Erst einmal ein riesengroßes Dankeschön für Deine Antwort, das Teilen der Erfahrungen, einen Einblick in eure/Deine Handhabe und Deine Ausführungen - sie haben mir sehr weitergeholfen!
Eine ziemlich analoge Handhabe habe und hatte ich persönlich immer im Stand - ganz ohne Konsens oder Richtlinien. Wenn sich das auch aufs Grappling übertragen lässt und sich bei euch bewährt hat, freut mich das riesig - ob es dahingehende Unterschiede gibt, kann/konnte ich alleine einfach nicht beurteilen - und ich mache dann auch (in diesem Fall jedoch lediglich als Sportler) genau so weiter und versuche Vertrauen, Sicherheit und Respekt zu vermitteln und dementsprechend mit den Partnern umzugehen :).
(Ich hätte nur noch eine kleine - wenn auch nebensächliche - Frage: Wie und wie oft weist ihr denn auf die Ansprechpartner/in hin und stehen die auch für „generelle“ Probleme zur Verfügung oder nur, wenn es ein Ereignis auf der Matte, den Sport oder die Trainingsatmosphäre betrifft?
Hintergrund der Frage: Bei uns (im Stand) ist das irgendwie komplett untergegangen, die Zettel an der Tür oder Hinweise im Internet werden nie wirklich beachtet - wir sprechen es nicht an, da es schlicht nicht in die Situation passt - und ich hatte das Glück, dass eigentlich (sobald mal was nicht gepasst hat von dem ich weiß) direkt der Trainer involviert wurde bzw. es direkt unter den Betroffenen geklärt wurde; sexuelle Belästigungen waren allerdings (zum Glück) nicht dabei.
(Im BJJ wurde mir wohl indirekt die Rolle des Ansprechpartners zu Teil und es gibt nichts Offizielles. Zumindest suchen häufiger Leute mit mir das vier-Augen Gespräch bzw. meine Hilfe und (evtl. auch verletzend) ehrliche Meinung und ich befürchte schlicht, dass ich, aufgrund des fehlenden tiefergehenden Wissens um den Sport, evtl. nicht die richtige Person dafür bin - jedoch lese ich immer mehr heraus, dass es eigentlich meistens egal ist, ob es sich ums MT oder BJJ handelt bzw. das Spezifische nur einen verschwindend geringen Anteil ausmacht beim Entscheidenden Teil der „Klärung“ bzw. der diese ermöglicht (dem Kommunizieren).)
(Der nächste Teil richtet sich nicht mehr direkt bzw. nur an Dich :).)
Je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr ist mir aufgefallen, dass die Vorfälle - die zum Glück weder in nennenswerter/auffälliger Anzahl noch wirklich belastender oder schwerwiegender Art und Weise auftraten - sich Großteils zwischen Anfängern (Weiß- bis Blaugurt) abgespielt haben oder von Außenstehenden ausgingen, die ihre Wertmaßstäbe auf die Situation projiziert und entschieden haben, wie sich die Person fühlen müsse oder sich in die Situation gedrängt haben, um sich regelrecht angegriffen zu "fühlen". Auch hat sich der Großteil unter „fremden“ Sportlern abgespielt, während im eigenen Team die entsprechende Dynamik herrschte und sich eigentlich alle kannten und wussten, wie Sprüche zu werten sind bzw. auch mal gesagt wurde, dass es nervt und dann war Ruhe. (Deshalb würde mich umso mehr interessieren, wie viele der (in der Umfrage) genannten sexuellen Belästigungen den Personen zugesetzt haben und wie viele lediglich beim Nachdenken, was man denn (evlt. auch nur als Außenstehender) als sexuelle Belästigung werten könnte; erstere Fälle sind für mich persönlich die Wichtigen, während ich von letzteren Fällen wohl täglich mehrere Belästigungen, die mich betroffen haben, konstruieren könnte, die allerdings lediglich zulasten der „wichtigen“ Fälle gehen.)
Dahingehend stellt sich mir die Frage, ob man das nicht - wie ich es beispielsweise bei Wettkämpfereinheiten geregelt und keine (bzw. nur ausgewählte) externe Zuschauer geduldet habe - über den Ausschluss regeln könnte, andererseits ist das mMn bei Open Mats, Freizeit- und Hobbygruppen eine schlechte Lösung und sogar bei den Wettkämpfern überflüssig, da wussten die Außenstehenden, dass sie sich freiwillig und bewusst auf das Training einlassen und bestimmte Aktionen und Ansagen richtig zu deuten wissen bzw. war es dort irgendwie nie ein Problem der Außenstehenden. (Der Ausschluss erfolgte, um Ablenkungen zu vermeiden und weil ich es zwar klasse finde, wenn man seine Kinder/Eltern/Freunde/... unterstützt, nur kann ich Zwischenrufe vom Rand so überhaupt nicht ab... :D Hatte also nie etwas mit derartigen Situationen zu tun.)
Auch stellt sich mir die Frage, ob die selbstregulierende Wirkung im BJJ lediglich „länger“ dauert als im Stand bzw. es im Stand schlicht viel mehr „Spielraum“ gibt - von Fitnessgruppen bis reinen Wettkampfeinheiten, über kontaktloses Training, Sandsack, Partnerübungen, Pratzentraining, leichtes Sparring bis hin zu hartem Sparring. Während im BJJ der Körperkontakt schlicht nicht wegzudenken und eigentlich immer vorhanden ist, egal bei welcher Intensität und ein mögliches Missverständnis oder eine "übersensible" Reaktion dadurch stark begünstigt wird. Im Stand sind die Menschen, für die es schlicht nichts ist bzw. die mit der Situation nicht zurecht kommen oder sie überbewerten meist spätestens nach 6 Monaten weg bzw. in einer anderen Gruppe, im BJJ sehe ich das deutlich seltener und kenne selbst einen Fall, der bereits seit 2 Jahren ständig Extrawürste benötigt und das Level derart runter reguliert, dass es eigentlich nichts mehr mit Rollen zu tun hat und sich damit im Recht fühlt. (Gibt es diese selbstregulierende Wirkung bzw. Gruppendynamik in diesem Sinne überhaupt im BJJ oder liegt es lediglich daran, dass die „höheren“ Sportler so lange dabei sind, dass ihnen der Sport offensichtlich derart viel bedeutet (bzw. Spaß macht), dass sie deshalb darüberstehen und der Rest bis zu diesem Punkt bereits aufgehört hat?)
Innerhalb der (eingespielten) Gruppe ist dann auch relativ schnell klar, dass beispielsweise der individuelle Umgang mit Personen von diesen akzeptiert (oder gewünscht) wird und ist für den Rest auch in Ordnung, solange dasselbe Verhalten nicht auch auf sie angelegt wird. Problematisch wird es dann wieder nur bei größeren Gruppen oder wechselnden Mitgliedern, die man dann nicht wirklich kennt und die sich im besten Falle über den Trainer und dessen Selektion einspielen.
LG
Vom Tablet gesendet.

