Moin Oxford,
erst mal danke für den super Beitrag. Jetzt hast für mich wieder neue Fragen aufgeworfen ...
Zitat:
Original geschrieben von Oxford
Das Ganze soll übrigens keine Lösung sein, sondern nur ein paar Denkanstösse für die östliche Denkweisen...
Das hat mich schon mal schwer beeindruckt ... :respekt:
Zitat:
Original geschrieben von Oxford
1. Buddhas "erstes Gelübde" oder "erste Norm": Nicht-Töten
Die Interpretation davon ist aber sehr weitreichend.
Erstens heisst es einfach mal "keinen Menschen töten" resp. nach Buddha "kein Lebwesen, dass atmet töten". Es heisst aber auch niemanden anders zum Töten verleiten. Z.B. wollte ein Mönch einmal ein Fell eines Kälbchens. Da das Kälbchen von einem anderen getötet werden sollte, sah er für sein Karma kein Problem. Buddha erklärte ihm darauf, dass dieses Veranlassen von Töten gleichgesetzt wird, als würde der Mönch das Kalb töten. Auch das willentliche Essen (z.B. Gier) von Fleisch sei töten. Hingegen sei das unwillentliche Essen von Fleisch (Fleisch von Spenden) "Nicht-Töten".
Nicht-Töten gilt für alle Lebensbereiche auch für Notwehr, Gesetz und Krieg. Und selbst die Absicht jemanden zu töten fällt schon unter das Töten.
Das ist mir alles bekannt, einzig die Stelle mit der "Spende" kenne ich nicht und mich würde interessieren ob dies schon in der Lehre des historischen Buddha vorkam oder erst später angefügt wurde?
Sprich ... ist es eine Interpretation oder das Original und wo steht es? Würde mich wirklich sehr interessieren!
Zitat:
Original geschrieben von Oxford
Was passiert aber, wenn man diese Norm nicht einhält?
Es wirkt sich schlecht auf das eigene Karma aus. Konkret, wenn man tötet, wird dies gespeichert und man wird in Zukunft selbst getötet. Jemand der aber nun schon ein gutes Karma hat, bei dem wird dieser Fall schnell eintreten, was heisst, dass die Schuld schnell abgetragen wird. Jemand der schon ein schlechtes Karma besitzt, bei dem wird es lange dauern (mehrere Leben), es geht also lange, bis die Schuld abgetragen ist.
Das bedeutet, jemand der getötet hat, wird ein langes, aber dafür Leidvolles Leben haben?
Zitat:
Original geschrieben von Oxford
Buddha vergleicht dies mit dem Reifen eines Apfels. Irgendwann ist der Apfel reif und er fällt zu Boden. Der Zeitpunkt wo er fällt hängt von der inneren Eigenschaft des Apfels ab.
Das würde bedeuten, ein Kind das Tod zur Welt kommt oder bei der Geburt verstirbt wäre ansich schon ein Wesen mit dem besten Karma?
Zitat:
Original geschrieben von Oxford
Es gibt Rechtfertigungen zum Übertreten dieser Norm:
Eine davon ist z.B. "Töten aus Mitleid"
Z.B. soll/darf ein Angreifer, Wegelagerer etc. getötet werden. Der Angreifer etc. hat selbstsüchtige willentliche Gründe für das Angreifen von unschuldigen Dritten. Aus Mitleid mit dem Angreifer (nicht etwa mit den Opfern!), der durch seine Tat sich Höllenstrafen zuzieht (zusätzlich zu seinem eh schon schlechten Karma), soll man den Angreifer töten und so seine Untat auf sein eigenes Karma übernehmen. Bei diesen Bild dachte Buddha vor allem an die erfahrenen Krieger, die auch einen Grossteil seiner (ersten) Anhängerschaft ausmachten.
Diesen ehtischen Grundsatz kenne ich gar nicht! Ist dieser tatsächlich auf den historischen Buddha zurück zu führen und wo ist dieser dokumentiert?
