Nein, das ist nicht easy.
Also es ist schon leicht in dem Sinne, dass es einfach ist, aus den meisten Menschen einen Gewalttäter zu machen, wenn man das möchte.
Dazu brauche ich aber keine universelle Liebe, Traumatherapeuten oder dergleichen.
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Du hast es absolut erfasst, schön zu lesen das es Leute gibt die unsere Prüfung verstehen.
Man muss über "Fight" zu "Flight", was nicht möglich ist und letztendlich in "Freeze" mündet. Aus "Freeze" muss man wieder SELBER! rauskommen und zurück in "Fight". Dieser Prozess macht unglaublich viel und ist extrem wichtig.
NIEMALS darf vor dem zweiten "Fight" (also in "Freeze") abgebrochen werden. Das wäre extrem gefährlich.
Der Weg vom ersten "Fight" zum "Freeze" ist für die Prüfer extrem fordernd und auch sehr wichtig. Da sieht man in sich selber auch wichtige Dinge und braucht den Hauptprüfer um weder sich noch den Prüfling massiv zu gefährden.
Von "Freeze" zum erneuten "Fight" ist einfach nur unschön für alle Beteiligten...
Wir haben in der Prüfung einige "Sicherheitsmechanismen" um die Eigen- und Fremdgefährdung zu minimieren und wie du schon geschrieben hast wird man zu der Prüfung eingeladen. Wir kennen den Prüfling über Jahre und trainieren natürlich auch hinterher noch mit ihm.
Was wir dem Prüfling in sich zeigen kann ihm sehr helfen. Wir führen ihn schon vorher an die Tür, in der Prüfung öffnen wir diese und er muss hindurchgehen und anschließend sind wir bei ihm wenn er sich im Raum dahinter umguckt (nach der Prüfung). Das was er in der Prüfung erlebt und erfährt nimmt er mit auf den Weg zum Schwarzgurt (bei uns=Lehrerlaubnis). Die Schwarzgurtprüfung baut dann auf der Verarbeitung der Erfahrungen aus der Grüngurtprüfung auf und geht über 2 Tage.
In der Zeit vor den Prüfungen trainiert man nahezu täglich mit dem Lehrer. Vor der Braungurtprüfung 3-6 Monate, vor der Schwarzgurtprüfung 4-8 Monate.
Wer mit seinem Lehrer diesen Weg gegangen ist, ist bereit für die Prüfung.
Die Prüfungen vorher bereiten den Prüfling natürlich auf das was noch kommt vor und jeder kann und muss für sich entscheiden was er tun (oder auch nicht tun) möchte.
Für mich war meine Braungurtprüfung einer der wichtigsten Tage in meinem Leben (nach meiner Hochzeit und der Geburt meiner Kinder)...
Grüße
Kanken
Wenn jemand Menschen vor den Kopf haut braucht er keine Kampfkunst dazu. Wenn jemand so klar ist und das easy macht kann er etwas boxen gehen und wird mit Sicherheit nen sehr unangenehmer Gegner. Es geht mir um den Großteil der Menschen die zum Karat oder was weiß ich nicht gehen, weil sie lernen wollen kämpfen zu lernen. Ich habe ja bereits geschrieben das es Menschen gibt, die eh kämpfen können. Aber wenn ich jemanden der sich nicht von sich aus wehrt und nicht von sich aus kämpft dazu bringen will sich richtig verteidigen zu können dann muss man ihn mit Gewalt konfrontieren, da kann ich mit Stressdrills nicht gegen an, da muss man heftiger ran. Natürlich geht das auch mit anderen Methoden, die kenne ich aber nicht.
Das mit der nicht vorhandenen Gewalterfahrung meinte ich im allgemeinen, wenn ich einem Schüler zeigen will wie man technisch korrekt zuschlägt kann ich das machen, aber wenn der Schüler keine Gewalterfahrung hat wird er das im ernstfall nicht machen. Ist er aber durch seinen Lehrer soweit gebracht worden, dass er bereit ist Gewalt anzunehmen und anzuwenden dann wird der Untericht in Kampfkünsten nochmal anders. Kann man das jetzt verstehen? Verstehst du mich extra falsch oder ist das echt so verwirrend?
So und zu dem punkt das der Schüler dann verantwortlich ist kann ich nur sagen doch das ist er. Er hatte das Problem nicht kämpfen zu können ich kann ihm ne Tür zeigen und sagen wenn du da durchgehst kannst du kämpfen und wirst es auch tun. Wenn er da durchgeht dann hat er sich dafür entschieden.
Warum so verklausuliert?
