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Original geschrieben von Thorre
Das Problem bei Deiner Herangehensweise, Mike ist eben, daß Du die Sache sehr theoretisch siehst. Zum einen ist das Dein gutes Recht, zum anderen bleibt Dir auch nur diese Möglichkeit, da Du wahrscheinlich noch nie eine buddhistische Schule von innen gesehen hast. Falls ich mich täusche, korrigiere mich bitte.
Da ist er wieder, Thorre, der Kenner und Könner ... wieso sprichst Du eigentlich immer den ANDEREN etwas ab?
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Original geschrieben von Thorre
Bisher war die Diskussion noch nicht so weit entwickelt, aber da Du jetzt kurz die buddhistische Theorie vorgestellt hast, können wir nun wohl zum nächsten wichtigen Punkt in der Auseinandersetzung kommen: die Realität des Buddhismus.
Genau das, wenn es nach Dir gegangen wäre und Deinem üblichen Konzept, nämlich Deinem "Diskussionspartner" seine Kenntnis abzusprechen, wären wir noch keinen Schritt weiter ;)
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Original geschrieben von Thorre
Im Gegensatz zum ignoranten Buddhisten oder auch zum unbedarften Laien,
Unglaublich ... es ist gut Dich zu haben, da auf Dich dies alles nicht zutrifft!
"Wer andre kennt, ist klug.
Wer sich selber kennt, ist weise."
Tao te King
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Original geschrieben von Thorre
hat der reife Buddhist im Laufe seiner Entwicklung einige schmerzhafte Wahrheiten zu akzeptieren und zu verarbeiten. Man könnte diesen Prozeß als eine lehrreiche Heilung von Fiktionen beschreiben, die - wenn sie gründlich erfolgt - einen enormen Erkenntniszuwachs ermöglicht.
Buddha spricht von Erfahrung ... Erfahrung erlebt letztlich JEDER Mensch, daher werden solche Weisheiten wie diese
"Alle Wesen sind Buddhas, von Anfang an."
von Hakuin Ekaku Zenji erst nachvollziehbar! Jeder kann Buddha sein und werden!
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Original geschrieben von Thorre
Fiktion 1 - Im Buddhismus gibt es keine Dogmen
Falsch. Zumindest wenn man unter Dogma einen in der Praxis unumstößlichen Lehrsatz versteht. Die Lehre des Buddhismus ist voller Thesen, die für den buddhistischen Schüler praktisch unumstößlich sind. Kein buddhistischer Meister wird irgendwann zu seinem Schüler sagen: "Du meinst, Die Vier Edlen Wahrheiten sind Nonsens? Tja, laß mich mal kurz überlegen. Also, da könnte was dran sein."
Die Basis-Leitsätze sind nur dann keine Dogmen, wenn man bereit ist, sich aus der entsprechenden Schule zu verabschieden. Will man hingegen von einem Meister einer speziellen Schule unterwiesen werden, so muß man viele unumstößlich Regeln einfach akzeptieren, erst recht wenn man Anfänger ist. Das Beharren der buddhistischen Schulen auf diesen praktischen Regeln und philosophischen Leitsätzen ist dogmatisch, denn ein Schüler wird zwar zum persönlichen Durchdenken und Hinterfragen aufgefordert, aber egal, wie dieser Prozeß ausgeht, an den Regeln und Leitsätzen ändert sich nichts.
Ich habe noch nie gehört, daß eine Versammlung von Mönchen beschlossen hätte, die Aufsteh-Zeiten in einem Kloster zu verlagern. In Klöstern und Schulen herrscht keine Demokratie, sondern eine Art Diktatur.
FALSCH ... dies zeigt, dass es in Klöstern Regeln gibt, denen sich Möche "freiwillig" unterwerfen. Dies hat, da es dies u.a. auch im Christentum gibt, vorrangig nichts mit dem Buddhismus zu tun und schon gar nicht mit der Lehre Buddha.
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Original geschrieben von Thorre
Fiktion 2 - Buddhisten haben niemals Kriege geführt
Falsch. Es mag richtig sein, daß Buddhisten niemals Kriege geführt haben, um andere "Ungläubige" direkt zu bekehren. Sie führten aber sehr wohl Schlachten, um sich und ihre Klöster zu verteidigen, um Einflußgebiete zu erobern, auch um sich mit den politischen Führern eines Landes zu arrangieren und sogar um politische Hegemonie zu erringen.
