbald den Boden küssen, meinte er stets. Doch selbst er kam nicht umhin, von meinen Fähigkeiten mit dem Schwert beeindruckt zu sein. Und so verbrachten wir bald mehr Zeit auf dem Fechtplatz als auf dem Reiterfeld. Durch diese Übungen gewann ich schließlich das Vertrauen des Ritters und er ließ mich sogar auf seiner Türschwelle schlafen, um ihn des nächtens zu bewachen.
Ich war mir sicher, dass mein Herr mich, Ludger Martin von Reischach, zu einem gottgefälligen Rittersmann erziehen würde. Doch dies sollte nicht geschehen. Im entscheidenden Moment versagte mir der Mut und ich vergaß, was die Pflicht gegenüber meinem Herrn von mir verlangte. Ich hatte geschworen ihm zu dienen und seinem Befehl zu folgen. Ebenso war es demnach mir geboten, ihm beizustehen. Ich beraubte mich durch Feigheit damit bereits als Schildknappe aller künftigen ritterlichen Eren und lud schwere Schande auf mich. Das Ansehen des Knappen von Reischach stand in Gefahr, auf immer verloren zu sein. Niemals mehr könnte dieser ein Ritter werden. Doch dann erschien mir der Herrgott und sandte mir ein Zeichen. Von dieser Aventiure, meiner ritterlichen Bewährungsprobe, will ich euch nun berichten ...
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„Der Schwertgeselle“ ist eine mittelalterliche Abenteuergeschichte, welche auch für den Schulunterricht geeignet ist. Ziel war es ein Buch zu schreiben, welches alternativ zum Nibelungenlied und zum Verständnis des Mittelhochdeutschen im Fach Deutsch gelesen werden kann. Gleichzeitig ist das Thema natürlich perfekt dazu geeignet gewesen, etwas für die HEMA- und Waffenkampfbegeisterten zu erschaffen. Hier sprechen wir über das Buch:
https://www.kampfkunst-board.info/fo...tgeselle%C2%93




