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Luaith
Mir ist egal, wie man es am Ende bezeichnen will. Aber zentraler Dreh- und Angelpunkt der Kampfkunst ist nun einmal die physische Gewalt. Das möchtest du nicht ernsthaft bestreiten?
Nein. Ich bestreite das nicht. Aber um zu "rekapitulieren" Kampfkunst wäre die Wissenschaft von Gewalt, müßte m.E. die Kampfkunst auch vermitteln bzw. erforschen was "die Ursache von Gewalt" ist.
Aber das tut sie nicht. Sie kann allenfals als Antwort auf Gewalt gesehen werden bzw. als geeignetes Mittel, die Gewalt möglichst unbeschadet von sich abzuwenden.
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Die sagen vermutlich mehr dazu, als es sich unsereiner jemals vorstellen kann. Ich musste schon hart schlucken, als ich im Zuge meiner Ausbildung zum ersten Mal ein Foto von einem Mordopfer gesehen habe, das mit einer Lichterkette derart stranguliert wurde, das man bis auf den Wirbelsäulenknochen schauen konnte. Ich schätze mich als relativ abgebrüht an, aber da war ich doch erstmal benommen. So etwas wird normalerweise in unseren Medien zensiert und die erste Konfrontation nur mit einem Bild(!) riss mich schon gewaltig aus meiner Comfort Zone. Da hilft dann auch ein 3. Platz im DKO German Open nicht weiter.
Nun, die ersten Bilder bei denen ich schlucken mußte waren die (alt bekannten) vom D. roten Kreuz, die man in der Schule zu sehen bekommt.
Dann vergingen ca. 15 Jahre und ich mußte wieder schlucken als ich Bilder von Leuten sah, die Opfer einer Messerattacke wurden.
Etwa einmal die Wohe hantiere ich mit meinem 1A Fleischermesser. Das hat mich so viel Geld gekostet wie alle meine übrigen Messer zusammen. Das zerschneidet mir jedes Stück Fleisch wie weiche Butter. Man brauch wirklich nicht viel Vorstellungskraft, um sich die zerstörerische Wirkung eines oder mehrerer "Schälschnitte" mit dieser Klinge vorzustellen.
Oder eines Schnittes der mit ausreichend Druck von oben nach unten (oder umgekehrt) geführt wird. Da brauch man binnen Sekunden keinen Arzt mehr zu rufen.
Und irgendwelche besonderen Kenntnisse brauch man da auch nicht.
Aber was könnte man damit "erforschen"? Das Innenleben eines Menschen?
Ich weiß das klingt sarkastisch, aber genau das ist der Punkt: was wird dabei wissenschaftlich erforscht, wenn man jemanden filetiert, erschießt, erdrosselt (wie in deinem Beispiel), in die Luft sprengt und dergleichen "Gewalttaten" mehr?
Erkläre mir, wo dabei die wissenschaftlich fundierte Betrachtungsweise zu erkennen ist?
Oder wenn du dir das erwähnte Bild anschaust: was hast du dabei erforscht, das über "das Erforschen deiner eigenen Psyche", deines eigenen Abscheus (des Widerwillens dir das Foto überhaupt anzusehen) hinaus ging?
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Sehe ich anders. Kriegskunst hat mit Kampfkunst nicht allzuviel gemeinsam. In der Kriegskunst geht es um den makroskopischen Maßstab. Heer gegen Heer, und du bist der Bauer, der gezogen wird. In der Kampfkunst geht es gewissermaßen um das "One-on-One". Wie überlebst du eine relativ kleine Außeinandersetzung, die dich betrifft? Auch im alten Japan sind die Armeen schwerbewaffnet aufeinander los gestüzt und fingen nicht an, auf dem Schlachtfeld plötzlich Kumite zu machen. Kampfkunst war m.E. niemals wirklich mit der Kriegskunst verbunden, außer vlt. über einige wenige Gemeinsamkeiten und die Benutzung als allgemeine Körperertüchtigung.
Kampfkunst gibt es seit ca. 3.500 Jahren. Und nicht erst seit dem jungen "alten Japan".
Es waren keine "Armeen" die die ersten Kampfkünste entwickelt haben, sondern Mönchen.
Aber gut: mit Krieg müssen sie nichts zu tun gehabt haben. Trotzdem war der Verwendungszweck der gleiche. Man wollte sich gegen seine Feinde verteidigen können. Vor 3.500 Jahren hieß das: "ich töte dich bevor du mich tötest".
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Nein. Wissenschaft ist die Schaffung von Wissen. Mir scheint, du theoretisierst hier schon wieder zu sehr. Der Praktiker, der Auseinandersetzungen erlebt hat, weiß mehr zum Thema Gewalt als zuvor.
Er weiß mehr über die Formen der Gewalt, über die Auswirkung von Gewalt etc.. Aber selbst der, der sich regelmäßig auf der Straße behauptet, kann dir nicht sagen "was die Ursache für die Eskalation" ansich gewesen ist.
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Das ist Wissenschaft. Nicht das Nachäffen von Schlangen und Drachen, wie es die Mönche um der Kunst Willen praktiziert haben. Die hatten einfach Langeweile.
Komisch. Ich war erst vor ca. 1,5 ahren auf einem Lehrgang mit Fritz Nöpel. Damals hat der was von 8 Tierstilen erzählt und von fünf Tier-Formen, die jede für sich z.B. die Intensität der Selbstverteidigung bzw. des Gegenangriffs beinhalten.