Warum ist es extrem gefährlich, die Prüfung abzubrechen?
Beschreibe doch mal bitte das "Freeze"-Stadium bei dem "Prüfling".
In welchem körperlichen und seelischen Zustand befindet er sich denn da?
Mal am Rande:
Was du hier verwurstet beschreibst ist letztendlich diese "brechen und wiederaufbauen" Methode des Militärs.
Nur sollte man nicht vergessen, dass diese angewendet wird, um aus Menschen Killer zu machen, die auf Kommando töten, ohne Fragen zu stellen.
Nö Kelte, du vergisst das ich nicht mit dir rede.
Mit anderen Usern tausche ich mich gerne aus, dich ignoriere ich (nur damit du es auch wirklich verstehst: Du brauchst mich gar nicht mehr ansprechen!).
Also Leute nehmt euch vor uns Österreichern in Acht. Bei uns wird jeder in 6 Monaten Bundesheer Grundausbildung zum Killer ausgebildet. Wir töten auf Kommando. Ohne mit der Wimper zu zucken. Ganz zu schweigen von den Berufssoldaten. Die können sogar auf Kommando töten indem sie mit der Wimper zucken. Und der Rest der Welt auch. :DZitat:
Ich weiß, wir Deutschen haben keine Soldaten, sondern Bürger in Uniform.
Der Rest des Planeten hat Soldaten. Und der Job eines Soldaten ist es nun mal, auf Kommando zu töten.
Ich weiß ja nicht welchen Planeten du meinst kelte aber die Erde kanns jedenfalls nicht sein.
Spannende Frage: Worin liegt der Unterschied, zwischen eine "...ziemlich konkrete Form von Gewalt zu übern..." und dem Ausüben von Gewalt? Hat Gewalt letztlich doch keine klare Kontur und liegt es allein in der rhetorischen Finesse, in welchen wortreichen Schwall man das Wort "Gewalt" einsetzt, ohne etwas konkretes damit zum Ausdruck zu bringen?
Liegt es nicht einerseits in der Natur von Kampfsport bzw. Kampfkunst, sich auch in diesem Sport messen zu wollen und sich von daher einem Regelwerk zu bedienen und Techniken als Mittel zum Zweck auf Basis dieses sportlichen Wettkampfes zu modifizieren? Ist es nicht - andererseits - auch so im Kampfsport bzw. der Kampfkunst, dass ansonsten Techniken als Intervention gegen Gewalt ein-geübt werden, also z. B. auf Basis von Taktik und Ökonomie? Was ich damit fragen will: Fehlt beim üben der "Gewalt" im KS oder der KK letztlich nicht der wichtigste Teil von Gewalt, nämlich ihr Motor, bzw. ihre Absicht, bzw. ihre Intention, nämlich an Grenzen zu gehen, die ein "kluges Handeln" unmöglich macht?
Weiterhin fragst du, "...Kann man denn KK oder KS üben, ohne daß die Dimension der Gewalt in einer bestimmten Art und Weise mindestens indirekt anwesend ist?..."Die Probleme dieser Frage liegen einerseits im Ausdruck "Dimenson der Gewalt", andererseits im Wort "indirekt" - beides ist unendlich dehnbar. Spontaner Reflex wäre meinerseits die Gegenfrage: Wenn man für einen z. B. TKD-Wettkampf übt, was genau wäre hier inhaltlich die "Dimension" von Gewalt und wie konkret könnte hier eine "direkte" oder "indirekte" Anwesenheit von Gewalt durch welches Instrument gemessen werden? Gilt Gleiches nicht für jeden Sportler, der sich auf einen Wettkampf vorbereitet oder wo genau ist hier die Trennlinie zu ziehen?
Erst einmal kann ich diese Zahlen überhaupt nicht bestätigen. Wir führen zwar keine empirischen Erhebungen durch, die meisten Kids kommen allerdings meiner Beobachtungen nach eher aus Gründen der sportlichen Betätigung und der Suche nach dem passenden Instrument dafür zu uns. Zu den 100% von Sozialpädagogen gehöre ich nicht, weil ich mich da offensichtlich auch inhaltlich besser auskenne. Diese Sprüche von wegen "...ausagieren von Gewalt..." höre ich natürlich in meinem Job sehr sehr häufig... auch, dass nur KK oder KS zu mehr Selbstvertrauen bzw. Selbstbewusstsein führen können. Als Pädagoge weiß ich, dass derartige Attribute z. B. auf Erfolgserlebnissen aufbauen, die Grundlagen dafür jedoch in der eigenen Sozialisation zu finden sind. Demnach könnte hier jedes Mittel helfen, dass zu mehr Erfolgserlebnissen führt und das Selbstwirkungsprinzip auf Basis einer gelungenen sozialen Integration unterstützt. Deshalb würde ich hier auch mehr auf sozialer angelegte Sportarten, wie Hand-, Fuß- oder Basketball setzen.Zitat:
Ca. 75% der Eltern, die ihre Kinder bei uns anmelden möchten, haben die Intention, daß ihr Kind lernt, sich auf dem (Grund-)schulhof zu wehren.
