Hallo Drax,
das seh ich streckenweise ebenso. Was macht denn den Kampfsport aus? In meinen Augen doch nicht das sich gegenseitig verprügeln. Ja, viele sehen das als Tor dorthin. Und natürlich diente und dient Kampfsport auch der Verteidigung. Man sollte also schon kämpfen können.
Aber: Letztendlich ist Kampfsport wie von Dir beschrieben ein ständiges Wiederholen. Dabei geht es nicht um das Wiederholen ansich. Oder die Anzahl der Wiederholungen. Sondern um das Verinnerlichen. Das Selbstverständlich werden. Das nicht mehr über die Details nachdenken müssen. Das Weiterentwickeln. Ich hab vor ca. 6 Wochen eine Prüfung gehabt. Und noch 3 Tage vorher, bei meinem letztenn Training auf die Prüfung, hat meine Meisterin noch Korrekturen vorgenommen und Verbesserungsvorschläge gemacht. Weil nämlich - egal wie weit man ist, egal welchen Rang man hat - es gibt immer noch was zu lernen, auszubügeln, zu verfeinern. Das kann ich nur machen wenn die Bewegung und die Technik mir so selbstverständlich geworden sind, das ich mich auf die Feinheiten konzentrieren kann und muß. Denn den Unterbau habe ich, da muß ich nicht mehr drüber nachdenken. Und viele Feinheiten werde ich erst sehen, wenn ich die aktuellen Feinheiten gemeistert habe. Der Unterbau wird mit der Zeit immer größer, die Feinheiten werden aber nie weniger.
Damit ist der Kampfsport (egal welcher) ein ständiges Lernen. Was letztendlich auch den Charakter weiterbildet. Denn diesen Fortschritt kann man nicht machen, wenn man sich nicht permanent in Geduld übt. Verbunden mit der Bereitschaft anzuerkennen, das ich mit meiner Ausbildung noch lange nicht fertig bin.
Von daher wird mir auch immer ganz anders bei diesen "Selbstverteidigung lernen in 3 Wochen"-Kursen. Das KANN gar nicht funktionieren! Erstens lerne ich Selbstverteidigung nicht in 3 oder 6 Doppelstunden. Und außerdem reicht es natürlich nicht aus, solch einen Kurs irgendwann mal gemacht zu haben. Das muß man üben. Ständig. Sonst bekommt man im Ernstfall (der mir trotz meines Alters zum Glück noch nie passiert ist) mächtig eins in die Fr... Weil man in totaler Selbstüberschätzung an die Sache rangegangen ist und den Angreifer damit nur noch mehr provoziert hat.

