Ich finde es gar nicht so schlimm, dass du das nicht einsiehst. :) Ich würde übrigens bevorzugen, wenn man dafür sorgt, dass das Gesundheitssystem nicht nur nicht kollabiert, sondern auch nicht an den Rand des Zusammenbruchs kommt. Mit steigender Belastung steigt die Zahl der Toten, nicht erst am Punkt des Zusammenbruchs. Dazu gibt es ziemlich eindeutige Untersuchungen und zwar schon seit lange vor Covid-19.
Kann man so sehen, ist in meinen Augen aber nichts weiter, als ein nettes Gedankenspiel, das von der Gesamtschau eher abbringt. Ist bisschen wie zu sagen, durch den Klimawandel schmilzt das Eis am Nordpol, das ermöglicht kürzere Schiffsrouten und das ist ja letztlich dann wieder gut. Es ist ja doch recht unbestritten, dass die Länder, die Containment am strengsten verfolgt haben im Schnitt am besten bisher davongekommen sind. Beispiel China vs USA. Zudem, die Leute bewegen sich in ihrem Alltag ja in einem gewissen Umkreis sowieso. Beispiel Kinder zur Schule, zur Arbeit und dann einkaufen und nach hause. Diese Wege sind ohnehin da, zumindest so lange es keinen Lockdown gibt. Bewegungsfreiheit einschränken bedeutet also in dem Zusammenhang die Ausflugsfreiheit einschränken. Bisschen wie der Versuch, zu verhindern, dass Tumorzellen in gesunde Bereiche streuen. Könnte man effektiv verhindern, dass Krebszellen z.B. übers Blut streuen, dann wären so gesehen natürlich in Summe mehr Krebszellen im Bereich des Primärtumors, dennoch vllt gut, wenn der Darmkrebs nicht in Leber oder Lunge streut.... Klar, ist natürlich keine ganz so schöne Analogie, verdeutlicht aus meiner Sicht aber den Sinn ganz gut.Zitat:
Außerdem kann man es auch andersrum sehen. Je mehr ich die Bewegungsfreiheit einschränke, umso mehr verstärke ich Cluster. Hier im München sind die Restaurants oder Fitnessstudios derzeit gut gefüllt (weswegen wir da momentan nicht hingehen). Vielleicht wäre es besser, ein paar von denen würden an der Ostsee oder im Schwarzwald spazieren (oder sogar in der Sierra Nevada wandern) gehen.
Dann weist du hier aber auf ein "Problem" hin, dass es faktisch nicht gibt. Die Mehrheit der Leute steht ja hinter den Maßnahmen, wie du mit den Verweis auf Umfragen selbst einräumst. Auch dein Verwandter, wie du selbst schreibst, nimmt hat seine Reiseeinschränkung akzeptiert, was ich auch gut finde.Zitat:
Davon abgesehen ist das für mich ein Indiz, dass Politik und Medien mit dem Dauergewarne die Mehrheit der Leute verloren haben. Egal, was die in irgendwelchen Umfragen erklären. Ein Problem auf das ich hier schon vor Monaten hingewiesen hatte.
Die Zählung der Toten ist erstmal eine Zählung der Toten und nicht mehr. Immerhin aber eine Zählung, das ist bei der Grippe etwas anders. Vergleicht man die Zahl der laborbestätigten Grippetoten mit der Zahl der laborbestätigten Covid-19-Toten, wird eigentlich deutlich, dass es hier gewisse Unterschiede gibt. Daher schwächt der Vergleich in dem Falle deine Argumentation aus meiner Sicht durchaus. Hinzu kommt, dass sich Grippe im schweren Verlauf klinisch doch anders präsentiert und man bei der Grippe Erfahrungen hat, die man bei Cov (noch) nicht in dem Maße hat. Da sind am Beginn der Pandemie sicher einige gestorben, die heute bessere Chancen hätten. Der Verglecih von Cov zu Grippe ist dann schlecht, wenn er zu einer Banalisierung von Cov führt und das ist etwas, was ich doch recht häufig hier gesehen habe. Natürlich ist Sars-Cov-2 kein Killervirus, es ist aber ein Virus, an dem auch junge nicht vorerkrankte Menschen sterben können und es ist ein Virus, dass sich unter guten Bedingungen schnell genug ausbreiten kann, um so viele Schwerkranke zu generieren, dass deren Zahl unsere Bewältigungsmöglichkeiten überfordert. Damit ist das unterm Strich nicht banal.Zitat:
Die Zählung der Toten zählt ja eher zu einer Überschätzung. Aber zuallererst einmal, finde ich den Vergleich nicht hilfreich. Ich könnte ja (im wesentlichen zu recht) behaupten, Ebola sei 30x tödlicher. Aber dann wirst du mir (ebenfalls zu recht) vorhalten, das sei dafür nicht so ansteckend bzw. epidemisch. usw. usw.
