Ich denke, wir müssen unterscheiden zwischen Trainern und Kämpfern.
Als Kämpfer ist man großem körperlichen Verschleiß ausgesetzt. Man muss immer körperlich fit sein, sonst kann man nicht kämpfen. Ständig Training auf hohem Niveau ist auf Dauer nicht gesund. Für die Muskeln ist das gut. Aber für die Gelenke ist es Gift. Jeder kann sich überlegen, ob er den Preis dafür bezahlen will.
Als Trainer ist das anders. Man trainiert mit. Aber natürlich nicht auf dem körperlich hohen Niveau, wie die Schüler. Das geht auch gar nicht, wenn man mehrere Klassen hintereinander trainiert und das vielleicht 5-6 Stunden am Tag. Das schafft niemand. Außerdem muss man ja noch die Schüler korrigieren.
Zudem war die körperliche Beanspruchung im Wing Chun traditionell nicht so hoch wie in anderen Arten und ist überhaupt nicht zu vergleichen mit top Sportlern heute. Wenn man sich überlegt, dass Yip Man sein Leben lang stark geraucht hat und er trotzdem wegen seiner Kampfstärke großen Respekt bei anderen Stilen hatte, wird schnell klar, auf welchem sportlichen Niveau sich das alles abgespielt hat.
Über Dan Inosanto kann ich nicht viel sagen. Er ist vermutlich genetisch stark bevorteilt und hat sein Training klug eingeteilt. Kämpferisch ist er mir nie besonders aufgefallen. Er kam mir immer vor wie eine Bewegungsablaufmaschine, die immer im selben seichten Tempo arbeitet. Fand ich jetzt nicht so inspirierend.
Aber sich mit 90 noch gut bewegen zu können, muss zwangsläufig jedermann großen Respekt abringen. Die meisten Menschen werden nicht so alt und wenn, ist das nicht selten eine Qual. Also: Hut ab!