Zitat:
Original geschrieben von Oxford
Natürlich kann man diese Rechtfertigung auch zu missbräuchlichen Zwecken brauchen und es gibt verschiedene Auslegungen in den verschiedenen Richtungen...
Typisch Mensch!
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Original geschrieben von Oxford
2. Um weiter Kriegskunst und Buddhismus zu vergleichen, sollte man etwas über das "östliche Menschenbild" wissen.
Der Mensch besteht aus sechs oder sieben (je nach Modell...) "Sphären". Hier einmal ein siebenstufige Modell (von aussen nach innen resp. entwicklungstechnisch von 1 nach 7):
1. Physikalischer Körper
2. Astraler Körper
3. Prana (= jap. Ki, chin. Chi oder Qi)
4. Instinktiver Verstand/Sinn/Herz (genaue Übersetzung hier ist schwer)
5. Intellekt
6. Spiritueller Verstand/Sinn/Herz
7. (reiner) Geist
Die Entwicklung im Buddhismus (egal welche Richtung) läuft von 1. zu 7. Man muss Stufe um Stufe erklimmen, durch Übung des Körpers, durch rechtes Handeln, durch Kontrolle des Körpers, durch Schulung des Geistes, durch Kontrolle des Geistes, durch das "Loslassen zum Nichts".
Die Entwicklung in der Kriegskunst läuft ebenfalls von 1. zu 7. und dies unabhängig, ob man einer Religion/Philosophie angehört oder nicht. Wenn man einen Sun Tzu liest, führen seine Kriegsstrategien von 1. bis 7., also von rein physikalischen Dingen wie Festungsbauten bis zum Sieg durch das "Nicht-Kämpfen". Die physikalischen Ausführungen unterscheiden sich zwar, ab den "geistigen" Stufen (d.h. ab 4.) ist es ziemlich gleich. Durch das erreichen von "Intuition" und Erfahrung wurde man ein besserer Krieger, jeder Krieger macht also hier auch eine Art geistige Entwicklung durch, im Idealfall bis zu dem Punkt, wo seine "Ausstrahlung" so stark ist, dass niemand es mehr wagt, gegen ihn zu kämpfen.
Der Vergleich mit Sun Tzu ist klasse ...
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Original geschrieben von Oxford
Im Zen läuft die Entwicklung auch so, sei es Zen durch reine Meditation oder Zen durch Kampfkünste.
Das ist Einer der Punkt ... nach der Lehre Buddha war ja ein GEWALTFREIER WEG vorgegeben, d.h. dies würde sich im Zen-Buddhismus im Zen durch Meditation widerspiegeln.
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Original geschrieben von Oxford
Bei dem Kampfkünsten kann man Takuan erwähnen, der in seinen Briefen die Verwirklichung von 7. den bewegungslosen Geist = der Geist der nirgends Rast macht, beschreibt. Der ganze Ausbildungsweg begann aber mit rein körperlichen (Waffen)Übungen (=1.).
Hat Takuan auch die Intention beschrieben ... das Warum der Ausbildungsweg mit rein körperlichen Übungen und hier vor allem Waffenübungen begann?
Zitat:
Original geschrieben von Oxford
Kriegskunst war früher unabhängig zum Buddhismus. Da aber durch beide die gleiche menschliche Entwicklung erreicht wurde/wird, ist die "Zusammenfassung" beider Tendenzen doch nachzuvollziehen. Man durchläuft mit beiden einen gleichen Prozess.
Ich gehe mit Dir konform, dass der Mensch "GLEICHE" Prozesse durchläuft ... jedoch sind die Wege unterschiedlich, deshalb ist für mich die "Zusammenfassung" (Verquickung, Verknüpfung usw.) nicht nachvollziehbar. Sie entbehrt meiner Meinung nach jeder Logik! Nicht in Teilbereichen, dass habe ich ja bereits geschrieben. Ich bin der Auffassung, dass ein Krieger sich in jedem Fall alles zu Nutzen machen soll was ihm hilft sein Ziel zu erreichen. Auch, wenn dies sich auf Lehrinhalte des Buddhismus bezieht!