Das hat niemand behauptet ... oder? In der langen Geschichte des Buddhismus gab es, nach meinem Wissen, auch keinen Fall eines buddhistisch begründeten "Angriffskriegs".
Kein Beispiel, wo mit dem Ziel der Ausweitung des buddhistischen Einflussbereiches, der Mission oder der Bekehrung ein Krieg geführt wurde.
Aus dem 20.sten Jahrhundert gibt es allerdings Beispiele, wo kriegerische Handlungen als Akte der Verteidigung der buddhistischen Kultur oder der Kultur Asiens gerechtfertigt wurden (der Krieg Japans gegen die USA im 2.Weltkrieg; der Krieg der Regierung Sri Lankas gegen den tamilischen Terrorismus). Die Frage die sich mir da unweigerlich aufdrängt ist, sind dies wirkliche Buddhisten im Sinne der Lehre Buddha?
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Original geschrieben von Thorre
Der buddhistische Tempel Kofuku Ji in Nara wurde im Jahre 710 gegründet, verfügte bald über eine große Zahl von Mönchen, die in den Kampf-und Kriegskünsten trainiert waren und war im Laufe seiner Geschichte in mehrere kriegerische Auseinandersetzungen u.a. mit Samurai-Heeren der Familie Taira verwickelt. Als im Jahre 1146 Einheiten der Taira versuchten, den Tempel zu schleifen, schlugen die Mönche den Angriff zurück und beendeten ihn mit einer Kopfschau von 60 Samurai-Schädeln an den Ufern des Tempelteiches.
Handlung im Namen Buddha? Gemäß den ethischen Prinzipien der Buddhistischen Lehre?
Ein Buddhist hätte, dies ist meine Überzeugung, so gehandelt wie dies Ashoka, die Mönche und Lehrer die aus Afghanistan, Pakistan und Indien, vor den anrückenden persisch-islamischen Eroberern nach Tibet flohen, der Dalai Lama, Aung San Suu Kyi, Thich Nhat Hanh, Maha Ghosananda und viele andere mehr die getan haben ... ohne Gewalt erreicht man mehr. Sie lebten die buddhistische Lehre! Folgten Buddhas Beispiel! Siehe Mahatma Gandhi!
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Original geschrieben von Thorre
Buddhistische Klöster waren in Japan ebenfalls Kultstätten kriegerischer Rituale, so z.B. der in Kyoto befindliche Sanjusangendo-Tempel (12. Jhdt. erbaut), bekannt für die 1000 buddhistischen Statuen in seinem Inneren. Auf der langgestreckten Westfassade wurden in früheren Zeiten berühmte Schießwettbewerbe abgehalten. Bei diesem Schieß-Marathon wurden über eine Dauer von 24 Stunden ununterbrochen Pfeile auf eine Entfernung von 120 Metern abgeschossen. Der dokumentierte Rekord lag bei 13.053 Pfeilen. Er wurde vom Krieger Daihachiro Wasa am 7. April 1686 aufgestellt.
War dies der Austragungsort oder waren die Mönche des Tempel die Marathoniten? Gewonnen hat ja ein Krieger, kein Mönch!
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Original geschrieben von Thorre
Weiterhin gibt es zahlreiche Belege für buddhistische Priester, die Meister von Kampfkünsten und auch Kriegskünsten waren, als Beispiel sei die Hozoin Ryu (Schule des Schatzspeicher Tempels) genannt. Der buddhistische Priester Hozoin Kakuzenbo Inei (1521-1607) war Mönch des Tempels Kofuku ji. Er beherrschte den Schwert- und Lanzenkampf und gründete im Alter von 40 Jahren seine eigene Schule - genannt Hozoin Ryu.
Schon komisch, statt ein Kloster zu gründen, gründet er ein Kampfschule! Was soll mir das sagen?
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Original geschrieben von Thorre
Ich will es erst mal bei diesen beiden belassen, weil ich denke, daß das allein schon schwerer Stoff ist. Ein weiterer Punkt wäre die im Buddhismus zu beobachtende Geringschätzung der Frau, aber dazu vielleicht später mehr.
Och, wie im Christentum, Islam usw. ... hat aber mit dem Thema ansich nix mehr zu tun!
Gruß :winke:
Mike