Dadurch werden z.B. auch verschiedene Methoden definiert, wie man jemanden an Kleidungsstücken oder direkt auf der Haut greift, so daß der Griff z.B. schmerzhaft ist oder sich nicht mehr lösen kann.
Das sind doch alles sehr wichtige Elemente in der SV, oder bestreitest du das?
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Come again? Den Schluss kann ich nicht nachvollziehen. Kampfkunst ist Gewalt. Das ist so, als würdest du darüber diskutieren wollen, ob Schwimmen etwas mit Wasser zu tun hat. Und nebenbei bemerkt: Tradition ist die denkbar schlechteste Informationsquelle, aus der man Wissen über Gewalt beziehen kann. Erfahrung und Verstand sind vorzuziehen. Ersteres hat kaum jemand, Letzeres glauben in Bezug zur Gewalt zu viele zu haben.
Nein. Im Prinzip wollen wir (also eigentlich nur du) "wissenschaftlich fundiert erforschen", warum das Wasser naß ist. Und darauf gibt es genau so wenig eine Antwort wie auf die Frage: warum ist eine Blume schön.
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Oder dem Willen, es zu tun. Wer Karate macht, ohne Kämpfen lernen zu wollen, macht keine Kampfkunst sondern Sport. Du bist doch auch kein Bauer, nur weil du Rindersteaks auf den Grill haust.
Deine Vergleiche sind der Hammer.
Abgesehen davon, daß ich nie behauptet habe "nicht kämpfen lernen zu wollen", bin ich insofern auch kein Schwimmer, nur weil ich mich im Wasser forwärts bewege.
Dann kann ich immer noch Schwimm-Ärmchen anhaben oder gar auf einer Luftmatratze liegend mit den Armen "rudern".
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Praxisfernes Akademikergeschwafel. Sorry. Nenne mir einen einzigen Fall in Deutschland, wo das Opfer einer ECHTEN SV-Situation vom Richter zum Täter gemacht wurde.
Also äh. Da gibt es genaug. Soll ich jetzt für dich die Zeitung aufschlagen?
Ja bitte....?
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Bei echter Gewalt gibt es kein Reagieren. Das ist zu langsam. Da gibt es nur agieren.
Reflexe eben.........
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Praxisfernes Akademikergeschwafel. Sorry. Nenne mir einen einzigen Fall in Deutschland, wo das Opfer einer ECHTEN SV-Situation vom Richter zum Täter gemacht wurde. Noch einmal: Der Prollo in der Disco, der dich schubst weil du seiner Ische hinterher schaust, ist KEINE echte Gewalt. Mir scheint, wir reden hier von zwei verschiedenen "Gewalten". Du von sozialen Dominanzspielchen, ich vom "Assault". Mir fällt das deutsche Wort nicht ein. Ich rede nicht von Proleten, Hirarchiegeschwurbel oder Prestige. Ich rede von Mord, Raub, Vergewaltigung, Brandstiftung, Sadismus, Fetisch. Das ist Gewalt, und da gibt es keine - aber auch absolut GAR keine - Überlegung anzustellen. Du gehst volle Kanne drauf und lässt erst dann ab, wenn sich der Agressor nicht mehr rührt oder du eine sichere Gelegenheit zur Flucht hast. Alles andere ist Gelaber.
Hm. Passieren dir selber diese Dinge oder kommst du als Dritter dazu?
Das ist nämlich genau der kleine aber feine Unterschied.
Es gibt zwar "Notwehrhilfe", sprich du kannst für das Opfer sozusagen die Notwehr übernehmen, aber dabei kannst du auch in die Falle tappen:
hast du noch nie erlebt, wenn sich ein Mann und eine Frau prügeln, richtig prügeln, ein dritter geht dazwischen und dann gehen beide auf den Dritten los........?
Stell dir mal vor du hättest dabei sofort dein "Assault" voll ausgelebt und nun stehst du wegen einer Mordanklage, mit dem vemeintlichen "Opfer" vor Gericht:
"Herr Richter, das war nur unser Vorspiel und der Kerl da (Finger auf dich zeig) hat meinem Mann einfach von hinten das Genick gebrochen. Ich werde nie vergessen, wie sich das angehört hat (FLENN). Schlägt meinem Mann mit der Handkante ins Genick (buhuhuhuuuuu)......."
Fassungsloses Kopfschütteln im Publikum, ein Raunen geht durch die Reihen.......
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Ich sehe keinen Bezug zur Kampfkunst. Das ist konstruiert. Der Bodenturner betreibt also auch Kampfkunst, weil er sich instinktiv sauber abrollt, wenn er sich aufs Maul legt?
Nein, er betreibt "Grenzerfahrungen sammeln", seine Reflexe und seinen Körper betreffend.
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Nichts gegen Kenei, aber sein Buch ist typisch Japanisch: Vollgepropft mit Binsenweisheiten und wohlklingenden Märchen.
Willst du damit sagen der Mann lügt, was z.B. den Sturz in den 5 Meter tiefen Abgrund anbelangt?
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Wir reden von Gewalt. Immer noch.]
Korrektur:
Wir (du) reden von "wissenschaftlicher Erforschng von Gewalt".
Würden wir bloß "über Gewalt" reden, bräuchten wir nur über Kampfkunst zu reden.
Wollen wir (du) die Gewalt als solche erforschen, müssten wir versuchen auch die Ursachen zu ergründen.
Und, hat sich die lange Reise gelohnt? :)