Zitat:
Original geschrieben von Oxford
Oft wird immer nur die eine Richtung angeschaut:
O ->
O = Krieger
-> = Kämpfen, töten (in Richtung des Pfeils)
Aber wieso überschaut man oft folgendes reflexives Bild:
O <-
D.h. nicht etwa: Man wird angegriffen und man verteidigt sich, sondern vielmehr, dass man sich mit dem Kampf auseinandersetzt, also schlussendlich mit dem eigenen Tod. Die Kriegskunst geht nicht (nur) von mir aus, sondern kommt auch auf mich zurück. Nur durch Beherrschung von Kriegskunst, wird man sich bewusst, was die einem selbst "antun" kann.
Dies habe ich mir immer schon vor Augen gehalten und mir ist durchaus bewußt, dass genau dies eben ein wichtiger Faktor ist. Deshalb sehe ich das Einbinden von Praktiken (Übungen) die dem Buddhismus (der Lehre Buddha) entspringen in die Lehre der Kriegskunst auch nicht als Problem. Umgekehrt aber sehr wohl!
Zitat:
Original geschrieben von Oxford
Jeder Mensch hat Ängste. Im östlichen Menschenbild spricht man da "vom Biest im Menschen". Das Biest zeigt sich durch Ängste (Flugangst, Existenzangst, Platzangst, Albträume usw.). Die tief zu Grunde liegende Angst resp. Ursache (=Biest) ist aber die Todesangst (negative Formulierung) oder das Bewusstsein, dass das Leben das höchste Gut ist, der Hang am Leben (positive Formulierung). In der Meditation macht man eigentlich nichts anderes, als sich diesem inneren Biest zu stellen und den Gedanken daran loszulassen (indem man Schritt um Schritt die anderen Gedanken "abbaut").
Ja ... das sehe ich wie Du! Meditation ist letztlich auch ein "In sich kehren", mit sich selbst auseinandersetzen usw. usf.
Zitat:
Original geschrieben von Oxford
Im Kampf oder in der Kriegskunst geht es schlussendlich auch darum, nicht zu verlieren d.h. das Leben nicht zu verlieren, man muss sich der Todesangst stellen. Da Biest = Todesangst, beide - Meditation und Kampf - machen also das selbe. Durch das Üben der Kampfkünste resp. der Kriegskunst wird man an die Grenze von EIGENEM Leben und EIGENEM Tod gebracht. Dasselbe passiert im Buddhismus oder Zen, einfach auf eine andere Art. Man ist somit ein Krieger gegen sich selbst. Man bekämpft sich selbst, seinen eigenen Geist (ich glaube Deshimaru sagt "tötet den Geist").
Man muss sich halt vielmehr die Frage stellen, wer der Gegner ist. Auf dem Schlachtfeld haben wir einen realen Gegner. Aber ist der wirklich so real oder doch nur eine Projektion unserer selbst? Wenn du ämpfst, kämpfst du dann in Wirklichkeit gegen deinen Gegner oder gegen deine Todesangst, also gegen dein inneres Biest? Oder positiv formuliert: Du kämpfst doch vielmehr um etwas an dem du hängst (z.B. dein Land, Besitz, dein Leben usw.). Und schlussendlich ist dies doch alles ja dein Leben. Dies alles ist unabhängig von irgendeiner Religion oder Philosophie, aber es ist der selbe Entwicklungsprozess und das selbe Ziel, wie im Buddhismus.
In diesem Fall ist es trotz allem eine eher philosophische Betrachtung (wobei mir auch hier der Begriff Krieger nicht gefällt) und diese stelle ich auch nicht in abrede. Im übrigen, auch keiner der anderen Beteiligten.
Also noch einmal ... [b]Ich empfinde das Einbinden von Praktiken (Übungen) die dem Buddhismus (der Lehre Buddha) entspringen in die Lehre der Kriegskunst nicht als Problemematisch. Umgekehrt aber sehr wohl! Es ist nach der Lehre Buddha ansich nicht möglich!
Gruß :winke:
Mike