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Kampfkunst Kurzgeschichten

Straßenduell - Teil 3

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Die Sonne schien warm vom Himmel und so versammelten sich die vier Freunde im großen Garten von Jörgs Eltern, um zu trainieren. Zwei Handpratzen und ein großes Schlagpolster hatten die Kampfkünstler zusammen organisiert. Doch bevor diese genutzt wurden, begann Klaus seine wohl einstudierte Ansprache.

„Also Thomas, zuerst etwas Grundlagenwissen für Dich vorab.“
Der Angesprochene spitzte aufmerksam die Ohren.
„Bei einem waffenlosen Zweikampf gibt es fünf grundsätzliche Distanzen: Tritte, Armtechniken, Knie- und Ellenbogen, Würfe und der Bodenkampf. Im Prinzip hat jeder existierende Kampfstil ein bis zwei Distanzen, in denen er sich besonders gut auskennt. Die Konzepte des Stils sind dann darauf ausgelegt, den Gegner in die gewünschte Distanz zu bringen und dort zu halten. Gelingt das, so ist man im Vorteil und hat eine bessere Chance die Auseinandersetzung für sich zu entscheiden.“
Klaus blickte zu Berkan und dieser nahm den Faden auf.
„Ich habe vor einigen Monaten mal bei einer Keilerei mitgemacht, wo Georg auf der anderen Seite war“, sagte Berkan. „Er hat absolut harte Fäuste und mit den langen Armen eine üble Reichweite. Allerdings ist er etwas langsam auf den Füßen. Wenn es ihm zu eng wird, dann packt er seinen Gegner und schmeißt ihn zu Boden. Georg also ein Monster in der Armdistanz und bei den Würfen, Alter.“
„Hier setzt nun unser Trainingsplan für Dich an, Kumpel“, sagte Jörg. „Wir werden Dich in drei Distanzen fit machen, so dass Du einige Überraschungen parat hast.“

„In drei?!“, rief Thomas und blickte zu Klaus. „Gerade hast Du doch gesagt, dass ein Kampfstil nur in zwei Distanzen gut ist.“
„Absolut richtig“, bestätigte Klaus. „Meistens sogar nur in einer. Aber das ändert nichts daran, dass wir für Dich ein Trainingsprogramm zusammengestellt haben, das genau diese Gesetzmäßigkeit durchbricht. Wir sind keine Meister. Berkan ist kein Sensei, Jörg kein Gyosa und ich kein Sifu, aber wir haben genug Wissen, um Dir jeweils zwei bis drei Konzepte zu geben, mit denen Du eine bessere Chance hast als ohne.“
„Das heißt, Ihr wollt mir nur sechs bis neun Sachen beibringen?“, fragte Thomas vorwurfsvoll. „Das reicht doch niemals?!“
„Fürchte nicht den, der 10.000 Techniken kann, sondern den, der seine Technik 10.000 mal geübt hat“, sagte Jörg. „Ich glaube, das ist von Bruce Lee.“
„Ich werde aber weder 10.000 Techniken können, noch eine 10.000 mal bis in ein paar Wochen geübt haben“, maulte Thomas.
„Eh, Alter, was willst Du eigentlich“, schimpfte Berkan. „Wie haben nicht gesagt, dass Du hier die David-gegen-Goliath-Nummer nachspielen sollst, Mann!“
Thomas hob beschwichtigend die Hände.
„Weniger ist oft mehr“, sagte Klaus. „Und unser Konzept könnte tatsächlich funktionieren.“
Klaus nickte wieder in Richtung von Jörg.

„Ich werde Dir zwei Tritte und etwas Schrittarbeit beibringen“, sagte Jörg. „Für uns geht es darum, dass Du Georg erstmal auf Distanz hältst, mit Deinen Tritten zermürbst und weg von seinen Fäusten bleibst.“
„Danach komme ich ins Spiel“, sagte Klaus. „Ich zeige Dir, wie Du die Armdistanz unterlaufen kannst und ganz nah am Gegner Wirkungstreffer landest. Dabei konzentrieren wir uns auf einfache Techniken.“
„Sollte der Drecksack Dich zu Boden bringen, zeige ich Dir, wie Du Deinen Hintern da raus bekommst und schnell wieder auf den Füßen bist“, sagte Berkan. „Danach beginnt der Tanz von vorne.“
Thomas runzelte die Stirn.
„Und Ihr meint, das könnte funktionieren?“
„Nee, Alter“, sagte Berkan kopfschüttelnd. „Aber so gehst Du wenigstens erhobenen Hauptes unter und wirst nicht zu schlimm verletzt.“

Fortsetzung folgt ...

Aktualisiert: 04-04-2018 um 17:38 von Magister Scriptor

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Kommentare

  1. Benutzerbild von Geheimrat Heinrich
    Hoffentlich findet der Kampf statt, nicht dass der Nerd noch nen Rückzieher macht.