Ein Äpfel-Birnen-Vergleich schwächt weder meine Argumentation, noch führt er zu irgendeiner Über- oder Unterschätzung von irgendwas. Er führt einfach nur in die Irre. Und das gilt für Aussagen wie „Corona ist nicht gefährlicher als die Grippe“ genauso wie „Corona ist 16x tödlicher als die Grippe“. Ich kann mich nicht erinnern, so etwas hier irgendwo behauptet zu haben.
Ich erwarte gar nicht, dass sich die Leute ständig und strikt an die Vorschriften halten und es ist auch okay so, weil die Situation entspannt ist. Wenn es so ist, dass die Leute sich einigermaßen dran halten, damit man ihnen nicht auf den Sack geht, reicht das vllt schon und ist mir grundsätzlich lieber, als rigoros durchgesetzte Maßnahmen, auch wenn ich auch für diesen Schritt wäre, wenn er wirklich erforderlich werden sollte.Zitat:
Der derzeitige Lagerkampf führt nur dazu, dass sich, was nach meiner Beobachtung bereits passiert ist, die Menschen der Sache überdrüssig werden und sich nolens volens halbwegs an die bestehenden Vorschriften halten und ansonsten machen, worauf sie Bock haben. Wie oben beschrieben: sie stopfen sich in ein enges, schlecht gelüftetes Restaurant an, wo sie 50cm voneinander entfernt, durch Plexiglasscheiben getrennt, gemütlich essen gehen aber sich brav am Eingang die Hände desinfizieren. Da braucht man sich doch nun wirklich nicht über steigende Fallzahlen zu wundern, oder?
Finde ich super und sehe ich völlig so wie du. Auch ich sehe nicht den Sinn in jeder Maßnahme, sehe punktuell, wo es zu wenig Maßnahmen gibt und leiste meinen Teil, um andere zu schützen, indem ich z.B. Abstand halte und in geschlossenen öffentlichen Räumen z.B. ne Maske trage.Zitat:
Ich halte zwar einige der Vorgaben für total hirnrissig. Deswegen gehe ich aber auch nicht gleich auf Corona-Partys, sondern halte Abstand und gehe nicht dahin, wo viele Leute sind.
Und an dem Punkt unterscheiden wir uns dann. Ich sehe keine Panik, weder jetzt, noch im Frühjahr wohlgemerkt. Ich sehe Menschen, die eine Panik herbeireden wollen oder sich auf Panik beziehen, ohne dass für mich eine reale Grundlage dafür erkennbar wäre.Zitat:
Genauso halte ich die Panik für übertrieben und Covid nicht für so gefährlich, wie es (teilweise) dargestellt wird.
Das ist richtig. Du hast aber nicht die Gefahr, dass plötzlich eine Flut von z.B. Herzinfarktpatienten das Gesundheitssystem zum kollabieren bringen.Zitat:
Auf der anderen Seite haben wir genauso andere schwere Krankheitsverläufe
Ja, kann man so sehen. Spricht auch für dich, das so zu sehen. Sieht aber nicht jeder so. Nicht jeder hat sowas wie ein Gefahrenbewusstsein/Risikobewusstsein. Und ich denke, nicht schlecht, wenn es da gewisse Vorgaben gibt. Gibt es anderswo ja auch. Ich fahre auch nicht mit 120 durch die 30er Zone, elbst wenn es keine 30er Zone wäre. Andere hingegen schon. Da ich es grundsätzlich begrüßenswert finde, wenn nicht ständig Kinder vor der Schule plattgefahren werden begrüße ich das Schild, auch wenn du oder ich es wohl nicht bräuchten.Zitat:
Am Ende ist es für mich eine Frage des persönlichen Risikomanagements. Etwas, das keine amtliche Regelungswut ersetzen kann. Das sollte einem versierten KS/KKler eigentlich vertraut sein.