100% der Sozialpädagogen, die meinen, es täte den von ihnen betreuten Kindern gut aikidô zu üben, sind der Meinung, daß es ihnen helfen würde, das Ausagieren von Gewalt kontrollieren zu lernen.
Was also bleibt? Aus meiner Sicht auch weiterhin eine unklare Sichtweise auf die reale Gewalt. Für mich immer noch unklar, ob es "gute" und "schlechte" Gewalt gibt? Die überhaupt wichtigste Frage, ob man Gewalt, wo und wie immer sie vorkommt, nicht entschiedener gegenüber treten sollte, bleibt bis hierher jedenfalls unbeantwortet.
Gute Gewalt würde ich vermuten wird es nie geben. Zuallerst sollte Gewalt (jedweder Sorte) das letzte Mittel sein, von daher kann sie generell nicht gut geheißen werden. Unter Umständen kann sie gerechtfertigt oder notwendig sein, aber auch das liegt höchstwahrscheinlich im Auge des Betrachters.
[Edit: Die Gewalt in kankens Prüfung würde ich als notwendig für einen gewissen Zweck (der Erfahrung der Gewalt) erachten, und da der Prüfling der Gewalt zustimmt auch als gerechtfertigt, aber das ist meine Ansicht]
Und da Gewalt meistens Spuren sowohl am "Opfer" als auch am Gewaltausübenden hinterlässt würde ich per Se Gewalt als schlecht einstufen.
Und vor der Frage ob man Gewalt entschiedener entgegentreten sollte, ist - denke ich - erst einmal die Frage wie man Gewalt überhaupt entgegentreten kann zu beantworten. Danach kann man dann über den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und Wirkung darüber nachdenken wie bestimmt man der Gewalt entgegentritt.
Kleines Beispiel, damit der Absatz nicht ganz so schwer verdaulich bleibt:
Ein Kind scheuert seinem Klassenkameraden grundlos eine.
Jetzt ist die Frage (wenn ich handle)
Versuche ich das ganze ohne Gewalt abzuhandeln, nehme das Kind an die Hand und erkläre ihm wie es dem Opfer geht, bringe es mit dem Opfer zur Aussprache und hoffe, dass das Kind einsieht, dass das falsch war.
Oder handle ich gemäß der Verhältnismäßigkeit und ermahne ihn (was die Gefahr mit sich bringt, dass er die Ermahnung ignoriert und zum "Wiederholungstäter" wird). Und wenn ich das tue, in welcher Intensität reagiere (auch evtl. Wiederholungen)
Oder betrachte ich die Wirkung und versohle dem Kind so den Hintern, dass es drei Tage lang nicht mehr sitzen kann, aber dafür garantiert nie wieder jemandem eine klatscht (dafür aber evtl. Probleme für den Rest seines Lebens mitnimmt)
Klar überspitzt formuliert, aber irgendwo zwischen den Szenarien spielt sich das ganze dann wohl ab..
Ergänzung:
Kann man "Gewalt" überhaupt entgegentreten? Trete ich der Gewalt entgegen übe ich ja in gewissem Sinne Gewalt aus (ich zwinge den anderen mit der Gewaltausübung aufzuhören), und tue ich das nicht geht die Gewaltausübung weiter.
ich finde es wirklich erstaunlich, das Bild von den gewaltgehemmten Karateka, die sich nicht wehren können.
Echt, Du meinst, Du machst Leute scharf und bringst Die an Energien, die die nach Deiner Aussage noch nicht kontrollieren können und wenn die dann jemand verprügeln (Gewalt ist ja kein esoterischer Firlefanz, sondern handfestes Machtmittel) dann ist das Ihre Entscheidung, aber Du bist nicht dafür verantwortlich, weil, Du hast ja nur die Tür gezeigt?
Es hat mich jetzt doch gewundert, dass Dich Kanken in diesem Punkt nicht korrigiert hat, diese intensive Auswahl und Betreuung klingt irgenwie mehr nach Verantwortung übernehmen.